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Full text of "Literaturblatt für germanische und romanische Philologie 7.1886"

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BEQUEATHED BY 


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llniucveitii of ütlichtgan 

1896 - 1899 . 





















































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Literaturblatt 

für 

germanische «„a romanische Philologie. 


Herausgegeben 


von 


Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Neumann 


o. 3. Professor der germanischen Philologie 
•an der Universität Basel. 


- o. 3. Professor der romanischen Philologie 
an der Universität Freiburg. 


Verantwortlicher Redaoteur: Prof. Dr. Fritz Naumann. 


Siebenter Jahrgang. 

1886. 



Heilbronn. 

Verlag von Gebr. Henninger. 


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Hof-Uuchdruckcrei von O. Otto in Darmstadt. 


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Register, 


I. Verzeichntes der bisherigen Mitarbeiter des Literatnrblatts. 


Alton, Dr. Johann, Professor in Wien. 

Ainira, Dr. K. v., Professor an der Universität Freiburg i. B. 
Appel, Dr. C., Privatdozent an derUniversität in Königsberg. 
+ Arnold, Dr. W., Professor an dor Universität Marburg. 
Aus fei d, Dr. Ad., Professor in Donauesohingen. 
Aymerie, Dr. J., Leotor an der Universität Bonn. 
Baechtold, Dr. J„ Privatdozent an der Universität Zürich. 
Bah der, Dr. K. v., Professor an der Universität Leipzig. 
Bai st, Dr. G., Bibliothekar in Erlangen. 

Bangert, Dr. F., in Friedrichsdorf. 

Bartsch, Dr. K., Geh. Hofrath und Professor an der Uni¬ 
versität Heidelberg. 

Bech, Dr. Feodor, Professor in Zeitz. 

Bechstein, Dr. R., Professor an der Universität Rostock. 
Bcohtel, Dr. F., Professor an der Universität Göttingen. 
Becker, Dr. R., Rector in Düren. 

Behaghel, Dr. O., Professor an der Universität Basel. 
Berlit, Dr. G., in Leipzig. 

Bernhardt, Dr. E., Oberlehrer in Erfurt. 

Bindewald, Dr., Reallehrer in Giessen. 

Biszegger, Dr. W., Redact d. neuen Züricher Zeit, in Zürich. 
Bl au na, Dr., Oberlehrer in Strassburg i. E 
Bobertag, Dr. E, Privatdozent an der Universität Breslau. 
Bock, Dr. C., in Hamburg. 

Böddeker, Dr. phil., in Stettin. 

Böhme, F. M., Professor in Frankfurt a. M. 

Boos, Dr. H., Professor an der Universität Basel, 
f Brandes, Dr. H., Professor an der Universität Leipzig. 
B ran dl, Dr. Al., Professor an der Universität Prag. 
Brandt, H. C. G., Professor in Clinton, N.-Y. Nord-Amerika. 
Branky, Dr. F., Professor in Wien. 

Brenner, Dr. O., Professor an der Universität München. 
Brenning, Dr. E., in Bremen. 

Brey mann, Dr. H., Professor an der Universität München. 
B right, Dr. James W., in Baltimore, Nord-Amerika. 
Brugmann, Dr. K., Professor a. d. Universität Freiburg i. B. 
Brunnemann, Dr., Director in Elbing. 

Buchholz, Dr. H-, in Berlin. 

Bar dach, Dr. Konr., Privatdoz. a. d. Universität Halle a. 8. 
f Caix, Dr. Napoleone, Prof, am Istituto di Studi superiori 
in Florenz. 

f Canello, Dr. U. A., Professor an der Universität Padua. 
Cederschiöld, Dr. G., Professor an der Universität Lund. 
Cihac, A. von, in Wiesbaden (?). 

Coelho, F. A., Professor in Lissabon. 

Cohn, Dr. G., Professor an der Universität Heidelberg. 
Cornu, Dr. J, Professor an der Universität Prag. 
Crocelius, Dr. W., Professor in Elberfeld. 

Dahierup, Dr. V., in Kopenhagen. 

Dahn, Dr. Fel., Professor an der Universität Königsberg. 
Droyaen, Dr. G., Professor an der Universität Halle. 
Düntzer, Dr. H., Professor in Köln. 

•f Edzardi, Dr. A., Professor an der Universität Leipzig. 


Ehrisroann, Dr. G., in Pforzheim. 

E i n e n k e 1, Dr. E., Privatdozent a. d. Akademie Münster i. W. 
Elster, Dr. E., Oberlehrer in Leipzig. 

Fischer, Prof. Dr. H., Bibliothekar in Stuttgart. 

Förster, Dr. Paul, Oberlehrer in Charlottenburg. 

Foth, Dr. K., Oberlehrer in Doberan i. M. 
f Franke, Felix, in Sorau. 

Fritsche, Dr. H., Director in Stettin. 

Fulda, Dr. Ludwig, in Mönchen. 

Gail de, Dr. J., Professor an der Universität Utrecht. 
Gärtner, Dr. Th., Professor an der Universität Czernowitz. 
Gaspary, Dr. A., Professor an der Universität Breslau. 
Gaster, Dr. Moses, in Bukarest. 

Gelbe, Dr. Th., Director in Stolberg. 

Gombert, Dr. A., Professor in Gross-Strelitz (Oberschlesien). 
Gröber, Dr. G., Professor an der Universität Strassburg. 
Gun dl ach, Dr. A., in Weilburg a. L. 

Hausknecht, Dr. E., in Berlin (jetzt in Tokio). 

Helten, Dr. W, L. van, Professor a. d. Universität Groningen. 
Henrici, Dr. Emil, Oberlehrer in Berlin. 

Hertz, Dr. Wilh , Professor am Polytechnikum in München. 
Herz, Dr. J., in Frankfurt a. M. 

Heyne, Dr. M., Professor an der Universität Göttingen. 
Hintzelmann, Dr. P., Bibliothekar in Heidelberg. 
Holder, Professor Dr. A., Hofbibliothekar in Karlsruhe. 
Holstein, Dr. H., in Geestemünde. 

Humbert, Dr. C., Oberlehrer in Bielefeld. 

Hunziker, Dr. J., in Aarau. 

Ive, Dr. A., in Roveredo. 

Jarnik, Dr. J. U., Professor an der Universität Pr^g. 
Jellinghaus, Dr. phil., in Kiel. 

Jönsson, Dr. Finnur, in Kopenhagen. 

Joret, Charles, Professor in Aix-en-Provence. 

Karg, Dr. Karl, in Darmstadt. 

Karsten, Dr. G., Professoren der Universität von Indiania 
(Bloomington, N.-A.). 

Kau ff mann, Dr. F., Privatdozent a. d. Universität Marburg. 
Kern, Dr. H., Professor an der Universität Leiden. 
Klapperich, Dr. J, in Elberfeld. 

Klee, Dr. G., in Bautzen. 

Klinghardt, Dr. H., Oberlehrer in Reichenbaoh i. Schl. 
Kluge, Dr. Fr., Professor an der Universität Jena. 
Knigge, Dr. Fr., in Weetzen. 

Knörieh, Dr. W., Oberlehrer in Wollin i. Poram. 

Koch, Dr. John, in Berlin. 

Koch, Dr. Max, Professor an der Universität Marburg. 
Kock, Dr. Axel, in Lund. 

Kögel, Dr. R., Privatdozent an der Universität Leipzig. 
Köhler, Dr. Reinh., Oberbibliothekar in Weimar. 

Kölbing, Dr. Eugen, Professor an der Universität Breslau. 
Ko er t ing, Dr. G., Professor an der Akademie Münster i. W. 
Koerting, Dr. H., Privatdozent an der Universität Leipzig. 
Kosohwitz, Dr. E., Professor an der Universität Greifswald. 


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VII 


1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. (Register.) 


VIII 


Kraeuter, Dr. J. F., Oberlehrer in 8aargemflnd. 

Krause, Dr. K. E. H., Direotor des Gymnasiums in Rostock. 
Kressner, Dr. A., in Kassel. 

Krüger, Dr. Th., in Bromberg. 

Krummaoher, Dr. M., Direotor in Kassel. 

Kühn, Dr. phil., in Wiesbaden. 

Kummer, Dr. K. F., Professor in Wien. 

Laohmund, Dr. A., in Ludwigslust i. M. 

Laistner. Dr. L., in München. 

Lambel, Dr. H., Professor an der Universität Prag. 
Lamprecht, Dr. phil., in Berlin. 

Larsson, Dr. L., in Lund. 

Lasson, Dr. A., Privatdozent an der Universität Berlin. 
Laun, Dr. A., Professor in Oldenburg, 
eh mann, Dr. phil., in Frankfurt a. M. 
f Lemoke, Dr. L., Professor an der Universität Giessen. 

L e v y, Dr. E., Privatdozent an der Universität Freiburg i. Br. 
Lidforss, Dr. E., Professor an der Universität Lund. 
Liebreoht, Dr. F., Professor an der Universität Lüttich. 
Lion, Dr. 0. Th., Professor in Hagen i. W. 

Loeper, Dr. phil. von, Geh. Ober-Regierungsrath in Berlin. 
Löwe, Dr. phil., in Strehlen. 

Ludwig, Dr. E., Oberlehrer in Bremen. 

Lund eil, J. A., Professor an der Universität Upsala: 
Mahrenholtz, Dr. R., in Dresden. 

Mangold, Dr. W., in Berlin. 

Marold, Dr. K., Gymnasiallehrer in Königsberg. 

Martens, Dr. W., Professor in Tauberbischofsheim. 

M artin, Dr. E., Professor an der Universität Strassburg i. E. 
Maurer, Dr. K., Professor an der Universität München. 
Meyer, Dr. Fr., Professor an der Universität Heidelberg. 
Meyer, Dr. K., Professor an der Universität Basel. 

Meyer, Dr. R., Professor in Heidelberg. 

Meyer, Dr. W., Privatdozent an der Universität Zürich. 
Michaelis de Yasconoellos, Carolina in Porto. 
Milchsaok, Dr. G., Bibliothekar in Wolfenbüttel. 

Minor, Dr. J„ Professor an der Universität Wien. 
Misteli, Dr. F., Professor an der Universität Basel. 

Mogk, Dr. E., in Leipzig. 

Morel-Patio, A„ Secrdtaire de l’öcole des ohartes in Paris. 
Morf, Dr. H., Professor an der Universität Bern. 
Muncker, Dr. F., Privatdozent an der Universität München. 
Mussafia, Dr. A., Hofrath u. Prof, an der Universität Wien. 
Nagele, Dr. A., Professor in Marburg i. 8t. 

Nerrlich, Dr. P., in Berlin. 

Neumann , Dr. F., Professor a. d. Universität Freiburg i. B. 
f Nicol, Henry, in London. 

N y r o p,' Dr. Kr., in Kopenhagen. 

Ost hoff, Dr. H., Professor an der Universität Heidelberg. 
Ottmann, Dr. H., in Weilburg a. d. L. 

Paul, Dr. H., Professor an der Universität Freiburg i. Br. 
Pauli, Dr. C., in Leipzig. 

Petersens, Dr. Carl of, Bibliothekar in Lund. 

Pf aff, Dr. F., Bibliotheksassistent in Freiburg i. Br. 

Picot, Dr. E., Consul honoraire, Professor an der Ecole des 
langues orientales vivantes in Paris. 

Pietsoh, Dr. Paul, Professor an der Universität Greifswald. 
Piper, Dr. P., Professor in Altona. 

Proescholdt, Dr. L., in Homburg v. d. H. 

Raynaud, G., Employö au döpartement des manuscrits de 
la Bibliothöque nationale in Paris. 

Regel, Dr. E., Oberlehrer in Halle. 

Reinhardstöttner, Dr. K. von, Professor in München. 
Reissenberger, Dr. K., Professor in Graz. 

Rhode, Dr. A., in Hagen i. W. 

Rolfs, Dr. W., in London. 

8ach8, Dr. K., Professor in Brandenburg. 

Sallwürk, Dr. E. von, Oberschulrath in Karlsruhe. 
Sarrazin, Dr. G., Privatdozent an der Universität Kiel. 
Scartazzini, Dr. J. A., in?. 

Scheffer-Boichorst, Dr., Professor an der Universität 
Strassburg i. E. 


Schmidt, Dr. J., Professor in Wien. 

Schnell, Dr. H., in Altona. 

Schnorr von Carolsfeld, Dr. H., in München. 
Scholle, Dr. F., Oberlehrer in Berlin. 

Schröder, Dr. R., Prof. a. d. Universität Göttingen. 
Schröer, Dr. A., Professor an der Universität Freiburg i. B. 
Schröer, Dr. K. J., Professor in Wien. 

Schröter, Dr. A., in Meran. 

Schuohardt, Dr. H„ Professor an der Universität Graz. 
Schultz, Dr. 0., Gymnasiallehrer in Altenburg. 

Schulze, Dr. Alfred, in Berlin. 

Schwan, Dr. E., Privatdozent an der Universität Berlin. 
Settegast, Dr. Fr., Professor an der Universität Leipzig. 
Sievers, Dr. E, Professor an der Universität Tübingen. 
Sittl, Dr. K., Privatdozent an der Universität München. 
Sooin, Dr. A, in Basel. 

Söderwall, Dr., Professor an der Universität Lund. 

Sold an, Dr. G, Professor an der Universität Basel. 
Sprenger, Dr. R., Realschullehrer in Northeim i. H. 

8 tä hei in, Dr. R., Professor an der Universität Basel. 
8tengel, Dr. E., Professor an der Universität Marburg. 
Stiefel, Dr. A. L., in Nürnberg. 

Stjernström, Dr. G., Bibliothekar in Upsala. 

Stimm ing, Dr. A., Professor an der Universität Kiel. 
Storm, Dr. J., Professor an der Universität Kristiania, 
f St rat mann F. H., in Krefeld. 

Strauch, Dr. Ph., Professor an der Universität Tübingen. 
Stürzinger, Dr. J., Professor am Bryn Mawr College in 
Philadelphia. 

Suchier, Dr. H., Professor an der Universität Halle. 
Symons, Dr. B., Professor an der Universität Groningen. 
Ten Brink, Dr. B., Professor an der Universität Strass¬ 
burg i. E 

Thurneysen, Dr. R., Professor an der Universität Jena. 
Tobler, Dr. A., Professor an der Universität Berlin. 

To bl er, Dr. L., Professor an der Universität Zürich. 
Toischer, Dr. W., Professor in Wien. 

Tomanetz, Dr. K., Professor in Wien. 

Tümpel, Dr. W., in Hamburg. 

Ulbrich, Dr. A., Rector der 2. Höh. Bürgersohule zu Berlin. 
Ullrich, Dr. H., Oberlehrer in Chemnitz. 

Ulrich, Dr. J., Professor an der Universität Zürich. 

Unterforcher, Dr. A., Professor in Leitroeritz. 

Vetter, Dr. F., Professor an der Universität Bern. 

Vietor, Dr. W., Professor an der Universität Marburg. 
Vising, Dr. J., Dozent an der Universität Lund. 
Vockeradt, Dr. H.; Sohuldireotor in Recklinghausen. 
Vogt, Dr. F., Professor an der Universität Kiel. 

Volkelt, Dr. J., Professor an der Universität Basel. 
Vollroölier, Dr. K., Professor a. d. Universität Göttingen. 
Wack, Dr. G., in Colberg. 

Wacker na gel, Dr. J., Professor an der Universität Basel. 
Wätzoldt, Dr. St, Profossor und Sohuldireotor in Berlin. 
Wegener, Dr. Ph., Gymnasialdirector in Neuhaldensleben. 
Weinholdt, Dr. K., Professor an der Universität Breslau. 
Wen dt, Dr. G., Gymnasialdirector und Oberschulrath in 
Karlsruhe. 

Wesselofsky, Dr. phil., Professor an der Universität 
Petersburg. 

Wiese, Dr. B., in Halle. 

Willenberg, Dr. G., in Spremberg. 

Wilmanns, Dr. W., Professor an der Universität Bonn, 
te Winkel, Jan, in Groningen, 
f W iss mann, Dr. Theod., in Wiesbaden, 
f Witte, Dr. K, Geh. Justizrath und Professor an der Uni¬ 
versität Halle. 

Wo!ff, Dr. J., Professor in Mühlbaoh (Siebenbürgen). 

W o 1 p e r t, Dr. G., in Augsburg. 

Wülcker, Dr. E., Archivar in Weimar. 

Ziemer, Dr., Oberlehrer in Colberg. 

| Z in gar eilt, Dr. N., Prof, am Liceo in Campobasso (Italien). 
[ Zingerle, Dr. W., Privatdozent an der Universität Wien. 


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IX 


1886. LiteraturbUtt für germanisohe and romanische Philologie. (Register.) 


X 


II. Alphabetisches Verzeichniss der besprochenen Werke. 

(Ein * bedeutet, dass das betr. Werk io der Bibliographie kura besprochen wurde.) 


Adgars Mario liegenden, heraasgegeben von Neuhaus 
(Mussaf ia) 103. 

Alscher, Sir Thomas Wyatt (Pr5s oholde) 327. 

Appel, Die Berliner Hss. der Hirne Petrarcas (Wiese) 408. 

Aqaenza, Sammlung spanischer Lust- und Schaospiele 
(Kressner) 292. 

Arnoldi Lubecensis Oregorius, hrsg. von Buchwald 
(Paul) 355. 

Asböth, Slawisches in der magyarischen christl. Termino¬ 
logie (Sch uo har dt) 152. 

Bachmann, Zur Geschichte der schweizerischen Guttural¬ 
laute (Kauffmann) 395. 

Baschet, Les Comediens Italiens ä la Cour de France 
(8tiefel) 27. 

Bene in i, II vero Giov. Batt. Fagiuoli e il Teatro in Tosoana 
(Stiefel) 187. 

Bettelheim, Beaumarchais (Mah renholtz) 369. 

Biadego, Da libri e manoscritti spigolature (Wi e»e) 289 

Bier bäum, Die Reform des fremdsprachlichen Unterricht« 
(Kli nghardt) 339. 

B 5 c k e 1, Deutsche Volkslieder aus Oberhesson (L. T o b 1 e r) 51. 

Bötticher, Das hohe Lied vom Ritterthum. Eine Be¬ 
leuchtung des Parzival (Bock) 133. 

Bremer, Germanisohes £ (Kauffmann) 443. 

Brinkmann, Syntax des Französischen und Englischen 
(K1 i n g h a r d t) 16. 

Cafes so. Das Bild in der dramatischen Sprache Grillparzers 
(Koch) 12. 

Calderon, Der wunderthätige Zauberer, hrsg. von Krenkel 
(8tiefel) 374. 

Cervantes, El Cuento del Cautivo, hrsg. von Diercks 
(Kressner) 292. 

Chabaneau, Poösies inödites des troubadours du Pörigord 
• (Levy) 27. 

C h a r d o n, La vie de Rotrou (Stiefel) 143. 

Christian von Troyes sämmtliche Werke, hrsg. von 
W. Foerster I (Baist) 285. 

Ci an, Uo Decennio della Vita di Pietro Bombo (Gaspary) 371. 

Copte-rendu du Congrös international des Amöricanistes 
(Brenner) 445. 

Cosijn, Altwestsächsische Grammatik II (Kluge) 454. 

C r e s c i n i, L’ Allegorie dell’ Ameto del Boooaceio (G a s p a r y) 
407. 

Cre^n, Codicele Voronetean etc. (W. Meyer) 376. 

Crane, Italian Populär Tales (Liebreoht) 291. 

D’Anoona, VarietA storiche e letterarie (Gaspary) 234. 

Diefenbaob-Wüloker, Hoch- u. niederdeutsches Wörter¬ 
buch (Pietsch) 172. 

Engel, Zusammenstellung der Faustschriften vom 16. Jh. bis 
Mitte 1884 (Behaghel) 54. 

Eng wer, Anwendung der Tempora perf. statt der Tempora 
imperf. act. im Altfranz. (Sohulze) 288. 

Ercole, Guido Cavaloanti e le sue rime (Gaspary) 332. 

Exodus, Die altdeutsche, hrsg. v. Kossmanu (v. B a h d e r) 446. 

Fels, Das Wörterbuoh der franz. Akademie (Soldan) 59. 

Fernow, The Three Lords and Three Ladies of London 1590 
(Prösoholdt) 14. 

Fesenmair, Spanisch© Bibliothek (Kressner) 292. 

-, Lehrbuch der spanischen 8prache (Baist) 410. 

Fisoh, Generalmajor von Stille und Friedrich der Grosse 
oontra Leasing (Muncker) 221. 

Gaederts, Reuter-Reliquien (Behaghel) 177. 

Goedeke, Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung 
(Lambel) 89. 

GomboZh&bes s. Hearn. 

Gräfenberg, Beiträge zur franz. Syntax des XVL Jh.’s 
(Ulbrich) 60. 

Grimm, Briefwechsel der Gebrüder, mit nord. Gelehrten 
hrsg. von Sohmidt (Kölbing) 313. 


Gualandi, Accenni alleorigini dellapoesia italiana(Meyer) 
463. 


Gönthner, Calderon* Dramen aus der spanischen Geschichte 
(Stiefel) 338. 


Haase, Zur Syntax Robert Garniers (Ulbrich) 21. 

Hahn, 8. Nibelungenlied. 

Haltrich-Wolff, Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen 
(Behaghel) 102. 

Hammerich, Die Kunst goroeinfasslicher Darstellung (v. 
Sallwürk) 118. 

llarpf. Schopenhauer und Goethe (Volkeit) 490. 

Hartmann u. Abele, Volkslieder iu Bayern etc. (Milch- 
sack) 270. 

Haupt, Die deutsche Bibelübersetzung der mittelalterlichen 
Waldenser (Stälielin) 8. 

Hearn, Gorobo Zhöbes. Dictionary of Croole proverbs 
(Sch uchar dt) 72. 

Heinzel, Ueber die Nibrlungensage (8ymons) 449. 

Henke, s. Nibelungenlied. 

Henning, Die deutschen Haustypen (Hunziker) 268. 

♦Hertz, Spielmannsbuch. Novellen in Versen aut dem 
12. u. 13. Jh. (Neumann) 43. 

Hettler, Schillers Dramen (Muncker) 491. 

Hildebrand, Rousseau vom Standpunkt der Psychiatrie 
(v. Sallwürk) 330. 

Hoffory-Schlenther, Dilnische Schaubühne (Br en u er) 99. 

Hofmann, Die logudoresische und campidanesische Mundart 
(Meyer) 69. 

Home mann, Zur Reform des neuspraohlichen Unterrichts 
(Klinghardt) 339. 

Hüllen, Vokalismus des Alt- und Neusicilianisohen (Mus- 
safia) 238. 

Humbert, Puppentragödie vom Sich Selbst Entleibenden 
Lindau (Knörich) 404. 


Imbriani, Della Siracusa di Paolo Reggio (Wiese) 68. 

Jahn, Deutsche Opfergebräuche bei Ackerbau u. Viehzucht 
(Mogk) 316. 

Jahrbuch der deutsehen Shakespeare - Gesellschaft XX 
(Prösoholdt) 275. 

Jahresbericht über die Erscheinungen auf dem Gebiete 
der germ. Philologie (Behaghel) 49. 

Johannseo, Der Ausdruck des Conoessiv Verhältnisses im 
Altfranzösischen (Schulze) 180. 

Joseph, Konrads von Würzburg Klage der Kunst (Bech) 6. 

Jo st es, Die Waldenser und die vorlutherische deutsche 
Bibelübersetzung (Stähelio) 9. 


Kamp, 8. Nibelungenlied. 

Kaufmann, Ueber Hartmanns Lyrik (Becker) 399. 

Kaufmann, die Geschichte d©3 consonant. Auslauts im 
Französischen (W. Meyer) 141. 

Keller, Joh. K. Schillers Jugend (Wendt) 176. 

Kembe, Die Grafen von Mausfeld in den Liedern ihrer Zeit 
(Toblor) 9a 

Kern, Lehrstoff für den deutschen Unterrioht in Prima 
(Behaghel) 228. 

Khull, Geschichte der altdeutschen Diohtung (Reissen- 
berger) 171. 

Kirchrath, Li Romans de Durmart le Galois (Zingerle) 
114. 

Klein, Die Dichtungen des Monohs von Montaudon (Levy) 
455. 

Klötzer, 3chiller in seinen Beziehungen zur Musik (Wendt) 12. 

Kluge, Nominale Stamm bildungslehre der altgerm. Dialekte 
(v. Bah der) 482. 

Koberatein-Bartsch, Grundriss der Geschichte der 
deutschen Nationalliteratur (Lambel) 89. 

Kosohwitz, Com ment zu aen ältesten franz. Sprachdenk¬ 
mälern (W. Meyer) 2a 

La r s8o n, Isländska Handskriften Nr. 645 4° (B r e nn er) 217. 

Lasius, Das friesische Bauernhaus (Hunziker) 267. 

Linder, om Tilltalsord i svenska Spr&ket (Mogk) 49. 


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XI 


1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. (Register.) 


xn 


Literaturdenkmale, Deutsche, des 18. u. 19. Jh. 22. 24 
(Koch) 273. 

Litzmann, Briefe von Anna Maria t. Hagedorn (Mancher) 
272. 

Lotheissen, Königin Margarethe von Navarra (Joret) 179. 

Lotz, Auslassung, Wiederholung und Stellvertretung im Alt- 
fransösisohen (8 o h u 1 z e) 829. 

Lull, Obras de Ramon, ed. Rossellö (Morel-Fatio) 507. 

Mahn, Grammatik der altprovenz. Sprache (Stengel) 186. 

Mahrenboltz, Voltaire'®Loben u. Werke(v. Sal 1 würk)230. 

Mangold und Coste, Lehrbuch der französischen Sprache 
(Kraeuter) 183. 

Mannhardt, Mythologische Forschungen (Mogk) 316. 

Marlowe’s Tamburlaine, hrsg. v. A. Wagner (Koch) 228. 

Mauerhof, Zur Idee des Faust (Elster) 10. 

Moli Öre, Ausgabe der Grands Ecrivains de la France IX 
(Mahrenholtz) 501. 

Moli Öres Werke, hrsg. v. Laun-Knörich XIV (Mahren- 
holtz) 116. 

Moliöre, Les Femmes Savantes, hrsg. v. Lion (Mahron- 
holtz) 64. 

Morandi, La Franoesca di Dante (Wiese) 117. 

Moritz, Anton Reiser, hrsg. v. Geiger (Muncker) 325. 

Müllenhoff-Roediger, Altdeutsche Spraohproben 
(Behaghel) 486. 

Müller, Siebenbürgische Sagen (Reissenberger) 226. 

Neudrucke, Wiener, 9. 10. 11 (Koch) 323. 

Nibelungenlied, das, nach der Hs. A in phototyp. Nach¬ 
bildung (Behaghel) 353. 

Nibelungenlied, Uebersetzungen von Henke, Hahn, Kamp 
(Symons) 487. 

Nick las, J. A. Sohmellers Leben und Wirken (Behaghel) 
481. 

Nor een, Om Spr&kriktighet (Vising) 357. 

-och Schüok, 1500- och 1600- talens Yisbökor (Mogk) 

132. 

Nyrop, Adjektivernes Konsbojning i de romanske Sprog 
(Meyer) 280. 

Octavian, Zwei raittelengl. Bearbeitungen, hrsg. v. Sarrazin 
(Hauskneoht) 137. 

Odin, Phonologie des patois du canton de Yaud (Meyer) 492. 

Osterhage, Ueber die Spagna istoriata (Wiese) 508. 

Paul, Principien der Sprachgeschichte (Behaghel) 441. 

Pörcopo, IY poemetti sacri dei secoli XIY e XY 
(Mussafia) 30. 

Perey und Maugras, La Yie intime de Yoltaire aux 
Dölices et ö Ferney (Morf) 231. 

Philipon, Phonötique lyonnaise au XIV* siöcle (Mussa¬ 
fia) 66. 

Philippe de Remi, (Euvres poötiques p. p. Suchier 
(Schnell) 498. 

PI ein es, Hiat und Elision im Provenzalischen (Levy) 503. 

Poöme moral, hrsg. v. Cloetta (To bl er) 864. 

Poletto, Dizionario Dantosco I (Wiese) 462. 

Puitspelu, Trös humble essai de phonötique lyonnaise 
(M ussafia) 68. 

Renier, II tipo estetico della donna nel medio evo (Wiese) 34. 

Revilla, y Aloäntara Garcia, Historia de la literatura 
espanola (Baist) 464. 

Riegel, Der allgemeine deutscheSprachverein(Behaghel)55. 

Rieder, Schillers Verhältnis zur franz. Revolution (Wend t) 

Rübezahl, seine Begründung in der deutschen Mythe 
(Mogk) 222. 

Rustebuefs Gedichte, hrsg. v. Kressner (Gun dlaeh)367. 

Sauer-Röhrich, Diälogos Castellanos (Kressner) 292. 

Saxonis Grammatici Gesta Danorum, hrsg. v. A. Holder 
(Martens) 356. 

Sbiera, Codicele Yeronetean cu un vooabolarlü etc. (W. 
Meyer) 147. 


Sohiller, Ueber naive und sentimentalische Dichtung, hrsg. 
v. Egger u. Rieger (Wondt) 11. 

Schipper, William Dunbar (Koch) 326. 

Schlenther, Frau Gottsched u. die bürgerliche Komödie 
(Muncker) 360. 

Schmidt, Das Pronomen bei Moliöre (Schulze) 62. 

Schuohardt, Ueber die Lautgesetze (Paul) 1. 

-, Romanisches und Keltisches (Neumann) 402. 

8 c h w a n, Die altfranz. Liederhandschriften (Raynaud) 496. 

Sohwartz, Indogermanischer Yolksglaube (Mogk) 316. 

Schwarz, Die metrischen Eigentümlichkeiten in Wolframs 
Parzival (Behaghel) 8. 

Scott, The Lady of the Lake, hrsg. von Krummacher 
(Regel) 58. 

8 e a m e r, Shakespeare^ Stories, hrsg. v. Saure (K r e 8 s n e r) 56. 

86 bi llot, Couturaes pop. de la Haute Bretagne (Lieb- 
reoht) 370. 

Seeger, Lohrbuch der neufranz. Syntax (Klinghar dt) 19. 
i Sievers, Grundzüge der Phonetik (Gärtner) 191. 

-, Proben einer metrischen Herstellung der Eddalieder 

(8ymons) 129. 

8peyer, Tales from the history of England (Waok) 103. 

Sprach- und Literaturdenkmale, Englisohe, hrsg. von 
Vollmöller 3 (Koch) 863. 

Steck, Goethe und Lavator (Muncker) 54. 

Stengel, Beziehungen der Brüder Grimm zu Hessen (Be¬ 
haghel) 393. 

Stern, Geschichte der neuern Literatur (Muncker) 169. 

Stoub, Zur Namens- und Landeskundo der deutschen Alpen 
(Unterforcher und Alton) 242. 

*Storck, Hundert altportugiesische Lieder (Reinhard¬ 
stöt tner) 42. 

Strackorjan, Der Mensch iin Spiegel der Thierwolt 
(Behaghel) 56. 

Sweet, Elementarbuch des gesprochenen Englisch (S c h r 5 e r) 
411. 

Trautmann, Die Sprachlaute im Allgemeinen etc. (Sehröer) 
411. 

Ulfilas, hrsg. von Mor. Heyne (Behaghel) 485. 

Ulrich, Altitalienisches Lesebuch (Mussafia) 145. 

Unterforcher, Romanische Namenreste aus dem Puster- 
thale (Alton) 188. 

Vietor, Elemente 4er Phonetik (Schröer) 411. 

— —, Die Aussprache der in dem Wörterverzeichnis etc. 
enthaltenen Wörter (Schröer) 411. 

— —, German Pronunciation (Schröer) 411. 

Vilmar, Lebensbilder deutscher Dichter und Germanisten 
(EhrUmann) 394. 

Vogol, Ensenanza Pr&ctica etc. (Kressner) 292. 

Volf, Von wem lernten dio Magyaren schreiben und lesen? 
(Sohuchardt) 152. 

Waldberg, Die galante Lyrik (Koch) 362. 

Wegen er, Untersuchungen über die Grundfragen desSpraoh- 
lebens (M i s t e 1 i) 265. 

Wershoven, Englisches Lehrbuch (Wolpert) 279. 

Western, Englisohe Lautlehre (Sohröer) 411. 

— —, Kurze Darstellung der engl. Aussprache (S ch röer) 411. 

Wiechmann-Hofmeister, Mecklenburgs altnieder¬ 
sächsische Literatur (Krauso) 135. 

Wilmanns, Der sog. Heinrich von Melk (Behaghel) 51. 

Woher, Die Reichersberger Fehde und das Nibelungenlied 
(Symons) 397. 

Wolfram v. Eschenbaoh, Parzival. Uebertragung von 
Bötticher (Bock) 133. 

York Plays. Ed. by L. T. Smith (Pröscholdt) 178. 

Zaoher, Beiträge zum Lyoner Dialekt (Mussafia) 66. 

Zehle, Laut- und Flexionslehre in Dantes Divina Commedia 
(W. Meyer) 405. 

Zeitschriften, Aus rumänischen (Tiktin) 465. 

Zingarelli, un Sirventese di Ugo di Sain Ciro (Levy) 331. 


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XIII 


1Ö86. Litornturblstt für germanische und romanische Philologie. (Register.) 


XIV 


III. Sachlich geordnetes Verzeichniss der besprochenen Werke. 

(Ein • bedeutet, da»« das betr. Werk in der Bibliographie kur* besproeben wurde.) 


A. Allgemeine Literatur- and Caltargeschichte (incl. 
mittelalterliche lat. Literatur.) 

Stern, Geschichte der neueren Literatur (Muncker) 169. 


Renier, II tipo estetico della donna nel medio evo 
(Wiese) 34. _ 


Sch war tz, Indogermanischer Volksglaube (Mogk) 316. 
Strackerjan, Der Mensch im Spiegel der Thierwolt 
(Behaghel) 56. 


Hearn, Gombo Zh&bes: Dictionary of Creolo Proyerbs 
(Schuchardt) 72. 


B. Sprachwissenschaft. 

(excl. Latein.) 

Paul, Principien der Sprachgeschichte (Behaghel) 441. 
Sohuchardt, Ueber die Lautgesetze (Paul) 1. 

Wegen er, Untersuchungen über die Grundfragen des Sprach- 
lebens (Misteli) 265. 


8ievers, Grundzflge der Phonetik (Gärtner) 191. 
Vietor, Elemente der Phonetik (Sehr5er) 411. 
Trantmann, Die Sprachlaute im Allgemeinen etc. (Sohröer) 


AsbtSth, Slawisches in der magyarischen christlichen Ter¬ 
minologie (Schuchardt) 152. 

Volf, Von wem lernten die Magyaren schreiben und lesen? 
(Schuchardt) 152. 


C. Germanische Philologie. 

(excl. Englisch.) 

Jahresbericht über die Erscheinungen auf dem Gebiete 
der german. Philologie (Behaghel) 49. 


Vilmar, Lebensbilder deutscher Dichter und Germanisten 
(Ehrismann) 394. 

Grimm, Briefwechsel der Gebrüder, mit nord. Gelehrten, 
brsg. von Schmidt (K ölbing) 313. 

Stengel, Beziehungen der Brüder Grimm zu Hossen (Be¬ 
haghel) 393. 

Nioklas, J. A. Sch meliere Leben u. Wirken (Behaghel) 4SI. 


Koberstein-Bartsch, Grundriss der Geschichte der 
deutschen Nationalliteratur (Lam bei) 89. 

Goedek e, Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung 
(Lambel) 89. 

Heinzei, Ueber die Nibeluogensage (8ymons) 449. 
Müllenhof f-Bo ediger, Altdeutsche Sprachproben (Be¬ 
haghel) 486. 


Mannhardt, Mythologische Forschungen (Mogk/ 316. 
Jahn, Deutsohe Opfergebräuche bei Ackerbau u. Viehzuoht 
(Mogk) 316. 

Rübezahl, seine Begründung in der deutschen Mythe 
(Mogk) 222. 

Müller, Siebenbürgisohe Sagen (Beissenberger) 226. 

H a 11 r i c h-W o 1 f f, Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen 
(Behaghel) 102. 


Henning, Die deutschen Haustypen (Hunziker) 268. 
Lasius, Das friesische Bauernhaus (Hunziker) 267. 

Kluge, Nominale Stammbildungslehre der altgerm. Dialekte 
(t. Bahder) 482. 

Bremer, Germanisches 0 (Kauffmann) 443. 


Die einzelnen germanischen Sprächet* und Literaturen. 
G o t i 8 c h. 

Ulfilas, hrsg. t. Moritz Heyne (Behaghel) 485. 


Soandinavisoh. 

S i e ▼ er s, Proben einer metrisohen Herstellung der Eddalieder 
(Symons) 129. 

L a r s 8 o n, Isländska Handskriften Nr. 645 4° (B r e n n e r) 217. 
Saxonis Grammatioi Gesta Danorum, hrsg. von Holder 
(Martens) 856. 

Hoffory-8ohlenther, Dänische Schaubühne (B r e n n e r) 99. 

Compte-rendu du Congrös international des Amdricanistes 
(Brenner) 445. _ 


Noreen och Schück, 1500- och 1600-talens Visböker 
(Mogk) 132. 

Noreen, Om Spr&kriktighet (V i s i n g) 357. 

Linder, Om Tilltalsord i svenska Spraket (Mogk),49. 


Hochdeutsch. 

Khull, Geschichte der altdeutschen Dichtung (Reissen- 
berger) 171. 

Waldberg, Die galante Lyrik (Kooh) 362. 


Exodus, Die altdeutsche, hrsg. t. Kossmann (v. Bahder) 
446. 

Wilmauns, Der sog. Heinrich von Melk (Behaghel) 51. 

Nibelungenlied, UebersetzungenTon Henke, Hahn,Kamp 
(Symons) 487. 

-, Das, nach der Hs. A in pbototyp. Nachbildung (Be¬ 
hage!) 353. 

Wdber, Die Reichersberger Fehde and das Nibelungenlied 
(Symons) 397. 

Wolfram von Esohenbach, Parzival. Uebertragung von 
Bötticher (Book) 183. 

Bötticher, Das Hohe Lied vom Ritterthum. Eine Be¬ 
leuchtung des Parzival (Book) 183. 

Sohwarz, Die metrisohen Eigenthümliohkeiten in Wolframs 
Parzival (B e h a g h e 1) 8. 

Kaufmann, Ueber Hartmanns Lyrik (Beoker) 399. 

Arnoldi Lubecensis Gregorius, hrsg. von Buohwald 
(Paul) 355. 

Joseph, Konrads vonWürsburg Klage der Kunst (Bech) 6. 

Haupt, Die deutsche Bibelübersetzung der mittelalterlichen 
Waldenser (8tähelin) 8. 

J o s t e s, Die Waldenser und die vorlutberische deutsohe Bibel¬ 
übersetzung (Stähelin) 9. 

Deutsohe Literaturdenkmale des 18. und 19 Jh’s. 22. 
24 (Koch) 27R 

Neudrucke, Wiener, 9. 10. 11 (Kooh) 323. 


Kembe, Die Grafen von Mansfeld in den Liedern ihrer Zeit 
(Tobler) 98. 

Hartmann u. Abele, Volkslieder in Bayern etc. (Milch- 
sack) 270. 

Böokel, Deutsche Volkslieder ausOberhessen (L. Tobler)61. 


Schlenther, Frau Gottsohed und die bürgerliche Komödie 
(Munoker) 360. 

Litzmamn, Briefe von Anna Maria v. Hagedorn (Munoker) 
272. 

Fisch, Generalmajor von Stille und Friedrich der Grosse 
contra Leasing (Munoker) 221. 

8teck, Goethe und Lavater (Munoker) 64. 

H a r p f, Schopenhauer und Goethe (V o 1 k e 11) 490. 
Mauerhof, Zor Idee des Faust (Elster) 10. 

Engel, Zusammenstellung der Faustschriften vom 16. Jh. bis 
Mitte 1884 (Behaghel) 54. 

Moritz, Anton Reiser, hrsg. v. Geiger (Munoker) 826. 


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XV 


1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. (Register.) 


XVI 


Ri eg er, Schillers Verhältnis zur französischen Revolution 
(Wendt) 402. 

Klötzer, Schiller in seinen Beziehungen zur Musik (Wen dt) 12. 

Hettler, Schillers Dramen (Muncker) 491. 

Schiller, Ueber naive und sentimentalische Dichtung, hrsg. 
v. Egger und Rieger (Wendt) II. 

Keller, Joh. Kasp., Schillers Jugend (Wendt) 176. 

Cafasso, Das Bild in der dramatischen Sprache Grillparzers 

(Koch) 12. _ 

Bachmann, Zur Gesohiohte der schweizerischen Guttural¬ 
laute (Kauffmann) 895. 

Vietor, Die Aussprache der in dem Wörterverzeichniss etc. 
enthaltenen Wörter (Schröer) 411. 

-, German Pronunciation (Schröer) 411. | 

Riegel, Der allgemeine deutsche Sprachverein (Behaghe 1)55. j 

Diefenbach-Wülcker, Hoch-und niederdeutsches Wörter- j 
buch (Pietsch) 172. j 


Nieder de ätsch. 

Wieohmsnn-Hofmeister, Mecklenburgs altnieder- 
sächsisohe Literatur (Krause) 135. 

Gaedertz, Reuterreliquien (Behaghel) 177. 


D. Englische Philologie. 

Sprach- und Literaturdenkmale, Englische, hrsg. 
von Yollmöller (Koch) 363. 

Octavian, Zwei mittelengl. Bearbeitungen, hrsg. v. Sarrazin 
(Hausknecht) 137. 

York Plays, ed. by L. T. Smith (Prösoholdt) 178. 

Marlowe*s Tamburlaine, hrsg. v. A. Wagner (Koch) 228. 

Fernow, The Three Lords and the Three Ladies of London 
1590 (Pröscholdt) 14. 

Jahrbuch der Deutschen Shakespeare - Gesellschaft XX 
(Pröscholdt) 275. 

8 e a m e r, Shakespeare’s Stories, hrsg. v. Saure (K r e s s n e r) 56. 

Alscher, Sir Thomas Wyatt (Pröscholdt) 827. 

Schipper, William Dunbar (Koch) 326. 

Scott, The Lady of de Lake, hrsg. v. Krummacher (Regel) 58. 

8peyer, Tales from the History of England (Wack) 103. 

Gosijn, Altwestsächsisohe Grammatik II (Kluge) 454. 

Sweet, Elementarbuch des gesprochenen Englisch (Schröer) 
411. 

Western, Kurze Darstellung der englischen Aussprache 
(Sohröer) 411. 

-, Englische Lautlehre (8ehröer) 411. 

Wershoven, Englisches Lehrbuch (Wo 1 perl) 279. 

Brinkmann, Syntax des Französischen und Englischen 
(Klinghardt) 16. 

E. Romanische Philologie. 

(inol. Latein.) 

Schuchardt, Romanisches u. Keltisches (Neutnann) 402. 

Nyrop, Adjektivernes Konsboining i de romanske Sprog 
(Meyer) 280. 


Die einzelnen romanischen Sprachen und Literaturen . 
Italienisch. 

G u a 1 a n d i, Accenni alle origini della poesia italiana (Meyer) 
463. 

Ulrich, Altitalienisches Lesebuch (Mussafia) 145. 
Crane, Italien Populär Tales (Liebrecht) 291. 

D’Ancona, Varietä storiohe e letterarie (Gaspary) 234. 
Biadego, Da libri e manosoritti spigolature (Wiese) 289. 

Morandi, La Francesca di Dante (Wiese) 117. 

Poletto, Dizionario Dantesoo I (Wiese) 462. 


Eroole, Guido Cavalcanti e le sue rime (Gaspary) 332. 

C r e s c i n i, L’ Allegorie dell’ Ameto del Boccaccio (Gaspary) 
407. 

Appel, Die Berliner Hss. der Rime Petrarcas (Wiesel 408. 

Osterhage, Ueber die Spagna istoriata (Wiese) 508. 

Pörcopo, IV poemetti sacri dei secoli XIV e XV (Mus¬ 
safia) 30. 

Cian, Un Decennio della vita di P. Bembo (Gaspary) 371. 

I m b r i a n i, Della Siracusa di Paolo Reggio (W lese) 68. 

Bencini, II vero Giov. Batt. Fagiuoli e il Teatro in Toscana 
8tiefel) 187. _ 

Zehle, Laut- und Flexionslehre in Dantes Divina Commedia 
(Meyer) 406. 

Hüllen, Vokalismus des Alt- und Neu-Sicilianischen (Mus¬ 
safia) 238. 

Hofmann, Die logudoresische und caropidancsische Mund¬ 
art (Meyer) 69. 


Ladi nisch. 

Steub, Zur Namens- und Landeskunde der deutschen Alpen 
(Unterforcher u. Alton) 242. 

Unterforcher, Roman. Namenreste aus dem Pusterthale 
(Alton) 188. 


Rumänisch. 

Zeitschriften, Aus rumänischen (Tiktin) 465. 

Sbiera, Codicele Veronetean cu un vocabolarlü etc. (W. 
Meyer) 147. 

Cre^u, Codicele Veronetean etc. (W. Meyor) 376. 


Französisch. 

Schwan, Die altfranzösischen Liederhandschriften (Ray¬ 
naud) 496. 

* Hertz, Spielmannsbuch. Novellen in Versen aus dem 12. 
und 13. Jh. (Neuoian n) 43. 

Basch et, Les Comödiens Italiens ä la Cour de France 
(Stiefel) 27. 

86billot, Coutumes popul. de la Haute-Bretagne (Lieb¬ 
recht) 370. _ 

Koschwitz, Coramentar zu den ältesten französ. Sprach¬ 
denkmälern (W. Meyer) 23. 

Christian von Troyes sämmtliche Werke, hrsg. von W. 
Foerster I (Baist) 285. 

Kirohrath, Li Romans de Durmart le Galois (Z i n g e r 1 e) 114. 

Ad gar s Marienlegenden, hrsg. von Neuhaus (Mus¬ 
safia) 103. 

Philippe de Rerai, CEuvres poötiques, p. p. Suchier 
(Sohn eil) 498. 

Rustebuefs Gedichte, hrsg. von Kressner (Gund- 
1 ach) 367. 

Poörae moral, hrsg. v. Cloetta (Tobler) 364. 


LotheisBen, Königin Margarethe von Navarra (Joret) 179. 

Moliöre, Ausgabe der Grands Ecrivains de la France IX 
(Mahrenholtz) 501. 

Moliöres Werke, hrsg. v. Laun-Knörich XIV (Mahren¬ 
holtz) 115. 

M 0 1 i ö r e, Les Femmes 8avantes, hrsg. v. Lion (Mahren¬ 
holtz) 64. 

Humbert, Puppentragödie vom Sich Selbst Entleibenden 
Lindau (Knörioh) 404. 

Chardon, La vie de Rotrou (Stiefel) 143. 

Bettel heim, Beaumarchais (Mahrenholtz) 369. 

Mahrenholtz, Voltaires Leben und Werke (v. Sall- 
wück) 230. 

Perey und Maugras, La vie intime de Voltaire aux 
Dölices et ä Ferney (Morf) 231. 

Hildebrand, Rousseau vom Standpunkt der Psychiatrie 
(v. Sallwürk) 380. 

Mangold u. Coste, Lehrbuch der französischen Sprache 
(Kraeuter) 183. _ 


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1 




XVII 


1866; Literaturblatt für germanische und romanische'Philologie. (Register.) 


xvm 


Kaufmann, Die Geschichte des oonsonant Auslauts im 
Französischen (W. Meyer) 141. k 


Brinkmann, 8yntax des Französischen und Englischen 
(Klinghardt) 16. 

Seeger, Lehrbuch der neufranz. Syntax (Kling har dt) 19. 

Gräfenberg, Beiträge zur franz. Syntax des XVI. Jh’s. 
(Ulbrich) 60. 

Haase, Zur Syntax Robert Garnier’s (Ulbrioh) 21. 

Eng wer, Anwendung der Tempora perf. statt der Tempora 
imperf. actionis im Altfranzösischen (8obalze).288. 

Johannsen, Der Ausdruck des Concessivverhältnisses im 
Altfranzösischen (Schulze) 180. 

Lots, Auslassung, Wiederholung und Stellvertretung im Alt- 
französisohen (Schulze) 329. 

Sohmidt, Das Pronomen bei Moliöre (Schulze) 62. 


Fels, Das Wörterbuch der frans. Akademie (Soldan) 59. 


Franco-Provenzalisoh. 

Zaoher, Beiträge zum Lyoner Dialekt (Mussafia) 66. 

Phi lipon, Phonätique lyonnaise au XIV* siöcle (Mussa¬ 
fia) 66. 

Puitspelu, Trös humble essai de phonätique lyonnaise 
(Mussafia) 68. 

Odin, Phonologie des patois du canton de Vaud (Meyer) 492. 


Pro vensalisch. 

Ghabaneau, Poäsies inödites des troubadours du Pärigord 
(Levy) 27. 

Klein, Die Dichtungen des Mönchs von Montaudon (Levy) 
455. 

Zingarelli, Un 8irventese di Ugo di Sain Ciro (Levy) 83^ 
Plein es, Hiat und Elision im Pro venzalisohen (Levy) 503. 


Mahn, Grammatik der altprov. Sprachen (Stengel) 186. 


Catalanisoh. 

Lull, Obras de Ramon, cd. Rossellö (Morel-Fatio) 507. 


Spanisch. 

Re villa y Alc&ntara Garcia, Historia de la literatura espanola 
(Baist) 464. ___•_ 

Fesenmair, Spanische Bibliothek (Kresauer) 292. 
Aquenza, Sammlung spanischer Lust- und Schauspiele 
(Kressner) 292. _ 

Cervantes, El Cuento del Cautivo, hrsg. von Diercks 
(Kressner) 292. 

Calderon, Der wunderthätige Zauberer, hrsg. t. Krenkel 
(Stiefel) 374. 

Gflnthner, Calderons Dramen aus der spanischen Geschichte 
(8tiefel) 338. _ 


Fesenmair, Lehrbuoh der Spanischen Sprache (Baist) 410^ 
Sauer-Röhrich, Diälogos castellanos (Kressner) 292. 
Vogel, Ensenanza Präctica etc. (Kressner) 292. 


Portugiesisch. 

*Storok. Hundert altportugiesische Lieder (Reinhard- 
stöttner) 42. 


F. Pädagogik. 

(Schnlgrtmm&tikftn a. bei den einzelnen 8preobeo.) 

Bier bäum. Die Reform des fremdsprachlichen Unterrichts 
(Klinghardt) 339. 

.Hornemann, Zur Reform des neusprachlichen Unterrichts 
(Klinghardt) 339. 

Kern, Lehrstoff für den deutschen Unterricht in Prima (Be¬ 
hage)) 228. 

Hammerioh, Die Kunst gemeinfasslicher Darstellung (v. 
Sallwfirk) 118. 


IV. Verzeichntes der Zeitschriften u. s. w., deren Inhalt mitgetheilt ist. 


Aarbeger for Nordisk Oldkyndighed 38. 

Academy, the, 39. 75. 121. 160. 252. 298. 345. 879. 429. 
471. 511. 

Alemannia 158. 295. 510. 

Anglia 251. 428. 

Annalen des Vereins ffir Kassauische Alterthumskunde und 
Geschichtsforschung 197. 

Annales de l’Acadämie d* Archäologie 253. 

Antiquary 39. 298. 

Antologia, Nuova, 39. 160. 198. 253. 298. 345. 380. 512. 
Anzeigen, Götting. Gelehrte, 39. 163. 203. 258. 486. 
Anzeiger ffir Deutsches Alterthum 75. 79. 163. 164. 295. 304. 
Anzeiger des germanischen Rationalmuseums 38. 121. 
Archiv ffir das Studium der neueren Sprachen und Lite¬ 
raturen 74. 119. 157. 196. 342. 377. 427. 469. 509. 

Archiv ffir lateinische Lexikographie und Grammatik 37. 
158. 344. 

Archiv ffir Literaturgeschichte 36. 195. 348. 349. 468. 
Archiv, Pädagogisches, 38. 471. 

Arohivio glottologico italiano 428. 

Arohivio storico italiano 121. 253. 

Archivio storico per le Marche e per PUmbria 430. 
Archivio storico per le provincie Napoletane 298. 
Archivio veneto 39. 298. 

Arohivio paleografico italiano 38. 

Arohivio per lo Studio delle tradizioni popolari 196.343.509. 
Arkiv for nordisk filologi 37. 296. 

Athenaeum, the, 39. 76. 121. 160. 252. 298. 345. 379. 471. 
Atti del R. Istituto Veneto di scienze lefttere ed arti 472. 

B e i t r ä g e zur Kunde der indogermanischen Sprachen 195p 258. 


Beiträge zur Geschiohte der deutschen Sprache und Lite¬ 
ratur 119. 343. 469. 

Beriohte der Königl. Sächsisohen Gesellschaft der Wissen¬ 
schaften zu Leipzig 471. 

Beriohte des freien deutschen Hochstifts zu Frankfurt a. M. 
159. 379. 511. 

Bibliothöque de l’äcole des Chartes 39. 298. 
Bibliothöque universelle 298. 430. 

Bidrag, Nyare, tili kännedom om de svenska landsm&len 
och svenskt folklif 37. 298. 

Blätter, Historisch-politische, 304. 

Blätter ffir das Bairische Gymnasialschulwesen 164. 
Blätter, rheinisohe, ffir Erziehung und Unterricht 297. 
Blätter ffir literarische Unterhaltung 75. 159. 163. 297. 379. 
471. 

Börsenblatt ffir den Deutschen Buchhandel 121. 
Bulletin de la Sooiätö des anciens textes frangais 428. 
Bulletin arohäologique et historique de la sociätö archäo- 
logique de Tarn-et-Garonne 253. 

Bulletin de l'Aoadämie royale de Belgique.298. 

Centralblatt ffir Bibliothekswesen 297. 

Centralblatt, Literarisches, 44« 79.124.164. 203. 258. 304. 
349. 350. 384. 436. 

Centralorgan ffir die Interessen des Realschulwesens 75. 
124. 125. 297. 379. 

Chronik des Wiener Goethe-Vereins 471. 

Correspondenzblatt ffir die Gelehrten- und Realsohulen 
Wfirtembergs 121. 159. 297. 

E tu des Arohaeol. et Linguist 76. 


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II 




1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. (Register.) 


XX 


XIX 


Forschungen, Romanische, 37. 296. 510. 

Forschungen zur. Deutschen Gesohiohte 159. 
Franco-Gallia 88. 75. 120. 197. 251. 297. 378. 470. 511. 

Gegenwart, Die, 88. 121. 198. 252. 297. 879. 429. 
Germania 74. 196. 377. 

Geschiehtsblfttter für Magdeburg 252. . 

Giornale storioo della letteratnra italiana 88. 44. 159. 296. 
878. 429. 

Grenzboten, Die, 38. 75. 121. 198. 845. 379. 429.471.511. 
Grenzpost, Schweizer, 429. 

Gymnasium 197! 379. 

Jahrbuoh des Vereins von Alter thumsfreunden im Rhein¬ 
lands 125. • 

Jahrbüoher, Neue, für Philologie und Pädagogik 79. 159. 

197. 251. 378. 471. 476. 

Jahrbücher, Bonner 297. 

Jahrbüoher, Preussisohe 844. 

Journal des Savants 430- 

Journal, the American, of Philology 89. 198. 278. 471. 
Journal, The Louisiana, of Eduoation 76. 

Kiroben-seitung, Protestantische, 252. 471. 
Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische 
Landeskunde 38. 121. 159. 297. 344. 379. 471. 
Korrespondenzblatt der westdeutschen Zeitschrift für 
Geschichte und Kunst 197. 

Kronik, Schwäbische, 75. 

Literaturzeitung, Deutsche, 44. 79. 125. 164. 203. 258. 
297. 304. 349. 384. 476. 518. 

Literaturzeitung, Allgem. Oesterreichisohe 203. 204. 

Magazin für die Literatur des In- und Auslandes 38. 121. 
197. 252. 471. 

Magazin, Neues Lausitzisches, 379. 

Magazine, Blaokwoods Edinbourgh, 298. 

Mölusine 36. 74. 119. 158. 196. 250. 295. 843. 877. 427. 

469. 510. 

Mittheilungen aus dem germanischen Nationalmuseum 197. 
Mittheilungen des Vereins für Anhaitische Geschichte und 
Alterthumskunde 121. 

Mittheilungen des Vereins für Gesohiohte der Deutschen 
in Böhmen 159. 297. 

Modern Language Notes 74. 157.#195. 249. 295. 509. 
Monatshefte, Westerraanns, 38. 159. 471. 
Monatsschrift, Altpreussische, 511. 

Musöon 39. 198. 

Nachrichten der Gesellschaft der Wissenschaften zu 
Göttingen 197. 

Nation, The, 258. 

Nineteenth Century, The, 76. 252. 

Noord en Zuid 37. 158. 250. 344. 428. 510. 

Nord und Süd 121. 159. 252. 297. 345. 

Nordwost 159. 

Nystaveren, tidskrift för rättskrivningsfragor 345. 
Paedagogium 297. 

Prooeedings and Transactions of the Royal Society of 
Canada 252. 

Propugnatore, II, 120. 251. 378. 510. 

Reform 471. 611. 

Rendiconti del Reale Istituto Lombardo 298. 

Review, the Contemporary, 298. 

R e v i e w,. the Scottish, 39. 

Revista de Espana 39. 430. 

Revue, Deutsche, 38. 75. 159. 345. 

Revuo, Romänische, 429. 

Revue, Ungarische, 297. 

Revue oritique*44. 258. 350. 476. 511. 

Revue des deux mondes 39. 430. 511. 

Revue des languqs romanes 120. 159. 251. 296. 378. 428. 

470. 510. 

Revue celtique 253. 511. 

Revue de linguistiquo 157. 298. 511. 

Revue des traditions populaires 196. 

Revue politique et littöraire 39. 76. 160. 198. 252. 345. 379. 
429. 471. 511. 

Revue, la Nouvelle, 198. 298. 512. 


Revue bistorique 476. 

Revue internationale 198. 253. 471. 511. 

Rovue chrötienne 39. 253« 

Revue, la, nouvelle d’Alsace-Lorraine 39. 

Revue de Belgique 845. 

Revue de l'iustruction publique en Belgique 253. 845. 430. 
Revue de Botanique 512. 

Ri vista critica della letteratura italiana 120. 169. 296. 470. 
Romania 197. 377. 

Rundschau, Deutsche 198. 252. 297. 345.379. 429. 471. 511. 
Rundschau, Nordische, 198. 252. 345. 5LI. 

Samlaren 121. 379. 

Sohularohiv, Schweizerisches, 75. 

Sitzungsberichte der Münchener Akademie 471. 
Stimmen aus Maria-Laach 38. 198. 

Studien, Englische, 119. 250. 428. 

Studien, philosophische, 197. 

Studien, Strassburger, 38. 

Studien und Mittheilungen aus dem Benediktinerordeh 252. 
Studj di filologia romanza 510. 

Taalstudie 74. 157. 250. 342. 427. 509. 

Tidskrift, Nordisk, for Filologi 471. 

Tidskrift, antiquarisk, för Svorige 39. 

Tidskrift, Finsk, 121. 

Tidskrift, Historisk, 39. 

Tidskrift, Nordisk, för vetenskgp, konst och industri 39. 
252. 349. 

Tidskrift, Pedagogisk, 39. 160. 349. 

Tidskrift, Ny svensk, 160. 345. 379. 429. 

Tijdschrift voor nederlandsche taal- en letterkunde 196. 
344. 

Transaotions of the Philological Society 345. 
Transactions of the Royal Society of Literature 429. 

tfnsere Zeit 38. 121. 252. 

Verdandi 252. 

Vierteljahreshefte, Würtembergische, für Landesge¬ 
schichte 429. 

Vierteljahr es schrift für Kultur und Literatur der 
Renaissance 251. 

Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademiens Manads- 
bläd 49. 379. 511. 

Vom Fels zum Meer 159. 

Wochenschrift für klastische Philologie 79. 168. 304. 
Wochenschrift, Berliner philologische 163. 305. 384. 

Zeitschrift für allgemeine Geschichte, Kultur-, Literatur- 
und Kunstgeschichte 159. 379. 429. 

Zeitschrift, Historische, 121. 

Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthums¬ 
kunde Westfalens 429. 

Zeitschrift für Kirchengesohichte 344. 

Zeitschrift für vergleich. Literaturgeschichte 468. 
Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft 
121. 157. 163. 164. 

Zeitschrift für. allgemeine Sprachwissenschaft 295. 
Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung 157. 
Zeitschrift für Orthographie etc. 195. 250. 

Zeitschrift des allgemeinen deutschen Sprachvereins 197. 
Zeitschrift für deutsche Philologie 36. 44. 75. 124. 158. 
377. 469. 

Zeitschrift für deutsches Alterthum und deutsche Literatur 

74. 158. 295. 469. 

Zeitschrift für romanische Philologie 197. 344. 469. 
Zeitschrift für neufranzösische Sprache und Literatur 37. 

75. 120. 159. 296. 297. 378. 470. 511. 

Zeitschrift für das Gymnasialwesen 297. 304. 379. 
Zeitsohrift für die österreichischen Gymnasien 72. 79. 124. 

159. 164. 258. 304. 344. 349. 379. 384. 436. 511. 518. 
Zeitschrift für das Realsohulwesen 511. 

Zeitschrift für weibliehe Bildung in Schule und Haus 75. 
Zeitung, Allgemeine, 44. 75. 121. 160. 297. 379. 471. 
Zeitung, Frankfurter, 252. 

Zeitung, Kölner, 75. 

Zeitung, Leipziger, 12L 
Zeitung, Rostocker, 198. 

Zeitung, Vossische, 38. 121. 298. 

Zeitung, Illustrierte, 159. 


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1886. Litaraturblatt für gernlanUche und roraaniaohe Philologie. (Register.) 


XXII 


XXI 


V. Verzeichniss der Bnchhandlnngen, deren Yerlagswerke im Jahrgang 1886 

besprochen wurden. 


Barth, Leipzig 374. 

Baumgärtner, Leipzig 103. 

Beok, Nördlingen 242. 

Bibi iogr. Institut, Leipsig 139. 
Bonnier Stockholm 49. 

Braamfi)]er, Wien 327. 

Breitkopf & Härtel, Leipzig 19 U270. 
Calvary, Berlin 49- 
Clarendon Press, Oxford 178. 411. 
Coleman, New-York 72. 

Deichert, Erlangen 60. 364. 

Didot, Paris 498. 

Dfimmler, Berlin 313. 

Ehlermann, Dresden 89. 

Eiwert, Marburg 51. 114. 393. 394. 456. 
506. 

Fook, Leipzig 411. 

Frank, (Maske) Oppeln 230. 

Fried borg & Mode, Berlin 58. 133. 
Gaertner, Berlin 508. * 

Gerold, Wien 449. 

Gesenius, Halle 292. 

Gläser, Wien 11. 

Gleerup, Lund 217. 

Glöckner, Leipzig 292. 

Graeser, Wien 102. 226. 

Groos, Heidelberg 292. 

Haohette, Paris 501. 

Harrassowitz, Leipzig 507. 

Hel mich, Bielefeld 404. 

Hendel, Halle 98. 

Henninger, Heilbronn 21.23. 55. 103. 

137.228. 27a 325. 36a 411.422. 424. 42a 
Herbig, Berlin 56. 


Hertz, Berlin 360. 

Hinstorff, Wismar 19. 177. 

Ho mann, Kiel 355. 

Husohke, Weimar 27a 
Iravedra, Madrid 464. 

Kay , Cassel 339. 

Klein, Barmen 487. 

Ko ebner, Breslau 316. 

Konegen, Wien 323. 402. 

Krön er, Stuttgart 43. 

Lapi, Cittä di Castello 117. 

Lehmann, Leipzig 118. 

Lein er, Leipzig 115. 

Le Monnier, Florenz 331. 

Lenz, Leipzig 292. 

Leusohner & Lubensky, Graz 171. 
Lövy, Paris 231. 

Lin an er, Manchen 292. 410. 

Lipsius & Tischer, Kiel 62. 180. 
Loescber, Turin 371. 

Maomilan, London 291. 
Maisonneuve, Paris 27. 370. 

Mayer & Möller, Berlin 13a 487. 
Meissner, Hamburg 59> 

Meyer, Hannover 339. 

Morelli, Ancona 34. 

Mönster, Verona 289. 

Nicolai, Berlin 228. 

Niemeyer, Halle 129. 145 265. 285. 

441. 482. 492. 

Nijhoff, Haag 454. 

Oppenheim, Berlin 1. 326. 402. 
Picard, Paris 143. 

Plant, Meran 397. 


Pion et C 1 **, Paris 27. 

Ramazzotti, Bologna 46a 
Reimer, Berlin 99. 406. 

Reitzel, Kopenhagen 280. 

Rieger, Mönchen 481. 

Romagnoli, Bologna 36. 

Rötten & Löning, Frankfurta.M. 369. 
Sohletter, Köthen 186. 

Sohöningh, Paderborn 42. 485. 
Schulze, Oldenburg 54. 

Sohwabe, Basel 54. 172. 

Seehagen, Berlin 319. 

Spemann, Stuttgart 487. 

Springer, Berlin 183. 

Stahel, WÖrzburg 8. 

Stiller, Sohworin 135. 

Teubner, Leipzig 64. 

Treves, Mailand 234. 

Tröbnor, Strassburg 6. 267.316. 356. 
362. 446. 

Velhagen & Klasing, Bielefeld 279. 
Verein för deutsche Literatur, 
Berlin 179. 

Ver lagsan stalt för Kunst und 
Wissenschaft, Mönohen 353. 
Vieweg db Sohn, Braunschweig 16. 
Vigo, Livorno 332. 

Vogel, Leipzig 89. 

V o s 8, Hamburg 272. 

Weber, Bonn 51. 

Weidmann, Berlin 221. 486. 496. 

W e 11 n i t z, Berlin 491. 

Wigand, Leipzig 10. 

Zwissler, Wolfenböttel 367. 


YI. Verzeichniss der in den Personaln&chrichten erwähnten Gelehrten. 


1. Anstellungen, Berufungen u. s. w. 
Bahder, K. v., 204. 


Brenner, O., 45. 
Brugmann, K., 518. 
Collitz, H., 45. 
Franck, J-, 258. 
Hausknechr, E., 478. 
Kluge, Fr., 45. 
Kölbing, K, 258. 
Litzmann 79. 

Meyer, R. M., 305. 


Miohaud 45. 
Roethe, G., 305. 
Schröder, £., 79. 
Sehröer, A., 79. 
Settegast, Fr., 385. 
Seuffert, B., 436. 
Sweet, H., 385. 
Ulbrich, O., 518. 
Vetter, F., 45. 
Waetzold, St., 478. 
Wegener, Pb., 305. 


2. Todesfälle. 

Baschet, A., 80. 

Franke, F., 204. 

Haller, Jos., 518. 

Haltrich, Jos., 350. 

Imbriani, V., 164. 

Minokwitz, J., 80. 

Scherer, W., 386. 

Schmidt, Jul., 164. 

Tbömmel 45. 

Viehoff, H., 386. 


VII. Verschiedene Mittheilungen. 


Appel, Erwiderung 167. 

Aut ruf zur Errichtung eines Denkmals för Fritz Reuter 126. 
Kr eiten und v. 8allwörk, Erwiderung und Antwort 45. 
Lion and Mahrenholtz, Erwiderung und Antwort 204. 
Meyer, K., und A. Sohulze, Erwiderung und Antwort 305. 
Modern Language Association ofAmerica, 3. Ver¬ 
sammlung der, 45. 


Mussafia, Berichtigung 164. 

-, Zn Ltbl. VII, 1, Sp. 23 164. 

Neuphilologontag in Hannover: Aufruf 259; Bericht 
öber die Verhandlungen 476. 

Petrarca-Autograph 258. 436. 

Schuchardt and Paul, Erwiderung und Antwort 80. 

Tobler, Adolf, Berichtigung 436. 



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literaturblatt 

für 


germanische «a romanische Philologie. 

Herausge'geben yon 


Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Neumann 

o. ö. Professor der germanischen Philologie o. d. Professor der romanisohen Philologie 
an der Universität Basel. an der Universität Freibarg. 

, Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 6. 

VII. Jahrg. Nr. 1. Januar. . 1886. 


Schnchardt, Ueber die Lautgesetze (Paul). 

J oee p h , Konrads v. Warsburg Klage der Kanst 
(B e eh) 

Bebvart, Die metrischen Eigen!hümlicbkeiten 
in Wolframs Parxival (Behaghel). 

llaapt. Die deuteche Bibelübereetsung der mittel¬ 
alterlichen Waldenser ; J o s t e s, Die Waldenser 
und die vorlnlberieche deutsche Bibelübersetzung 
(Stä h e 1 in). 

Manerhof, Zur Idee des Faust (Elster). 

Egger n. Rief«r, Schiller, Ober naive und 
eeniimentaliscbe Dichtung (W endt). 

Klötzer, Schiller in seinen Beziehungen zur 


Musik (We n d t). Basebet, lea Cotnediens Italiens 4 la Cour de 

C a f a s s o, Das Bild in der dramat. Sprache Grill- France (Stiefel). 

parzera (Koch). Chabaneau, Poesie* inödites des Troubadours 

Fernow, Tbe Three Lords and Three Ladies of du Pärigord (Levy). 

London. Ein Beitrag zur Geschichte* des engl. |P&rcopo, IV poemetti eacri dei eecoli XIV e 
DraftiSs (P r o e s e h o 1 d t). XV (Mussafia). 

Brinkmann, Syntax des Französischen n. Eng- Renier, il tipo eatetico della donna nel medio 
liechen in vergl. Darstellung (Klinghardt). { evo (Wiese). 

8 « e g e r, Lehrbuch der neufranz. Syntax (Kling- ( Bibliographie. 

hardt). i Literarische M i tth ei 1 u n ge n, Pereonal- 

11 a a e e, Zar Syntax Robert Garniera (U1 b r i c b). I nachrichten etc. 

Koschwitz, Commenlar zu den ältesten frans. I K r e i t e n und v. 8 a 11 w U r k, Erwiderung uud 
Sprachdenkmälern (W. Meyer). | Antwort. 


Schuchardt, Hugo, Ueber die Lantgesetze. 

Gegen die Junggrammatiker. Berlin, Oppenheim. 
1885. VI, 39 S. 8. 

„Der einzige Satz den die sog. junggrammatische 
Schule als ihr ausschliessliches Eigenthum betrachten 
darf, ist der von der ausnahmslosen Wirkung 
der Lautgesetze.“ Gegen diese Behauptung, 
mit welcher der Verf. seine Schrift anhebt, muss 
ich entschieden Verwahrung einlegen. Zunächst 
welche Berechtigung hat er von einer junggram¬ 
matischen „Schule“ zu reden? Er scheint die Dinge 
ebenso anzusehen wie Bezzenberger in seiner Recen- 
sion des ersten Bandes der Morphologischen Unter¬ 
suchungen von Osthoff und Brugmann (Gott. gel. 
Anz. 1879, Stück 21). Hier wird dieses Werk be¬ 
zeichnet als „ein Glied in einer Kette von Publi¬ 
kationen, die von persönlich eng Hirten Verfassern 
herrühren“. Es heisst ferner (S. 645) „die jiingern 
Forscher, welche sich an Leskien anscblossen, traten 
von vornherein als geschlossene Partei auf. Wer 
das bestreitet, sei aut die Aeusserungen Pauls Beitr. 
z. Gesch. d. d. Spr. u. Lit. IV, 321 f. und auf das 
Vorwort der vorliegenden Morphol. Utoters. hinge¬ 
wiesen etc.“ Es thut mir jetzt leid, dass ich nicht 
damafs gleich gegen diese Aeusserungen Protest 
erhoben habe, da sie zu manchen Irrungen Anlass 
gegeben haben. Es liegt ein Missverständnis von 
Seiten Bezzenbergers vor, welches ihm nicht hätte 
begegnen können, wenn er meine Worte mit der 
nöthigen unbefangenen Aufmerksamkeit gelesen und 
sich nicht von vornherein verblendet hätte. Zum 
Beweise dafür brauche ich mich nur über meine 
persönlichen Beziehungen zu Osthoff und Brugmann 


zu erklären. Ich habe Osthoff zuerst kennen gelernt 
bei einem kurzen Besuche in Leipzig während der 
Osterferien 1876, nachdem ich kurz zuvor seine 
Schrift Zur Geschichte des schwachen deutschen 
Adjectivums gelesen hatte, durch welche ich über¬ 
haupt erst auf ihn und seine Forschungsmethode 
aufmerksam geworden war. Brugmann habe ich 
erst ungefähr V /2 Jahre später kennen gelernt. Als 
ich daher den Aufsatz schrieb, auf den sich Bezzen¬ 
berger beruft, kannte ich Osthoff nur sehr ober¬ 
flächlich, Brugmann noch gar nicht. Meine allererste 
persönliche Berührung, die ich überhaupt mit Brug¬ 
mann gehabt habe, hat darin bestanden, dass ich 
ihm den betreffenden Aufsatz zugeschickt habe. Die 
freundschaftlichen Beziehungen, in die ich dann all- 
mälich zu Osthoff und später auch zu Brugmann 
getreten bin, sind durchaus erst die Folge davon, 
dass wir in unserer Wissenschaft zunächst unab¬ 
hängig von einander auf die Verfolgung ähnlicher 
Ziele gerathen waren. Koch weniger kann die Rede 
davon sein, dass sich Sievers mit Osthoff und Brug¬ 
mann zu Parteizwecken verbunden hätte. Was soll 
man demnach von einem Verfahren sagen, welches 
Bezzenberger a. a. O. mit den Worten ankündigt: 
„Diese Herren dürfen sich also nicht beklagen, wenn 
man sie auch als Partei behandelt, in der Alle mit 
Einem leiden müssen“? Dies Verfahren ist denn 
auch immer von Bezzenberger und J. Schmidt, sowie 
von deren Schülern beobachtet worden. Man hatte 
damit eine bequeme Handhabe gewonnnen, allgemeine 
tadelnde Bemerkungen und Schmähungen anzuhäufen, 
über die man weder sich noch Andern klare Rechen¬ 
schaft zu geben nöthig fand. Begünstigt wurde dies 
Verfahren freilich durch einen meiner Ueberzeugung 

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8 




isSö. Literaturblatt für gerraaüisclie ünü romanische Philologie. Nr. 1. 


4 


nach 8ehr bedauerlichen Fehler, den die Verfasser 
der Morphologischen Untersuchungen begingen, in¬ 
dem sie in ihrer Vorrede die Bezeichnung »jung- 
grammatisch*, die, wie mir Brugmann mittheilt, von 
einem befreundeten Fachgenossen ihrer Richtung 
scherzweise beigelegt war, an die Oeffentlichkeit 
brachten. Ein solcher Name konnte allerdings wohl 
der Anschauung Vorschub leisten, als bestünde eine 
in sich geschlossene Clique mit bestimmten Glaubens¬ 
sätzen und einer Parteidisciplin, etwas, woran man 
leider sonst im wissenschaftlichen Leben gewöhnt 
ist. Diese Anschauung ist aber nicht berechtigt, 
und ich muss deswegen nicht bloss Bezzenbergers 
Insinuation einer Parteibildung, sondern auch den 
von Schuchardt gebrauchten Ausdruck „Schule* zu¬ 
rückweisen. Der wahre Sachverhalt ist, dass während 
des letzten Decenniums gewisse allgemeine Grund¬ 
anschauungen, die früher nur in dunkler Ahnung 
existirt hatten, oder, wenn auch schon klarer er¬ 
kannt, doch ohne wesentliche Bedeutung für die 
Detailforschung geblieben waren, zu immer grösserer 
Klarheit gediehen und immer consequenter praktisch 
verwerthet sind, und dass nun natürlich diejenigen 
Forscher, welche diese Entwickelung mitgemacht 
haben, einen gewissen Zusammenhang unter einander 
und einen gewissen Gegensatz gegen die älteren 
und zurückgebliebenen empfinden. Daraus folgt 
aber nicht, dass einer für den andern solidarisch 
haftbar sein müsste, dass nicht jeder in der Forschung 
seinen selbständigen Weg ginge. 

Also eine junggrammatische Schule gibt es 
nicht. Von einer junggrammatischen Richtung 
mag man reden, wo man durchaus einen solchen 
leidigen Namen nötbig hat. Ich für meine Person 
sehe übrigens mit ruhiger Zuversicht der Zeit ent¬ 
gegen, die früher oder später, aber gewiss einmal 
kommen wird, wo man keines solchen Namens mehr 
bedarf, weil es keine andere Richtung in der Sprach¬ 
wissenschaft mehr gibt 

Wie aber kommt Schuchardt dazu, den Satz 
von der ausnahmslosen Wirkung der Lautgesetze 
als die einzige Eigenthümlichkeit dieser Richtung 
zu bezeichnen? Ziemer hat den Titel .Junggram¬ 
matische Streifzüge“ einer Schrift beigelegt, die 
sich gar nicht mit der lautlichen Seite der Sprache 
beschäftigt. Wie hätte jemandem so etwas über¬ 
haupt nur einfallen können, wenn nicht das Wesen 
der neuen Richtung in etwas viel Allgemeinerem 
läge. Dieses Allgemeine ist in der Vorrede zu den 
morphologischen Untersuchungen deutlich ausge¬ 
sprochen. Es besteht in der Forderung, die Sprach- 
Veränderungen als ein Produkt der dabei wirksamen 
realen Faktoren zu begreifen. Es ist selbstver¬ 
ständlich, dass diese Forderung nicht plötzlich als 
etwas ganz Neues aufgetreten, sondern nur allmälich 
zu klarerem Bewusstsein gelangt und energischer 
befolgt ist. .Es ist ferner klar, dass sie von so 
grosser Tragweite ist, dass an ihrer Verwirklichung 
fort und fort weiter gearbeitet werden muss und 
dass dazu der Einzelne bald nach dieser, bald nach 
jener Richtung hin beitragen kann. Je mehr ein 
Sprachforscher in diesem Sinne arbeitet und je mehr 
er Erfolg darin hat, um so mehr wird er als ein 
Mann der neuen Richtung anzusehen sein. Für 
mich wenigstens ist dies der einzige Massstab, nicht 


ob er sich selbst, ob ihn Andere einen Junggram¬ 
matiker nennen. In diesem Sinne erlaube ich mir 
auch Schuchardt als einen Mann der neuen Richtung 
anzusehen, der nach einer bestimmten Seite hin 
entschiedenes Verdienst hat, wenn er mir auch in 
der Richtung, in welcher sich die vorliegende Schrift 
bewegt, wenig glücklich gewesen zu sein scheint. 

Es ist eine offenbare Ungerechtigkeit, wenn 
Schuchardt Männern, die diese allgemeine Tendenz 
verfolgen, nur die Aufstellung oder Annahme eines 
einzelnen Satzes als eigenthümlich zugestehen will, 
um so mehr, da er diesen Satz aus dem Zusammen¬ 
hänge herausreisst, in dem er immer vorgetragen 
ist. Das Streben nach lautgesetzlicher Consequenz 
ist allerdings für die neuere Behandlung der morpho¬ 
logischen Seite der Sprache charakteristisch. Aber 
das eigenthümliche Neue besteht nicht sowohl in 
der einfachen Aufstellung eines Axioms, sondern 
vielmehr in der Auffindung von Mitteln und Wegen, 
da lautliche Consequenz zu entdecken, wo sie die 
älteren Grammatiker nicht hatten finden können. 
Vor Allem hat dazu die Erkenntniss verholfen, dass 
vieles, was früher als Wirkung des Lautwandels 
angesehen ist, vielmehr als Wirkung der Analogie 
zu fassen sei, und aus dieser Erkenntniss hat sich 
die allgemeine methodologische Forderung ergeben, 
dass bei der Beurtheilung jeder lautlichen Abweichung 
zwischen verschiedenen Epochen der nämlichen 
Sprache oder zwischen verwandten Sprachen nie 
die Frage übersprungen werden darf, ob diese Ab¬ 
weichung durch rein lautliche Prozesse entstanden 
ist, oder vielmehr durch andere Faktoren hervor¬ 
gerufen, unter denen die Analogie der wichtigste 
ist. In der consequenten Erfüllung dieser Forderung, 
so weit das zu Gebote stehende Material dazu aus¬ 
reicht, nicht in der theoretischen Anerkennung des 
Axioms von der Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze 
sehe ich das eigentliche Kennzeichen der neuen 
Methode, so weit sie sich mit der lautlichen Seite 
der Sprache befasst. Diese Forderung ist nur eine 
Specialisirung der allgemeinen Grundforderung, dass 
die Sprachveränderungen als ein Produkt der dabei 
wirksamen realen Faktoren begriffen werden müssen. 
Ihre Berechtigung kann auch von demjenigen aner¬ 
kannt werden, welcher sich dem Satze von der 
Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze gegenüber ab¬ 
lehnend oder zweifelnd verhält. Es kann sich aber 
Niemand ernstlich bemühen der Forderung nachzu¬ 
kommen, ohne zu bemerken, dass die lautgesetzliche 
Consequenz viel weiter reicht, als es von den älteren 
Sprachforschern angenommen ist. Sie zeigt sich 
immer am reinsten da, wo man am sichersten ist, 
dass keine andern Faktoren im Spiele sind als der 
Lautw r andel. Diese Fälle aber sind es allein, die 
entscheiden können. Das Material, welches man 
gewöhnlich gegen die Ausnahmslosigkeit der Laut¬ 
gesetze vorgeführt hat, ist darum nicht beweis¬ 
kräftig, weil daran die zu fordernde Scheidung nach 
den wirkenden Kräften noch nicht vorgenommen ist, 
eventuell wegen der Lückenhaftigkeit der Ueber- 
lieferung überhaupt nicht vorgenommen werden kann. 

Schuchardt will diese Scheidung überhaupt 
nicht gelten lassen. Für ihn gibt es keine Kluft 
zwischen Lautwandel und Analogiewirkung, sondern 
einen Uebergang zwischen beiden (vgl. namentlich 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


S. 7). Und doch ist die grenze so scharf zu ziehen, 
wie nur irgend eine in der Welt. Freilich Osthoffs 
Gegenüberstellung eines physiologischen und eines 
psychologischen Moments geht im Ausdruck fehl, 
insofern auch die physiologische Seite der Sprach- 
thätigkeit psychisch bedingt ist. Aber die Scheidung 
bleibt darum doch bestehen. Auf der einen Seite 
stehen die Veränderungen, welche die Sprachlaute 
als Laute erleiden ohne Rücksicht auf ihre Be¬ 
deutung, auf der anderen Seite steht der Ersatz 
gewisser Lautcomplexe durch andere, welcher eben 
durch deren Bedeutung veranlasst ist. Danach kann, 
um bei den von Schuchardt angeführten Beispielen 
stehen zu bleiben, nicht der mindeste Zweifel ob¬ 
walten, dass treatro = theatro unter die erste, non 
grieve ma lieve = non grave magis leve unter die 
zweite Kategorie gehört. Sch. führt noch mehrere 
merkwürdige Argumente dafür an, dass eine Schei¬ 
dung sich nicht durchfuhren lasse. Er behauptet 
u. a., dass ein scheinbar spontaner Lautwandel so 
entstanden sein könne, dass ein combinatorischer 
durch Analogie weiter ausgedehnt sei. Er beruft 
sich (S. 7 unten) auf eine früher von ihm aufge¬ 
stellte Ansicht, wonach ital. ie, uo ursprünglich nur 
vor folgendem i oder u entwickelt sein sollen (vieni, 
buonuj buonx). Von da sei der Diphthong zunächst 
auf verwandte Formen ausgedehnt (viene, buona), 
wogegen natürlich nichts einzuwenden sein würde, 
dann aber auch auf Fälle wie pietra, ruota . Sch. 
weise nicht, ob seine Annahme einer rein laut¬ 
lichen Analogie etwas ganz Neues sei. Ich 
habe darauf zu erwidern, dass es allerdings eine 
rein lautliche Analogie gibt, wie ich in der zweiten 
Auflage meiner Principien zeigen werde, dass aber 
das, was hier Sch. darunter versteht, überhaupt 
keine Analogie ist, sondern ein Unding, was sich 
überhaupt nicht denken lässt. Wo käme die Pro¬ 
portionsgleichung her? Der gelehrte Sprachforscher 
freilich kann ansetzen veni: vieni = petra: pietra. 
Aber der Italiener hätte in seiner Sprache neben 
einander bloss vieni und petra gehabt, und daraus 
konnte sich ihm nimmermehr eine Proportion bilden. 

Das Hauptargument Sch.’s gegen die Ausnahms¬ 
losigkeit der Lautgesetze ist, dass die Individual¬ 
sprachen von einander verschieden sind und sich 
beständig unter einander mischen. Ich habe nichts 
dawider, wenn er die wechselseitige Beeinflussung 
der Individuen unter einander als Sprachmischung 
bezeichnen will, aber dieselbe darf doch nicht mit 
dem, was man gewöhnlich Sprachmischung nennt, 
einfach confundirt werden. Wenn in heutigen 
niederdeutschen Mundarten das schriftdeutsche drei 
das dialektische drt verdrängt hat, so ist das ein 
durchaus anderer Vorgang, als wenn in einer früheren 
Epoche im Bairischen sich drt in drei gewandelt 
hat. Ich habe in meinen Principien eine Darstellung 
des Lautwandels gegeben, bei der die Einwirkung 
der Individuen auf einander vollste Berücksichtigung 
gefunden hat. Ich finde bei Sch. keinen Einwand, 
dem ich nicht bereits vorgebeugt hätte. Ich muss 
daher unverrückt daran festhalten, dass der Laut¬ 
wandel innerhalb der dort gegebenen Grenzen con- 
sequent sein muss, so weit er auf Verschiebung 
des Bewegungsgefühls beruht Einen Einwand 
freilich gibt es, auf den meines Wissens keiner von 


den Gegnern verfallen ist, weil keiner überhaupt 
so genau darüber nachgedacht hat Es kann näm¬ 
lich die Frage aufgeworfen werden, ob es nicht 
auch Lautveränderungen gibt, die auf andern Ur¬ 
sachen als dieser Verschiebung beruhen. Diese 
Frage ist zu bejahen. Ich werde diese Lautver¬ 
änderungen in der zweiten Auflage der Principien 
behandeln. Vorläufig verweise ich auf Brugmann, 
Zum heutigen Stand der Sprachwissenschaft, S. 50 
Anm. Ich erkenne also an, dass es ein kleines 
Gebiet gibt, welches sich aber ganz bestimmt ab¬ 
grenzen lässt, für das die lautgesetzliche Consequenz 
sich nicht theoretisch begründen lässt. 

Eine recht unglückliche, übrigens nicht neue 
Idee ist es, dass ein Lautwandel sich in häufig ge¬ 
brauchten Wörtern leichter vollziehen soll als in 
selteneren (S. 23 ff.)* Mit den von mir dagegen 
vorgebrachten Gründen ist Sch. nicht einverstanden. 
Ich verstehe aber nicht, wie er sich dann die psycho¬ 
logischen Bedingungen der Lauterzeugung denkt 
Ich verstehe ferner nicht, wie er sich zur Begrün¬ 
dung seiner Ansicht auf die Entwickelung prokli- 
tischer Wörter berufen kann. Wenn er endlich es 
als eine sehr alte Erfahrung bezeichnet, dass in allen 
Sprachen die allergewöhnlichsten Wörter die meiste 
Neigung zeigen, sich von den Lautgesetzen zu eman- 
cipiren, so ist das nur eine alte Erfahrung für die¬ 
jenigen Sprachforscher, die es noch nicht verstanden 
haben, die Wirkungen der Analogie von denen des 
Lautwandels zu scheiden. Wir sind jetzt zu der 
Einsicht gekommen, dass die singuläre Stellung 
häufig gebrauchter Wörter vielmehr darin ihre 
Ursache hat, dass die Wirkungen alten Lautwandels 
an ihnen noch zu erkennen sind, während sie bei 
den selteneren Wörtern durch die Wirkungen der 
Analogie verdeckt sind. 

Durch die ganze Schrift hindurch geht das 
Bestreben, Unterschiede, die mir von der grössten 
Wichtigkeit zu sein scheinen, zu verwischen. Man 
merkt deutlich, der Verf. mag nicht gern durch 
scharfe Bestimmungen, durch methodologische Grund¬ 
sätze beschränkt sein; er will auch in der Wissen¬ 
schaft seine Gedanken beliebig spazieren führen 
dürfen. Genie und Takt sollen Alles entscheiden. 
Es wird daher kaum möglich sein für jemand, der 
nach strenger Systematik und consequenter Methode 
strebt, sich mit ihm zu verständigen. 

Freiburg i. B. H. Paul. 


Joseph, Engen, Konrads von Wttrzbnrg 
Klage der Kunst. Strassburg, Trübner. 1885. 
92 S. 8. (Quellen und Forschungen LIV.) 

Dass die Klage der Kunst ein Werk Konrads 
von Würzburg wäre, hatte W T ilhelm Grimm in 
seiner Abhandlung Zur Geschichte des Reims S. 87 
bezweifelt; Haupt dagegen in seiner Ausgabe des 
Engelhardt dtirte dieselbe neben andern Gedichten 
Konrads, ohne über die Echtheit ein Bedenken zu 
äussern. Nur Wackernagel hat in seiner Literatur¬ 
geschichte und in der Germania von Pfeiffer 3, 262 
das Gedicht Konrad entschieden abgesprochen; leider 
hat er nirgends die Gründe angegeben, welche ihn 
bei seiner Ansicht leiteten. Diesem Zwiespalt gegen- 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


über hat es Eugen Joseph in der oben angezeigten 
Schrift unternommen, auf die Sache näher einzu¬ 
gehen und sie endgiltig zu entscheiden. In streng 
methodischer und völlig überzeugender Weise zeigt 
er, dass nicht nur dem Inhalte und der poetischen 
Erfindung nach, sondern auch in Hinsicht auf die 
Sprache, die künstlerische- Technik und den Stil die 
Kunst mit den übrigen Gedichten Konrads durch¬ 
weg übereinstimme, so dass an der alten Ueber- 
lieferung, welche ausdrücklich Konrad das Werk 
zuweist, nicht zu zweifeln sei. Am ausführlichsten 
verbreitet sich hierbei der Hrsg, über den Stil des 
Dichters, insbesondere über die von ihm beliebte 
Breite der Darstellung und den bei ihm zur Manier 
gewordenen syntaktischen Parallelismus. Die hier 
erkannte und mit Scharfsinn nachgewiesene Gesetz¬ 
mässigkeit, welche den Stil Konrads charakterisirt, 
bietet zugleich in den meisten Fällen einen sicheren 
Massstab für die kritische Behandlung des Textes 
und gibt dem Hrsg. Gelegenheit zu einer Reihe 
trefflicher Verbesserungen in den übrigen Werken 
Konrads. Nur in einem Punkte scheint der Hrsg, 
zu weit zu gehen, wenn er meint, dass der Dichter 
seinem stilistischen Gesetze zu Liebe in Fällen, wo 
er die Präposition zu wiederholen pflegte, selbst den 
festen Sprachgebrauch geopfert, dass er nämlich 
statt der ihm mundrechten Formen gebot, gedanc, 
geheiz, gelimph, gesez, getdt, gewin, um nicht gegen 
die von ihm beliebte Congruenz zu verstossen, auch 
einige Male zu den präfixlosen Formen bot, danc, 
heiz, limph, sez, tdt, win gegriffen habe, welche im 
Oberdeutschen sonst nur sehr selten, zum Theil nur 
in nd. und md. Schriftstellern Vorkommen. Er be¬ 
ruft sich freilich hierbei auf die bekannte Anmer¬ 
kung Haupts zum Erek 1969. Aber der Gebrauch 
solcher verkürzten Formen bei Oberdeutschen er¬ 
scheint selbst nach den Citaten bei Haupt nur auf 
ganz vereinzelte Fälle eingeschränkt, wenn man nur 
die Beispiele dort ins Auge fasst, welche wirklich 
von oberdeutschen Schreibern herrühren; und was 
bei Frauenlob, bei Heinrich von Krölewitz oder den 
österreichischen Schriftstellern des 14. Jh.’s wie 
Suchenwirt möglich war, kann in dieser Beziehung 
nicht herbeigezogen werden, um eine metrische 
Regel gewaltsam zur Geltung zu bringen. Der 
Beleg für tdt aus Trojan. 14472 statt getät ist nicht 
stichhaltig; rdt, das in zwei andern Hss. überliefert 
ist, möchte dort dem Zusammenhänge entsprechender 
sein. Der Verf. bemerkt übrigens selber, dass auf 
die Präpositionen zwischen und neben (S. 62 und 67) 
das oben genannte stilistische Gesetz keine An¬ 
wendung erleide. 

Was den Text betrifft, so ist die Umstellung, 
welche mit einigen Strophen vorgenommen ist, S. 3 ff., 
hinreichend motivirt; auch was gegen die Echtheit 
der Str. 13 vorgebracht ist, wird sicher allgemeine 
Zustimmung finden. An Vers 2 mich fuorte eins an 
ir zoume fällt das vom Hrsg, eingeschobene eins 
auf; die Ueberlieferung hat fuorte an irme, wofür 
Haupt zu Engelhard S. 287 f. an eime z . vorge¬ 
schlagen hat; eins als Adverbium für eines in 
der Senkung ist mir ausser bei Frauenlob 246, 11 
sonst nicht vorgekommen; leichter scheint mir die 
Aenderung /. M ir zoume, vgl. Trojan. 6256, Nibel. 538, 
3, Liechtenst. 264, 8, Wigamur 3293, Renner 13893. 


8 


Im Uebrigen ist zu wünschen, dass das Buch 
recht viele und fleissige Leser finde. Die Anlage 
und Anordnung desselben, die Darstellung, die Resul¬ 
tate, zu denen die kritische Beobachtung hier ge¬ 
langt, sind der Art, dass kein Philolog es ungeför- 
dert oder unbefriedigt wieder aus der Hand legen 
wird. Mit berechtigter Spannung sieht man daher 
der vom Verfasser S. 68 verheissenen Ausgabe der 
kleineren Dichtungen Konrads sowie der Fortsetzung 
der hier begonnenen Untersuchung entgegen. 

Zeitz. FedorBech. 


Schwarz, Friedrich, Ueber die metrischen 
Eigentümlichkeiten in Wolframs Parzival. 

Rostocker Dissertation. 1884. 78 S. 8. 

Eine Darstellung der metrischen Eigentümlich¬ 
keiten eines mhd. Schriftstellers zu geben, ist bei 
dem heutigen Stande der metrischen Theorien nicht 
leicht. Es gehört dazu eine Reife und Selbständig¬ 
keit des Urtheils, wie sie dem Anfänger nicht immer 
eigen ist. So ist denn auch der Charakter der 
vorliegenden Schrift der einer merkwürdigen Halb¬ 
heit. Schw. erkennt richtig, dass die Apokope und 
Synkope eine Eigenthümlickeit von Wolframs Mund¬ 
art sei, und doch spricht er immer wieder von 
metrischer Eigentümlichkeit. Er weist nach, 
dass W. wirklich zweisilbige Senkung kennt, und 
doch könnte seine Darstellung der Kürzungen und 
der Betonung von einem geschrieben sein, der diese 
Zweisilbigkeit leugnet. Am sonderbarsten ist es, 
dass oft im Text etwas Unhaltbares, in der An¬ 
merkung das Richtige steht. So werden mehrfach 
Dinge als charakteristisch für Wolfram angeführt, 
von denen am Fusse der Seite gesagt wird, dass 
sie dies nicht seien. S. 43 heisst es: ^Zusammen- 
'Ziehungen und Anlehnungen sind bei W. häufiger 
als bei irgend einem anderen der grossen mittel¬ 
hochdeutschen Dichter.* Es folgen Beispiele; die 
Anmerkung aber lautet: „doch sind alle diese Zu¬ 
sammenziehungen rein theoretische Formen.. Wie 
haben sich denn die Herausgeber die Aussprache 
solcher Wörter gedacht?* So verlieren die fleissigen 
und im Ganzen von gutem Takt zeugenden Samm¬ 
lungen des Verfassers sehr erheblich an Werth. 

Gelegentlich spricht S. den Gedanken aus, dass 
W. im Bau eines Verses beeinflusst worden sei 
durch den Bau des durch den Reim damit ver¬ 
bundenen; schade, dass er diesen Gesichtspunkt 
nicht weiter verfolgt hat, nicht gesucht hat, zu einer 
sei es positiven, sei es negativen Entscheidung über 
diese Vermuthung zu kommen. 

Gegen die sprachlichen Anschauungen des Ver¬ 
fassers wäre mancherlei einzuwenden. 

Basel, 13. Juli 1885. Otto Behaghel. 


Haupt, H., Die deutsche Bibelübersetzung 
der mittelalterlichen Waldenser in dem Codex 
Teplensis und der ersten gedruckten deutschen 
Bibel nachgewiesen. Mit Beiträgen zur Kenntniss 
der romanischen Bibelübersetzung und Dogmen- 
geschiehte der Waldenser. Würzburg, Stahel. 
1885. 64 S. 8. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


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Jost es, Franz, Die Waldenser und die vor- 
lntherische deutsche Bibelübersetzung. Eine 
Kritik der neuesten Hypothese. Münster i. W. 
1885. 44 S. 8. 

Mit der Herausgabe des Codex Teplensis (Mün¬ 
chen 1882) ist für die Geschichte der vorlutherischen 
deutschen Bibelübersetzung sowohl nach der sprach¬ 
lichen wie noch der kirchenhistorischen Seite hin 
eine neue Grundlage, aber auch ein Ausgangs¬ 
punkt für neue Combinationen geschaffen worden, 
deren eine, die Frage nach dem kirchlichen oder 
häretischen Ursprung jener * Uebersetzung, den 
Gegenstand der in den vorstehenden Schriften ver¬ 
handelten Controverse bildet. Der Inhalt der ersteren 
ist schon durch ihren Titel bezeichnet. Sie sucht, 
eine schon von L. Keller (Die Reformation und die 
älteren Reformparteien, Leipzig 1885) gemachte, 
aber ungenügend begründete Entdeckung weiter 
verfolgend, den Beweis zu führen, dass der im 
Codex Teplensis aufbewabrte deutsche Bibeltext 
waldensischen Ursprungs ist und dass demgemäss 
bei der unverkennbaren Verwandtschaft der hier 
vorliegenden Recension mit den drei ältesten ge¬ 
druckten Ausgaben der deutschen Bibel auch diese 
letzteren aus der waldensischen Gemeinschaft hervor¬ 
gegangen sein müssen. Die hauptsächlichen Gründe 
sind einmal die der Tepler Handschrift beigefügten 
kurzen Glaubensartikel, welche sowohl durch ihren 
Inhalt wie durch ihre Uebereinstimmung mit ähn¬ 
lich lautenden Glaubenssätzen von entschieden wal- 
densischem Ursprung auf eine solche Herkunft hin- 
weisen (S. 2 ff.), und sodann eine Reihe von 
auffallenden Uebereinstimmungen zwischen dem 
deutschen Bibeltext des Cod. Tepl. und dem Text 
der romanischen Waldenserbibeln, z. B. der con- 
stanten Wiedergabe der Bezeichnung viog av&Qwnov 
durch „Sohn der Jungfrau“, und von yisvva durch 
„Angst“ rom. pena (S. 17 ff.). Damit finden 

auch einige Erscheinungen, die bei jenen drei ersten 
deutschen Bibeldrucken auffallend sind, das Fehlen 
aller Angaben über Drucker und Druckort, die ; 
Alterthümlicbkeit der Sprache und die von Erz¬ 
bischof Berthold von Mainz 1486 über die deutschen ; 
Bibelübersetzungen ausgesprochene Verurtheilung, 
ihre Erklärung (S. 39). Der Zweck dieser ersten 
deutschen Bibeldrucke war mithin, den waldensischen 
Gemeinden, die gerade vor 1450 an Zahl ziemlich j 
beträchtlich waren, und durch die Wirksamkeit ; 
Friedrich Reisers einen neuen Aufschwung genommen j 
hatten (S. 37), zunächst für die Bedürfnisse ihrer I 
Lehrer einen deutschen Schrifttext darzubieten, und ] 
erst dieses Vorangehen der Waldenser veranlasste j 
dann auch die Kirche ihrerseits für die Verviel¬ 
fältigung einer deutschen Bibelübersetzung durch i 
den Druck Sorge zu tragen« Die vierte Ausgabe 
der deutschen Bibel ist unverkennbar katholischen 
Ursprungs, indem der Text derselben der Sprache 
des 15. Jahrhunderts conform gemacht und von jenen 
waldensischen Eigenthümlichkeiten gereinigt er¬ 
scheint (S. 43 ff.); namentlich wird an 78 Stellen • 
der Uebersetzung sun der maid in sun des mensehen 
umgeändert und nur an einem Orte (Mark. 10, 45) 
stehen gelassen, aber auch hier in den spätem Aus¬ 
gaben schliesslich beseitigt; doch liegt auch in diesem 


vierten Drucke bloss eine katholische Ueberarbeitung 
jenes ersten Textes, keine selbständige Uebersetzung 
vor, und diese vierte Ausgabe ist dann ihrerseits 
wieder für alle späteren deutschen Bibeldrucke bis 
auf Luther die Quelle gewesen. 

Diese Argumentation sucht Jostes im Interesse 
eines katholischen Ursprungs der Uebersetzung auf 
allen Punkten zu widerlegen. Er bestreitet zunächst 
den waldensischen Charakter jener 7 Glaubensartikel, 
indem er denselben die analoge Zusammenfassung 
in neueren katholischen Katechismen gegen überstellt 
(S. 15), ebenso die Giltigkeit der Schlüsse, die aus 
den Abweichungen der für waldensisch erklärten 
Texte von der Vulgata gezogen werden, und zeigt 
an einer Reihe von Stellen, wie diese Abweichungen 
sämmtlich sich auf ältere Recensionen der Vulgata 
selbst zurückfiihren lassen (33 ff.) und wie nament¬ 
lich die Uebersetzung von „Menschensohn“ mit sun 
der maid einer auch in der katholischen Kirche des 
Mittelalters geläufigen, ja allgemein verbreiteten Auf¬ 
fassung entspricht (38 f.), und er sucht endlich zu 
beweisen, dass das Verbot des Mainzer Erzbischofs 
nicht auf die Unterdrückung der deutschen Bibeln 
überhaupt gelautet, sondern bloss die Einführung 
einer Präventivcensur für dieselben zum Zweck ge¬ 
habt habe. Er führt eine Reihe von Stellen an, 
welche zeigen, wie unbeanstandet und wie weit ver¬ 
breitet bei Geistlichen wie in den Gemeinden der 
Gebrauch deutscher Bibeln im späteren Mittelalter 
war, und erinnert, dass gerade die hauptsächlichen 
Druckorte derselben, Strassburg und Augsburg, der 
Mainzer Diöcese angehörten und dass anderseits 
sowohl die Vervielfältigung einer ursprünglich wal¬ 
densischen Bibelübersetzung durch acn Druck als 
auch eine Herübernahme in die katholische Ueber¬ 
arbeitung angesichts der kirchlichen Censur eine 
Unmöglichkeit gewesen und die letztere w T ohl auch 
durch die Waldenser mit einer neuen Veröffent¬ 
lichung ihres unverfälschten Textes beantwortet 
worden wäre (21 f. 41). 

Wir begnügen uns mit diesem Referat. Ein 
sicheres Ergebniss scheint durch die bisherige Dis¬ 
kussion noch nicht gewonnen zu sein; namentlich 
hat es Jostes unerklärt gelassen, warum in den 7 
Glaubensartikeln die Erwähnung der Gesetzgebung, 
in welcher Cod. Tepl. mit der waldensischen Recen¬ 
sion zusammenstimmt, in der katholischen wegge¬ 
lassen ist und diese anderseits wieder vor jenen 
beiden das Bekenntniss zu der durch die Kirche 
vermittelten Gnade voraus hat, und ebenso ver¬ 
missen wir ein näheres Eingehen auf die doch jeden¬ 
falls auffallende Erscheinung, dass von der vierten 
Druckausgabe an die Uebersetzung das filius hominis 
mit Sohn der Maid mit unverkennbarer Absicht ver¬ 
drängt und in Sohn des Menschen umgewandelt ist. 

Basel, Nov. 1885. Rud. Stähelin. 


Man er hof, Emil, Zur Idee des Faust. Leipzig, 
Wigand. 1884. III, 191 S. 8. Inhalt: Briefe berühm¬ 
ter Männer; die Grundidee der Dichtung; Helena; 
die scenische Darstellung des ganzen Faust. 

Eckermann berichtet am 6. Mai 1827 ausführ¬ 
lich von Goethes Anschauungen über die Ver- 


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1Ö86. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie, ifr. 1. 


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körperung abstracter Ideen in seinen Dichtungen. 
„Da kommen sie und fragen, welche Idee ich in 
meinem ‘Faust* zu verkörpern gesucht. Als ob ich 
das selber wusste und aussprechen könnte!“ ... „dass 
der Teufel die Wette verliert, und dass ein aus 
schweren Verirrungen immerfort zum Bessern auf¬ 
strebender Mensch zu erlösen sei, das ist zwar ein 
wirksamer, manches erklärender guter Gedanke, 
aber es ist keine Idee, die dem Ganzen und jeder 
einzelnen Scene im besonderen zu Grunde liege. 
Es hätte auch in der That ein schönes Ding werden 
müssen, wenn ich ein so reiches, buntes und so 
höchst mannigfaltiges Leben, wie ich es im ‘Faust* 
zur Anschauung gebracht, auf die magere Schnur 
einer einzigen durchgehenden Idee hätte reihen 
wollen.“ Mauerhof ist nun ganz anderer Ansicht 
und seine Grundidee ist der Grundirrthum, oder in 
seiner Sprache zu reden, der Grundschwindel seines 
Buches. Das lebensvollste Werk wird zu einem 
abstracten Lehrgedicht umgemodelt, weil zum Schlüsse 
die oft von Goethe wiederholte W eisheit ausge¬ 
sprochen ist: „wer immer strebend sich bemüht, 
den können wir erlösen.“ Mephisto, der Erdgeist 
u. s. w. sind stroherne Allegorien: „Die weltbe¬ 
schaulichen Begriffe des Dichters verdichten sich 
im Drama zu sinnlich wahrnehmbaren Gestalten 
und Charakteren.“ Der Erdgeist ist beileibe keine 
überirdische Erscheinung, sondern vielmehr die 
Allegorie der in allem Irdischen wirkenden Kraft 
(S. 32); Mephisto ist der irdische Verstand im 
Gewände der Ironie (S. 48); die Vermählung des 
Faust mit der Helena ist dessen Bethätigung als 
Künstler! Alles wird abstract schematisirt, und es 
fällt dem Verfasser auch nicht schwer, den ganzen 
Faust für die Aufführung an einem Abende zu¬ 
rechtzuschneiden. „Dies wäre etwas und der Rede 
werth“, sagt Mauerhof; uns aber scheint es besser, zu 
verschweigen, was alles dieser grausame Regisseur mit 
seinem Rothstift vertilgen will. Mauerhof mag ruhig 
fortfahren, sich auf der Jagd nach Ideen zu vergnügen, 
von concreter poetischer Anschauung versteht er 
blutwenig. Um so besser versteht er sich aber auf 
eine geradezu wüste Polemik. Alle Gelehrte, welche 
die Unverschämtheit gehabt haben, vor Mauerhof 
über Goethes Meisterwerk zu schreiben, sind nach 
seiner Ansicht ebenso geistig verblödete als unan¬ 
ständig denkende Männer. Unser Verfasser ist ein 
blutdürstiger Herr, der nur befriedigt wird, wenn 
er von Zeit zu Zeit einen „windigen Professor“ 
„abschlachten“ und verspeisen kann. Bei solcher 
Thätigkeit aber ist’s ihm sehr wohl. Er hofft augen¬ 
scheinlich, dass die Kunst „dieser Heuschrecken¬ 
plage“ (!) alsdann bald ledig sein werde. Einem 
Wiener Professor ruft er in den „Briefen berühmter 
Männer“ die reizenden Worte zu: „Sie zittern schon? 
Nicht doch, beruhigen Sie sich!“ Ein Glück, dass 
uns der Gewaltige selbst tröstet, denn schon glaubten 
wir, dass alle Literaturforscher angstverstört aus¬ 
riefen: „Emil, mir graut’s vor dir!“ 

Leipzig, 10. Juli 1885. Ernst Elster. 


Schiller, Ueber naive nnd sentimentalische 
Dichtung. Mit Einleitung und Anmerkungen 


von Jo8. Egger und Karl Rieger. Wien, 

Gläser 1885. XVI, 142 S. 8. 

Als neuntes Heft der bei Gläser in Wien er¬ 
scheinenden Schulausgaben klassischer Werke ist 
die bekannte Schillersche Abhandlung erschienen. 
Ob dieselbe in der Schule gelesen werden soll, ist 
freilich die Frage. Gerade diejenigen Punkte, welche 
dem Verständnis die meisten Schwierigkeiten be¬ 
reiten, lassen sich durch erläuternde Anmerkungen 
kaum erklären und fordern eine philosophische Vor¬ 
bildung, welche der Jugend noch fehlt. Diese zu 
ersetzen, gibt diese Ausgabe in der Einleitung auf 
drei Seiten eine Entwickelung des Inhalts von 
Kants Kritik der reinen, der praktischen Vernunft 
und der Urtheilskraft und behandelt dann ebenso 
kurz das Verhältniss von Schiller zu Kant. Darauf 
folgt ein vollständiger Bericht über die Ent¬ 
stehung der Abhandlung. Die derselben beigegebeneu 
Anmerkungen enthalten eine Reihe gut gewählter 
Paiallelstellen. Nur dass der Anfang „Es gibt 
Augenblicke in unserm Leben“ an die bekannte 
Erzählung des Wallenstein „auffallend“ anklingen 
soll, berührt fast komisch. Neues erfahren wir aus 
dem Buche nicht. Woher z. B. die von Schiller 
in Anführungszeichen gesetzte Stelle auf p. 15 „und 
wenn wir in .gewissen moralischen Stimmungen 
u. s. w.“ entnommen ist, scheinen die Herausgeber 
so wenig zu wissen, als Gödeke in der kritischen 
Ausgabe. Die sonst gegebenen historischen und 
literarhistorischen Notizen sind zweckmässig ge¬ 
wählt — Ueber Schillers Homerkenntniss wird 
p. 94 nach den Briefen an Lotte richtig angegeben, 
dass er die Ilias aus Stolbergs Uebersetzung kennen 
lernte; doch bleibt unaufgehellt, wie er diese eine 
„prosaische“ nennen konnte, da sie ja in Hexametern 
abgefasst ist. 

Karlsruhe. Wendt 


Klötzer, Schiller in seinen Beziehungen zur 
Musik. Beilage zum Jahresberichte des Gym¬ 
nasiums zu Zittau. 1885. 

Die verständige und anziehende Abhandlung 
erschöpft ihren Gegenstand nicht, will ihn auch 
nicht erschöpfen; Wesentliches aber vermisst man 
von dem nicht, was wir über Schillers Verhältniss 
zur Musik wissen. Auf eine kurze, etwas über¬ 
schwängliche Einleitung zum Lobe der Tonkunst 
folgen 1. des Dichters Aeusserungen über Musik¬ 
werke, die er gehört hat, 2. seine eigne Thätigkeit 
für die Musik (Semele — Ansätze zu Operndich¬ 
tungen — die Lieder in den Dramen, welche ge¬ 
sungen werden sollen — die Compösitionen seiner 
Gedichte), 3. seine Urtheile über Musik im Allge¬ 
meinen. 

Karlsruhe. Wendt. 


Cafasso, Arthur, Das Bild in der drama¬ 
tischen Sprache Grillparzers. Jahresbericht 
des Landes-Obergymnasiums zu Leoben. 1884. 
52 S. 8. 


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188Ö. Litcraturblatt für pefrtianlsctio Und romanische Philologie. 1fr. 1. 


14 


i3 


R. M. Werner schied vor Kurzem bei einer 
Uebersicht über die „neue Grillparzer-Literatur“ die¬ 
selbe in die Rubriken: memoirenhafte Schilderungen 
intimerer Verhältnisse; Zusammenfassungen des bis- j 
her bekannt Gewordenen; Untersuchungen, welche i 
seine Werke philologisch behandeln. Der letzten | 
Klnsse gehört Cafassos Arbeit an, deren vorliegender j 
Theil Bruchstück einer grösseren, die dramatische | 
Sprache Gr.’s überhaupt charakterisirenden Studie 
ist Cafasso beginnt mit einer Untersuchung des 
Wesens von Gleichniss und Metapher. Die dabei 
aufgeworfene Frage, ob die Metapher im Haupt¬ 
oder im Zeitworte kräftiger wirke, lässt sich theo¬ 
retisch überhaupt nicht entscheiden. C. erklärt die 
im Hauptwort für wirksamer, während Gr. in der 
Ahnfrau die Metapher im Zeitwort begünstigt. Dass 
C. Schillers Gleichnisse — das S. 2 aus Wallen¬ 
steins Tod I, 7 angeführte ist kaum ein Gleichniss 
zu nennen — zur Charakterisirung des Grillparzer- 
schen heranzieht, ist durchaus zu loben, doch nicht 
eben glücklich getroffen die Charakterisirung: „Schil- ! 
lers Bilder sind in die Breite ausgeführt, die Gr.’s in 1 
die Länge.“ Neben Schiller wäre aber auch Goethe, I 
und wenigstens für die Abnfrau Werner und Müll- I 
ner, für Ahnfrau, Traum ein Leben, Jüdin von I 
Toledo Calderon und Lope, für Ottokar und Bruder- j 
zwist auch Shakespeare zu berücksichtigen gewesen. 
Sauers angekündigte Ausgabe der ersten Form der 
Ahnfrau wird ja hier wohl manche neue Belehrung 
bringen, Cafassos Arbeit wie die ältere von H. 
Schwetz (Studie über die Sprache der Ahnfrau 1878) 
ergänzend. Für die Geschichte der Ahnfrau ist der 
von W T erner nicht erwähnte Aufsatz H. Lambels 
lehrreich „Gr.’s Ahnfrau und Calderons Andacht 
zum Kreuze“ (Wiener Presse 1884 Nr. 16). Gerade 
die Ahnfrau wird auch von C. besonders eingehend 
behandelt. Wiederholung (Häufung) der Bilder und 
Auflösung (Distribution) der Gesammtheit eines Bil¬ 
des in eine Reihe von Theilbildern beherrschen den 
Stil der Ahnfrau; es ist aber nicht Folge des Be¬ 
hagens an breiter Ausführung der Gedanken, sondern 
Folge rastlos stürmender Leidenschaft. Im rheto¬ 
rischen Pathos, besonders dem Vorherrschen der 
Antithese ist sie von Don Carlos beeinflusst, zeigt 
aber mehr Reichthum als Kraft der Bilder. Dagegen 
ist in Sappho und im goldenen Vliese die Bilderzahl 
geringer; die Antithese ist häufig, die Distribution 
selten, die Bilder sind schärfer Umrissen; das Epithe¬ 
ton ornans in der Sappho mit Vorliebe verwendet; 
hiebei wäre auf den Einfluss von Goethes Iphigenie 
und Tasso zu verweisen gewesen. In diesen ersten 
drei Werken sind die Bilder stofflich den Erschei¬ 
nungen der Natur und der menschlichen Gefühls¬ 
welt entnommen; in der Hero und Libussa sind sie 
dem Naturleben, im Ottokar und treuen Diener dem 
Kulturleben, besonders dem Kreise des niederen 
gewöhnlichen Lebens entnommen. Im Traum ein 
Leben treten sprichwörtliche Redensarten stark her¬ 
vor. Wenn Cafasso meint, der Ton in diesem Drama 
erinnere trotz grösserer Ruhe und stärkerem Realis¬ 
mus an den der Ahnfrau, so mag das gleiche 
trochäische Versmass ihn zu dieser, mir unrichtig 
erscheinenden Ansicht verleitet haben. In Hero 
werden die Gleichnisse besonders breit ausgeführt, 
das Epitheton ornans wird dagegen nur selten an- ! 


gewendet. Vom Ottokar an entwickelt sich gleich¬ 
zeitig neben einem visionären Zuge ein realistischerer 
Stil, der alle rhetorischen Kunstmittel zu vermeiden 
sucht; die Bilder werden nicht nur seltner, sie ver¬ 
lieren auch an plastischer Anschaulichkeit 

Die Anwendung des Bildes in Gr.’s lyrischen 
Gedichten und Epigrammen bat C. in seiner Arbeit 
nicht berücksichtigt, allein gerade im Epigramm 
haben Bild und Gleichniss eine eigenthümliche Be¬ 
handlung von Grillparzer erfahren. Die Art und 
Weise wie C. seine theilweise Untersuchung geführt 
hat, erweckt den Wunsch, dass er seine Arbeit ver¬ 
vollständige. Die Tageskritik hat bei Gr.’s Lebzeiten 
unendlich viel gegen ihn gesündigt; je mehr eine 
wissenschaftliche Kritik, die sich nicht, wie es leider in 
mehreren Fällen geschehen ist, aus Abneigung gegen 
Grillparzers politische Gesinnung unbillig gegen den 
grossen Dichter erweist, mit seinen Werken sich 
beschäftigt, desto früher und allgemeiner wird der 
deutsch-österreichische Poet als einer unserer deut¬ 
schen Klassiker, als der grösste deutsche Drama¬ 
tiker nach Schiller die späte Anerkennung finden. 

Marburg i. H., 26. Febr. 1885. Max Koch. 


The Three Lords and Three Ladies of London. 

By R(obert) W(ilson). London, 1590. Ein Bei¬ 
trag zur Geschichte des englischen Dramas. Von 
Dr. Hans Fernow. Programm des Realgym¬ 
nasiums des Johanneums. Hamburg 1885. 

Umgekehrt wie bei vielen wissenschaftlichen 
Arbeiten, deren Inhalt dem im Titel Versprochenen 
nicht gerecht wird, bietet die Schrift Fernow’s mehr 
als ihr Titel besagt. Sie beschäftigt sich nicht nur 
mit dem obengenannten Drama, sondern zieht auch 
das ältere Stück Wilson’s, The Three Ladies* mit 
in den Bereich ihrer Untersuchung. Beide gehören 
allerdings, wie schon ihr Inhalt beweist, eng zu¬ 
sammen, so dass eine literarische Studie, die sie 
getrennt von einander betrachten wollte, ziemlich 
resultatlos verlaufen würde. 

Seinem eigentlichen Thema schickt der Verf. 
eine kurze Biographie Wilson’s voraus, so weit sich 
eine solche aus dem spärlich überlieferten Material 
zusammenfügen lässt. Von besonderem Interesse 
ist in dieser Hinsicht, dass F. in dem Verfasser 
der 8 Lords und 3 Ladies und dem Mitautor von 
‘Sir John Oldcastle* ein und denselben Wilson sieht 
(f 1600), während Collier die Mitarbeiterschaft an 
letzterem Stücke einem zweiten, jüngeren Wilson 
(geb. 1579, f 1610) zuschreibt, welchen er *beyond 
doubt* für den Sohn des älteren Wilson ausgibt, 
obwohl er für diese Behauptung jeden bindenden 
Beweis schuldig bleibt (Memoirs of Actors, p.XVIII) 1 . 
Aber auch angenommen, die beiden Wilson wären 
Vater und Sohn, was hat dies mit der Berechtigung 
zu thun, alle die in Henslowe’s Tagebuche seit 1598 
unter dem Namen Wilson eingetragenen Dramen 
dem kaum neunzehnjährigen Jüngling zuzuschreiben? 
Oder sollte die Lobpreisung Meres’ ‘as is now our 


1 Auch Ward (Engl. Dram. Lit. Bd. I, 8. 77, 287 und 
549) nimmt zwei dramatische Schriftsteller Namens Wilson 
an, nur ist er vorsichtig genug, sich Aber ihr von Collier be¬ 
hauptetes verwandtschaftliches Verhftltniss nicht anssnspreohen. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 1. 


wittie Wilson, who for learning and extem¬ 
poral 1 witte in this facultie. is without compare 
or compeere* sich wirklich auf den jungen Wilson 
beziehen? Und wie ist endlich die auffallende Er¬ 
scheinung zu erklären, dass vom November 1599 
bis zum Todesjahre (1610) des noch so jungen 
Mannes weder bei Henslowe noch irgendwo sonst 
etwas von ihm zu hören ist? Kurz, Fernow scheint 
die Annahme, dass der Verfasser der 3 Lords und 
3 Ladies und der Mitarbeiter an ‘Sir John Old¬ 
castle’ zwei verschiedene Persönlichkeiten seien, mit 
guten Gründen widerlegt und hoffentlich für die 
Dauer beseitigt zu haben. 

Nach einem kurzen Hinweise auf die interes¬ 
sante Figur Tarlton’s und einer gedrängten Ueber- 
sicht über die Entwicklungsgeschichte des englischen 
Dramas gibt F. eine sehr lesenswerthe Exposition 
der 3 Ladies und 3 Lords, aus welcher hervorgeht, 
dass F. im Allgemeinen dem älteren Stücke den 
Vorrang einräumt. Bei Besprechung der 3 Lords 
hebt er besonders die Episode hervor, die sich 
zwischen dem ehrlichen Juden Gerontus und dem 
betrügerischen christlichen Kaufmanne (Mercadore 
genannt) abspielt. In Bezug auf den auffallenden 
Namen Gerontus bemerkt F., dass derselbe nicht 
sowohl von dem in der bekannten Ballade vor¬ 
kommenden Gernutus abgeleitet, sondern dass viel¬ 
mehr die letztere Form aus Geruntus corrumpirt 
zu sein scheine. 

Eine eingehende Untersuchung über die Sprache 
und Verskunst Wilson’s behält sich der Verf. für 
eine spätere Gelegenheit vor. Doch geht schon aus 
dem der jetzigen Arbeit angefugten metrischen 
Excurs zur Genüge hervor, dass F. auf diesem 
Gebiete wohl Bescheid weiss, und dass wir uns 
auch nach dieser Hinsicht einer gediegenen Arbeit 
von ihm versehen dürfen. 

Einige Punkte seien herausgegriffen, in Betreff 
deren sich mit dem Verf. rechten lä^st: Zunächst 
ist der Schluss, welchen F. (S. 5) aus der von 
den Queen’s Players an den Staatsrath gerichteten 
Bittschrift zieht, als nicht stichhaltig zurückzuweisen, 
da die betreffende Petition längst als eine Fälschung 
erkannt ist (Elze, S. 138, Koch, S. 169). — Die auf 
S. 6 f. angegebene Entwerthung des Geldes seit 
der elisabethanischen Zeit im Verhältnis von 1 :10 
scheint zu hoch gegriffen; in der Regel wird 1:5 
angenommen (vgl. Elze, Shakespeare, S. 321 u. ö., 
Koch, Shakespeare, S. 261). — Die Anführung von 
Mysteries und Miracle plays (S. 11) scheint anzu¬ 
deuten, dass F. darin zwei verschiedene Arten des 
religiösen Dramas erblickt. Was indessen für die 
französische Literaturgeschichte zutreffend wäre, ist 
es nicht für die englische. Was die Franzosen 
unter Mysterien verstanden, nannten die Engländer 
gemeinhin Miracle plays, und der Name mystery, 
der zw’ar dieselbe Sache bezeichnete, war wenig 
oder gar nicht gebräuchlich (vgl. Ward, 1. c., Bd. II, 
S. 23 und 31, Koch, S. 210 f.). — Mit Collier nimmt 
F. an, das ‘regelmässige Schauspiel’ habe ßich gleich¬ 
zeitig mit und neben dem Moral play entwickelt. 
Das ist aber ein Irrthum. Während allerdings die 
Franzosen zur Zeit der Renaissance ein ganz neues 
Theater nach dem Muster der Alten zu gründen 
bestrebt waren, entwickelten die Engländer ihr her¬ 


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gebrachtes Volksdrama unter dem Einflüsse der 
klassizistischen Bestrebungen organisch weiter; und 
wie Koch (Sh., S. 225) mit Recht hervorhebt, liegt 
der unermessliche Vorzug, den das englische Drama 
vor dem französischen und deutschen voraus hat, 
gerade in der Continuität seiner Entwicklung. — 
Die Stellung des Vice gegenüber dem I)evil fasst 
F. zu äusserlich auf. Er meint nämlich, sie beide 
seien Geistesverwandte und hätten als solche sich 
doch eigentlich gut vertragen sollen. Dass aber 
der Devil von Vice überall geprellt, gehöhnt, und 
häufig auch noch durfchgeprügelt wird, das gerade 
hat einen tiefen ethischen Sinn. Der Vice verkörpert 
nämlich das ,von dem Devil ausgehende Böse, das, 
ihm fort und fort Verlegenheiten bereitend, auf ihn 
selbst zurückfällt und ihm zur eigenen Strafe würd. 

Der Druck der F.’schen Arbeit zeichnet sich 
durch wohltbuende Correctheit aus; Ref. hat sich 
nur einige wenige, dazu ganz unerhebliche typo¬ 
graphische Versehen notirt. Sie ist ferner mit an- 
muthiger Frische geschrieben und erhebt sich sowohl 
in Bezug auf, den auf sie verwandten Fleiss wie 
auf ihre Resultate um Haupteslänge über das Dui ch- 
schnittsniveau der alljährlich erscheinenden Pro¬ 
grammliteratur. Möchten wir doch dem Verf. recht 
bald wieder auf dem Gebiete der englischen Literatur¬ 
geschichte begegnen! 

Homburg v. d. H., 7. April 1885. 

Ludwig Proescholdt. 


Brinkmann, Friedrich, Syntax des Fran¬ 
zösischen und Englischen in vergleichender 
Darstellung. Braunschw'eig, Friedr. Vieweg & 
Sohn. 1884. Bd. I. XIV, 628 S. Bd. II, Lief. 1. 
388 S. gr. 8. 

Verf. glaubt mit der Herausgabe seines Werkes 
einer vom praktischen Leben an die Wissenschaft 
gerichteten Forderung zu entsprechen, insofern näm¬ 
lich eine einheitliche vergleichende Darstellung der 
beiden für unsern ausländischen Verkehr wichtigsten 
Sprachen dem Lernenden viel Zeit erspare. Allein 
mtf dieser Anschauung dürfte derselbe in der päda¬ 
gogischen Welt des öffentlichen und privaten Unter¬ 
richts wenig Beifall finden; denn w er hat je gehört, 
dass sich im Unterricht besonders rasche Erfolge 
erzielen lassen, wenn man bei der Darstellung 6iner 
Sprache immer gleichzeitig noch die abweichenden 
oder übereinstimmenden Eigentümlichkeiten von 
drei bis vier andern Sprachen — Verf. vergleicht 
regelmässig auch Deutsch und Griechisch, da¬ 
neben Spanisch und Italienisch — hereinmengt? 
Im Gegenteil, die neuere Pädagogik sucht selbst 
die Vergleichung der Muttersprache nach Möglich¬ 
keit einzuschränken. 

Wenn dem aber auch so wäre, Br. ist bei der 
Ausführung seines angeblich vom praktischen Leben 
erheischten Unternehmens so unpraktisch vorge¬ 
gangen, hat so gar keine greifbar bestimmten Ziele 
ins Auge gefasst, dass er sich einen grossen Theil 
der Früchte seiner Arbeit fast mutwillig verscherzt 
haben dürfte. Für wen ist das Werk geschrieben, 
für Lehrer oder für Schüler? Wenn für erstere, 
wie sollen dieselben es für den Unterricht ausnutzen? 


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1886. Litsratarblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 1. 


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Wenn für letztere, auf welcher Entwicklungsstufe 
soll es ihnen in die Hände gegeben werden? Br. 
ertheilt auf alle diese Fragen weder in der Vorrede 
noch durch die Anlage seines Buches eine Antwort. 
Thatsächlich kann ich mir aber keinen Privatunter¬ 
richt, keine Schulgattung irgend welcher Art denken, 
wo das Bresche Buch vernünftiger Weise der gram¬ 
matischen Lehrstunde zu Grunde gelegt werden 
könnte. Solche Unklarheit wirkt verhängnisvoll. 

Anderseits ist auch vom Standpunkte der 
Wissenschaft aus wenig Empfehlendes über die 
Br.’sche Syntax zu sagen. Auf p. VII des Vor¬ 
wortes stellt Br. die Behauptung auf, „dass, wenn 
man bloss nach der Syntax urtheilen dürfte, man 
das Englische eher zu den romanischen als zu den 
germanischen Sprachen rechnen könnte.“ Um diese 
in der That überraschende Behauptung zu stützen, 
findet er einige Erwägungen allgemeinster und z. Th. 
sehr fragwürdiger Art ausreichend! — Die eben 
gerügte Plan- und Ziellosigkeit in der Gesammt- 
anlage des Werkes findet ein Seitenstück in dem 
Umstande, dass Br. p. VII des Vorworts Laut- und 
Formenlehre ausdrücklich von seinem Buche aus- 
schliesst und sich auf die Syntax beschränken zu 
wollen erklärt, gleichwohl aber fast 50 Seiten der 
Bildung des Plurals in beiden Sprachen widmet 
und Bd. II mit 25 Seiten „Zur Formenlehre des 
Adjectivs“ einleitet. — Laufen in dieser Weise dem 
Verf. Syntax und Formenlehre durch einander, so 
wird es auch nicht Wunder nehmen, dass er offen¬ 
bar noch nie auf den Gedanken verfallen ist, ortho¬ 
graphische Darstellung und Lautform zu unter¬ 
scheiden. Der neueren phonetischen Erfassung der 
Sprache gegenüber befindet er sich auf dem Stand¬ 
punkte intaktester Harmlosigkeit. — Ebenso scheint 
er auch der neuern Entwicklung der Sprachwissen¬ 
schaft vollkommen fern geblieben zu sein, denn er 
citirt Schleichers und Max Müllers Hypothesen über 
die Natur der Numerus- und Casus-Suffixe, ganz 
als ob die tastenden Vermuthungen dieser Männer 
«'inen definitiven Abschluss der Wissenschaft be¬ 
deuteten. Ich wili ja keineswegs sagen, dass der 
Verfasser eines Werkes der vorliegenden Art mit 
der neuern Linguistik vertraut sein müsse, aber 
lässt er sich einmal auf Fragen, die diesem Gebiet 
angehören, ein, dann ist es allerdings seine Pflicht, 
sich irgendwie leidlich sichere Kenntniss über den 
neuesten Stand der Forschung zu verschaffen. 

In höchstem Grade ärgerlich ist aber die Prin- 
ciplosigkeit, mit der Br. sein Material zusammen 
gebracht und uuter den einzelnen Nummern ange¬ 
ordnet hat. Mit staunenswerther Gleichgiltigkeit 
wirft er, wo es gilt, eine Regel oder eine Ausnahme 
zu belegen, nicht nur die Stilgattungen, sondern 
die Jahrhunderte durch einander: da folgen Shake¬ 
speare und Macaulay, Bossuet und Pon- 
sard (um unseres viel citjrten alten Fritz zu 
geschweigen!) in buntestem Wechsel auf einander, 
als ob die alles wandelnden Jahrhunderte gerade \ 
an der Sprache spurlos vorübergingen und das 
Englisch ' von heute noch dasselbe Vergleichungs- 
object darböte wie das Englisch von vor dreihundert 
Jahren! Wollte Br., wie er angibt, praktischen 
Interessen dienen, so musste er sich ausschliesslich 
auf das modernste Englisch und Französisch be¬ 


schränken, innerhalb dieses Gebiets aber Prosa und 
Poesie, den Stil der Zeitungen, der Romanschreiber 
und Historiker wohl unterscheiden — freilich keine 
kleine Aufgabe, an die heranzutreten man sich 
wohl zwei Mal überlegen würde. — Wenn Br. sich 
ferner sichtlich etwas darauf zu Gute thut, so 
manchen voll peremptorischer Bestimmtheit auf¬ 
tretenden Regeln, besonders der Schulgrammatiker, 
mit Belegen, die ihnen widersprechen, entgegenzu¬ 
treten, so ist die Verdienstlichkeit dieses Bemühens 
wohl anzuerkennen. Anderseits aber haben ver¬ 
einzelte, ziellos herausgegriffene Belege keine wissen¬ 
schaftliche Beweiskraft; um anerkannte Regeln zu 
erschüttern oder zu beschränken, muss der betr. 
Forscher zum mindesten einige Werke der bezüg¬ 
lichen Zeit auf jede einzelne Frage hin durchlesen 
und uns danach das Zahlenverhältniss von Regel und 
Ausnahme genau angeben. Dann erst wissen wir, 
was unter seinem „häufig“, „bisweilen“ u. s. w. zu 
verstehen ist. — Die Art, wie die Fundstellen der 
beigebrachten Citate angegeben werden, ist eine 
sehr ungleichmässige und ungleichwerthige. Vor 
allem lässt sich kaum begreifen, wde Verf. gänzlich 
unterlassen konnte, uns zu sagen, welche Ausgabe er 
von jedem der angeführten Autoren benutzt hat; 
und wenn er mit zweien unter den vielen, nämlich 
Carlyle und Macaulay, eine Ausnahme gemacht hat, 
so wird dadurch die Erscheinung nur um so rätsel¬ 
hafter. Auch die genauen Citate Br.’s werden 
dadurch, sofern nicht ein Schauspiel nach Akt und 
Scene angeführt ist, werthlos. Daneben findet sich 
aber noch eine sehr erhebliche Anzahl ungenauer. 
Um eine Vorstellung hiervon zu geben, werde ich 
die marigelhaften Citate einiger beliebig herausge¬ 
griffenen Seiten hier zusammenstellen: Bd. I p. 56 
Rabelais (gleich darauf mit III, 19 und I, 83 
citirt), Calvin I, 14 und Calvin III, 24 (ver¬ 
mutlich sind hier nicht die Bände einer G$sammt- 
ausgabe gemeint, sondern das vorher mit Calvin 
Inst. III, 7 citirte Werk, worunter man wiederum 
wahrscheinlich irgend eine franz. Uebersetzung der 
Institutio relig. Christ, zu verstehen haben 
wird); p. 58 Ste. Beuve, Bossuet, Manzoni; 
p. 59 Cprn. Hör., Buffon, Macaul. Add., 
Pascal, Beaujean; p. 198 Tennyson, Pon- 
sard Agn&s d. M., Thiers Camp. d’It. en 
1800, gleich darauf mit „Das.“ wiederholt; p. 199 
Villemain IV und „Stelle aus Macaulay’s 
Essay über Boswell’s Life of Johnson“, eben¬ 
da wechseln unmittelbar hinter einander die Citat- 
formeln: Montesq., Consid. s. R, c. . 1 und 
Montesq., Cons. Rom. 15. Ganz arg ist die 
letzt gerügte Nachlässigkeit auf p. 296—297, wo 
sich folgende Macaulay-Citate, gleichfalls in un¬ 
mittelbarer Reihenfolge, finden: Macaul. Es8. I, 
218, Southey’s coli, on soc .; Southey (! ge¬ 
meint ist der ebengenannte Essay Macaulay’s über 
S.’s Coli, on Soc. p. 230!); Ders., Macchiav. I, 
202 (fälschlich für 102); Ders., Ess. IV, 204; 
Macaul. Ess. I, 185. Hallam’s C. H.; Ders., 
Ess. I, 76. Macchiav.; Das. (sic!) I, 92!! 

Ein solches Verfahren nennt man einfach lüder- 
lich! und das ist noch mild. 

Hiernach lässt sich ein zusammenfassendes Ge- 
sammturtheil über das vorliegende auf drei starke 


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1886. Literatarblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 1. 


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Bände berechnete Werk kaum anders abgeben als 
dahin, dass dasselbe für die Wissenschaft gleich 
untauglich ist wie für den praktischen Gebrauch. 

Dass Verf. bei alledem vielfach Sinn für das 
Wesen der Sprache und fein wägendes Verständ- 
niss für ihre Schwankungen und Widersprüche ver- 
räth, soll hiermit nicht ausgeschlossen werden. 

Die äussere Ausstattung des Werkes ist eine 
vorzügliche. 

Reichenbach i. Schl., October 1885. 

H. Klinghardt. 


Seeger, H., Lehrbach der Nenfr&nzöslschen 
Syntax mit systematischer Berücksichtigung des 
Deutschen. Erster Theil: Syntax des einfachen 
Satzes. Wismar, Hinstorff. 1884. 171 S. M. 2. 

Als eine „eigentümliche aber höchst beachtens¬ 
werte Erscheinung“ bezeichnete v. Sallwürk im 
Pädag. Archiv 1880 S. 27 den schon im Jahre 1878 
erschienenen zweiten Theil des S.’schen Lehrbuchs. 
Ich schliesse mich diesem Urteil auch bezüglich 
des im Jahre 1884 nachgefolgten ersten Theils un¬ 
umwunden an. 

Das „Eigentümliche“ des Buches besteht in 
der fortgesetzten Vergleichung desFran- 
zösischen mit dem Deutschen. Verf. hat 
dasselbe nämlich zunächst für solche Schulen be¬ 
stimmt, die, wie die preussischen Oberrealschulen, 
den fremdsprachlichen Unterricht nicht mit dem 
Lateinischen, sondern mit dem Französischen be¬ 
ginnen. Hier soll seine franz. Grammatik als die 
Grammatik überhaupt gelten, nach Abschluss des 
elementarsten deutschen Unterrichts in Quinta (Quarta) 
die Fortführung desselben auf dem Gebiete der ein¬ 
facheren und hohem Syntax mit übernehmen und 
auch weiterhin, falls der Schüler noch andere 
Sprachen (Latein) zu lernen hat, den allgemeinen 
grammatischen Rahmen hergeben, in welchen sich 
die besondern Gesetze dieser leicht einor.dnen lassen. 
Von diesem Gesichtspunkte aus kommt Verf. dazu, 
dass die Grammatik für ihn Selbstzweck wird, 
„kaum minder als die Mathematik“, bis nach Ober¬ 
prima hinauf — das vorliegende Lehrbuch ist für 
Secunda und Prima bestimmt, eine kürzere Fassung 
für Quarta und Tertia wird erst noch erscheinen — 
der „formalen 'Bildung“ und „geistigen Gymnastik“ 
dienen, und „auch für nicht unmittelbar zu prak¬ 
tischer Verwerthung gelangende syntaktische Er¬ 
örterungen in der Klasse ein regeres Interesse er¬ 
wecken“ soll. Und ausdrücklich verwirft er den 
Grundsatz Beneckes, das mit der deutschen Art 
des Ausdrucks Uebereinstimmende nur anzudeuten, 
sondern verlangt, dass man „das, worin die beiden 
Sprachen übereinstimmen, fast ebenso sorgfältig 
beachte, wie das, w’orin sie von einander abweichen“. 
Aber nicht nur will Verf. durch die ganze Anlage 
und die theoretische Vollständigkeit seines gram¬ 
matischen Systems die dominirende Stellung der 
Grammatik im Sprachunterricht — er wünscht neben 
den Zeugnisscensuren über Lectüre und schriftliche 
Arbeiten noch eine solche insbesondere über Syn¬ 
tax — zur Geltung bringen, sondern es treten auch 
seine, höchst zahlreichen, Belegstellen und Muster¬ 


sätze weniger als praktische Hilfen und Analogie¬ 
muster für die Erlernung des Französischen auf, 
als vielmehr in der Absicht, eben das allgemeine 
grammatische System zu stützen. Daher nun auch 
die Zweisprachigkeit derselben: überall stehen grund¬ 
sätzlich französischer und deutscher Text neben 
einander. Und so sehr ist Verf. darauf bedacht, 
in seiner Grammatik dem Deutschen sein Recht zu 
wahren, dass er seine Beispiele lieber dem klassischen 
Deutsch Schillerscher Werke entnimmt und ihnen 
dann Regnier’s Uebersetzung zur Seite stellt, als 
einen umgekehrten Weg einschlägt So bildet das 
ganze Buch, wenn wir seine praktische Tendenz ins 
Auge fassen, eigentlich w;eiter nichts als eine fort¬ 
laufende Beantwortung der Frage: wie gibt in jedem 
besondern Falle ein sprachgewandter Franzose gut 
deutsch ausgedrückte Gedankeu in gutem Fran¬ 
zösisch wieder? Und diesem Gesichtspunkte ent¬ 
spricht es auch nur, wenn Seeger die Primaner 
seiner Güstrower Realschule noch regelmässig mit 
der mündlichen und schriftlichen Uebersetzung von 
Schillers dreissigjährigein Krieg, H. W. Stolls Er¬ 
zählungen aus der Geschichte oder Andräs Erzäh¬ 
lungen aus der deutschen Geschichte beschäftigt. 
Ueberhaupt beziehen sich des Verf.’s gesammte 
pädagogische Erörterungen ausschliesslich auf die 
Uebersetzungsübungen (aus dem Deutschen in das 
Französische), bei welchen eben sein Lehrbuch einen 
zuverlässigen Rathgeber bilden soll; von der metho¬ 
dischen Vorbereitung der Aufsätze und der Aus¬ 
führung dieser selbst ist so gut wie nicht die Rede, 
auch die vom Verf. in Aussicht gestellten phraseo¬ 
logischen Uebungsbücher über die franz. Präpo¬ 
sitionen und das franz. unregelmässige Verbum 
sollen offenbar nur den Uebersetzungsübungen dienen, 
denn sie werden für Tertia bezw. Quarta bestimmt. 
Nur aus den mir vorliegenden Schulnachrichten 
über die Güstrower Realschule (Ost. 1888) ersehe 
ich, dass die Primaner Phrasen aus Schmitz’ Phraseo¬ 
logie zu lernen hatten; in dieser Klasse wenigstens 
könnte die genannte Uebung Bezug auf die freien 
französischen Arbeiten haben. 

Ich hoffe, in dem Vorstehenden ein richtiges 
und anschauliches Bild der das S.’sche Buch * vor 
andern seiner Art auszeichnenden Eigenthümlich- 
keiten gegeben zu haben. Auf eine eingehende 
Kritik derselben kann ich mich an diesem Orte 
nicht wohl einlassen und begnüge mich daher mit 
der Erklärung, dass ich fast durchweg den Gesichts¬ 
punkten S.’s gegenüber stehe. Nachdem die Prüfungs¬ 
commissionen so ziemlich aller Universitäten und 
aller Facultäten zu immer erneuten Malen über die 
geistige Dürre, Unfähigkeit und Unreife der Schüler, 
welche die nun schon seit Jahrzehnten unter der 
Herrschaft der Phrasen von „Geistesgymnastik“, 
„formaler Bildung“ u. s. w. stehenden Gymnasien 
ihnen zusenden, Klage geführt haben, sollte man es 
endlich aufgeben, trotz all uud alledem in dieser 
Richtung noch Erfolge erzielen zu wollen. Das 
ganze Princip aber der Uebersetzungsübungen — ob 
aus dem Deutschen oder in das Deutsche — ist 
heute bereits in weiten Kreisen als ein verfehltes 
erkannt, und von einem Schüler gute Uebersetzungen 
deutscher Originalschriftsteller verlangen, ist eben 
wohl das ärgste, was auf diesem Gebiete gesündigt 


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1886. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 1. 


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werden kann. Jeder, der schon fremde Texte behufs 
Veröffentlichung in das Deutsche übertragen hat, 
kennt die ausserordentlichen Schwierigkeiten einer 
solchen Aufgabe;' und nun gar erst das umgekehrte! 
Was endlich das Unternehmen betrifft, die gesammte 
reiche Beispielsammlung der Grammatik, von wenigen 
Ausnahmen abgesehn, auf eine franz. Uebersetzung 
deutscher Originaltexte zu gründen, so scheint mir 
die Begründung des Verfassers, „der Schüler soll 
das Französische mit dem Deutschen, nicht aber 
umgekehrt das Deutsche mit dem Französischen a 
(Programm von Güstrow, Ost. 1877), für eine so 
ausserordentliche Massnahme nicht auszureichen; 
überdies ist nicht Vergleichung sondern Einübung 
der Sprachen Aufgabe der Schule. 

Schliesslich noch etwas äusserliches, das aber 
allein schon ausreichen sollte, um dem Buche die 
Schulen zu verschliessen: die Beispielsammlungen 
und die Anmerkungen sind mit so abscheulich kleinen, 
geradezu augengefährlLhen Typen gedruckt, dass 
man ihresgleichen kaum bei irgend einer neueren 
rnammatik finden wird! In einigermassen un- 
Ggüstigen Klassen und Schülerwohnungen bezw. bei 
minder gutem Lampenlicht ist der Gebrauch dieser 
Grammatik einfach ausgeschlossen. 

Allein nicht nur eine .eigentümliche, sondern 
auch eine „höchst beachtenswerte“ Erscheinung 
nannte v. Sallwürk den zweiten Theil des Lehr¬ 
buchs, und vom ersten Theile gilt dieses Urteil in 
nicht geringerem Umfange. Der Grund desselben 
lässt sich in wenigen Worten sagen: S. ist ein 
ebenso selbständiger wie scharfer Beobachter und 
Denker, dazu ist sein Werk offenbar aus langjähriger 
reicher Materialsammlung und höchst gewissenhafter 
Erwägung aller Einzelheiten wie der ganzen Anlage 
hervorgegangen. So findet der Fachgenosse vielfach 
neue Aufschlüsse und neue Gesichtspunkte wert¬ 
vollster Art, und ist dabei gleichzeitig von dem 
Bewusstsein getragen, in der grammatischen Dar¬ 
stellung des Verf.’s überall durchaus sichern Boden 
unter den Füssen zu haben. 

Kann ich somit auch das Buch nicht für die 
Schulpraxis empfehlen, so gebe ich doch anderseits 
gern meiner Ueberzeugung Ausdruck, dass jeder 
Fachgenosse beim Studium und Gebrauch desselben 
nicht geringe Anregung und Vortheil erhalten wird 
— zumal wenn er gute, widerstandsfähige Augen 
besitzt. 

Reichenbach i. Schl., 1. Nov. 1885. 

H. Klinghardt. 


Haase, A., Zur Syntax Robert Garniers. Heil¬ 
bronn, Gebr. Henningen 1885. 100 S. 8. (Franz. 
Studien V, 1.) 

Obgleich die Sprache Garniers nicht viel Eigen¬ 
tümliches bietet, und die vorliegende Abhandlung 
daher meist nur die bekannten Erscheinungen, welche 
die Sprache des 16. Jb.’s als die Uebergangsform 
vom Altfr. zum Nfr. charakterisiren, vorführen 
kann, so hat doch der durch seine syntaktischen 
Studien über Villehardouin, Joinville und Pascal 
unter seinen Fachgenossen wohlbekannte Verf. über 
jenen Dichter eine Studie geliefert, welche durch 


Genauigkeit und Vollständigkeit der Beobachtungen, 
Richtigkeit der Erklärungen, Kenntniss und Aus¬ 
nutzung der einschlägigen Literatur sich so aus¬ 
zeichnet, dass sie als eine Musterarbeit betrachtet 
werden darf. Wenn auch hie und da vielleicht eine 
Einzelheit hinzugefügt werden könnte, wenn z. B. 
zu dem sehr kurz gehaltenen ersten Kapitel über 
das Substantivum, insbesondere über dessen Ge¬ 
schlecht, und späterhin über die Arten der Verba 
einige Bemerkungen sich anreihen Hessen, so dürfte 
die Nachlese doch nur sehr spärlich ausfallen und 
die Mühe kaum lohnen. Der Verf. begnügt sich 
nicht damit, durch einige Beispiele festzustellen, 
dass irgend eine alterthümliche Construction bei 
Garnier sich noch findet, sondern er gibt sich auch 
die Mühe zu untersuchen, ob daneben bereits die 
moderne Ausdrucksweise angetroffen wird, und," 
wenn dies der Fall ist, in welchem Zahlenverhalt- 
nis9 in Betreff der Häufigkeit ihres Vorkommens 
die beiden Constructionen zu einander stehn. Da¬ 
durch zeigt er oft in greifbarer Weise, wie das 
Alte im Vergehen und das Neue im Entstehen ist, 
ja es gelingt ihm sogar in einigen Punkten nach¬ 
zuweisen, wie der Dichter dem Entwickelungsgange 
der Sprache folgt und manches Alterthümliche, das 
in seinen ersten Stücken nicht ungewöhnlich war, 
in seinen letzten . und besten mehr und mehr ver¬ 
meidet. 

In Betreff der Interpretation des Textes kann 
man an einigen vom Verf. citirten Stellen anderer 
Meinung sein. Die Verse z. B., welche auf S. 7 
angeführt sind, um die Weglassung des pronomi¬ 
nalen Accusativobjectes der 3. Person zu belegen, 
und welche auf S. 22 unter den relativen Adverbien 
als Beweis dafür, dass que mit einem Personal¬ 
pronomen statt des Relativums gebraucht wurde, 
wiederkehren, scheinen mir weder hier noch dort 
an ihrem richtigen Platze zu sein; vielmehr möchte 
ich in den Versen III, 206 f. Heureux qui jamais 
n’eut de vie Ou que la mort dbs le berceau Lui a, 
pitoyable, ravie (statt la zu ergänzen und que lui = 
d qui zu nehmen) hinter ou nur das Object vie noch 
einmal hinzudenken und que als den darauf bezüg¬ 
lichen Accusativ des Relativums betrachten, so dass 
dem Satz eine lateinische Form des Objectes vitam 
aut nullam aut praemature raptam, dessen zweites 
Attribut aufgelöst worden, zu Grunde läge. Auf 
S. 29 hat das erste Beispiel (I, 1086) für das Fehlen 
des unbestimmten Artikels vor einem Substantivum, 
das durch einen Relativsatz bestimmt ist, keine 
Beweiskraft, da que dort als Conjunction im Sinne 
von sans que gefasst werden kann. Auf S. 74 fehlt 
als Beispiel zu de mit einem prädicativen Substantiv 
eine Stelle, die auf S. 34 zu einem andern Zwecke 
angezogen ist: VIII, 1054: et senible ä Vapprocher 
D’une tourmente esmeue encontre un grand rocher, 
eine Stelle, welche dem vorher angeführten Satze 
de son rouge sang La chambre est ondoyante et semble 
d’un estgng ganz gleichsteht und welche der Verf., 
da er auf S. 54 V als Pronomen und nicht als 
Artikel ansieht, gewiss ebenso erklärt. In dem 
Verse II, 1607: Or de Tapse approchans nous fer - 
mons de fossez (S. 7) kann Tapse als Object zu 
fermons nicht gedacht werden, da diese Stadt bereits 
von Cäsar belagert wird, also nicht auch von seinem 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


24 


Gegner <5cipio mit Gräben umzogen werden kann; 
sondern Object ist nous und das Subjectspronomen 
nous ist zu ergänzen. ( fermer steht in ähnlicher 
Bedeutung auf derselben Seite Vers 1584.)- Das 
Bestreben des Dichters, die Zusammenstellung der 
gleichlautenden Pronomina nous nous und vous vous 
zu vermeiden, scheint der Verf. wie hier so auch 
an andern Stellen nicht richtig erkannt zu haben; 
denn die Ausdrücke vous üevez und vous recourbez 
1, 1019 und 1021, vous mettiez en cotere VIII, 189, 
vous en trouverez mal VIII, 451 enthalten gewiss 
nicht intransitive Verba, wie der Verf. meint, son¬ 
dern die gewöhnlichen reflexiven Formen, deren 
Subjectspronomen weggelassen ist Ebenso erklären 
sich IV, 1695 je ne permettray pas que vous donniez 
la mort und VI, 746 vous &tes aüi rendre (auf S. 37 
citirt). VIII, 1830 Non, ce que je vous vous dy be¬ 
ruht natürlich auf einem Druckfehler. 

Was endlich die auf andere Gewährsmänner 
gestützten Angaben über das Nichtvorkommen von 
gewissen Ausdrücken bei diesem oder jenem Schrift¬ 
steller betrifft, so hat der Verf. sie in einem gerechten 
Misstrauen meist in eine unbestimmte oder zweifelnde 
Form gekleidet Er hätte dies auch auf S. 12 bei 
der Bemerkung thun können, dass die adjectivische 
Verwendung von celui bei Montaigne sich auf das 
formelhafte ä Cellefin beschränke; denn celuy Sextius, 
das bei Montaigne II, 12 steht, ist wahrscheinlich 
nicht das einzige Beispiel der Art, das sich bei I 
enauerer Untersuchung finden Hesse. Auch der 
. 14 erwähnte Gebrauch von celui anstatt eines 
Indefinitums reicht weiter als dort angegeben wird, 
da Littrü ihn noch aus St Simon belegt. Zu S. 16 
und 19 ist zu bemerken, dass das Wegbleiben des 
Artikels vor Völkernamen und nach tout vor einem 
Singular sich aus Rabelais V, 47 (Dieu souverain, 
lequel jadis Egyptiens nommoient en leur langue Vab - 
scons ), II, 8 ( tout Orient et midi) und IV, 26 ( toute 
ludie) nachweisen lässt. Die auf S. 25 unten an¬ 
gegebene Stelle quel quel soit cest esclandre ist an 
' dem dort bezeichneten Orte nicht zu finden. 

Berlin. O. Ulbrich. 


Koschwitz, E., Commentar za den ältesten 
französischen Sprachdenkmälern. I. Eide, 
Eulalia, Jonas, Hohes Lied, Stephan. Heilbronn, 
Henninger. 1886. VIII, 227 S. 8. M. 5,80. (Alt¬ 
französische Bibliothek Bd. X.) 

Ein, wohl aus Universitätsvorlesungen hervor¬ 
gegangener, äusserst sorgfältiger und allseitiger 
Commentar zu den ältesten Denkmälern nordfran¬ 
zösischer Sprache; zusammenfassend zugleich und 
weiterführend, dem Fachmann wegen mancher selb¬ 
ständigen Erklärung nützlich, dem Studirenden, der 
schon mit den wichtigsten Fragen altfranzösischer 
Lautlehre bekannt ist, ein gutes Hilfsmittel zum 
Privatstudium der wichtigen und nicht immer leichten 
Texte. Was irgend erklärungswerth oder -bedürftig 
scheint, wird besprochen. Zuerst kommt die genaue 
Beschreibung der Handschrift und die Charakteri- 
sirung der wichtigsten Ausgaben. Die Uebersetzung 
von Betbmanns „Reise u. s. w. ft durch Coussemaker, 
die K. bei Anlass des Jonas erwähnt, ohne nähere 


Angaben über sie machen zu können, ist in Paris 
1849 erschienen. Das beigegebene Facsimile steht 
dem Güninschen nach; an den beiden Rändern der 
Zeilen fehlt immer je ein Zeichen, auch sonst finden 
sich offenbare Ungenauigkeiten; S. 18 versucht Cousse¬ 
maker eine Umschreibung, die aber sehr schwach 
ausgefallen ist. Weiter untersucht K. die Quellen, 
wo solche existiren, dann sehr genau die sprach¬ 
lichen Verhältnisse, und die eventuelle Heimat; so¬ 
dann folgen kritisch-exegetische Bemerkungen zu 
einzelnen Stellen (zu den Eiden und zur Eulalia 
wird der Commentar, den Diez in den altromanischen 
Sprachdenkmälern gegeben hat, fast ganz herüber¬ 
genommen), endlich bei der Eulalia nach, beim 
Hohen Lied und der Stephansepistel vor der sprach¬ 
lichen die metrische Untersuchung. Die Homilie 
über Jonas wird ganz übersetzt — So viel über 
die Anlage des Buches im Allgemeinen. Man ge¬ 
statte mir, es im Einzelnen zu durchgehen. 

I. Eide. Nach umsichtiger Prüfung des Für 
und Wider kommt der Verf. zu dem gewiss allein 
richtigen Ergebnisse, dass das i in savir u. s. w. 
den Laut nicht i ausdrücke. Als Heimat der 
Eide betrachtet er den Südwesten, eine der von 
Görlich Franz. Stud. III dargestellten Mundarten. 
Von den verschiedenen Gründen dafür kann ich 
freilich nur ab = apud, das den frz. Auslautgesctzen 
widerspricht, anerkennen, das uns also in ein Grenz¬ 
gebiet führt, combinirt mit poblo, das an sich ja 
auch weiter nach dem Osten weisen würde, wo 
aber ab zu fehlen scheint. Dagegen ist es sicher 
falsch, wenn das a in salvament mit dem pariament 
bei Görlich S. 113, das salvarai der Eide mit dem 
livrarei des poitevinischen Katharinenlebens ver¬ 
glichen wird: dort handelt es sich, wie die Schrei¬ 
bung fradra klar beweist und wie K. S. 8 selbst 
annimmt, um die ungenaue Darstellung eines zwischen 
a und e liegenden Lautes, hier um das Eindringen 
provenzalischer Formen: vielleicht nur im Literär- 
dialekte. Wenn ferner f = vulgl. f und ft = vulgl. 
e + Palatal geschieden sind, so kann das im 9. Jh. 
auch in andern Dialekten der Fall gewesen sein. 
Uebrigens scheint K. diesem und den andern Fac- 
toren nicht an sich, sondern nur im Verein mit den 
erstgenannten Beweiskraft zuzuschreiben. Dagegen 
scheint mir fradra noch einen negativen Schluss zu 
gestatten, wenn nämlich meine Beobachtung Ltb). 
1884 Sp. 473 nicht auf einem Zufall beruht, dass 
der Rabbiner Raschi aus Troyes noch im XL Jh. 
e = a und Stütz-« scheidet — Als Latinismus fasse 
ich sit, für das Thurneysen die richtige Erklärung 
nicht gefunden hat; der Grund, der nach ihm an sit 
statt *siat festhalten Hess, lag auch im Prov. Ital. u. s. w. 
vor, und doch finden wir hier *siat. Es muss viel¬ 
mehr, nach Eintritt des Auslautgesetzes, aus *fus *fvs 
fust, amas as ast zur Differenzirung von 1. 2. in 
Anlehnung ans Praes. Conj. oder ans Impf. Ind. 
fuse fuses, amase amases entstanden Bein. Diese 
Formen wirken zurück aufs Impf. Indic. und ver¬ 
drängen das e = ö in 3., die Gleichheit von seie 
seies *seiet mit aveie aveies aveiet hatte seit zur Folge, 
als im Laufe des X. Jh.’s aveiet dem aveit wich. — 
Ich mache noch auf eine neue Erklärung von pla - 
citum = plait S. 29 aufmerksam, ohne ihr völlig 
beizustimmen. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Kr. 1. 


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II. Eulalia. Vortrefflich ist vor Allem die 
Darstellung des Metrums, und wenn auch, wie K. 
hübsch nachweist, der Weg zur richtigen Erkennt- 
niss schon geebnet war, so fehlte doch bisher eine 
so abschliessende Untersuchung wie die hier ge¬ 
botene ist Ueber die Heimat war nichts Neues zu 
bemerken, dagegen hebe ich die richtige Deutung 
von regid S. 94 in Bezug auf den Sinn, S. 75 auf 
die Form (g = t) und die Exkurse über ratjone 
S. 70, faire veintre S. 72 ff., die feinen Bemerkungen 
über -t S. 77 hervor. K. spricht sich gegen Neu¬ 
manns Erklärung (Ltbl. 1885 Sp. 244 f. Anm.) von 
veintre aus, ohne freilich zu einer directen Wider¬ 
legung zu schreiten *. Der Mangel eines zweiten 
genau entsprechenden Beispieles macht eine sichere 
Entscheidung unmöglich; am einfachsten scheint 
auch mir die Reihe ventyere: ventre. — S. 76 ruo - 
vet = rogat, roveret = rogaverat (weshalb nicht 
das gut lateinische rogarat, dem allein die frz. Form 
entspringen kann?) „der Vokal hat zur Vermeidung 
des Hiatus ein ihm verwandtes v hervorgerufen 44 . 
Die Foerstersche Erklärung Zs. III, 259, auf die 
hingewiesen wird, ist wohl die einzig annehmbare, 
da rover auch in Dialekten vorkommt, die pooir 
haben und da ein entsprechendes *interroguare 
(dessen Verhältnis zu interrogare noch der Auf¬ 
klärung bedarf) durch afrz. enterver = rum. intrebd 
gesichert ist. 

Jonas. Auch hier zeichnen sich die Bemer¬ 
kungen über die Verbindung von Lateinisch und 
Französisch, von Notenschrift und Kursivschrift 
durch ihre Klarheit aus. Das schwierige fisient 
wird recht ansprechend als Impf, mit Endbetonung 
gedeutet: fisiint, für permessient nachdem Vorschläge 
von Behrens permeissent gelesen. Die erste Form 
braucht nicht gerade endbetont zu sein: fitfent ist 
der lautgesetzliche Vertreter der Vorstufe facfant, 
während fisoient sein oi erst durch Analogie erhalten 
hat. Auch noch eine andere Form hohen Alters, 
die sonst überall verschwunden ist, bewahrt uns 
das Fragment: feent — *facunt, neben welchem 
font nur Analogiebildung, nicht, wie K. S. 9 will, 
ebenfalls organisch sein kann. Wir lernen daraus 
in Verbindung mit dem Zs. IX, 145 f. Gesagten 
für die Geschichte von de * folgendes: vor o a wird 
c vor Eintritt des Auslautgesetzes zu t; den Abfall 
von u überdauert es; wo u bleibt, fallt es spurlos, 
also aca — aie ; aco = ai, acum = ac, acunt — 
eetU. Wichtig ist auch das Verhalten des a. — 
Ab Heimat wird die Grenze des pikardisch-wallo- 
nisch - lothringisch - champagnischen Sprachgebietes 
bezeichnet, speciell die enge Verwandtschaft mit 
den Dialogeu Gregors hervorgehoben. 

IV. Hohes Lied. Die Dialektbestimmung ist 
hier besonders schwer. Schreiber und Verfasser 
geboren offenbar verschiedenen Gegenden an; jener 
hat für auslautende Consonanten ein ziemlich bizarres 
System, das uns indirect Schlüsse auf seine Sprache 
ziehen lässt. I\. entscheidet sich dafür, den Ver¬ 
fasser dem Südosten, die Kopie der Normandie 
oder allgemeiner dem Westen zuzutheilen: eine 

1 8ohwer ins Gewicht fällt für N. foudre = fulgur, doch 
steht daneben bougre. Entweder ist letzteres jünger oder frs. 
foudre geht auf ein durch Sufflxrerweohslang entstandenes 
*fulger zurück, das auch durch rum. fuger bezeugt wird. 


Annahme, die dem Richtigen ziemlich nahe kommen 
wird. Dem normannischen Kopisten möchte ich 
auch den Diphthong uo in ittuoc zuschreiben, vgl. 
Strauch, Lateinisches ö in normannischer Mundart, 
Diss. Hall. 1881. Unter den einzelnen Bemerkungen 
scheint mir zu Vers 24 die Erklärung von soe tnerci 
als Accusativ des Ausrufs sehr problematisch; die 
Auffassung als erstarrter Ablativ hat doch jeden¬ 
falls viel mehr Wahrscheinlichkeit für sich. 

V. Die Stephansepistel wird, wie mir 
scheint, völlig zutreffend in die südliche Touraine 
verlegt, wie dies schon G. Paris bei der ersten 
Ausgabe angenommen hatte. In der schwierigen 
Stelle Vers 7 deutet K. das handschriftliche creinent 
als creivent, meines Erachtens mit Unrecht. Das 
crelent im Katharinenleben webt auf keinen Fall 
auf creivent zurück, der Mangel des v ist lautge¬ 
setzlich nicht zu begründen; ist aber crelent nach 
irgend welcher Analogie geformt, so liegen andere 
Erklärungen als eine Grundlage -ivent näher, ich 
möchte daher Foersters Aenderung creeient beibe¬ 
halten. Ueberzeugend ist dagegen die Correctur 
desmentit statt desmentir Vers 81. 

Zum Schluss noch ein Wunsch für eine, ohne 
Zweifel bald nöthig werdende zweite Auflage. Das 
Buch ist doch wohl in erster Linie für Lernende 
bestimmt, daher genauer, nicht zu Missverständnissen 
verleitender Ausdruck von grösster Wichtigkeit ist. 
Dies vermisse ich in einem Falle: bei der Recon¬ 
struction vulgärlateinischer Formen, die meist vom 
rein französischen Standpunkte aus vorgenommen 
wird — wobei allerdings manche Schwierigkeit 
nicht erscheint. K. selbst, das versteht sich, sind 
diese Dinge nicht entgangen; aber Studirende, denen 
der Ueberblick über das Gesammtgebiet fehlt, können 
leicht irre geleitet werden. Es sind die folgenden 
Fälle: eo = ego, „dessen g nach gewöhnlichem 
Gesetze fällt" S. 6. Darf man denn dieses eo von 
ital. io, sicil. iu, rum. eu u. s. w. trennen und kennt 
eine dieser Sprachen das „gewöhnliche“ Gesetz? 
S. 66. „Ein 'jectare für jactare anzunehmen ist un- 
nöthig. 44 Das widerspricht sogar den frz. Laut¬ 
gesetzen, vgl. jisir: jacere; chitif: *cadivus, dagegen 
jectare = jeter wie *rec$ptre = recevoir ; ital. gettare 
ist aus jactare nach ital. Lautgesetzen nicht zu er¬ 
klären; in sp. echar verlangt der Mangel des j ein 
sehr altes jectare . — S. 65. escoltet = *excoltat, 
woneben ascolter jünger sei. Aber span, ascuchar, 
altital. ascoltare, dieselbe Form auf Inschriften und 
bei Grammatikern zeigt deutlich, dass esc - jünger, 
durch Praefixvertauschung entstanden, während 
vulgl. asculto nach strengem Dissimilationsgesetz 
(au — ü zu a— üt gebildet ist. — Bei vertue S. 132 
schwankt K. zwischen einer „momentanen 44 Analogie¬ 
bildung an terme charme u. s. w. oder Stütz-e bei 
rm. Die Rücksicht auf ital. vermine, asp. bierven, 
cat. mall, vertue u. s. w. lässt das erste als einzig 
richtigerscheinen, nur ist der Ausdruck „momentan 4 * 
zu streichen. Dass rm Stütz-e fordere, ist mir 
nicht recht glaublich. Und so noch anderes. Da¬ 
gegen freut es mich, auf S. 87 die Bemerkung zu 
finden, dass die Diphthongisirung von gedecktem q 
zu ie im Wallonischen, Spanischen, Rumänischen 
in den drei Gebieten unabhängig vor sich gegangen 
sei, welcher Anschauung ich völlig beipflichte: ge- 


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1886. Literatnrblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 1. 


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ineinsam ist # = aber nicht mehr. — Diese letzten 
Aussetzungen mögen als ein Zeichen meines Inte¬ 
resses an der Publikation betrachtet werden. 

* Paris, 5. Dec. 1885. W. Meyer. 


Les Comädiens Italiens ä la Cour de France 
Sous Charles IX, Henri ELI, Henri IV et Louis XIII 
d’apr&s les lettres royales, la correspondance origi¬ 
nale des Com6diens, les registres de la „Tresori&re 
de l’Epargne“ et autres documents, par Armand 
Basch et. Paris, Pion et C !a . 1882. XV, 367 S. 8. 

Die eigenthümliche Erscheinung einer stehenden 
ausländischen Schaubühne, die mit beispiellosem 
Erfolge Stücke in ihrer eigenen Sprache auffülirt, 
ist schon an und für sich interessant genug, um 
eingehend behandelt zu werden. Sie wird es noch 
mehr durch den hervorragenden Einfluss, den sie 
auf die dramatische Literatur des Landes ausgeübt 
hat. Die Geschichte des Theätre-Italien zu P^ris 
reizte daher schon sehr früh — so ziemlich gleich¬ 
zeitig mit der des franz. Theaters — zu eingehen¬ 
den Studien. Beauchamps (1735), du Gerard (1750), 
Parfaict (1767), Desboulmiers (1769 — 7 Bande —), 
d’Origny (1788 — 3 Bände —) beschäftigten sich 
der Reihe nach erfolgreich damit. In unserem 
Jahrhundert wurden durch grössere oder kleinere 
Arbeiten, die mit den Namen Magnin, Moland, 
Guiliemot, Maurice Sand, Campardon u. a. ver¬ 
knüpft sind, bald die ganze Zeit, bald eine einzelne 
Periode immer wieder behandelt Alle diese Arbeiten 
haben jedoch mehr die Geschichte des Th^ätre 
Italien zum Gegenstände von dem Augenblicke an, 
wo es ständig wurde. Ueber seine Anfänge, über 
die einzelnen Schauspieltruppen, welche zuerst Ver¬ 
suche zur Niederlassung machten, gehen sie flüchtig 
hinweg. Gerade diesen Theil des Themas hat sich 
der Verfasser des vorliegenden Buches zur Aufgabe 
gestellt und damit wirklich eine Lücke ausgefüllt. 
Eine Reihe der interessantesten Mittheilungen, meist 
dem Archiv der ehemaligen Herzoge von Mantua 
entnommen, machen uns genau mit den verschiedenen 
von Frankreichs kunstliebenden Herrschern berufenen 
italienischen Schauspieltruppen bekannt, die von 
1571 an bis 1624 wiederholt über die Alpen zogen. 
Ich kann mich nur anerkennend über die sorgfältige, 
gewissenhafte Ausarbeitung des Materials, sowie 
über die klare anziehende Darstellung aussprechen. 
Bedauern muss ich jedoch, dass der Verfasser seine 
Arbeit nicht bis zur Zeit des ständigen Aufenthaltes 
der ital. Schauspieler — um die Mitte des 17. Jahr¬ 
hunderts — fortgeführt hat und ferner, dass er 
die zahlreichen italienischen Originalbriefe alle in 
französischer Uebersetzung mittheilt, ohne die Origi¬ 
nale beizufügen. Ein Vergleich mit den im folgen¬ 
den Jahrhundert in ganz ähnlicher Weise auftreten¬ 
den englischen Komödianten lag sehr nahe, doch 
hatte Baschet schwerlich von diesen Kenntniss. 
Nürnberg, Juni 1885. A. L. Stiefel. 


Chabaneau, Camille. Poesies intdites des 
tronbadonrs du P£rigord. Paris, Maisonneuve 
& C u . 1885. 62 S. 8. (Extrait de la Revue des 
langues romanes.) 


In dieser kleinen Sammlung werden die bisher 
noch nicht publicirten Gedichte von Arnaut de 
Mareuil (8 Gedichte), Guiraut de Borneil (4 Ge¬ 
dichte), Sail d’Escola (1 Gedicht), Elias Cairel (1 
Gedicht), Gausbert de Puycibot (4 Gedichte) zum 
Abdruck gebracht unter Benutzung des gesammten 
allerdings nicht grossen, handschriftlichen Materials; 
nur die Hs. a ist, abgesehen von Guir. de Borneil I, 
unbenutzt geblieben, desgleichen die Hss. K und d 
Am. de Marueil VI. Der Text bietet manche 
dunkle, schwer verständliche Stelle; der Hrsg, hat 
mehrfache Verbesserungen eingeführt, an anderen 
Stellen Verbesserungsvorschläge und Erklärungen 
unter dem Texte gegeben. Hier auch meinerseits 
einige Vorschläge. 

Arnaut de Marueil I, 54 corr. delirier. — I, 60 
corr. cossirier. — I. 189 corr. s’ab tan und setze 
Zeile 191 Komma statt Semicolon, „und wenn Ihr 
mit so vrenig Mühe einen so treuen Liebenden, wie 
ich es bin, bewahren könnt, so müsst Ihr es sehr 
wollen“; — I, 194 corr. Qar tollol miei consir, vgl. 
II. 107—9. — II, 9 corr. De. — II, 53 setze Frage¬ 
zeichen an das Ende dieses und des folgenden Verses. 
„Gute Froue, warum unterbleibt es? Werden alle¬ 
zeit meine Bitten vergeblich sein?“ — II, 100 schreibe 
non ai a dampnatje . — II, 107 setze Komma hinter 
Dona. — III, 11—12 corr. E sels que de Jot/ so 
amic | Sol, e bais sei quel mou destric. — III, 68 
schreibe ela. — III, 74. Ich halte es nicht für nöthig 
hier eine Lücke anzunehmen. — III, 88 ist Komma 
statt Punkt zu setzen; amors Zeile 86 ist Subject 
zu cossen Zeile 89, amors Zeile 89 ist entweder als 
wiederholtes Subject oder als Object anzusehen, 
oder es ist vielleicht wegen des lo Zeile 90 statt 
amors — lo cor zu corrigiren, vgl. Zeile 84. — III, 
101 corr. Qu’avetz für Que ieu. — III, 118 setze Punkt 
statt Semicolon an das Ende des Verses. — III, 
1*21 setze Colon nach gueriers. — IV, 28 corr. Betn 
deuria hom per so a cavalh traire. — IV, 50. Der 
von Chab. vorgenommenen Aenderung kann ich 
nicht beistimmen, da ich nicht einsehe, was dann 
Subject sein sollte. W 7 ill man chanso als solches 
ansehen, dann muss pot in potz geändert werden. 
Warum nicht die handschriftliche Lesart bewahren 
und mos cors als Subject betrachten? — V, 48 
schreibe Domn f al. 

Nr. VI ist schon gedruckt gewesen bei v. Na- 
polski. Ponz de Capduoill S. 107. Zeile 25 liest 
Chabaneau al fin cor, v. Napolski ab fin cor, beide 
geben keine Abweichung von den Hss. an. Ab ist 
das Richtige, al bei Chabaneau wohl Druckfehler. 

VII, 27. Könnte man nicht,einfach Es vor qui 
einschalten, „denn eine grosse Frechheit ist es, wenn 
jemand ...“ ? Zwar kann ich galhardia in dieser 
Bedeutung sonst nicht belegen, aber galhart = frech 
steht B. de Born 20, 41. Man könnte auch Jai statt 
es ergänzen, doch wäre dann Zeile 26 grans in 
gran zu ändern. — VII, 45 ist ein Fragezeichen 
zu setzen und Zeile 46 Que in Qu f o zu ändern. 
„Und Herablassung und Gnade sollte mir also nicht 
helfen ? Denn das würde nicht dulden etc.“ Zwischen 
Zeile 45 und 46 ist in Gedanken ein „Nimmermehr“ 
oder „das kann nicht sein“ zu ergänzen. — VII, 
48 schreibe DomW als. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


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VIII, 35 setze Punkt an das Ende dieses Verses 
und Ausrufungszeichen an das Ende des folgenden. 

Guiraut de Borneil I, 44. Die Zeile ist um eine 
Silbe zu kurz. Ich möchte so nach dizon ergänzen 
ein Komma nach creirai, ein Semicolon nach orgoü 
Zeile 46 setzen, und so deuten: „die das sagen was 
ich nicht glauben werde, (nämlich) dass ein Lieben¬ 
der durch Hochmuth sich fordere und vorwärts 
bringe“. Der Hochmuth aber besteht nach Zeile 

25 im sobredemandar. Das will aber der Dichter 
nicht, sondern er will nur die Freuden gemessen, 
die locs e lezers demandan. Es wären also die für 
Zeile 47 und 48 von Chab. vorgeschlagenen Ver¬ 
besserungen aufzunehmen. 

II, 26 corr. e dorn für engam ? — II, 45 möchte 
ich quosim schreiben, Zeile 47 das Komma hinter 
puesc tilgen und trobe in trop e ändern, und den 
Satz deuten: so werde ich thun, dass ich fortan 
sehr dadurch in meiner Angelegenheit mich bessern 
kann. — II, 64 schreibe si noquaus par „wenn es 
Euch auch nimmer so scheint? Aber ist solche 
Verwendung von si zulässig? 

IV, 1. Die erste Zeile jeder Strophe hat Binnen¬ 
reim nach der vierten Silbe. In der dritten Strophe 
haben wir also einen rims trencatz: vol — gues . — 
IV, 3 corr. rama io. 

Gausbert de Puycibot II, 10. Der Vers ist um 
eine Silbe zu lang. Wie ist zu bessern? — III, 11 
schreibe s y ielh. — III, 18 corr. Io und nil. — III, 

26 setze Fragezeichen statt Komma. — III, 46 
corr. nils. — IV, 8. Ist vielleicht unter Annahme 
der von Chab. für Zeile 7 vorgcschlagenen Correctur 
Per me für Lur fauc zu setzen und parier in der 
Bedeutung „Theilhaber“ zu nehmen? 

Der „Appendice“ enthält zunächst einop Ab¬ 
druck des Gedichtes von Guiraut de Calanso „Tant 
doussamen u nach den Hss. CJR. Das Gedicht wird 
von C reg. Arnaut de Mareuil zugeschrieben (Bartsch 
Gr. 243, JO). Zeile 21 ist sieus zu corrigiren. — 
Dann folgt das bisher noch unedirte Sirventes des 
Lantelinet del Aghilhon (B. Gr. 284, 1). Das Ge¬ 
dicht weist gleichen Bau und Reim auf wie B. de 
Borns „Mailolin joglar malastruc u (ed. Stimming 
Nr. 24). Chabaneau ist der Meinung, dass hier ein 
Irrthum des Copisten vorliege (beide Gedichte finden 
sich nur in der Hs. M), dass das unter Lantelmets 
Namen überlieferte Gedicht Bertran de Born zum 
Verfasser habe, das dem Letzteren zugeschriebene 
Gedicht dagegen von Lantelmet herstamme. Der 
in erstcrem Gedichte angegriffene Baron sei ver- 
muthlich Elias V. Graf von Perigord. Zeile 13 
schreibe paupr’e. — Als Verfasser des bekannten 
Liedes „Bern plai lo gais temps de pascor u will Cha¬ 
baneau, abweichend von Bartsch (Grundr. 233, 1) 
und Stimming (B. de Born S. 95), aber in Ueber- 
einstimmung mit Clüdat (Romania 8, 268) Bertran 
de Born angesehen wissen. Das ergebe sich aus 
der Attribution der Hss. (4 Zeugnisse für B. de 
Born, 2 für Guilhem de Saint-Gregori). Das Haupt¬ 
argument gegen Bertrans Autorschaft, dass in der 
6. Strophe des Gedichtes eine Gräfin Beatrix ge¬ 
feiert wird, eine Dame, die sonst nie in Bertrans 
Liedern vorkommt, will Chabaneau durch die Hypo¬ 
these beseitigen, jene sechste Strophe sei eine Inter¬ 
polation. — Es folgt der Abdruck eines nur in Hs« 


a enthaltenen, Peire Vidal zugeschriebenen Gedichtes 
(B. Gr. 364, 5). Dasselbe ist eine Verschmelzung 
eines Liedes von Peire Vidal (ed. Bartsch Nr. 11) 
und eines anderen von B. de Born (ed. Stimming 
Nr. 28), enthält jedoch 2 Strophen, die sich in den 
übrigen Hss. nicht finden. — Die „Additions et 
Corrections“ endlich bringen noch das bisher un¬ 
edirte Gedicht von Montans Sartre Coms de Tolsan . 

In der Einleitung wendet sich Chabaneau mit 
warmen Worten an seine engeren Landsleute, sie 
auffordernd, Bertran de Born in Pdrigueux ein Denk¬ 
mal zu errichten, an dessen Sockel fünf Basreliefs 
aus Marmor oder Bronze die Bilder der übrigen 
bedeutenden Troubadours der Dordogne zur Dar¬ 
stellung brächten. „Un pareil monument ferait de 
Pürigueux la ville sainte de la langue d’oc, la 
Mecque oü tout bon provengaliste, comme tout bon 
fülibre, voudrait aller, une fois au moins dans sa 
vie, en pfelerinage.“ Aus der von Paul Mariüton 
herausgegebenen Revue fülibräenne I, 231 ff. und 
311 erhellt, dass dieser Appell nicht ungehört ver¬ 
hallt ist. 

Freiburg i. B., Sept. 1885. Emil Levy. 


Pircopo, Erasmo, IV poemetti sacri dei 
secoli XIV e XV, pubblicati per la prima volta 
ed illustrati. I.° II Transito della Madonna. II.° S. 
Caterina di Buccio di Ranallo (1330). III.° S. Giu- 
liano lo Spedaliere. IV.° S. Margherita d’Antiochia. 
V.° Frammento della leggenda di S. Gregorio. 
Con un’ appendice di X sonetti inediti di Buccio 
di Ranallo. Bologna, Romagnoli. 1885. LXIV, 
222 S. Dispensa CCXI der Scelta di curiositä 
letterarie. 

Dr. P&rcopo, durch ein paar kleinere Publi¬ 
kationen bereits vortheilhaft bekannt, bringt hier 
vier metrische Legenden nebst einem Bruchstücke 
aus einer fünften zum Abdrucke, welche unsere 
Kunde des älteren mundartlichen Schriftthumes 
Süditaliens in willkommener Weise erweitern. Ich 
bespreche zuerst die Katharinalegende, an der ich 
persönlich betheiligt bin. Seit dem Jahre 1874 
besass ich Dank Monacis Freundlichkeit eine von 
ihm verfertigte Abschrift, citirte sie wiederholt in 
den Erläuterungen zum Regimen sanitatis, ohne 
jedoch meine Absicht, sie zu ediren, bekannt zu 
geben. Es traf sich nun, dass P&rcopo den Ab¬ 
druck des ganzen Inhaltes der Hs. XIII. D. 59 der 
Nationalbibliothek zu Neapel 1 begonnen und ziem¬ 
lich weit geführt hatte, als ich meinerseits die der 
kais. Akademie vorgelegte und zum Thcile bereits 
gesetzte Katharina dem jungen Gelehrten schickte 
mit der Bitte, eine Collation mit der Hs. vorzu¬ 
nehmen. Es war dies ein unliebsames Zusammen¬ 
treffen, an dem keiner von uns Beiden Schuld trug 
und welches zu vermeiden nunmehr weder P£rcopo 
noch mir möglich war. Es liegen somit den Fach¬ 
genossen zwei Ausgaben der Schrift des Buccio di 


1 Die im vorliegenden Bändchen nicht enthaltenen Laadi 
werden im VI. Bande des Giornale storico della lett. itaL 
erscheinen. 


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1886. Literatnrblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 1. 


32 


Ranallo vor 1 2 * ; zwar eine zu grosse Ehre für das an 
sich nicht gerade bedeutende Denkmal, aber zugleich 
keine wesentliche Unzukömmlichkeit, wenn man 
bedenkt, dass erstens die eine Ausgabe nur in 202 
Exemplaren, die andere in akademischen Berichten 
erschienen ist; zweitens, dass P. zugleich literar¬ 
historische Nachweise bringt, während ich solche 
— wenigstens vor der Hand — unterliess, dafür 
auf Sprachliches näher einging. Die zwei Texte 
stimmen selbstverständlich um so mehr überein, als 
Pfercopo mit grosser, unter den erwähnten Umstän¬ 
den besonders anzuprkennender Bereitwilligkeit sich 
der Mühe unterzog, meine Druckproben mit der 
Handschrift zu vergleichen. Bei dem Umstande 
indessen, dass die Züge der Hs. oft nicht recht 
deutlich sind und dass P.’s Text in einem von 
seinem Aufenthalte entfernten Orte gedruckt wurde, 
ich aber die Handschrift einzusehen keine Gelegen¬ 
heit hatte, bestehen noch einige meist durchaus 
unwesentliche Abweichungen zwischen den zwei 
Ausgaben. P. scheute nicht die Mühe einer 
neuerlichen Collation und ich benutze die gütige 
Erlaubniss der Redaction dieser Blätter, um das 
Resultat derselben mitzutheilen, mit der Bitte an die 
Besitzer der einen oder der anderen Ausgabe, sie 
berücksichtigen zu wollen. 8 

Meine Lesung 4 * weicht von der Hs. in folgenden 
Stellen ab: 3. 624 sancte, -a. 75 tribunalo. 77 mito 
f78 -Wo); also besser in beiden Versen - minto ; 
darnach in § 2 meiner Einleitung zu ändern. 
94 Da. 134 che nci and. 250 Deo. 260 xpu. 
Ebenso hat die Hs. -m st. *o 276. 7, 342 (. Delhi ), 553 
(Zw), 1054 ( docentu ), 1064 (nuUu), 1402. Umgekehrt 
Hs. -o st. -w 149 como, 857 nello. 293 No. 327 Et 
mari; darnach meine Anm. zu modificiren. 332 
* monstrapg, wodurch meine Vermuthung bestätigt 
wird. 363. 450. 536^ No. 371 sacref. 429 qsto, 
572. 1723 qsta, 403 qllo ; also überall que-, wodurch 
regelrechte Formen für Femin. und Neutrum er¬ 
halten werden, und die § 90 verzeichneten Aus¬ 
nahmen entfallen. 430 veneno. 471 mu$traragio\ 
darnach § 106 (wo mostrarä ein Versehen ist) die 
vermeintliche Ausnahme zu streichen. Nach meinem 
Texte gäbe es einen zweiten Fall: 1035 porterai, 
aber auch hier hat die Hs. - arai. 505 Ixet. 517 
qsto = questo, eine unorganische Form. 522 signiore. 
562 foro. 570 aUei. 579 - unqua . 619 mi. * 872 

fochu.. 877 socterrati. 962 scuct. 1028 acconcia 
de fare ; Anm. zu streichen. 1150 Et Cat. 1278 fa 
(ich vermuthete, fe sei Schreiberfehler). 1405 aUor. 
1708 escie. 1751 Petri. 

P.’s Lesung weicht von der Hs. ab: 7 multi. 
204 scut. 430 Tucto. 438. 1108 como. 447 - agio . 


1 Meine Ausgabe erschien in den Sitzungsberichten der 
philos.-hist. Klasse der kais. (österr.) Akademie der 'Wissen¬ 
schaften, Bd. CX, S. 355 ff. 

8 Ich merke Alles an; et und e lasse ich jedoch uner¬ 

wähnt; ebenso die Auflösung von g oder cö vor Labialen; P. 
wendet con, ich com an. 

4 Da P. die fehlenden Zeilen mit zählt, ich aber dies zu 

thun unterliess (und zwar um die Frage nicht zu präjudioiren, 

ob nicht hier oder dort mehr als eine Zeile ausfiel), so stimmen 

von Y. 311 an unsere Zahlen nicht mehr Überein. Der Be¬ 
quemlichkeit halber gebe ich bei den Verbesserungen zu 

meiner Ausgabe meine Zahlen an; bei denen zu P., seine; bei 
den zweifelhaften Fällen, beide. 


460 cha. 687 deo de. 836 pella , 872 no. 931 
quesso . 1024 8. ad er. 1056 segn. 1125 agie . 1232 
dolce. 1261 scuct. 1286 cosf. 1341 menac. 1352 
def. 1624 dolce mio. 17C6 figlolu. 1743 sancta. 

Zweifelhafte Fälle sind: 14 Schon in seiner 
Ausgabe bemerkt P., es sei nicht sicher ob die Hs. 
Io oder la, wie Monaci las, bietet. Wenn fo, so 
entfällt meine Anm. 344 (345) Hs. de: P. omne , 
ich onne. 369 (370) ci wpedementire] P. ci inp., ich 
c } imp. (ich hatte früher ci } mp ., zog aber c y vor* 
weil die gewöhnliche Form ce ist). 404 (405) nicht 
klar, ob henisti (P.) oder ven. Wenn ten., so hätten 
wir ein Beispiel mehr für die satzphonetische Er¬ 
scheinung von § 59, die nach D’Ov. (Arch. IV. 179) 
durch betontes me hervorgebracht wird. 481 (482) 
P. Bonvire , ich Bonnire\ der vierte Buchstabe be¬ 
steht aus zwei Strichen, die mit einander nicht ver¬ 
bunden sind; es kann u oder n gelesen werden. 
Dass bonnire wenig befriedigt, sagte ich in der Anm. 
und vermuthete bommire , das ich dann im Glossar 
belegte. Liesse sich mit diesem die Lesung bonvire 
zusammenstellen? etwa durch umgekehrte Schreibung 
(kaum Lautentwickelung); wie convenente commen. so 
bommirebonv. b 555 (557) Hs. au8\ nicht klar ob Zeichen 
für «n (P.) oder -r; letztere Form steht mehr im 
Einklänge mit der Sprache des Textes, welche keim* 
3. Plur. Perf. auf -£no kennt 1152 (1157) Eher Deila 
(P.; so meint auch Miola) als Sella 6 . 1178 (1183) 

kann ere oder -m gelesen werden. 1591 (1598) Hs. 
hat eher appetano als appetrino, das P. ebenfalls als 
Form von appetere ansieht; die 3. PI. Praes. Conj. 
der E-Verba lautet jedoch stets dno. 

Andere Punkte, in denen wir auseinander gehen, 
betreffen die Interpunktion, insofern sie von ver¬ 
schiedener Auffassung abhängt; an ein paar Stellen 
auch die Deutung von Buchstabencomplexen. Eine 
Abwägung des Für und Wider nähme einen zu 
grossen Raum in Anspruch und würde sich für mich 
am wenigsten ziemen. In diesen Dingen hat die 
subjective Ansicht grossen Spielraum; oft lassen 
sich beide Interpretationen vertheidigen; auch stehe 
ich nicht an zu sagen, dass ich hie und da bereit 
wäre, mir P.’s Anschauung anzueignen. Ich will 
mir nur noch gestatten, über P.’s Anmerkungen 
Einiges zu erwähnen. 

D’Ov.’s Vermuthung zu 30 Farina , Bewohnerin 
von Faro , ist beherzigenswert!). — 46 contese , das 
ich als Perf. von contare ansah, wird von P. als 
Perf. von contendere , questionare angesehen; passt 
es aber dort, wo von dem Inhalte eines Briefes die 
Rede ist, zu sagen la pistola cosl contese ? 7 — 53 


5 P.’s weitere Vermuthung: 'oppure st potrebbe leggere, 
e meglio, bönttire per infondere, bagnare?* scheint mir nicht 
annehmbar. 

6 Auoh ich hatte Deila poBtulirt. Ich möchte jetzt noch 
zu V. 1154 questa 8t. -o vermuthen und an die Stelle der 
langen Anmerkung Folgendes setzen. Kath. antwortet; 'Wo¬ 
ran denkst du? An meine Schönheit, an meinen Verstand?* 
(also Fragezeichen nach 1153; oder wenn de que = percht: 
'Warum denkst du an meine Sch., an m. V.?*; dann Frage¬ 
zeichen nach 1151 zu streichen). 'Was die Schönheit betrifft, 
so wisse u. 8. w.’ (Dass, man statt questa eher quella erwarten 
würde, wäre keine triftige Einwendung; die feminine Endung 
genügt um klar zu machen, welches der zwei Substantiva ge¬ 
meint ist.) 

1 Dass indessen das vereinzelte Vorkommen eines Per- 
fectes auf •ese Bedenken erregt, verhehle ich mir durchaus 


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18Ö6. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Kr. 1. 


34 


33 


auch P. sieht in sciate deutsches ‘wisset’, nur nimmt 
er ohne weiteres einen Latinismus an, während ich 
geneigter bin, s[ac]ciate zu vermuthen. — 60 jac- 
quesse giaee* ist nicht sehr genau; die Form ist die 
des Imperf. Conj.; auch als freiere Uebersetzung 
passt das Praesens nicht gut in den Zusammenhang. 

— 145 die vorgeschlagene Emendation von Certe 
zu Co8te ist sehr ansprechend. — 170 Die Conjectur 
gramanzia habe ich längst aufgegeben. — 318 mai 
ficta no fanno\ P. fragt: ‘dal lat. fingo ?* wohl aus 
figere; far ficta = figerse ‘innehalten, ausruhen’. 
Noch weniger klar 322 figa ‘faccia*. — 325 in con- 
vece , 357 foce erblickt P. die Pronominalpartikel -ce, 
während ich paragog. -ce annahm. Es ist leicht 
möglich, dass er das Richtige getroffen hat. Wenn 
aber (I, 555) pone als puöne gedeutet wird, so 
möchte ich dem widersprechen, da an der betreffen¬ 
den Stelle die Partikel ne kaum berechtigt ist und 
parag. - ne auf verschiedenen Gebieten sehr häufig 
ist — Zu mere 331 benutze ich die Gelegenheit zu 
bemerken, dass die Deutung aus meret-ur sich schon 
bei Böhmer (Rom. Stud. III, 147) findet. B. ver¬ 
weist zugleich auf Stengels Provenz. Gramm. S. 90: 
4 mere .!. convene’. — 583 moeta (Partie, von movere') 
wird im Glossar durch ‘mostra’ wiedergegeben; wie 
ist aber dann die Stelle zu verstehen? — 803 Der 
Nachweis von eene (cinis ) in einem anderen Texte 
ist willkommen; ich ziehe gerne die Emendation 
zu cene[r] und die betreffende Anmerkung zurück. 

— 821 che-Uu insigno paremo ‘da pareo ( ubbidire )?* 
Warum P parare ‘lernen* kommt oft vor und p^sst 
recht gut — 944 Für das mir unverständliche 
luscuni vermuthet P. lurcuni von lorum ‘Riemen’; 

. nicht sehr überzeugend. 8 

Die äusserst geringen Abweichungen von der 
Hs«, welche die erneuerte Collation bei P.’s Aus¬ 
gabe der bisher besprochenen Legende ergab, geben 
uns volle Sicherheit betreffs der richtigen Lesung bei 
den anderen Stücken. Wenn uns also diese in einer 
oft unverständlichen Gestalt entgegentreten, so liegt 
die Schuld lediglich in der Unbeholfenheit der 
Reimer und in der Verderbtheit der Ueberlieferung. 
P. hat sich redliche Mühe gegeben, um durch zahl¬ 
reiche Anmerkungen den Sinn der dunklen Stellen 
aufzuhellen. Es seien hier einzelne Emendations- 
uod Erklärungsversuche mitgetheilt, und zwar mit 
Beschränkung auf die erste Legende, welche noch 
verhältnissmässig etwas besser als III—V überliefert 
ist Ich erwähne zugleich Einiges über die Anmer¬ 
kungen. 23—24; 89. P. betont volzbra : dolzhra. Be¬ 
tonung auf dem Stamme wird bei starken Verben 
mit Recht von allen jenen angenommen, welche sich 
mit diesen Formen beschäftigten; auch wird sie 
vom Metrum vielfach bestätigt; so z. B. im Reg. 
san-, zum Theil auch in unserm Texte (159% 160% 
249*). — 39 cepto ‘certo*. Es ist cetto = lat etto 
gemeint, das noch in südlichen Mundarten lebt; 
abruzz. ciettu. — 52 etwa ciascun dl de morte; 
‘Maria hört nicht auf zu weinen; sie sieht immer 

mehl. — Eino dritte Möglichkeit wäre Na (statt La) quäle 
eod amtest (= se conte r ital. st contiene). 

• Es sei mir nachträglich gestattet, aus einigen mir brief¬ 
lich mltgctheilten Randbemerkungen Oasparys zu meiner Aus¬ 
gabe die Tortreffliche Emendation zu 217: tno statt no zu 
verzeichnen. 


vor sich den gemarterten Sohn; sie sehnt sich jeden 
Tag nach dem Tode.* — 80. Durch Aenderung von 
che zu chi erhält man einen besseren Sinn: 'Höre 
mich an; wer bist du?* — 92. 95 uso = oso . — 
106 sei vinde fasse ich als si Venne auf; die zwei 
das Metrum störenden Wörter sind Eigenthum des 
Schreibers, welcher die richtige Lesung daneben 
schrieb und zu unterpunktiren vergass. — 112. Statt 
sölca vielleicht colca \ übrigens fehlen dem Hemistiche 
zw’ei Silben. — 153 [perjdunate. — 192 stagate e 
demorete käme dem Metrum zu statten. — 204. Man 
bemerke, dass an dieser Stelle (ebenso 275. 311. 
313) ecco ‘hier’ bedeutet. — 204. Was das vorge¬ 
schlagene vegliu bedeuten soll, ist mir nicht klar. 
— 238. Der Syntax angemessener wäre es, con- 
senterä zu betonen. — 279 ist P. unklar; ich 
interpretire: ‘ich erinnere mich wohl, über was 
für einen (Bibel-)Vers ich redete*; dagegen ver¬ 
stehe ich nicht 280% — 284 1. wegen des Reimes 
entendate\ imperativischer Conjunctiv. — 324 statt 
des absonderlichen che h mamma schlage ich che e 9 
m 9 amma = m 9 ama vor (Gemination ist im Süden 
üblich; vgl. 384 Adammo). — 373 agiate scheint 
mir lat. audiatis zu entsprechen. — 385 etwa in 
presente ‘zum Geschenke*. — 434. Zu alle nozze de 
Architeclino hätte P. nicht sagen sollen, il nostro 
cantore prese Yarchitriclinus della volgata per 
nome proprio. — 528. Zu le lampade e li ciri foro 
apprisi wird bemerkt l apcisi (?, wohl Druckfehler für 
appist) o ö da prendere ?* Letzteres ist das Rich¬ 
tige, da Composita von prendere oder pigliare mit 
der Bedeutung ‘anzünden* in zahlreichen romanischen 
Idiomen üblich waren und es zum Theil noch sind. — 
557 faute de mieux schlage ich vor lo consegnarö 
in note ‘damit ihr es vernehmet, will ich es be¬ 
merken*. — 580 farrdiome. — 709 wohl aüoeare 
wie II, 1771. 

In der Einleitung hat P. zahlreiche Nachweise 
über andere sowohl italienische als altfranzösische 
Fassungen der einzelnen Legenden und im Anhänge 
zehn bisher unedirte Sonette des Buccio di Ranallo 
aus einer Neapolitaner Handschrift der Cronica 
d’Aqutla mitgetheilt. Es sei bei dieser Gelegenheit 
der Wunsch nach einer neuen auf Vergleichung 
aller Handschriften gegründeten Ausgabe dieses 
wichtigen Denkmales ausgesprochen. Vielleicht ent- 
schliesst sich dazu Pörcopo, welcher durch vor¬ 
liegende Publikation seine Eignung in so schöner 
Weise dokumentirte. 

Wien, 3. Dec. 1885. A. Mussafia. 


II tlpo estetico della donna nel medio-evo. 

Appunti ed osservazioni di Rodolfo Renier. 

Ancona, A. Gustavo Morelli. 1885. XIII, 192 S. 

8. Lire 6. 

Die in diesem Bande vereinigten Bemerkungen 
sollten ursprünglich ein neues Argument für Reniers 
Ansicht, dass Dantes Beatrice in der Vita Nuova 
eine rein allegorische Persönlichkeit sei, abgeben. 
Seine Beweisführung ist folgende. Die Idealisirung 
des Frauentypus herrschte im ganzen Mittelalter. 
Seine Kristallisirung in der Lyrik entspricht genau 
seiner Kristallisirung in der erzählenden und alle- 

3 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


se 


goriscben Dichtung: alle jene von Dichtern ver¬ 
schiedener Nationen und verschiedener Begabung 
besungenen Frauen sind nur ein prestanome ftir eine 
einzige, die beatrice dei cuori umani. Im stil nuovo 
änderte sich nur der Grad der Idealisirung; man 
gelangte dahin, vollständig von einer Wirklichkeit 
abstrahiren zu können, welche Anfangs der Anlass 
zur Betrachtung und Darstellung des Ideals war; 
die typische Frau verliert ihr reales Substrat und 
bleibt puro tipo. Ich halte die Ansicht des Verf.’s 
von der Nichtrealität der Beatrice für völlig ver¬ 
fehlt, kann hier aber nicht darüber in Discussion 
treten; es genüge zu ihrer Widerlegung auf das 
hinzuweisen, was D’Ancona, Vita Nuovap. XXXIV ff. 
und D’Ovidio in der Nuova Antologia 1884 p. 288 ff 
über diesen Punkt geäussert haben. Sehen wir 
aber von dieser ursprünglichen Tendenz des Buches 
ab, so können wir demselben unsere Anerkennung 
in gewissem Grade nicht versagen. Auf Grund eines 
grossen, aber lange nicht vollständigen Materials, 
dessen Sammeln und Gruppiren gewiss oft viel 
Geduld und Mühe gekostet hat, wird die allerdings 
schon bekannte Thatsache nachgewiesen, dass im 
Mittelalter zunächst nur ein Frauentypus vorhanden 
war, dass die Entwicklung des Individuums einer 
späteren Zeit angehört, die mit der Renaissance 
beginnt. 

Kap. I behandelt den Frauentypus in der prov. 
Poesie. Eine Menge Beispiele sind zusammenge¬ 
tragen, die zeigen, dass die Schilderung der Frauen¬ 
schönbeit in allgemeinen, stets wiederkehrenden 
Ausdrücken geschieht, dass wir stets dasselbe Bild 
abstracter Vollkommenheit haben, in dem sich von 
einer Individualität keine Spur findet. Dasselbe 
weist Kap. II von der afrz. Literatur nach. Die 
span. Dichter (Kap. III) beschreiben selten die 
Schönheit der Frauen, wo das aber einmal geschieht, 
stimmt der Typus im Wesentlichen mit dem bei 
den anderen Nationen. Ueber die weibliche Schön¬ 
heit in der mhd. Poesie (Kap. IV) geht der Verf. 
schnell hinweg, indem er sich namentlich auf A. 
Schultz’ Dissertation, die sich mit diesem Gegen¬ 
stand befasst, stützt Die Deutschen haben die¬ 
selben Farben, wie die Franzosen und Provenzalen. 
Die ital. Lyrik (Kap. V) ist in die sicil.-tosc. und 
die des nuovo Stile, mit der sich die bologn. und 
die des 14. Jh.’s verbindet (p. 87), geschieden. 
In der ersteren w r ird die Frau wie in der prov. 
Lyrik dargestellt nur noch verwischter; bei den 
Dichtern des stil nuovo wird kaum noch die Schön¬ 
heit beschrieben, sondern nur ihre Wirkung (p. 96); 
die moralischen Eigenschaften wiegen über die 

f hysischen vor, die Idee über die Wirklichkeit, 
m 14. Jh. kehrt die physische Frau wieder mit 
allen Zügen der conventionellen Frau des Mittel¬ 
alters, selbst bei Boccaccio haben wir noch die 
conventionelle Frau *. Also ist der Typus der Frau 
im ganzen Mittelalter rein conventioneil gewesen 
(Kap. VI); sollte man noch dann zweifeln, so diene 
als weiterer Beweis, dass die Beschreibung von 
allegorischen Frauen, die doch sicher rein der Phan¬ 
tasie entsprungen ist genau mit der der anderen 
übereinstimmt. Daraus folgt nach meiner Ansicht 


1 Poch cf. unten. 


aber noch nicht, dass die besungenen Frauen wirk¬ 
lich nur Abstracta w’aren. Kap. VII bringt zw*ei allge¬ 
meine Bemerkungen. Es wird darauf aufmerksam ge¬ 
macht, wie zu allen Zeiten, von den Griechen bis auf 
den heutigen Tag, die blonde Haarfarbe zur Schön¬ 
heit der Frau gehörig gerechnet wurde, und wie 
man sie künstlich herzustellen suchte; nach R. wäre 
dafür ein anthropologischer und ethnographischer 
Grund zu suchen: der arische Typus war blond 
und der neue Zuwachs von Asien her war es gleich¬ 
falls. Weiter wird bemerkt, dass in den carminibus 
buranis und den volksthümlichen Gedichten, in denen 
der individuelle Typus vorherrscht, die Beschreibung 
der Frau auch anders ist, als in der höfischen Poesie. 
Die Frau wird in den Augen des Liebhabers nicht 
anders als in der Wirklichkeit nimmt nicht die 
Züge und Farben an, welche sie in der ganzen 
conventionellen Dichtung hat. Diese letzte Be¬ 
hauptung ist jedoch bedeutend einzuschränken. In 
der Renaissance (VIII) triumphirt der Individualis¬ 
mus; etwas Concretes tritt an die Stelle des con¬ 
ventionellen Frauentypus; im 16. Jh. erreicht diese 
Individualisirung ihren Glanzpunkt. Vorläufer darin 
ist Boccaccio. Das Rittergedicht zeigt eine Rück¬ 
kehr zu dem mittelalterlichen Typus, selbst bei 
Ariosto; das hängt mit seiner Herkunft zusammen. 
Die Kunst zeigt dieselbe Entwicklung wie die 
Literatur in der Darstellung der Frau (IX); sie 
entwickelt sich nur etwas später. Im 14. Jh. haben 
wir noch den reinen Typus; im 15. Jh. beginnt 
man zu portraitiren. — Der Anhang bringt eine 
Reihe von theils ziemlich unzugänglichen Texten 
zum Abdruck, welche zur Erläuterung dienen. Die 
Ausstattung ist sehr hübsch; die Einleitung für den 
lettore malevolo aber (eine, emporgestreckte Hand, 
welche die corna macht) finden wir albern und 
kindisch. 

Ludwigslust, 25. Sept. 1885. Berthold Wiese. 


Zeitschriften. 

Archiv f. Literaturgeschichte Bd. XIY, 1: Gustav Knod, 
Jacob Wimpfeling und Daniel Zanckenried. Ein Streit über 
die Passion Christi. — Camillus Wendeier, M. Luthers 
Bilderpolemik gegen das Pabstthum von 1545. — Hermann 
Oesterley, Zu Paul Fleming. — Johannes Crüger, 
Briefe Joh. Elias Schlegels an Bodmer. — Johannes Bolte, 
Zwei Briefe Bürgers. I. Bürger an Brockmann. II. Ein un¬ 
gedruckter Brief an Scheufler. — Hermann Ullrich, Die 
Tauchersage in ihrer literarischen und volksthümlichen Ent¬ 
wickelung. — Theodor Dis te 1, Zur Biographie der Dichterin 
Marianne v. Ziegler. — Robert Hein, Zu Archiv IV S. 213. 
Was strahlt auf der Berge nächtlichen Höh’n? — Robert 
Boxberger, Zum Lied vom Igel (Archiv XIII, S. 427 f.). 

— Gustav Bossert, Wolfhart Spangenberg. — Wilhelm 
Crecelius, Opitiana. — Wilhelm Creizenach, Bemer¬ 
kungen zur Entstehungsgeschichte des neueren deutschen 
Lustspiels. — Paul Hohlfeld, Vier Schillersche Stellen. 

Melusine II, 23: H. Gaidoz, Le Folk-lore aux Etats-Unis. 

— Bibliographie des Jeux et Rimes de l’enfance. — J. 
L6 v i, une Fable de La Fontaine et les contes Orientaux. 

• — Les Genies de la mer (Forts.). — L. F. Sauvc, Les 
Verrues. — B^otiana (Forts.) — Bibliographie. — 24: J. 
Tuchmann, quelques id«$es de snuvages. — J. Levi, 
Cinq contes juifs. — Les Verrues (Forts.). — Oblations k la 
Mer et pr^sages (Forts.). — Dragomanov, une Fahle de 
La Fontaine et les contes Orientaux. — Bibliographie. 

Zs. f. deutsche Philologie Bd. XVIII, 1: Sylvius von 
Monsterberg-Münckenau, Der Infinitiv nach wellen 
und den verba praeteritopraesentia in den Epen Hartmanns 


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38 


1888. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 1. 


Ton Ane. — Gustav K e 11 n e r, Der Monolog der Elisabeth 
(M. St. IV, 10) und ein ausgefallener Monolog Buttlers. — 
H. G i s k e, Ueber Körner und verwandte Erscheinungen in 
der mittelhochdeutschen Lyrik. — H. Such!er, Unter¬ 
suchungen über den altfranz. Prosaroman yon Tristan und 
Isolde. Aus Brakeimanns Nachlasse. 

Koord en Znid IX, 1: C. Bake, Een vraag aangaande de 
verbuiging van alleenstaande aanwijzende voornaamwoorden. 
— L. P. A. te VI., J. 8j. Langeraap, J. E. t. G., Th. 
Stille, Willem van Oers, Red., F. Risch, H. Kray¬ 
kamp, Vragen beantwoord. — J. H. Galleo Fraai en 
Fr6. — Frans Willems, Binnen, Tiegen, Klikspaan. — 
G. A. Vorsterman van Oyen, Meede en Krappe. — 
G. Lzg., Middelnederlandsch. Van den Vos Reinaerde. — 
J. E. ter Go uw, 8pakerig. — R. A. Kollewijn, A. W. 
Stellwagen en De Levende TaaK — Boekbeoordeelingen: 
G. Lzg., P. Kat Pz., Nederlandsche Spraakkunst; J. H. 
Ga 11 6 e, Bernhardt, Kurzgefasste Gotische Grammatik. — 
Lijst van boeken in Augustus, September en October in 
Nederland uitgekomen. — Inhoud van De Bibliotheek: A. 8. 
Kok, Het Lied bij Vondel. — R. A. Kollewijn, Samuel 
Coster’s Polyxena (1619). — Jan ten Brink, Van drie 
Bewegingen. 

Arkiv for Nordisk Filologi III, 2: M. Nygaard, Om 
brugen af konjunktiv i oldnorsk. — Gustav Storm, Om 
Betydningen af „Eyktarstadr* i Flatobogens Beretning om 
Vinlandsreiserne. — August Schagerström, Han och 
hon. — Axel Kock, Förklaring af nägra nordiska ord. — 
Kr. Kal und, Droplaugarsona-saga i den ved brudstykket 
AM. 162 fol. reprsesenterede bearbejdelse. — P. Groth, 
CederschiÖlds Udgave af Fornsögur Sudrlanda. — Hj. F al k, 
Die alteren nordischen Runeninschriften. Eine sprachwissen¬ 
schaftliche Untersuchung von Fritz Burg. — L. Fr. Leff- 
ler, Ana-sött — Björn Magnüsson Olsen, Om overgangen 
£ —je i islandsk. — L. Fr. Le f f le r, En anmärkning tili 1,270. 

Nynre bidrag tili kännedom om de svenska landsmälen 
ock svenskt folklif 1885. C. V, 2: Sagor, sfigner ook 
visor, meddelade af Richard Bergström ock Johan Nord¬ 
länder. 105 S. 8. — V, 6: Medeltidsberättelser. Sagor, 
legender ock anekdoter frln fornisländskan af Gustaf Ceder- 
schiöld. S. 1—96. 8. 8. 


Archiv f. lateinische Lexikographie n. Grammatik II, 
3: G. Goetz, Lexikalisch-kritische Bemerkungen. — A. 
Miodonski, Exomico. — G. Helmreich, Porcaster. — 
S. B r a n d t, Infinitivus futuri passivi auf -utri. — W. B r a n- 
des, Omnipar. Omnipater. Omniparus. — Wölfflin, 
Die Verba desuperlativa. — Mediastrinus. — Ders., Gene¬ 
tiv mit Ellipse des regierenden Substantivs. — Ph. Thiel- 
mann, habere mit dem Part. Perf. passiv). I. — G. H elm¬ 
reich, Reimender Heilspruch. — G. Gröber, Vulgürlat. 
Substrate romanischer Wörter (Forts.). — E. Ha ule r, 
Thesauri latini specimen V (Abbatia bis abdecet). — Abiu- 
dicativus. — Abductio. — J. N. Ott u. a., Addenda lexicis 
latinis. — E. Bührens, Vermischte Bemerkungen (Zu 
Ennius. Zu Lucilius. Zu Caesar u. Memmius). — Fr. Vogel, 
Balteanus. — K. Sittl, Calandra, caliandrum, charadrius. 

— Louis Havet, Filia. 

Romanische Forschungen II, 2: Joh. Huemer, Zur Ge¬ 
schichte der mittellat. Dichtung. Arnulfi delicie cleri. 211. — 
C. Fritsche, Die lat. Visionen des Mittelalters bis zur 
Mitte des 12. Jh.’s. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte. 247. 

— Herrn. Rönscli, Lexikalische Excerpte aus weniger 
bekannten lat. Schriften. 280. — Ders., Lexikalisches aus 
Leidener lat. Juvenalscliolien der Karolingerzeit. 304. — 
Der 8., Etymologische Miscellen (guetre\ soin ; baroque ; bar- 
runiar; coitar cochar ; dichirer ; Scraser). 314. — Ders., 
Das Subst. bolunda. 317. — Ders., Das Adj. pronostonus. 
318. — Ders., Das Adj. cererosus. 319. — Theod. Pohl, 
Untersuchung der Reime in Maistre Wace’s Roman de Rou 
et des Ducs de Normandie. 321. — Konr. Hofmann, Zn 
den Cidquellen. 351. — Ders., Ueber eine corrupte 8telle 
in der Vida de 8an Millan von Gonzalo de Berceo. 354. — 
Ders., Miscellen. 355. — M. Fr. Mann, Eine altfranz. 
Prosa Version des Lapidarius Marbod’s. 363. — Ders., Krit. 
Bemerkungen zu Godefroys Dictionnaire. 375. — G. Baist, 
Correcturen: Zu Mussafia, eine altspanische Darstellung der 
Crescentiasage; zu El principe constante, ed. Krenkel. 

Zs. f. nfrz. Sprachen. Literatur VII. Supplementheft III: 
O. Knicke, Jean de La Taille’s Famine im Verhältniss 
zu 8eneca’s Trades. — C. Humbert, Schlegel u. Moliöre. 


(Eine historische Studie.) — H. Breitin ge r, Heinrioh 
Meister, der Mitarbeiter Melchior Grimm’s. — H. Koer- 
ting, Verschollene Handschriften. — Kühn, Ueber Zweck 
und Ziel des französischen Unterrichts am Realgymnasium. 

— E. Stengel, Ein französ. Volkslied. — Heft 4 Kritischer 
Theil Heft 2: M. Quarck, Lefebvre Saint Ogan, Essai sur 
l’influence Frangaise. — W. Altenburg, Van Hamei, La 
Chaire de Frangais dans une universite nöerlandaise. — 
H. Koerting, Kurt Nagel, Alex. Hardy’s Einfluss auf 
Pierre Corneille; G. Larroumet, Moliöre’s Les Pröoieuses 
ridioules; A. Lang, Moliöre’s Les Pröcieuses ridicules. — 
A. Hasse, Syntaktisohe Abhandlungen. (Schäfer, die wich¬ 
tigsten synt. Eigentümlichkeiten in der frz. Literaturspr. 
des 17. Jh.’s; StÖlter, Gramm, und lexikol. Studien über 
Jean Rotrou; Gessner, zur Lehre vom frz. Pronomen; Haas, 
die Plurale der Abstracta im Franz.; Aubert, Des emplois 
syntaxiques du genre neutre en frangais; Gräfenberg, Zur 
frz. Syntax des XVI. Jh.’s.) — D. Behrens, Wilh. Köritz, 
Ueber das 8 vor Cons. im Franz. — W. Ricken, M. Banner, 
Ueber den regelm. Wechsel männl. und weibl. Reime in der 
franz. Dichtung. — A. Klotzsch, Lese» und Uebungs- 
bücher. — W. Münch, H. Breymann und H. Möller, Zur 
Reform des neusprachliohen Unterrichts. — W. Alten¬ 
burg, Sociötö Liögeoise de Littörature wallone. — H. 
Koerting, J. Sarrazin, Hommes illuStres de l’antiquitö. — 
Zeitschriftenschau u. s. w. 

Franco-Gallia II, 12: Kurzer Bericht über die Arbeiten der 
neusprachl. Section auf der 38. Philologenversammlung zu 

. Giessen. — Breymann u. Möller, Zur Reform des neu¬ 
sprachl. Unterrichts; Franz. Elementar-Uebungsbuch für 
Realschüler. — Breymann, Franz. Grammatik für den 
Schulgebrauch I; Franz. Elementargrammatik f. Realschüler. 

— Sundby, Blaise Pascal. 

Giornale storico della letteratura italiana 16. 17 [Nach¬ 
trag zu Ltbl. VI Sp. 517]. Comunieazioni ed Appunti: R. 
Renier, un altro esempio di „Laisse“ Italiana. — F. No¬ 
va t i, una Stampa sconosciuta della storia di Campriano. — 
A. Neri, una lettera di Giuseppe Bianchini. — F. No¬ 
vati, Lottere di Amarilli Etrusoa. — R. R e n i e r, Giustina 
Michielo la censura. 

Archivio paleograflco italiano diretto da Ernesto Monaoi. 
Fase. II del Vol. I (Prezzo del Fase. L. 14,80): C. Cor- 
v isieri, Carta Faentina del 13 Marzo 883. — G. Levi, 
Regesto di Giovanni VIII. — F. Novati, Antichissimo 
ritmo toscano. — 8. Morpurgo, Autografo di Franco 
Sacchetti. — Ders., Lettere varie de’ Secoli XIV e XV. 


Magazin f. die Literatur des In- u. Auslandes 49—52. 
1: R. Gosche, A. Graf von Platen. — K. Bleibtreu, 
Die deutsche Literaturentwickelung. — E. Dorer, Klass. 
Bühnendichtungen der Spanier. — Rochlitz-Seibt, 
Grillparzeriana. — K. Maurer, Island. 

Anzeiger des germanischen Nationalmuseums I, 23: 
K. M. Kurtz, Die alemannischen Gräberfunde von Pfal- 
heim im germanischen Nationalmuseum. 

Strassburger Studien III, 1: Flohr, Deutsche Glossen in 
dem Vocabular Niger Abbas (Metzer Hs. 203). — Socin, 
Eine in Strassburg 1720 erschienene Anekdotensammlung. 
Korrespondenzblatt des Vereins f. siebenb. Landes¬ 
kunde VIII, 11: M. Schüller, Von den hundert Söhnen. 
Pädagogisches Archiv 10: Bohnemann, Die neuesten 
Vorschläge zur Reform des franz. und engl. Sprachunter¬ 
richts. — Klinghardt, Neusprachliohe Reformliteratur II. 
Stimmen aus Maria-Laach XXIX, 10: Th. 8chmid, Das 
Passionsspiel am Vorderthiersee in Tirol. 

Westermanns Monatshefte Dec.: Alberti, Alessandro 
Manzoni. 

Deutsche Revue Dec.: Felix Dahn, Jacob Grimm. — J. 
Löwenberg, A. von Humboldt. Rückblick auf Schillers 
Urtheil über ihn. 

Unsere Zeit H. 12: P. Schönfeld, Zum Gedäohtniss Platens. 
Die Gegenwart Nr. 46 u. 47: Rob. Keil, Das Goethehaus 
und seine 8ohätze. — Nr. 48: Moritz Garriere, Herder. 
(Ueber Hayms Buch.) 

Die Grenzboten Nr. 46: Düntzer, Ein Jesuit über Goethe. 

— Nr. 50: Friedrich der Grosse und Gottsched. 

Vossische Zeitnng Sonntagsbeilage Nr. 47: H. Pröhle, 
Ohr. Gottfr. Körner und Gleim. 

Aarboger for nordisk Oldkyndiglied 1885. Tredie Hefte: 
Rettelser og optegnelser (zur dänischen Etymologie) af Dyr* 
lund. D. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


40 


Nordisk tidskrift für vetenskap, konst och indnstri 
1885. H. 6 8. 465—79: A.Noreen, Omspräkriktighet. 11. 8. 

Historisk tidskrift 1885. H. 3 S. 199—224: H. Hilde- 
brand, Matt och vigt i Sverige. S. 

Antiqvarisk tidskrift för Sverige VII, 4: H. Hilde- 
brand, Hr. Stens Sankt Joran. 77 8. 8. X Taf. 8. 

Vitterhets Historie och Antiqvitets Akademien» Mä- 
nadsblad 1885 8. 1—21: (Hildebrand), Matordningen i 
biskop Hans Brasks hus. — S. 49—56: H(ildebran)d, 
Germanerna och äkerbruket. (Nach Fustel de Coulange, 
Recherche sur quelques problömes d’histoire.) S. 

Pedagogisk tidskrift 1885. H. 11 8. 431—40: J. V(ising), 
Anmärkningar tili franska grammatiken och Stilistiken. I. — 
S. 440—45: G. Cederschiöld, Nagra ord om reformer 
i svensk rättskrifning. S. 

The Academy 7. Nov.: Mac Ibraith, Milton and Vondel. 

— 14. Nov.: Furnivall, Shakespere’s „wondrous stränge 
snow“. — Zupitza, „catch-poll“ in old English. — 21. 
Nov.: Edmundson, Milton and Vondel. — 28. Nov.: 
Bradlejr, A new English dictionary on historical prin- 
ciples, ed.' by Murray. II. — Dow, Gosse, From Pope to 
Shakespeare. — Furnivall, Dr. Morris’ edition of „Chau- 
cer’s prologue“. — Zupitza, a curious pronominal form. 

— Baumgartner, „a“ historical sketch or „an“ histori¬ 
cal sketch. — Sayce, Byrne, General principles of the 
structure of language 2 vols. — 5. Dec.: R. Martineau, 
„a“ hist, sketch or „an“ hist, sketch. — Lendrum. Dr. 
Morris’ edition of Chaucer’s Prologue. —. 12. Dec.: War- 
ren, an anglo-saxon missal at Worcester. 

The Athenaeum 7. Nov.: Edmundson, Milton and Vondel, 
a curiosity of literature. — 21. Nov.: Gosse, From Shake¬ 
speare to Pope, an inquiry into the causes and phenomena 
of the rise of classical poetry in England. — The Byron 
quarto. — 5. Dec.: The Byron quarto of 1806 and its 
variantes. 

Antiquary Nov.: Wake, The Battle of Brunanburgh. 

Tlie Scottish Review 12: York Mystery Plays. 

The American Jonrnal of Philology 23: Alb. 8. Cook, 
Vowel-Length in Old English. — P. B. Marcon, Two 
Points in French Style. — Breymann and Wagner’s Mar- 
lowe’s Werke. — Sweet’s First Middle English Primer. — 
Skeat’s The Tale of Gamelyn. — Stengel’s Le Theatre 
d’Alexandre Hardy. 

Bibliotheque de l’Ecole des chartes XLVI, 4 5: Huet, 
Fragments in4dits de la traduction des cantiques du psautier 
en vieux-näerlandais. — Pr out, Sur un manuscrit de la 
vie de Ste. Alpais. 

Rev. pol. et litt. 20: Jules Simon, täloge de M. Mignet 
(gelesen in der öffentlichen Sitzung der Acad. des Sciences 4 
mor. et polit.). — 21: In der Caus. litt.: Petit de Julle- 
ville, les com^diens au moyen-Age. — Jules Lemattre, 
les Contemporains. — 22: C. Doucet, Rapport sur les 
prix et Concours. (Unter den gekrönten und belobten Werken 
manche auf roman. Philologie bezügliche: E. de Broglie, 
Marc Monnier, Brunei, Constans, Cl£dat, u. 8. w.) — In der 
Caus. litt.: Brunetiöre, Histoire et litt£rature (neue 
Folge). — E. Courtois, Jocelyn et Werther au thöätre. 

— ‘23: Jules Lemattre, Le „Prötre de Nemi“ de M. Ernest 
Renan. — 24: Hugues Le Roux, „La Femme de Socrate“ 
par M. Th. de Banville; „Georgette“ par M. Bardou. — 
L. Pillault, Le Cid de M. Massenet (neue Oper; die 
achtzehnte, die den 8toff verwendet). — In der Caus. litt.: 
Paul Bourget, Nouveaux Essays de Psychologie contem- 
poraine (über Renan, Taine, Flaubert, Dumas f.). 

Revue des deux mondes 1. Nov.: Cochin, La vie de 
Shakespeare et le paradoxe baconien. 

Le Museon 5: Ducarme, Les „Autos“ de Gil Vicente. 

La Revue nouveile d’Alsace-Lorraine V, 6: De Puy- 
maigre, Virgile au moyen äge. 

Revue chrötienne 11: Fabre, Disoours sur la vie et les 
oeuvrcs d’Agrippa d’Aubignö. 

Nuova Antologia XX: Borgognoni, La bellezza femmi- 
nile e l’amore nell’antica lirica italiana. — XXI: Nen- 
cioni, La conversione d’un poeta. F. L. Zaccaria Werner. 

Arehivio voneto 59: Cecchetti, Le „Scaule“ veneziano 
e Dante. 

Revista de Espana 426; Martinez, Estudios filolögicos 
de la lengua espanola* 


Neu erschienene Bücher. 

Ähre ns, Karl, Zur Geschichte des sog. Physiologus. Progr. 
des Gymnasiums zu Ploen. 31 8. 4. 

Baohofen, J. J., Antiquarische Briefe vornehmlich zur 
Kenntni88 der ältesten Verwand tschoftsbegriffe. Bd.II. Strass¬ 
burg, Trübner. 8. M. 4. 

Dehlen, A., Die Theorie des Aristoteles und die Tragödie 
der antiken, christlichen, naturwissenschaftlichen Weltan¬ 
schauung. Göttingen, Vandenhoeok & Ruprecht. 8. M. 2. 

Hovelseque, l’evolution du langage. Conference transfor- 
miste. Paris. 23 8. 8. N. 

Kuhn, Adalb., Mythologische Studien, hrsg. von E. Kuhn. 
Bd. I: Die Herabkunft des Feuers und des Göttertrankes. 
Zweiter vermehrter Abdruck. Berlin, Dümmler. 8. [Bd. II 
wird ein Fragment über die Bedeutung der Rinder in der 
indogerm. Mythologie und vier Abhandlungen über die 
Pitaras und die Zwerge umfassen.] 

Tumlirz, K., Die tragischen Affeote Mitleid und Furcht 
nach Aristoteles. Wien, Pichler, gr. 8. M. 0,90. 

Weller, Emil, Lexicon Pseudonymorum. Zweite umgeatbeitete 
Auflage. Regensburg, Coppenrath. gr. 8. M. 24. 

Zotenber H., Notice sur le livre de Barlaam et Joasaph. 
Paris, Maisonneuve fröres et Ch. Leclero. 4. fr. 7. N. 


Ammann, J. J., Das Verhältnis von Strickers Karl zum 
Rolandslied des Pfaffen Konrad mit Berücksichtigung der 
Chanson de Roland. Wien, Pichler. M. 0,60. 
Aurivillius, Eric, Grammatioae svecanae specimen. Utgifvet 
af Gustaf Stjernström. Upsala, Akademiska bokhandeln. 
1884. H, 153 S. 8. Kr. 3. (Upsala Universitets ärsskrift.) S. 
Born, 8., Heinrich Zschokke. Basel, 8chwabe. 8. M. 0,80. 

(Vorträge, gehalten in der Sohweiz VIII, 12.) 
Briefwechsel zwischen Leasing und seiner Frau. Neu hrsg. 
von Alfr. Schöne. Zweite umgearb. Aufl. Leipzig, Hirzel. 
8. M. 6. 

Balth, A. U., Studier öfver kompositionen i n&gra isländska 
ättsagor. Lund, Gleerup. VI, 160 8. 8. Kr. 2. (Dissert) S. 
Buttmann, Aug., Ueber die Grundidee der Schillerschen 
Dramen und ihre Entwiokelungsqtufen. Rathenow, Haase. 
8. M. 0,60. 

Caumont, A., Goethe et la littärature fran$aise. Programm 
des städt. Gymnasiums zu Frankfurt a. M. 

Frank, A., Ueber Schillers Begriff des Sittlich-Schönen. 
Wien, Pichler. 8. M. 0,60. 

Fritzner, Joh., Ordbog over det gamle norske Sprog. Om- 
arbejdet, foroget og forbedret Udgave. 6te Hefte. Christia- 
nia. Den norske Forlagsforening. S. 480—576 (framsnodinn 
— gera). Kr. 2,50. D. 

Goethe, Die Vögel. In der ursprüngL Gestalt hrsg. von 
W. Arndt Leipzig, Veit 8. M. 2. 

Hitzigrath, Heinr., Andr. Gryphius als Lustspiel dichter. 

Programm des Gymnasiums zu Wittenberg. 

Isländska handskriften Nr. 645 4° i den Arnamag- 
naeanska Sämlingen pä universitetsbiblioteket i Kebenhavn 
i diplomatariskt aftryck utgifven af Ludvig Larsson. I. 
Handskriftens äldre del. Lund, Gleerup. LXXXVIII, 130 S. 
8. Kr. 5. (Dissertation.) S. 

Jensen, Ueber den Stricker alsBispel-Dichter, seine 8prache, 
seine Teohnik unter Berücksichtigung des „Karl“ und 
„Amis“. Marburg, Eiwert. gr. 8. M. 2. N. 

Kalkar, 0., Ordbog til det celdre danske Sprog (1300—1700). 
9 d ® Hefte. Kopenhagen, Klein i. C. S. 833—838 (Fcnr—Feving) 
+ 68 („Tillffig og RetteUer“) + XXI (Vorrede). 8. Kr. 3. 
(Schlussheft des ersten Bandes.) D. 

Kaper, J., Tysk — dansk-norsk Ordbog. Anden forbedrede 
Udgave. Kopenhagen, Gyldendal. 792 zweispalt 8. 8. 
Kr. 4,75. D. 

Lessing, G. E., Sämmtliche Schriften. Hrsg, von K. Lach¬ 
mann. 3. Aufl. von F. Munoker. Bd. I. Stuttgart, Göschen, 
gr. 8. M. 4,50. 

Litteraturdenkmale, deutsche, des 18. und 19. Jh.’s: 
23. Anton Reiser. Ein psychologischer Roman von Moritz. 
M. 3,80. — 24. Ueber meine theatralische Laufbahn von 
Iffland. M. 2. Heilbronn, Henninger. 

Lorenz, O., Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter 
seit der Mitte des 13. Jh.’s. Bd. I. 3. in Verbindung mit 
A. Goldmann umgestaltete Aufl. Berlin, Besser, gr. 8. M. 7. 
Lorenz, O. und W. Scherer, Geschichte des Elsasses. 
3. Aufl. M. 7. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 1. 


Lyttkens, J. A., och F. A. Wulff, Förslag tili ändringar 
i venska spräkets rättskrifning. Upsala, Almqvist & Wik- 
seü 27 8. 8. Kr. 0,25. 8. 

Mayr, A., Eduard Mörike. Eine literarisch-aesthet. Unter¬ 
suchung. Wien, Pichler. 8. M. 0,50. 

NordUke Oldskrifter udgi vne af det nordiske Literatur- 
Samfund XXXIII. Islenzk foriikvtedi ved Svend Grundtvig 
og J6n Sigurdsson. Fjerde Hefte (Schlussheft, hrsg. von 
Pälmi Pälsson). Kopenhagen, Gyldendal i. Com. 8. 217—332 
+ H. Kr. 1,50. D. 

Otto, H., Das deutsche Volkslied und seine Bedeutung für 
die nhd. Kunstdichtung. Wien, Pichler, gr. 8. M. 0,60. 

Pokorny, J., Ueber die reduplicirten Praeterita der german. 
Sprachen und ihre Umwandelung in ablautende. Wien, 
Pichler, gr. 8. M. 0,60. 

Predigten, Altdeutsche. Hrsg, von Anton E. Schönbach. 
I. Texte. Graz, V. B. 8tyria. XVIII, 531 8. gr. 8. 

Recke, E. v. d., Dansk Vereitere i kortfattet Fremstilling. 
En Veiledning til Selvstudium og Underyisningsbrug. Kopen¬ 
hagen, Gyldendal. VIII, 182 8. 8. Kr. 2,50. (Mit der Wid¬ 
mung: „Til Hr. Professor, Dr. Ernst Brücke, sora Bane- 
bryder for den nyere Metrik i de gothisk-germaniske 
Sprog“.) D. 

Rosenberg, C., Nordboernes Aandsliv fra Oldtiden til vore 
Dage. Tredje Bind: Den gammellutherske Tidsalder (1520— 
17Ä). 2det Hefte. Kopenhagen, Samfundet til den danske 
Literatur« Fremme. (Wroblewski i. Coro.) 340 8. 8. Kr. 3,75. D. 

8axonisGrammatici gesta Danorum. Hrsg, von A. Holder. 
8tra8sburg, Trübner. LXXXVIII, 724 8. gr. 8. M. 12. 

ßoheinigg, J., Die Assimilation im Rosenthaler Dialekt. 
Wien, Pichler, gr. 8. M. 0,50. 

8ohüek, Henrik, Svensk literaturhistoria. H. I. Stockholm, 
Jos. Seligmann & Ci. 8. 1—64. Kr. 0,90. 8. 

8rnlenther, Paul, Frau Gottsched und die bürgerliche 
Komödie. Berlin, Hertz. 247 8. 8. M. 5. 

8 öd er wall, K. F., Ordbok öfver svenska medeltids-spräket. 
H. 2—3. Lund. 8. 49—192. 4. Kr. 9. (Samlingar utgifna 
af Svenska Fornskrift-sällskapet. Häft. 86, 87.) 8. 

Stengel, E., Private und amtliche Beziehungen der Gebr. 
Grimm zu Hessen. Bd. I. Marburg, El wert. 8. M. 5,40. 

81 o r m, G., En Tale raod Biskopperne. Et politisk 8tridsskrift. 
fra Kong Sverres Tid. Christiania, Feilberg & Landmark i. 
Com. XVIII, 35 8. 8. Kr. 0,80. D. 

Thomas a Kempis fire Bager om Kristi Efterfolgelse i 
dansk Overssettelse fra 15. Srhundrede. Udgivne af Universi- 
tets-Jubilseets danske Samfund ved F. Rönning. Med en 
Indledning af Prof. Dr. theol. Fr. Nielsen. 3de H. (Schluss¬ 
heft). Kopenhagen, Klein i. Com. 88 8. 8. Kr. 2. D. 

Vossel, Victor, Volksmedicin und medicinischer Aberglaube 
in Steiermark. 2. AufL Graz, Leuschner & Lubensky. 8. M. 3,60. 

Woordenlijst voor de spelling der aardrijkskundige namen 
in Nederland, samengesteld door de afdeeling „Nederland“ 
van het Nederlandsch aardrijskundig genootschap. Amster¬ 
dam, Brinkmann. 107 8. 8. 

Breul, K., Sir Gowther. Eine englische Romanze aus dem 
XV. Jh. Kritisch hrsg. Oppeln, Franck. gr. 8. M. 8. 

Jespersen, Otto, Kortfattet Engelsk Grammatik for Tale- 
og Skriftsproget. Kabenhavn, Larsens Forlag. 59 8. 8. 

Krön, Richard, William Langleyj Buch von Peter dem 
Pflüger. Untersuchungen über das Handschriften ?erhältniss, 
den Dialekt, die Unterschiede innerhalb der drei Redactionen, 
sowie über Entstehungszeit und Verfasser. Erlangen, A. 
Deichert. 130 8.8. [Bogen 1—4 erschienen auch als Göttiuger 
Dissertation.] 

Morgan, Venus and Adonis: a study in Warwickshire-dialeot 
(Papers of the new Shakespeare sooiety Nr. 2). New York. 
$ 10 , 6 . 

White, 8tudies on Shakespeare. London, Low. 390 8. 8. 

$ 10 , 6 . _ 


Armana prouvengau pör lou böl an de Diöu 1886, adouba 
e publica de la man di felibre. In-8 carrö, 112 p. Avignon, 
lib. Roumanille. Paris, lib. Thorin. 

Ausgaben u. Abhandlungen aus dem Gebiete der rom. 
Philologie. Veröffentlicht von E. Stengel. VII. Die Dich¬ 
tungen des Mönchs von Montaudon. Neu hrsg. von 0. K1 e i n. 
M. 3,60. — XXXVII. Beitrag zur Lehre von der Inclination 
im Provenzalischen. Von J. Hengesbach. M. 2. — XLII. 
Die täglichen Lebensgewohnheiten im altfrz. Karlsepos. Von 
P. Z e 11 e r. M. 1,80. — XLIIL Sprachliche Reimnntersuohung 


der Miracles de Nostre Dame de Chartres des Mestre Jehan 
le Marchant. Von H. Folster. — XLIV. 8prachl. Unter¬ 
suchung über die Werke Henri d’Andeli’s nebst einem An¬ 
hang enth.: La bataille des vins, diplom. Abdruck der Berner 
Hs. Von F. Augustin. M. 1,20. Marburg, Eiwert 

Bettelheim, A., Beaumarchais. Eine Biographie. Frankfurt 
a. M., Rütten & Löning. gr. 8. M. 10. 

. Boucoiran, L., Diotionnaire nnalogique et ötymologique des 
idiomes moridionaux. 4* sörie: L—Q. In 8. fr. 7. 

Brinkmann, F., Syntax des Französischen und Englischen 
in vergleichender Darstellung. 2. Bd. 2. Lief. Braunschweig, 
Vieweg & 8ohn. 8. M. 10. 

Cacho-Fio, lou, armana de Proven$o e de Lengadö per 
lou bei an de Dien 1886. In-8 carrö, 112 p. Avignon, libr. 
Durand. 10 sons. 

Cerquetti, Giovanni, Sul primo sonetto della Vita Nuova. 
Osimo, Rossi. Per nozze Bandini-Gasparini. 

D 1 Ancona, Varietä storiche e letterarie. II ser. Milano, 
Hoepli. (Inhalt: II roroanzo della Rosa in italiano; II „Vel- 
tro tt di Dnnte; Di alcuni pretesi versi danteschi; La poesia 
politica italiana ai tempi di Lodovico il Bavaro; H Regno 
d’Adria: Disegno di secolarizzazione degli 8tati pontifici nel 
8. XIV; L’antioo Studio fiorentino; L’antico linguaggio poli- 
tico ed amministrativo d'Italia; Due antichi fiorentini: 8er 
Jacopo Mazzei e Bernardo Rucellai; Una gentildonna fioren- 
tina del sec. XV; Alessandro VI e il Valentino in novella; 
Giangiorgio Trissino; I comici italiani in Francia; Unitä e 
federazione: studi retrospettivi (1792—1814); Poesie e musica 
popolare ital. nel nostro sec.; Carlo Tenca e i suoi soritti 
di critica letteraria.j 

Dyalogo, El, di Salomon e Marcolpho, a cura di Ernesto 
Lamma: — disp. CCIX della „Scelta di Curiositä letterarie 
inedite o rare dal secolo XIII al XVIII“. Bologna, presso 
Gnetnno Romagnoli. L. 4. 

Eudel, P., Les looutions nantaises. Avec une pröface par 
Charles Monselet. Nantes, Morel. XXXI, 188 8. 32°. fr. 6. 

Fahre, A., Flechier orateur, 1672—1690. Etüde critique. 
Paris, E. Perrin. XVI, 611 8. 8. fr. 7,50. 

Favraud, A., (Euvres en patois poitevin. Ch&teaubriand, 
impr. Dronard-Fremon. 174 8. 16. fr. 8. 

Französische und Englische Schulbibliothek. Poesie und 
Drama. I. Auswahl französischer Gedichte. Für den Schul¬ 
gebrauch zusammengestellt von Ernst Gropp und Emil 
Hausknecht. Leipzig, Rengersche Bnchhandlung. XI, 224 8. 

Fornaoiari, Raffaello, La letteratura italiana nei primi 
quattro secoli (XIII—XVI): quadro storico. Firenze, G. C. 
Sansoni. in-16. p. 417. L. 3,50. 

Hurabert, CI., Goethe über Moliöre nebst einigen Bemer¬ 
kungen von Lessing und 8chiller. Gymnasialprogr. Bielefeld. 

Hundert altportugiesische Lieder. Zum ersten Male deutsch 
von Wilh. Storck. Paderborn, Schöningh. 124 8. kl. 8. M. 1,60. 
TKaum hat Wilh. Storck seine treffliche Uebersetzung des 
Camoes mit dem sechsten Bande vollendet, so überrascht 
er uns schon wieder mit einer werthvollen Gabe. Aus dem 
reichen Schatze der altportugiesischen Lieder hat er mit 
richtigem Verständnis die hundert schönsten ausgewählt 
und das deutsche Publikum mit denselben durch eine vor¬ 
zügliche Uebersetzung bekannt gemacht. Storcks Ueber- 
tragungskunst ist allbekannt. Ferne davon nach dem Bei¬ 
spiele anderer Uebersetzer annähernd den Gehalt des 
Originales wiederzugeben, hält sich Storck an den Buchstaben 
des Textes. Er ahmt die Form in einer so genauen Weise 
nach, dass der Leser wirklich das Original in Gehalt und 
äusserer Art vor sich hat. Da ist nichts paraphrasirt, nichts 
verkürzt oder erweitert, und selbst die Reime weiss er der 
deutschen Sprnohe abzugewinnen, so viele ihrer auch das 
Original verlangt, obwohl der romanische Dichter ja so 
leicht damit zu spielen vermag. Wir lernen eine stattliohe 
Reihe portugiesischer Sänger aus Storcks Uebersetzung 
kennen. Mit Recht hat der König Dom Denis, dessen dich¬ 
terische Thätigkeit schon F. Diez durch einige Ueber- 
tragungen dem deutschen Publikum vorgeführt hat, die erste 
Stelle erhalten. Dreizehn seiner Lieder finden sioh in Storcks 
Arbeit Ausserdem begegnen wir vier Liedern des Joham 
Ayras, vier des Bernal de Bonaval, sieben des Joham Zorro, 
fünf des Nuno Fernandez Torneol, sowie vereinzelten des 
Königs Affonso (XI), des natürlichen Sohnes des Königs 
I Denis, des Grafen von Albuquerque, D. Affonso Sanches, des 
Joham Nunez Camanes, des Martin Codax, des Joham Soarez 
Coelho, des Stevam Coelho u. v. a. portugiesischer Trouba¬ 
dours. Auoh in dieser kleineren Arbeit ist Storck seinem 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 1. 


44 


überall dnrchgeführten Principe -treu geblieben, neben der 
ästhetischen Vollendung seiner Nachdichtung die wissen¬ 
schaftliche Seite nicht ausser Acht zu lassen. Seine knappen 
„Anmerkungen 4 zu den hundert Liedern enthalten werth¬ 
volles Material zur Textkritik dieser alten Dokumente, sie 
stellen den Wortlaut so manchen Verses mit grossem Ge¬ 
schicke richtig und bekunden tiefes grammatisches Ver¬ 
ständnis für die alte Sprache Portugals, so dass der Forscher 
auf diesem Gebiete das Büchlein nicht minder als der Literar¬ 
historiker schätzen und benutzen wird. — München. Rein- 
hardstoettner.] 

La scrittura in volgare dei primi tre secoli della lingua, 
ricercata nei codioi della Biblioteca Nazionale di Napoli di 
Alf. Miola. Bologna, Romagnoli. Vol. I. 8°. L. 10. 

Lea grands öcr i vain s de la Franoe. Nouvelles editions. 
Publides sous la direction de M. Ad. Rdgnier. (Euvres de 
Molidre. Nouvelle ddition. Revue sur les plus anciennes im- 
pressions et les autographes et augmentde de variantes, de 
notices, de notes, d’un lexique des mots et locutions les plus 
remarquables, de portraits, de fao-similes etc. Par E. Des- 
pois et P. Mesnard. Environ 10 volumes et 1 album. Tome 
IX: Les Femmes savantes. Le Malade imaginaire. La Gloire 
du Dörae du Val-de-Gr&ce. Podsies diverses. Un vol. in-8. 
Paris, üb. Hachette et Cie. fr. 7,50. 

Morandi, Luigi. Voltaire contro Shakespeare, Baretti contro 
Voltaire: con un’Appendic© alla Frusta letteraria, e 44 Let- 
tere inedite o sparse del Baretti. Nuova ediz., con numerose 
aggiunte e correzioni. Cittä di Castello, S. Lapi. in-16. pag. 
356. L. 4. 

Mussafia, A., Italienische Sprachlehre. 20. Auflage. Wien, 
Braumüller. M. 3,40. 

Netter, A., La Fontaine et Descartes. Paris, Berger-Levrault 
et Cie. 92 S. 12. fr. 2. 

Nyrop, Kr., Forblommede Ord. 12 8. 8. S.-A. aus Nordisk 
Tidskrift for fllologi. Ny Rsekke VII. 

Peltzer, J. J. Rousseaus Glaubensbekenntniss des Vikars aus 
Savoien (Emil Buch 4). Progr. des Fr.-W.-Gymn. zu Köln. 

Penco, Emiüo, 8toria della letteratura italiana. Volume Primo: 
Le origini. Firenze, G. Barbdra. VII, 183 8. 8. L. 2,50. 

Peters, Richard, Der Roman de Mahomet von Alexandre du 
Pont, eine sprachl. Untersuchung. Erlanger Dissert. 88 S. 8. 

Pitrö, G., Sonatori, balli e canti nuziali acl popolo siciüano. 
Palermo, tip. del Giornale di Sicilia. Per nozze G. Paris. 

Poesie storiche genovesi edite per cura di A. Neri. Genova. 
70 S. gr. 8. 

Pubblicazioni della Societä bibliofila: Nr. 2. Strambotti e 
sonetti delPAltissimo per cura di Rodolfo Renier. Turin, 
Herrn. Löscher. 75 8. 8. fr. 4,50. 

Rahstede, H. G., Ueber La Bruydre und seine Charaktere. 
Oppeln, Franck. 8. M. 2. 

Rimatori napoletani del quattrocento: codice (1031) della 
Biblioteca Nazionale di Parigi, estratto per cura dei dott. 
G. Mazzatinti e Antonio Ive; con note e prefazione di Mario 
Mandolari. Caserta, Antonio Jaselli edit. L. 10. 

Schröder, Richard, Glaube und Aberglaube in den altfranz. 
Dichtungen. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des Mittel¬ 
alters. Erlangen, Deichert M. 2,60. 

Sociötö des anciens textes frangais. Exercices 1883. 1884. 

1. La Chronique du Mont Saint-Michel p. p. S. Luce. T. II. 
— 2. Les (Euvres poötiques de Beaumanoir p. p. H. Suchier. 
T. I. — 3. La Mort Aymeri de Narbonne, poöme p. p, Cou- 
raye du Parc. — 4. Les (Euvres complötes d’Eustache 
Descharaps, p. p. le Marquis de Queux de St.-Üilaire. 
T. IV. Paris, A.-F. Didot. 8. 

Spieimanns-Buch. Novellen in Versen aus dem 12. u. 13. 
Jh., übertragen von Wilhelm Hertz. Stuttgart, Gebr. Kröner. 

8. LXXVIII. 1-287. 291-370 Anmerkungen. [Inhalt: 1. Die 
Spielleute. 2. Die ältesten franz. Novellen. 3. Die bretonischen 
Feen; Herr Orfeo; Lanval von Marie de France; Iwonek 
von ders.; Guingamor; Tydorel; Die beiden Liebenden von 
Marie de France; Frene von ders.; Elidüc von ders.; Der 
bunte Zelter von Huon dem Spielmannskönig; Der Ritter 
mit dem Fässlein; Der Tänzer unserer lieben Frau; Der 
arme Schüler; St. Peter und der Spielmann; Aucassin und 
Nicolette. — W. Hertz* Meisterschaft in der Uebertragung 
mittelalterlicher Poesie ist zu bekannt, so dass es nicht 
nothwendig ist, dem Buche noch eine Empfehlung mit auf 
den Weg zu geben: nur so viel sei bemerkt, dass das Spiel¬ 
mannsbuch nicht bloss eine Quelle reinen Genusses, sondern 

* duroh seine trefflichen Beigaben in Einleitung und Anmer- 1 
kungen zugleich eine Quelle reicher Belehrung ist. F. N.J I 


Vieilles ohoses et vieux mots Lyonnais par Nizier du Puits- 
pelu. Extrait de la Revue lyonnaise. 1 er fascicule. Lyon, 
impr. Mougin-Rusand. 6 S. 8. 

Vising, Johan, om den modema franaka prosastilen. 40 S. 

8. Aftryck ur Upsala Universitets ärsskrift 1885. 

— —, Anmärkningar tili franska grammatiken och Stilistiken. 
10 S. 8. Aftryck ur Pedngogisk Tidskrift, häft 11, 1885. 


Ausführlichere Itecensionen erschienen 
über: 

Goetheliteratur (v. Chuquet: Revue crit. Nr. 45). 
Haym, Herder ßd. II (Beil, zur Allg. Zeitung Nr. 305). 
Kluge, Etym. Wörterbuch der deutschen Sprache (v. J. Kirste: 
Rev. crit. 52). 

Ueberweg, Schiller als Historiker und Philosoph (v. Minor: 
Gott. gel. Anz. Nr. 24). 

Vigfusson, corpus poeticum boreale (v. Symons: Zs. f. d. 
Phil. XVIII, 1). _ 


York plays; ed. by Toulmin Smith (v. Jusserand: Rev. 
crit. 50.) 


Cian, un decennio della vita di Pietro Bembo (v. AI. Luzio: 

Giornale storico della letter. ital. 16/17 S. 270—278). 
Croce, La leggenda di Niccolö Pesce (v. A. Graf: ebd. 
S. 263—269). 

Gloria, Volgare illustre nel 1100 e proverbi volgari del 1200 
(v. Carlo Salvioni: ebd. S. 253—263). 

Godefroy, Dictionnaire de Pancienne langue frangaise GH 
(v. A. Jaques: Rev. critique 48). 

Pakscher, Zur Kritik und Geschichte des franz. Rolands¬ 
liedes (v. W. F.: Lit. Centralblatt 1). 

See 1 mann , Die Aussprache des Latein (v. F. Leo: Litera ur- 
zeitung 50). 


Literarische Mittheiluugen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Na oh einer Mittheilung im Giornale storico della lettera¬ 
tura italiana wird das Caix-Canello-Album folgende 
Aufsätze enthalten: 1. Mi klosich, über die Nationalität der 
Bulgaren;* 2. Stengel, über den lat. Ursprung der rom. 
Fünfzehnsilbner und damit verwandter weiterer Versarten; 

3. Mer Io, Problemi fonologici sulParticolazione e sulPacoento; 

4. Gröber, Etymologien; 5. Gandino, Osservazioni sopra 
un verso del poema provenzale su Boezio; 6. Gaspary, 
Molifcre’s Don Juan ; 7. To bl er, Etymologisches; 8. Paris. 
Les serments de Strasbourg; 9. Paoli, Notizia di un codi- 
cetto fiorentino di ricordi scritto in volgare nel sec. XIII; 
10. Fumi, Postille romanze; 11. G. Meyer, Der Einfluss des 
Lateinischen auf die albnnesische Formenlehre; 12. M i c h a e 1 i s, 
Studien zur hispanischen Wortdeutung; 13. Neumann, Die 
Entwickelung von Consonant + u im Französischen; 14. Miola, 
un testo drammatico spagnuolo del s. XV; 15. W iese, Einige 
Dichtungen L. Giustinianis; 16. Flechia, Etimologie sarde; 
17. Obedenaire, une forme de Particle roumain qui se raet 
devant les substantifs et les adiectifs; 18. Cornu, recherches 
sur la conjugai8on espagnole au XIII* et XIV e siöcle; 19. 
Meyer, Complainte provengale et complainte latine sur la 
mort du Putriarche d’Aquilee Grögoire de Montelongo; 20. 
A vol io, La questione del!© rime nei poeti sieiüani del sec. 
XIII; 21. Zingarelli, un serventese di Ugo de Sain Circ; 
22. Mussafia, una particolaritä sintattica della lingua ital. 
dei primi secoli; 23. Leite de Vasconcellos, Etymologie i 
populäres portuguezas; 24. Renier, un mazzetto di poesie 
fiiusicali francesi; 25. Suchier, über die Tenzone Dantes mit 
Forese Donati; 26. D* Ancona, L*arte del dire in rima. Sonetti 
di Antonio Pucci; 27. Pieri, II verbo aretino e lucchese; 28. 
Morosi, Podierno dialetto catalano di Alghero in Sardegna; 
29. Gast er, Die rumänischen „Miracles de Notre Dame; 30. 
Salvioni, Antichi testi dialettali chieresi; 31. Biadene, La 
forma metrica del commiato nella canzone italiana dei secoli 
XIII e XIV; 32. Novati. II ritmo Cassinese e le sue inter- 
pretazioni; 33. Monaci, SulPantica poetica portoghese; 34. 
D*Ovidio, Della quantitä per natura delle vocali in posizione; 
35. Ascoli, Due lettere filologiche (1. Di un filone paleoitalico 
diverso dal romano, che s*avverte nel campo neolatino; 2. I 
neogrammatici e l’irlandese „cöbaith 4 *). — 36. Milä, Un*alba 
catalana. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 1. 


46 


4o 


Auf der 3. Versammlung der Modern Language Association 
of America (Boston 29.—30. Dec.) wurden u. a. folgende Vor¬ 
träge gehalten: Paul Carus, On the best Method of teaching 
Modern Lnnguagcs; William Cook, College Instruction in 
Modern Languages: What should be taught; A. M. Elliott, 
The Realgymnasium Question in Germany: Alcöe Forti er, 
The French Language in Louisiana and the Negro-French 
Di&lect; Julius Goebel, German Classics as Means of Edu- 
cation; Th. W. Hunt, The Place of English in the College 
Curriculum; H. C. G. v. Jagemann, On the use of English 
in teaching Modern Languages; Henry R. Lang, The Collec- 
tive Singular in Spanish; G. R. McElroy, Requirements in 
English for Admission to College; Sylvester Primer, Adjec- 
tival and Adverbial Relations; tlieir Infiuence upon the Govern¬ 
ment of the Verb; Henry E. Shepherd, A Review of Gosse’s 
„From Shakespeare to Pope“; Johann Stürzinger, Remarks 
on the Conjugation in the Wallonian Dialect; Charles Whe- 
tham, Modern Language Study in Ontario; H. S. White, 
Methode of teaching Foreign Literatures. 

Prof. Stengel in Marburg und Dr. Heuser in Giessen 
sind mit der Bearbeitung eines Bücherschatzes der romanischen 
Philologie mit vorzugsweiser Berücksichtigung des Franzos, 
beschäftigt, der im Verlage von Schöningh in Paderborn er¬ 
scheinen wird. 

Dr. 0. Brenner, Privatdocent an der Universität Mün- ; 
eben, ist zum ao. Professor, Dr. F. Vetter, ao. Professor an j 
der Universität Bern, ist zum ordentlichen Professor ernannt 
worden. — Zum Professor für französische Literatur an der 
Universität Bern ist Professor Dr. Michaud ernannt. — Der 
bisherige ao. Prof, der germ. Philologie an der Universität 
Jena, Dr. F. Kluge, ist zum o. Professor befördert worden. 
— Der Privatdocent Dr. H. Colli tz in Halle ist als Professor 
der Sprachwissenschaft an die nordamerikanische Universität 
zu Philadelphia berufen worden. 

f zu Halle am 5. Deo. Dr. Thümmel, bekannter Shake¬ 
speare-Forscher. 

Antiquarische Cataloge: List & Francke, Leipzig 
(Sprachwissenschaft); Stargardt, Berlin (Franz. Literatur). 

Abgeschlossen am 25. December 1885. 
Berichtigung 

der in einer Besprechung von Kreitens „Voltaire“ in Nr. 11 
des Ltbl.’s enthaltenen falschen Behauptungen. 

1) Wir haben nicht „gestanden“, „Zweck“ unseres 
Werkes sei es, „Abscheu vor Voltaire ... zu erwecken“. 
Unser Zweck war „objective Darstellung der Thatsachen“ — 
das Andere nur unser Wunsch. 

2) Da wir ausdrücklich. aufmerksam machen (S. VI), wir 
wollten keine ausführliche Geschichte, sondern nur 
ein Charakterbild Voltaires schreiben, so hatte es wirk¬ 
lich „keinen Zweck“, „alle Werke Voltaires zu studiren und 
zu analysiren“, d. h. alle Werke Voltaires in unserem 
Buche zum Gegenstand der Erörterung und kritischen Ana¬ 
lyse zu machen. 

3) Es ist nicht wahr, dass wir „es für nothwendig ge¬ 
halten, durch einen Anhang Von zwölf Seiten in Voltaires 
Todesstunden jenes apokryphe ‘Geschirr’ (S. 5j>7) wieder herein¬ 
zubringen, damit die Worte des Ezechiel an dem gottlosen 
Dichter erfüllt würden“. Ueber die Nothwendigkeit des An¬ 
hanges reden wir ausführlich, sagen aber keine Silbe von 
jener Stelle des Ezechiel, im Gegentheil, wo eine unserer 
Quellen sie anführt, unterdrücken wir sogar den Wortlaut 
derselben. Dass jenes „Geschirr“ apokryph sei. ist eine be¬ 
weislose Behauptung des Herrn Recensenten, keine Wider¬ 
legung unserer historischen Beweise. 

4) Voltaire schreibt: „Je me suis fait savant ä Senones, 
et \'ai vecu dölicieusement au refectoire. Je me suis fait 
Compiler par les moines des fratras horribles d’une erudition 
assommante.“ Wir verweben diese Briefstelle in unsere Er¬ 
zählung und sagen: „Voltaire liess sich im Refectorium wohl 
sein, während die Mönche für ihn Auszüge machten.“ Diese 
Art der Benutzung einer Quelle wird vom Herrn Recensenten 
als Muster einer unbilligen Benutzungsweise angeführt, be¬ 
sonders das „währeud“ mit einem (!) versehen, wahrscheinlich 
weil der Herr Rec. glaubt, das Wörtchen „während“ dürfe 
nur bei genauer Gleichzeitigkeit zweier Satztheile gebraucht 
werden. 

5) Wenn der Herr Rec. den Von ihm angeführten Brief 
an die Nichte (vom Juni 1757) ganz mitgetheilt hätte, so 
würde sich die Unrichtigkeit seines gegen uns gerichteten 


Vorwurfes der Quellenfälschung gezeigt haben. Voltaire gibt 
wirklich Auftrag und Weisung: „On peut faire... copier au 
Palays royal ce qu’on trouvera de plus beau et de plus im- 
modeste.“ Diesen Satz unterdrückt der Herr Recensent. 

6) Da der Herr Recensent nicht sagt, worin das „Unge¬ 
schickte“ bestehen soll, was wir aus dem „bekannten Teufels¬ 
brief vom März 1754 herauslesen“, so können wir seine An¬ 
sicht und Behauptung hier auch nicht berichtigen. 

7) Weder auf der angegebenen Seite 310 noch auch 
sonst im Buche sagen wir ein Sterbenswörtchen davon, „dass 
Voltaire die Ehebruchsgesohichte La Beaumelle’s erdichtet 
habe“. Wohl die Gefangenhaltung — nicht die Gefangen¬ 
nehm ung — La B.’s nennen wir aus guten Gründen einen 
Streich Voltaires. 

8) Es ist unwahr, dass wir die neuere deutsche Literatur 
über Voltaire nicht angesehen haben. Wir polemisiren be¬ 
ständig gegen das Werk von Dr. Strauss, die bedeutendste 
und einzig ausführliche Studie in Deutschland vor dem Jahre 
1878. Da Dr. Mahrenholtz sein „Leben Voltaires“ erst 1885 
herausgab, so konnten wir es doch unmöglich schon im Jahre 
1884 oder gar 1877 benutzen. 

9) Die Kreidezeichnung Hubers findet sich nicht bloss 
in unserem Buch als Titelbild, sondern auch in dem von 
Dr. Strauss, also trifft auch diesen anerkannten Verehrer 
Voltaires der Vorwurf, „den harmlosen Scherz des Kunst¬ 
freundes ... benutzt zu haben, um Absoheu gegen Voltaire in 
vielen, vielen Herzen zu wecken“. 

Da keine anderen Vorwürfe in der Kritik des Herrn 
v. Sallwürk specificirt sind, können wir auch keine mehr be¬ 
richtigen. Nur protestiren wir im Allgemeinen gegen die 
allgemeine Anklage, als hätten wir „allen begründeten und 
grundlosen Klatsch“ über Voltaire in nuserem Buche getreulich 
verzeichnet. 

Kerkrade, Holland, Nov. 1885. W. Kreiten, S. J. 

Darauf erwidert der Referent: 

1) Wenn Herr Kreiten es (Vorr. S. VII) als eine „no th - 
wendige Aufgabe unserer Zeit“ ansieht, „die Götzen der 
Vergangenheit in den Staub zu werfen“ und im Zusammen¬ 
hang damit im Schlusssätze seines Vorworts sagt: „Möge auch 
diese neue Auflage den Abscheu vor Voltaire und seinem 
Werk in vielen, vielen Herzen wecken“, trotzdem aber ver¬ 
sichert, es sei nicht Zweck seines Buches gewesen, diesen 
Abscheu zu erregen, so stellt er sich als einen viel unge¬ 
schickteren Schriftsteller hin, als er in der That ist. 

2) Das Charakterbild eines Schriftstellers nur nach einer 
subjectiv getroffenen Auswahl aus dessen W erken zu zeichnen, 
scheint mir aus wissenschaftlichen hnd anderen Gründen un¬ 
statthaft. 

3) Der Bericht des P. E. Harel über Voltaires letzte 
Stunden schliesst mit den Worten: „Man kann nun sagen, 
dass Voltaire die folgende Weissagung des Propheten Ezechiel, 
über welche er so viel Mal gespottet hatte, an sich selbst er¬ 
füllt habe.“ Dazu setzt Herr Kr. in Parenthese: „folgt die 
Stelle aus Ezechiel 4, 12“. Was soll nun die Versicherung, 
dass Herr Kr. den Wortlaut dieser Stelle überall, wo ihn 
die Quellen angeben, unterdrückt habe? Da Herr Kr. diesen 
Quellen sich unbedingt anschliesst, muss er sich gefallen lassen, 
dass er wie diese beurtheilt werde. Uebrigens war es nicht 
meine Aufgabe, die ekelhafte Geschichte zu widerlegen; die 
neuere Literatur, welche Herr Kr. ignorirt, hat hiefür Alles 
gethan: wohl aber war es Pflicht des Biographen, der die 
Sache wieder hervorzieht, sie glaubhafter zu machen, als bisher 
geschehen ist. 

4) Voltaire schreibt; Je me suis fait savant ä Senones, 
et j’ai vöcu dölicieusement au röfectoire. Herr Kr. schreibt: 
„Voltaire liess sioh im Refectorium wohl sein, während die 
Mönche für ihn Auszüge machten.“ Es thut mir leid, dass 
Herr Kr. dies als eine erlaubte Benutzung der Quellen ansieht. 

5) Wenn Voltaire den Antrag, ihm Gemälde zu schicken, 
annimmt, so scheint mir der Biograph nicht berechtigt zu 
sein, von einer Aufforderung dazu zu reden. 

6) Ungeschickt ist es, wenn man keinen Spass ver¬ 
steht. 

7) Herr Kr. sagt S. 310 in Klammern, als wären das 
Dinge, die jeden Zweifel selbstverständlich ausschlössen: „Die 
Gefangenhaltung La Bcaumelles in Spandau wegen einer An¬ 
klage auf Ehebruch, ebenfalls ein sauberes Manöver Voltaires.“ 
Wenn er jetzt das Manöver Voltaires in der Gefangenhaltung 
La Beaumelles sieht, was wir aus logischen Gründen aus des 
Verf.’s Worten nicht entnehmen zu dürfen glaubten — denn 


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1Ö8Ö. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 1. 


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V. hält doch niemanden im Oefängniss fest —, so möge er 
dafür den Beweis erbringen. (Vgl. Desnoiresterres IV p. 241.) 

8) Wir haben Herrn Kr. vorgeworfen, dass er die neuere 
deutsche und französische!!) Literatur über V. nicht 
angesehen habe. Nun bestätigt Herr Kr., dass ihm seit 
Strauss’ Buch über V. nichts Neueres bekannt geworden sei! 

9) Hinsichtlich des Titelbildes bemerke ich, dass heute 
jedermann weiss,J| welche Bewandtnis» es mit demselben hat. 


Der Berufung auf Strauss gegenüber dürfte es überdies er¬ 
laubt sein zu sagen: Si duo faciunt idem, non est idem. 

Wenn endlich Herr Kreiten es für zwecklos hält, alle 
Schriften V.’s „zu studiren und zu analysiren*, über das „Ge¬ 
schirr* aber 12 Seiten schreibt, so halte ich mich berechtigt, 
bei dem Biographen mehr Gefallen am Klatsch zu finden, als 
an wahrhaft historischer und quellenmässiger Darstellung. 

Karlsruhe, 26. Nov. 1885. E. v. Sallwürk. 


NOTIZ. 

Den germanistischen Theil redigirt Otto Behaghel (Basel, Bahnhofstrasse 83), den romanistischen and englischen Theil Fritz Neu mann 
(Freiburg i. B-, Albeftstr. 24), und man bittet die Beiträge (kecensionen, kurze Notisen, Personalnachrichten etc.) dem entsprechend gefälligst zu adressiren. 
bis Redaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafUr Borge tragen zn wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romanietiscben Inhalts ihr.gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Gebr. llenninger in Heilbronn xugesandt 
werden. Mur in diesem Falle wird die Redaction stets im Btande sein, über neue Publicationen eine Besprechung oder 
kürzere Bemerkung (Inder Bibliogr.)su bringen. An Gebr. Henninger sind auch die Anfragen über Honorar und Sooderabzüge su richten. 


Literarische Anzeigen. 


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Verlag von Karl Konegen in Wien. 1 

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Wiener Neudrucke, j 

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Heft 9. Stersinger Spiele, nach Aufxeichnungen des Vigil Raber. j| 
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Elf Fastnachtsspiele aus den Jahren JJJ2—JS3S- ß 

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Heft 2. Kurl (Bernardon), Die getreue Prinzessin Pumphia. 1766. jj 

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Heft 4. Klemm, 0. G., Der auf den Parnass versetzte grüne Hut. II 

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Heft 6. Sehmeltzl, Wojfg., Samuel und Saul. 1651. ß 

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feiger ausgewählte Schriften, herauegegeben von Dr. R. M. Wer- jj 
ner. Erstes Bändeben: Lustige Keyss-Beschreibung aus [| 
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Heft 7. Sonnenfels, J. V.» Briefe über die Wienerische Schaubühne. Jj 

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Heft 8. Vier dramatische Spiele über die zweite Türkenbelagtrung, «j 

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Einladung zum Abonnement 

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Englische Studien. Organ für englische Philo¬ 
logie unter Mitberücksichtigung des englischen 
Unterrichtes auf höheren 8chulen. Heraus¬ 
gegeben von E. Kölbing. 

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Inhalt: On the Glas» of Government. By C. H. Her¬ 
ford. — Beaumont, Fletoher, and Massinger (Coat.). By 
E. Boyle. — Die Erzählung von der Wiege (Chaucer’s 
Reeve’s Tale). Von H. Yarnhagen. — Notes and conjeotural 
Emendations on „Antony and Cleopatra u and „Perioles“. By 
K. E1 z e. — De consuetudine monaohorum. Von A. 8 o h r ö e r. 
— Litteratur. — Misoellen. 

auf den fünften Band von 

Französische Studien. Herausgegeben von G. 

Körting und E. Koschwitz. 

Abonnementspreis pro Band von ca. 80 Bogen M. 15.— 
Einzelne Hefte werden zu erhöhtem Preise abgegeben. 

Unter der Presse das 2. Heft: 

Inhalt: Beiträge zur Geschichte der französischen 
Sprache in England. I. Zur Lautlehre der fransös. 
Lehnwörter im Mittelenglischen. Von Dr. D. Behrens. 

Ferner das 3. Heft: 

Inhalt: Die nordwestlichen Dialekte der langne d’ofl 
(Bretagne, Anjou, Maine, Tonraine). Ton Ewald 
G ö r 1 i o h. 

Heilbronn. $e6r. Jbetmmger. 


Hierzu Beilagen von: 

Gebr. Henninger in Heilbronn, Nachtrag su 
den Yerlagsverzeichnissen betr. germanische, 
romanisohejond englische Philologie. 

Verlagsbuchhandlung Styria in Graz, betr. germanistische 
Novitäten und Preisherabsetzung. 

H. Weiter, Kominissions-Buchhandlang in Paris, betr. 
Französische Bücher und Journale, Kunstsachen eto. 


Titel and Register zum VI. Jahrgang 
( 1886 ) werden gleichzeitig mit dieser Num¬ 
mer geliefert. 



k Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Freibnrg i. B. — Druck von G. Otto in Dannstadt. 


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literaturblatt 

für 

germanische und romanische Philologie. 

Herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel «nd Dr. Fritz Neumann 

o. ö. Professor der germanischen Philologie o. ö. Professor der romanischen Philologie 
an der Universität Basel. an der Universität Freibnrg. 


Yerlag yon Oebr. Henninger in Heilbronn. 


Erscheint monatlich. 


Preis halbjährlich M. 6. 

VII. Jahrg. 

Kr. 2. Februar. 

1886. 

Jahresbericht Ober die Erscheinungen suf dem 
Gebiete der germ. Philologie (Behaghol). 

Linder. Om Tilltalsord i svenska Spraket 
(Ai o g k). 

Wilminn», Der sog. Heinrieh von Melk (Be¬ 
haghel). 

B ö c k e 1, Deutsche Volkslieder ans Oberhessen 
(Tobler). 

Steck, Ooetbe and Lavater (Moncker). 

Engel, Zusammenstellung der Faustschriften vom 
16. Jh. bis Mitre 1884 (Behaghel) 

Riegel, Der allgemeine Deutsche Sprachverein 
(Behagbel). 

Stracke rj an, Der Mensch im Spiegel der 

Thierwelt (Behagbel). 

Seamer, Shakespeare’» Stories. Hrsg, von Baore 
(K r e s s n e r). 

Bcott, The Lady of the Lake. Hrsg, von Krnm- 
macher (Kege 1). 

| Fels, Das Wörterbuch der frs. Akademie (8ol- 
] d.n). 

1 Oräfenberg, Zur franz. Syntax des XVI. Jh.’s 
(Ul brich). 

Bobmid t,Da» Pronomen bei Molidre(8c h u 1 ae). 

M o 1 i 6 r e, Les Femme» savantes. Hrsg. v. Lion 
(Mah r en hol ts). 

Zacher, Beiträge snm Lyoner Dialekt (Mas¬ 
se f i a). 

P h i 1 i p o n, Phondtique lyonnaise an XIV* ai&cle 
(l^ussafia). 

P u i t s p el u , Essai de. pbondtiqne lyonnaise 
(M nssaf ia). 

Imbriani, Deila Siracosa di Paolo Regio: eontrpb. 
alla storia »teils novellistica nel ». XV (W i e se). 

Hofmann, Die logndoresiscbe und campide- 
nesische Mundart (W. Meyer). 

Gombo Zhdbes. Dictionary orCreole proverba. 
By L. Hearn (Schnchard t). 

Bibliographie. 

Literarieche Mittheilungen, Personal- 
nachrichten etc. 

8 chnchardt u. Pani, Erwiderung u. Antwort. 


Jahresbericht über die Erscheinungen anf 
dem Gebiete der germanischen Philologie. 

Hrsg, von der Gesellschaft für deutsche Philo¬ 
logie. VI. Jahrgang. Berlin, Calvary. 418 S. 8. 

Der neue Jahrgang weist eine werthvolle Be¬ 
reicherung auf: einen Bericht über die Literatur 
und Sprache des 16. Jahrhunderts von Dr. Bolte. 
Die Arbeitsteilung nimmt zum Frommen des Werkes 
von Jahr zu Jahr zu; sie dürfte immer noch weiter 
gehen: ein mit romanischen Dingen mehr vertrauter 
Germanist würde von der Schrift von Moers (Nr. 115) 
schwerlich den Eindruck guter Sachkenntnis er¬ 
halten haben. Die Haltung des Berichtes ist von 
löblicher Ruhe und Objectivität; nur der linguistische 
Berichterstatter scheint sich in diesen Ton noch 
nicht ganz hinein gefunden zu haben. In Summa: 
der Jahresbericht fahrt fort, ein immer brauch¬ 
bareres und werthvolleres Hilfsmittel zu werden. 

Zweckmässig wäre cs, wenn in Zukunft die 
Schriften über die Syntax und die Metrik einzelner 
Schriftsteller wenigstens mit kurzen Verweisen auch 
bei den Zusammenstellungen der allgemeinen Schriften 
über diese Gegenstände verzeichnet würden. 
Basel, 21. Scpt. 1885. Otto Behaghel. 


Om Tilltalsord i svenska Spr&ket af N. Lin¬ 
der. Föreläsning, hällen i Vetenskapsakademiens 
hörsal den 20 Februari 1884. Stockholm, Alb. 
Bonniers Förlag. 45 S. 8. 50 öre. 

Wenn je ein Land, man kann wohl sagen unter 
dem Fluche der Titulatur schmachtet, so ist es 


Schweden. Es macht geradezu auf den Ausländer 
einen widrigen Eindruck, in einer kurzen Frage 
oder Anrede zwei- dreimal seinen vollen Titel nnd 
sich immer in der 8. Person angeredet zu hören. 
Oft Tage lang hörte ich kein einziges Mal das mir 
aus meiner Grammatik gebräuchliche ni*, und als 
ich mich nach dem Grunde erkundigte, wurde mir 
die Auskunft, dass dies, ‘unhöflich* sei. Wohl haben 
bessere Elemente, vor Allem der treffliche Rydqvist, 
der einfachen pronominalen Anrede das Wort ge¬ 
sprochen, wohl sind Vereine zur Durchfechtung 
derselben entstanden, wohl k sind Petitionen an die 
Regierung eingereicht worden: Alles ist bis heutzu¬ 
tage fast umsonst geschehen, und die Titulatur¬ 
krankheit ist nach wie vor epidemisch. Gegen 
dieselbe richtet sich nun das vorliegende Schrift- 
chen, ein Vortrag, gehalten im Saale der Akademie 
der Wissenschaften zu Stockholm. Oft derb, oft 
mit heissender Satyre geisselt der Verf. die in 
dieser Beziehung krankhaften Zustände seines Vol¬ 
kes und verficht im ersten Theile die Durchführung 
einer pronominalen Anrede, im zweiten die Verein¬ 
fachung der Titulatur, ist freilich am Schlüsse selbst 
überzeugt, dass er zu tauben Ohren gesprochen 
habe. Und wer die schwedischen Verhältnisse 
kennt, wird gleiches meinen; wenn auch manche 
von der Thorheit der Mode überzeugt sind, es geht 
hier wie so oft: man spricht dagegen, aber hat 
nicht die Kraft, sich selbst der Mode zu entziehen. 
Freilich meinen wir, dass Linder in dem Vorschläge 
zur Vereinfachung der Titulatur etwas zu weit geht; 
man mag nur die pronominale Anrede einführen, 
dann fällt m. E. das Krankhafte jener von selbst 
weg. Auch bei der Wahl des Pronomens möchten 


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5i 


1Ö3Ö. Literaturblatt ftf germanische and romanische Philologie. Kr. 2. 


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wir uns mehr für ni* entscheiden, denn dieses ist 
national und das historisch Bedingte; das schonische 
‘de*, dem L. den Vorrang gibt, ist dänischen Ur¬ 
sprungs, und seine Einführung würde dem Streben 
der Schweden nach Reinigung ihrer Muttersprache 
geradezu ins Gesicht schlagen. 

Leipzig, Juli 1885. E. Mogk. 


Wilmanns, W., Der sogenannte Heinrich 
von Melk. Bonn, Weber. 62 S. 8. (Beiträge 
zur Geschichte der älteren deutschen Literatur 
hrsg. von W. W. H. I.) 

Seit den mit den Eilhardinterpolationen ge¬ 
machten Erfahrungen dürfte auch der hartnäckigste 
Berechner von Reimprocenten den Satz von Wil¬ 
manns anerkennen (S. 4), dass es ein Fehler ist, 
„Werke, die in Vers und Reim ungebunden sind, 
für älter als Veldeke zu erklärend Wilmanns zeigt 
nun in seiner interessanten Schrift, dass dieser 
Fehler bei der Datirung des Heinrich von Melk 
gemacht worden sei. Nichts in seiner Sprache, 
seinem Stil, seiner metrischen Form weise auf die 
frühe Zeit um die Mitte des 12. Jh.’s: es dürfte 
schwierig sein, Wilm. hierin zu widerlegen. Den 
Hauptnachdruck aber legt W. auf die Betrachtung 
des Inhalts: nicht nur seien keine unmittelbaren 
Beziehungen auf die Ideen des 12. Jh.’s vorhanden, 
sondern Manches weise geradezu auf spätere Ent¬ 
stehung hin. Hier scheint mir besonders der Nach¬ 
weis wichtig, dass der Dichter von ketzerischen 
Anschauungen erfüllt gewesen, die nicht nach einem 
Laienbruder des 12. Jh.’s klingen. Die Darlegungen 
über die Echtheit von Erinn. 855 ff. sind durchaus 
überzeugend; ebenso hat es W. sehr wahrscheinlich 
gemacht, dass einige orthodoxe Betrachtungen nach¬ 
träglich eingeschoben sind: ich möchte noch auf 
Priesterl. v. 378 Hinweisen: 

wir Solen nioht vorschen urab sin leben. 

Wie merkwürdig klingt der Vers im Munde eines 
Mannes, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seinen 
Lesern die Schäden des Priesterlebens schonungs¬ 
los darzulegen! 

W. kommt in seinen Betrachtungen zu dem 
Ergebniss, dass Heinrichs Dichtungen dem 14. Jh. 
angehören, und dass sie auf dem Boden Ungarns 
erwachsen seien: „in das zwölfte Jahrhundert ver¬ 
setzt ragen unsere Satiren einsam und in unbe¬ 
griffener Grösse; für uns schliessen sie sich der 
Reihe satirischer Dichtungen an, die seit dem 13. Jh. 
im südöstlichen Deutschland entstehen“, besonders 
ist als verwandt das Buch der Rügen zu nennen. 

Ein Anhang gibt einzelne Beiträge zur Erklärung 
von Heinrichs Dichtungen. Ich hebe daraus die 
richtige Deutung von Erinn. 398 ff. hervor. 

Basel, 11. Dec. 1885. Otto Behaghel. 


Deutsche Volkslieder aus Oberhessen. Gesam¬ 
melt und mit kulturhistorisch-ethnographischer 
Einleitung hrsg. von Otto Böcke 1. Marburg, 
Eiwert. 1885. CLXXXVIII, 128 S. 8. 

Nachdem wir vor Kurzem aus der Hand des 
Altmeisters Freiherrn v. Liliencron eine Auswahl 


der deutschen Volkslieder des XVI. Jahrhunderts, 
mit einer vielfach belehrenden, wenn auch nicht 
ganz glücklich angelegten Einleitung empfangen 
haben, bietet uns das im Titel genannte Buch eine 
Sammlung von noch heute, aber nur in einem kleinen 
Gebiete Deutschlands, lebenden Volksliedern, mit 
einer Einleitung, welche das Wesen des Volksliedes 
in umfassender Weise, kulturhistorisch und völker¬ 
vergleichend behandelt. Die Verbindung der beiden 
Bestandteile, einer Einleitung (187 Seiten) von ganz 
allgemeinem Charakter und einer lokalen Textsamm¬ 
lung (106 Seiten) hat etwas Auffallendes und nicht 
ganz Angemessenes, was auch dem Verf. selbst be¬ 
wusst ist; aber man versöhnt sich mit der unver- 
hältnissmässig ausführlichen Einleitung leicht, wenn 
man in ihr eine selbständige Abhandlung erkennt, 
die gar nicht den Zweck hat, den oberhessischen 
Volksliedern als solchen zur Einleitung zu dienen, 
sondern nur zufällig, äusserlich und lose mit den¬ 
selben verbunden ist und vielmehr die vorläufige 
Gestalt eines grossem Werkes über Geschichte und 
kulturhistorische Bedeutung der Volkspoesie über¬ 
haupt sein soll. Diese Einleitung enthält nun aller¬ 
dings manches, was mehr kulturhistorischen als 
literarhistorischen Charakter hat, darunter auch 
manches, was schon bekannt war, aber mit solcher 
Vollständigkeit zusammengestellt und mit so reichen 
Belegen ausgestattet wohl noch nirgends zu finden 
ist. Der Verf. entfaltet dabei nicht nur eine er¬ 
staunliche Belesenheit, sondern er zeigt auch einen 
tiefen Blick in das Wesen der Sache und warmen 
Eifer für das hohe Interesse derselben. 

Sehr wohlthuend hat mich vor Allem das Be¬ 
streben des Verf.’s berührt, den Begriff des Volks¬ 
liedes möglichst rein und scharf zu fassen, also 
enger als sonst oft geschieht; er geht dabei stellen¬ 
weise sogar weiter, als ich ihm gerade folgen möchte. 
Nicht nur unterscheidet er ausdrücklich volkstüm¬ 
liche* Lieder als eine Zwittergattung zwischen Kunst¬ 
gedichten und Volksliedern (S. CXXVIH), sondern 
er will auch keine historischen (S. VI), keine reli¬ 
giösen (S. LXVI), keine Standeslieder (S. CLXX11I) 
als Volkslieder anerkennen. Eigentliche Zunftlieder 
als solche widerstreiten allerdings dem Wesen des 
Volksliedes (wenn sie nicht zugleich Spottlieder sind); 
aber die beiden erstem Gattungen muss ich gerade 
im Hinblick auf meine eigene Sammlung schweize¬ 
rischer Volkslieder festhalten, und auch v. Liliencron 
scheint dieselben nicht aufgeben zu wollen. Zugeben 
muss man aber, dass unter dem Namen ‘historische 
Volkslieder* bisher sehr Vieles, besonders aus neuerer 
Zeit, herausgegeben worden ist, was dem strengen 
Begriff nicht entspricht. Fraglich bleibt auch, und 
ist weiterer Prüfung sehr werth, ob man mit dem 
Verf. (S. CXVIII) als normale Sprachform echter 
Volkslieder die Schriftsprache aufstellen und Lieder 
in Dialektform nur als Ausnahme unter besondern 
historisch-geographischen Verhältnissen zugeben darf. 

Der Verf. sucht sonst das Volkslied eben als 
reines Naturprodukt darzustellen und gleichsam eine 
Naturgeschichte desselben zu geben; er braucht 
daher von den Ursachen einzelner Erscheinungen 
auch geradezu den Ausdruck 'Naturgesetz* (S. UV, 
CXLV), den man sich doch, hier noch mehr als in 
der Sprachwissenschaft, nur erlauben darf, we>an 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 2. 


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man sieb bewusst bleibt, dass dabei von Natur des 
Geistes oder von sozialen Verhältnissen die 
Rede ist, also nur bildlich gesprochen wird. Mit 
rosser Wärme eifert der Verf. für Aufrechthaltung 
es Volksgesanges, sowie alles alten Volksbrauches 
und -glaubens, als eines Hortes der Volkswohlfahrt 
und wahrer Bildung selbst. 'Der Volksglaube ist 
weder ein Ueberrest urgermanischer Religion, noch 
ein Spiel frivolen Aberglaubens, sondern ein echtes 
Erzeugniss des Volksgeistes; er ist in seinem Wesen 
tief religiös und verdiente als treffliche Stütze des 
Christenthums um jeden Preis geschont zu werden 1 
(S. XCVH). Aehnlich urtheilt der Verf. über die 
alten Sitten (S. CXX1V), und wer wollte nicht mit 
ihm das Hinschwinden dieses Gutes beklagen, gegen 
absichtliche Zerstörung desselben sich auflehnen ? 
Aber den Glauben, den er S. CXXX ausspricht, 
'im Momente ihrer völligen Vernichtung werden 
Volksglaube und Volkssitte aus den Trümmern der 
Hyperkultur verjüngt hervorbrechen*, kann ich, und 
wohl noch mancher Andere, leider nicht mit ihm 
theilen! 

Aus dem übrigen reichen Inhalt der Einleitung, 
der etwas mangelhaft geordnet, aber in einem alpha¬ 
betischen Sachregister verzeichnet ist und in mate¬ 
rieller Hinsicht eine Reihe kulturhistorisch merk¬ 
würdiger oder besonders beliebter Gegenstände und 
Motive, in formeller Hinsicht eine Reihe charak¬ 
teristischer Darstellungsmittel des Volksliedes, so¬ 
dann Nachweise über Entstehung, Verbreitung und 
Lebenskraft desselben umfasst, kann hier nur Weniges 
herausgehoben werden. — Als eine Hauptart der 
ältesten Volkslieder werden die Arbeitslieder be¬ 
handelt, d. h. Lieder die bei gemeinsamer Arbeit 
gesungen werden, und es werden darüber Nachweise 
aos allen Erdtheilen, besonders also auch bei Natur¬ 
völkern, gegeben. S. LX ff. Wahrscheinlich ist 
schon beim Urprung der Sprache, wie Noir^e be¬ 
hauptet, gemeinsame Arbeit ein Hauptfaktor ge¬ 
wesen. — Betreffend den Vortrag der Lieder kann 
ich der Ansicht des Verf.’s nicht beistimmen, dass 
nur durch Mehrstimmigkeit die Melodie des Volks¬ 
liedes Reiz gewinne, und wenn jene Eigenschaft 
denselben vollends ursprünglich zukommen soll, 
so widerstreitet dies der sonst allgemeinen Annahme; 
auch in Deutschland ist Mehrstimmigkeit erst seit 
dem XV. Jahrhundert aufgekommen. Vgl. v. Lilien- 
cron, Deutsches Leben im Volkslied um 1530, 
8. XXVI ff. — Sehr interessant ist der Nachweis, 
dass einzelne Formen des Volksliedes geographische 
Verschiedenheit ihrer Verbreitung zeigen, dass z. B. 
die Balladen in Nordeuropa am zahlreichsten sind, 
nach Süden hin abnehmen. S. CXLVI ff. Kultur¬ 
historisch bemerkenswerth sind Nachweise über die 
weite Verbreitung der von Frauen angestimmten 
Todtenklagen (S. CL1I1 ff.) und über die Blinden 
$ls Träger der Volkslieder S. CLXIV ff. 

Die mitgetheilten oberhessischen Lieder sind 
nicht sehr zahlreich (122 Nummern, doch mehrere 
mit Unterabtheilungen), ihr Werth steigt aber durch 
den Umstand, dass sie fast alle aus dem engen Um¬ 
kreis einiger Dörfer entnommen sind, wonach man 
die Produktions- oder Reproduktionskraft eines 
solchen Bezirkes ermessen kann. Ganz Neues findet 
sich unter den Liedern wenig, aber viel Inniges, 


besonders in den Liebesliedern; auffallend viele 
Soldatenlieder, zum Theil mit Anspielungen auf 
neuere Zeit; auch einige Lieder von Auswanderern. 
Wortlaut und Strophenbau der ältern Lieder sind 
vielfach entstellt, wie anderswo. — Die den Texten 
folgenden Anmerkungen enthalten sorgfältige Angabe 
der Quellen und Parallelen. Auflallend ist der 
Mangel eines Registers der Liedertexte, zumal da 
dieselben auch nicht sachlich geordnet sind. Dagegen 
hat der Verf. ein 'Wörterbüchlein der Kundensprache 1 
angehängt, zunächst für das Verständnis einiger in 
seine Sammlung aufgenommenen Handwerksburschen¬ 
lieder, die mit Wörtern aus jenem der Gaunersprache 
nahe verwandten Idiom gespickt sind. 

Für das vom Verf. in Aussicht gestellte grössere 
Werk über Volkspoesie erweckt das vorliegende 
als Vorläufer sehr günstige Erwartungen; wir wollen 
daher dieses mit lebhaftem Dank annehmen und 
jenem mit der Geduld entgegensehen, die zu allen 
guten Dingen nöthig ist. 

Zürich, Oct. 1885. Ludwig Tobler. 


Goethe und Lavater. Vortrag von R. Steck, 
Professor in Bern. (Oeffentliche Vorträge, ge¬ 
halten in der Schweiz. VHI. Band, 7. Heft.) Basel, 
Benno Schwabe. 1884. 39 S. 8. 

Der Verfasser schildert auf Grund des Brief¬ 
wechsels zwischen Goethe und Lavater das Ver- 
hältniss der beiden zu einander, hebt klar und rich¬ 
tig die Ursachen hervor, welche ein Freundschafts- 
bündniss zwischen zwei geistig so verschieden an¬ 
gelegten Menschen ermöglichten, und beschreibt aus¬ 
führlich, indem er namentlich aus Goethes Briefen 
viel citirt, wie und warum dieses Bündniss sich nach 
und nach lockern und endlich ganz lösen musste. 
Vor allem die religiösen Fragen, die dabei in Be¬ 
tracht kommen, sind mit grosser Sachkenntnis und 
reifem Urtheil erörtert. Das Büchlein bildet daher, 
gleich einer früheren Schrift Stecks, wieder einen 
für das grössere gebildete Publikum schätzbaren 
Beitrag zur .Geschichte der religiösen Entwicklung 
Goethes. Dagegen scheint mir der Verf. den posi¬ 
tiven Theil seiner Aufgabe, die Darstellung des 
gemeinsamen, verträglichen Zusammenwirkens Goe¬ 
thes und Lavaters, zu eilig äbgethan zu haben. Und 
das wäre für den modernen Betrachter und Forscher 
doch fast wichtiger als die Geschichte ihrer all- 
mälichen Entfremdung und Trennung. Darum lernt 
auch der literarhistorische Fachmann aus dem Vor¬ 
trage nichts Neues, so reich er an hübschen Be¬ 
merkungen und sogar an eigenartigen, glücklichen 
Gedanken ist. 

München, 30. Nov. 1885. Franz Muncker. 


Engel, Karl, Zusammenstellung der Faust- 
sebriften vom 16. Jahrhundert bis Mitte 
1884. Der Bibliotheca Faustiana zweite Auf¬ 
lage. Oldenburg, Schulze. 764 S. 8. 

Die erste Auflage dieses Werkes (s. Nr. 489 
der vorliegenden Schrift) hatte 95 Seiten umfasst; 
die neue Gestalt derselben hat also eine ausser- 


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1886. Literatorblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 2. 


56 


ordentliche Steigerung des Umfangs erfahren. In 
14 Abschnitten verzeichnet Engel nicht weniger als 
2714 Titel von Schriften, die in näherer oder fernerer 
Beziehung zur Faustsage stehen; ein fünfzehnter 
Abschnitt umschliesst „auszuscheidende und zweifel¬ 
hafte Werke“. Die bibliographischen Angaben sind 
sehr ausführlich gehalten und reich mit literarischen 
Verweisen ausgestattet; bei vielen Verfassern sind 
dankenswerthe biographische Mittheilungen gemacht; 
freilich geschieht des Guten etwas viel, wenn auch 
Männer wie Platen mit solchen bedacht werden 
und ausführlich über das Lebensende Gutzkows be¬ 
richtet wird. Verdienstlich ist es, dass in Abschnitt 
XII, der die Artikel aus Zeitschriften verzeichnet, 
vielfach kurze Inhaltsangaben gegeben werden. 
Bequem für den Benutzer wäre es gewesen, wenn 
bei den hier aufgeführten Becensionen stets auch 
die Nummer verzeichnet worden wäre, welche die 
betreffende Schrift bei Engel trägt. Das hätte noch 
den Vortheil gehabt, dass dann wohl die Ungleich- 
mässigkeit vermieden worden wäre, mit welcher bei 
den Büchertiteln die zugehörigen Recensionen ver¬ 
zeichnet werden. Denn ohne solches Verzeichnen 
verliert die Aufnahme der Recensionen in Abschnitt 
XII einen grossen Theil ihres Werthes. So ist bei 
der Ausgabe von Schröer, bei Taylors Erläuterungen, 
bei Zahns Buch über Cyprian von Antiochien keine 
Anzeige aufgeführt, bei der Schrift von Kern fehlt 
die Recension von Werner, zu Nr. 999 fehlt der 
Verweis auf Nr. 2103. 

Dass bei einem so umfassenden Werke sich 
immer noch einzelne Nachträge geben lassen und 
sich manche Versehen einschleichen, ist so selbst¬ 
verständlich, dass es unserem Urtheile über die 
Verdienstlichkeit von Engels Arbeit keinen Eintrag 
thun kann, wenn wir uns einige kleine Bemerkungen 
gestatten. Nr. 794: Der berühmte Aesthetiker 
Vtecher lebt nicht in Zürich, sondern in Stuttgart. 
Nr. 2098 ff.: Welcher Schrift gilt die Besprechung? 
Nr. 2100: Statt Meyer und Waldeck 1. Meyer von 
Waldeck; übrigens wären aus dem Literaturblatt 
noch eine ganze Reihe von Recensionen zu ver¬ 
zeichnen gewesen. Nr. 221 ld gehört zu 1948. — 
Bei den Schriften über den Zauberer Virgil fehlen 
die bei v. Bahder, Grundriss S. 254 verzeichneten 
Abhandlungen von Zappert, Liebrecht, Vietor; ist 
Nr. 2258 nicht identisch mit Nr. 2259? Bei der 
Sage vom ewigen Juden wäre der Aufsatz von 
v. Perger nachzutragen (v. Bahder, Grundriss S. 256). 
Im Register sind unter dem Namen Meyer die an 
fünfter, neunter und elfter Stelle aufgeführten Per¬ 
sönlichkeiten identisch; unter Schröer fehlt die 
Nr. 779; unter Zahn 1. 206 statt 306. 

Höchst verdriesslich ist es, dass ein Buch von 
2—3 Finger Dicke ohne alle und jede Heftung aus¬ 
gegeben wird, also beim ersten Angriff auseinander 
fällt. Sonst ist die Ausstattung lobenswerth. 

Basel, 22. April 1885. O. Behaghel. 


Riegel, Hermann, Der allgemeine deutsche 
Sprachverein, als Ergänzung seiner Schrift: 
Ein Hauptstück von unserer Muttersprache. Mahn¬ 
ruf an alle national gesinnten Deutschen. Heil¬ 
bronn, Henninger. 56 S. 8. M. 1. 


Riegel • schildert zunächst den Stand der Be¬ 
wegung gegen die Fremdwörter. Er bespricht die 
Schriften, die seit Erscheinen der seinigcn die Frage 
des Fremdwörterunwesens behandelt haben, ver¬ 
zeichnet, was von Seiten von Behörden und Ver¬ 
einen zur Abhilfe geschehen, und zeigt, dass trotz 
Allem von einer wirklichen Abnahme des Uebelö 
nicht die Rede sein könne. Als wirksamstes Mittel 
gegen dasselbe schlägt er die Gründung eines all¬ 
gemeinen deutschen Sprachvereins vor; er bietet 
uns einen Entwurf zu den Satzungen eines sol¬ 
chen Vereines. Alles von warmer Begeisterung ge¬ 
tragen, aber durchaus massvoll. Es liegt kein Grund 
vor, daran zu zweifeln, dass ein solcher Verein 
sehr erspriesslich wirken wird, wenn es sich ledig¬ 
lich darum handelt, für die Reinheit und Schönheit 
der deutschen Sprache Theilnahme zu erwecken. 
Wenn aber das Ziel der Bewegung unter Anderem 
auch die Errichtung einer deutschen Sprachakademie 
sein soll, so halten wir das fiir einen unglücklichen 
Gedanken. Die deutschen Gelehrten können sich 
nicht über so äusserliche Dinge wie die Recht¬ 
schreibung einigen; wie viel weniger über die Regeln 
der Sprachrichtigkeit? Und wenn sie es vermöchten, 
so würde ihre Gesetzgebung entweder nicht be¬ 
achtet werden oder für die Sprache verhängnis¬ 
voll sein. 

Unter den Belegen für das Anwachsen der 
vaterländischen Bewegung wird das Auftreten der 
„Kölner Zeitung“ genannt. Am frühesten aber und 
eifrigsten — seit dem Anfang des vorigen Jahr¬ 
zehnts — ist wohl unter den Tagesblättern die 
„Badische Landeszeitung“ um Reinheit des Aus¬ 
drucks bemüht gewesen; ihr verdanken wir das 
treffliche „Drahtbericht“ für Telegramm. — S. 30 
wird behauptet, kein Mensch spreche Entree, „es 
wird Angtreh gesprochen“! — Wenn Julius Wolff 
ringer statt geringer sagt, so hat er nicht eine 
Silbe unterdrückt, sondern ein veraltetes Wort statt 
des allgemein gebräuchlichen gesetzt. 

Basel, 12. Juli 1885. Otto Behaghel. 


Strackerjan, Karl, Der Mensch im Spiegel 
der Thierwelt. Programm der Oberrealschule 
zu Oldenburg, Ostern 1885. 18 S. 4. 

Der Verfasser vertritt wieder den Standpunkt 
J. Grimms, dass die eigentliche Thiersage echt 
deutschen Ursprungs sei, ohne jedoch neue Beweise 
beizubringen. Vielmehr sprechen seine eigenen Dar¬ 
legungen gegen Grimms Meinung: denn er zeigt, 
dass die Art, wie die Thiere im Epos auftreten, in 
entschiedenem Widerspruch steht mit der Art, wie 
sie in den alten Eigennamen verwendet worden sind. 
— Auch St. lebt des Glaubens, dass jeder alt¬ 
deutsche Name sinnvoll gewesen sei. 

Basel, 15. Juli 1885. O. Behaghel. « 


Seamer, M Shakespeare’» Stories. Für 
Schulen bearbeitet und mit Anmerkungen ver¬ 
sehen von H. Saure. Berlin, Herbig. 1885. 
148 S. 8. M. 2. 

Wer erinnert sich nicht mit Vergnügen der 
Zeit, wo er die Lamb’schen Tales from Shakespeare 


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1886. Literaturblatt für gormanisohe und romanische Philologie. Nr. 2. 


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las, durch welche dem jugendlichen Gemüth zum 
ersten Male der Blick auf Shakespeares Genius sich 
öffnete! Man bewahrt einem liebgewordenen Schrift¬ 
steller ein freundliches Andenken und greift in 
Mussestunden gern zu dem abgenutzten Büchlein 
und den einfachen Geschichten, die in ihrer eigen- 
thümlichen, etwas altmodischen Form den Knaben 
in eine ferne Traumwelt versetzten. Daher ist man 
denn auch geneigt, die Seamer’schen Shakespeare’s 
Stories, ein Konkurrenzunternehmen zu Lamb’s Tales, 
misstrauischen Blickes zu betrachten; doch darf sich 
unser kritisches Urtheil durch irgend welche Remi- 
niscenzen nicht beeinflussen lassen, und wir haben 
gewissenhaft die beiden Werke zu vergleichen, ihre 
Vorzüge und Fehler anzuerkennen und das Gute, 
das sie wirken können, hervorzuheben. 

Wenden wir uns zunächst zu Lamb’s Tales. 
Von den 37 Dramen Shakespeare’s hat Lamb nur 
20 bearbeitet; vor allen vermisst man die historischen 
Schauspiele und die Römerdramen. Ist dies nun 
wirklich eine Lücke ? Man weiss, dass Shakespeare 
bei den vaterländischen Stücken die geschichtliche 
Wahrheit ziemlich genau beobachtet und dass er 
bei den aus der alten Geschichte genommenen Dramen 
sich strikt, oft wörtlich an seine Quellen hält. Nun 
gibt es aber vorzügliche Darstellungen sowohl der 
englischen Geschichte als der antiken, und das mag 
der Grund gewesen sein, weshalb Lamb von einer 
eingehenden Vorführung derselben abgesehen hat 
Seamer hat nun geglaubt, hier verbessernd eintreten 
zu müssen und die Dramen King John, King Richard II, 
King Henry IV, King Henry V, King Henry VI, 
King Richard III, King Henry VIII aufgenommen, 
dagegen The Winter’s Tale, Much Ado about Nothing, 
The Two Gentlemen of Verona, All’s well that ends 
well, The Taming of the Shrew, The Comedy of 
Errors, Measure for Measure, Twelfth Night, Pericles 
fortgelassen. Vermisst man, zumal ata Ausländer, 
bei Lamb die Königs- und Römerdramen nicht be¬ 
sonders, so muss man doch sehr bedauern, dass 
Seamer so bedeutende, noch heute oft die Bühne 
betretende Stücke wie The Winter’s Tale und The 
Taming of the Shrew gestrichen hat. — Ein zweiter 
Vorwurf wäre Lamb zu machen, dass er eine altcr- 
thümelnde Sprache anwendet und stilistisch nicht 
immer correct scheint. Das ist allerdings ein ge¬ 
wichtiger Grund, die Tales als Schullektüre nicht 
zu verwenden, und Seamer hat durch seine klare, 
gut englische Sprache hierin einen entschiedenen 
Vorzug, der leider dadurch abgeschwächt wird, dass 
er, im Gegensatz zu Lamb, zahlreiche, manchmal 
recht lange Citate aus Shakespeare einflicht, so dass 
dem Schüler das ältere Englisch nicht erspart bleibt. 
— Endlich ist Lamb vorzuhalten, dass er zu oft 
gewisse Cruditäten im Ausdruck, wie er sie bei 
Shakespeare fand, in seine Darstellung hinein ge¬ 
nommen hat; Seamer dagegen vermeidet ängstlich 
jede das Zartgefühl irgendwie verletzende Schilde¬ 
rung und Wendung, so dass seine Shakespeare’s 
Stories sogar auf Mädchenschulen gelesen werden 
können. 

Ziehen wir nun aus dem Gesagten das Facit, 
80 werden wir der Auswahl Lambs den Vorzug 
geben vor der Seamers; in Bezug auf die alter- 
thümelnde Sprache wären beide im Ganzen für 


allenfalls gleich zu erklären; hinsichtlich der, sagen 
wir moralischen Zulässigkeit zur Schullektüre — be¬ 
sonders auf Mädchenschulen — würde Seamer der 
Vorrang einzuräumen sein. Auf die männliche Jugend 
möchte Seamers weichliche Darstellung nicht den 
Eindruck machen, den Lambs kräftige Sprache her¬ 
vorruft; sollen also Knaben und Jünglinge in die 
Shakespeare-Lektüre eingeführt werden, so möchten 
wir doch für Lamb plädiren, zumal man bei einer 
nicht ganz salonmassigen Wendung nicht zu ängst¬ 
lich sein muss; der Secundaner, der in seinem Homer 
hundert Mal liest <piX6tf]n xai tvvfi piyijvat, der ge¬ 
wisse Stellen in Schillers Braut von Messina kennt, 
der kann auch einmal einen Ausdruck wie the man 
whom she hud chosen to be the partner of her throne 
and bed mit in den Kauf nehmen. 

Der Herausgeber, Dr. Saure, hat das Verdienst, 
die Seamerschen Erzählungen zum ersten Male der 
deutschen Schule zugänglich gemacht zu haben. 
Er hat ausserdem einen fortlaufenden Commentar 
dazu verfasst, der meistens lexikalische Noten und 
Uebersetzungen enthält, und der besonders für An¬ 
fänger in der englischen Lektüre bestimmt ist. 
Zweckdienlicher wäre ein Lexikon angefügt worden, 
da so mehrfache Wiederholungen hätten vermieden 
werden und die Schüler ausserdem an den Gebrauch 
des Wörterbuches hätten gewöhnt werden können. 
Vermisst haben wir eine Notiz über den Verfasser 
der Shakespeare’s Stories. 

Kassel, October 1885. Adolf Kressner. 


The Lady of the Lake by Sir Walter Scott, Bart, 
mit Anmerkungen, einer Karte und einem Wörter- 
verzeichniss, hrsg. von M. Kr um mach e r. Berlin, 
Friedberg & Mode. 1884. 

Die Hochfluth englischer und französischer 
Schulausgaben, welche in neuester Zeit den Bücher¬ 
markt überschwemmt, hat den einen grossen Vor¬ 
theil, dass man sich immer klarer wird, was für die 
Schule wirklich praktisch ist. Uns Deutschen 
| kann es nur von Nutzen sein, wenn wir diesen 
Gesichtspunkt immer mehr in den Vordergrund 
stellen, und hierin können wir namentlich von den 
Engländern vieles lernen. Es ist hoch erfreulich, 
dass bereits diejenigen Ausgaben bevorzugt werden, 
welche es sich zur Aufgabe stellen, in den Anmer- 
• kungen nur das zu bieten, was wirkliche Schwierig¬ 
keiten beseitigt, und da einzugreifen, wo der den 
i Unterricht leitende Lehrer von den überall zugäng¬ 
lichen Hilfsmitteln im Stiche gelassen wird. Zu 
diesen Ausgaben gehört die obige von Krummacher. 

: Der Hrsg, hat sich keine Mühe verdriessen lassen, 
namentlich durch Erkundigungen bei schottischen 
Gelehrten, den Leser der ‘Lady* mit dem Lokalton 
des Gemäldes vertraut zu machen; die beigegebene 
Karte veranschaulicht die Situation; auch ist die 
Verweisung auf gute Hilfsmittel, wie Black’s Guide 
to the Trosachs (mit hübschen Abbildungen), Fon- 
. tane’s „Jenseit des Tweed“ (dort auch Geschicht¬ 
liches), sehr zu billigen. Eine Würdigung Scotts 
als Schriftsteller ist unterlassen und dafür auf die 
treffliche Parallele hingewiesen, welche Fontane im 
„Magazin“ 1883 zwischen Scott und W. Alexis (in 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


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einem Aufsatz über den letzteren) gezogen hat; ich 
habe an dieser Stelle die Erwähnung von Karl 
Elze’s Buch über Scott vermisst; auch kann gar 
nicht nachdrücklich genug auf die herrliche Serie 
von Morley’s English Men of Letters hingewiesen 
werden. — Die Erklärung einzelner Wörter ist mit 
Recht in das beigegebene alphabetische Wörter- 
verzeichniss verwiesen; gelegentliche Vorschläge zur 
Uebersetzung schwierigerer Stellen wird auch der 
Lehrer mit Freuden begrüssen. Nicht einverstanden 
bin ich mit des Hrsg.’s Neigung sich auf etymo¬ 
logische Andeutungen einzulassen, die meines Er¬ 
achtens wenig Zweck haben. Was soll z. B. p. 23 
die Anm. 5, auf guider bezüglich: „der Ursprung 
geht durchs Franz, auf das Got. zurück“? Im 
Einzelnen erwähne ich folgendes: 

p. 13 Anm. 8 ziehe ich die zweite Erklärung 
vor; p. 35 Anm. ist mir nicht ganz klar: to fill up 
= to complete (Die Harfe machte die Symphonie 
vollständig); p. 42, Anm. 6 bezieht the awakening 
fire auf the rising surr, ich kann es nur auf die 
Dichterbegeisterung deuten (die Hand wartet 
auf inspiring flame, um die Saiten zu rühren); p. 72, 
Anm. 7 He gave his counsel to the wind = schlug 
in den Wind; he geht aber auf AUan, der den Rath 
gibt, also: er predigte tauben Ohren, p. 75 
Druckfehler in den Anm.: statt der zweiten 3 mu98 
eine 4 stehen; p. 98. Anm. 1 hätte bei dem Elfen¬ 
tanz, der mit tread bezeichnet wird, an Herders 
tritt tanzen mit mir in „Erlkönigs Tochter“ 
erinnert werden können; p. 114, Z. 5 v. u. Druck¬ 
fehler: thee st. the\ p. 125, Z. 14 v. o. muss es 
fierce heissen st. vierce\ p. 146, Anm. 1 hätte be¬ 
züglich des Masc. bei adder auf dasselbe Genus 
bei blindrworm Canto III, 5 hingewiesen werden 
können; p. 154, Anm. 2 würde ich of might nicht 
mit eye of blue zusammenstellen, nur letzteres ist 
Gen. der Eigenschaft, erstcres ist adverbialer 
Gen.; p. 179, Z. 8 v. o. muss es heissen still st. stil. 
Im Wörterverzeichniss vermisse ich: to beguüe, 
frontiet, searching air, to whimper . 

Halle a./S. Ernst Regel. 


Fels, A., Das Wörterbuch der französischen 
Akademie. I. Die erste Ausgabe des Wörter¬ 
buchs der französischen Akademie. Hamburg, 
Meissner. 1884. 26 S. 4. 

Vorliegende Arbeit bildet den ersten Theil der 
zur Feier des 50 jährigen Bestehens der Realschule 
des Johanneums gedruckten Festschrift. Ein end- 
giltiges Urtheil wird sich demnach erst fällen lassen, 
wenn das Werk vollständig ist; so viel jedoch 
möge uns gestattet sein schon jetzt zu sagen, dass 
der vorliegende erste Theil die Entstehungsgeschichte 
der ersten Ausgabe des berühmten Wörterbuchs in 
klarer und übersichtlicher Weise darstellt. Unter 
sorgfältiger Benutzung der vorhandenen Quellen 
skizzirt Verf. zuerst die im Schoosse der Akademie 
zu Tage getretenen Meinungsverschiedenheiten über 
Plan, Umfang und Methode des 1638 begonnenen 
Werkes; wir sehen dann das schon an und für 
sich langsame Fortschreiten der Arbeit noch ge¬ 
hemmt durch den Tod Vaugelas’ (1650), der Seele 


des Ganzen, und später durch die nöthig gewordene 
Ausschliessung eines der eifrigsten Mitarbeiter, des 
Abb4 Antoine de la Fureti&re (1685), der in wenig 
ehrenhafter Weise die Vorarbeiten der Akademie 
zur Herausgabe eines ConcurrenzWörterbuches be¬ 
nutzte. Nicht uninteressant ist auch die Besprechung 
des Verhältnisses zwischen letzterem (1690im Haag 
erschienen), dem im Jahre 1672 bis zum Buchstaben 
N gediehenen ersten Druck des Wörterbuchs der 
Akademie, der aber später cassirt und zur Grund¬ 
lage einer neuen Umarbeitung benutzt wurde, dem 
endgiltigen Drucke von 1694 und dem schon 1695 
erschienenen Amsterdamer Nachdrucke. Endlich 
werden den verschiedenartigen Urtheilen über das 
W r b., theils vor, theils nach dem Erscheinen des¬ 
selben einige Seiten gewidmet. Hiebei berührt es 
angenehm, dass Verf., obwohl er die vielfachen 
Schwächen des Werkes so gut wie jeder Andere 
anerkennt, doch dessen hohen Werth und grosse 
Verdienste für die französische Sprache betont, und 
somit nicht in jenen geringschätzigen Ton einstimmt, 
der den Arbeiten der französischen Akademie gegen¬ 
über so lange Zeit Mode gewesen, und es theilweise 
noch ist. 

Basel, Sept. 1885. G. Soldan. 


Gräfenberg, Sellv, Beiträge zur franzö¬ 
sischen Syntax des XVI. Jahrhunderts. 

Erlangen, Deichert. 1885. 139 S. 8. 

„Die vorliegende Arbeit ist ein Versuch, die 
Sprache von Marot und einigen seiner Zeitgenossen 
im Zusammenhänge der historischen Grammatik dar¬ 
zulegen. u Mit diesen Worten bezeichnet der Verf. 
im Vorwort die Aufgabe, die er sich gestellt bat 
So weit es sich darum handelt, die wichtigsten 
Eigenthümlichkeiten der Sprache Marots und seiner 
Zeitgenossen — es sind noch die Werke von Saint 
Gelays, Des Periers, das Heptameron und die 
Legende de Maitre Pierre Faifeu berücksichtigt 
worden — nach der gewöhnlichen Reihenfolge der 
Wortklassen festzustellen, ist der Versuch im Ganzen 
als gelungen zu bezeichnen. Denn, ist auch hier 
keineswegs diejenige Vollständigkeit erreicht, die 
man wünschen könnte, sind auch manche Abschnitte 
insbesondere die ersten über Substantiv, Adjectiv 
und Zahlwort recht dürftig ausgefallen und ein 
Kapitel über die Wortstellung überhaupt nicht vor¬ 
handen, so ist doch über die Pronomina, über die 
Verba und andere Wortklassen ein reiches Material 
zusammengetragen, das seinen Wörth hat. So weit 
es aber galt, die Sprache jener Schriftsteller „im 
Zusammenhänge der historischen Grammatik“, d. h. 
die Sprache des 16. Jh.’s in ihrem Verhältniss zu 
der Sprache der vorhergehenden und der nach¬ 
folgenden Jahrhunderte zu untersuchen, so ist dieser 
Versuch ebenso unvollkommen geblieben wie der 
Ausdruck, mit welchem er angekündigt wird. Denn 
gewöhnlich beschränkt sich die Vergleichung der 
verschiedenen Sprachperioden auf eine allgemeine 
Bemerkung, ähnlich der auf der ersten Seite über 
die Weglassung des Artikels vor Abstracten ge¬ 
gebenen, welche lautet: „Im Altfranzösischen war 
dieser Gebrauch sehr verbreitet und (ergänze: er) 


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188& Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 2. 


62 


Al 


hat auch im 17. Jh. noch Spuren hinterlassen.* 
Mit solchen Allgemeinheiten ist wenig gewonnen, 
zumal da ihre Richtigkeit zuweilen recht zweifelhaft 
erscheint, und mancher Ausdruck, von dem die 
letzten Spuren sich im 17. Jh. verlieren sollen, noch 
heute fortlebt. So heisst es S. 37 über en, das 
statt de lui und d’ette die Beziehung auf Personen 
übernimmt: „Spuren dieser im Altfranz, häufigeren 
Verwendung finden sich noch im 17. Jh.“, als ob 
nicht das 19. Jh. an solchen Spuren noch reich wäre. 
So soll Hre pour mit einem Infinitiv als Umschrei¬ 
bung des Futurums im 17. Jb. ausgestorben sein, 
es hat sich aber in der Umgangssprache bis heute 
erhalten. Der Verf. hat keine Vorstellung davon, 
dass es äusserst bedenklich ist zu behaupten, dass 
eine Wendung in einer gewissen Zeit häufig oder 
selten, dass sie dem einen Schriftsteller eigenthüm- 
lich, bei einem andern aber nicht zu finden sei, 
wenn man nicht gerade jene einzelne Wendung, von 
der man solches behauptet, zu einem Gegenstände 
besonderer Nachforschung gemacht hat Er be¬ 
zeichnet S. 23 die. Ausdrücke tant komme de bien, 
trop komme de bien, si femme de bien, plus gens de 
bien als der Marguerite eigentümlich, während sie 
allgemein verbreitet waren und zum Theil noch 
heute gebräuchlich sind. Er hat S. 62 aus Glau- 
ning die Angabe herübergenommen, dass Hre mit 
dem Part. pr£s. bei Montaigne nicht mehr vor¬ 
komme, obwohl sie in der Zs. f. neufr. Spr. III, 291 
als irrthümlich schon widerlegt ist. Eine gewisse 
Aeusserlichkeit der Beobachtung und Auffassung 
ist, wie schon das hier Angeführte beweist, der 
Arbeit eigentümlich; sie zeigt sich gleich am 
Anfang in der Art, wie der Artikel behandelt ist, 
und wird noch auffallender in dem Kapitel von den 
Casus; denn Ausdrücke wie „die im Altfranz, so 
beliebte Auslassung der Casuspräposition de, die 
Auslassung der Dativpräposition ä, die Vertretung 
des possessiven Genitive durch den Dativ“ ent¬ 
sprechen doch weder der Sache noch auch ver¬ 
mutlich den Vorstellungen, welche der Verf. von 
den Casus des Altfr. hat, und müssten in einer 
wissenschaftlichen Abhandlung, die an die herkömm¬ 
liche Schulterminologie nicht gebunden ist, ver¬ 
mieden werden. Es ist ferner von Stellvertretungen, 
Auslassungen und Verwechselungen die Rede bei 
Wendungen, welche aus sich selbst verstanden und 
erklärt sein wollen. In dem Satze On dira ce que 
Von voudra S. 86 soll das Futurum Vertreter des 
Conjunctivs que Von dise sein; der von einem Präsens 
abhängige Conj. Impf, in Relativsätzen wird einfach 
als ein Tempuswechsel hingestellt, ohne dass seine 
Bedeutung untersucht wird; die unflektirten Formen 
des Part pr. in cause mouvant, triompkant victoire 
sollen auf einer Verwechselung des Part mit dem 
G4rondif beruhen; und in den Bedingungssätzen Si 
dieu ne Vavoit dtfendu Ei je fusse en mon advertin 
wird je fusse einfach durch Weglassung eines que 
erklärt. Auf derselben äusserlichen Auffassung der 
Wörter beruht auch der Irrthum, dass dix et dix 
zwanzig, cent et cent zweihundert, mil et mil zwei¬ 
tausend bedeute. Unrichtig ist auch S. 23 die Be¬ 
hauptung, dass nach avoir nom heutzutage der 
Genitiv erforderlich sei. So wie Vertiefung der 
Erklärungen, wäre auch hie und da etwas mehr 


Sorgfalt in Betreff des deutschen Ausdrucks zu 
wünschen. Wer der Sache nicht kundig ist, wird 
z. B. über die Entstehung von de par schwerlich 
belehrt werden, wenn er den unklaren Satz liest: 
„Grund dieser.Zusammenstellung ist einerseits die 
Vermischung der Präposition mit dem Substantiv 
pari, anderseits ist de par eine blosse Verstärkung 
von par“ — Trotz der erwähnten Mängel ist die 
Arbeit ein schätzbarer Beitrag zur Geschichte der 
französischen Sprache. Sie empfiehlt sich auch 
äusserlich durch correcten Druck und gute Aus¬ 
stattung. 

Berlin. 0. Ulbrich. 


Schmidt, Hermann, Das Pronomen beiMoli&re 
im Vergleich zu dem heutigen und dem altfran¬ 
zösischen Sprachgebrauch. Kiel, Lipsius & Tischer. 
58 S. 8. 


Wie uns einleitende Worte belehren, ist das 
Vorliegende ein Theil der von der philosophischen 
Facultät der Kieler Universität gekrönten Preis¬ 
schrift: r Die syntaktischen Eigenthümlichkeiten der 
Sprache Moliires im Vergleich zu dem heutigen 
und dem altfrz. Sprachgebrauch“. Es habe, das 
erfahren wir weiter, den Zweck, in Bezug auf die 
Syntax des Pronomens bei Moli&re die Abweichungen 
von dem heutigen Sprachgebrauch hervorzuheben 
und zu zeigen, dass diese Abweichungen Reste des 
älterenFranzösischen seien. Das„altffranzösisch“ 
im Titel bedeutet denn auch für S. nicht, wie ge¬ 
meinhin, die frz. Sprache etwa bis zum Ende des 
14. Jh.’s, sondern eher Alles vor Moliire ge¬ 
sprochene Französisch. Wäre die Folge dieser 
Auffassung nur die, dass der Verf. sich nicht darauf 
beschränkte, den Gebrauch des Altfrz. (im gewöhn¬ 
lichen Sinne) mit Moli&res Sprache in Vergleich zu 
stellen, sondern die fortlaufende Entwicklung der 
zu behandelnden Erscheinungen bis zu M. aufzeigte, 
so sollte ihm gewiss daraus kein Vorwurf gemacht 
werden. Wenn aber willkürlich bald das Rolands¬ 
lied, bald das von Fournier herausgegebene Thäätre 
fran$ais avant la renaissance (1450—1550) als 
altfranzösisch gelten muss, so können wir uns mit 
einem derartigen Verfahren nicht einverstanden er¬ 
klären. Das macht den Eindruck des Unsorgfaltigen, 
der uns leider auch sonst recht oft geworden ist. 
Auf S. 17 handelt S. unter VIII vom „Genus des 
Personalpronomens* a) ohne Beziehung auf ein aus¬ 
gesprochenes Substantiv. Der Abschnitt b) „in Be¬ 
ziehung auf ein artikelloses Substantiv weiblichen 
Geschlechts“ lautet dann wörtlich: „Je veux Hre mire, 
parce que je la suis, et ce serait en vain que je ne 
la voudrais pas Hre. Ams. I, 2. Vergl. InfidUes 
tbnoins d 9 un feu mal allumS. Soyez-les de ma honte 
(Godefroy II, 10).“ Das heisst: wo untersucht 
werden soll, wie sich M.’s Sprache zu der altfrz. 
und der heutigen Ausdrucksweise verhält, begnügt 
sich der Verf. bei einer recht interessanten Erschei¬ 
nung vergleichsweise eine Godefroys Lexique de la 
langue de Corneille entnommene Stelle zu citiren! 
Und derartiges ist nicht vereinzelt Oft genug 
muss sich, wer zu erfahren wünscht, wie die alte 
Sprache verfuhr, mit einem Verweise auf Corneille, 


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1886. Literufcurblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


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La Bruyöre, Lafontaine oder Pascal begnügen (man 
sehe z. B. S. 16 Nr. 9; S. 18 Nr. X: S. 22, III; 
S. 23, IV; S. 25 extr. f. etc.). Abschnitt XI (S. 18), 
wo es ein Leichtes gewesen wäre, viele analoge 
Fälle aus dem Altfrz. beizubringen,, bietet nur ein 
„Vergl. ferner (vorher war Gönin, Lexique de la 
langue de Moliöre citirt) Haase, Pascal 47 und 
auch Scheler, Baudouin de Condö II, 453.“ Nicht 
weniger seltsam berührt es, wenn in einer Arbeit, 
die Moliöres Sprache mit der heutigen vergleichen 
soll, Moliöre selbst zur Erläuterung des gegenwär¬ 
tigen Gebrauches herangezogen wird (p. 9 a p. 41, 
2 Anm.). — Während so an vielen Stellen eine 
grosse Dürftigkeit unangenehm auffällt, wird man 
an anderen mit einer erdrückenden Fülle von Bei¬ 
spielen überschüttet, wo wenige durchaus genügt 
hätten: so gibt S. p. 33 unter II („Das ungeschlech- 
tige (!) qui . a) Es ist mit Präpositionen auf Sachen 
bezogen*) 47 Belege, wo doch Gönin die Sache 
schon ausreichend (p. 344) behandelt hatte, es also 
im Wesentlichen nur eines Hinweises auf ihn be¬ 
durft hätte. Dieser war um so erforderlicher, als 
G.’s sämmtliche (15) Stellen sich bei S. wieder¬ 
finden. Auf Mangel an Sorgfalt, nicht falscher Auffas¬ 
sung, wird es auch beruhen, wenn p. 27 behauptet wird, 
in Qui nous gern se met an un piril extreme sei qui 
„Subject beider Verba“, wenn p. 28 mit Bezug 
auf Je le souffre aisement de qui n’est pas instruit 
gelehrt wird, qui vertrete den Genitiv des demonstr. 
oder unbest. Pronomens, etc. Aber auch an that- 
sächlichen Irrthümern fehlt es nicht. So soll (S. 35) 
die Stelle aus Joinville: pour Vamour que il orent 
veue que li roys m’avoit moustrie für Koschwitz 1 (Zs. 
f. nfrz. Spr. u. Lit. I, 115) und somit gegen Toblers 
(Gröbere Zs. 11, 563 - 566) Auffassung der durch 
Les bestes que tu vois qui mostrent felonie veran¬ 
schaulichten Satzgefüge sprechen. Abgesehen davon, 
dass die (von Koschwitz vertretene) Annahme zweier 
coordinirter Relativsätze doch gerade für das vor¬ 
liegende Beispiel gar keinen vernünftigen Sinn er¬ 
gäbe, so handelt es sich hier gar nicht um die 
Erscheinung, bezüglich derer Tobler und Koschwitz 
verschiedener Meinung sind. Auffällig ist an dem 
Beispiele aus Joinville nur, dass das Part, von veoir 
(in Folge einer Attraction) mit dem Relat. que in 
Ucbereinstimmung gesetzt ist; das zweite que ist 
die Conjunction. — Dass Mol. aucun noch wie die 
alte Sprache im Sinne von quelque gebrauche (p. 43), 
wird durch Av. I, 2 ... que je sois dans l’impuis- 
sance ... de faire Mater ä cette belle aucun te- 
moignage de mon amour so wenig als durch ne vous 
imaginez pas que j’aie aucune envie ... (MdP. III, 
7) erwiesen; vgl. Holder, Frz. Gramm. 293, 4. — 
S. 42 soll Oh vous arrHez-vous? F. S. 1661 zeigen, 
dass Mol. das Frageadv. oh statt quand zur Zeit¬ 
bestimmung anwendet! Und dass dasselbe im Alt¬ 
frz. und bei Pascal begegne, ersehe man, meint S., 
aus Mätzner S. II, 124 Haase, Pascal p. 60; hier 
ist aber von dem relativen Adverb oh und seiner 
Beziehung auf Zeitangaben die Rede. 

Nicht ersichtlich ist, weshalb häufig Erschei¬ 
nungen besprochen werden, die dem heutigen Sprach¬ 
gebrauch noch so geläufig sind, wie sie es Mol. waren. 
So wird p. 29 die parenthet. Wendung que je crois mit 
11 Stellen belegt, p. 40 in einer Anmerkung erwähnt, 


dass Mol. quel neben qui als Prädicat in indirecten 
Fragesätzen gebrauche (s. Holder p. 79, III), p. 56 
behauptet, die heutige Grammatik verlange, dass 
das Relativ unmittelbar dem Worte folge, auf das 
es sich beziehe, und Moliöres angeblich davon ab¬ 
weichendes Verfahren aufgezeigt. Vgl. darüber 
Holder 427. — Bedenkt man schliesslich, dass 
Schmidt die einschlägige grammatische Literatur 
nur mangelhaft benutzt hat, so bleibt des Rühmeos- 
werthen an einer Untersuchung, für die erhebliche 
Schwierigkeiten nicht Vorlagen, — nach unserer 
Ansicht — nicht eben viel. 

Berlin, Nov. 1885. Alfred Schulze. 


Les Femmes Savantes p. Moliöre, hrsg. von 
C. Th. Lion. Zweite Auflage. Leipzig, Teubner. 
1885. 130 S. 8. 

Vierzehn Jahre sind verflossen, seitdem C. Th. 
Lion zuerst die „Femmes savantes“ den „Gelehrten 
[ und Ungelehrten“ zugänglich machte, sie mit einem 
„behaglich gemüthlichen Commentar“ versah, „dem 
i Schüler die Arbeit vielfach zu leicht machte“ (s. 
Lions eigne Geständnisse in der Zs. f. nfr. Spr. u. 
Lit. VI S. 302), und seitdem hat die Erforschung 
Moliöres so rüstige Fortschritte nach jeder Richtung 
gemacht, dass eine völlige Um- und Neubearbeitung 
des Stückes ebenso dringend gewesen wäre, wie 
I bei Launs Ausgaben. Aber Lion hat eine 
solche für durchaus überflüssig gehalten, denn, so 
sagt er in seinen mit mehr als Rousseauscher Naivetät 
geschriebenen „Confessions“ (Zs. f. nfr. Spr. u. Lit. 
a. a. O.), eine „reine Schulausgabe sei für das bis¬ 
herige Absatzgebiet (11) der ‘F. S.* das einzig Rich¬ 
tige“. Eine „reine Scnulausgabe“, für wen? Ich 
I habe noch keinen Pädagogen gekannt — es müsste 
! denn L. aus väterlicher Liebe für sein zwei Mal 
j getauftes Geisteskind selbst sein —, der grade die 
„F. S. tt in der Schule tractirte, und eine ungeeignetere 
Lectüre möchte sich auch für Prima oder Ober- 
secunda nicht leicht finden lassen. Ebenso kenne 
ich keinen neuphilologisch gebildeten Lehrer, dem, 
auch wenn er Moliöre nicht zu seinem Specials 
Studium gemacht hat, die wohlwollende Fürsorge 
Lions, trotz der schönen Anpreisung in seinen „Con¬ 
fessions“, nicht überflüssig erschiene. Eine Esels¬ 
brücke für Lehrer, wie für Schüler, soll also, 
nach L.’s eigenem Urtheile, diese 2. Auflage sein, 
Wenngleich eine „mit philologischer Methode“ ge¬ 
baute. Und das ist sie in der That, nur dass sie 
um 14 Jahre hinter den Anforderungen der Jetzt¬ 
zeit zurückgeblieben ist. Die Einleitung ist ein 
verkürzter Wiederabdruck der 1871 erschienenen 
und damals im Ganzen ausreichenden, nur dass L. 

! auf S. 2 und S. 6/7 einiges längst Bekannte über 
Preziosen und gelehrte Frauen hinzuzufügen für 
I nöthig gefunden hat, das in seinen wesentlichen 
Bestandtheilen die Abstammung aus Fritsches vor¬ 
trefflicher, von L. aber mit den Luchsaugen eines 
Concurrenten geprüften Ausgabe, nicht ganz ver¬ 
leugnen kann. Wie 1871, so scbliesst auch jetzt 
Lions Kenntniss der deutschen Moliöre-Literatur 
I mit Humberts 1869 erschienenem Buche über M., 
die der französischen mit Laharpe, Auger, Tasche- 


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1886. Literaturblatt für germanische nnd romanische Philologie. Nr. 2. 


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reau ab, nur am Schluss wird uns die Existenz 
eines gewissen Moland dadurch verrathen, dass L. 
aus ihm seinen Text entlehnt zu haben eingesteht. 
Immerhin dankenswert!), dass Lion (wir verfolgen 
die Offenbarungen seiner „Confessions“ weitei) die 
Inhaltsangaben der einzelnen Scenen und im Com- 
mentar viele überflüssige grammatische und lexi- 
Bemerkungen weggelassen, „weil der Durchschnitts¬ 
stand der franz. Sprachkenntnisse (zur Zeit der ersten 
Ausgabe) ein erheblich geringerer war.“ (Bei wem 
eigentlich, bei den Schülern oder den von Lion 
gleichfalls mit unerbetenen Souffleurdiensten be¬ 
dachten Lehrern?) 

Ganz so selbstgenügsam, wie mit der Einleitung 
und der für dieselbe verwerteten Moli£re-Literatur, 
ist Lion mit dem Commentar nicht verfahren. Zwar 
ist es nichts Grosses, dass er im Laufe von 14 
Jahren endlich die' richtige Erklärung von 3 miss¬ 
verstandenen Stellen gefunden hat. und darauf hin 
sich etwas auf Kosten Fritsches zu Gute thut (Con- 
fessions a. a. 0. 303), dass er trotz seiner Methode 
„den Schriftsteller aus dem Schriftsteller zu er¬ 
klären* und nicht „in der Noth (?) von vornherein 
Hilfe in den Wörterbüchern zu suchen* sich doch 
zum Studium Littrüs und mancher andrer „ihm 
früher nicht zu Gebote stehender Hilfsmittel“ ver¬ 
standen hat, dass er manches ergänzt und wenigstens 
durch gelehrte Citate dem Commentar einen wissen¬ 
schaftlichen Anstrich gegeben hat, aber man sieht 
hier wenigstens einen interessenlosen, nicht bloss 
auf das „Absatzgebiet“ Rücksicht nehmenden Fleiss. 
Doch die Methode des Commentars ist nach wie 
vor eine ganz unwissenschaftliche. Für Lion, ähn¬ 
lich wie für manche franz. Editoren, ist Moli^re ein 
Schriftsteller, wie Scribe und Legouve, dessen 
Sprache mit dem Massstabe des heutigen Fran¬ 
zösisch gemessen, nicht aus dem Sprachgebrauche 
damaliger Zeit erklärt wird. Wozu auch die Werke 
der Zeitgenossen Moli&res, ältere Wörterbücher und 
Grammatiken studiren, sich selbst einen kritisch ge¬ 
sichteten Text schaffen, da man den letzteren aus 
Moland abschreiben kann und die neueren Gram¬ 
matiken und Wörterbücher leichter zu haben und 
müheloser zu studiren sind, als die alten, im Staube 
der Bibliotheken vergrabenen? Wie komisch aber 
dann, dass Littre, Lücking u. A. als Autoritäten Tür 
M.’s coirectes Französisch angeführt werden! Mit 
der Entschuldigung der „reinen Schulausgabe“ wird 
Lion, der sich selbst in den „Confessions“ als 
strengen Kritiker anpreist, einem kritischen Beur- 
theiler nicht entkommen, denn als Schulausgabe, 
d. h. Ausgabe für Schüler enthält sein Werkchcn 
des Guten zu viel, als wissenschaftliche Ausgabe 
ist es werthlos, und. eine Ausgabe für Lehrer 
pflegt ausdrücklich auf dem Titel als solche be¬ 
zeichnet und auch nur an Lehrer, nicht an „jeder¬ 
mann“ abgegeben zu werden. Und wozu die „F. , 
S.“ zur Schüler-Lehrer-Eselsbrücke missbrauchen, da 
sie doch nicht zum Ziele des Schulunterrichtes führt? 

Komisch nimmt sich den geringen Verdiensten 
L.’s gegenüber seine in der Zs. f. nfr. Spr. u. Lit. 
unter der Rubrik „Zeitschriftenschau“ indirect ge¬ 
übte Reclamekunst, durch die er den gerechten 
Unwillen sdner „Concurrenten“ in der Schuledition 
hervorgerufen hat, und die ängstliche Sorge aus, 


mit der er einen so überlegenen Moli&re-Kenner wie 
Fritsche davor warnt, aus seinen Ausgaben — etwas 
Falsches abzuschreiben (Zs. f. nfr. Spr. u. Lit 
a. a. O. 302). 

Halle. R. Mahrenholtz. 


Zacher, Albert, Beiträge zum Lyoner Dia¬ 
lekt. * Bonn 1884. (Bonner Dissertation.) 63 S. 8. 

P h i 1 i p o n, E., Phonetique lyonnaise an XIV® 
sifecle. (Romania 1884, S. 542—590.) 

Von diesen unabhängig von einander erschiene¬ 
nen zwei Abhandlungen beruht die erste auf Unter¬ 
suchung schriftlicher Denkmäler des XIII.—XV. 
Jahrhunderts und berührt sich in ihrem ersten, die 
Lautlehre behandelnden Theile (S. 10—50) mit der 
zweiten. Beide Forscher haben, wie leicht zu er¬ 
warten, meist dieselben Texte benutzt 1 ; hat Phil, 
einzelne der von Zacher excerpirten Druckwerke 
unberücksichtigt gelassen, so konnte er anderseits 
manche andere benutzen, die er im Anhänge zu 
seiner Arbeit zum ersten Male veröffentlichte. Auch 
sind die Resultate, wie es sich ebenfalls von selbst 
versteht, zu gutem Theile identisch. Z. ist in der 
Vokallehre bei weitem ausführlicher; auch ver¬ 
zeichnet er die Fälle, in denen französischer Einfluss 
sich zeigt, die Ph. grundsätzlich ausschliesst. Z. 
sondert richtig manche Fälle, die Ph. vermengt; so 
unterscheidet letzterer bei den betonten Positions¬ 
vokalen nicht die naturlangen von den naturkurzen; 
er 6agt von protonisebem i: permute en e : jfenis, 
meytienz, premeri, messiront, meravilles, temour, wo 
also 6 e aus X (eigentlich schon i) regelrecht ist, 
während in 1. 3. 5 e aus l gegen die Regel ist und 
besonderen Umständen sein Dasein verdankt; 2. ist 
wieder ein Beispiel von X, aber wegen des unor¬ 
ganischen Verharrens des Diphthonges eigen geartet; 
4. wird als Wiedergabe von tmserunt ausdrücklich 
angegeben und wäre demnach ein weiterer Beleg 
für e aus f, ist es aber selbstverständlich nicht. 
Yot einer Angabe wie ‘la gutturale c s’est resolue 
en i: pays ( pacem), voys (vocetri)' hat sich Zacher 
wohl gehütet. — Andere Male ist Ph. genauer. Z. 
verzeichnet njir unter den Ausnahmen ein paar Fälle 
von - ies aus -atas ; aus Ph. ergibt sich als Gesetz: 
- dtam, ’dtem ergeben -a (im ersten Falle statt -cfa); 
- atas, -ates <rgeben zuerst -ies, dann is\ Sing, achetd 
PI. achetis, Sing, clarid PI. clartis . Ebenso Sing. 
da ( da[v]e-m) PI. cles . Auch bezüglich der zur 
Stütze einer vorangehenden mehrfachen Consonanz 
dienenden auslautenden Vokale ist die Formulirung 
von Ph.: ‘der lat Vokal bleibt* wohl richtiger; also 
e = e (marej pare; vendre, dire ); i = i in einzelnen 
Nom. Plur. (autri, vostri ), o aus lat. o und ü. 
Später wurde -o allgemein; man kann hinzu¬ 
fügen: zunächst bei masculinen Nomina durch Ein¬ 
fluss der das Genus gut markirenden Endung -o 
(also eher ein morphologischer als ein lautlicher 
Vorgang); fraro, reyalmo, vetndros. Z. dagegen: 


1 Auch der einzige Text aus dem XIII. Jh. bei Zacher 
— peage de Givors 1225 — wurde von Phil, in den Kreis 
«einer nur das XIV. Jh. berücksichtigenden Untersuchung 
gezogen; wahrscheinlich weil die Urkunde in einer Abschrift 
der zweiten ’H&lfte des XIV. auf uns gekommen ist. 

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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 2. 


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‘der dumpfe Stützvokal ist nicht wie im Franz, 
durch e, sondern durch o bezeichnet... Wahr¬ 
scheinlich durch Einfluss der lat. Orthographie findet 
man Stütz-e bei den Verbis der ITL Conjug., wo 
niemals sich ein -o findet; ferner zeigen -e in allen 
Texten pare, mare, honte, /rare .’ 

Bei der Erörterung oer vielleicht wichtigsten 
Erscheinung auf unserem Gebiete — der unter be¬ 
stimmten Bedingungen vor sich gehenden Entwicke¬ 
lung von -a zu -i — war Z. wenig glücklich. Er 
specialisirt: a) - ia : compaignl, Picardl, butterig b) -Xa y 
wenn dem i ein jotacirter Consonant vorangeht: 
- cia, ~tia (peci, graci ), ‘ferner bei Wörtern die ein 
g, 8, l, ng (wchl gn) vor dem -io haben’; c^ ‘auch 
wenn -\a kein i-haltiger Consonant vorausgeht: Suff. 
-eri (lat. -orio), besti, pairi, feri (feria), gloiri, 
vendeimi, oti (hostia ) 2 * 4 5 ; d) ‘zu erwähnen ist noch 
plai (plaga)\ Abgesehen von dem, das man zur 
ötilisirung von b) und c) bemerken könnte 8 , war 
es weit einfacher zu sagen: ‘an Stelle von -o findet 
sich -i nach betontem oder tonlosem (prim, oder 
secund.) i; letzteres vorhanden oder versteckt, je 
nachdem Cons. ia gelehrt oder volksthümlich be¬ 
handelt ist.’ Der Verf. zählt weiter die Fälle auf, 
in denen dem lat. -o kein i, sondern ein jotacirter 
Consonant voranging: bocchi, vacchi, douci, ymagi, 
coyssi\ worauf der befremdende Satz folgt: ‘Durch 
falsche Analogie hing man später dieses i auch 
an Wörter, deren Stamm ohne jotacirten Conso- 
nanten auslautete: aygui, boyti (frz. boite ), seinti, 
neyri, faiti, coiti, dereini, diomeini (‘Sonntag’). 
enjointi! Diese Fälle haben doch alle das Mo¬ 
ment gemeinsam, dass der Formel -Cons.a ein 
Diphthong vorangeht, dessen zweiter Bestandteil 
i ist 6 * ; es findet sich also hier die Bedingung zur 
Entwickelung von U = d, mit welcher die von 
-i = -a Hand in Hand geht; faiti ist mit affaitier, 
coyti mit coitier u. 8. w. zusammenzustellen. Wie 
hat sich da der Verf. beifallen lassen, von ‘falscher 
Analogie’ zu reden? Ein faita 9 coita müssten viel¬ 
mehr als das Lautgesetz verletzende Formen be¬ 
zeichnet werden. Auch iri lässt sich mit frz. irier 
vergleichen, und demgemäss ist ciri zu beurteilen; 
citi (eilTitas) lässt sich wieder mit faiti vergleichen; 
cutri könnte durch früheres cuitri aus culcitra er¬ 
klärt werden; es bleibt also als einzige analogische 
Form atdri 6 . Man halte der langen Auseinander¬ 
setzung Z.’s die überaus kurze, aber eben deshalb 
klare Formulirung Ph.’s entgegen: ‘Une palatale, 
quelle que soit son origine, reduit l’a en i: besti, 


2 Dazu auch marckandi, malad*; ist aber hier nicht •{ 
zu betonen? 

* Darf uian z. B. sagen, dass im Suff._-d/t’a, ira Suff. 
•ätiia dem lat. ia mouill. I, n vorangehen? I, ft sind doch 
= Ij, nj ; ihnen folgt also nur -o. Darf man sagen, in chargi 
(romanische Bildung aus chargier) finde sich g vor ia? 

4 Der Verf. zählt dazu auch lentili, fumili, vermeli\ also 
Suff, -hin, das doch durch - Vja ging; und daher zu -aUi aus 
•ulia gehören. 

5 Man erinnere sich an Visings Ausführungen (ZRP. VI, 
872 ff.), naeh welchen auch in allen diesen Fällen der Con- 
sonant als Palatal (also ‘jotacirt’) anzusehen ist. Pairi, das 

der Verf. als gesetzmässig, und faiti, das er als analogisch 
ansieht, sind nach Vising von demselben Standpunkte aus zu 

beurtheilen. 

<> Sie ist mir aber deshalb verdächtig. Margu. d’Oyngt, 
bei der sie Vorkommen soll, ist mir nicht zur Hand, 


blanchi, vergi, lanci, lentili, preyeri, aygui (?acqua, 
nicht aquay 

Zu weiteren Bemerkungen über Einzelheiten 
böten beide Schriften noch manchen Anlass; wir 
wollen indessen davon absehen und mit der Be¬ 
merkung schliessen, dass sie einander in willkom¬ 
mener Weise ergänzen. 

Wien, December 1885. Ad. Mussafia. 

Nachtrag. Eine schätzenswerthe Fortsetzung 
der hier angezeigten Arbeiten über das Altlyonesische 
bildet die mir soeben zugekommene Schrift „Tr&s 
humble essai de phonltique lyonnaise par Nizier 
du Puitspelu“ (Lyon 1885), welche die jetzige Mund¬ 
art behandelt, nicht ohne manchen Hinweis auf die 
alten Texte. Der Verf., welcher in seinem ersten 
vor ein paar Jahren in der Revue lyonnaise er¬ 
schienenen Versuche den Dilettanten sowohl der 
Form als dem Inhalte nach stark verrieth, hat in 
der kurzen Zeit erstaunliche Fortschritte gemacht; 
in einqm noch oft scherzhaften Tone sagt er da 
recht gute und nützliche Dinge. Wenn man auch 
das von ihm vorgeführte Material vielfach anders 
disponiren und anders deuten möchte, wenn auch 
manche der von ihm aufgestellten Etyma entweder 
undeutlich oder bestreitbar sind, so gewinnt man 
aus seiner Schrift einen meist klaren Ueberblick 
über die Verhältnisse der jetzigen Mundarten von 
Lyon und der Umgebung. 


Deila Siracusa di Paolo Regio. Contributo alla 
storia della novellistica ncl secolo XVI presentato 
alla Reale Accademia di scienze morali e politicbe 
dal socio Vittorio Imbrian i. Napoli, tipo- 
grafia e stereotipia della Regia Universiti nel gii 
Collegio del Salvatore M. I)CCC. LXXXV. 

Zu den vielen Nachahmungen der Arcadia des 
Sannazaro zählt auch die Siracusa Paolo Regio’s. 
Sie will den in der Arcadia entrollten Bildern aus 
dem Schäferleben entsprechende aus dem Fischer¬ 
leben an die Seite stellen, vielleicht angeregt durch 
Sannazaro’s eclogae piscatoriae. Auch diese Nach¬ 
ahmung, welche sich sklavisch an ihr Vorbild an- 
schliesst, ist an und für sich von geringer Bedeutung, 
in einem Punkte aber muss sie unser höchstes 
Interesse in Anspruch nehmen: Paolo Regio sagt 
gleich zu Anfang, er wolle seiner Siracusa einige 
Novellen und Gedichte, welche von Seeleuten auf 
Sicilien erzählt und gesungen würden, einverleiben. 
Libri im Catalog seiner Bibliothek hat in einer 
Notiz darauf aufmerksam gemacht. Diese Notiz 
ging in Passano’s Novellieri italiani über; P. kannte 
das Buch selber aber nicht. Ein vollständiges 
Exemplar der Siracusa befindet sich auf der Bibi, 
nazionale in Neapel. Nach diesem publicirt nun 
Imbriani rein diplomatisch die 12 darin enthaltenen 
Novellen, nur hat er eine jede mit einem Titel ver¬ 
sehen 1 (p. 21—46). Von p. 12—20 gibt er Nach¬ 
weise vom sonstigen Vorkommen der Novellen. Zwei 
derselben (die 5. und 6.) sind eigene Erfindung 
Regio’s in Anlehnung an antike Vorbilder (Ovid) 

1 Welcher Katar die Gedichte (versi) sind, von denen 
P. Regio in der Einleitung spricht, and ob sie überhaupt vor¬ 
handen, erwähnt Yerf. leider nicht. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


70 


und haben für uns daher weniger Interesse. Zu den 
gegebenen Nachweisen Hessen sich noch manche 
hinzufügen; es lag nicht in Imbriani’s Absicht hier 
irgendwie nach Vollständigkeit zu streben. Wir 
sind dem Verf. zu grossem Danke für diesen Bei¬ 
trag zur italienischen Novellenkunde verpflichtet 
Ludwigslust, 24. Oct 1885. Berthold Wiese. 


Hofmann, G., Die logndoresische nnd cam- 
pidanesisclie Mundart Marburg, Friedrich. 
1885. 160 S. 8 . (Strassburger Dissertation.) 

Es ist ein sehr erfreuliches Zeichen, dass die 
deutsche Romanistik allmälich aus dem Banne des 
Altfranzösischen heraustritt und sich auch andern 
Gebieten, vorläufig dem nächstgelegenen Italien, zu¬ 
wendet. Die vorliegende Arbeit, auf diesem Felde 
die dritte Dissertation innerhalb Jahresfrist, wenn 
ich nicht irre, hat sich eine der sonderbarsten Mund¬ 
arten ausgewählt, diejenige Sardiniens, deren eigen- 
thumlicher Charakter Nissen zu der Bemerkung 
veranlasste: „Man erkennt, dass die Sarden ihr 
Latein mehr aus der Schrift als durch mündlichen 
Verkehr erlernt haben, man erkennt, dass das Latein 
von einem ganz verschiedenen Volksthume aufgenom¬ 
men worden ist, als Italien und Sicilien darbot“ (Ital. 
Landeskunde I, 550). Von den drei Hauptdialekten 
kommen der südliche und centrale zur Besprechung; 
der nördliche, der mit dem Corsischen aufs engste 
zusammenhängt, bleibt weg. — Im sard. Wortschatz 
mischen sich die verschiedensten Elemente; um von 
Anderm zu schweigen hat die genuesische wie die 
spanische Herrschaft bedeutende Spuren gelassen, 
in neuerer Zeit natürlich dann die italienische Schrift¬ 
sprache; auch innerhalb der Dialekte kommen Aus¬ 
tauschungen vor: Elemente, die bei der Darstellung 
der Lautlehre ausgeschieden werden müssen, was 
auch meist mit richtigem Takte geschehen ist. Eine 
lange Liste spanischer Wörter, der ich noch congosa, 
tibiu beifüge, findet sich S. 151—160. Von Norden 
aus hat sich sollu = soldurn über die ganze Insel 
verbreitet, vielleicht auch noch anderes. Die Ueber- 
einstimmungen mit dem Span, könnten übrigens zum 
Theil proethnisch sein; auf Verwandtschaft des afrik.- 
ibcr. Vulgärlateins mit dem Sardiniens ist schon hie 
und da hingewiesen worden, doch handelt es sich 
fast nur um Zufälligkeiten, ausgenommen das dim. 
Suffix icco, während umgekehrt jfto wie im Span, 
ursprünglich zu fehlen scheint: von den S. 19 an¬ 
geführten Beispielen gehören die meisten zu ital. 
iccio. Der Vokalismus stimmt, wie bekannt, quali¬ 
tativ mit dem hochlateinischen überein; eine wich¬ 
tige, durch die andern rom. Sprachen bestätigte 
Ausnahme bildet t \nd = önd\ ferner erscheint cum - 
in Zusammensetzungen, nicht com, wozu wieder alle 
Sprachen stimmen (sard. cor care gegenüber rum. culcä 
ist sicher ital. Lehnwort). — Die Gutturalen haben 
vor e i noch keine Palatalisirung erlitten — nach 
Ascoli, Arch. glott. II, 144 Nr. 24 hätten sie dieselbe 
vielmehr wieder verloren. H. wendet sich dagegen, 
z. Th. entschieden mit Glück, g im Anlaut und 
zwischen Vokalen wird zu gutturaler tönender Spi¬ 
rans und fällt, ähnlich wie auch auf andern Gebieten, 
desgleichen altes (vlglai) j vor e, also enneru (gener) 


su enneru, das nun auf einer Stufe steht mit $u oe 
neben boe, sos boes und jetzt nach Cons. und im 
directen Anlaut ebenfalls b- annimmt: so sind die 
Bemerkungen S. 95 etwas genauer zu fassen; ähn¬ 
lich äusserte sich vor Jahren Havet, M 6 m. Soc. 
ling. II, 277. g = ge weist nach der Toskana 
oder Süditalien, z = ge nach Genua, vgl. namentlich 
girare drehen neben birare schwanken. Den zweiten 
Beweisgrund Ascolis: die Differenz zwischen tinghere 
und frijere übergeht H.; A.’s Bemerkung ist aller¬ 
dings sehr knapp und mir nicht ganz verständlich. 
Die Stufe, von der aus der Palatal zum Guttural 
werden kann, ist wohl nur ngy, höchstens ng, nicht 
ndy : weder bei axungja noch bei verecundia noch 
bei irgend einem Worte auf m* erscheint der Gut¬ 
tural, sondern überall ni. Schwieriger liegt die 
Sache bei dem tonlosen Laute ce = ke, inlautend 
ge (geschrieben ghe). Darauf, dass in den altsard. 
Texten des XIV. oder XIII. Jh.’s gutturale Aus¬ 
sprache durch die Schreibung k, ch, gh gesichert 
ist, lege ich kein Gewicht; zwischen dem Jahr 300 
und 1200 kann vieles vor sich gegangen sein. Ascoli 
stützt sich auf posca = postea, fasca = fasci(s) + a. 
H. S. 76 hält ersteres für post + ca. Dagegen ist 
einzuwenden, dass der sard. Reflex von lat. post 
nicht post, sondern pustis lautet, folglich auch post - 
quam oder pos(t)quam nur pusca sein könnte, zweitens 
dass die Bedeutung nicht passt, posca (und osca ) 
sind Adv., dem Sinne nach dem ital. dopo, poscia, 
poi, lat. deinde entsprechend; soll die Partikel con- 
junctional verwendet werden, so wird qui angefügt; 
„adverbiale Verwendung geht nicht aus conjunctio- 
naler hervor“ bemerkt mit vollem Recht Gröber 
Arch. für lat. Lex. II, 105. Andere sichere Vertreter 
von sti scheinen leider zu fehlen, da congoscia sicher, 
quesciare wahrscheinlich span. Lehnwörter sind. 
Sollte letzteres gewiss sein, so wäre es allerdings 
entscheidend, da es jedenfalls eher, wie sp. quejar, 
auf *questiare als mit H. auf *questulare zurückzu¬ 
führen ist. Damit käme posca in Wegfall; vielleicht 
betrachten wir es am besten als ital. Lehnwort mit 
Ueberentäus 8 erung: posca: poscia = creschiri: cres- 
cere . Die Nebenform ohne p ist auffällig, fasca 
wird richtig durch den Einfluss von fasche = fascis 
erklärt. Vor allem spricht gegen Ascoli die Dar¬ 
stellung von k\ ti als tt . Directer Uebergang von 
gutturalem Verschlusslaut zu dentalem und umge¬ 
kehrt findet statt bei unmittelbar nachfolgendem l 
und i, vgl. veclus = vetlus ; schiantare = stiantare ; 
ghiaccio = diaccio. Nachdem also fakiam zu fattia 
geworden war, ging die palatale Spirans 4 verloren. 
Wäre faiia gesprochen worden, so wäre die Sache 
viel schwieriger. Ist aber nicht einmal vor 4 Pala¬ 
talisirung eingetreten, so noch viel weniger vor e i *. 
Das Camp., das an Stelle der Gutturalen die Pala¬ 
talen besitzt, zeigt für ti cj: zz. — Neben der Be¬ 
handlung von * 0 * zeigt das Sard. namentlich noch 
einen Zug in Uebereinstimmung mit den südital. 
Dialekten: ü = dd, während die regelmässige Er¬ 
weichung intervokalischer Tenues eher an den Norden 
(doch auch an Rom) erinnert, noch anderes, wie nz 
= n\, der stete Ausfall von V v w , der erst am adria¬ 
tischen Meere wieder eine Entsprechung findet, 


1 Ascoli Studi crit. 11, 472 entgeht mir nicht. 


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1886. Literatarblatt fttr germanisohe uod romanische Philologie. Nr. 2. 


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diesen Dialekten eigenartig ist. — cl wird zu ki gi, 
daraus log. im Laufe des 16. Jh.’9 im Anlaut im 
Inlaut j ; pi statt pl tritt nur im Log. und zwar 
erst im 16. Jh. auf (S. 67), es handelt sieh wohl 
um eine vom Festland her importirte Lautregel, die 
nach und nach alle Fälle ergreift. — Sehr merk¬ 
würdig ist die Verdoppelung von Consonanten, die 
durch die Umstellung von l r zwischen zwei Vokale 
geraten; calcare: craccai S. 121, was an vulglat. 
mnglqttus (vgl. subgluttus Löwe, Glossae Nominum 
S. 169) = singt\Uus erinnert. 

Ist eine angefochtene Alterthümlichkeit: die 
Gutturalen vor e i gerettet, so fallt dagegen eine 
andere dahin. Spanos Bemerkung Ortogr. Sarda I. 
57, man sage su nomen aber de su nomine hat das 
Auffallen aller, die sich mit der romanischen Decli- 
nation ernstlich beschäftigten, erregt, wohl auch bei 
manch 9 einem Zweifel. Nach den Auseinander¬ 
setzungen H.’s S. 59 ff. ist es sicher, dass in nomin-e 
paragogisches e vorliegt, dem im Südsard. regelrecht 
i entspricht. Also stellt sard. nome wie nomin-e den 
lat. Nom. Acc. nomen dar. 2 

Die auffallendsten Erscheinungen bietet die 
Verbalflexion. Im Log. ist die Endung der 2. Pl. 
zis im Perf. und Impf, aller Verba, im Präsens von 
esse und in einigen andern Fällen, d. h. in den 
von diesen abhängigen. An einen Lautwandel st 
zu z kann nicht gedacht werden, „durch Analogi- 
sirung an 2. Sg. tt heisst es S. 103, welche lakonische 
Bemerkung wohl so auszulegen ist: neben *sestis 
tritt zu 2. Sg. ses 2. Pl. sezis, wie neben 1. Sg. sum 
1 . Pl. sumus steht, das nebeneinander von *sestis 
und sezis erzeugt amazis neben amastis. Das z er¬ 
scheint auch im Impf., was ich so deute, das 3 wie 
im Camp, so im Log. das Perf. z. Th. mit dem 
Impf, zusammengefallen ist, und zwar wohl in 1. Pl. 
Da 2. Pl. Impf. = 2. Pl. Präs., so rückt 2. Pl. Perf. 
ins Impf., um so leichter, als im Perf. die Formen 
mit a durch solche mit e verdrängt worden waren 
unter dem Drucke von 1. Sg. amei 3. Sg. amet und 
dem Perf. von dare stare: de(d)i sfe(d)i . Die s 
Perf. erhalten wie im Ital. in den endungsbetonten 
Formen den Präsensstamm: *ridisti aus risisti, so¬ 
dann dringt letzterer auch in die stammbetonten in 
der Art, da9s si als Endung an den Stamm ride 
tritt; dann dringt e auch in 2. Sg. Pl. Dieses e, 
zu dem I II auf verschiedenen Wegen gelangt 
waren, verdrängt dann da3 i in III. Das s spielt 
in I III dieselbe Rolle, wie in andern Sprachen sc 
im Präs. III, nur in II eignet es auch der 1. Pl., 
weil eben diese stammbetont war. Nach *ride$i: 
*ridesti tritt zu amesti: amesi u. s. w. So etwa lege 
ich mir das log. Perfect zurecht, über das sich unser 
Verf. leider sehr kurz äussert (S. 136). 

Im Camp, sind Imp. und Perf. ebenfalls zu 


2 Die Annahme, span, nombre könne nicht nomen sein, 
ist, beiläufig bemerkt, sehr schwach begründet. Als Gegen¬ 
beweis, d. h. als Vertreter von men führt man betun alun 
sain an, deren erstcres jedenfalls nicht volksthümlich ist 
wegen des t, das zweite seiner Bedeutung nach nicht zum 
volksthümliohea Wortschatz gehören kann, das dritte braucht 
nicht die Suffixverwechslung, die das Ital. unter dem Einfluss 
anderer Wörter auf ime mit ähnlicher Bedeutung zeigt, eben¬ 
falls erlitten zu haben; Umbildungen von -ina zu -inum kommen 
im 8pan. auch sonst vor. Damit will die Frage nicht er¬ 
ledigt sein. 


einem Tempus zusammengeschmolzen (vgl. S. 132), 
das Ersatzperfectum, wie es da9 Log. kennt, aber 
wenig üblich. Ich habe Zs. IX, 146 mich anders ge- 
äussert, als es hier im Anschluss an Diez II, 169 mit 
feiner Begründung geschieht und erlaube mir daher, 
wenn auch nur andeutungsweise, darauf zurückzu¬ 
kommen. Dafür, dass das Perf. völlig im Impf, auf- 
gegangen ist, ihm nicht nur, wie im Log. eine Form 
geliefert hat, müssen wir einen besondern Grund 
haben. Und diesen sehe ich im Verbältniss von 
1. Sg. amamu zu 1. Pl. amamus, das nun zu 2. Pl. 
amastis 2. Sg. arnasta hervor rief. Dieses amasta 
ist nicht die Perfectform, sondern die des Impf. -f- ta, 
wie sich klar aus timiasta ergibt. H. nimmt an. 
letzteres sei eine Contamination aus *timesti und 
*timias. Allein man fragt sich, weshalb in 2. Pl. 
nicht dieselbe Contamination eingetreten sei. Nach 
meiner Auffassung haben wir völlige Conformität 
der zwei Dialekte, und den Grund der Mischung: 
nur in 2. Pl., wo Impf. = Praes., dringt das Perf. 
ein. Die Differenz zwischen Log. und Camp, in der 
Behandlung des m findet ihre Parallele in den neu¬ 
tralen n-Stämmen: das Camp, scheint die Epithesc 
mehr zu lieben, es sagt - mini wie - amu, das Log. 
weniger, neben mene ist men ebenso gebräuchlich, 
amu ist neben a und ia IIIII (wo das m auch im 
Camp, fallen musste) früh ganz geschwunden. — 
Auch sonst zeigt die Conj. Absonderlichkeiten. Für 
die camp. Inf. auf - ai hat H. die richtige Erklärung 
gefunden: r zwischen zwei Vokalen, deren erster 
a ist, fällt. Dagegen kann m in 2. Pl. nicht auf 
lautgesetzlichem Wege entfernt sein, da v m 9 im 
Nomen stets bleibt, und da auch ausser dem Perf., 
wo mm die Grundlage ist, das Impf. Conj. wider¬ 
spricht. Ich halte an meiner Erklärung fest. — 
Der Ausfall des t in 2. Pl. erinnert ans Span. Port, 
im Particip ans Rät., bedarf aber noch einer völlig 
befriedigenden Erklärung. 

Sorgfältige Ausarbeitung, Benutzung alles Mate¬ 
rials, namentlich der alten Urkunden, sichere Me¬ 
thode, vor allem selbständiges Denken und das 
Bestreben, Ausnahmen nicht nur zu registriren, 
sondern zu erklären, zeichnen die Arbeit vorteil¬ 
haft aus. 

Zürich, 1. Oct. 1885. W. Meyer. 


„Gombo Zhöbes“. Little dictionary of Creole pro- 
verbs, selected from six Creole dialects. Trans- 
lated into French and into English, with notes, 
complete index to subjects and some brief remarks 
upon the Creole idioms of Louisiana. By Laf- 
cadio Hearn. New York, Will H. Coleman. 
1885. 42 S. 4. 

Eine sehr elegant ausgestattete und praktisch 
eingerichtete Sammlung von vierthalbhundert fran¬ 
zösisch-kreolischen Sprichwörtern. Die von Haiti, 
Martinique, Trinidad, Guyana und Mauritius sind 
gedruckten Quellen entnommen. Bigelow’s „Wit 
and Wisdom of the Haytians“ hätte der Hrsg, nicht 
in „Harper’s Magazine“ (1875), sondern im Separat¬ 
abdruck (1877) benutzen sollen; er würde dann in 
der That giramon und guetti, nicht ciramon und 
queti (N. 96. 116) gefunden und auch nicht selbst 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


74 


maconte (so sogar im Franz, und Engl. N. 51. 115), 
sondern macoute (eine Art Korb oder Sack) ge¬ 
schrieben haben. Die Herleitung von span, macona 
(Korb ohne Handhaben) ist mit der fehlerhaftem 
Schreibung hinfällig; macoute erscheint ate macutu 
im Negerspanischen von Cura^ao und als matutu 
im Negerenglischen von Surinam, auch als macuto 
im Spanischen von Cuba. Hier wird es als ein 
amerikanisches Wort angesehen, doch hat es recht 
südafrikanischen Klang (auch das cub. chil. jaba 
von ganz ähnlicher Bedeutung gilt für indianisch; 
vielleicht ist es mit trinid. t ccfiä, das etwa dasselbe 
bezeichnet, identisch). Der Hrsg, hätte noch mehr 
kreolische Sprichwörtersammlungen zu Rathe ziehen 
können, so die von J. J. Audain (2. Ansg. 1877) und 
die mit ausführlichen Umschreibungen versehene in 
V. Schoelcher’s Buch über die französischen Kolonien 
(1842). Eine kleinere Anzahl von kreolischen Sprich¬ 
wörtern oder „dolos“ ist schon im „Magazin pitto- 
resque“ von 1840 abgedruckt. Die eigene Zuthat 
des Hrsg.’s besteht in einem halben Hundert louisia- 
nischer Sprichwörter (auch von einem Theile der 
übrigen wird das Vorkommen in Louisiana constatirt). 
Die Anmerkungen, welche sich auf Sprachliches und 
Sachliches beziehen, enthalten manches Neue; sic 
lassen vermuthen, dass der Hrsg., wenigstens was 
Louisiana anlangt, uns noch mehr zu sagen wüsste. 
Verschiedenes ist zu berichtigen. Cafte (zu N. 77) 
ist kein karaibisches Wort, sondern nur phonetisch 
von dem gleich daneben genannten case unterschieden. 
Nicht afrikanischen Ursprungs sind die zu N. 887 
angeführten quimbi (tchomboX souyi, pougaU, soff 
(wohl aber macayö, fifa, iche). Von dem quenne 
des absoluten Possessivpronomens im Louisianischcn 
(to quenne „das Deinige*) heisst es zu N. 10, sein 
spanischer Ursprung sei „pbvious“; mir nicht. Gum¬ 
bette (N. 139) ist dem Hrsg, im Sinne von „Messer“ 
befremdlich und ihm daher wohl (ranz, jambette fremd, 
das hier nur in picardischer Färbung auftritt. Cro - 
quez = accrochez (N. 115) war nicht anzuzweifeln, 
es ist wirklich haitisch, das k wohl aus croc, 
accroc zu erklären. Ein interessantes Wort erwähnt 
der Hrsg, zu Nr. 157: lagniappe „Zugabe“, welches 
auch aus A. Mercier’s Roman „Les Saint-Yhars“ 
als Spitzname jener alten verkrüppelten Mulattin 
bekannt ist. Er ahnt schwerlich, dass es aus dem 
Quichua stammt; hier heisst yapani „hinzuthun“, 
yapana „Zuthat“, daher ecuad. yapar, yapa, chil. 
yapa, üapa venez. columb. cub. ftapa „Zugabe“, 
nach dem Wörterbuch der Akademie llapa „Queck- 
silberzuthat zu dem im Schmelzofen befindlichen 
Metall 46 (diese letzte Form führt SalvA für Süd¬ 
amerika auch in der anderen Bedeutung an, ebenso 
wie das dazu gehörige Verbum llapar). 

Diese gombo zh&bes (gombo aux herbes) 
betrachte ich nur als ein appetitreizendes, nicht als 
ein sättigendes Gericht. Möge sich bald ein Ueber- 
seeischer, ein mit tropischer Natur und tropischem 
Leben Vertrauter zu einer vergleichenden Darstellung 
des gesammten kreolischen Sprichwörterschatzes 
veranlasst sehen. Nicht einmal die negerenglischen 
und die negerfranzösischen Sprichwörter sind bisher 
in der Betrachtung zusammengerückt worden, ob¬ 
wohl von jenen uns eine so stattliche Reihe vor¬ 
liegt: Schliesslich muss der afrikanische Grundstock 


festgestellt werden unter Benutzung von Werken 
wie R. Biirton’s „Wit and wis'dom from West Africa“ 
(1865), J. G. Christaller’s „Collection of three thou- 
sand and six hundred Tshi proverbs“ (1879) u. s. w. 

Graz, 22. Nov. 1885. H. Schuchardt. 


Zeitschriften. 

Archiv f. das Studium der neuern Spraohen u. Litera¬ 
turen LXXIV, 4: A. Ball, Dickensund seine Hauptwerke 
(Schluss). - J 08 . 8 a r r a z i n, Victor Hugo und die deutsche 
Kritik. 

Taalstndi#* VII, 1: A. van der Ent, L’Etude des mots et 
de leur Signification. Bulletin bibliographique. — D. K., La 
Chanson de Rolan 1. — H. F. V. M., Sommaire d’un cours 
de litt£rature, etc. — C. Grondhoud, Doublets of Ro- 
mance Origin. — Ders., Synonyms Illustrated. — K. ten 
Bruggencate, A New Edition of Mario we’s Ta mburlaine. 

— L. Hey man, Should English Pronunciation be taught 
by nieans of rules? — Editor’s Note. — P. A. Schwip- 
pert, Grammatisches uDd Phraseologisches. — Ders., 
Verfangen. — 8., Curiosum. 

Modern Langnage Notes. Hrsg, von Elliott, Bright, Goebel 
u. Todd. Baltimore. I, 1. Januar: Bright, on ‘Silent T’ 
in English. — Boisen-Bernhardt, German Grammar 
and Reader (Hempl). — Stengel, Le Theatre d’Alexandre 
Hardy (Elliott). — Browne, Textual Notes to Beaumont 
and Fletcher. Paris, La Po6sie du Moyen Age (Todd). 

— Sweet, Anglo-Saxon Reading Primers (Bright). — 
Schmidt. Lessing: Geschichte seines Lebens und seiner 
Schriften (Goebel). — Williams, 8yntax of the Subjunc- 
tive Mood in French (Elliott). — Baskervill, Andreas: 
a legend of St. Andrew (Bright). 

Melusine III, 1: Anatole Loquin, Notes et Notules sur nos 
melodies populaires (Forts.). — J. Tuchmann, Quelques 
Idees de sauvages (Forts.). — Adolphe Orain, Moeurs et 
usages de la Haute-Bretagne. — Eugene Rolland, Pro- 
verbes et Dictons relatifs k la mer. — Les Monstres de la 
mer (Forts.). — Les Operas de Melusine outre-Rhin. 


Germania XXXI, 1: Franz Jostes, Beiträge zur Kenntniss 
der niederdeutschen Mystik. — Ludwig Fulda, Nooh ein¬ 
mal Zelt und Harnisch ira 1. und 2. Buche des Parzival. — 
Reinhold Köhler, Zu Dietrichs von Glezze Gedicht ‘Der 
Borte’. — F. M. Böhme, Nachträge zum „Altdeutschen 
Liederbuch“. I. Die Frau von Weissenburg; II. Der Mutter 
Warnung; III. Der Dollinger. — Gustav Ehrismann, Zu 
Eilharts Tristrant 1183. — Friedrich Keinz, Mittheilungen 
aus der Münchener kön. Bibliothek. I. Bruchstücke einer 
biblischen Dichtung; II. Bruchstücke einer Patriciuslegende; 
III. Bruchstück aus der Eneide Heinrichs von Veldeke; IV. 
Aus dem Armen Heinrich; V. Aus Reinbots Georg; VI. Aus 
dem Gauriel; VII. Aus einer unbekannten Dichtung; VIII. 
Bruchstück aus Konrads goldener Schmiede; IX. Bruchstück 
einer niederdeutschen Fabelsammlung. — Th. v. Grien- 
berger, Salzburger Bruchstücke. I. Aus Konrads von 
Heimesfurt Mariae Himmelfahrt; II. Aus dem Buch der 
Märtyrer. — K. v. Bah der, Zu 8pervogel. — Ders., 
Gereimte Beichte aus Upsala. — Ders., Canticum Rustar- 
dini. — Ders., Des Hundes N6t. — F. Holthausen, 
Die Quelle des Luzerner Fastnachtspieles vom Jahre 1592. 

— Chr. Kolb, Bruchstück aus der Aventiure Krone. — 
Otto Buckel, Zur Leonorensage. —- Friedrich Losch, 
Zu den Berner Runenalphabeten. — C. Marold, Zu Otfrid. 

— F. Holthausen, Zum Rolandsliede. — 0. Behaghel, 
Das Verhältnis der Texte von Lamprechts Alexander. — 
K. Bartsch, Die erste 8eite der Iweinhandschrift A. — 
Ders., Handschriftliches aus Luzern. 

Zs. f. deutsches Altcrthnm u. deutsche Literatur XXX, 
1: Sauerland, Wernher von Elmendorf. — v. Grien- 
berger, Predigtbruchstücke aus Salzburg. — Wyss, Ein 
Gedicht über Karl den Grossen. — Englert, Zwei neue 
Bruchstücke des Gedichtes auf K. Ludwig den Baier. — 
Jacobs, Bruchstücke eines nd. Prosaromans (Girart de 
Roussillon). — Schröder, Zum Gebet des Otloh Denkm. 
LXXXIII. — Roediger, Deutsche Reimprosa. — Wer¬ 
ner, Zacharias Werners Vierundzwanzigster Februar. — 
Dürnwirtli, Ein Wundsegen. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


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Anzeiger f. deutsches Alterthnm XII, 1: Martin, Briefe 
ron Jacob und Wilhelm Grimm an August Stöbet. — Ders., 
Briefe von Jacob Grimm an Karl Candidus. — Behaghel, 
Zu Zs. 29, 468. 

Zs. f. deutsche Philologie Bd. 18, 2: G. Kettner, Zu 
Tacitus’ Germania Cap. XIII. XIV. — Sylvius v. Monster¬ 
berg- Münokenau, Der Infinitiv nach wellen und den 
verba praeterito-praesentia in den Epen Hartmanns von 
Aue (Forts.). — H. Holstein, Veit Warbeck und das 
Drama von der schönen Magelone. — H. Giske, Ueber 
Körner und verwandte Erscheinungen in der mhd. Lyrik 
(Forts.). -> A. Koch, Thümmels Cecilia. 


Zs« f. nenfranzös. Sprache VII, 5: U. Meyer, 8tudien 
zur Lebensgeschichte Pierre Corneilles (Schluss). — E. 
Stengel, Ungedruckte Briefe Voltaires an Friedrich den 
Grossen und an den Landgrafen Friedrich II. von Hessen* 
Cassel nebst Auszügen aus dem Briefwechsel der Madame 
de Gallatin an den Landgrafen (Forts.). — A. Koch, Baron 
Melchior von Grimm und seine Pariser Briefe. — J. Sar¬ 
razin, Deutsche Stimmen über Victor Hugo. (Aus der un- 
l&ngst erschienenen Abhandlung: Victor Hugos Lyrik und 
ihr Entwicklungsgang. Baden-Baden, Sommermeyer.) — A. 
Rhode, Bericht über die Verhandlungen der neuphilo- 
logisohen Section der 38. Versammlung deutscher Philologen 
und Schulmänner in Giessen. 

Franco-Gallia 1886, 1: Abhandlungen: J. Sarrazin, Lan- 
frey’s nachgelassene Briefe. — Anzeigen: H. Saure, Le 
Thöätre frang. classique. — Moliöre, Les femmes savantes, 
hrsg. von Th. Lion. 2. Aufl. — W. Waltemath, die fränk. 
Elemente in der französischen Spraohe. 


Zs. f. di© österr. Gymnasien 1885, 10 u. 11: P. v. Hof- 
mann-Wellenhof, Arminius und die Varusschlacht bei 
Hutten. — F. Kummer, Der deutsche Unterricht nach 
dem neuen Gymnasiallehrplane vom 26. Mai 1884. — F. 
Pro8ch, Schillers Abhandlung über naive und sentimen- 
talische Dichtung als Gegenstand der Lektüre der obersten 
Gymnasialklasse. 

Centralorgan f. di© Interessen des Realschulwesens 
1885, 11: Kirchner über Breymann, Ueber Lautphysio¬ 
logie und deren Bedeutung für den Unterricht. — Schwarz, 
Ueber Gisi’s Ausgabe von Sedaine, Le Philosophe sans le 
savoir. — Strien über Breymann, Französische Elementar¬ 
grammatik für Realschüler. 

Zs. f. weibliche Bildung in Schule u. Haus 1885, 9: 
< Kar es, Korreferat über „Die neuesten Vorschläge zur 
Reform des französischen resp. englischen Sprachunterrichts. 
Schweizerisches Schularclnv 1885, 11: Hunziker em¬ 
pfiehlt Plattners Lehrbücher der franz. Sprache (Karls¬ 
ruhe 1884—85). 

Blätter f. literarische Unterhaltnng Nr. 32: Adalbert 
Schroeter, Zum Nibelungenliede. 

Dentsche Revne Januar: Keil, Aus den Tagebüchern Rie¬ 
mers. — Zwölf Briefe von Anastasius Grün. 

Die Grenzboten 51: Necke r, Werders Macbeth-Vorlesungen. 

— 52: H. Mo sie r, Lessing und die Farbe in der bilden¬ 
den Kunst. 

Beilage zur Ai lg. Zeitung 15. u. 16. Oot. 1885: Rudolf 
Eucken, Philosophie und deutsche Sprache. I. — 25. Oct.: 
Ch. Werders Vorlesungen über „Macbeth 11 . — 3. Nov.: 
H. F., Hayms Herderbiographie. — 12. u. 13 Nov.: Cor- 
binian Ettmayr, Schmellers Leben und Dichten. — 27. 
Nov.: K. G., Essays von Wilh. Wundt. — 5. Deo.: Emil 
Neubürger, Zum 50jähr. Gedenktag Platens. — 6. u. 8. 
Dec.: Ernst Ziel, Die dramatische Exposition bei Shake¬ 
speare. Ein Beitrag zur Technik des Dramas. — 15. Dec.: 
X., Das deutsche Wörterbuch. 

Schwäbische Kronik 29. Nov. 1885: L. T. 0., Zur Wieland¬ 
literatur. 1. Ungedruckte Briefe; 2. Zwei Briefe an Brei- 
tinger; 3. W.’s Shakespeare-Uebersetzung. — 10. Jan. 1886: 
Gödeke, Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung. 

— Briefwechsel zwischen Lessing und seiner Frau, hrsg.* 
von 8chöne. 2. Aufl. — H. P., Goethe, Götz v. Berlichingen; 
Texte allemand avee une introduction et des notes, par 
Ernest Lichtenberger. Paris, Hachette. 1885. 

Kölner Zeitung Nr. 3, zweites Blatt: Das Fremdwort in 
Kunst und Wissenschaft und in der Amtssprache. 

The Academy 19. Dec.: The Encyclopaedic Dictionary, a 
new and original work of reference to all the words of the 
Enghsh language. Des —Mel. 


The Athenaeum 19. Dec.: Round, The Byron Quarto. — 
26. Dec.: W. 0ron in, The Byron Quarto. 

The Nineteenth Century Dec.: Fletcher, Leopardi. 

The Louisiana Journal of Education Nov. 1885: Alcöe 
Fortier, The French Drama. 

Etudes Archaeol. et Linguist, dediöes k Mr. le Dr. C. Cle¬ 
mens k Leiden: J. H. Gallöe, Uitzonderingen op de wet 
der klankverschuiving. (Fälle von unverschobenem Conso- 
nanten und Fälle, wo unverschobener und verschobener sich 
nebeneinander finden.) 

Rev. pol« et litt. 25: Jules Lemaitre, Poötes contempo- 
rains. M. Jose-Maria de Heredia. — Ernest La visse, Une 
nouvelle liistoire de la civilisation frangaise (par A. Ram- 
baud. T. I. Paris 1885). — 26: Ariste Viguiö, Origines 
de la föte de Noöl. — Löo Quesnel, Litterature espag- 
nole contemporaine. M** Pardo Bazars — Hugues de Roux, 
Sapho (Daudet) au thöatre. — 1: Jnles Lemaitre, M. 
Ferdinand Fabre (Verfasser berühmter Romane, die «ich 
durch treue Wiedergabe des inneren Lebens katholischer 
Priester auszeichnen). — In der Caus. litt.: A. Fabre, 
Flöchier orateur. (Von demselben Verf. früher 2 Bände über 
Fl.*s Correspondenz und 2 über dessen Jugend.) — 2: Hbgues 
Le Roux, Reprise de Marion Delorme. — Besprechung 
einer Thöse von Voizard, Etüde sur la langue Montaigne. 


Neu erschienene Bücher. 

Grünbaum, M., Mischsprachen und Sprachmischungen. Ber¬ 
lin, Habel. 48 8. 8. M. 1. (Sammlung gemeinverständlicher 
Vorträge H. 474.) 


Briefe von Goethes Mutter an die Herzogin Anna Amalja, 
hrsg. von C. A. H. Burkhardt. Weimar, Verlag der Goethe- 
Gesellschaft. 1885. 152 S. 8. Nicht im Buchhandel. (Schriften 
der Goethe-Gesellschaft. Im Aufträge des Vorstandes hrsg. 
von Erich Schmidt Bd. I.) 

Fornaldarsögur Nordrlanda. Reykjavik. 1885. Kr.4,50. 
(Neue Ausgabe der Fas. I—III [Kbh. 1829—30], revidirt 
von Valdimar Asmundarson.) 

Goedeke, Karl, Grundriss zur Geschichte der deutschen 
Dichtung. H. 5 (Schluss von Bd. II). Dresden, Ehlermann. 
8. 417-600. 

Herz, Siegfried, Beiträge zur Geschichte der regelmässigen 
deutschen Conjugation im 16. Jh. 30 S. 8. Hallenser Diss. 

Literatur-Kalender, Deutscher, auf das Jahr 1886, hrsg. 
von J. Kürschner. Berlin u. Stuttgart, Spemann. 702 8. kl. 
8. (Das Verzeichniss der Fachschriftsteller ist abermals er¬ 
heblich vermehrt worden.) 

Neumann, A., Ueber das Leben und die Gedichte des Minne¬ 
singers Steinmar. Leipzig, Fock. 106 S. gr. 8. M. 2. 

Reykjaholts-Mäldagi. Det originale pergaments-doku- 
raent over Reykjaholt kirkegods og -inventarium i 12. og 
13. ärh., litografisk gengivet, samt udforlig fortolket og 
oplyst, udgivet af Samfund til udgivelse af gammel nordisk 
litteratur. Kopenhagen 1885. 35 8. fol. mit einer Tafel. 

Rühle, Friedr., Das deutsche Sohäferspiel des 18. Jh.’s. 
44 8. 8. Hallenser Dissertation. 

8mlstykker 4—6 udgivne af Samfund til udgivelse af 
gammel nordisk litteratur samt arsberetning for 1885. Koben- 
havn 1885. S. 99—130. 

Stengel, E., Private und amtliche Beziehungen der Brüder 
Grimm zu Hessen. Bd. II. Aktenstücke über die Thätigkeit 
der Brüder Grimm im hessischen Staatsdienste. Marburg, 
Eiwert. 441 8. 8. M. 6. 

Stern, A., Die deutsche Nationalliteratur vom Tode Goethes 
bis zur Gegenwart. Marburg, Eiwert. IV, 162 8. 8. M. 1,20. 

Vigfusson, Gudbr., and F. York Powe 11, Grimm Cente- 
nary. Sigfred —Arminius and other papers. Oxford, Claren¬ 
don Press. 1886. 95 S. 8. 3 s. 6 d. 

Wimmer, Ludv., Fornfslenzk mälmyndalysing. Reykiavfk 
1885. 92 S. (Isländ. Uebersetzung von W.’s Oldnord. Form¬ 
iere til Skolebrug. Kbh. 1882, durch Valtyr Gudmundsson.) 

Wörterbuch, deutsches, Bd. VII, 7: Oder — Orgelwerk. 


Englische Sprach- und Literaturdenkmale des 
16., 17. u. 18. Jh.’s hrsg. von K. Vollmöller. 3: The Life 
and Death of Doctor Faustus, made into a farce. By Mr. 
Mountford. With the Humours of Harlequin and Scaramouohe. 
London 1696. Mit Einleitung und Anmerkungen hrsg. von 
Otto Franke. Heilbronn, Gebr. Henninger. XXXVIII, 44 S. 
M. 1,20. 


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l&JÖ. Literaturbiatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


78 


77 


Hoffmann, Otto, Reiraformeln im Westgermanischen (bes. 

im Ags.). Freiburger Dissertation. 90 8. 8. 

Rimhorst, Friedrich, Das altenglische Gedicht vom Heiligen 
Andreas und der Dichter Cynewulf. Berliner Dissertation. 
Leipzig, Gustav Fock. 72 8. 8. M. 1,20. 

Sir Thomas Wyatt und seine Stellung in der Entwicke- 
lungsgeschichte der Englischen Literatur und Yerskunst. 
Von Bud. Alscher. Wien, Braumaller. VIII, 142 8, 8. 
Wiener Beiträge zur Deutschen und Englischen Philologie 
brsg. von R. Heinzei, J. Minor, J. Schipper. I. 
Steinbach, P., Der Einfluss des Chrestien de Troies auf 
die altenglische Literatur. Leipzig. Fook. 50 8. 8. M. 1,80. 
Storch, Th., Ags. Nominalcomposita. Strassburg, Trübner. 
IV, 72 8. gr. 8. M. 1,50. 

Tfichert, Alois, John Dryden als Dramatiker in seinen Be¬ 
ziehungen zu Madeleine de Scudery’s Romandiohtung. Pro¬ 
gramm der Studienanstalt Zweibrüoken. 44 S. 8. 
Wohlfahrt, Theodor, Die Syntax des Verbums in Aelfric’s 
Uebersetzung des Heptateuch und deB Buches Hiob. Ein 
Beitrag zur Grammatik des Angelsächsischen. München. 
Th. Riedel. 8. M. 1,50. 


Altissimo, Cristofano fiorentino. Strambotti e sonetti, per 
cnra di Rodolfo Renier. Torino, Societä Bibliofila. 1886. 8. 
p. xlvij, 75. L. 4,50. Edizione di soli 250 esemplari in carta 
a mano. Rarietä bibliografiche e soritti inediti, n° 2. 

Angeletti Nazzareoo. Cronologia delle opere minori di 
Dante. Parte I: Convivio e De Vulgari Eloquentia. Cittä 
di Castello, 8. Lapi. 1885. 16°. p. 99. L. 1. [I. La prima 
canzone del Convivio. U. La ballata e la seconda canzone 
del Convivio. IIL La terza canzone del Convivio. IV. II 
primo trattato del Convivio. V. II secondo trattato del Con¬ 
vivio. VI. H terzo e il quarto trattato del Convivio. VII. 
Conclusione. — De Vulgari eloquentia VIII. Libro primo. 
IX. Libro secondo.] 

Ariosto Lod. Orlando Furioso splendidamente illustrato da 
Gustavo DorE. Disp. XL—XLI. Milano, fratelli Treves edit. 
1885. 8° fig. p. 625—656. Cent. 50 la disp. 

-Orlando Furioso. Firenze, suco. Le Monnier. 1886. 32°. 

2 volL p. 606 ; 647. L. 5. Collezione diamante. 

Bettucoi, can. Enrico, Torquato Tasso che sottopone al 
giudizio dell’Accademia dei Catenati in Macerata la „Geru- 
salemme Liberata u . Macerata, tip. Cortesi, in-8. pag. 92. 

B i b 1 i o t e o a de las tradioiones populäres espanoles. Hrsg. v. 
D. Ant. Machado y Alvarez. VII. Cancionero populär gallego 
(ges. von D. Joseph PErez Ballesteros). Madrid, F. FA 8. 
XLVI, 240 8. 

Braggio Car. Antonio Ivani umanista del secolo XV. Ge¬ 
nova, tip. del R. Istituto Sordomuti. 1885. 8. p. 128. [I. No- 
tizie biografiche. II. La contesa delle allumiere ed il Com- 
mentariolus de bello Volaterrano. III. Il lamento di Volterra. 
Frottola, prose e poesie politiche. IV. Leggenda sulla distru- 
zione di Luni. Documenti. — Estr. dal Giornale Ligustico.] 

Catalogo dei manosoritti foscoliani, giä proprietä Martelli, 
della R. Biblioteca Nazionale di Firenze. Roma, Presso i 
principali librai. 1885. 8. p. xj, 66. L. 1. [Lettera di G. 
Cbiarini a 8. E. il Ministro della pubblica Istruzione. — 
Parte I: Soritti letterari, frammenti diversi. — Parte II: 
Lettere, istanze, memorie e documenti. — Parte III: Lot¬ 
tere d’altri al Foscolo. — Parte IV: Carteggio di Quirina 
Magiotti e degli eredi suoi con gli amici, ammiratori ed 
editori delle opere del Foscolo. — Appendice: carte diverse. 
Ministero della pubblica istruzione: Indici e cataloghi, n°. 1. 

Chabaneau, Camille, Sur la langue Romane du midi de la 
France ou le Provengal. Toulouse, Ed. Privat. 10 8. 4. Ex- 
trait du tome X de l’Histoire gEnentle de Languedoc. 

-, Origine et Etablissement de 1’AoadEmie des jeux Flo- 

raux. Extraits du manuscrit inEdit des Leys d’amors publiEs 
avec une introduction, des notes et une Table alphabEtique 
des poEtes de l’Ecole de Toulouse. 32 8. 4. Ebenda. 

-, Les Biographie» des Troubadours en Langue provengale 

publiEes intEgralement pour la premiEre fois aveo une intro¬ 
duction et des notes, accompagnEes de textes latins, pro- 
vengaux, italiens et espagnols conoemant ces poEtes et suivi 
d’un Appendice contenant la liste alphabEtique des auteurs 
provengaux aveo l'indication de leur oeuvres publiEes ou in- 
Edites et le rEpertoire mEthodique des ouvrages anonymes 
de la litterature provengale depuis les origines jusqu’ä la 
fin du XV siEcle. Toulouse, ebenda. 4. 

ColeociEn de Escritores Castell anos. Tomo XXXVI. Can- 
cionero de Gomez Manrique. Publicale con algunas notas 


' don Antonio Paz y Melia. Tomo L Madrid, Libr. de Murillo. 
1885. En 8. XXXIX, 342 p. 16 y 18. 

Curiositä popolari tradizionali pubblicate per oura 
di Giuseppe PitrE. VoL III. Superstizioni, usi e proverbii 
Monferrini. Palermo, LaurieL Un vol. in-16. L. 3. 

Darsy, Usages et traits de moBurs en Picardie. Amiens, 
Douillet. 8. S.-A. aus den MEmoires de la SociEtE de Picardie. 

Foscolo, Ugo, Due lettere inedite al sig. Andrea Calbo: 
offerta nuziale di Maria Luigia Piergili. Reoanati, tip. Sim- 
boli. in-8. pag. 13. Per nozze Razzi-Monacelli. 

Galanti, Carmino, La ruina nel canto V dell*Inferno dan- 
tesco; lettera (XVII della seconda Serie, su Dante Alighieri) 
al prof. Carlo Vassallo. Ripatransone, tip. Jaffei e Nisi. 
in-8. pag. 40. 

GarcfaArrieta, A., El espfritu de Miguel de Cervantes 
Saavedra, 6 la filosoffa de este grande ingenio, represen- 
tada en mäximas, reflexiones, moralidades y agudezas de 
todas especies, y sobre todos los asuntos mäs importantes 
de la vida civil, sacadas de «us obras y distribuidas por 
orden alfabetico de materias. Nueva ediciön. Madrid, JosE 
del Ojo. 1885. En 8. 198 p. 12 rs. en Madrid y 14 en pro- 
vincias. 

Ghetti, Getulio, Giacomo Leopardi e la patria. Recanati, 
tip. Simboli. X, 194 8. 8. 

Har ff, C., Anseis de Mes. Chanson de geste aus dem 13. Jh. 
Programm der höheren Bürgerschule in Erfurt. 

Kaufmann, Paul, Die Geschichte de^ consonantischen Aus¬ 
lauts im Französischen. Freiburger Dissertation. 1886. 71 8. 
8 . .[„Das Vorliegende bildet etwa den vierten Theil der 
ganzen Arbeit, welche bei der philos. Facultät eingereicht 
wurde. Den Rest, der die speciellen Ausführungen ent¬ 
hält, beabsichtigt der Verf. anderweitig zu veröffentlichen.“] 

Leopardi, Giac., Le poesie: nuova edizione corretta su 
stampe e manoscritti, con versi inediti e la vita delf autore, 
a cura di Giovanni Mestica. Firenze, G. BarbEra. 1886. 24°. 
p. lxxxx, 583, con ritratto. L. 2,25. 

Lotz, Ernst, Auslassung, Wiederholung und Stellvertretung 
im Altfranzösischeu. Marburger Diesert. 41 8. 8. 

Mahn, C. F. A., Die epische Poesie der Provenzalen. 1. Th. 
3. Lief. 8. 65—112. Berlin, Dümmler. 8. M. 1,50. 

Marignolle, Da, Curzio. Rime varie, con le notizie intorno 
alla vita e costumi di lui scritte da Andrea Cavalcanti, rac- 
colte da C. Arlfa. Bologna, Romagnoli. 1885. 16. p. XXXV, 
116. L. 5. Soelta di curiositä letterarie inedite o rare dal 
sec. XIII al XVII fondata e diretta da Francesco Zambrini: 
dispensa CCXIII. 

Mignini, Girolamo, Le tradizioni della epopea carolingia 
neirUmbria. Perugia, tip. Umbra, in-16. Dal giornale La 
provincia dell’Umbria. 

MoliEre. Le Bourgeois gentilhomme, comEdie-ballet (1670). 
Nouvelle Edition, conforme ä TEdition de 1671 donnEe par 
MoliEre, avec des notes historiques et grammaticales, une 
introduction et un lexique par Ch. L. Livet. Appendices 
explicatifs, musique, etc. In-18 jEsus. LXXXVIII, 379 p. 
Paris, P. Dupont. fr. 2. 

Monval, G., Recueil sur la mort de MoliEre, publiE avec 
une notice et des notes. Petit in-12, 96 p. Paris, Libr. des 
bibliophiles, fr. 5,50. 

Natale — Capodanno — Epifania. Usi e leggende [per] A. P. 
Milano, tip. Lamperti di G. Rozza. 1885. 8. p. 46. 

Noel, E., Voltaire et Rousseau. Avec une prEface de Jules 
Levallois. 3* Edition. In-32, 191 p. Paris, F. Alcan. 60 Cent. 

Pascal. Les Provinciales de Pascal. Nouvelle Edition, avec 
une introduction et des remarques, par Ernest Havet. 2 vol. 
In-18 jEsus. T. 1, LXXX1X, 233 p.; t. 2, 323 p. Paris, lib. 
Delagrave. 

Preparazione alla santissima Comunione: scrittura inedita 
attribuita a 8. Caterina da Siena. Siena, 8. Bernardino. 1885. 
24°. p. 8. Edizione non venale di centO esemplari. Pubbli- 
cata a cura di Luciano Banohi di sul codice Ashburnham, 
oggi Laurenziano, giä di n° 959, ora di n° 1028, a o. 2 r., 
in ocoasione della prima comunione di Albertina Brini. 

Sabbadini, R., 8toria del Ciceronianismo e di altre questioni 
letterarie nell’etä della Rinascenza (libro premiato dalla R. 
Aocademia dei Lincei). Torino, E. Loescher. in-8. pag. VIII, 
136. L. 3. 

Sposizione di Ludovico Castelvetro a XXIX Canti dell* 
Inferno Dantesco ora per la prima volta data in luce da 
Giovanni Franciosi. Verona, H. F. Münster. 1 Vol. gr. 4, 
52 fogli e due tavole facsimile. M. 20, 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. $. 


80 


Trede, Th., Das geistliche Schauspiel in 8üditalien. Berlin, 
Habel. 48 S. 8. M. 1. Sammlung gemeinverständlicher Vor¬ 
träge 471. 

Wasserzieher, E., Die tragischen Züge bei Moliöre. Leip¬ 
zig, Fock. 41 S. gr. 8. M. 1. 

Zanella, Giac., Deila letteratura italiana nell’ ultimo secolo: 
Studio. Cittä di Castello, 8. Lapi. 1885. 16°. p. 237. L. 3. 
[Introduzione. — I. Letteratura francese. II. Letteratura 
inglese. III. Letteratura tedesca. IV. Costumi, Teatri. Gior- 
nali. V. Scienze. VI. Rinnovamento poetico. VH. Letteratura 
del regno dTtalia. VIII. Scuola romantica. IX. Scuola classica.] 

Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

Curti, Die Entstehung der 8prache (v. Uphues: Wochen¬ 
schrift f. klii88. Philol.* III, 1). 

W e g e n e r, Untersuchungen über die Grundfragen des 8prach- 
lebens (v. Uphues: ebd. II, 51). 


Burg, Die älteren nord. Runeninschriften (v. Heinzei: Anz. 
f. d. Alterth. XII, 1). 

Chroniken der deutschen Städte XIX. Lübeck I (v. Schrö¬ 
der: ebd.). 

Eigenbrodt, Hagedorn und die Erzählung in Reimversen 
(v. Seuffert: ebd.). 

Fastnachtspiele, Mnd., ed. Seelmann (v. Schröder: ebd.). 
Götzinger, Reallexikon 2 (v. Kossinna: ebd.). 

Jahn, Die deutschen Opfergebräuche bei Ackerbau u. Vieh¬ 
zucht (v. Roediger: D. Literaturzeit. Nr. 3). 

Parzival in neuer Uebertragung von Bötticher (v. Wacker¬ 
neil: Zs. f. die österr. Gymn. 1885, 10; v. Kinzel: Jahrb. f. 
Phil u. Päd. Bd. 132, 10/11; v. Martin: Anz. f. d. Alterth. 
XII, 1). 

Plutarch, der neue, Th. 11: Julian Schmidt, Leasing (v. 
Kl.: Lit. Centralbl. Nr. 2). 

Roth, Die Visionen der hl. Elisabeth (v. Strauch: Anz. f. d. 
Alterth. XII, 1). 

Seemüller, Studien zum kleinen Lucidarius (v. Lambel: 

Zs. f. die österr. Gymn. 1885, 10). 

Ulfilas, hrsg. von Heyne, 8. Aufl., von Bernhardt, german. 

Hilfsmittel III (v. Seemüller: ebd., 11). 

W e 11 i, Geschichte des 8onettes (v. Borinski: Anz. f. d. A. 
XII, 1). 

Zarncke, Ch. Reuter (v. Seuffert: ebd.). 

Zingerle, Die Quellen zum Alexander des Rudolf von Ems 
(v. Toischer: ebd.). 

Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Rinnen Kurzem erscheinen bei Eiwert in Marburg: „Nach¬ 
träge zu Vilmars hessischem Idiotikon“ von H. v. Pfister. 

Das von Arsöne Darmesteter und Adolphe Hatz¬ 
feld in Aussicht gestellte Französische Wörterbuch geht 
demnächst in Druck. 

Von 0. Glöde wird eine Untersuchung über das Ver¬ 
hältnis^ von Cynewulfs Juliane und Andreas zu ihren Quellen 
erscheinen. — Die Sammlung der „Pseudo-Shakespearian Plays“ 
(hrsg. von Warnke und Proescholdt; Halle, Niemeyer) wird 
u. a. enthalten: Edward III.; The Birth of Merlin; The 
troublesome reign of King John; A Waming to Fair Women; 
The Arraignment of Paris; Arden of Feversham; Mucedorus; 
George-a-Green, the Pinner of Wakefield; The Two Noble 
Kinsmen; The London Prodigal; Thomas Lord Cromwell; Sir 
John Oldcastle; The Puritan, or the Widow of Watling Street; 
The Torkshire Tragedy; Locrine. 

Unter den Thöses der l&cole des Chartes findet sich eine 
von E. Gra,nd: LTmage du monde, poöme didactique du 
XII* siede. Recherche* sur le classement des roanuscrits de 
la premiöre redaction. 

Der Jahresbeitrag der Goethe-Gesellschaft für das Jahr 
1886 ist bis zum 1. März zu bezahlen. 

Der Privatdocent an der Universität und Professor an 
der Handelsakademie zu Wien, Dr. Arnold Sehr öer, ist als 
ao. Professor der engl. Philologie an die Universität Freiburg 
berufen und wird seine Lehrthätigkeit daselbst im Sommer- 
semester beginnen. — Der Privatdocent Dr. Litzmann in 
Jena ist zum ao. Professor ernannt worden. '— Dr. Edward 
Sohröder ist als Privatdocent von Göttingen nach Berlin 
übergesiedelt 


t am 29. December zu Neuenheim bei Heidelberg Prof. 
Dr. Joh. Minckwitz im Alter von 74 Jahren. — f am 21. 
Januar zu Blois Armand Baschet, dessen Werk „Les Come- 
diens Italiens ä la Cour de France“ in unserer Januarnummer 
besprochen wurde. 

Antiquarische Cataloge: Ger sch el, Stuttgart (Engl. 
Spr. u. Lit.); Kerl er, Ulm (Deutsche Lit.); Koebner, 
Breslau (Deutsche Sprache u. Literaturgesch.); Koehler, 
Leipzig (Sprachen u. Lit. der gerra. Völker) ;List&Francke, 
Leipzig (Sprachwissenschaft); W agner, Braunschweig (Engl. 
Spr. u. Lit.). 

Abgeschlosden ara 25. Januar 1886. 
Erwiderung. 

Pauls Recension meiner Schrift „Ueber die Lautgesetze“ 
(im Januarheft des Ltbl.’s) zerfällt in drei Theile; sie kritisirt 
zunächst die Adresse an welche sie gerichtet ist, sodann ein¬ 
zelne Argumente welche sie enthält, endlich den Geist der 
sie dictirt hat. 

I. Was Paul über seine persönlichen Beziehungen zu 
anderen Forschern roittheilt, ist im Allgemeinen interessant, 
steht aber in keinem besonderen Zusammenhang mit meiner 
Schrift. Ich habe das Wort „Schule“ im weitesten Sinne ver¬ 
standen, mit Hinblick auf Stellen wie diese: „nach Allein. 

stand unter denen die sich Leskien anschlossen,.etwa 

Folgendes fest“ (Brugmann, Z. h. St. d. Sprw. S. 49), und 
nach dem Vorbild anderer wie diese: „die mit ihrer ganzen 
Kraft durch Schrift und Lehre als Vorkämpfer ihrer Schule 
auftraten“ (Ziemer, Junggr. Streifz. 8. 9). Pauls Satz: „daraus 
folgt aber nicht, dass Einer für den Andern solidarisch haft¬ 
bar sein müsste, dass nicht Jeder in der Forschung seinen 
selbständigen Weg ginge“, brauche wohl nicht gerade ich mir 
zu Herzen zu nehmen, der ich (S. 36) auf die zum Theil weit 
auseinander gehenden Interpretationen hingewiesen habe, 
welche die Lehre von der Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze 
unter den Anhängern der junggrammatischen Richtung — diesen 
Ausdruck gestattet Paul — erfahren hat. Der Gebrauch der 
Bezeichnung Junggrammatiscb“, die ich noch dazu gleich in 
der ersten Zeile mit einem vorsichtigen „sog.“ versehen habe, 
kann mir nicht verargt werden, da er zuerst, was freilich 
Paul bedauert, an sehr massgebender 'Stelle vorkommt und 
sich in den weitesten Kreisen (in Italien spricht man sogar 
von la neogrammatica) eingebürgert hat. Mir war er 
auch aus rein praktischem Grunde willkommen; ich konnte 
so schon auf dem Titel mit grösster Kürze meinen Standpunkt 
bezeichnen. 

Das Verhältniss der junggrammatischen oder neuen 
Richtung zur alten fasst man gern als scharfen Gegensatz 

auf (vgl. Ziemer a. a. O. 8. 3: „.dass auch eine völlig 

veränderte Methode sich Bahn brach. Zuerst ging man aggres- 
siv gegen die ältere Richtung vor, indem man schonungslos 
ihre Schwächen aufdeckte“); Paul spricht nur von einem 
„gewissen Gegensatz“ und gibt zu dass die neuen Principien 
erst allmälich klarer hervortraten. Ich gehe noch weiter, ich 
meine dass die „alte“ Richtung auch einmal die junge war 
und die Junge“ Richtung auch einmal die alte sein wird, 
mit anderen Worten, ich sehe von Anfang an die sprachwissen¬ 
schaftliche Methodologie beständig, wenngleich nicht immer 
in demselben Tempo fortschreiten. Was wir jetzt als neu- 
erworbenes Gut schätzen, das ist in langsamer Entwickelung 
aus den verschiedensten Quellen erflossen; die beiden be¬ 
kannten Stellen in Leskiens Schrift von 1876 vermag ich nicht, 
wie das gewöhnlich geschieht, als epochemachend anzusehen. 
Ueberhaupt leiden die meisten Darstellungen welche wir von 
vier neuesten Geschichte der Sprachwissenschaft besitzen, an 
grosser Einseitigkeit; besonders pflegt man von der „Sprach¬ 
wissenschaft“ schlechtweg zu reden und dabei nur an die 
indogermanische zu denken. Die Ungerechtigkeit gegen die 
Jüngeren, deren mich Paul zeiht (und doch habe icn S. 35 
gesagt dass ich die Verdienste der Einzelnen wärmstens an¬ 
erkenne), besteht vielleicht in nichts Anderem als in der 
Gerechtigkeit gegen die Aelteren. 

Paul meint dass ich den Satz von der Ausnahmslosigkeit 
der Lautgesetze „aus dem Zusammenhänge herausreisse in 
dem er immer vorgetragen sei“. Allein ich finde ihn da wo 
die junggrammatischen Principien erörtert werden, als „ersten 
und obersten“ besonders gestellt; und an der Spitze meiner 
Schrift, wo es galt deren Gegenstand anzugeben, konnte auch 
ich nicht anders als ihn besonders stellen, habe aber sofort 
den zweiten der beiden junggrammadsohen Hauptgrundsätze 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 2. 


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berücksichtigt, den welcher sich auf die Wirkung der Ana¬ 
logie bezieht. Diese an sich ist ja nichts Neues, auch nioht 
die hierbei geforderte Gleichstellung der neuen mit den alten 
Sprachen (vgl. u. A. das von mir Kulms Zs. XXI, 434 f. Ge¬ 
sagte). Neu ist es nur wenn Osthoff und Andere alle schein¬ 
baren Unregelmässigkeiten der Lautentwickelung als Analogie¬ 
bildungen auffassen. 

II. Paul zufolge besitzt das Material welches man ge¬ 
wöhnlich gegen die Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze Vor¬ 
gefühl t hat, als noch nicht nach den wirkenden Kräften Ge¬ 
schiedenes, ja eventuell überhaupt nicht Scheidbares, keine 
Beweiskraft; nun, wie ist das Material beschaffen welches 
sich für die Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze vorführen 
lässt? Uebrigens sehe ja ich für meinen Theil ganz vom in- 
ductiven Beweis ab. Ich hätte gewünscht, Paul hätte meine 
logischen Einwendungen der Reihe nach geprüft, insbesondere 
diejenigen welche von dem Eingreifen bewusster oder will¬ 
kürlicher Thätigkeit, von der Existeuz der Uebergangsstadien, 
von der aphoristischen Unbestimmbarkeit und tatsächlichen 
Veränderlichkeit der lautgesetzlichen Bedingungskreise her¬ 
genommen sind. Er beschränkt sich auf drei Punkte, und zwar: 

1 ) auf meine Auffassung des Verhältnisses zwischen 
(„mechanischem“) Lautwandel und Analogiewirkung. Dass, 
wenn man diese Scheidung macht, treatro = tlieatro unter die 
erste, non grieve ma lieve = non grave magis leve unter die 
zweite Kategorie gehört“ (warum greift Paul nicht zwei un¬ 
mittelbar aufeinander folgende Beispiele meiner Reihe heraus, 
lässt gerade das mir wichtige eglino amano = egli amano 
weg?), das zu läugnen ist mir nicht im Traume eingefallen. 
Wohl aber läugne ich dass diese Scheidung als eine funda¬ 
mentale ansusehen ist, dass das auf beiden Seiten Liegende 
im Gegensatz zueinander steht. Wenn nter = rnare einen 
Vorgang aufweist welcher der älteren junggrammatischen 
Anschauung zufolge ein physiologischer war, sa konnte auch 
ihr der in treatro — theatro bemerkte nicht anderB denn als 
psychischer gelten; dann also haben wir hier nicht „die un¬ 
ausweichliche Gewalt mit der die physiologischen Gesetze der 
Sprache auftreten“, sondern, „so weit von Freiheit des Willens 
überhaupt geredet werden kann, kommt dieselbe hier als bei 
einem psychischen Akte zu ihrer Geltung“ (Osthoff, D. ph. u. 
ps. M. S. 22). Was hindert uns denn die Grenze da zu ziehen 
wo die Einwirkung von Vorstellungen beginnt, mag auch der 
Inhalt derselben nur erst in Lautcomplexen, noch nicht in 
Begriffen bestehen? Ebenso ist der von mir erwähnte Unter¬ 
schied zwischen factischer und ideeller Nebeneinanderstellung 
von Wichtigkeit: eglino {amano) = egli {amano) setzt, bei nur 
begrifflicher Analogie, jene, Ciciglia = Sicilia (wofern hier 
in der That andere Wörter mit wirklicher oder scheinbarer 
Reduplication vorschwebten), bei nur lautlicher Analogie, diese 
voraus. Paul bezeichnet die von mir bei ital. ie, uo ange¬ 
nommene rein lautliche Analogie etwas zu rasch als „Unding“ ; 
er hat nämlich dabei zwei Dinge übersehen. Erstens habe 
ich eine Proportionsgleichung wie er sie verlangt, hier wirk¬ 
lich im Auge gehabt; pietra =■ petra folgte einem nicht bloss 
von dem gelehrten Sprachforscher nebeneinander gesetzten, 
sondern auch im italienischen Munde nebeneinander lebenden 
veni = vieni (vgl. einen ähnlichen Fall „Slawo-d. u. Slawo-it.“ 
S. 58 oben). Uebrigens braucht der seoundäre Lautwandel 
von dem primären nicht bloss dem Bedingungskreis nach sich 
zu unterscheiden; öfter ruft auch ein Lautwandel, besonders 
wenn er über die Grenzen seines ursprünglichen Bereichs 
hinausdringt, einen im Ausgangs- und Endpunkt nur ähnlichen 
hervor (das habe ich unter dem S. 15 genannten „parallelen 
Lautwandel“ verstanden). Zweitens ist zu bemerken dass, 
wenn bei der begrifflichen Analogie (indem der Aehnliclikeit 
der Begriffe die Aehnliclikeit der Lautgruppen entspricht) eine 
Proportionsgleichung nothwendig ist, sie es nicht ist bei der 
lautlichen Analogie. Als Beispiel für die Wirkung einer nur 
aus zwei Elementen bestehenden lautlichen Analogie habe ich 
angeführt: pi&ta — pteta. Jene complicirte lautliche Analogie¬ 
wirkung verhält sich zu dieser einfachen wie die auf mehreren 
Proportionen beruhende begriffliche Analogiewirkung zu der 
auf einer einzigen beruhenden. Vielleicht veranlasst die etwas 
verschiedene Fassung des Ausdrucks „Analogie“ einige Un¬ 
klarheit ; man wird besser thun nur von Associationswirkungen 
zu reden. 

2 ) wendet sich Paul gegen meine Annahme einer con- 
tinuirlichen Sprachmischung. Er meint „die wechselseitige 
Beeinflussung der Individuen dürfe nicht mit dem was man 
gewöhnlich Sprachmischung nennt, einfach confundirt werden.“ 
Ist das nun eine „einfache Confundirung“, wenn ich S. TO f. 


sage: „die Beeinflussung des einen Dialektes durch den anderen 

.und die Ausgleichung der Individualsprachen. 

diese Processe.sind im Wesen gleich, sie sind nur ver¬ 

schiedene Mischungsstufen“ ? Und dies stimmt zu dem S. 12 
citirten Ausspruch Pauls dass „Artunterschiede und individuelle 
Unterschiede nicht dem Wesen, sondern nur dem Grade nach 
verschieden sind“ so vollkommen dass Paul weit entfernt, 
meinen Einwänden, wie er sagt, bereits vorgebeugt zu haben, 
sie vielmehr bestätigt. Das von Paul vorgebrachte Beispiel 
habe ich nicht gegeben und hätte es um so weniger gegeben 
als diese Discussion über die allgemeine Möglichkeit scharfer 
Grenzbestimmungen sich schwer durch Beispiele erläutern 
lässt. Im Anschluss hieran macht Paul das werthvolle Ein¬ 
geständnis: „dass es ein kleines Gebiet gibt, welches sich 
aber ganz bestimmt abgrenzen lässt, für das die lautgesetzliohe 
Consequenz sich nicht theoretisch begründen lässt.“ Dann 
aber darf man doch kaum noch behaupten dass aller Laut¬ 
wandel sich nach ausnahmslosen Gesetzen vollzieht, dann 
wundert es mich dass ich Paul in der Richtung in welcher 
sich meine Schrift bewegt, nicht glücklich gewesen zu sein 
scheine; wir würden doch nicht sowohl im Ziele als im Beweis¬ 
verfahren voneinander abweichen. Wenn er weiter sich 
dahin äussert dass keiner von den Gegnern über den in Frage 
stehenden Punkt „so genau nachgedacht“ habe, so liesse sich 
das aus meiner Nichtberücksichtigung desselben noch keines¬ 
wegs folgern. Die vom „Bewegungsgeftthl“ ausgehende Er¬ 
klärung des Lautwandels welohe Paul gibt, ist mir immer 
unzureichend erschienen; näher darauf einzugehen, lag ausser¬ 
halb der Aufgabe die ich mir in meiner Schrift gesetzt hatte. 
Aber berührt habe ich wenigstens 8. 7 die von Brugmann 
(schon Morph. Unters. 8. XIV Anm. 1) angedeuteten Erschei¬ 
nungen und zwar, wie aus den oben gethanen Bemerkungen 
noch weiter erhellen wird, im Interesse meiner Sache. 

3) endlich weist Paul meine Idee dass die verschiedene 
Häufigkeit der Wörter sich beim Lautwandel bemerkbar mache, 
als „eine recht unglückliche, übrigens nicht neue“ (warum 
dieser Zusatz, da ich selbst von einer „sehr alten Erfahrung“ 
gesprochen habe?) einfach zurück, ohne meine auf seine eigene 
Theorie von der Summirung unendlich kleiner Verschiebungen 
gegründete Argumentation zu widerlegen. Er versteht nicht 
wie ich mich auf die Entwickelung proklitischer Wörter be¬ 
rufen kann: er hat offenbar die letzten Zeilen von S. 25 über¬ 
sprungen und das S. 28 über die grossentheils secundäre Be¬ 
schaffenheit der Proklisis (und Enklisis) Gesagte nicht genügend 
erwogen. Wenn, wie er behauptet, die singuläre Stellung 
häufig gebrauchter Wörter vielmehr darin ihre Ursache hat 
dass die Wirkungen alten Lautwandels an ihnen noch zu er¬ 
kennen sind, so bitte ich ihn das an den von mir angeführten 
Formen zu erweisen, z. B. mir zu sagen welcher alte Laut¬ 
wandel für usted = vue8tra merced anzunehmen oder selbst 
nur denkbar ist; hier ist ja von Pro- oder Enklisis durchaus 
nicht die Rede. 


III. Ueberrascht hat mich in Pauls Kritik nur der Schluss. 
Wenn wir da wo wir im Allgemeinen ein ernstes und eifriges 
8 troben nach Wahrheit voraussetzen, einer principiellen Auf¬ 
fassung begegnen, die wir für irrthümlich halten, so bemühen 
wir uns wohl, die Ursache dieses Irrthums ausfindig zu machen. 
Ich habe in dem junggrammatischen Satze die Nachwirkung 
Schleicher’scher Betrachtungsweise erkannt, ich habe seine 
Einfachheit und Handlichkeit als seiner Aufnahme und Ver¬ 
breitung günstige Momente bezeichnet. Warum habe ich mich 
Paul zufolge dagegen aufgelehnt? „Der Verf. mag nicht 
gern durch scharfe Bestimmungen, durch methodologische 
Grundsätze beschränkt sein; er will auch in der Wissenschaft 
seine Gedanken beliebig spazieren führen dürfen.“ Wenn es 
sich hier um eine Skizze meiner intellectuellen Individualität 
handelt (dann blieben freilich die Motive aller derer die sich 
mit mir in Uebereinstimmung befinden, dahingestellt), so über¬ 
lasse ich es Dritten zu entscheiden ob in meinen sonstigen 
Arbeiten eine Abneigung gegen die Methodologie im Allge¬ 
meinen hervortritt; eine solche aus dem in Frage stehenden 
Protest gegen eine besondere Methode erschliessen zu wollen, 
das wäre doch mehr als wunderlich. Soll irgend eine be¬ 
stimmte wissenschaftliche Methode geprüft werden, so bleibt 
ja nichts Anderes übrig als sich auf den neutralen Boden der 
Methodenlehre, der Logik zu stellen. Das habe ich gethan, 
mögen meine Dcductionen richtig oder unrichtig sein. 8o 
habe ich denn das Recht, Pauls Schlussatz: „es werde kaum 
möglich sein für Jemand der nach strenger Systematik und 
consequenter Methode strebt, sich mit mir zu verständigen“, 
dahin zu verbessern „dass es für Jedermann der sich auf 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


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den allgemein logischen Standpunkt stellt, möglich sein wird 
sich mit mir zu verständigen.“ 

Graz, 15. Januar 1886. Hugo Schuchardt. 

Es scheint mir nicht zweckmässig, auf die vorstehende 
Erwiderung näher einzugehen. Es war vielleicht überhaupt 
ein Fehler, dass ich, dem Wunsche der Redaction folgend, 
auf die Schrift Sclmchardts in dem Rahmen einer Recension 
geantwortet habe. Denn eine erschöpfende Erörterung der 
Fragen, um die es sich handelt, hätte mehr Raum erfordert 
als diese Schrift gelbst. Ich kann um so eher von allem 
Weiteren abselien, als ich für das Positive meiner Anschauungen 
auf die bevorstehende zweite Auflage meiner Principien ver¬ 
weisen kann. Nur über den Schluss möchte ich mir ein paar 
Worte erlauben. Ich bin weit entfernt davon, Sclmchardts 
eigene Leistungen gering zu schätzen, weit entfernt davon, 
leugnen zu wollen, dass auch durch blosse natürliche Begabung 
manches bedeutende Resultat gewonnen werden kann; aber 


das behaupte ich, dass die Wissenschaft im Ganzen zu einem 
stätigen Fortschritt nur durch Ausbildung einer consequenten 
Methode gelangen kann, und ich muss daran festhalten, dass 
Sclmchardts und meine Ansichten über den Werth einer 
solchen Methode weit auseinander gehen. Er hätte sonst 
wohl nicht Scherers Wort von dem Mechanisircn der Methoden 
wieder aufgenommen, welches ja nicht etwa gegen die scha- 
blonenmässige Anfertigung von Doctordissertationen gerichtet 
ist, wie sie jetzt ira Schwange ist, sondern gegen die Abwehr 
subjectiver Willkür, wie sie unter andern von Zarncke und 
mir unternommen war. Diese Methode aber, die ich im Auge 
habe, kann nicht aus blosser Logik gewonnen werden, und 
wenn Sch. jetzt meint, dass es zur Herbeiführung einer Ver¬ 
ständigung genüge, sich auf den allgemeinen logischen Stand¬ 
punkt zu stellen, so scheint mir eben daraus hervorzugehen, 
dass er von einer noch auf anderer Unterlage gegründeten 
Methodenlehre nichts wissen mag. 

B'reiburg i. B., 23. Januar 1886. H. Paul. 


NOTIZ. 

Den germanistischen Theil redigirt Otto Behaghel (Basel, Behnhofstrasso 83), den romanialischen und englischen Tbeil Fritz Xeumani 
(Freiburg i. B., Albcristr. 24), und man bittet die Beiträge (Hecensionen, kurze Notizen, Personalnachrichten etc.) dem entsprechend gefälligst tu adressirea. 
Die Kedaction .richtet an dio Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür Sorge tragen zu wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romauistiechen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Gebr. llcnuinger in lleilbronn zugeaandt 
werden. Nur in diesem Falle wird die Kedaction stets im Stande sein, über neue Public&tionen eine Besprechung oder 
kürzere Bemerkung (ln der Bibliogr.) zu bringen. An Gebr. Henuinger sind auch die Anfragen übor Honorar und Souderabzüge zu nchicn. 


Literarische Anzeigen. 


Seit 1. Mai v. J. erscheint in Wien die 

Allgemeine (Defterreicfytfcfye 
Citteraturseitimg 

(am 1., 10., 20. j eben ^ffonate). 

Herausgeber und Chefredakteur: 

$. Singer. 

Die Redaktion ist bemüht, mit dieser Zeitschrift eine „allgemeine 
Litteraturzeitung höheren Styles zu schaffen, welche nicht ein blosser biblio¬ 
graphischer Anzeiger sein, sondern aut Gruud der einzelnen Werke vom 
einheitl. Standpunkte den allgem. Fortschritt der Wissenschaft u. der Kul¬ 
tur zur anschaulichen Darstellung bringen soll.* Die Mitarbeiter der Zeit¬ 
schrift — über 350 an der Zahl u. fast durchwegs Gelehrte u. Schriftsteller 
ersten Ranges — bemühen sieb, der pedantischen Schablone, der man in 
den meisten Literaturzeitungen begegnet, aus dem Wege zu geben u. in 
geistvollem, lebendigem Style ihre Gedanken u. Urteile über die zu be¬ 
sprechenden Werke dem Leser darzubieten. — Nebst selbständigen Wissen¬ 
schaft!. Essays u. Feuilletons bringt die „Allgem. Oesterr. Litteraturzeitung* 
ausführliche Referate über die hervorragendsten literarischen Erscheinungen 
der Gegenwart auf allen Gebieten menschlichen Wissens (I. Pbilos., 11. Gesch. 
u. deren Hilfswissensch., III. Religionswiss. u. Kircbengeseb., IV. 8 tAats- 
u. Rechtswisscnsch., V. Länder- u. Völkerkunde, VI. Philologie u. Päda¬ 
gogik, VII. ßchöne Literatur, VIII. Konst u. Kunstgesch., IX. Medizin, 
X. Mathem. u. Naturwiss., XL Technik u. Kriegswissensch.). Fernerbringt 
die „Allgem. Oesterr. Litteraturzeitung* eine übersichtliche Revue der 
hervorragendsten Fach- u. belletristischen Zeitschriften; eine Revue 
der Schriften sämtl. Akademien u. gelehrten Gesellschaften; 
eine nach den einz. Wissenschaften goordnete U ob ersieht über die 
neuesten literarischen Erscheinungen des deutschen und 
auswärtigen Buchhandels. Endlich verzeichnet die „Allgem. Oesterr. 
Literalurseitung* unter der Rubrik „Mitteilungen aus der Gelehr¬ 
ten- u. 8 ch r i f tste 1 1 erwc 1 1 “ die wichtigsten Vorkommnisse in der 
Gelehrtenrepublik. Die Zeitschrift bat nicht nur den Beruf, den Fachge¬ 
lehrten in lebendigem Kontakt mit den Erscheinungen der übrigen Wissens¬ 
zweige zu erhalten, sondern ist durch seine Form auch geeignet, das grosse 
wissenschaftlich gebildete Publikum über die literarische Bewegung unserer 
Tage auf dem Laufenden zu erhalten. 

Von den ständigen Mitarbeitern seien genannt: Gymnasialdir. Dr. K. 
Abicht, Gels; Prof. Dr. H. Almkvist, Upsala; K. Baumbach, Sonneberg; 
Prof. Dr. Jürgen Bona-Meyer, Bonn; Hofr. Dr. H. v. Brachelli, Wien; O. 
Brahm, Berlin; K. Braun-Wiesbaden, Leipzig; Staat sr. Prof Alex.Brückner, 
Dorpat; Prof. Dr. Max Büdinger, Wien; Prof. Alex. Büchner, Caen ; Prof. 
Dr. Ludw. Büchner, Darmstadt; Prof. Dr. G. Busolt, Kiel; Prof. P. V. Car - 
letti, Brüssel; Prof. Dr. J. Delboeuf, Lüttich; Prof. Ilartxvig Dcrembourg, 
Paris; Ludw. Ferd. Diejfenbach, Dresden; I)r. Gustav Diercks, Dresden; 
Prof. Emil de Dillon, Charkow; Prof. Dr. Cornelius Doelter, Graz; Prof. 
Dr. Cust. Egelhaaf, Heilbronn; Prof. Dr. Friedrich Fichbaum, Giessen; 
Prof. Dr. //. Eppinger, tiraz; Reg.-Rat Jak. v. Falke, Wien; J. G. Findel, 
Leipzig; Prof. Dr. Max Flesch, Bern; L. Aug. Trankt, Wien; Dr. Karl 


Frenzei, Berlin; Prof. Dr. J. Frohschammcr, München; Carlos r. Gagcrn, 
Dresden; Dr. //'. Geiger, München; l)r. Ad. Glaser, Berlin ; Landesschulinsp. 
Dr. Ernst Gttad, Triest; Prof. Meir Goldschmidt , 'Kopenhagen ; Prof Dr. 
Herrn. Göll, Schleiz; Univcrsitnlsbibliothokar Dr. F. Grassauer, Wien; 
Martin Greif, München ; Prof. Dr. S. Günther, Ansbach; Forstrat Prof. 
Dr. Ad. v. Gnttcnberg, Wien; Prof. J. Halrvy, Paris; Kob. Hamerling, 
Graz; Prof. Ch. de Harlez, Löwen; Ed. v. Hartmann, Berlin; Oberbiblio- 
thekar Prof. Dr. Otto v. Heinemann, Wolfenbüttel; Friedr. v Hetlwald, 
Stuttgart; Ministerialrat Prof. Dr. E Hermann, Wien ; Prof. Dr. J. Honegger, 
Zürich; Bibliothekar Dr.it/ Isler, Hamburg; Holde mar Kaden, Neapel; 
Rcg.-Rat Prof. Dr. S. Kaempf, Prag; Prof. Dr. E. Kaluzniacki, Czeruowitz; 
Dr. Kob Keil, Weimar; Prof. Alex. Kirpiischnikov, Charkow; Reg-Rat 
Prof. Dr. F. Kleintvaehter, Czernowitz; Landesjrerichtsvizcprä&id. Graf 
Eduard Lamezan, Wion; Aug. Lammers, Bremen; Prof. l)r. O LaugendorJJT, 
Königsberg; Prof. Dr. G. Laube, Prag; Dr. Alb, Lindner, Berlin; Jul. 
Lippert, Berlin; LinicnschifTskapitan //. Littrow, Fiume; Reg.-Rat Prof. 
Dr. Jos. Maschka, Prag; Museumsdirektor Prof. Guido Maspero, Buiaq bei 
Kairo; L, Meinardus, Hamburg; Oberborgrni l)r. E. Mojsisovics 7>. Mojsxdir, 
Wien; Prof. P. Morozoß, Charkow; Univereitätsbibliothekar Dr. Alois 
Müller, Graz; Keg.-Hat Prof. Dr. Franz Müller, Wien; Prof, Dr. Friedrich 
Müller, Wien; Prof. Dr. Laurenz Müllner, Wien; Prof. Dr. Friedrich 
Nietzsche, Naumburg; A. Niemann, Gotha; l)r. Max Nordau, Paria; Joh. 
Nordmann, Wien; Geheimrat Prof. Dr. J. N. v Nussbaum, München; Prof. 
Jules Oppert, Paris; llofrnt Prof. Dr. Theod. v Oppolzer, Wien; Contre- 
admiral Tob. Frhr. v . Oesterreicher, Venedig; I)r. Karl du Prel, München; 
Prof. I)r. August Pott, Halle; Prof. Dr. Franz v. Keber, München; Prof. I)r. 

C. v. Kcinhardstoettner, München ; Prnf. Dr. Franz Kiegel, Giessen ; Prof. 
Dr. M. J. Kossbach, Jena; I)r. Karl Kuss, Berlin; Dr. L. Salomon, Elber¬ 
feld; Generalkonsul Dr. Karl v. Scherzer, Genua; Dr. E. Schlagintxveil, 
Zweibrücken; Dr. Rieh. Schmidt-Cabanis, Berlin; Prof. Dr. Carl Siegfried, 
Jena; Carus Sterne, Berlin ; Prof. Dr. M. Strassewski, Krakau; Prof. Dr. 
Heinr v. Struve, Warschau; Prof. Eugene de Ujfalvy, Paria; Prof. Herrn, 
t’ambery, Pest; Dr. Edm. Veckenstedt, Leipzig; Prof. Dr. Karl logt, Genf; 
Prof. Dr. Karl l’ollmbller, Dötlingen; Prof. Dr. Sartorius Frhr. v. It alters- 4 
hausen, Zü»ich; Prof. Dr. Jul. Wiesncr, Wien; Untcrslaatssekretär Yakub 
Pacha Artin, Kairo; liofrat Prof. Dr. Heinr. v . Zeissberg, Wien; Hofrat 
Prof. Dr. Kob. Zimmermaun, Wien. — Der Abonnementapreis der in der 
Stärke von 2—3 Bogen erscheinenden Zeitschrift beträgt ganzjährig 20 Mark. 


Bei Schietter (Franck & Weigert) Breslau ist soeben 
erschienen: 

„Kecueil de proverbes francais“ 

d. i. Auswahl französischer Sprichwörter mit deutscher 
Uebersetzung von Ch. C. Fleuriot, broschirt 1 Mark, 
durch jede Buchhandlung (auch durch den Verfasser 
in Warmbrunn, Langes Haus II, gegen Einsendung 
des ^Betrages in Briefmarken) zu beziehen. 


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1886. Literaturblatt ffir germanische und romanische Philologie. Nr. 2. 


86 


Im Verlage von Wilhelm Friedrich in Leipzig erschien: 


Engel, Eduard Dr.: Geschichte der englischen Litteratur von 
ihren Anfängen bis auf die neueste Zeit. br. M. 10.—, 
geb. M. 11.50. 

— Geschichte der französischen Litteratur von ihren Anfängen 
bis auf die neueste Zeit. br. M. 7.50, geb. M. 9—. 

Hirsch, Franz Dr.: Geschichte der deutschen Litteratur von 
ihren Anfängen bis auf die neueste Zeit. 

Band L Das Mittelalter, br. M. 5.50, geb. 7.—. 

Band II. Yon der Reformation bis zur klassischen 
Periode, br. M. 9.—, geb. M. 10.50. 

Band III. Yon Leasing bis auf unsere Tage. br. M. 10.—, 
geb. M. 11.50. 

Nitschmann, Heinrich: Geschichte der polnischen Litteratur 
von ihren Anfängen bis auf die neueste Zeit. br. M. 7 50," 
geb. M. 9.—. 

Rang ah A. R., Griech. Minister und Daniel Sanders: Ge¬ 

schichte der neugriechischen Litteratur von ihren Anfängen 
bis auf die neueste Zeit. br. M. 3.—, geb. M. 4.20. 

Reinholdt, Alex, von: Geschichte der russischen Litteratur 
von ihren Anfängen bis auf die neueste Zeit. br. M. 10.—, 
geb. M. 11.50. 

Sauer, K. M.: Geschichte der italienischen Litteratur von 
ihren Anfängen bis auf die neueste Zeit. br. M. 9.—, 
geb. M. 10.50. 


Agnilera, D. Ventura Ruiz: Stimmen der Weihnacht. Lieder 
aus dem Spanischen von Dr. Johann Fastenrath. br. M.2.—, 
geb. M. 3.—. 

Alessandri, V.: Grui-Sänger. Ein episches Gedicht aus dem 
Rumänischen von L. V. Fischer, br. M. 1.—. 

Andtna. Eine Auswahl aus südamerikanischen Lyrikern spa¬ 
nischer Zunge übertragen von L. Darapsky. br. M. 2.50, 
geb. M. 3 50. 

Arany, Johann: König Buda’s Tod. Ein Epos aus dem 
Ungarischen übersetzt von Albert Sturm, br. M. 3.—, 
geh. M. 4.—. 

Ans beiden Hemisphären. Englische Dichtungen des XIX. 
Jahrhunderts übertragen von Edm. Freiherr v. Beaulieu- 
Marconnay. br.. M. 3.—, geb. M. 4.—. 

Becqner, Gust. Adolfo: Ausgewählte Legenden und Gedichte. 
Ans dem Spanischen übersetzt von A. Meinhardt. br. 
M. 3.—, geb. M. 4.—. 

Björnson, Björnstjerne: Ausgewählte Gedichte. Mit einem 
Anhänge: Gedichte von Karl XV., C. Hauck, Th. Kjerulf, 
A. Munch, Oskar II., Paludan Müller, Runeberg, Wehl- 
haven, Chr. Winter. Deutsch von Edm. Lobedanz. br. 
M. 4.—, geb. M. 5.-. 

Cardncci. Giosne: Ausgewählte Gedichte. Metrisch übersetzt 
von B. Jacobson. Mit einer Einleitung von Karl Hille- 
braud. br. M. 3.—, geb M. 4.—. 

Chancer, Geoffrey: Ausgewählte Dichtungen. Im Yersmasse 
des Originals in das Deutsche übertragen von Dr. John 
Koch. br. M. 2.—, geb. M. 3.—. 

Christopnlos, Atlianasios: Lieder aus dem Neuhellenischen 
nebst einer Auswahl von Lie lern und Gedichten hellenischer 
Zeitgenossen. Im Yersmasse der Originale übertragen 
von Aug. Boltz. br. M. 2.—, geb. M. 3.—. 

Fogazzaro, Antonio: Miranda. Aus dem Italienischen über¬ 
setzt von A. Meinhardt. br. M. 2.—, geb. M. 3.—. 

Foscolo, Ugo: Von den Gräbern (Dei sepolcri). Gedicht 
übersetzt von Paul lieyse. br. M. 1.—. 

Haideblüten. Volkslieder der transsilvanischen Zigeuner. 
Verdeutscht von Dr. Heinrich von Wlislocki. br. M. 1.— . 

Iris. Dichterstimmen aus Polen. Auswahl und Uebersetzung 
von Heinrich Nitschmann. br. M. 5.—, geb. M. 6.—. 
(Volksausgabe br. M. 3.—.) 


Longfellow, H. W.: Die goldene Legende. Uebersetzt von 
E. Freifrau von Hohenhausen, br. M. 4.—, geb. M. 5.—. 

Malm, J. J.: Die Oberpahlsche Freundschaft. Ein Gedicht 
in deutsch-estnischer Mundart. Herausg. von P. Th. Falk, 
br. M. 2.—. 

Mickiewicz, Adam: Herr Thaddäus oder der letzte Einritt in 
Littauen. Eine Adelsgeschichte. Aus dem Polnischen 
metrisch übersetzt von Dr.A. Weiss. br. M.4.—, geb. M.5.—. 

Nekrassow, Nie. Alexy.: SämmtlicheWerke, aus dem Russischen 
metrisch übertragen von H. J. Köcher, Erster Bd. br. M.3.—. 

Neruda, Jan: Kosmische Lieder. Aus dem Böhmischen über¬ 
setzt von Gustav l'awikowski. br M. 1.20, geb. M. 2.20. 

Nnnez de Arce, D. Caspar: Martin Luther. Bruder Martins 
Vision. # Nach der 10. Aufl. aus dem Spanischen übertragen 
von Dr. Johann Fastenrath. br. M. 1.—, geb. M. 2.—» 

Petöfi: Der Wahnsinnige. Verdeutschung von Hugo von 
Meltzl. br. M. —.50. 

Slowacki, Julius: Maria Stuart. Drama in 5 Aufzügen. Aus 
dem Polnischen übersetzt von Ludomil German, br. M. 2.—. 

WJislocki, Heinrich von: Eine Hildebrands-Ballade der trans¬ 
silvanischen Zigeuner, br. M. —.50. 


Dorer, Edmund: Cervantes und seine Werke. Mit einem 
Anhänge: Die Cervantes-Bibliographie, br. M. ö.—. 

— Goethe und Calderon. br. M. 1.20. 

— Die Calderon-Litteratur in Deutschland. Bibliographischo 

Uebcrsicht. br. M. 1.20. 

— An Calderon. Zum 200jährigen Todesgedächtniss. Preis¬ 

gekröntes Gedicht, br. M —50. 

Engel, Eduard Dr.: Hat Francis Bacon die Dramen William 
Shakespeare’s geschrieben? Ein Beitrag zur Geschichte 
der geistigen Verirrungen, br. M. 1.—. 

— Die Uebersetzungsseuche in Deutschland, br. M. —.80. 

— Geschichte der Litteratur Nordamerikas, br. M. 1.50. 
Fastenrath, Johann Dr.: Calderön de la Barca. 2 Theile mit 

einem Anhang: Die Beziehungen zwischen Calderons „Wun¬ 
dertätigem Magus“ und Goethes „Faust“. Von der Aka¬ 
demie der Geschichte in Madrid preisgekrönte Schrift 
des D. Antonio Sanchez Moguel. br. M. Ö.ÖO. 

Heller, O.: Paul Lindau als Uebersetzer. br. —.75. 
Kertbeny, K. M.: Bibliografie der ungarischen nationalen 
und internationalen Litteratur. Bd. 1. Ungarn betreffende 
deutsche Erstlingswerke. Drucke 1454 — 16*X>. hr. M. 10.—. 

— Petöfi’s Tod — Jokai’s Erinnerungen an Petöfi. Historiseh- 

litterarisehe Daten und Enthüllungen, bibliografische 
Nachweise, br. M. 2.—. 

Kulpe, Wilhelm: Lafontaine, sein Leben und seine Fabeln, 
br. M. 3.60. 

Oswald, Eugen: Thomas Carlyle. Ein Lebensbild und Gold- 
körner aus seinen Werken, br. M. 4.—, geb. M. 5 —. 
Pechnik. Alex.. Goethe’s „Hermann und Dorothea“ und „Herr 
Thaddäus“ von Mickiwicz. Eine Parallele, br. M. 2.—. 
Schanz, Pauline: Adam Gottlob Oehlenschläger. br. M. —.50. 


Brauns, David Prof.: Japanische Märchen und Sagen. Ge¬ 
sammelt und herausgegeben. br. M. 8. — , geb. M. 9.*—. 
Goldschmidt, Wilhelm: Russische Märchen, br. M. 3.—> 
geb. M. 4.—. 

Krauss, F. S. Dr.: Sagen und Märchen der Südslaven. Aus 
Ungedruckten Quellen. 2 Bde. br. M. 12. — , geb. M. 14.—. 
Kremnitz, Mite, Rumänische Märchen, br. M.5.—, geb. M.6.—^ 


0 Zu beziehen durch jede Buchhandlung. 0 


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1886. Literaturblatt für germanisohe und romanische Philologie, ür. 2. 


88 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Encyklopädie und Methodologie 

der 

romanischen Philologie 

mit besonderer Berücksichtigung des Französischen 
und Italienischen 
▼on 

Gustav Körting* 

Erster Theil. 

I. Erörterung der Vorbegriffe. II. Einleitung in das Studium 
der romanischen Philologie, gr. 8°. XVI, 244 S. geh. M. 4.— 

Zweiter Theil. 

Die Encyolopädie der romanischen Gesammtphilologie. gr. 8°. 
XVIII, 505 S. geh. M. 7.- 

Dritter Theil. 

Die Encyclopädie und Methodologie der romanischen Einzel¬ 
philologien. (Unter der Presse.) 


Altfranzösisches 

ÜBUNGSBUCH. 

Zum Gebrauch bei Vorlesungen und Seminar Übungen 
herausgegeben 

von 

W. FOERSTER und E. KOSCHWITZ. 

Erster Theil: 

Die ältesten Sprachdenkmäler 

mit einem Facsimile. 

4 . IV S. 168 Sp. geh. M. 3 . — 

Erstes Supplementheft: 

Roland. Herausgegeben von W. Foerster. 

Unter der Presse. 


Raetoromanische Grammatik 

von 

Th. Gärtner. 

(Sammlung romanischer Grammatiken.) 

XLVIII, 208 8. geh. M. 5 —, geh. in Halbfrz. M: 6 50. 


Die 

Aussprache des Latein 

nach 

physiologisch - historischen Grundsätzen 

von 

Emil Seelmann. 

1885. gr. 8. XV, 398 8. geh. M. 8. - 


Einleitung 

in das 

Studium des Angelsächsischen. 

Grammatik, Text, Uebersetzung, Anmerkungen, 
Glossar 
von 

Karl Körner. 

I. Theil: 

Angelsächsische Formenlehre. VIII, 67 &. geh. M. 2.— 

II. Theil: 

Angelsächsische Texte. Mit Uebersetzung, Anmerkungen 
und Glossar. XII, 404 S. geh. M. 9.— 


Englische Philologie. 

Anleitung zum wissenschaftlichen Studium der 
englischen Sprache. 

Von 

Johan Storni, 

ord. Professor der romanischen and englischen Philologie 
an der Universität Christiania. 

Vom Verfasser für das deutsche Publikum bearbeitet. 

I. 

Die lebende Sprache. 

XVI, 468 8. geh. M. 9.—, geh. in Halbfrz. M. 10.Ö0. 


Elemente der Phonetik und Orthoepie 

des Deutschen, Englischen und Französischen 

mit R&cksioht auf 

die Bedürfnisse der Lehrpraxis 

von 

Wilhelm Vietor. 

Vffl, 271 S. geh. M. 4.80, geb. in Halbleinen M. 5.60. 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 


Dante-Forschungen. Altes und Neues von Karl 
Witte. 

I. Band. Mit Dante’s Bildnis» nach Giotto, nach dem 1840 
wieder entdeckten Frescobilde im Palazzo del Bar- 
gello (Pretorio), bevor dasselbe 1841 übermalt ward, 
in Kupfer gest. von Jul. Thaeter. geh. M. 12.— 

II. Band. Mir Dante’; Bildniss nach einer alten Handzeioh- 
nung und dem Plan von Florenz zu Ende des XIII. 
Jahrhunderts. geh. M. 15.— 

Moli&res Leben und Werke vom Standpunkte 
der heutigen Forschung. Von R. Mahrenholtz. 

geh. M. 12.— 

Kleinere Ausgabe geh. M. 4.— geb. M. 5.— 

Shakspere, sein Entwicklungsgang in seinen Werken. 
Von Edward Dowden. Mit Bewilligung des Verfassers 
übersetzt von Wilhelm Wagner. * geh. M. 7. 50 


Verantwortlicher Redaoteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Freiburg i. B. — Druck von G. Otto in Darmstadt. 
Hierzu eine Beilage: Verzeichniss ausgewfihlter Werke aus dem Verlage von Wilhelm Friedrich in Leipzig. 


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Literaturblatt 

für 


germanische und romanische Philologie. 

Herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Nemnanii 

o. Ö. Professor der germeniscben Philologie o. ö. Professor der romanischen Philologie 
an der Universität Basel. an der Universität Freiburg. 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 6. 

VII. Jahrg. Nr. 3. März._ 18867 


Goedeke, Grundriss zur Geschichte der deutschen | 
Dichtung; Koberstein, Geschichte der deut- , 
sehen Nationalliteratur (Lämbel). 

Eenbe, Die Grafen von Mansfeld in den Liedern 
ihrer Zeit (T o b 1 e r). 

Hofforyu. Scblenther, Dänische Schaubühne 
(Brenner). 

II alt rieh. Zur Volkskunde der SiebenbUrger 


Sachsen (Behaghel). 

Speyer, Tales from the History of England 
(Waek). 

Iteubaus. Adgars Marienlegenden (Mussafia). 
Kirchrath.Li Romans de Durraart le Galois otc. 

(Z i n g e r le). i 

Moliäre’s Werke, hrsg. v. Laun-Knöricb. XIV ' 
(Mahrenholtz). , 


Morandi, La Franceeea di Dante (Wiese). 
Hammerich, Die Kunet geineinfasalicher Dar¬ 
stellung (v. S a 11 w Q r k). 

Bibliographie. 

Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 


Goedeke, Karl* Grundriss zur Geschichte ; 
der deutschen Dichtung aus den Quellen. ! 

Zweite ganz neu bearbeitete Auflage. Erster j 
Band. Das Mittelalter. Dresden, Ehlermann. 
1884. VIII, 500 S. 8 . 

August Kobersteins Grundriss der Geschichte 
der deutschen Nationalliteratur. Sechste um- < 
gearbeitete Auflage von Karl Bartsch. Erster | 
Band. (Mit Separattitel: A. K.’s G. d. d. N. bi 9 
zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts.) Leip¬ 
zig, F. C. W. Vogel. 1884. XII, 480 S. 8 . 

Der nunmehr in zweiter Auflage vorliegende 
erste Band des als trefflicher Führer allbekannten 
und hochgeschätzten Grundrisses von K. Goedeke 
umfasst das Mittelalter, also die Bücher I—III des 
Ganzen. Schon als diese vor nunmehr 28 Jahren 
zum ersten Mal erschienen, konnte ein die ganze 
Leistung so rückhaltslos und freudig anerkennender 
Beurtheiler wie Pfeiffer nicht umhin zu erklären, 
dass diese in Bezug auf Vollständigkeit und Ge¬ 
nauigkeit der Angaben Manches zu wünschen übrig 
liessen und nur als Einleitung gleichsam zu be- ■ 
trachten* seien (Germ. II, 491). Seitdem ist die 
Forschung rastlos vorwärts geschritten und nur eine 
vollständige Neubearbeitung konnte diesen Abschnitt 
auf die Höhe derselben erheben. Der Verf. nennt ! 
denn auch den vorliegenden Band ein völlig neues I 
Werk; aus den sieben Bogen der ersten Auflage | 
sind einunddreissig geworden, und dazu hat der I 
theilweise grössere, bequemer lesbare Druck, der 
zusammen mit dem grossem Format der neuen Aus¬ 
gabe ein stattliches Ansehn gibt, doch das Aller¬ 
geringste gethan. Der Verf. bat die neue Bear- i 
beitung in einem Alter unternommen, wo Andere 
anfangen sich zur Kühe zu setzen, und bat sie, wie 
uns das Vorwort belehrt, fortgeführt unter Um¬ 


ständen, die ganz geeignet waren, ihm dieselbe nicht 
bloss zu erschweren, sondern gründlich zu verleiden. 
Wir haben daher alle Ursache das Gebotene dank¬ 
bar anzunehmen, wenn auch nicht Alles so ist, wie 
man es wünschen möchte, ja wenn man selbst ge¬ 
stehen muss, dass die neue Bearbeitung keineswegs 
überall den gegenwärtigen Stand der Forschung 
darstelle, und dass sie es leider nicht vermochte, 
diese drei Bücher durchweg auf gleiche Höhe mit 
den folgenden zu erheben, unter denen namentlich 
die Darstellung des sechzehnten Jahrhunderts als ge¬ 
radezu bahnbrechend allgemein anerkannt ist 

Ein völlig neues Werk* im Sinne einer den 
alten Aufbau von innen aus gründlich umgestaltenden 
Erneuerung ist Goedekes Buch eben doch nur im 
letzten Drittel, namentlich, worauf der Verf. selbst 
besonders hinweist, in den §§ 96—100, in welche jetzt 
mehrere früher dem vierten Buche zugewiesene 
Abschnitte herübergenommen sind (§ 96 Ritter-- 
romane und Schwankbücher, früher § 105—8; § 97 
Uebersetzungen, vgl. § 114 der ersten Aufl., sehr 
erweitert; § 98 Vorläufer der Humanisten, früher 
§ 115. 117. 120 und z. Th. 113; § 99 Die deutschen 
humanistischen Bestrebungen, so gut wie vollständig 
neu, vgl. § 113. 114. [104] der 1. Aufl.; § 100 Nieder¬ 
deutsche poetische Literatur, früher §98—100 [vgl. 
auch 103], auch ganz wesentlich umgearbeitet); aber 
auch einige andere §§ des dritten Buches weisen 
ein ähnliches Verhältniss auf (§ 73 stellt eine Reihe 
früher theils gar nicht, theils an anderer Stelle an¬ 
geführter geistlicher Dichtungen zusammen; § 86 Ge¬ 
schichtliche Gedichte, aus dem alten § 84, der die 
Reihe der lehrhaften Dichtungen unterbrach, und 
§ 141; § 90. 91, früher 90, zugleich erweitert; § 92 
Schauspiele, erhielt die Todtentänze aus § 162 an¬ 
gegliedert; § 94 Püterich, Füterer, Maximilian I., 
früher § 96. 118). Auch in den vorausgehenden 


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7 





91 


1886. Literaturblatt fflr germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


92 


Abschnitten fehlt es nicht an gelegentlichen, Aen- 
derungen der alten Anordnung (z. B. Eilhart jetzt 
vor Veldeke § 38, in den nun auch Konrad von 
Heimesfurt aus § 45 hinter Konrad von Fusses- 
brunnen eingereiht ist, und besonders die Versetzung 
des Spervogel und K. Tirol aus dem 2. Buch, § 50. 
55 ins 1. § 26. 27), aber im Wesentlichen beschränkt 
sich in diesen Theilen des Bandes die Neubearbeitung 
auf eine mehr äusserliche, allerdings sehr beträcht¬ 
liche Erweiterung durch Aufnahme des neu zuge¬ 
wachsenen, namentlich der reichen Literatur der 
letzten Jahrzehnte; in das innere Gefüge greifen 
auch die verschiedenen Umstellungen nicht tiefer 
ein, die Gliederung und Anordnung ist vielmehr im 
Wesentlichen die alte geblieben. Dass diese aber 
dem gegenwärtigen Stande der Wissenschaft nicht 
entspricht, brauche ich ja wohl auch dem Verf. 
selbst nicht erst zu sagen, und ich begreife nicht, 
was ihn, der doch seinem eigenen Werke gegenüber 
durch keine Rücksicht gebunden war 1 , abhalten 
konnte, den alten Plan entschlossener umzugestalten. 
Oder sollte er es wirklich für eine sachgemässe 
Eintheilung halten, wenn bei seiner Abgrenzung der 
Perioden und Bücher Anfänge einer neuen Ent¬ 
wickelung wie die weltliche Poesie der Geistlichen 
im 12. Jh., die ältern Minnesänger u. a. nach wie 
vor an den Schluss einer Periode und eines Buches 
(I, 2) gestellt und so von dem Höhepunkt dieser 
Entwickelung getrennt, wenn Erscheinungen wie 
der j. Titurel und Konrad von Würzburg wieder 
dem 3. Buche (§ 79) zugewiesen, sind, während doch 
andere Epigonen, darunter der Pleier, im 2. Buche 
abgehandelt werden? Aber auch innerhalb der 
einzelnen Bücher ist die Anordnung vielfach an¬ 
fechtbar. Es ist schon nicht durchaus zu billigen, 
wie in dem nun erweiterten § 10 die Merseburger 
Zaubersprüche, Karajans Hundesegen und die Be¬ 
schwörung eines Schlangenbisses (diese hätte füg¬ 
lich wegbleiben sollen, vgl. Germ. III, 127), der 
Lorscher Bienen- und der Züricher Milchsegen, das 
Hildebrandslied und die wieder so genannten ‘Spott- 
verse* vom Eber aus der St. Galler Rhetorik als 
Vertreter heidnischer Poesie der vorkarolingischen 
Zeit zusammengestellt werden, während anderseits 
auf den Eingang des in § 17 sehr kurz und wenig 
lehrreich besprochenen Wessobrunner Gebetes nicht 
einmal verwiesen ist, und auch der Rudlieb ist nun¬ 
mehr nicht eben glücklich in § 11 hinter dem Wal- 
tharius untergesteckt als Zeugniss einer weitver¬ 
zweigten epischen Poesie im vorkarolingischen Zeit¬ 
alter. Und wer wird nicht bedenklich den Kopf 
schütteln, wenn er § 30 (1. Buch) Lamprecht, Pi¬ 
latus, H. Ernst, Gr. Rudolf und den Trierer Floyris 
zusammengestellt und im 2. B. J. K. die alte weder 
auf stilistische noch landschaftliche Zusammenge¬ 
hörigkeit achtende, unchronologische und recht eigent¬ 
lich principlose Anordnung der Vertreter der höfischen 
Epik wiederfindet, so dass also wiederum in § 39 
Eilhart, Veldeke, Otte, Athis, Ulrich von Zazik- 
hoven, Konrad von Fussesbrunnen (und nun auch 
Konrad von Heimesfurt), Albrecht von Halberstadt, 

1 Freilich stellt er auch beim Yulfila die chronologischen 
Berichtigungen Bessells in Klammern neben die ältern Zahlen, 
als hätte er wio Martin zu Wackernagel berichtigende Zusätze 
zu einem fremden Werk zu geben. 


Herbort von Fritzlar und Ebernart von Erfurt, 
sämmtlich vor Hartmann, abgehandelt werden, 
Blicker dagegen, hier als der Sohn des Lyrikers 
genommen (§ 42; die Fassung von § 26, 12 ist 
mindestens unklar), nach Gottfried, zusammen mit 
Wirnt, Heinrich v. d. Türlin, Fleck und der guten 
Frau, u. s. w. Auch die Klage steht (§ 62) wieder 
vor dem Nibelungenliede (§ 63), und nur die früher 
trennend dazwischen gelegten §§ haben den Platz 
gewechselt 

Die Scheu vor Aenderungen an der alten An¬ 
ordnung ist aber wirklich nicht ganz unabhängig 
von einer mehrfach offen ablehnenden oder wenigstens 
ignorirenden Haltung gegen wohlbegründete Ergeb¬ 
nisse der Forschung. Der vorhin citirte § 38 mit 
seiner grundsätzlichen Abweisung directer Entleh¬ 
nung und Abhängigkeit eines Dichters von dem 
andern, die dann bei Otte und Ulrich v. Zazikhoven 
noch im Einzelnen wiederholt wird, lässt darüber 
keinen Zweifel, und die charakteristische Erklärung 
des § 3: ‘Andere Vorgänger sind wenig benutzt* 
(früher hiess es doch ‘Die meisten V, sind nicht 
unbenutzt geblieben*) bestätigt sich leider im Buche 
oft genug. Zäher als billig hält der Verf. an eigenen 
wie fremden, heute veralteten Ueberzeugungen fest: 
so wird, um nur einige Beispiele auszuheben, noch 
immer Ezzo als der Dichter der Summa theologiae 
(der Verf. gebraucht, für Jüngere recht unpraktisch, 
hier wie meist die alte Diemersche Bezeichnung 
‘Die Schöpfung*) vermuthet, das Lied von den Wun¬ 
dern Christi aber als anonym vorgeführt (§ 23, 1. 2), 
die Deutung des Namens Stricker, wie der Verf. 
jetzt wenigstens schreibt, auf den ‘Verflechter der 
Begebenheiten oder einen Fahrenden (vagus)* § 43 
ausdrücklich festgehalten, ebenso § 54, 2 die Identität 
des Marner mit Reimar von Zweter, § 74, 1 die 
niederdeutsche Herkunft des Alphart (wörtlich wieder¬ 
holt aus der 1. Auflage), § 6a, 4 noch immer Albrecht 
von Kemenaten selbst als der Dichter des Goldemar 
geleugnet, § 96, S. 391 über das deutsche Volks¬ 
buch von Herzog Ernst wieder die bereits von 
Bartsch S. LXXII gerügte Ansicht vorgetragen; 
Himmel und Hölle, übel in § 19 untergebracht, ist 
‘doch wohl* Prosa, die Kunstform der Geistlichen 
im 11. und ‘bis tief in das 12. Jh.* § 23 ‘wesentlich 
nur eine mit Assonanzen gezierte Prosa* u. a. Die 
zugewachsene Literatur ist in solchen und andern 
Fällen vielfach zwar eingetragen, hat aber keinen 
Einfluss auf die Darstellung genommen: so stirbt 
z. B. Eckehart IV. 1036 trotz der angeführten Ab¬ 
handlung Dümmlers (§ 11, 7 vgl. § 19), Heinzeis 
Heinrich von Melk (§ 23, 7. 9) hat auf G.’s An¬ 
sicht über das noch immer anonym aufgeführte 
Pfaffenleben so wenig Einfluss zu üben vermocht, 
wie das Berliner Heldenbuch in vorhin citirten und 
andern Fällen, und trotz Spillers Aufsatz ist § 70 
doch Albrecht v. Scharfenberg als Verf. des j. Titurel 
genannt, trotz Steinraeyer §71, 15 St. Nicolaus 
unter Konrad v. Würzburg eingereibt ist (Bartsch 
selbst hat seine frühere Ansicht nun aufgegeben I 6 , 
S. 196, 35) und § 47, 3 Lutwin ins 13. Jh. gesetzt, 
ja selbst der alte Seifrit Helbling ‘verfasste* trotz 
der zu § 82, 2 angeführten Literatur ‘1290—98 (so!) 
fünfzehn Büchlein*. Oefter aber sind die entgegen¬ 
gesetzten Anschauungen gar nicht verzeichnet, oder 


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1386. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 3. 


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wenigstens nicht am gehörigen Orte, wo sie als 
Fingerzeig dienen könnten, wie z. B. zum Rother, 
der ans Ende des 12. Jh.’s gesetzt wird, Scherers 
einschlägige Arbeiten fehlen, beim Nibelungenlied 
für die Handschriftenfrage nur Bartsch berücksichtigt 
ist; desgl. bei den Liedern des Kürenbergers § 26 
S. 48 f., wo G. mit keinem Wort auf einen Zweifel 
an der Autorschaft hindeutet und Scherers Aufsätze 
unerwähnt liess (erst § 63 S. 184 zum Nibelungen¬ 
liede wird er genannt), bei der Thiersage § 12. 22. 
33, wo erst zu dem letzteren Müllenhoffs Abhand¬ 
lung citirt, im Text aber nirgends einer andern als 
der Grimmschen Ansicht gedacht wird. Es kann 
bei einem solchen Buche überhaupt schwerlich ge¬ 
nügen, wenn entgegenstehende Anschauungen von 
tiefer einschneidender Bedeutung nur stillschweigend 
durch Anführung der sie vertretenden Literatur 
ohne jedes erläuternde Wort Berücksichtigung finden. 

Uebrigens lassen die Literaturangaben über¬ 
haupt, so fleissig und reichlich auch G. eingetragen 
hat, sowohl nach Seite der Vollständigkeit und 
Consequenz,' als der Ordnung und Bequemlichkeit 
manches zu wünschen übrig. Kein billig Denkender 
wird wegen einzelner fehlender Literaturnachweise 
viel Aufhebens machen; aber es fehlt doch auch 
Wichtiges und dabei nahe Liegendes, wie z. B. die 
einschlägigen Arbeiten Müllenhoffs und Wacker¬ 
nagels, zu § 7 (‘Aelteste Spuren*) oder die 2. Auf¬ 
lage von Haupts Erec (S. 91; dafür ist Pfeiffers 
Aufsatz 2 Mal citirt. nach dem Standort in der 
Germ, und dem Separatabdruck, ohne dass die 
Identität ersichtlich würde); neuere Ausgaben sind 
auch noch in einigen andern Fällen unerwähnt ge¬ 
blieben, selbst Müllenhoffs und Scherers Denkmäler 
nicht immer zu den einzelnen Stücken augemerkt. 
Unbequem und unpraktisch mindestens ist es, 
wenn zu den Abhandlungen der Grimm, Lachmann, 
Wackernagel nicht regelmässig die ‘kleinen Schriften* 
citirt oder Arbeiten wie Scherers Geistliche Poeten 
und Deutsche Studien nicht auch jedes Mal bei den 
einzelnen Dichtern und Denkmälern citirt werden. 
Recensionen werden mit Recht vielfach angeführt, 
aber sie fehlen auch wieder, wo man sie erwarten 
dürfte. Dass die Literaturnachweise überhaupt nicht 
immer dort stehen wo man sie suchen möchte, 
wurde schon früher erwähnt, und es kann dem Nach¬ 
schlagenden daher manches leicht ganz entgehen. 
Der Belehrung Suchende würde gewiss auch dankbar 
sein, wenn Wichtigeres (wie z. B. Lachmanns Arbeit 
über das Hildebrandslied S. 13) aus minder Belang¬ 
reichem besser hervorträte, überhaupt die Anord¬ 
nung etwas lehrreicher wäre; so hätten die auf die 
Nibelungenfrage bezüglichen Schriften nach dem 
Standpunkt, die Ausgaben nach der handschrift¬ 
lichen Grundlage geordnet und so in die reiche 
Literatur lehrreichere Uebersicht gebracht werden 
können. S. 484—492 stehen ‘Nachträge*. Der Verf. 
glaubt selbst nicht durch sie alle Lücken ausgefüllt 
zu haben und auch viele lrrthümer. Schreib- und 
Druckversehe!i, wie sie besonders in den Namen 
(Bessel st. Bessell, Pfänner st. Pfannerer, Amelang 
st. Amelung, Vilkingasaga u. dgl.) nicht selten be¬ 
gegnen, blieben unverbessert. Auch war der Verf. 
dabei nicht umsichtig und consequent genug. Es 
ist das geringste Uebel, wenn ein schon im Text 


angeführter Aufsatz wie der Müllenhoffs über Rein¬ 
hart (§ 33) darin (S. 489 zu S. 72) noch einmal 
nnchgetragen wird; S. 489 wird zwar zu S. 128, § 46, 8 
der urkundliche Nachweis des Absalon nachgeholt, 
aber aus Versehen der Sohn Johannes statt des am 1. 
Aug. 1262 bereits verstorbenen Dichters, und ausser¬ 
dem vergass der Verf. ganz seine freilich schon 
vor diesem Nachweis unglaubliche, durch denselben 
aber vollends hinfällig gewordene Conjectur (Uolrich 
st. also Ion in Rudolfs Alexander), auf Grund deren 
er S. 118 Konrad Flecke den Clies ab- und Ulrich 
zuerkennen will, zurückzunehmen. 

Es kam mir nicht darauf.an mit meinen Be¬ 
merkungen Alles zu erschöpfen. Sie werden auch 
so genügen um das an ihre Spitze gestellte Urtheil 
zu begründen und vor allzu vertrauensseliger Be¬ 
nutzung des Buches in den ersten zwei Dritteln 
desselben zu warnen. Zu unsern unentbehrlichen 
Hilfsmitteln müssen wir es nichtsdestoweniger zählen. 
Dafür sorgen namentlich die früher schon hervor¬ 
gehobenen letzten Abschnitte desselben. Je mehr 
wir uns dem Ausgange des Mittelalters nähern, 
desto festeren Boden hat der Verf. unter den Füssen, 
desto selbständiger wird er, desto günstiger ge¬ 
staltet sich für ihn das Verhältnis dessen, was er 
zu bieten hat zu dem, was man etwa nachzutragen 
oder zu bemerken hätte; zuletzt befindet man sich 
in Gebieten, wo ich meinerseits wenigstens bekenne 
vom Verf. nur dankbar lernen zu können. Einen 
§ wie den neuen über die deutschen Humanisten 
(99) wird man wohl allgemein als ‘eine bisher fehlende 
leicht zugängliche Grundlage*, auf der man weiter 
fortbauen kann, freudig begrüssen. In diesen Ab¬ 
schnitten liegt der eigentliche Schwerpunkt und 
Fortschritt des neu bearbeiteten ersten Bandes, und 
in ihnen, aber auch nur in ihnen erhebt sich dieses 
annähernd oder vollständig auf die Höhe jener 
spätem Bücher des Grundrisses, welche diesem sein 
unbestrittenes Ansehn erwarben. 

Auch der erste Band von Kobersteins Grund¬ 
riss, dessen fünfte Auflage (1872 f.) bereits von 
Bartsch bearbeitet worden, ist nach 12 Jahren in 
einer neuen Auflage erschienen. Die einschneidendste 
Aenderung, welche die neue Bearbeitung an der im 
Allgemeinen beibehaltenen Einrichtung und Anlage 
vornabm, betrifft die Abgrenzung der 2. und 3. 
Periode. In der 5. Auflage hatte Bartsch den 
Uebelstand, dass nach der älteren Scheidung der 
Perioden um 1150 Denkmäler, welche neuere For¬ 
schung einer früheren Zeit zugewiesen, in der 3. 
Periode behandelt waren, dadurch abzuhelfdn ge¬ 
sucht, dass er den Beginn der 3. Periode statt in 
die Mitte in den Anfang des 12. Jh.’s rückte, eine 
Abgrenzung, die er auch jetzt für richtiger und 
sachgemässer hält (S. X). Gleichwohl war dadurch 
jener Uebelstand nicht ganz gehoben, und darum 
sind jetzt ‘mehrere Denkmäler, die entweder noch 
dem elften oder dem Uebergang vom elften zum 
zwölften Jahrhundert angeboren, da behandelt, wo¬ 
hin sie gehören: bei der zweiten Periode (S. 74 ff.)*: 
d. h. alle die Dichtungen, die früher in § 90, 1—20 
behandelt waren (die Bearbeitung mosaischer Ge¬ 
schichten, die ältere und jüngere Judith, die 3 Jüng¬ 
linge im Feuerofen, das Lob Salomons, Friedberger 

Christ und Antichrist, Frau Ava mit Einschluss des 

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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 3. 


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Lebens Jesu und Johannes des Täufers, Ezzo) sind 
nun hinaufgerückt an den Schluss des früher aus¬ 
schliesslich Otfried gewidmeten § 46; den Ueber- 
gang bildet Himmel und Hölle’, früher nur wegen 
seiner Form § 28, 1 besprochen, also auch schon 
innerhalb dieser Periode, aber ebenso wie bei Goe- 
deke zu früh angesetzt, wenn es jetzt ausdrücklich 
als eine Dichtung des 10. Jh.’s bezeichnet wird 
(früher war es nur im Register unbestimmter als 
althochdeutsches Gedicht* verzeichnet); zum Schluss 
sind die Schade-Barack-Busch’schen Fragmente eines 
Legendars angehängt, die früher, so weit sie damals 
bekannt waren, zusammen mit der Kaiserchronik in 
§ 91, 11 Erwähnung fanden. Allerdings greift nun 
diese Denkmälerreihe z. Th. wieder ins 12. Jh., 
also streng genommen in die folgende Periode über, 
während andere, die mindestens mit demselben Recht 
hätten heraufgenommen werden können (vgl. die Be¬ 
merkung über das Hamburger jüngste Gericht im 
Buche selbst 258, 3. 4), dieser verblieben sind, und 
so ganz zweifellos rein wird sich die Abgrenzung 
überhaupt nicht durchführen lassen; anderseits, und 
das scheint mir wichtiger, erkennt man in den ge¬ 
nannten Dichtungen doch mit mehr Recht die An¬ 
fänge einer neuen Entwickelung als die Endpunkte 
einer ablaufenden, und darum wäre es, scheint mir, 
richtiger gewesen, den Beginn der 3. Periode noch 
um einige Jahrzehnte zurück gegen die Mitte des 

11. Jh.’s zu verlegen und lieber umgekehrt der bis¬ 
herigen 2. Periode Kobersteins einige Denkmäler 
zu entziehen. 

Die Zahl der besprochenen Denkmäler ist in 
der 6. Auflage um ein beträchtliches vermehrt wor¬ 
den, und zwar nicht nur um Stücke, die erst seit 
1872 bekannt wurden, sondern auch um solche, die 
früher schon bekannt aber unerwähnt geblieben 
waren. Immerhin fehlen auch einige, die bei einer 
künftigen Auflage wohl nachgeholt zu werden ver¬ 
dienten. Ohne auf Vollständigkeit auszugehn möchte 
ich nur einige namhaft machen; so unter den z. Th. 
fragmentarisch überlieferten Dichtungen des 12. Jh.’s, 
auf die Scherer9 Arbeiten die Aufmerksamkeit neuer¬ 
dings hinlenkten, etwa die Vorauer Sündenklage 
(QF. 7, 77. 12, 38), die Wahrheit (vgl. 74, 14. QF. 
7, 51. 12, 63), die beiden von Karajan Sprachdenkm. 
S. 109—112 als‘St. Paulus* edirten Fragmente (QF. 
7, 22. 12, 64. 121), der geistliche Rath (QF. 12, 
116. Zs. 20, 341), die Segen, der Spruch Übermuot 
diu alte ; bei Gelegenheit von 326, 38 könnten auch 
Christi und Mariae Tagzeiten ed. Heinzei Zs. 17, 
52 ff. erwähnt werden; unter den geistlichen Dich¬ 
tungen und Legenden der 3. Periode verdienten 
etwa noch Christi Hort von Gundacker von Juden¬ 
burg, Albertus St Ulrich, die zahlreichen Katharinen¬ 
legenden und vielleicht auch das 12 jährige Mönch¬ 
lein, unter den Novellen der Sperber, unter den 
Reim Chroniken die Kölnische des Gottfried Hagen, 
unter den didaktischen Dichtungen die Lapidarien, 
der Reuaus, unter den Prosadenkmälern die bis ins 

12. Jb. hinaufreichenden medizinisch-naturwissen¬ 
schaftlichen (Arzneibücher), unter denen der 4. 
Periode aber jedenfalls der Ackermann aus Böhmen, 
vielleicht auch Meister Ingold, unter den Dramatikern 
des 16. Jh.’s Thiebold Gart Erwähnung. 

Das Hauptaugenmerk aber bei der Neubear¬ 


beitung war nach S. IX darauf gerichtet ‘die reich¬ 
haltige in den letzten zwölf Jahren erschienene 
Literatur nachzutragen und zu verwerthen*. Wie 
ich mich bei wiederholtem gelegentlichen Nach¬ 
schlagen und Vergleichen, auch durch zusammen¬ 
hängend prüfendes Lesen verschiedener Abschnitte 
überzeugt habe, ist dieser Theil der Arbeit von 
Bartsch in der That mit grosser Sorgfalt, Umsicht 
und dem schon früher bewährten praktischen Ge¬ 
schick besorgt worden. Auch entgegenstehende An¬ 
schauungen haben in Uebereinstimmung mit dem 
von mir oben Goedeke gegenüber betonten Grund¬ 
satz in der Regel die gebührende Berücksichtigung 
gefunden. Einige wenige Ergänzungen und Berich¬ 
tigungen, wie sie sich mir gelegentlich bei Ver¬ 
gleichung mit eignen Notizen ergaben, stelle ich im 
folgenden ganz anspruchslos zusammen. S. 13, 3 
wird wieder alter, in ‘fast historischem Ansehen 
stehender* Lieder vom Zuge Filimers gedacht: bei 
Jornandes C. 4 heisst es aber ‘pene historico ritu* 
und Gervinus redet daher I 5 , 32 richtiger von dem 
‘fast historischen Charakter* dieser Lieder. — 
20, 5. Die angelsächsische Einwirkung ‘selbst noch 
in späterer Zeit* möchte ich doch nur als eine Ver- 
muthung Diemers erwähnen. — 34, 5. Zum alt¬ 
sächsischen Vers wäre auch Amelungs Abhandlung 
in Zachers Zs. 3, 253, bes. 280 ff. (die auch zu 
S. 110 f., 2silb. Senkungen, erwähnt werden konnte) 
und Sievers Zs. 19, 43 ff. nachzutragen. — 37, 12 
hätte auf MSD 2 S. 288. 296 (Durchführung des 
Endreims vor Otfried) Rücksicht und dazu Stellung 
genommen werden sollen. — 49, 5. Parallelen zum 
Hildebrandsl. auch bei Uhland Sehr. I, 164 f. — 
53, 16. (Samhaber) 1. Freistadt (st. Frauenstädt). — 
58, 6. Vgl. noch Germ. 9, 270. 271 (260). — 72, 3. 
Zu Pipers Ansicht über die Wiener Hs. des Otfried 
hätte es sich doch empfohlen gleich auch O. Erd¬ 
mann Ueber die Wiener und Heidelb. Hs. des O. 
(Berlin 1880) anzuführen. — 74, 8. 9 lässt sich die 
unbedingte Priorität der Vorauer Hs. gegen Scherer 
und Vogt doch kaum halten; auch hätte schon hier 
das 2. Heft der ‘Geistl. Poeten* (QF. 7) citirt werden 
sollen, und erwünscht wäre es wenigstens gewiss, 
wenn auch weiterhin jedesmal bei den darin be¬ 
handelten Stücken darauf verwiesen worden wäre, 
besonders wenn dort wie bei Frau Ava 75, 28 (hier 
ist auch W. Grimm Z. Gesch. d. R. 38 unberück¬ 
sichtigt) eine abweichende Ansicht vertreten wird, 
die durch Langguth (vgl. DLZ. 1880 Nr. 9) nicht 
endgiltig beseitigt ist — 75, 16—19 ist die Ver- 
muthung, dass die ältere Judith und die drei Jüng¬ 
linge von demselben Dichter sind, wiederholt, ohne 
dass des allerdings in wenig liebenswürdiger Form 
dagegen erhobenen Widerspruches (MSD 2 S. 427) 
Erwähnung geschieht. — 78, 1 1. Bessell. — 84, 24 
ist nachzutragen Zs. 20, 198 ff. — 95, 3 fehlt Scherer 
Deutsche Studien 2, 10, die erst später (zu § 106) 
citirt sind. — 98, 4 wäre neben W. Grimm auch 
Wackernagel LG. § 43, 89 zu citiren gewesen. — 
S. 100 wäre der Ort um des Ilonorius Augusto- 
dunensis als Vermittler der französischen Theologie 
zu gedenken mit Bezug auf Zs. f. d. östr. Gymn. 
1868, S. 567 ff. und MSD. — 103, 1 naebzutragen 
H. Paul Gab es eine mhd. Hofsprache? — 111, 16 
: unterliess es B. auf seine Mittheilung Germ. 18, 


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1886. Literatarblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 8. 


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49 f. zu verweisen; zu 20 wäre die abweichende 
Ansicht Martins über die Daktylen Zs. 20, 59 anzu- 
merken. — 120, 11 und 260, 25 sollte die jetzt ge¬ 
läufige Benennung ‘Rheinauer Paulus 1 nicht fehlen. 

— 121, 15 (Erz. von 2 Kaufleuten') wäre die 206, 
29 erwähnte Ausgabe Haupts ebenfalls nachzutragen. 

— 121, 22 (Schlüsse mit 4 gleichen Reimen) könnte 
auf die eigenthümliche Anwendung in dem Germ. 
5, 356 ff. (vgl. 361) herausgegebenen Fragment hin¬ 
gewiesen sein. — 124, 10. Vgl. auch Scherer D. 
Stud. I, 1 ff. — 149, 7. Zarncke Ueb. d. Fragm. e. 
lat. Alexanderliedes in Verona (Ber. in d. Verh. d. k. 
sächs. Ges. d. W. 1877 S. 57 ff.). — 162, 40. Die 
Priorität der Beziehung des vom Pfaffen Konrad 
genannten Herz. Heinrich auf Heinrich den Stolzen 
gebührt Goedeke, der sie jetzt auch geltend macht 
(Grundr. I 2 65). — 165, 57 wäre der Versuch 
Scherers, Lamprechts Alexander für Baicrn in An¬ 
spruch zu nehmen (QF. 7, 60—64. 12, 79 ff. vgl. 
74 Anm.) zu erwähnen gewesen. — 177, 32 wäre 
es wohl nicht überflüssig gewesen auf Kolbings 
Einleitung zu seiner Ausgabe des nord. und engl. 
Tristan besonders aufmerksam zu machen und 37 
fehlt die auch Goedeke unbekannte Abhandlung 1 
Heinzeis über Gottfried v. Strassburg Zs. f. d. öst. 
Gymn. 1868, S. 533 ff. Sie bespricht auch die 
kleinern ausser dem Lobgesang Gottfried noch zu¬ 
geschriebenen Stücke, denen immerhin auch eine 
Anmerkung hätte gewidmet werden können. — 181 
(Pleier) ist die von früher her gebliebene Bezeich¬ 
nung ‘steirisches’ der angezogenen Abhandlung E. 
H. Meyers gemäss in ‘salzburgisches’ zu corrigiren. — 
184,102 füge hinzu Ber. ü. d. V. d. k. sächs. Ges. d. W. 
1877 S. 111 ff. u. 1878 I, S. 41. — 191, 35 1. Loserth. 

— 197, 52 und 198, 59. Unter den dort verzeichneten 
Fragmenten des Passionais und des Buches der 
Märtyrer fehlen die Budweiser (Mittheil. d. Ver. f. 
Gesch. d. Deutschen in Böhmen 22, 33 ff.) und auch 
die von Hildebrand Zs. 16, 394 ff. (Polykarp) und 
399 (Brigida) herausgegebenen hätten an letzter 
Stelle wiederholt werden sollen. — 199, 4. Zu Lud¬ 
wigs Kreuzfahrt vgl. noch Apelt Zachers Zs. 9, 
209 f. — 201, 13 1. Lampel, auf dessen für B. zu 
spät erschienene Anzeige der Anm. 11 erwähnten 
erwähnten Arbeit Strauchs (Mitth. d. Inst. f. öst. 
Geschichtsforschung 5, 656) bei dieser Gelegenheit 
ausnahmsweise noch verwiesen sein mag. — 206, 
23 fehlt Schmidts Polemik gegen Pfeiffer bei Paul 
und Braune Beitr. 3, 178 ff. — 237, 30 kann die 
Verweisung auf Scherers D. Stud. nur auf einem 
Versehen beruhen. Denn es ist dort nicht von 
Rudolf v.-Neuenburg, sondern vom Burggrafen von 
Rietenburg die Rede. Wenn sie zu diesem und 
überhaupt zu jedem der darin behandelten Lyriker 
besonders citirt wären, wäre es freilich sehr er¬ 
wünscht. — 240, 49. Zu Wolfgers Reiseerinnerungen 
vgl. LU. Centralbl. 1877 Nr. 20 Sp. 654 ff., Germ. 
23, 236 ff. und Zarncke Zur Waltberfrago Ber. ü. d. 
V. d. k. sächs. Ges. d. W. 1878 I, S. 32 ff. — 247, 14 
(Marienlieder ed. W. Grimm) vgl. das Bedburger 
Programm von CI. Schröder lieber eine niederrhein. 
Mariendichtung des 12. Jh.’s (Köln 1863). — 254, 10. 
Gegen die Identität des Spruchdichters mit dem starken 
Boppen vgl. Martin zum Ackermann aus Böhmen 
49, l. — 261 f., 39 ist die Ausgabe Scherers Zs. 


20, 346 ff., der das Fragment Trost in Verzweiflung* 
nennt (QF. 12*102 ff) nachzutragen; so hätte auch 
zu 262, 40 die von Scherer (QF. 12, 9(D für das 
poetische Sendschreiben aufgebrachte Benennung 
( Rathschläge für Liebende’ angemerkt w-erden sollen. 
— 267, 34 wäre der Aufsatz Martins Grenzboten I 
1868 S. 32L ff. "Ein österr. Satiriker aus dem Ende 
des 13. Jh.V nachzutragen. — 427, 46. Zum Eulen - 
spiegel von 1483 sollte doch auf die Vorrede zum 
Kölner Druck von 1539 (Goedeke I 2 , 346) ver¬ 
wiesen werden: vgl. Scherer QF. 21, 27 ff. bes. 31. 
32 und 92. Goedeke in Schnorrs Arch. XI, 5. — 
428, 55. Nicht die Originalausgabe des Faustbucbs 
von 1587 ist bei Scheible wieder abgedruckt, son¬ 
dern die Ueberarbeitung aus demselben Jahr (bei 
Zarncke S. XII der Einleitung zu Braunes Neu¬ 
druck). — 450, 32. Thausing Dürer. 2. verb. Aufl. 
1884. 

Die äussere Einrichtung des Buches ist dadurch 
bequemer geworden, dass die Zahl der §§ nun auch 
im 1. Band durchweg am Rande beigefügt wurde. 
Auch das Register weist einige der bequemeren 
Benutzung dienende Verbesserungen auf: so wusste 
1 dasselbe früher z. B. nichts von einem Friedberger 
Christ, jetzt ist dieses Denkmal auch unter dieser 
Benennung verzeichnet, und es wäre nur zu wün¬ 
schen, dass auch sonst die jüngeren Bezeichnungen 
noch mehr berücksichtigt worden wären. Auch 
wäre noch ein und das andere Schlagwort (z. B. 
Stadtrechte 277, 33) einzufügen und gelegentlich 
eine zweckdienliche Verwaisung (vgl. z. B. Marien¬ 
leich und Sequenz, ‘Marienlied, Molker und ‘Lob¬ 
lied, altes auf Maria), oder ein unterscheidender 
Beisatz (so zu dem österr. Satiriker Heinrich ‘von 
Melk) anzubringen. S. 453 Athis 1. 168 (st. 178). 
464 Jüngstes Gericht, poet Schild 1. 25Ö (st. 242): 
unter Ruprecht v. Würzburg fehlt das Citat 121, 15. 

Einem Buche wie dem vorliegenden den üblichen 
Empfehlungsbrief mitzugeben oder meine beschei¬ 
denen Anmerkungen durch die ausdrückliche Ver¬ 
sicherung, dass sie weder bestimmt noch fähig seien 
die ihm gebührende Anerkennung zu schmälern, 
hinterher abzubitten, halte ich Tür überflüssig. 

Prag, Nov. 1885. H. Lambel. 


Die Grafen von Mansfeld in den Liedern ihrer 
Zeit. Volkslieder aus dem XVI. und XVII. Jahr¬ 
hundert, gesammelt und erläutert von Heinrich 
Kembe. Halle, O. Hendel. 1885. VIII, 60 S. gr. 8. 

Aus dem Vorwort dieser Schrift ist nicht er¬ 
sichtlich, ob dieselbe zu einem besondern Anlass, 
etwa zu einer Gedächtnisfeier des Mansfeldischen 
Hauses oder Landes, verfasst und darum in ein so 
stattliches Gewand gekleidet wurde. Es wäre wohl 
denkbar, dass man zu einem Zwecke von jener Art 
die ältern Poesien, die über die Grafen von Mans¬ 
feld vorhanden und nicht Jedermann zugänglich 
sind, zusammenfassen und auffrischen wollte. Sonst 
ist die vorliegende Herausgabe derselben kaum zu 
begreifen und zu rechtfertigen; denn die Lieder 
sind fast alle schon gedruckt, grösstentheils in Samm¬ 
lungen, welche jedem Gelehrten leicht zugänglich 
' sind, und auch der poetische Werth derselben geht 


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1880. Tjitorjitiirblatt für irerrrmniRohe und romanische Philologie. Nr. 3. 


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nicht über das mittlere Mass hinaus, welches politisch¬ 
historischen Gedichten jener Zeit überhaupt zukommt. 
Die Grafen von M., denen die Sammlung gilt, sind 
Albrecht VII., der im Schmalkaldischen, und Ernst, 
der im xlreissigjährigen Kriege sich einen Namen 
gemacht hat. Nur kurz wird in einem der Lieder 
(Nr. 7 S. 15) der Graf Johann Georg von M. er¬ 
wähnt, der als Rath des Herzogs Moritz von Sachsen 
mit diesem als Verräther an der protestantischen 
Sache erscheint. Hervorzuheben wegen volkstüm¬ 
lich lebendigem Charakter ist das Lied von der 
Belagerung von Magdeburg (S. 10), das von der 
Schlacht bei Wiesloch (S. 27) und das von der 
Schlacht bei Dessau (S. 43), während der ‘Mans- 
feldische Trommelschlag* (S. 18—22) schon seiner 
äusseren Form nach kein Lied ist und durch seine 
stark mit Latein gemischte, stellenweise auch ganz 
lateinische Sprache jeden Anspruch auf Volkstüm¬ 
lichkeit entbehrt. Uebrigens scheint dieser ‘Mans- 
feldische Trommelschlag* einen Nachklang zu finden 
in dem eidgenössischen Trommelschlag* aus dem 
Jahre 1656; s. meine Schweizerischen Volkslieder 
Band I S. LXI. ‘Volkslieder* können auch die 
(S. 46—49 mitgetheilten) Gedichte Weckherlins auf 
Ernst von Mansfeld nicht genannt werden. 

Was der Hrsg, zur Wort- und Sacherklärung 
beibringt, ist ausreichend und die Nachweise der 
Quellen sind sorgfältig. Im Anhang ist ein Lied I 
auf die Eroberung von Hettstädt 1433 mitgeteilt 
(dessen fünfzeilige Strophe auch schweizerische ! 
Lieder aus der zweiten Hälfte jenes Jahrhunderts ! 
zeigen; s. meine Volkslieder Bd. II, S. 74. 88) und ! 
zum Schluss die Melodien von sechs Liedern. j 
Zürich, Nov. 1885. Ludwig Tobler. 


Dänische Schaubühne. Die vorzüglichsten Ko- ; 
mödien des Freiherrn Ludwig von Holberg. In j 
der ältesten deutschen Uebersetzung mit Ein- I 
leitungen und Anmerkungen neu hrsg. von Dr. I 
Julius Hoffory und Dr. Paul Schient her. 

1. Band (Lieferung 1—4). Berlin, Reimer. 1885. 
M. 4. 

Man kann nicht recht erkennen ob durch die 
„dänische Schaubühne“ der grosse Norweger oder 
ob die deutsche Uebersetzungskunst des vorigen 
Jahrhunderts verherrlicht werden soll. Fast möchte 
man das letztere glauben; und doch ist das Interesse 
für die Uebersetzung als solche wohl kaum so gross, 
dass nicht die noch übrigen Exemplare in den 
Bibliotheken genügt hätten, es zu befriedigen. Man 
erklärt freilich auf dem Umschlag der ersten Hefte 
das der alten Uebersetzung eigene „ehrbar zierliche 
Zöpflein“ erhöhe den humoristischen Reiz; aber | 
einmal haben H.’s Lustspiele eine Erhöhung der 
Komik nicht nöthig, am wenigsten durch Mittel, an 
die Holberg selbst nicht dachte, anderseits ist gerade 
der Zopf in den Uebersetzungen vielfach dem Origi¬ 
nal fremd und erhöht nicht die komische Kraft, 
sondern zeigt wie tief der Uebersetzer unter dem 
Dichter stand. Die dänische Schaubühne ist Alles 
eher als eine Musterübersetzung. Während Holberg 
der französischen Bearbeitung (Le Theatre Danois ... 
Traduit par Mr. G. Fursman. 1746) seine Aner- i 


kennung zollte, bat er das bei der deutschen unter¬ 
lassen. Die deutschen Uebersetzer — denn es sind 
ihrer mehr: Detharding, J. G. L(aub) und ein Un- 

f enannter (A. G. Uhlich?) — haben sich manche 
'reiheit erlaubt; nicht bloss den Namen sondern 
oft auch den Schauplatz verändert. Nun scheint 
dies allerdings H. selbst an einer Stelle vorzu¬ 
schreiben (Just Justesens Betsenkning over Comoc- 
dier 1723), aber er fordert dort völlige Umarbeitung 
der Charaktere; und später (1746) ist er ganz 
damit einverstanden, dass die franz. Uebersetzung 
an den Namen, am Schauplatz nicht geändert hat 
(„das hiesse ... nordische Komödien maskhren und 
sie französisch verkleiden“). Ehe ich an die Zu- 
thaten der neuen Herausgeber gehe sei die alte 
Uebersetzung etwas näher geprüft; ich halte mich 
in erster Linie an den Politischen Kannengiesser. 
Von den gewaltsameren Aenderungen will ich nur 
eine hervorheben, dass Ehrlichs Werbung, die Hol¬ 
berg so geschickt hinter die Koulissen verlegt, hier 
sich auf der Bühne abspielt und recht matt ausfällt. 
Auch andere Zusätze sind mit w’enig Geschick ge¬ 
macht. Oft wird durch ein Wort der ganze Sinn 
verkehrt. So I, 2, wo als Grund für das Vornehm¬ 
thun Bremes angegeben wird: „Er geht mit etwas 
schwanger, was zum Henker es sein mag“; fasst 
der Uebersetzer den Satz als letztes Glied der 
Aufzählung und sagt „Anietzo geht er mit einem 
gewissen Dinge schwanger, Gott weis w*as es seyn 
mag?“ I (4) sagt Antonius zu Geske: „Ihr Mann 
geht mit einem Bürgermeister schwanger* 4 , Dethar¬ 
ding fügt ungeschickt ein „wohl gar“ hinein. I (7) 
heisst es bei H. wenn Leute in ein Collegium kommen, 
kennen sie ihre Freunde nicht mehr. Deth. schreibt 
-diese Leute“ und denkt an den concreten Fall. 
IV 7 , 4 sagt die Magd, sie habe schon ein Paar 
Schuhe bei dem Hin- und Herlaufen durchgegangen, 
D. macht „mehr als ein Paar“ daraus, u. s. f. — 
Bezeichnend für die Zeit wie für die von H. ge¬ 
wollten Charaktere sind die vielen Fremd Wörter. 
Der Uebersetzer setzt meist deutsche dafür ein* 
so für Alfection, decidiren, divertiren, kritisiren 
(„lästern“), arrestiren,Deputirter, Desperation, agiren, 
Monfr^re, Masoeur, curiös u. s. w. Drastische 
Bilder, sprichwörtliche Redensarten werden in all¬ 
tägliche, platte Rede umgesetzt. So gleich am 
Anfang: für „Mein Herz sitzt mir, weiss Gott, im 
Hals“ hat D. „Gewiss! ich weiss selbst nicht, wie 
mir ist; so verwirrt bin ich“. I, 7 Orig.: „Will sie 
reinen Mund halten“, Det.: „Wenn sie mich nicht 
verrathen will“. III, 1 Orig.: „helfen diese Maschine 
in Gang zu bringen“, Deth.: „Beystand in dieser 
Sache“. V, 1 „Jetzt blüht mein Weizen (geht mein 
Pflug)“, Deth.: „Nun gibt es w r as zu verdienen“. 
Breit und matt lesen sich auch sonstige Stellen, 
z. B. I, 2: „Nichts sonst?“ Deth.: „Wo er sonst 
nichts sagen will“. I, 4 „Es ist schrecklich mit 
meinem Mann“, Deth.: „Ich weiss nicht, was ich 
von meinem Manne sagen soll“, I, 7 „Das sind 
lauter Mordskerle (feiste Kerle Orig.) um von Staats¬ 
sachen zu reden“, Deth.: „Das sind alles vortreff¬ 
liche Leute, und recht geschickt“. V, 1 „Der Kerl 
will geschmiert sein“, D.: „Der Kerl will Geld 
haben“; „Gemeiner, liederlicher Schlingel“, D. „Gern. 
...Mensch“ u. s. f. Kräftige Worte werden aus- 



; « • 


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101 


1886 Lifceratnrblatt für germanisch© und romanische Philologie. Nr. 3. 


102 


gelassen (Flüche, Betheuerungen, Schimpfnamen) 
oder abgeschwächt, manchmal ungeschickt über¬ 
trieben: Orig.: Narr, Geck, D.: wunderlicher Mann. 
Orig.: »Mag der Teufel mit den Leuten zu thun 
haben“, D.: „Denn ich mag mit solchen Leuten 
u. s. w.“ H. lässt sein Collegium ‘schwatzen*, in 
die Landkarten ‘gucken*, D. sich beratschlagen, 
sprechen, sehen. Schiefe Uebersetzungen finden 
sich in grosser Zahl, wie Liebe statt Wohlwollen, 
den Zweck erlangen statt sie (die Pernille) be¬ 
kommen, einen Arzt zum Besten des Hauses halten 
st. für das ganze Haus, Begebenheit st. (noch aus- 
zufübrenden) Streich, Unachtsamkeit st. Gleich¬ 
giltigkeit oder Säumigkeit. Es würde zu viel Raum 
einnehmen, wollte ich die unlogischen Satzverbin¬ 
dungen vorfuhren. Ein paar falsche Uebersetzungen 
mögen dagegen noch erwähnt werden K Curiesk 
I, 1 heisst nach Liebenberg ‘eingebildet* nicht ‘wun¬ 
derlich*; nur Lambert, der doch vom Original nichts 
verstand, hat aus natürlichem Takt geändert ‘thue 
etwas vornehm*. Derselbe hat gefühlt (was bis 
Oehlenschläger und Prutz niemand sonst beachtete), 
dass die Replik: „H. — er sitzt und liest. Ehrl.: 
So ist er frömmer als ich“ ein Unsinn ist. Leese 
bedeutet jetzt noch in Norwegen ein Gebet sagen 
oder den Katechismus lernen, ln einer modernen 
Uebersetzung könnte man, wo es jetzt Katechismen 
für Alles gibt, geradezu sagen: liest seinen Katechis¬ 
mus. — Ebd. ‘ich bin verlobt* Deth. ‘i. b. bekannt*, 
‘schlecht und recht sagen*, D. ‘kurz sagen*; ‘aus 
Trieb und Anreizung*, D. ‘aus Neigung und Liebe*; 
V, 2 ‘Unsere Freunde sollen es zu Ende führen*, 
D. ‘— den Beschluss machen*; V. 3 ‘der den Namen 
hat, freundlich gegen alle zu sein*, D. ‘der sich auch 
längst dadurch einen grossen Namen erworben hat, 
dass er allen und jeden so leutselig begegnet*. Dass 
Danismen stehen blieben ist nach diesen Proben 
nicht zu verwundern. Nok und endelig haben dem 
Uebersetzer besonders zu schaffen gemacht. Die 
Interpunktion, oft ganz sinnlos von unserem Stand¬ 
punkt aus, ist von den Herausgebern wie es scheint 
auch zur Erhöhung der komischen Kraft beibehalten 
worden. Sehen wir uns nun ihre Zuthaten an. 
Die Anmerkungen und Klammern im Text sind sehr 
ungleiehmässig und unzulänglich. Ein ‘Ey* des 
Uebersetzers wird wohl eingeklammert, grössere 
Zuthaten passiren unbemerkt. Manche Wörter 
werden erklärt, wie ‘Schaaf* als Getreidemaass, was 
doch der jetzigen Generation noch wohl im Gedächtniss 
ist. der Danziger ‘Lachs* z. B. oder ‘Fleischschrangen* 
nicht. Gleichgiltige Aenderungen werden angemerkt 
(ist ‘Essenseimer* = Madspand S. 45 3 Berliner Pro¬ 
vinzialismus?), falsche Uebersetzungen ignorirt. Die 
Einleitungen geben ausführlich Rechenschaft über 
Holbergs Vorlagen und einzelne, meist Werlauff 
entlehnte Erklärungen über historische oder lokale 
Anspielungen. Ueber die Uebersetzungen ausser 
der Schaubühne hören wir aber nichts. Sd hätte 
heim politischen Kannengiesser die dänische Be¬ 
arbeitung von Paulli (Schl.-H. nennen ihn Pauli) 
unerwähnt bleiben können, dagegen die hoch- und 
plattdeutsche Uebersetzung von 1742/3 angeführt 


i Die von den Herausgebern geänderten sind gewöhnlich 
nur freie, nicht eigentlich falsche Wiedergaben! 


werden sollen, und wollte man nur von Detharding und 
Gen. sprechen, so wären z. B. ausser den Neudrucken 
von 1750 (Erfurt und Leipzig; oder ist es bloss 
einer?), die Umarbeitung: Der politische Wagner¬ 
meister, Wien 1767, dann die an vielen Stellen vor¬ 
trefflich gelungene Umgiessung in ein Faschings¬ 
stück: Der politische Zinngiesser, München 1787, 
anzuführen gewesen. Die letztere wurde, wie der 
Theaterbericht in der Münchener ‘Muse* angibt, nur 
einmal, am 18. Februar 1787, aufgeführt, ihr Be¬ 
arbeiter ist „Herr Lambert“. 

Ich meine, der Plan zu vorliegender Ausgabe 
ist nicht genügend überlegt und etwas zu rasch 
ausgeführt worden. Das Urtheil, das sich ein 
grösserer Leserkreis aus ihr über den grossen nor¬ 
dischen Dichter bilden muss, wird kein ganz rich¬ 
tiges sein, wenn die Uebersetzer auch noch viel von 
der Kraft des Originals erhalten haben. Das letzte 
(10.) Heft der Schaubühne soll Abhandlungen von 
Hoffory und Sehlenther über Holberg und über 
seine Bedeutung für Deutschland bringen; sie werden 
hoffentlich besseren Dank verdienen als die Er¬ 
neuerung der alten Uebersetzungsversuche. 

München, 17. Jan. 1885. O. Brenner. 


Zur Volkskunde der Siebenbürger Sachsen. 

Kleinere Schriften von Josef Haltrich. In 

neuer Bearbeitung herausgegeben von J. Wolff. 

Wien, Graeser. 535 S. 8. 

Ein schönes und reiches Buch, getragen von 
warmer vaterländischer Begeisterung und durchweht 
von heiterem Humor, aus der Hand zweier Männer, 
die hochverdient sind um die Erforschung sieben- 
bürgischen Volksthums. Nicht ohne Grund ist das 
Buch zum hundertjährigen Geburtstag Jakob Grimms 
erschienen; allenthalben zeigt es sich, dass es Grimms 
Anregungen gewesen, die Haltrichs eifrige Thätig- 
keit bestimmt haben. Die Schriften Haltrichs, die 
hier in chronologischer Ordnung vereinigt sind, und 
die durch Wolff vielfache Ergänzung und Berich¬ 
tigung erfahren haben, gelten dem Märchen, dem 
Kinderleben, dem Aberglauben, dem Volkswitz und 
der Rede des Volkes, seinen Inschriften. 

Es wäre zu wünschen, dass von vielen Gebieten 
der deutschen Zunge uns Beschreibungen wie die 
vorliegende zu Gebote stünden. Besonders frucht¬ 
bar würden sich derlei Zusammenstellungen er¬ 
weisen, wie sie hier von formelhaften Ausdrücken, 
von Redewendungen für trinken, schlagen und 
sterben gemacht sind; man möchte freilich hier 
noch gar manche andere Kategorie vertreten sehen, 
wie betrügen, schelten, stehlen, für die 
ebenfalls in den deutschen Dialekten ein reicher 
Vorrath von Bezeichnungen besteht. Es würden 
damit die Grundlagen zu einer dialektischen Syno¬ 
nymik geschaffen werden; welchen Werth eine 
solche für die Geschichte der Bedeutungen, für die 
etymologische Forschung haben würde, liegt auf 
der Hand. 

Basel, 22. April 1885. Otto Behaghel. 


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103 


1S86. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


Speyer, Ö. f Tales from the History of Eng¬ 
land. Leipzig, Baumgärtner. 1885. IV, 93 B. 
M. 0,90. 

An und für sich bieten Percy’s Tales of the 
Kings and Queens of England einen für die Ober¬ 
tertia ebenso geeigneten historischen Lesestoff wie 
etwa Scott’s Tales oder Dickens’ A Child’s Hist, of 
Engl. Vorliegende Bearbeitung will dem Schüler 
bei der Präparation durch Anmerkungen unter und 
Accente in dem Text die für seinen Standpunkt 
etwa erforderliche Hilfe gewähren. Die Anmer¬ 
kungen bestehen ausser sehr wenigen sachlichen 
Erklärungen im wesentlichen aus Verdeutschungen 
von Wendungen und Vokabeln. Dabei wird der 
Hrsg, dem in der Vorrede ausgesprochenen Grund¬ 
satz, dem Fleisse des Schülers überlassen zu wollen, 
was er selbst ohne grosse Schwierigkeit finden kann, 
oft untreu, indem er eine Menge Dinge übersetzt, 
die jedes Wörterbuch beim ersten Blick aufklärt, 
und selbst bei ganz einfachen Constructionen wie 
to Order mit dem Acc. c. Inf. den Schüler des Nach¬ 
denkens überhebt. Noch weniger befriedigt die 
andere Art der Beihilfe. Abgesehen von der Frage, 
ob Accente nicht besser ganz fehlen, da es auf 
dieser Stufe rathsam erscheint, dass der Lehrer das 
zu präparirende Stück vorher mit den Schülern 
durchgehe, um Aussprachfehlern möglichst vorzu¬ 
beugen, vermissen wir bei der Anwendung des Akut 
zur Bezeichnung der Tonsilbe in diesem Buche 
Princip, Gonsequenz und, was das schlimmste ist, 
Correctheit. Von groben Accentuationsfehlern fallen 
bei erster Durchsicht auf: S. 1 mondstery (und so 
bis S. 4 noch 5 Mal), relics, S. 19 turmoil als Subst., 
S. 24 forfeited, S. 26 cönsent, S. 29 rescüed, S. 31 
injüred, S. 36 retinue (ebenso S. 71), intlmacy und 
refüge, S. 37 arröyance, S. 40 Urrific und desgl. 
S. 67 pdcific, S. 42 prosecuted, S. 45 situdted, S. 46 
viölently, S. 55 Ginoese (4 Mal), S. 64 resolütely, 
S. 91 verlangt das Metrum doch Eugene, ibid. Car- 
lisle, und nicht weniger als 6 Mal (S. 23, 28, 60, 
80, 81) advirsary. Hierzu kommen noch einige 
Druckfehler: S. 7 ande, S. 15 hat, S. 23 of of und 
defield, S. 39 thrink, S. 49 fehlt vor Somme der 
Artikel, S. 80 murderes. Alles in Allem entspricht 
die Ausgabe den Ansprüchen, die heutzutage an 
ein Lehrmittel gestellt werden dürfen und müssen, 
wenig. 

Colberg, Mai 1885. - Gustav Wack. 


Neuhaus, Carl, AdgarsMarienlegenden. Nach 
der Londoner Hs. Egerton 612 zum ersten Mal 
vollständig hrsg. Heilbronn, Henningen 1886. 
XLVIII, 259 S. 8. (Altfianzös. Bibliothek hrsg. 
von Wendelin Foerster Bd. IX.) 

Man merkt dieser Publikation leicht an, dass 
sie nicht aus üinem Gusse entstanden ist. Dem 
allgemeinen Gebrauche entgegen ist offenbar die 
Einleitung früher als der Text gedruckt worden. 
Dies erhellt aus folgenden Momenten: 1. mehrfach 
wird auf die lateinischen Fassungen verwiesen, 
welche am Fusse de9 französischen Textes mitge- 
theilt sein sollen; davon findet sich jedoch — bis 


104 


auf ein paar kurze Hinweise — nichts 1 ; 2. in dem 
Verzeichnisse der beiden gedruckten Adgarschen 
Legenden (S. III) fehlt der von Wolter (im Jahre 
1879) herausgegebene Judenknabe; im Texte wird 
wenigstens ‘Bibi. Norm. 11* erwähnt; 3. von einzel¬ 
nen Legenden wird (S. XXX) gesagt, sie fänden 
sich weder in den vom Hrsg, zu Bathe gezogenen 
lateinischen Handschriften, noch irgendwo anders 1 ; 
und in den Nachweisen vor dem Texte wird doch 
die eine oder die andere lateinische oder französische 
Fassung verzeichnet; 4. bei mancher Legende wird 
vor dem Text angegeben, dass eine Fassung in 
französischen Versen sich auch in einer Londoner 
Hs. — Harl. 4401 — findet; hätte der Hrsg, von 
dieser Hs. schon beim Drucke der Einleitung Kunde 
gehabt, so hätte er wohl über sie irgend eine Mit¬ 
theilung gemacht. 

Da bereits Rolfs im ersten Bande der Roman. 
Forschungen über das Sprachliche und das Metrische 
abgehandelt hat 2 , so beschränkt sich der Hrsg, in 
der Einleitung auf eine Untersuchung der Quelle 
Adgars, also auf denselben Gegenstand, welcher den 
Inhalt seiner hier zum Theil reproducirten Disser¬ 
tation ausmacht. Er hat auch bei dieser Gelegen¬ 
heit mit demselben spärlichen Material operirt. Die 
zwei einzigen lateinischen Legendensammlungen, 
welche er näher untersucht hat — Cleop. C. X und 
Arundel 376 — lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. 
Er müht sich vergebens ab, zwischen ihnen und 
1 dem Buche Alberichs, Adgar9 Vorlage, einen innigeren 
' Zusammenhang zu finden. Dies kann ihm selbst¬ 
verständlich nicht gelingen. Um mich nicht zu 
| wiederholen, verweise ich auf meine Ausführungen 
im Ltbl. 1885 Sp. 19, wo ich dargelegt habe, dass 
| zwischen Alberich und den zwei angeführten Hss., 
wenigstens wie sie uns jetzt vorliegen, keine grössere 
j Verwandtschaft zu erkennen ist, als zwischen 
; dem ersten und jeder beliebigen umfangreicheren 
! Sammlung von Marienlegenden aus dem XI. oder 
XII. Jh. Auch mit der jetzt neu ausgesprochenen 
Vermuthung, es sei ‘in hohem Grade wahrscheinlich, 
dass Alberichs Buch eine Mirakelsammlung von 
| etwa 60 Geschichten war 1 wird man sich durchaus 
j nicht einverstanden erklären. In der Einleitung zum 

| 1 S. XVII liest man: ‘In meiner Textausgabe der Ad- 

1 garsohen Legenden gebe ich die jedesmaligen Hauptvarianten 
: zwischen Cleop. und Ar. (den vom Hrsg, untersuchten latein. 
I Hss.) am Fusse der Seiten an/ Ebenda wird betreffs des 
Theophilus auf diese Varianten besonders hingewiesen. S. XVIII: 
; 'Die Varianten zu den einzelnen Legenden in Cleop. und Ar. 

siehe wieder unten im Texte/ Ebenda: ‘27 Ar. entspricht, 
I bis auf die unten im Texte zu 13 Eg. angezogenen Varianten, 
| der 34 Cleop/ S. XXXII—III ist von einer Gegenüberstellung 
< von 32 Eg. mit 29 Ar. die Rede, wobei einzelne Stellen mit 
| Ziffern versehen seien; 'ich überlasse es dem Leser, die Grund- 
i Verschiedenheit zwischen der lat. Version und den französischen 
! Versen sich sebst klar zu legen/ Und so noch an manch* 
! anderer Stelle. Für das Fehlen dieser versprochenen Behelfe 
i ist allerdings oft — nicht immer — ein Ersatz in der Doctor- 
dissertation des Hrsg.’s zu finden. 

2 Schade, dass dieser sonst fleissigen Arbeit manche 
Gebrechen anhafteo. Duroh die stete Verquickung der Unter¬ 
suchung des Werkes Adgars mit jener der zwei letzten Legen- 
i den der Hs., welche von einem anderen Verfasser herrühren, 
I wird die Uebersicht sehr erschwert. Da Rolfs nur nach einer 
| modernen Copie arbeitete, bringt er Manches zur Sprache, 

; was in der Hs. nicht steht. Dazu kommen mehrere theils von 
j Flüchtigkeit, theils von geringer Sprachkenntniss herrührende 
I Versehen. 


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105 


1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie.. Nr. 8. 


106 


Theophilus sagt doch Adgar, er wisse zwar, dass 
diese Legende schon übersetzt worden sei; da er 
sie aber in seiner Vorlage finde, dürfe und könne 
er sie nicht überspringen. Und am Schlüsse erklärt 
er, er kenne zwar aus anderen Büchern noch manche 
Erzählung, wolle aber vor der Hand ( ore ) nichts 
mittheilen, was in dem Werke seines Gewährsmannes 
fehle. Wir sehen ihn also sich einerseits der Mühe 
unterziehen, bereits Bekanntes noch einmal zu über¬ 
setzen, anderseits dem Wunsche widerstehen, die 
lieb gewordene Beschäftigung fortzusetzen, Beides 
nur um von seinem Originale nicht abzuweichen; 
und da sollte er eine Auswahl getroffen und nur 
etwa zwei Drittheile der ihm vorliegenden Samm¬ 
lung übersetzt haben? Ich gestehe, nicht einsehen 
zu können, wie der Hrsg, diese zwei Stellen, die er 
doch selbst (S. XXXI) hervorhebt, mit der Ansicht 
in Einklang bringt, dass Alberichs Buch weit mehr 
enthalten habe, als uns Adgar bietet 3 . 

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich, dass alle 
Auseinandersetzungen über das gegenseitige Ver- 
bältniss von Cleop. und Arund. und von diesen zwei 
Handschriften zu Adgar oder vielmehr zu Alberichs 
Buch wohl als Beiträge zu einer Gesammtarbeit 
über die Sammlungen von Marienlegenden ange¬ 
sehen werden können, aber mit Adgar selbst sehr 
wenig zu thun haben. Der Hrsg, zieht nun auch 
die Sammlung von Erzählungen in altfranzösischen 
Versen der Hs. Royal 20. B. XIV zur Vergleichung 
herbei; was über deren Verhältniss zu Cleop. und 
Arund. gesagt wird, ist wieder als ein hors d’ceuvre 
zu bezeichnen; nur die Bemerkung ist für den hier 
in Frage stehenden Gegenstand wichtig, dass die 
letzten Erzählungen Adgars (von der 23. an) mit 
den letzteren von Royal bis auf ein paar Fälle in 
der Reihenfolge und bis auf einzelne Züge auch im 
Inhalte übereinstimmen. 

Die Einleitung Hesse sich demnach in folgenden 
wenigen Zeilen zusammenfassen: 

Adgar bezeichnet als seine Vorlage, der er 
treu folgen zu wollen erklärt, le livre mestre Albri ; 
sein Werk repräsentirt daher genau diese noch 
nicht aufgefundene Quelle. Der Inhalt der zw’ei 
sich deckenden Werke entspricht dem der meisten 
derartigen Sammlungen; es finden sich darin vor 
Allem viele jener beliebten Erzählungen, die fast 
nirgends fehlen; dann mehrere der seltener vor¬ 
kommenden. Genaueres über das Verhältniss von 


Alberichs Buch zu anderen Sammlungen wird sich 
erst nach Untersuchung eines umfangreichen Hand¬ 
schriftenmaterials feststellen lassen. Die Reihen- 
* folge der Erzählungen (ein bei Lösung solcher 
Fragen überaus wichtiges Moment) lässt einen 
innigeren Zusammenhang nur zwischen dem letzten 
Theile von Alberichs Buch und dem letzten der 
französischen Sammlung in der Hs. Royal oder 
vielmehr ihrer Quelle erkennen. — Bei vielen 
Legenden finden wir engen Anschluss Adgars an 
uns bekannt gewordene lateinische Fassungen; 
wenn wir bei anderen auf Abweichungen stossen, 
so werden wir kaum vermuthen, Adgar habe da 
sein Verhalten gegenüber dem Originale geändert, 
sondern annehmen, Alberichs Text sei hier von 
den Versionen, die wir bisher kennen, verschieden 
gewesen. — Trotz dieser (für einzelne Erzäh¬ 
lungen nachgewiesenen, für die anderen mit Recht 
vorausgesetzten) Abhängigkeit Adgars von seiner 
Vorlage, werden wir ihm Neigung und Fähigkeit 
zu einiger Selbständigkeit — zumal bei Betrach¬ 
tungen allgemeinen Inhaltes — nicht absprechen. 

Betreffs der Bestimmung der Abfassungszeit ist 
Folgendes zu bemerken. Die Handschrift gehört 
nach Bieling und dem Hrsg, spätestens dem Ende 
des XIII. Jh.’s an. Da manche Fehler zeigen, dass 
wir eine Abschrift vor uns haben, so wird man die 
erste Niederschrift nicht später als an das Ende 
des XII. Jh r ’s ansetzen dürfen. Nun hat Rolfs für 
das Ereigniss, auf welches sich die 35. Erzählung 
bezieht, das Jahr 1162 angenommen. Wäre dies 
richtig, so müssten wir in den kurzen Zeitraum von 
30—35 Jahren die Ausbildung der Legende, ihre 
Abfassung in lateinischer Sprache, die Aufnahme 
dieser lateinischen Version in eine Sammlung, end¬ 
lich die Uebertragung ins Französische zusammen¬ 
drängen. Dies wäre nun zwar nicht unmöglich, 
flösst aber grosse Bedenken ein; es wäre daher eine 
genauere Prüfung der Ansicht Rolfs’ dringend zu 
empfehlen 4 . Jedenfalls ist es nicht leicht fassbar, 
wie der Hrsg., welcher sich nicht bloss dieser An¬ 
sicht anschliesst, sondern auch gerne annimmt, Adgar 
habe von der 1170 erfolgten Ermordung Thomas’ 
von Canterbury Kunde gehabt, dennoch auf seine 
Bemerkung, die Zeit der Abfassung sei nicht genau 
zu bestimmen, die Worte folgen lässt: ‘höchstens 
darf man den Satz aussprechen, Adgars Legenden 
seien um die Mitte des XII. Jh.’s verfasst worden’. 5 


* Nur insofern mag das ganzo Werk Adgars auf uns 
nicht gekommen sein, als zwischen f° 5 und f° 6 der Hs. Eger- 
ton eine Lücke vorhanden ist. Der Hrsg, vermuthet, es sei 
nur ein Blatt ausgefallen; ich würde eher meinen es seien 
deren zwei, und zwar die zwei letzten der ersten aus acht 
Blättern bestehenden Lage. Wir erhielten folgendes Schema: 

Bruchst. 1. 2. 3. 4. 5. + + 


ln solchem Falle könnte es möglich sein, dass, da 200 Verse 
fehlen, zwischen der jetzigen 5. und der jetzigen 6. Legende 
eine dritte verloren gegangen sei. Indessen wenn wirklich 
mit f° 6 eine neue Lage beginnt (dass der Hrsg, es versäumt 
hat, nach dieser Richtung hin die Handschrift zu untersuchen, 
ist zu bedauern), wäre es nicht ausgeschlossen, dass zwischen 
der ersten und der zweiten Lage eine oder mehrere Lagen 
ausgefallen wären. Um Missverständnisse zu vermeiden, be¬ 
merke ich, dass der Hrsg, seine Ansicht, Alberichs Buch habe 
60 Mirakel enthalten, nicht etwa auf diesen äueseren Umstand, 
sondern auf Combinationen gründet, die mir als durchweg 
unhaltbar erscheinen. 


4 FleiBsigcs Nachsuchen in den Schriftstellern der Kreuz¬ 
züge wird wohl zu irgend einem Ergebnisse führen. Hier sei 
nur aus Royal (nach der mir vorliegenden Abschrift des H. 
Dr. Alois Mayer) citirt: Antioche (eigentl. A f nt .; etwa A Ant. P) 
a la grant bataile muU botie gent i out ... Le duc Bobert de 
Normandie i fu e Buand (?) de Sullie, le cunte Godefrai et 
Tancre e li quens Beymund la iosee (sic) e pus le cunte 
Baudwin . .. Ci 8t.. .fu puis reis de Jerusalem ... Le rei 
Beaumund ju a james (wohl Stadtnamen), u molt quidout 
aver sa pees... Le soudan isst le susprist. Boemond versucht 
Widerstand zu leisten; es sind aber der Sarazenen zu viele; 
Tee volez vus? force pest le pre. Baudwin en fu desbarate, 
ke le champ gwerpi ... Li sarasins ... quant tuz les mors unt 
pelfres , en uh 1 egtise sunt entrez. 

5 Bevor wir die Einleitung — deren Lectüre durch 
manche Wiederholungen und eine oft undeutliche Stilisirung 
recht ermüdend wird — verlassen, sei dem Leser empfohlen, 
folgende Versehen zu berichtigen: S. XVIII, Z. 16 und Z. 18, 
an beiden Stellen statt *22 und 23 Ar.’ lies ‘21 und 24 Ar.' — 
8. XXI, Z. 10 v. u. Unvollständig am Anfänge', 1. ‘am Ende'. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


Vor den einzelnen Legenden theilt der Hrsg. 
Nachweise über deren Vorkommen in anderen Samm¬ 
lungen mit. Er berücksichtigt dabei meistens nur 
die in der Einleitung besprochenen Handschriften 
(Cleop., Arund., Royal); dazu an lateinischen Quellen 
ein paar Mal die Londoner Hs. Nero E. 1 und hie 
und da Vincentius ßellovacensis nebst Discipulus 
(J. Herolt) 6 ; an französischen G. de Coincy, die Hs. 
der Pariser Nationalbibl. 375, die Londoner Harl. 
4401. Die Literatur über Theophilus, welche doch 
so oft zusammengestellt wurde, ist hier ebenso 
mangelhaft wie unübersichtlich mitgetheilt. Zu 22 
‘Eisinus, Conception’ wird Wace nicht erwähnt, dafür 
sind manche Legenden von geretteten Schiffbrüchigen 
verzeichnet, welche mit der hier in Rede stehenden 
nichts zu thun haben. Zu 29 ‘Verpfändung des 
Marienbildes’ hätte doch der Hrsg. Vinc. Bellov., 
G. de Coincy, Miracles de N. D. par personnages 
erwähnen müssen. Das Fehlen aller Nachweise zu 
40, einer der vielen Varianten der ‘Pförtnerin’, ist 
auffallend. Dass die Legende in Royal, welche der 
6. in Egerton entspricht, am Ende unvollständig ist, 
ist nicht richtig; es sind in Roy. nur einige Blätter 
verstellt. 

Jeder Legende geht eine Inhaltsangabe voran. 
Dies wäre an sich recht dankenswerth; nur verfährt 
hier der Hrsg, auf ziemlich sonderbare Art. Liest 
man zu 16, Julianus habe die Gerstenbrodc iiber- 
müthig zurückgewiesen, während Adgar sagt: co- 
tnanda receivre les pains, so denkt man zuerst an 
eine etwas starke Flüchtigkeit. Indessen steht die 
Sache niliht so arg; denn durch die Dissertation 
erfahren wir, dass Cleop. tres panes sprevit bietet; 
die Aufnahme in die Inhaltsangabe von vielen Um¬ 
ständen, die wohl bei Cleop., nicht aber bei Adgar 
Vorkommen, lehrt uns dann, dass der Hrsg, statt 
der französischen die lateinische Fassung exeerpirt 
hat. Dasselbe ist bei 20 (Belagerung von Chartres) 
wahrzunehmen. Man könnte also meinen, der Hrsg, 
habe es für nützlich erachtet, bei den Legenden, 
in welchen w*ohl Affinität, aber nicht Identität 
des Inhaltes herrscht, einen Auszug des latei¬ 
nischen Textes dem Abdrucke des französischen 
voranzustellen und es nur versäumt, die Leser 
darauf aufmerksam zu machen. Dieser Ver- 
muthung steht aber wieder der Umstand entgegen, 
dass bei anderen Legenden, w’o dasselbe Verhältniss 
waltet, der Auszug den französischen Text 
wiedergibt. Man fragt sich daher erstaunt, welchem 

— 8. XXIII, Z. 9 ‘Adgar sagt: des moines ai assez dit ... de 
clers e de lais traiterai. Dann folgt.. die Geschichte vom 
Mönche, der u. s. w.’ Ebenso im Titel, 8. 157: ‘Vom 
Mönche, der ...’ Adgar ist indessen an diesem Widerspruche 
unschuldig; der Held seiner Erzählung ist uns clers (in der 
Inhaltsangabe spricht der Hrsg, bald von einem ‘Geistlichen’ 
bald von einem ‘Mönche’). — Die Angabe in der Anmerkung 
zu 8. XXIII ist aus der Luft gegriffen. — 8. XXVI in der 
Tabelle, Anm. zu 5 Eg.: ‘Lücke in Cleop.’, 1. ‘in Egerton* — 
ebd. ‘7 Anfang fehlt’, 1. ‘6’. — 8. XXIX, Z. 11 v. u. ‘Prolog 
vor- 1 Eg.’, 1. nach der vom Hrsg, durchgeführten Zählung 
‘vor 2 Eg.’ — S. XLIV, Z. 12 die zweite Legende in Egerton 
ist nicht Hieronymus. 

• Mehr als ein Mal wird der Discipulus, der so oft Vin¬ 
centius abschreibt und daher eigentlich keine Erwähnung ver¬ 
diente, vor diesem verzeichnet. Ich bemerke dies nicht aus 
kleinlicher Tadelsucht, sondern um zu zeigen, dass der Hrsg, 
seine Notizen so ziemlich aufs Gerathewohl sammelte und 
ordnete. 


Principe der Hrsg, bei Abfassung der Inhalts¬ 
angaben gefolgt sei. Es kommen aber auch Unge¬ 
nauigkeiten vor. In der 8. Legende bildet die 
Situation des Mönches beim Ertrinken (ob durch¬ 
watend, ob im Nachen, ob auf einem Steg) ein zur 
Klassficirung der Versionen nicht unwichtiges Moment; 
der Hrsg, sagt nun, ein Windstoss ergreife den in 
der Mitte des Flusses auf schwankem Stege 
befindlichen Mönch; Adgar sagt: reuint par ceV ewe 
u passout suvent; par le vent en l'ewe chäi; ein Steg 
wird nicht erwähnt 7 . — Von dem Wunderkleide des 
heil. Bonus (18) sagt Adgar, Herbert Bischof von 
Norwieh habe es selbst gesehen, ohne aber erkennen 
zu können, aus welchem Stoffe es verfertigt wäre: 
dann wird weiter erzählt, wie der Nachfolger oder 
einer der Nachfolger 6 des Bonus im Bisthume Cler- 
mont vergebens darnach gestrebt habe, eine gleiche 
Wundergabe zu erlangen. Der Hrsg, nun: ‘Einer 
der Nachfolger des B., Herbert mit Namen, 
wünschte dieselbe Vision zu haben u. s. w.’ In der 
1. Leg. liest man, Petrus* Seele wäre erlöst, wenn 
der h. Apostel mit den Cardinälen für ihn Messe 
läse. Dass der Text nur vom Papste (< apostoiles ) 
spricht, braucht kaum gesagt zu werden. Auch ist 
es nicht richtig, dass Stephanus ‘dem Petrus gegen¬ 
über seine Zuversicht auf Erlösung seiner’ d. h. des 
Petrus ‘Seele ausspricht’, sondern Petrus thut- dies 
dem Stephanus gegenüber. Endlich begegnen sich 
die zwei Brüder nicht in der Höllenqual, da doch 
Petrus im Fegefeuer ist. — 23. Leg.: ein Mönch 
pur mal guerpir prist poisun ; es wird ihm darauf 
noch schlechter; der Hrsg, lässt ihn Gift nehmen. 
Es genügen diese Proben um Jeden, der Vergleiche 
zwischen den Versionen einzelner Legenden anstellen 
will, davor zu warnen, diese Auszüge ohne genaue 
Iiontrole zu benutzen. 

Eine besondere Besprechung verdienen die erste 
und die letzte Legende. Die erste, am Anfänge 
defcct, erscheint in der Hs. Egerton vor dem Pro¬ 
loge, welcher mit der zweiten Zeile von fol.° 1 verso 
beginnt. Eine Versetzung in dieser Handschrift 
ist folglich ausgeschlossen, und so meint, denn 
Foerster, ‘diese Legende habe mit Adgar nichts zu 
schaffen’. Erwägt man indessen die grosse Aehnlich- 
keit in Sprache, Stil und Metrum, sowie den Um¬ 
stand, dass die Geschichte zu jenen zählt, welche 
in den meisten Sammlungen Vorkommen, so fühlt 
man sich zur Frage gedrängt, ob es dennoch nicht 
anginge, sie Adgar zuzuschreiben. Könnte nicht 
etwa in der Vorlage das erste Heft schlecht gefaltet 
gewesen sein und der Schreiber von Egerton ge¬ 
dankenlos copirt haben ? 9 Ob indessen Adgar eine 

1 Ebenso wenig im Lateinischen: per amnem transire; 
per eandem aquam redbre; tempestas ei in flumine constitufo 
mortem minatur; aqitis interceptus vitam finivit. 

8 Adgar: celui gu’apres Bonite evesque esUJit ; die latein. 
rhythmische Legende: Alius quidem credens male Se mereri 
quidquam tale, Prcecessoris ad exemplum Illud idem petit 
templum . 

9 Liesse sieh selbst nicht denken, dass es Adgar gefallen 
habe, seinen Namen und die Quelle seines Werkes am Ende 
der ersten Legende mitzutheilen? In der That beziehen sich 

| die Verse 1 — 16 des Abschnittes, den man als ‘Prolog’ ansieht, 
weniger auf das ganze Werk, als speciell auf die Legende 
der zwei Brüder, da hier nicht bloss von dem wohlthätigen 
Wirken der Mutter Gottes, sondern auch von dem der ‘Hei¬ 
ligen’ die Rede ist. Nur dass der letzte Vers dieses Abschnittes 


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1886. Literatorblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 3. 


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Erzählung mehr oder weniger in französische Verse 
gebracht habe, ist von keiner besonderen Wichtig¬ 
keit; mehr Beachtung erfordert die letzte Legende. ; 
An diese schließen sich Epilog und Widmung an; | 
es ist daher wohl kaum möglich, sie als zu Adgars ! 
Werk nicht gehörig anzusehen. Und dennoch unter¬ 
scheidet sie sich mehrfach von den anderen. Um 
nicht von dem leicht auf subjeciiver Empfindung 
beruhenden, verschiedenen Eindrücke zu reder, den 
Sprache und Stil wenigstens auf mich machen, lässt | 
sich Positives anführen: Bindung von sonst I 

ein Mal im Theoph. 10 , kommt hier wenigstens fünf I 
Mal vor 11 ; findet sich fünf Mal 12 gegen vier 13 | 
in allen anderen Legenden, wovon zwei im Theoph.; ! 
am wichtigsten ist, dass die Anzahl der Verse, 1 
welche mehr oder weniger als acht Silben zählen, j 
überaus gross ist. Rolfs hat dies alles bemerkt; • 
S. 217 bezeichnet er diese Legende als am schlech- j 
testen überliefert 1 ; S. 193 meint er ‘diese Legende < 
müsse einen eigenen Weg der Ueberlieferung ge¬ 
gangen sein*; damit ist aber die Sonderstellung 
dieses einen Abschnittes des als ein Ganzes auf¬ 
tretenden Werkes nicht genügend erklärt, und man 
bedauert, dass der Hrsg, diesen nicht unwichtigen j 
Punkt unberührt gelassen hat. j 

Der Text gibt die Handschrift bis auf einzelne j 
evidente Besserungen getreu wieder; der Hrsg, hatte 
zwar überall, wo es ohne allzu gewaltsame Aen- 
derung anging, den Versen zur üblichen Silbenzahl 
verhelfen, Foerster hat jedoch das Ueberlieferte 
wieder hergestellt. Er wird sich des Beifalls selbst 
Jener erfreuen, welche wenigstens für Adgar die 
in der Vorrede mit grosser Entschiedenheit ver¬ 
fochtene Theorie des Einflusses germanischer Ver¬ 
messung nicht gerne zugeben werden. Freilich, 
wenn man sieht wie z. B. alle Verse, die ignel - 
tnent u , espenir enthalten, sieben Silben zählen, 
kostet es einige Ueberwindung nicht ignelement, 
espeneir anzusetzen; unwillkürlich ändert man in 
seinem Exemplare bei zu langen oder zu kurzen 
Versen ore zu or, eie zu el oder tel zu itel, go zu 
iro und umgekehrt; da aber noch immer eine wenn < 
auch verhfUtnissmässig kleine 15 Anzahl von Versen * 
übrig bleibt, welche in das gewöhnliche Mass sich j 
nicht fügen, so ist es gerathener, die Handschrift 
überall zu respectiren. ( 

Die Abschrift des Hrsg.’s konnte stets von ! 
Foerster durch eine andere von Vollmöller zur Ver- t 


mit dem ersten der folgenden Legende reimt, scheint dieser 
Ansicht, die ich auch nur mit allem RQckhalte ausgesprochen | 
haben will, zu widersprechen. 

10 Und wohl noch auch huches: buckes, da ersteres Wort 

wohl ü enthalt. ; 

11 Zu den drei von Foerster (Anm. zu 107, 825) aufge- j 

zahlten Fallen füge man hinzu 226, 110 und 236, 419; beide ' 
Male höraa: curcut. Vielleicht auch 234, 416 apargut: mut, 
falls letzteres Wort lat. multum, nicht movit entspricht. (Die 
anderswo dreimal (zu den zwei Fällen bei F. noch 60, 79) 
vorkommende Bindung oi: üi ist wegen des folgenden i etwas I 
anders geartet.) i 

13 Zu den vier bei Rolfs noch 234,428 estiez: comparez. I 
Rolfs verzeichnet nur die zwei bei Theoph. (die übrigens 
doroh Ansetsen von urer statt preier nnd Umstellung zu mere | 
chiere leicht zu beseitigen sind); dazu 56,31 comencier :chanter ; 
125, 111 recomencerent: demanderent. | 

*+ Nach Rolfs würde ein Mal (40, 91) das Metrum dreis. , 
ignelment fordern; der Vers lautet aber E 1% säint hoem ign. ; 

15 Selbstverständlich mit Ausschluss der letzten Legende. ‘ 


fügung gestellte controlirt werden; dazu kam eine 
letzte vom Hrsg, vorgenommene Collation, so dass 
man nunmehr in die Richtigkeit der Lesung der 
Hs. volles Vertrauen setzen kann. Die Behandlung 
des Textes ist dem Hrsg, nicht immer gelungen; 
auch hat er weder Vieles noch immer Richtiges 
zur Deutung desselben beigesteuert; zum Glücke 
hat sich Foerster der Mühe einer sorgfältigen Re¬ 
vision unterzogen, wobei Versehen berichtigt, Emen- 
dationen vorgeschlagen, unklare Stellen aufgehellt 
werden. Wo ein solcher Meister gearbeitet, bleibt 
nur wenig nachzulesen. In den folgenden Bemer¬ 
kungen habe ich mich vom Metrum nicht prä- 
occ.upiren lassen; wenn aber durch aus anderen 
Gründen vorgeschlagene Aenderungen zugleich Acht- 
silbigkeit erlangt wird, um so besser 16 . 

6, 77 si grevus 9 Charge ; Apostroph zu tilgen, 
da 175, 251 charge als Mase. erscheint. Lässt sich 
überhaupt für Adgar annehmen, dass -e bei mehr¬ 
silbigen Wörtern nach Consonant abgefallen sei? 
Wenn man die Frage, ob Verse mit mehr als acht. 
Silben durch Anwendung dieses Mittels in Ordnung 
gebracht werden können, bei Seite lässt und nur 
das Ueberlieferte vom Standpunkte der üblichen 
Mqtrik untersucht, so hat man keinen Grund, einen 
solchen Abfall von -e anzunehmen. Fast auf allen 
Formen der 2. Sing. Imper. der A-Conjug., welche 
auf Consonant ausgehen, folgt Vokal 17 , es ist also 
die Elision durch Apostroph anzudeuten; nur 6in 
Mal (159, 51) folgt Consonant E forjur Deu e 
Marie 1 * ; vgl. damit 200, 70 A chäun (der Nonnen) 
volt bien faire, 218, 46 Ke l’en veit bien tut J Vymage 
(der Hrsg, wendet Apostroph nur bei dieser Stelle 
an); wer wird nicht vorziehen forjure, chäutie, tute 
zu lesen, als Abfall des -e und germanische Vers- 
messung anzunehmen? Dass bei 181, 140 ja seit 
iceo que ma lei defent das letzte Wort nicht für 
defende steht, sei zum Ueberflusse bemerkt, mit 
Hinweis auf 210, 17 ja s . ic. qu’de fait folie und 
auf Johannssen, Concessivverhältniss, S. 47. 48. — 
Nach Vokal lässt sich hingegen eine derartige Ver¬ 
nachlässigung des -e annehmen, wenn auch die 
sicheren Fälle äusserst selten sind: 139, 125 Vou 
dune tost a sainte Marie, wo F. von* fordert 19 und 
69, 81 Regard } amunt ne t* esmai nient , w f o man 
ebenfalls esmai* zu schreiben hat. [Wohl nicht 
hieher gehörig 196, 71 sanz ceo que ne Vaie deservie, 
da nach s . c. que = nfz. sans que Indicativ berech¬ 
tigt ist] Nicht ganz sicher sind 78, 52 Tci ad ceste 
eite juge. renet ; zu lesen ist jugii ; entweder = 
jugiö’ oder Ausbleiben der Congruenz; 195, 50 Valme 
ert ... blescie: pechiö ; blescii ' 20 , aber denkbar wäre 
auch unfiectirtes Participium, da Ausbleiben der 
Congruenz auch in der Conjug. periplir. mit esse 
Vorkommen kann (vgl. 69,92 ele.'.s’est retrait im 
Reime mit fait ; Aenderung zu s’a ist wenig be¬ 
friedigend; retrait* ist nach dem oben Gesagten 
kaum annehmbar). 

** loh bezeichne diese Stellen durch (*). 

11 Zu den von Rolfs angeführten Stellen noch 53, 99 
apeVa tei. Auch lief vor Vokal stebt für liev\ 

18 Rolfs Bemerkung, dass in Regard * amunt das Metrum 
-e fordert, ist mir unverständlich. 

19 Von seinem Standpunkte aus konnte freilich F. auob 
voue setzen. 

20 In keinem Falle aber mit Rolfs Bindung von ie:ii* 


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1886. Literaturblatt für germanisohe und romanische Philoloerie. Nr. 8. 


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8) 148. ‘Und der dreissigste Tag kam’ passt 
nicht in den Zusammenhang; auch müsste dann El 
— et le sein, was sonst bei Adgar nicht vorkommt. 
Ich denke, vint gehöre dem Schreiber, der dann zu 
unterpunktiren versäumte. (*j Ist dies richtig, dann 
Komma nach 147 zu streichen: ‘er starb am 80. 
Tage fürwahr. 

9, 36. Das l von nel ist mir nicht sehr klar; 
liesse es sich nicht streichen? 

14, 24. Zur Anmerkung c ainz que fordert Conj.’ 
ist Willenberg Rom. St III, 383 Anm. 2 zu ver¬ 
gleichen. Jede Aenderung ist wohl überflüssig. 
Vgl. auch 6, 63 aim k’il pout, wo freilich leicht 
einsilb. peust eingesetzt werden könnte. 

17, 53—54. Foerster hätte wohl etwas anders 
übersetzt, wenn er die lateinische Stelle verglichen 
hätte. 

17, 57 desuz ist hier = desus oder desur . 

34, 216. Komma nach enfant zu streichen. 

35,237. Statt movent ( jsaluent) ist tnuent zu lesen. 

35, 238—39. Marie kann mit honuree nicht rei¬ 
men. (Die Frage Rolfs 1 , S. 215, ist zu verneinen.) 
Zwei Verse sind ausgefallen, oder etwa A la voiz 
la boniuree. 

38, 16. puü gibt keinen Sinn; 1. pruis . 

38, 43 crestien cum plus est dreiturier | ses faiz 
deivent avant traitier. Doch sunt 

39, 81—82. In der Nacht von Marias Geburt 
singen die Engel; ja seit iceo que gent nel sacent, De 
veolt ke angeles la feste facent . Dazu Foerster: 
bessere ke veolt ‘was es bedeute’. Sehr annehmbar; 
nur lässt sich einwenden, dass die Leute nicht bloss 
von der Bedeutung des Engelgesanges, sondern von 
der Thatsache selbst nichts wissen. Vielleicht De 
statt Deu ‘Gott will*. 

51, 14. In der Anm. * vient P. M.*; 1. vint . 

55, 165. Sollte nicht statt sanz naie etwa s’ en- 
vaie gelesen werden? Das Wort ist in Beziehung 
auf den Teufel bei Adgar sehr beliebt. 

60, 90 suffrirent si Desque la messe dit’ esteit ; 
Foerster: si desque ‘so lange als, bis’. Das Enjambe¬ 
ment wäre allzu "stark. Es lässt sich si ‘so* in der 
Bedeutung von ‘es’ auffassen; sie hielten auf diese 
Art aus*. 

61, 104 endreit in 6inem Worte wie zu 94, 417 
gefordert wird. 

61, 110 chauns ierent fort curucii geht kaum 
an; wohl iert. (,*) 

61, 123. Unter lauter Perfecta besser Troverent 
als Trovent. (*) 

61, 137. Da nur eine Form von voleir gemeint 
sein kann, so voleient statt volerent . 

62, 148 esperement fasse ich nicht, wie es im 
Glossar geschient, in der Bedeutung ‘Hoffnung’ auf; 
vielmehr lese ich esperment = experimentum\ ‘alle 
Christen können sich da eine Lehre holen*. (*) 

64, 47. Der Vorschlag des Hrsg.’s mit seinem 
del — de la u (diese Form ist Adgar unbekannt; 
in al sinagoge 61, 118 ist wohl das Subst. als 
Masc. behandelt) und aler im Reime mit pechier 
(derartige Ausnahmen darf man durch Emendation 
nicht vermehren) ist wenig glücklich. 


S1 Keiner der von Rolfs angeführten Fälle von femin. 
le, l als Artikel oder Pronomen ist zutreffend. 


65, 59.. Foerster möchte as statt ad lesen. Die 
Jungfrau wird aber hier nicht angesprochen; es ist 
nur von ihr die Rede: de mei Wad pite; chaun sent 
sun alegement fors jo std; pur quei de mei Wad pitiez? 
Daher ist auch der andere Vorschlag Wad [Deus] 
nicht annehmbar. 

65, 70 zu les diz und le suspirer würde besser 
le plurer stimmen. i*) 

70, 120. Nach dem Vocativ frere besser Komma, 
sonst bleibt der mit Mais si nus volum beginnende 
Satz in der Luft schweben. Die Worte von puis 
se laissa bis joie zwischen Querstriche, um die Ver¬ 
änderung der Construction anzudeuten. 

73, 20. Man erwartet li defendi, und so druckte 
der Hrsg, in seiner Dissertation. 

73, 21. si dune ist nicht klar; wohl, wie sonst 
oft, des dune . 

73, 49 revint liesse sich zur Notb halten; wahr¬ 
scheinlicher ist revit. 

78, 44. Ich würde vorziehen, das Komma 
zwischen clers und reluisant (= -anz ) zu tilgen; 
vgl. Tobler ZRP. II, 400. An einer anderen Stelle 
(217, 28) hat bereits der Hrsg, kein Komma an¬ 
gesetzt. 

84, 83. Statt Cil eher E il ; vgl. den gleichen 
Vorschlag von Seite Foersters zu 43, 40. 

85, 138. Man streiche das Semicolon nach 
Theofle, welches zu gleicher Zeit Object zu encuse - 
rent und mellerent ist. 

91, 328. Ich würde nach felun Punkt belassen 
und nach 332 Komma statt Punkt ansetzen. 

105, 765. Am Ende des Verses Punkt zu tilgen. 
Sonst bleibt das Subject Nostre Dame ohne Prädi- 
cat; iceo que ... ist Accusativ zu requiert. 

111, 957. Foerster verdächtigt, und wohl mit 
Recht, Enloum = löurn . Er begnügt sieb damit, 
anzumerken. Weber lese En loum . Damit ist wohl 
keine Billigung dieses Vorganges ausgesprochen. 
Denn es wäre dies die einzige Stelle 22 , in welcher 
Hauptsatz mit tonlosem Pronomen oder Pronominal¬ 
partikel begänne, gegen hunderte von Fällen, in 
denen Adgar die Regel der altfranz. Wortstellung 
befolgt. Also jedenfalls Loum en\ oder wenn En aus 
der folgenden Zeile sich einschlich, so ist dem Metrum 
anders zu helfen. 23 

116, 9 en cest lesen Rolfs und der Hrsg, selbst 
auf S. XLV. 

117, 49. Lies Valter, da von einem bestimmten 
Altar (V 7 . 37) die Rede ist. 

117, 55. F. will Venure statt Ven ure\ die Stelle 
bedeutet aber doch ‘je demüthiger man betet, desto 
gefälliger ist dies Gott*. 

120, 162. Komma nach entendre (oder der Vers 
zwischen Querstriche): ne sout raisun rendre — si 
s’entremeist de Ventendre — le quel il fust ‘er konnte 
nicht angeben, aus welchem Stoffe das Kleid war, 
so sehr er sich bemühte es zu ergründen*. 

121, 205. inesavenir in äinem Worte. 

126, 144. Nach vit und öi besser pot als puet. 

126, 151. Er sah was die Geister [zu sehen] 


** Von der letzten Legende abgesehen, wo 233, 368 
lautet: s r en haste, s’en partu 

21 Warum ist zu Theophilus P. Meyer (Rom. VII, 344) 
unerwähnt geblieben? Vgl. z. B. 91,3*23, wo nach M. suentrq 
zu lesen ist. j 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


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wünschen, ki uni de Deu mult grant pitie 
‘ wohl envie 24 . 

126, 161 foleie ist zu folei zu bessern, da 1. 
Präs. Ind. nie -e aufweist. 

128, 53 de tuz . 

133, 80 puis si as soens comandL Ergänze das 
Auxiliäre a. (*) 

133, 116 truis fordert ein Object; [go] truis. (•) 

139, 103 desesperent (: scdverent) statt -peirent 
wäre auffallend; auch passt das Präsens nicht 
zwischen lauter Perfecta; 1. - pererent . (*) 

144, 113. Da Adgar nie e mit e aus a im Reime 
bindet 25 , so ist die Vermutbung von Foerster — avers 
statt purvers (:ders ) — schwerlich begründet. Nicht 
Alles was anglonormannisch ist darf ohne Stütze 
von Parallelstellen bei Adgar angenommen werden. 

146, 215 hon 9 essample, wie 147, 218 zu mal 
ess. gefordert wird. 

148, 272. Der Mönch selbst ist über den ihn 
bedrohenden Tod betrübt; nicht aber seine Gefährten, 
welche ihm vielmehr Muth einflössen; daher ert 
statt erent. (*) 

154. Man stelle 65—66 nach 60 und klammere 
61—64 ein. ‘Wir sind nicht berechtigt, den plötz¬ 
lichen Tod des Mönches seiner Sünde zuzuschreiben, 
denn es pflegen vielmehr die Gerechten so zu ster¬ 
ben; aber selbst wenn wir meinten, Gott habe ihn 
einer Sünde halber strafen wollen (obwohl dies nach 
Allem was wir von ihm wissen nicht wahrscheinlich 
ist), so ist eben durch die Todesart die Schuld be¬ 
reits gesühnt.* 

164, 256 junst = enjunst verdiente Erwähnung 
im Glossar. 

165, 305 figure gibt keinen rechten Sinn. 

172, 152. Ich verstehe nicht den Vers. 

173, 2u4. Besser Aint als Atme, da doch Im¬ 
perativ gemeint ist, und die 3. Präs. Conj. fast aus¬ 
nahmslos organisch flectirt erscheint; vgl. Rolfs 
S. 230 26 (*); s 9 il zu si zu ändern ist nicht gerade 
nöthig. 

177 — 8, 17—18. Einfacher wäre Tuit vivent par 
grant tricherie Ki si vivent de brocherie ; dann ent¬ 
sprechen sich 17 und 19 genau. 

185, 307. Auch hier, wie sonst oft, e statt a. 

192, 217. Das Komma nach dune lässt glauben, 
fui sei = fuge ; es ist aber = fui. 

192, 226 mei wie stets. Daher auch 199, 48 
im Beginne des Satzes Te loe\ 1. Tei. 

194, 11 —12. Die Imperfecta passen nicht gut 
zum Präsens in V. 14. Möge man 11 —16 als einen 
allgemein gütigen Satz oder als Etwas, was zur 
speciellen Situation gehört, auffassen, so ist es rath- 
sam (wie es schon Rolfs am besten schien), volent 
und quident zu lesen. (In beiden Versen *.) 

195, 39. Besser $i entendi. 

201, 98—9 del 9 und cel 9 honur, wie die An¬ 
merkungen an anderen Stellen fordern. 

218, 68 cors allein drückt den Gedanken nicht 
genügend aus; man füge saint hinzu, wie 122, 8. (*) 

*+ Also auch hier nicht mit Rolfs iS: ie. 

** corporels: beals 15, 37 schiene allerdings ein zweiter 
Fall za sein; es lässt siob aber carporals lesen; vgl. bei Marie 
de France real*:beals. 

** Doch 79, 88 amende: defende ; auch in der letzten 
Legende. 


205, 285 des encontrediz pechiez ‘von den früher 
erwähnten Sünden*. Der Ausdruck erinnert zu sehr 
an den Kanzleistil. Auch passt es besser, den Satz 
als allgemein giltig aufzufassen. Vgl. 153, 31 par 
aleun pechiS contredit est il chaet en tel obit und 
102, 683 buche contredite, de Deu despite. Man 
möchte etwa ‘verrucht* übersetzen; vgl. indessen 
Tobler ZRP. V, 187. 

212, 41. Es scheint mir nicht schwer, luinerent 
als eine Ableitung von luin anzusehen: ‘sie ver¬ 
weilten, hielten sich lange auf.* 

Die Lücken in Eg. wurden durch Mittheilung 
der entsprechenden Stellen aus Royal ergänzt. 

S. 3, 37. Die Abschrift Dr. Mayers hat (statt 
perles en pris) par ses enpris, und dies ist das Rich¬ 
tige, denn von ‘kostbaren Perlen*, die Stephan der 
heil. Agnes entzogen hätte, weiss die Legende nichts. 
— 58. Nach M. hat schon die Hs. estuuer . 

S. 20 ff. Weder der Hrsg, noch Foerster ziehen 
Wolters Text zur Vergleichung herbei 27 . Von kleinen 
Abweichungen abgesehen sei bemerkt 21, 26 enser - 
uagez, eine dritte Variante des nicht sehr klaren Wor¬ 
tes. — 22, 73 chei si, unverständlich; bei W. richtig 
choisi . — 22, 79; 23, 129; 24, 159 hat bereits W. 
das Richtige. — Mit der Anm. zu 21, 56 ist die 
allerdings etwas gezwungene Interpretation Wolters 
zusammenzuhalten. — Dass Foerster zu 21, 58 von 
Adgar als vom Dichter der Stelle spricht, ist ein 
kleiner lapsus calami. 

Wien, 30. Dec. 1885. A. Mussafia. 


Kirchrath, Leonhard, Li Romans de Dar- 
mart le Galois in seinem Verhältnisse zu Meraugis 
de Portlesguez und den Werken Chrestiens de 
Troies. (Ausgaben und Abhandlungen aus dem 
Gebiete der romanischen Philologie. Veröffentlicht 
von E. Stengel. XXI.) Marburg, Eiwert 1884. 
80 S. 8. 

Bei dem grossen Lobe, das I^uon de Mery dem 
Raoul de Houdcnc neben .Chrestien de Troies zu 
Theil werden lässt, und dem hohen Ansehen, in 
dem Raoul demzufolge bei seinen Zeitgenossen ge¬ 
standen haben muss, ist es von vorneherein wahr¬ 
scheinlich, dass sich bei genauerer Untersuchung 
auch Spuren seines Einflusses auf andere Dichter 
finden lassen, wenngleich dieser demjenigen Chrestiens 
gegenüber verschwindend und cs bei der damaligen 
Gewohnheit der Dichter, einzelne Gedanken und 
ganze* Episoden zu entlehnen und umzuarbeiten, 
nicht immer leicht ist die unmittelbare Quelle mit 
Sicherheit zu bestimmen. 

So ist es mir kaum zweifelhaft, dass z. B. 
Guillaume li Clers (Fergus) und Robert de Blois 
(Beaudous) an einzelnen Stellen durch Raouls Me¬ 
raugis beeinflusst waren. 

Kirchrath untersucht nun im ersten Abschnitte 
(S 4—64) seiner Abhandlung das Verhältniss Dur¬ 
marts zu Meraugis, und zwar vergleicht er im ersten 
Theile die zwei Dichtungen in Bezug auf ihre Ten¬ 
denz, Disposition, Technik und Ausführung und 
kommt zu dem Ergebniss, dass der eine Dichter 

27 Jetzt ist auch ZRP. IX, 138 zu vergleichen. 


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1886. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 3. 


116 


dem anderen in Anlage und Ausführung seines 
Werkes gefolgt sei. Besonders zeigt der Verlauf 
der Ereignisse im dritten Theile der eigentlichen 
Erzählung beider Gedichte auffallende Aehnlichkeit. 
Im zweiten Theile untersucht der Verf., welches der 
beiden Gedichte die Vorlage bildete, zu welchem 
Bebufe er einzelne Abweichungen in der Ausführung 
und Darstellung der gemeinsamen Züge näher ins 
Auge fasst, und, wo es nöthig ist, auch andere 
Gedichte, in denen sich dieselben finden, zum Ver¬ 
gleiche herbeizieht. Letzteres geschieht namentlich 
mit dem „Erec“ Chrestiens und „Li biaus Descon- 
neus“ von Renauld de Beaujeu, in welchen Gedichten 
ebenfalls eine Sperberepisode vorkommt, wobei es 
sich zeigt, dass hier Durmars eine Erweiterung und 
theilweise Verschmelzung des Desconneu und Me- 
raugis bildet. 

Manche Uebereinstimmungen in der Erzählung 
erscheinen im Durmart als vollkommen unvermittelt 
und unmotivirt; Abweichungen von derselben sind 
häufig blosse Erweiterungen und Zusätze; auffallen¬ 
dere Abweichungen sucht K. öfters geschickt zu 
begründen, so dass es kaum einem Zweifel unter¬ 
liegt, dass der Dichter des Durmart in der äusseren 
Anlage des Ganzen, sowie in der verhältnissmässig 
strengen Durchführung des Grundgedankens und in 
der Verwendung vieler Einzelzüge Ranul und in 
einigen anderen Punkten Renauld de Beaujeu ge¬ 
folgt ist 

Damit wird jedoch nicht behauptet, dass der 
Dichter des Durmart Raoul überhaupt an dichte¬ 
rischer Kunstfertigkeit nachstehe; jedenfalls gebührt 
letzterem das Lob grösserer Selbständigkeit in der 
Erfindung seines Stoffes. S. 63 bemerkt übrigens 
K. mit Recht, dass sich ein Hereinziehen von Alle¬ 
gorien im Meraugis ebenso wenig finde wie im 
Durmart; nur eine kleine Stelle hätte von ihm er¬ 
wähnt werden können, nämlich Mer. 143, 20 ff. 

In einem zweiten, kleineren Abschnitte (S. 64 ff.) 
wird der Einfluss der einzelnen Werke Chrestiens 
auf Durmart untersucht;'ein solcher lässt sich jedoch 
nur seitens Perceval an einigen Stellen mit Sicher¬ 
heit naebweisen. 

Durch Weglassung mancher etwas zu gesuchter 
Uebereinstimmungen, z. B. in der Disposition, oder 
von solchen Punkten, die sich auch anderwärts 
finden und daher nicht beweiskräftig sind, hätte 
die Arbeit nur noch gewonnen. 

Innsbruck. Wolfram Zingerle. 


Moliöres Werke, hrsg. von A. Laun, fortgesetzt 
von Dr. W. Knörich. XIV. „Sganarelle ou le 
Cocu imaginaire“, „la Princesse d’Elide“. Leipzig, 
O. Leiner. 1885. 174 S. 

Wie wenig die Moliöre-Commentation trotz der 
eingehenden und in vieler Hinsicht mustergiltigen 
Arbeiten Despois-Mesnards für den abgeschlossen 
ist. der wirklich auf den Titel eines selbständigen 
Moliere*Forschers Ansprüche erhebt, zeigen die eben 
erschienenen zwei Ausgaben Moliörescher Stücke, 
die in Einleitung und Commentar manche Zusammen¬ 
stellungen und neue Gesichtspunkte geben, welche 
man bei Despois-Mesnard (Grands öcriväins III und 


IV) vergebens suchen wird. Vor allem hat die 
sprachliche Seite der Werke des grossen Komödien-* 
dichters endlich durch Knörich die volle Beachtung 
und wissenschaftliche Würdigung gefunden, welche 
ihr die franz. Commentatoren in ihrer meist auf 
Hervorhebung der Differenzen des damaligen und 
des jetzigen Sprachgebrauches beschränkten Manier 
nicht zu Theil werden Hessen. Kn. namentlich hat 
den einzig richtigen Weg für die Beurtheilung der 
sprachlichen Eigenthümlichkeiten M.’s erwählt, indem 
er, von dem Sprachgebrauchs der damaligen Zeit 
ausgehend, Parallelstellen aus den Dichtungen der 
Zeitgenossen heranzieht, durch das Studium älterer 
Grammatiken und Wörterbücher manches richtiger 
zu erklären im Stande ist und bei seiner streng 
historisch-philologischen Methode auch sich von 
dem bequemen Auskunftsmittel so mancher „schul- 
mässiger“ Herausgeber, Druckfehler und Incorrect- 
heiten da an/.unehmen, wo sie die mangelnde Kennt- 
niss der Sprachformen des XVII. Jh.’s im Stiche 
Hess, natürlich ganz fern hält. So steht einmal im 
„Sganarelle“ (V. 139) „et fen sais tel ici u , wo der 
heutige Sprachgebrauch die Femininform „teile* 1 
verlangen würde. Als Druckfehler ist tel schwer¬ 
lich anzusehen, da es sich in allen zu Moliöres 
Lebzeiten erschienenen Ausgaben findet, auch in 
der von Moliöre selbst durchgeschenen der Jahre 
1674—1675 (bei Denys Thierry erschienen), die 
Lacroix im Wesentlichen mit Riecht als die „vöri- 
table Edition originale des oeuvres de Moliöre“ in 
einer 1874 erschienenen kleinen Schrift bezeichnete. 
Kn. weist wieder aus dem damaligen Sprachge- 
brauche die Existenz ähnlicher geschlechtsloser (für 
M. und F. gebräuchlicher) Adjectivformen nach 
($. S. 28 N. und S. 22 zu V. 35). Aehnlich ist der 
Nachweis geführt, dass pas un damals die Bedeutung 
von quelqun in Sätzen mit negativem Sinn hatte 
(Princesse d'Elide II, V. 350, S. 126), während wir 
das un autre statt une autre (ebd. IV, V. 838) nur 
für einen Druckfehler halten können, der bereits 
von Moliöre selbst noch berichtigt worden ist, ob¬ 
wohl auch hier Kn. Nachweise für die Vermischung 
des un und une vor Adjectiven, Adverbien und Sub¬ 
stantiven bringt (S. 152, Note). Zu V. 118 des¬ 
selben Stückes ist eine bisher unbeachtet gebliebene 
Stelle aus Brantömes Memoiren zur Erklärung eines 
seltenen Ausdruckes geschickt herangezogen worden. 
Auch sonst ist an vielen Stellen die bisherige Er¬ 
klärungsweise ergänzt und berichtigt und stets die 
historische Methode an Stelle des willkürlichen, von 
den heutigen Sprachformen ausgehenden Dilettan¬ 
tismus gesetzt worden. Gleiches Lob wie die Com- 
mentarc verdienen auch diesmal die Einleitungen. 
Schon die zum „Sganarelle“ ist trotz des im Ganzen 
dürftigen und weit zerstreuten Quellenmaterials zu 
einer inhaltlich abschliessenden und formell tadel¬ 
losen geworden, und viele Ergänzungen sind den 
von Despois und Moland gegebenen Einleitungen 
noch hinzugefügt worden. Die neuere Moliöre- 
Forschung, namentlich die im „Moliöriste“ ver¬ 
öffentlichten Beiträge, haben dabei ihr volles Recht 
gefunden, doch hat die etwas peinliche Inquisition, 
welche Kn. (Einl. S. 4 und 5) gegen das leichtge¬ 
fügte, schnell hingeworfene Werk des Genies richtet, 
einen zu schulmeisterlichen Anstrich. Die Einleitung 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 3. 


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zur „Princesse d’Elide“ ist das Eingehendste und 
Vollkommenste, was bis jetzt über das Stück ge¬ 
schrieben worden ist. Neu sind die Parallelen 
zwischen dem Grundgedanken dieses (bekanntlich 
sich eng an ein spanisches Vorbild schliessenden) 
Stückes und denen einzelner Shakespeareschen 
Komödien 1 (S. 73), sehr dankenswerth die Heran- 
zii hung von Riccobonis in ihrer Einseitigkeit richtig 
gewürdigten Bemerkungen (Anhang II). Die Inhalts¬ 
angabe des „Desden con el Desden* konnte weg¬ 
bleiben, da die Dichtung selbst jedem Neuphilo¬ 
logen im Originale, jedem anderen in Dohrns 
Uebersetzung zugänglich ist, und wäre durch eine 
ä^hetische Analyse besser ersetzt worden, dagegen 
ist die ästhetische Würdigung der Molifereschen 
Dichtung eine durchaus treffende. Die eingehenden 
Notizen über „Nachahmungen und Uebersetzungen“ 
der „Princesse d’Elide“ zeigen ebenso wie die ent¬ 
sprechenden in der Einleitung zu „Sganarelle“ die 
Belesenheit und den unermüdeten Sammelfleiss des 
verdienstvollen Moli&re-Commentators. Nur möchten 
wir am Schluss einen Wunsch nicht zurückhalten. 
Nachdem Kn. so energisch mit dem Schematismus 
seines Vorgängers Laun gebrochen hat, sollte er 
doch auch die beliebten Excurse über die „Personen 4 * 
{bezw. Personennamen) in den Stücken mit in die 
Einleitungen oder Commentare verweben, wenn sie 
ihm nicht ganz überflüssig erscheinen. So wäre 
der letzte Rest des alten Schlendrian in der Moli&re- 
Edition, dessen Conservirung sich Herr Prof. Lion 
aus Rücksicht auf pietätsvolle Gemüther sehr an¬ 
gelegen sein lässt, dann glücklich beseitigt. 

Halle. R. Mahren holt z. 


La Francesca di Dante. Studio di Luigi Mo¬ 
randi con un appendice su certa spccie di critica 
molto usata in Italia. Cittä di Castclio, S. Lapi. 
1884. 34 S. Mezza Lira. 

Ein unbefangenes Gemüth, welches die Episode 
von Francesca und Paolo liest, meint der Verf., 
kann es dem Dichter nicht verzeihen, dass er dies 
Liebespaar in die Hölle versetzt hat. Welche Ab¬ 
sicht veranlagte Dante eine solche Wirkung herbei¬ 
zuführen und mit welchen Mitteln weiss er sie zu 
erzielen? Des Verf.’s Antwort ist: Dante will die 
Schuld der beiden Liebenden möglichst gering er¬ 
scheinen ma'chen. Die Strafe für ihr Vergehen, ihr 
jäher, gewaltsamer Tod, ist weit grösser als ihre 
Schuld. Daher rührt das allgemeine Mitleid mit 
ihnen; um diesem den möglichst tiefen Ausdruck 
zu geben, bringt der Dichter das Liebespaar in die 
Hölle: auch dort unten wird die Grösse der Strafe 
seine Schuld verzeihen und fast vergessen machen. 
Im Fegefeuer, oder vollends gar im Paradiese, w ürde 
die Schuld, halb oder ganz verziehen, dem Leser 
in ihrer Wirklichkeit erschienen sein und hätte kein 
Mitleiden einflössen können, weil der gewaltthätige 
Tod im Vergleich zu der ewigen Belohnung nicht 


1 Um nioht mit Bümelin, Dulihaupt u. a. Vertretern der 
realistischen Shakspere-Kritik in 8treit za gerathen bemerkt 
Bef., dass er den Ausdruck „Grundgedanken“ nicht in dem 
abatracten 8inne Ulricis versteht. 


in Betracht gekommen wäre. Nicht wegen der 
Natur ihrer Fehler also musste Dante die Liebenden 
in die Hölle versetzen, sondern weil sich ihre Ge¬ 
stalten im Fegefeuer oder im Paradiese unbeachtet 
unter der Menge verloren hätten. 

Wir gestehen weder zu begreifen, w r ie ein un¬ 
befangenes * Gemüth sich über den Dichter be¬ 
klagen soll, dass er das Liebespaar wegen seines Ver¬ 
gehens in die Hölle versetzt hat, noch wie Morandi 
die Ansicht haben kann, dass Dante, nur um mehr 
Effect zu erzielen, zwei Nichtschuldige in die Hölle 
bringt. Das entspricht doch seinem Princip der 
strengen Gerechtigkeit durchaus nicht. Wir müssen 
annehmen, der Dichter sei überzeugt gewesen, dass 
die Liebenden durch ihren plötzlichen Tod daran 
gehindert wurden ihre Todsünden zu bereuen und 
sich wirklich in der Hölle befanden. Lächerlich 
geradezu ist es, einen streng historischen Beweis 
dafür zu verlangen, dass Dante sichere Nachricht 
gehabt habe, die Reue sei nicht geschehen, weil 
man ihn sonst für einen Verleumder gelten liesse. 
— Einen Beweis für des Verf.’s im Anhänge auf¬ 
gestellte These, dass die meisten seiner Landsleute 
die ernsten Studien meiden und sich auf die ästhe¬ 
tische Kritik werfen ohne erstere zu berücksichtigen, 
liefert nur das erste Beispiel. Pasqualigo’s und 
Labruzzi’s Ein wände gegen M.’s Artikel, so w*eit sie 
im vorliegenden Schriftehen herangezogen werden, 
sind zum grossen Theil begründet und werden durch 
M/s Glossen nicht entkräftet. Die richtige Wür- 
digung und Erklärung der Episode der Francesca 
bleibt nach unserer Ansicht, trotz M/s Einwänden, 
die von De Sanctis in den Nuovi saggi critici. 

Ludwigslust, 19. Oct. 1885. Berthold Wiese. 


llammerich, Martin, Die Kunst gemein¬ 
fasslicher Darstellung. Aus dem Dänischen * 
von Al. Mich eisen. Leipzig, Joh. Lehmann. 
1884. VIII, 215 S. 

Bücher von der Art dieser w*ohl in den sech¬ 
ziger Jahren entstandenen, erst nach dem Tode des 
Verf/s veröffentlichten Schrift werden bei uns seit 
hundert Jahren nicht mehr geschrieben: auch in 
Sachen des Stils scheint uns nicht mehr die erste 
und wichtigste Frage zu sein, was die Alten davon 
gedacht haben. Indessen ist es eine echte Neigung, 
welche den dänischen Gelehrten und Schulmann zu 
Plato, Aristoteles und Cicero hinzieht, und sie ist 
bei ihm erklärlich, da er als Angehöriger eines 
kleinen Volkes (S. 73) weiss, dass die literarischen 
Erzeugnisse eines solchen den Kreis, für den sie 
wirken wollen, oft nicht zu erreichen vermögen, 
wenn sie nicht von vornherein durch Anschluss an 
das Beste und Mustergiltige aus anderen Ländern 
und anderen Zeiten sich ein möglichst weites Gebiet 
sichern. llammerich hat auch s. Z. für die An¬ 
näherung der drei nordischen Literaturen eine leb¬ 
hafte Thätigkeit entwickelt. Ein Lehrbuch, wie 
der Uebersetzer gemeint hat (Vorr. S. VIII), kann 
diese Sammlung z. Th. geistreicher und sinnvoller 
Aufsätze nicht werden, schon weil ihr die syste- * 
matische Form und meistens auch die erläuternden 
Beispiele fehlen. Wenn der Verf. ein Buch daraus 

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1886. Litcraturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 3. 


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machen wollte, so hätte er gewiss noch vieles hinzu 
gethan, auch manches ausgeglichen und geglättet. 

Pie Uebersetzung ist gewandt, scheint aber 
doch manchmal den Gedanken des Originals nicht 
anz klar wiedergegeben zu haben. Die Anmer- 
ungen TÜhren theils vom Verf., theils vom Ueber- 
setzer her; der Leser erfährt nicht, wem von beiden 
er sic in jedem Falle zuzuschreiben habe. Wir 
wissen auch nicht, wenn die wiederholt vorkommende 
Schreibung Massilon für Massillon zur Last 
fällt. 

Karlsruhe, Jan. 1885. E. v. Sallvvürk. 


Zeitschriften. 

Archiv f. das Studium der neueren Sprachen u. Litera¬ 
turen LXXV, 1. 2: H. Isaao, Die Hamlet-Periode in 
Shaksperes Leben (Forts.). — K. Bil tz, Die neueste Schrift 
Aber die Zeit der Abfassung von Luthers Lied: Ein feste 
Burg ist unser Gott. — W.Schwartz, Volkssag© und 
Volksglaube. — L. Wirth, Johann FiBcharts religiös¬ 
politisch-satirische Dichtungen. — E. Eick er sli off. Ueber 
die Verdoppelung der Gonsonanten im Altnorraannischen. — 
Dr. K. Engelcke, Die Lieder des Hugues de Bregi. — 
Rosenkranz-Predigt, hrsg. von L.Fassbender. — A. Rudolf, 
Salamander reiben. — Ein deutscher Sprachverein. 

Mdlnsine III, 2: H. Gaidoz, un Dictionnaire de mythologie 
olassique. — Ad. Orain, Formules magiques pour savoir 
qui Ton öpousera. — Moeurs et usages de la Raute-Bre¬ 
tagne (Forts.). — Le Plongeur (Forts.). — Le verrues (Forts.). 

— La Courte-Paille, chanson populaire (Forts.). — Biblio¬ 
graphie. _ 

Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und 
Literatur XI, 2: Th. Siebs, Der Vokalismus der Stamm¬ 
silben in der altfriesischen 8prache. — Otto Bremer, 
Germanisohes l, II. Der idg. Ablaut g-ö-d im Germanischen. 

— S. Singer, Zum althochdeutschen Vokalismus. — M. 
Mann, Die althochdeutschen Bearbeitungen des Physio- 
logus.* — K-Reissenberger, Zu Reinhart Fuchs. — 
E. Sievers, Zum angelsächsischen Reimlied. — Ders., 
Die Heimat des Beowulfdichters. — J. W. Müller, Ags. 
Genesis 431. 


Englische Studien IX, 2: C. H. Herford, On the Glass 
of Government. — R. Boyle, Beaumont, Fletcber and 
Massinger (Forts.). — H. Varnhagen, Die Erzählung 
von der Wiege (Chaucer’s Reeve’s Tale). — K. Elze, 
Notes and Conjectural Emendations on „Antony and Cleo¬ 
patra“ and „Pericles“. — A. Schröer, De consuetudine 
monachorum. — L. Kellner, Marlowe’s Werke hrsg. von 
Breymann und Wagner: Tamburlaine hrsg. von Wagner; 
Heilbronn, Henninger. — M. Koch, v. Weilen, Shakespeares 
Vorspiel zu „Der Widerspenstigen Zähmung“: ein Beitrag 
zur vergl. Literaturgeschichte. — Ders., Boyle, Shake¬ 
speares Wintermärchen und Sturm. — Ders., Rossi, Studien 
über Shakespeare und das moderne Theater. — F. Kluge, 
Noreen, Altisländ. und altnorw. Grammatik. — Ders., 
Brate, Fornnordisk Metrik. — L. Proescholdt, A new 
study of Shakespeare: an Inquiry into the connection of 
the plays and poems, with the origins of the classical Drama, 
and with the Platonic Philosophy, through the Mysteries. 
London, Trübner. — Ders., Shakespeares dramatische 
Werke, nach der Uebersetzung von Schlegel, Kaufmann, 
Voss neu hrsg. von M. Koch. 12 Bände. Mit einem Supple¬ 
mentband, die Biographie des Dichters enthaltend. — M. 
Koch, W. Watkiss Lloyd, Much ado about nothing: Now 
first publ. in fully-recovered metrical form and with a pre- 
fatory essay. London, Norgate. — L. Proescholdt, A 
8choolma8ter , s Retrospect of Eighteen and a half Years in 
an Irish School. By M. C. Him. — H., J. Koch, Willen¬ 
berg,Klinghardt,Proescholdt, Lehr- und Uebungs- 
bücher für die engl. Sprache. — M. Koch, W. Forcke, 
Fr. Körnig, F. Bobertag, Programmschau. — E. Ein¬ 
enkel, Zu Schippers Metr. Randglossen. — E. Kolbing, 
Zu Goldbergs Ausgabe des engl. Cato. — M. Walter, 
Bericht über die Sitzungen der neuphil. Section auf der 38. 


Philol.-Versammlung zu Giessen. — C. Stoffel, Zu E. 
Hausknechts Floris and Blaunoheflur. — J. Koch, Zu Engl. 
Stud. VIII, 354 ff. 


Revue des langues romanes III sörie t. XIV. Sept. 1885: 
C. Chabaneau, Paraphrase des Psaumes de la Pönitence 
(Schluss). — D e r 8., Le Romanz de Saint Fanuel. — Lu 
Lambert, contes populaires du Languedoc (Forts.). — 
L. Clödat, Trös-humble Essai de phonötique lyonnaise, 

S ar Nizier du Puitspelu. — L. Constans, La chanson de 
Loland, nouvelle edition olassique, par L. Clödat. 

Zs. f. neufranz. Sprache u. Literatur VII, 6: F. L., H. 
M. Schletterer, Vorgeschichte und erste Versuche der franz. 
Oper. — E. v. Sallwürk, F. Lotheissen, Zur Sittenge¬ 
schichte Frankreichs. — §§, H. Koerting, Geschichte des 
frz. Romans im 17. Jh. — K. Bartsch, W. Scheffler, Die 
franz. Volksdichtung und Sage. — W. Scheffler, pe- 
combe, cbansons populaires, recueillies dans le departement 
d’Ille-et-Vilaine. — E. Ritter, Gustav Hahn, Basedow u. 
sein Verhältnis zu Rousseau. — R. Mahrenholtz, W. 
Knörich, Moliöres Werke. — Ders., A. Marasca, La Hen- 
riade del Voltaire, l’Enrico di Malmignati, Poeta Veneziane 
del Secolo XVII, con Notizie biografiche. Cittä di Castello. 
— A. Lüder, R. Hülsen, Andrö Chönier. — M. Hart¬ 
mann, CEuvres complötes de Victor Hugo. Ed. d4f. d’aprW 
les mss. originaux. — G. Hahn, M. Asmus, cours abrög& 
de la littörature frang. depuis son origine jusqu’ä nos jours. 
— A. Haase, J. Masberg, Kurzgefasste franz. Syntax. — 
Der8., Thiem, Repetitionen zur franz. Syntax. — Ders., 
8eeger, Lehrbuch der nfrz. Syntax. — A. Lüder, K. A. 
Martin Hartmann, Victor Hugo. — P. Gröbedinkel, W. 
Ricken, Die metr. Technik Corneille’s. — J)ers., Mainard, 
Traitö de versification frangaise. — Ph. Godet, Le mouve- 
inent litt, de la Suisse romande en 1883 et 1884. — Zeit¬ 
schriftenschau. — W. Scheffler, Auszug aus dem „Bulle¬ 
tin des Lois de la Röpublique Frangaise“. — H. Koer¬ 
ting, Ueber „Verschollene Hss.“ — E. v. Sallwürk, 
Lückings Grammatik. 

Franco-Galliu Febr.: H. J. Heller, Uebung des Ohrs. — 
B. Uber, Ergänzungen zu dem französischen Wörterbuch 
von Sacb8-Villatte. — Zur neusprachlichen Reform (Anti¬ 
kritik und Replik). — R. Schröder, Glaube und Aber¬ 
glaube in den altfranz. Dichtungen. — Ch. Fr. Hellwags 
Dissertatio de formatione loquelae. Neudruck, bes. durch 
Vietor. 

Rivista critica della Letteratura Ttaliana III, 1: A. Zo¬ 
ne tti, M. A. Canini, II libro dell’Amore: poesie Italiane 
raccolte, e straniere raccolte e tradotte. — 8. Morpurgo, 
E. Penco, Storia della letteratura italiana: Le Origini. — 
G. Setti. Lettere inedite di Pietro Brighenti, pubblioate 
per le nozze Rimini-Todros. — G. Mazzoni, G. M. Gamma, 
Tommaso Gro9si e I Lo mbar di alla prima crociata. — T. 
Casini, J. Ulrioh, Altitalienisohcs Lesebuch: XIII. Jh. — 
G. Setti, A. De Nino, Vecchi amori grammaticali e filo- 
logici. — V. Cregcini, C. Antona-Traversi, Notizie sto- 
riche sull’Amorosa Visione. — Bollettino Bibliografico: Gll 
autografi di Francesco Redi esistenti in Arezzo. — G. Po- 
letto, Dizionario dantesco, vol. I. — P. Tartarini, La 
Beatrice di Dante e la Bice Portinari. — Documenti per 
la storia del Mausoleo di Dante. — A. Novara, La Geru- 
salemme liberata di T. Tasso, annotata per uso delle scuole. 
— Della ediflcazione di una cittä sul monte Argentaro: 
ragionamenti di Claudio Tolomei e Pietro Cataneo. — V. 
Turri, Luigi Groto, il Cieco d’Adria. — H. Oesterley, 
Wegweiser durch die Literatur der Urkunden-Sammlungen. 
— De la pratica di comporre finestre a vetri colorati: trat- 
tatello del secolo XV. — Lettere di Teresa Bandettini & 
Giuseppe Bernardoni. — Ninne-nanne, cantilene e giuochi 
fanciulleschi uditi in Firenze, con l’aggiunta di alcune ninne- 
nanne tratte da’ manoscritti. — G. Fraccaroli, Per gli 
umori8ti dell’ antichitä. — G. Biadego, Versi. — V. 
Della Sala, Profili meridionali. — M. Pagano, Dio e 
Natura, pensieri inediti. — A. G. Spinelli, Fogli sparsi 
del Goldoni. — Comunicazioni: P. Paganini, Amori saori- 
leghi di uno studente Pisano del sec. XVI. — S. Ferrari, 
Antichi contrasti popolari. 

II Propngnatore XVIII. 6 (Nov. Dec.): Giovanni Romag- 
noli, Frate Tommaso Sardi e il suo poema inedito dell’ 
anima peregrina. — Franc. Guardione, La Giovinezza 
di Giacomo Leopardi. — Ern. Lamma, Studi sul Canzo- 
niere di Dante. — Giov. Pi ne Ui, Il mattino del Parini, 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


122 


comento. — T. Casini, 11 canzon. Palatino 418 della Bibi, 
naz. di Firenze. — F. M. Mirabella, A proposito di una 
notizia della condanna di un Ciullo d’Alcamo, lettera al 
Comm. Frahc. Zambrini. 


Zs. f. Völkerpsychologie n. Sprach Wissenschaft XVI, 

3: Wilh. Schuppe, Subjectlose Sätze (mit besonderer 
Rücksicht auf Miklosichs „subjectlose Sätze“). 

Börsenblatt f. den deutschen Buchhandel Nr. 27 u. 31: 

J. Braun, Das älteste Faustbuch und sein "Verleger. 

Correspondenzblatt f. die Geleinten- u. Realschulen 
Württembergs 1885, 9/10: Rapp, Zur Reform des neu¬ 
sprachlichen Unterrichts, zunächst an der lateinlosen Real¬ 
schule. 

Historische Zeitschrift LV, 2: Koch, Die Verfassung von 
Oenf und Rousseau’s Contrat social. 

Anzeiger des gerntan. Nationaliuusenms Jan.: H. Bösch, 
Bauernregeln; alte Sprüche. I 

Mittheilungen des \eieins f. Anhaltisclic Geschichte I 
n. Altertliumsknnde IV, 6: Hosäus, Geistliche Gedichte I 
aus dem ersten Jahrzehnt des 16. Jh.’9. — Schulze, | 
Noch einmal der Name Mägdesprung. ; 

Korrespondenzhlatt des Vereins f. siebenb. Landes- j 
kund** IX, 1: Julius Gross, Seltene Druckwerke in der t 
Bibliothek des evang. Gymnasiums A. B. in Kronstadt. 1 

Magazin f. die Literatur des Jn- n. Auslandes 5—7: \ 

E. Dorer, Ludwig Holberg und das span. Theater. I 

Unsere Zeit 1: Willkomm, Die span. Basken u. ihr Land. I 

Nord und Süd Febr. : Mäh ly, Die Kunst des Uebersetzens. j 

Die Gegenwart Nr. 4: D. Sandern, Carl Abels sprach¬ 
wissenschaftliche Abhandlungen. — G- W i n t e r, Zur Lebens- 
geschichte der Brüder Grimm. 

Die Grenzboten Nr. 3: Haynis Herderbiographie. — Nr. 4: 

F. Podgornik, Der Verlust des Volksthums durch die 
Sprache. 

Beilage zur AUg. Zeitung 23. Jan.: Heinrich Welti, 
Ein wiedergewonnenes Werk. (Munckers Ausgabe der 
Lessingschen Schriften.) — 28. Jan.: Neue Schriften zur 
Literatur- und Kulturgeschichte. (Darunter: Herrn. H ü f f e r, 
Erinnerungen an Schiller; Julius Ernst v. Günthert, 
Nörike und Notter.) 

Wissenschaft!. Beilage der Leipziger Zeitung Nr. 8: 
Ernst Elster, Neue Goethe-Forschungen. 

Vossiscbe Zeitung Sonntagsbeilage Nr. 2 u. 3: R. Fisch, 
Friedrich der Grosse und der Hofpoet J. V. Pietsch. — 
R. Gosche, Moses Mendelssohn und die literar. Salons in 
Berlin. — L. H. Fischer, Ludwig Zink und Adam Oehlen- 
schläger (nach Tiecks ungedrucktem Briefwechsel). 

Sanitären 1885 H. 1. 8. 25—41: H. HernHind, Svenska 
Tungoroals-gillet och den förhällande tili Vetenskaps-aka- 
demien. — 8.60—72: H. Schück, Medeltidsstudier. 1. När 
öfversattes Didrikskrönikan? 2. Själens Kloster. 3. En medel- 
tidsdikt. 4. Barnaboken. — E. H. Lind, 8vensk literatur- 
historisk bibüografi. IV. 1883. 9. 8. S. 

Finale. Tidskrift 1885 Oct. 8. 264—273: K. Lindström, 
Studier pa svensk spräkbotten i Finland. I. — Dec. 8. 452— 
462: K. Lindström, Studier pä svensk spräkbotten i Fin¬ 
land. II. 8. 

The Academy 9. Jan.: Sargent, Swifts letters and jour- 
nalft, edited by 8tanley Lane-Poole. — Ralston, Crane, 
Italian populär tales. — Paget Toynbee, Dante and the 
Lancelot romance. — M a y h e w, The etymology of „Craven“. 

_ 16. Jan.: Hodgkin, Scott, Ulfilas, apostle of the Gotha, 

together with an account of the Gothic churches and their 
decline. — D o w d en, The Date of „the Merchant of Venice“. 

— B o u 11, Swift as a aubject for examination. — 8 i b r e e, 
The Indo-European noun and verb. 

The Athenaeum 9. Jan.: The Paradiae of Dante, ed. with 
translation and notea by A. J. Buttler. — Rivington, 
Gibbs, Lupton, The vicar of Wakefield. — Buxton 
For man, The Byron Quarto. — 16. Jan.: Letters and 
Journals of Swift, p. p. Stanley Lane-Poole. — Scherer, 
A hiatory of german literature, tranal. by Mrs. Corrybeare, 
edited by Max Müller. — Welsh, The vicar of Wakefield. 

— Edgcumbe u. Fr. Harvey, The Byron quarto. — 
8tanley Lane-Poole, Swift in 1708. 

Ajrchivio storico italiano XVII, 1: J. Del Lungo, Pro¬ 
testatio Dini Compagni. 


Neu erschienene Bücher. 

Floegel8 Geschichte des Grotesk-Komischen, bearb., er¬ 
weitert und bis auf die neueste Zeit fortgeführt von F. W. 
Ebeling. 3. Aufl. 1. Lief. gr. 8. (S. 1—80.) Leipzig, Bars¬ 
dorf. Lief. 1—6: M. 18. 

Handbuch der klassischen Alterthumswissenschaft in syste¬ 
matischer Darstellung. III. Halbband (= I, 1). Nördlingen, 
Beck. 336 8. 8. [Inhalt: L. v. Uri ich8, Grundlegung und 
Geschichte der klass. Alterthumswissenschaft; Fr. Blass, 
Hermeneutik und Kritik; D e r s., Palaeographie, Buchwesen 
und Handscbriftenkunde.] 

Hillebrand, Karl, Kulturgeschichtliches. Aus dem Nach¬ 
lasse hrsg. von Jessie Hillebrand. Berlin, Oppenheim. 1885. 
XI, 335 8. 8. M. 6. (Darin: Die Wertherkrankheit in Europa; 
Ueber die Convention in der französischen Literatur.) 


Bach mann, Albert, Beiträge zur Geschichte der Schweize¬ 
rischen Gutturallaute. Züricher Dissertation. 56 8. 8. 

Bühler, Valentin, Davos in seinem Walserdialekt. [Der 
Graubündnerdialekt an demselben dargestellt.] Ein Beitrag 
zum Schweizer. Idiotikon. IV. [1. u. Hauptsuppl.] gr. 8. 
Aarau, Sauerländer. M. 3 (I—III, 1 u. IV: M. 18,20). [In¬ 
halt: Der Obersaxer Dialekt in seiner Eigenart. (Beigabe: 
Wanderung durch Obersaxen als historisch-topogr. Einleit, 
dazu. | 1. Halbbändchen. Auf Grund von Originalmittheil, 
von J. P. Henni und J. Janka in Obersaxeu, und nach 
mehrjähr. Correspondenz u. Nachforschung, gesammelt, alpha¬ 
betisch geordnet, ausgearb., mit Noten versehen u. hrsg. 
von V. B. (Mit 2 litli. Tafeln nach J. Janka.) Nachtrag: 
Chrestomathie der Büudnerdialekte. IV, 128 8. u. 8. 35—50. | 

Düntzer, Heinrich, Abhandlungen zu Goethes Leben und 
Werken. Leipzig, Wartig. 2 Bände. 319 u. 412 8. gr. 8. 

• Festschrift zur Feier des 50jährigen Dienstjubiläums des 
Gymna8ia1directors Dr. Nölting, hrsg. vom Lehrercollegium 
der Stadtschule zu Wismar: E. F. Fritzsche, Zur Kritik 
Walthers (Lachm. 65, 33). — Rieh. Wossidlo, Einige 
beaebtenswerthe Wortbedeutungen im Mecklenburger Platt. 

Füeterers, Ulrich, Prosaroman von Lanzelot nach der 
Donaueschinger Hs. hrsg. von Arthur Peter. 372 S. 8. 175. 
Publication des literar. Vereins in Stuttgart. 

Hensohke, Ueber die Nachbildung griechischer Metra im 
Deutschen. Hallenser Dissertation. 38 8. 8. 

Hildebrand, Hans, Sveriges Medeltid. Kulturhistorisk skild- 

, ring. Andra delen. H. Stockholm, Norstedt & Söner. 1885. 
8. 161—272. 8. Kr. 2,50. 8. 

Kern, F., Deutsche Dramen als. Schullektüre. Vorlesung. 
Berlin, Nicolai. 39 8. gr. 8. M. 0,80. 

Lindenschmit, Die Alterthümer unserer heidnischen Vor¬ 
zeit. Bd. IV, H. 3. Mainz, v. Zabern. M. 4. 

L u n d el 1. J. A., Om rättstafningsfr&gan. Stockholm, Norstedt. 
126 8. 8. 

Lyttkens, J. A., och F. A. Wulff, Om grunderna för 
ändringar uti svenska spr&kets rättskrivning. Lund, Gleerup. 
18 8. 8. Kr. 0,25. 8. 

Neudrucke deutscher Literaturwerke des XVI. u. XVII. 
Jh.’s. Nr. 59—61: Schelmuffsky von Ch. Reuter. Abdruck 
der ersten Fassung 1696. VI, 57 S. M. 0,60. — 12 Fast¬ 
nachtsspiele aus den Jahren 1554—1556 von Hans Sachs. 
Hrsg, von E. Goetze. XV, 164 8. 8. M. 1,20. 

Nor ge 8 gamle Love iridtil 1387. IV. Bind .(Supplemente zu 
Bd. 1—III. 1846—1849 und Beschreibung der Hss.), udgiv .. 
ved Gustav Storm. Christiania 1885. XXVI, 797 S. 4 (mit 
17 Facsimiletafeln). 

Reinolt vonMontelban oder die Heimonskinder hrsg. 
von Friedrich Pfaff. 680 S. 8. 174. Publication des literar. 
Vereins in Stuttgart. 

Sach8, Hans, Bd. 15, hrsg. von E. Goetze. 583 S. 8. 173. 
Publication des literar. Vereins in Stuttgart. 

Schanzenbach, Französische Einflüsse bei Schiller. Progr. 
des Eberhard-Ludwigsgymnasiums zu Stuttgart. 52 S. 8. 

Schiitbergers, Hans, Reieebucb, hrsg. von Valentin Lang¬ 
mantel. 196 S. 8. 172. Public, des lit. Vereins in Stuttgart. 

Schmidt, Erich, Lessing. Geschichte seines Lebens u. seiner 
Schriften. Bd. 11, 1. Abtb. Berlin, Weidmann. VI, 346 S. 
gr. 8. M. 5. (Vgl. 8euffert: Deutsche Literaturz. Nr. 6.) 

Spannagel, C., Zur Geschichte des deutschen Heerwesens 
vom Beginn des 10. bis zum Ausgang des 12. Jh.’s. Leipzig, 
Fock. 77 S. 8. M. 1,50. 

Tomaschek, K., Schillers Wallenstein. Wien, Gerold. 38 S. 

1 8. M. 0,80. 

9 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 3. 


124 


Vilmar, A. F. C., Lebensbilder deutscher Dichter und Ger¬ 
manisten nebst literaturgeschichtlicher Uebersicht. Zweite 
yermehrte und erweiterte Auflage hrsg. von Max Koch. 
Marburg, Eiwert. 232 8. 8. M. 2,40. 

Visböoker. 1500- och 1600-talens Visböoker utgifna af 
Adolf Noreen och Henrik Schfick. H. Broms Gyllenmärs 
Yisbok. H. 2. Stockholm, Norstedt & Söner. 8. 183—246. 8. 
(In: Skrifter utgifna af Svenska Literat ursällskapet.) 8. 

W i sdn, Theodor, Mdlahättr. Ett bidrag tili norröna metriken. 
Lund, Beding. 35 8. 8. 8. 


Barne8, William, A Glossary of the Dorset Dialeot. With 
a Grammar of its Word Shapening and Wording. London, 
Trübner. 124 8. 8. 

Ceochini, R., Pro Byron (a proposito di uno scritto in- 
titolato Una notte di lord Byron, pubblioato nel n° 2 anno 
I dei Dottor Fausto di Yenezia). Pisa,, tip. di F. Mariotti. 
1885. p. 43. 16°. 

Encyclopaedio Dictionary: A new and original Work 
of Reference to all the Words in the English Language. 
Yol. 5. Part I. London, Cassell. 384 8. 8. 

Hoppe, A., Lehrbuch der Englischen Sprache für Schulen. 
1. 2. Aufl. Berlin, Langenscheidt. 265, XXXIX 8. M. 2,40. 

Shakespeare’s tragedy of Hamlet. Ed. with notes by 
Spragne. Chicago, Winchell & Co. 12°. M. 2. 

Shakespeare. Merry Wives of Windsor, Edited, with Notes 
from the Colleotion of the late John Frederiok Stanford, 

* by Henry B. Wheatley. London, Bell and Sons. 276 8. 8. 7/6. 

— —, Works. Avon Ed. Yols. 1 and 2. London, Paul, French 
and Co. 12. 1/6. 

8turmfel8, Aug., Der altfrz. Yokalismus im Mittelenglischen 
bis zum Jahre 1400. Qiessener Dissertation. 36 8. 

Toulmin Smith, Miss L., Boke of Brome. A Common-place 
Book of 15 th Century containing a Religious Play and Poetry, 
Legal Form8, and Local Aocounts etc. London, Trübner. 
176 8. 8. 

Wershoven, F. J., Englisches Lehr- und Lesebuch. Auf 
phonetisoher Grundlage. Bielefeld u. Leipzig, Yelhagen & 
Klasing. VIII, 228 8. 8. M. 2. 


A b r e g 6 de l’histoire de Pätrarque, contenant lcs principaux 
traits de sa vie et les differentes phases de son amour aveo 
la belle Laure, d’aprös ses propres derits et ceux des meil- 
leurs auteurs et traducteurs anciens. 2® ödition. In-12. IY, 
47 pages. Yaucluse, libr. Bruy. fr. 1. 

Alton, Battista, Rimes Ladines in p6rt con traduzion taliana. 

Innsbruck, Wagner. 105 8. 8. M. 1,50. 

Antonio daFerrara, Maestro, Tre ballatc inedite, pubbli- 
cate per cura di Albino c Oddone ZenattL Firenze, tip. 
CarnesecchL, 1886. 8. p. 8. 

Baluffe, Auguste, Moliere inconnu. 8a vie. T. I. 1622—1646. 

Paris, Librairie acadämique Didier. 12. fr. 3,50. 
Bibliothek span. Schriftsteller hrsg. von A. Kressner. II. 
Comedias de Calderon. Mit erklär. Anmerkungen von A. 
Kressner. I. La vida es sueno. Leipzig, Renger. X, 104 S. 8. 
Braga, Th., Curso de Historia de Litteratura Portugueza. 
Adoptado äs aulas de instruc$äo secundaria. Berlin, W. H. 
Kühl 411 & gr. 8. M. 10. 

Burgatzoki, O., Das Imperfect und Plusquamperfeot des 
Futurs im Altfranzösischen. Greifswalder Dissertation. 
Cantare in morte di Galeazzo Maria Sforza (frammento) 
edito per cura del dott. Antonio Medin. Milano, tip. Borto- 
lotti di Dal Bono e C., 1885. 8. p. 15. Estr. dalPArchivivio 
storico lombardo, anno XII. 

Cathörine de Sienne, sa vie et son röle dans l’ltalie du 
XIY® siöole. Par Marguerite-Albana Mignaty. Paris, Fisch¬ 
bacher. 144 8. 8. fr. 3,50. 

Codici, I, Palatini della r. Biblioteca Nazionale Centrale \Ii 
Firenze. Yol. I, fase. I. Roma, Presso i principali librai. 
1885. 8. p. 80. L. 1. Descrizione di 81 Codici Palatini a 
cura de) prof. A. Bartoli. Ministero della pubblica istruzione: 
Indici e cataloghi, n° 4. 

Cresoini, Y., Ugo Angelo Canello. Firenze, Le Monnier. 
11 8. 4. Aus den Miscellanea di filologia dedicata alla 
memoria dei proff. Caix e Canello. 

Dante Alighieri, Yita nuova, con introduzione,-commento 
e glos8ario di T. Casini. Florenz, Sansoni. 

D r o z, E., Etüde sur le soepticisme de Pascal considere dans 
le livre des Pensöes. In-8, 397 p. Paris, F. Alcan. fr. 7,50. 


Estienne, H., deux dialogues du nouveau langage frangois 
italianizö. Paris, Lemerre. 2 Yols. 8. fr. 20. 

Favaro, A., Documenti inediti per la storia dei manoscritti 
galileiani nella Biblioteoa Nazionale di Firenze, pubblicati 
ed illustrati. Roma, tip. delle Scienze matematiche e fisiche. 
1886. 4. p. 192. Estr. dal Bollettino di bibliografia e storia 
delle scienze raatematiohe e fisiche, tomo XVIII. 

Foscolo, Ugo, Opere poetirhe: edizione oompleta, con bio- 
grafia, bibliografia, illustrazioni e nole di Pietro GorL Fi¬ 
renze, Adriano Salani edit., 1886. 16°, Ixiij, 591, cxxv L. 2,50. 

Gaidoz, Henri, Etudes de Mythologie Gauloise. I. Le Dieu 
Gaulois du Soleil et le 8ymbolisme de la Roue. Paris, E. 
Leroux. 114 8. 8. fr. 4. 

Gori, Pietro, Bibliografia foscoliana. Firenze, tip. Adriano 
Salani, 1886. 16°. p. ov, (5). 

G u a 1 a n d i, Angelo, Accenoi alle origini della lingua e della 
poesia italiana, e di alcuni rimatori e prosatori in lingua 
volgare bolognesi e veneziani dei sec. XIII e XIY. 

Kaiser, K., Präcis de l’histoire de la litt6rature frangaise 
depuis la formation de la langue jusqu’ä nos Jours. Jena, 
Bufleb. VIII, 143 8. 8. M. 1,60. 

Kluge, Franz, Ueber die von Samson de Nantuil benutzten 
Werke. 56 8. 8. Hallenser Dissertation. 

Koken, W., Guittone’s von Arezzo Dichtung und sein Ver- 
hältniss zu Guinicelli von Bologna. Leipzig, Fock. 97 8. 
gr. 8. M. 2. 

M et as ta s i o, Pietro, Lettere inedite a Daniele Florio. Udine, 
tip. G. B. Doretti e soci, 1886. 8. p. 53. Yentinove lettere 
da Vienna, degli anni 1735, 1744, 57—63, 66, 67, 71, 75—78, 
81 e 82, pubblicate da Antonino di Prampero per le nozze 
De Conoina-Florio, con una bibliografia delle opere di Da¬ 
niele Florio. 

Mielot, J., Leben der heiligen Katharina von Alexandrien. 
Bearbeitet von M. Sepet, verdeutscht von J. Wipfli und 
J. J. von Ah. Einsiedeln, Benziger. 1. Lief. 36 8. 4. 

Moliere, (Euvres oompletes aveo notices par Charles Lou- 
andre. Paris, Marpon & Flammarion. Yol. I. II. 16°. k fr. 1. 

Ninne-nanne, cantilene e giuochi fanciulleschi uditi in 
Firenze; con Paggiunta di alcune ninne-nanne tratte da' 
manoscritti. Firenze, tip. Carnesecchi. 24 8. 16. 

Pellissier, Eugene, B'rench Roots and their families. A 
Systematik vocabulary based upon derivations for schools 
and candidates for public examinations. London, Macmillan 
and Co. XX, 430 8. 8. 

Rosai, Adamo, 8aggio di quattro canti carnascialeschi peru- 
gini del principio del Cinquecento scoperti in un codice 
della Comunale di Perugia. Perugia, Santucci. 

Schaefer, Curt, Elementarbuch für den französ. Unterricht. 
Berlin, Winckelman & Sohn. 93 S. 8. 

-, Die vermittelnde Methode. Ein praktischer Vorschlag 

zur Reform des franz. Sprachunterrichts unter Berücksich¬ 
tigung der Cirkularverfügung des k. preuss. Unterrichts- 
Ministeriums vom 31. März 1882 nebst Anleitung zum*Gebrauch 
des Elementarbuchs. Berlin, Winckelmann & Sohn. 24 8. 8. 

Seeg er, H., Französische Schulgrammatik. I. Formenlehre 
von Dr. G. Erzgräber. II. Syntax von Director H. Seeger. 
Wismar, Hinstorff. 260 8. gr. 8. M. 2,40. 

Steub, Ludw., Zur Namens- und Landeskunde der deutschen 
Alpen. Nördlingen, Beck. 174 8. 8. 

TIssier, J., Dictionnaire berriohon aveo citations littäraires. 
Pr6o4d4 d’un conte en patois berriohon par le möme. Paris, 
Ghio. XI, 106 p. 32. 

Weissg erber, W., Der Conjunctiv bei den franz. Prosaikern 
des 16. Jh.’s mit Ausschluss des Conj. im adverbial-deter- 
minirenden Nebensatze. 24 8. 8. Giessener Dissertation. 


Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

Ellinger, Alceste in der modernen Literatur (v. Kettner: 
Zs. f. d. Phil. 18, 2). 

Schuchardt, Ueber die Lautgesetze (Lit. Centralbl. Nr. 7). 
Yietor, Elemente der Phonetik (v. 8trien: Central-Organ 
für die Interessen des Realsohulwesens 1885 Dec.). 


Arnoldi Lubecensis Gregorius peccator ed. Buchwald 
(Lit. Centralblatt Nr. 7). 

Herders Werke. Th. H. ed. Lambel (v. Koch: Zs. f. die 
österr. Gymnasien H. 1). 


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1886. Literatnrblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 3. 


Leok, Deutsche Sprachinseln in Wfttsohtirol (t. Lotz: Jahrb. 
d. Vereins r. Alterthumsfreunden im Rheinlande H. LXXX). 


Hasse, Zur 8yntax R. Garhiers (t. Nölle: Central-Organ f. 

die Interessen des Realschulwesens 1885 Dec.). 

Loiseau, Histoire de la littörature portugaise (v. Stprck: 
D. Literaturzeit 6: sehr viel Fehler). 


Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Für den literar. Verein in Stuttgart ist unter der Presse: 
La Yida y las costumbres de los viejos filosofos, hrsg. von H. 
Knust; Li romans d’Escanor, hrsg. von H. Michelant; Die 
Indioes librorum prohibitorum des 16. Jh.’s, hrsg. von Fr. 
Heinrich Reusch. Zum Drucke ist angenommen: Hans Sachs, 
Fortsetzung, hrsg. von £. Goetze. 

Binnen Kurzem erscheint: Grundriss der Romanischen 
Philologie unter Mitwirkung von G. Baist, K. Bartsch, J. 
Cornu, C. Decurtins, W. Deeoke, Th. Gärtner, M. Gaster, 
G. Gerland, G. Jacobsthal, H. Janitschek, F. Kluge, W. Meyer, 
€. Michaelis de Vasooncellos, Fr. D’Ovidio, C. Scheffer- 
Boichorst, H. Bchuchardt A. Schultz, W. Schum, M. Seybold, 
E. Stengel, H. Suohier, H. Titkin, A. Tobler, Fr. Torraoa, E. 
Windisch hrsg. von Gustav Gröber. 1. Lieferung. Strass¬ 
burg, Trübner. 16 Bogen Lex.-8. M. 4. 

Dr. A. Pakscher (Rom) beabsichtigt eine diplomatische 
Ausgabe des Troubadourcodex Vat. 5232 zu veranstalten. 

Von den Antiche rime volgari secondo la lezione del 
cod. vat. 3793, hrsg. von D*Ancona und Comparetti wird dem¬ 
nächst der 4. Band erscheinen. 

An der Universität Leipzig hat sich eine sprachwissen¬ 
schaftliche Gesellschaft gebildet. 

Der allgemeine deutsche Sprachverein hat nunmehr seine 
Satzungen veröffentlicht. Dieselben tragen das Gepräge be¬ 
sonnenen Masshaltens: die deutsche Sprache soll gereinigt 
werden von „unnöthigen“ fremden Bestandteilen. Die For¬ 
derung, dass von Reichswegen eine Akademie der deutschen 
Sprache errichtet werde, hat man glücklicher Weise fallen 
lassen. 

In London tritt eine englische Goethe-Gesellschaft ins 
Leben. Präsident ist J*rof. Seeley; Vicepräsidenten u. a. die 
Professoren Blackie, Dowden, Max Müller. 


Abgeschlossen am 20. Februar 1886. 


Aufruf 

zur Errichtung eines Denkmals für Fritz Reuter. 

Als am 12. Juli 1874 Fritz Reuter zu Eisenach für 
immer die Augen schloss, trauerte mit den Angehörigen und 
Freunden des Entschlafenen das ganze deutsche Volk. 

Der Sänger, weloher nur in der Mundart seiner 'mecklen¬ 
burgischen Heimat gesungen, hatte doch längst die Herzen 
des gesammten Vaterlandes sich gewonnen. 

Der grosse Volksdichter, der tief gemüthvölle Erzähler 
und Humorist, mit dem wir geweint und gelaoht, er verdient 
die dankbarste Liebe und innigste Verehrung seines deutschen 
Vaterlandes. Und diesen Dank, diese Gefühle auoh äusserlich 
zu bethätigen, ist Deutschlands Ehrenpflicht. 

Noch aber gibt kein Denkmal hiervon Zeugniss, noch 
redet kein Standbild zu der Nachwelt, dass die Mitwelt ihren 
grossen Sohn zu ehren gewusst und mahnt die späteren 
Geschlechter, ihn verstehen und lieben zu lernen. 

Ein Gefühl der 8oham muss uns erfüllen bei dem Ge¬ 
danken, dass der Deutsohe im Auslande seine Pflicht besser 
verstanden, dass in Nord-Amer ika seit Jahren schon 
vier Denkmäler predigen von dem Danke gegen unseren 
plattdeutschen Dichter. Schon einmal ging ein Aufruf durch 
die Blätter, schon einmal wurde gesammelt für ein Reuter- 
Denkmal, doch der Zweck wurde nioht erreioht, immer spär¬ 
licher flössen die Gaben und blieben schliesslich ganz aus. 

Die Plattdeutschen Vereine, deren Tendenz die liebevolle 
Pflege eines fast schon vergessenen Idioms ist, deren Grund¬ 
lage und einender Kitt in den Werken Fritz Reuters 
liegen, haben es sich zur Aufgabe gemacht, im Anschluss an 
das bereits bestehende Reuter-Denkmal-Comitä in Schwerin, 
das deutsche Volk an seine Ehrenschuld zu erinnern. 

Vor Kurzem in Magdeburg zu einem Verbände zusammen¬ 
getreten, mahnen sie das Vaterland an seine Pflicht, wenden 
sich noch einmal an den Patriotismus aller Reuter-Verehr er 
und Freunde der plattdeutschen Sprache mit der Bitte um 
Beiträge für ein Reuter-Denkmal. 

Ln seiner norddeutschen Heimat soll es stehen, ein wür¬ 
diges sichtbares Zeichen unserer dankbaren Verehrung; doch 
das ganze deutsche Volk muss dazu beisteuern, soll es in 
einer Form dastehen, die ganz Deutschland zur Ehre gereicht 

Ueberall muss gesammelt werden und der 
kleinste Beitrag, er wird gern genommen, denn er bildet 
einen Baustein zu dem ganzen schönen Werke. 

Geldsendungen, über deren Empfang öffentlich wird 
quittlrt werden, sowie briefliche Mittheilungen und Anfragen 
bitten wir an Dr. phil. Gustav Moeries, Magdeburg, Grosse 
Münzstrasse Nr. 2, gefälligst richten zu wollen. 

Magdeburg, im October 1885. 

Der geschäftsführende Vorstand 
des Verbandes Plattdeutscher Vereine. 


NOTIZ. 

Den germanistischen Thetl redigirt Otto Behaghel (Basel, Bahnhofstrasse 83), den romanistischenr und englischen Theil Frlt« Neumann 
<Freiborg i. B , Albertetr. 24), und man bittet die Beiträge (Recensionen, kurse Notizen, Personalnachrichtei. etc.) dem entsprechend gefälligst su adressiren. 
Die Redaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür öorge tragen su wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romaaistischen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Gebr. llenringer in Heilbroon zugesandt 
werden. Murin diesem Falte wird die Redaction stets im Stande sein, über neu e PublicAtionen eine Besprechung oder 
kürzere Bemerkung (Inder Bibliogr.)su bringen. An Gebr. Henninger sind auch die Anfragen über Honorar und Sonderabzüge zu richten. 


Literarische Anzeigen. 


Einladung zum Abonnement 

auf den fünften Band von 

Französische Studien. Herausgegeben voo G. 
Körting und E. Koschwitz. 

Abonnementspreis pro Band von ca. 30 Bogen M. 15. — 
Einzelne Hefte werden zu erhöhtem Preise abgegeben. 
Erschienen: 

1. Heft. Inhalt: Zar Syntax Robert Garniere. Von 
A. Haase. Einzelpreis M. 3.40. 


Unter der Presse das 2. Heft: 

Inhalt: Beiträge zur Geschichte der französischen 
Sprache in England. I. Zur Lautlehre der französ. 
Lehnwörter im Mittelenglisohen. Von Dr. D. Behrens 

Ferner das 3. Heft: 

Inhalt: Die nordwestlichen Dialekte der langue d'oil 
(Bretagne, Anjou. Maine, Tonraine). Von Ewald 
Gör lieh. 

iiciibronn. $eßr. ^cmtingcr. 


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1888. Literatnrblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 8. 


128 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

•S Briefe lat BtMat Griram. %• 


BRIEFWECHSEL 

ZWISCHEN 

JACOB GRIMM 

UND 

FRIEDRICH DAVID GRAETER. 

Aus den Jahren 1810—1813. 

Herausgegehen von 

Hermann Fischer. 

Geh. M. 1 60. 

BRIEFE 

VON 

JAKOB GRIMM 

AN 

HENDRIK WILLEM TYDEMAN. 

Mit einem Anhang und Anmerkungen 

heriius< «geben von 

l)r. Alexander Reifferscheid, 

ordentl. Professor «irr deutsehen Philologie *u Greifswald. 

Geh. M. 


Dante-Forschungen. 

Altes und Neues 

von 

Karl Witte. 

X. BAND. 

Mit Dante’* Bildnies nach Giotto, ».ach dem 1840 wieder entdeckten Freaco- 
bilde im Palazzo del ßarg»llr» (Pretorio). bevor dasselbe 1S-41 übermalt 
ward, in Kupfer gestochen von J 11 i. Thact er. geh. >1. 1*2.— 

XX. BA.3STD. 

Mit I>ante> Bildni»* nach einer nlten liandceiehnung und dem Plan von 
Floren* zu Ende des XIII. Jahrhunderts, geh. M. 15.— 

Abdrücke der beiden Dante-Bildnisse Auf chinesischem 
Papier mit breitem Rande k M 2.40. 


Moliere’s 

Leben und Werke 

vom 

Standpunkt der heutigen Forschung 

von 

R. Mahrenholtz. 

(Französische Studien II. Rand.) 
geh. M. |2.— 

Shakspere. 

Sein Entwicklungsgang in seinen Werken. 

Mit Bewilligung des Verfassers 
Übersetzt von 

Wilhelm Wagner. 

geh. M. 7.50. 


^reuttöeeßrtefe 

von 

IffitUjflm utiö Jlaftoß (Stimm. 

Mit Anmerkungen herausgegeben von 
Dr. HU*. 3RtifftrfiQti5. 

pit (inen In ^UQttratft non Wtfftcta aal $«&•§ Arfntm. 

Geh. M. 4.- 

BRIEFWECHSEL 

des Freiherrn 

KARL HARTWIG 

GREGOR von MEUSEBACH 

mit 

Jacob und Wilhelm Grimm. 

Nebst einleitenden Bemerkungen über den Verkehr des Samm¬ 
lers mit gelehrten Freunden, und einem Anhang von der 
Berufung der Brüder Grimm nach Berlin. 

Herausgegeben von Dr. Camillus Wendeier. 

Mit einem Bildnis* (Mensebachs) in Lichtdruck. 

Geh. M. 11.50. 


I 


Alt-Ilion im Dumbrekthal. Wo Versuoh die l**<» 
des homerischen Troia nach den Angaben des Plinius 
und Demetrius von Skepsis zu bestimmen von E. Bren¬ 
tano. Mit einer Karte der troisehen Ebene. 

geh. M. 4. 20 

Zur Lösung d<T troianischon Frage. Nobst 

einem Nachtrag: Einige Bemerkungen Über Schliemann’s 
Dios. Von E Brentano. Mit einer Karte der troisehen 
Ebene und zwei Plänen. geh. M. 3. ÖO 

Troia und Neu-Ilion. Von E. Brentano. 

geh. M. 2. — 

Ueber den etruskischen Tauschhandel nach 
dem Norden von Hnrmann Genthe. Nene er- 
weiterte Bearbeitung. Mit einer archäologischen Fund¬ 
karte. geh. M. 6. — 

Ooographi latini minores. Collegif, recensuit, pro- 
legomenis instruxit Alexander Riese, geh. M. 6. 60 


Hierzu Beilagen von: 

Wilhelm Friedrich in Leipzig, Verzeichniss ausgewfthlter 
Werke aus dem Verlage. 

R. Oldenbourg io München, Urtbeile der fachmännischen 
Kritik über die Breymann-Möllerschen Schriften. 

Weidmannsche Buchhandlnng in Berlin betr. Sammlung 
französischer und englischer Schriftsteller mit deutschen 
Anmerkungen. 


Verantwortlicher Retlacteur Prof. Dr. Fritz Neumann fn Freiburg i. B. — Druck von G. Otto in Darmstadt. 


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Literaturblatt 


für 


germanische und romanische Philologie. 

Herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Br. Fritz Neumann 

o. ö. Professor der germanischen Philologie o. ö. Professor der romanischen Philologie 
an der Universität Basel. an der Universität Freibnrg. 

Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 6. 


VII. Jahrg.. Nr, 4. April. 1886. 


Sievers. Proben einer metrischen Herstellung 
der Bddalieder (rt y m o n s> 

Nor een och Bchück, 1500- och 1600-talens 
Viabdcker (M ogk). 

Ptrsi val von Wolfram v. Eschenbach in neuer 
Uebertragung von Bötticher; Das hohe Lied 
▼ora Ritterl hum. ein«* Beleuchtung des Parzival 
ron Bötticher (Bock). 

Wiechmann - Hofmeister. Mecklenburgs 
altniedersächsische Literatur (Krause) 


Octavian, awei me. Bearbeitungen der 8age, 
hrsg. von Sarrazin (Hausknecht). 

Kaufmann, Dip Geschichte des conson. Aus¬ 
lauts im Französischen (W. Meyer). 

Chardon, La vie de Rotron mieux connue 
(Stiefel). 

Ulrich, A It italienisches Lesebuch (Uossafia). 

bbiera, Codicele Veronetean cu un Vocabo- 
lariu etc. (W. Meyer). 

| Asböth, Slawisches in der magyarischen christ¬ 


lichen Terminologie (8 c h u c h a r d t). 

Volf, Von wem lernten die Magyaren schreiben 
und lesen ? {S c h u c ha r d t.) 

Bibliographie. 

Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Muasafia, Berichtigung zu Ltbl. VII 8p. 104 
und 100. 

-, Nachtrag zu Ltbl. Vll 8p. 23. 

Appel, Erwiderung. 


Sievers, E., Proben einer metrischen Her¬ 
stellung der Eddalieder. Halle, Niemeyer. 
1885. 80 S. 4. M. 8,60. (Abdruck aus dem 
Tübinger Märzprogramm.) 

In der vorliegenden Schrift hat Sievers den 
Versuch gemacht, durch die Probe einer Text- 
bearbe.itung die von ihm gefundenen metrischen 
Regeln über den Bau des eddischen Verses zu ver¬ 
anschaulichen. Einer allgemeinen Einleitung (S. i— 
12), in welcher S. die Resultate seiner Forschung 
kurz und klar zusammenfasst, folgen vier Lieder 
in kvipuhättr (VqlospQ S. 12—30, Vegtamskvifa 
S. 30—32, Prymskvi|>a S. 33—38, Hymeskvifa S. 38 
— 44 ), sodann Atlam<$l als Probe des mälahAttr 
(S. 45—62), endlich die Lokasenna als Probe des 
ljöjt&hättr (S. 62—80). Dtm Texten der einzelnen 
Lieder sind besondere metrische Einleitungen voraus- 
geschickt und die Lesarten der Handschriften bei¬ 
gegeben, so weit dies für die speciellen Zwecke 
des Herausgebers erforderlich war. 

In Paul und Braunes Beiträgen V, 449 ff. hatte 
Sievers den Nachweis versucht, dass die dröttkvaett- 
zeile in drei Takte zu je zwei Silben .zerfällt nach 
dem Schema 2 y | y y | z o. und dass eine über dieses 
normale Maas hinausgehende Silbenzahl nur statthaft 
ist, insoweit zwei kurze Silben statt £iner langen 
eintreten können. Die mit diesem Princip verbun¬ 
denen Gesetze über Elision und Silbenverschleifung, 
sowie die metrisch nothwendigen Correcturen der 
UÜberlieferung durch Tilgung unbetonter Pronomina 
and Partikeln und Einsetzung älterer, kürzerer 
Sprachformen waren so einleuchtend, dass sie ernst¬ 
lichem oder doch begründetem Widerspruche kaum 
aasgesetzt sein konnten. W eniger ungetheilten Bei¬ 
fall errang S. mit seinem Versuche, auch für die 


eddischen Veranlasse das Princip der Silbenzählung 
zu erweisen, und insbesondere mit seiner Char&kteri- 
sirung der kviJiuhättr-Kurzzeile als eines Viersilblers 
von der Form hei welchem sowohl die 

Hebungen, wie die Senkung des ersten Fusses zu 
letztere ausnahmsweise auch zu aufgelöst 
werden können (Beitr. VI, 297 ff.). Der Wider¬ 
spruch richtete sich, kurz ausgedrückt, gegen das 
Mechanische in Sievers’ metrischer Theorie, gegen 
das Missverhältniss zwischen dem natürlichen Wort- 
und Satzaccent und dem auf der Grundlage der 
Quantität beruhenden rhythmischen Schema. Eigen- 
thümlich aber war es, dass man diese Bedenken, 
die sich mit vollem Rechte gegen die Annahme 
kehrten, dass unter allen germanischen Versen nur 
der nordische nicht auf dem natürlichen Satzaccent 
beruhe, zwar für die eddischen Versmasse, nicht 
aber für das dröttkvsett und die damit verwandten 
skaldisehen Metra geltend machte. Sievers wurde 
denn auch durch diese Einwendungen zunächst nur 
dazu veranlasst, seine Regeln über den Bau des 
fornyr|>i8lag-Verses zu modificiren (Beitr. VIII, 
54 ff.). Während er für die Metra der Skalden¬ 
poesie an der Taktform ± ^ als der einzig möglichen 
festhielt, gestand er dort dem eddischen ‘Viersilbler 
einen freieren W'echsel zu, indem er ihn jetzt ge¬ 
bildet sein Hess aus zwei Takten von der Form 
± c, oder v die in beliebigem Wechsel zusammen¬ 
treten konnten. Allein auch diese Fassung der 
Regel, einen so grossen Fortschritt sie bekundete, 
konnte noch nicht befriedigen. Es blieben auch für 
die Edda noch Fälle genug übrig, dass namentlich 
dreisilbige W’örter innerhalb des Versschemas ihre 
natürliche Betonung aufgeben mussten. 

Sievers selber blieb es Vorbehalten, durch eine 
eingehende Untersuchung der Rhythmik der ags 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


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Allitterationszeile endlich eine Formulirung der 
Gesetze für den altn. Vicrsilbler zu finden, welche 
von Seiten der Metrik wie von Seiten des ger¬ 
manischen Betonungsprincips als völlig befriedigend 
betrachtet werden darf: Beitr. X, 209 fl*., besonders 
520 ff. Die Untersuchung ergab die principielle 
Identität des altn. Viersilblers und der ags. Kurz¬ 
zeile, nur mit dem Unterschiede, dass die in der 
ags. Metrik übliche Mischung vier- und fünfsilbiger 
Verse in der altnordischen aufgehoben ist durch 
Spaltung in zwei verschiedene Metra, kvipuhättr 
und mälahättr. Die wichtigste Aenderung aber, 
welche das Schema des fornyrpislag in Sievers’ 
neuer Formulirung erfuhr, war diese, dass (der Vier- 
silbler statt aus zwei zweisilbigen Füssen auch aus 
einem einsilbigen und einem dreisilbigen zusammen¬ 
gesetzt sein konnte. Sieht man von Auflösungen 
ab und bezeichnet man nach S.’s Vorgang mit X 
eine unbetonte Silbe von gleichgiltiger Quantität, 
so ergeben sich die folgenden Grundschemata: 

^ x ! ^ X j) J _l I s. y X 


Damit sind alle wirklich vorkommenden Variationen 
bezeichnet, denn von den ebenfalls denkbaren For¬ 
men x | x — un( * X X — I — fällt die erstere factisch 
mit dem Typu9 E zusammen und wird die letztere 
nicht angewandt. Indem ich für die ferneren Be¬ 
stimmungen des kvipuhättr-Verses auf die Zusammen¬ 
stellung auf S. 8 fl. der hier besprochenen Schrift 
verweise, bemerke ich, was ich schon an anderer 
Stelle ausgesprochen habe (Zs. f. deutsche Phil. 
XVIII, 113. 123), dass meiner Ueberzeugung nach 
keiner denselben seine freudige Beistimmung mehr 
versagen kann. 

Ich brauche danach kaum zu betonen, dass 
ich mich mit der metrischen Behandlung der Gedichte 
in kvipuhätt.r im Allgemeinen durchaus einverstanden 
erklären kann. Ich glaube allerdings, dass der Ilrsg. 
noch weit häufiger statt der runden Klammern eckige 
hätte anwenden, d. h. dass er in der Tilgung von 
Pronominibus, Partikeln u. dgl. entschiedener hätte 
Vorgehen können, wie er das beim Texte der Loka- 
senna ja auch gethan hat. Doch, wenn es ihm 
darauf ankam zu zeigen, mit wie verhältnissmässig 
geringen Correcturen bereits ein metrisch glatter 
Text gewonnen werden kann, so verdiente sein ge¬ 
mässigtes Verfahren vielleicht den Vorzug. Ich 
möchte in diesem Zusammenhänge auf einen Fall 
aufmerksam machen, der recht deutlich auch vom 
Standpunkte der Textkritik die Berechtigung zur 
Streichung metrisch überschüssiger Proklitika dar- 
thut. Die letzte Halbzeile der VqlospQ gibt Sievers: 
nü man (hön) sokkvask. Allerdings lesen beide 
Handschriften hon . JSaeh den Ausführungen Möllen¬ 
hoffs (Deutsche Alterthumskunde V, 14) aber wird 
doch wohl niemand noch annehmen wollen, es sei 
in der That die Absicht des Dichters gewesen, die 
Vqlva zuletzt versinken zu lassen, vielmehr zugeben 
müssen, dass der Dichter sein Bild von der ver¬ 
jüngten Welt nicht passender beschliessen konnte 
als mit dem Versinken des düsteren Drachen Nip- 
hQggr, welcher die Zerstörung oder schlechthin das 
Böse bezeichnet. Möllenhoff änderte hön in hann 


und liest nü mon hann sokkvask . Der Ueberlieferungs- 
febler erklärt sich aber auf das Einfachste durch 
die Annahme, dass das Pronomen ursprünglich ganz 
fehlte und später, als man den Zusammenhang nicht 
mehr verstand, falsch ergänzt wurde. Auch die 
Metrik wird die harte Verschleifung auf der ersten 
Senkung (mon hann) recht gerne entbehren. 

Aus den fünf Grundtypen des kvipuhättr ent¬ 
wickelt S. die des mälahättr durch den Zusatz einer 
unbetonten Silbe, welcher bei den Typen A, C 
im Eingang, bei den Typen D und E am Schlüsse 
des einsilbigen Fusses stattfindet (S. 45. vgl. Beitr. 
X, 534 ff.). Dazu verweise ich auf das mir dieser 
Tage durch die Güte des Verfassers zugegangene 
Programm: M&lahättr. Ett bidrag til norröna 
metriken af Theodor Wis6n. Lund 1886, dessen 
Aufstellungen ich noch nicht näher prüfen konnte. 

Was endlich den Versuch angeht, auch die 
eddisehen Lieder im Ijöpahättr metrisch genauer zu 
regeln, so gehe ich auf denselben nicht näher ein, 
da Sievers selber ihn nur als einen provisorischen 
betrachtet Wie Sievers S. 62 mittheilt, hat Herr 
Schnorr von Carolsfeld in München eine eingehende 
Untersuchung über den ljöpahättr begonnen, die 
wir abzuwarten haben werden. Mit Sicherheit ist, 
abgesehen von Bugges bekannter Regel über den 
Ausgang der ‘Langzeile' (richtiger wäre: der ‘Kurz- 
zeile’), über den Bau dieses schwierigen Metrums 
bisher wenig ermittelt 

Sievers’ metrische Untersuchungen — mit diesem 
Worte dankbarer Anerkennung dürfen w ir diese kurze 
Anzeige füglich schliessen — werden ihre Geltung 
behalten, nicht nur als der Anfang einer neuen 
Epoche in der Geschichte der altnordischen Vers¬ 
lehre, sondern geradezu als die kaum verrückbare 
Grundlage einer wissenschaftlichen altnordischen 
Metrik. 

Groningen, Febr. 1886. B. Syraons. 


1500- och 1600-talens Visböcker utgifna af 
Adolf Noreen och Henrik Schuck. I. Ha¬ 
rald Oluffsons Visbok. 2 Hefte. Stockholm 1884. 
(Aus den ‘Skrifter utgifna af svenska literatur- 
sällskapet’.) 

Die Thätigkeit der jüngeren schwedischen Ge¬ 
lehrten, A. Noreen an ihrer Spitze, eröffnet uns 
durch ihre vielseitigen Publikationen ein Gebiet, 
das erst spätere Generationen in seinem vollen 
Umfang würdigen werden. In den Schriften des 
Vereins für Dialektkunde und Volkssitte und der 
schwedischen Literaturgesellschaft liegt schon jetzt 
eine Menge Material, das nicht nur für schwedische 
Sprache und Alterthiimer. sondern auch für gemein¬ 
germanische Sitte, für Volkskunde und für die 
mitteleuropäische Literatur des Mittelalters von Be¬ 
deutung ist. Hierher gehört auch das von A. Noreen 
und H. Schiick für beide Vereine herausgegebenc 
Liederbuch Harald Oluffsons, eine Sammlung von 
Volksliedern aus der 2. Hälfte des 16. Jh.’s. Harald 
Oluffson hat an der Sammlung weiter keinen An- 
theil, als dass er in die einzige Hs., die wir davon 
haben, seinen Namen eingetragen und sich dadurch 
als Besitzer derselben dokumentirt hat. Geschrieben 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


ist unsere Hs. im Anfang der siebziger Jahre des 
16. Jb.’s; ob Schreiber und Sammler derselbe ist 
oder ob eine ältere Sammlung zu Grunde liegt, 
wird sich schwer entscheiden lassen. Auf alle 
Fälle zeigen die Lieder selbst, dass wir in ihnen 
Erzeugnisse aus verschiedenen Zeiten haben« deren 
älteste wohl noch dem 14. Jh. angehören und die 
ich als Echo des mitteleuropäischen Minnesangs 
bezeichnen möchte. Die Uebereinstimmung mit den 
mhd. Minneliedern ist nämlich eine so auffallende, 
dass ein Connex zwischen beiden angenommen 
werden muss. Ich verweise nur auf den Tdaffere*, 
den mbd. merkere’, der in einer Reihe Gedichten 
eine Rolle spielt, auf die Wächterlieder 24 und vor 
Allem 38. auf die Sehnsucht nach der unerreich¬ 
baren Geliebten, die sich in mehreren Liedern findet. 
Daneben aber zeigen andere einen durchaus natür¬ 
lichen Ton und geben bald in subjectiver Weise 
ihren Herzensgefühlen Ausdruck oder schildern 
romanzenähnlich dies oder jenes Liebesabenteuer. 
Es finden sich in unserer Sammlung demnach, wenn 
wir mit deutschen Verhältnissen sprechen wollen, 
neben dem höfischen Minnelied des 13. Jh.’s das 
schlichtere Volkslied der späteren Jahrhunderte. 

Neben den Liebesliedern spielen die wenigen 
anderen Lieder keine Rolle. Historischen Inhalts 
ist Nr. 4, in welchem die Befreiung König Walde¬ 
mars (Waldemar II. 1201—41?) durch seine als 
Fischer verkleideten Söhne besungen wird, didak¬ 
tischen Nr. 37; das prächtige Lied Nr. 26 behandelt 
die Vergänglichkeit alles Irdischen, ähnlich auch 
Nr. 28. Allein nicht nur inhaltlich ist unsere Samm¬ 
lung von Interesse, sondern sie hat auch für die 
schwedische Sprache ihre Bedeutung vor Allem 
dadurch, dass sie sehr oft die Länge der Vokale 
durch Verdoppelung, ihre Kürze durch Gemination 
des folgenden Consonanten bezeichnet. Für das 
verschiedene Alter der Lieder spricht auch die 
Metrik: während einzelne ganz reimlos sind und j 
nur durch den Rhythmus sich als Gedichte er- i 
weisen, haben andere den Reim bald in dieser bald 
in jener Form durchgeführt. Sie belehren uns so 
recht, wie der Reim durchaus nichts National¬ 
schwedisches ist; sie geben uns ein Bild wie er zu 
kämpfen batte, bevor er hier Anerkennung fand, 
ein Bild zur Geschichte des Reims und des Ein¬ 
flusses, welchen die mhd. Literaturblüte auf unsere 
nordgermanischen Bruderstämme hatte. 

Leipzig, Juli 1885. E. Mogk. 


Parzival von Wolfram von Eschenbach in neuer 
Uebertragung für alle Freunde deutscher Dich¬ 
tung erläutert und zum Gebrauche an höheren j 
Lehranstalten eingerichtet von Dr. Gotthold j 
Bötticher. Berlin, Friedberg & Mode. 1885. 
LXXI, 352 S. 8. 

Das hohe Lied vom Ritterthum. Eine Beleuch¬ 
tung des Parzival nach Wolframs eigenen An¬ 
deutungen von Gotthold Bötticher. Berlin, 
Mayer & Müller. 1886. VII, 88 S. 8. 

B. gibt in dem ersten Werke eine Uebertragung 
der wichtigsten Theile des Parzival. Das Ausge¬ 
lassene wird durch zusammenfassende prosaische 


Nacherzählung ergänzt. Die Form des Originals 
ist nur tbeilweise beibehalten; die Reime sind auf¬ 
gegeben, das Fehle« der Senkung ist vermieden. 
Eine Einleitung über Wolframs Leben und Werke, 
über ihre Quellen und den Sagenstoff, Excurse über 
die Ideale der Zeit, über mittelalterliches Ritter¬ 
thum, Burg, Lager, höfischen Verkehr und Rechts¬ 
verhältnisse. gelegentliche Anmerkungen, eine genea¬ 
logische Tafel und eine mhd. Textprobe begleiten 
die Uebersetzung. Das Buch ist denjenigen zu 
empfehlen, die, ohne selbst des Mhd. kundig zu 
sein, sich über Wolfram und seinen Parzival ein 
Urtheil bilden wollen, aber dabei nicht allen Ballast, 
ohne den es nun einmal bei Wolfram nicht abgeht, 
mit in Kauf nehmen, auch nicht durch eine Sprache 
abgeschreckt werden möchten, die weder mhd. noch 
nhd. ist. Das Aufgeben des Reimes ist allerdings 
eine missliche Sache; das hat der Verf. selbst ge¬ 
fühlt; aber es bringt auch entschiedene Vortheile 
mit sich. Die Auswahl ist im Allgemeinen nur zu 
billigen; vielleicht entschliefst sich B. bei einer 
neuen Auflage doch noch die schönsten Theile der 
Gawangeschichte hinzuzufügen; wir wenigstens 
möchten es wünschen. 

B.’s Auswahl beruht auf einer richtigen Ansicht 
von der Composition des Parzival. Diese des weiteren 
zu begründen ist der Zweck der zweiten Schrift. 
Nach einigen einleitenden Bemerkungen über die 
Beprtheilung des Parzival erörtert B. im ersten 
Kapitel (S. 7—31) den Eingang desselben. Uns 
will dünken, dass dieser Theil länger geworden ist, 
als der Zusammenhang des Ganzen erforderte. B. 
folgt im Gegensatz tzu Lachmann mit Recht Paul, 
der den Eingang gewissermassen als ausführliche 
propositio thematis betrachtet Wo B. sich von 
Paul entfernt, scheinen mir seine Ausführungen nicht 
glücklich, auch nicht später in der Erklärung des 
Einganges des 7. Buches. Ich behalte mir vor 
darauf an anderer Stelle genauer zurückzukommen 
und deute nur das Hauptsächlichste an: B. wird 
durch keine Interpretationskunst Wolframs klare 
Worte „dise manger slahte underbint iedoch niht 
gar von mannt sint u (2, 23 f.) beseitigen können. 
Danach ist 1, 1—2, 22 hauptsächlich, aber nicht 
ausschliesslich vom Manne die Rede; das lässt sich 
auch im Einzelnen leicht zeigen; 2, 25 — 3, 24 
werden einige Vorschriften speciell für die Frauen 
binzugefügt, zunächst in ihrem Verhältniss zum 
Manne. — Für unmöglich halte ich es 1, 26 — 2,4 
auf das Verhalten der tumben zu Wolframs Person 
zu beziehen. So sich als persönlich unangreifbar 
hinstellen, wie B. will, konnte, von allen anderen 
Gründen abgesehen, ein Dichter nicht, der P. 114, 
23 gesteht: n sit ich mich versprochen hdn und an 
mir selbe missetän u . Vgl. 487, 12 min alt unfuoge. 
Mit Recht sagt Paul, in den Gedanken 1, 15 — 2, 4 
sei das gemeinsame Band das Verhalten der tumben 
zu der als Grundgedanke des Gedichtes ausge¬ 
sprochenen Lehre, 2, 4—16 folge das entgegen- 
esetzte der teisen (das Verständnis der Verse hat 
ievers gefördert, dem auch B. folgt), worauf der 
Dichter 2, 16 — 23 noch einmal auf die strite zu¬ 
rückkomme. Ich mache darauf aufmerksam, dass 
die sonderbaren Bilder immer mit der zweiten Reim¬ 
zeile beginnen: 18 wenken. 20 glase. 26 här. Die 


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1886. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 4. 


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Schwierigkeit der Form liess, wie es scheint, Wolf¬ 
ram zu keiner klaren Durchführung des Gedankens 
kommen. 

Dagegen können wir rückhaltlos dem Grund¬ 
gedanken B.’s zustimmen. B. beweist, dass Wolf¬ 
rams Thema ist „die Darstellung echter Weiblich¬ 
keit und des echten, rechten Ritters, wie er sein 
soll, welchen der ritterliche Muth auch durch die 
Gefahren des zwivels führt“. Das wird zunächst 
gezeigt an der Charakterentwickelung Parzivals 
(S. 32—69); im Zusammenhänge damit kommen 
auch die übrigen Personen zur Sprache, so dass 
das Kapitel die Ueberschrift führt: „Analyse des 
Gedichtes“. Das dritte (S. 70—80) „die Gawan- 
gesehichte“ ergänzt das vorige, insofern gezeigt 
wird, dass Gawan Parzival gegenüber der ober¬ 
flächlichere, aber darum im Sinne Wolframs noch 
keineswegs tadelnswerthe Charakter ist. Wir wün¬ 
schen der anregenden Schrift eine möglichst weite 
Verbreitung, weil sie uns geeignet erscheint der 
herrschenden, aber, wie wir mit dem Verf. glauben, 
verkehrten allegorischen Erklärungsweise und ebenso 
der häuflgen Ueberschätzung Wolframs erfolgreich 
zu begegnen und die Beurtheilung in ruhigere 
Bahnen zu lenken. Mit besonnenem Urtheil weist 
B. überall auf die Grenzen des Wolframschen Dar¬ 
stellungsvermögens hin; diesem Zwecke speciell ge¬ 
widmet ist ein Anhang (S. 81—86), der die Compo- 
sition des IX. Buches erörtert. 

Zum Schluss zwei Einzelheiten: B. bestreitet 
S. 15, dass ztetvel im theologischen Sinne zu fassen 
ist; er meint Wolfram verstehe darunter „den Zu¬ 
stand sittlicher Haltlosigkeit überhaupt, wie er auch 
schon vor seinem religiösen Conflict zur Erscheinung 
kam“. Im Widerspruch hiermit heisst es S. 43: 
„So entsteht der religiöse Conflict, der zwfvel wird 
herzen nächgebur. a Die letztere Auffassung ist die 
richtigere. — S. 49 Anm. wird für P. 461, 13 ff. 
eine neue Erklärung gegeben. Aber B. ist zu leicht 
bereit, Zwischengedanken zu ergänzen. V. 14 ist 
wohl nicht mit Lachmann als Frage zu fassen, son¬ 
dern als Ausruf zu erklären: Verstände Gott zu 
helfen, was für ein Anker (ein wie zuverlässiger 
Anhalt für mich) wäre [dann] meine Freude. Die 
versinkt [jetzt] im Abgrund der Trauer. 

Hamburg, 8. .Tan. 1886. C. Bock. 


Mecklenburgs altniedersächsische Literatur. 

Ein bibliographisches Repertorium der seit der 
Erfindung der Buchdruckerkunst bis zum dreissig- 
jährigen Kriege in Mecklenburg gedruckten nieder¬ 
sächsischen oder plattdeutschen Bücher, Verord¬ 
nungen und Flugschriften. Von C. M. Wiech- 
mann. 3. Theil. 1600—1625. Mit Nachträgen 
und Registern zu allen 3 Theilen etc. hrsg. von 
Dr. Adolph Hofmeister. Schwerin, Stiller 
L Comm. 1885. XIII, 244 S. Register bes. gezählt 
XXVIII S. 8.i 

Die beiden ersten Theile dieses für den Literatur- 
und Sprachforscher auf dem Boden des nieder- 


1 Vgl. Rostocker Zeit. 459 Beil. 1. Deutscher Reichs- 
Anzeiger Nr. 270 8. 3. Mecklenburger Anz, Nr. 272 (Selbst” 
anzeige mit einigen Nachträgen), 


4 

sächsischen Sprachgebietes, wie auch für die 
Kirchen- und Kulturgeschichte unentbehrlichen Wer¬ 
kes erschienen 1864 und 1870. Zum Theile durch 
sie erst ist, neben den Mecklenburgischen Jahr¬ 
büchern, die einschlägige Forschung angeregt, und 
so sind nothwendiger Weise eine grosse Menge 
Nachträge erwachsen. W., nach seinem früheren 
Wohnorte oftmals als Wiechmann-Kadow citirt, ist 
vor Vollendung seiner Arbeit verstorben, die Nach¬ 
träge hatte er z. Th. gesammelt, höchst wichtige 
sind erst nach seinem Tode noch aufgefunden. Die 
für solch ein Werk ganz unentbehrlichen Register 
fehlten den ersten rein chronologisch geordneten 
Bänden, welche die Zeit bis 1600 umfassten; auch 
im Nachlasse wurden Vorarbeiten dazu nicht ge¬ 
funden. Die Vollendung des Ganzen konnte in keine 
sorgfältigere und kundigere Hand als die des Dr. 
Hofmeister gelegt werden, und wenn auch eine 
andere Anordnung manchmal wünschenswerth er¬ 
scheinen kann, so war doch innerhalb des von W. 
gewählten Rahmens etwas Besseres herzustellen über¬ 
haupt unmöglich, zumal schon einige Bogen des 
fortlaufenden Textes sich bereits gedruckt vorfanden. 
Zunächst hatte W. noch 32 Drucke neu aufgezählt 
und beschrieben (bis Nr. 204T, davon 18. des 17. 
Jahrhunderts, die übrigen meist ohne Jahr aus dem 
Ende des 15. oder Anfang des' 16. Jh.’s. Während 
so die niedersächsische Literatur in den Mecklen¬ 
burgischen Drucken sich bis zum Ende des ersten 
Viertels des 17. Jh.’s hinzieht, ist sie für dieses 
Land selber doch schon um 1600 erloschen. Die 
Predigten und Andachtsbücher des Nicolaus Gryse 
zeigen uns in Rostock noch ein unverfälschtes Platt 
im kirchlichen Gebrauche, dann weicht es überall 
durch mitteldeutsche Kanzler und die Universität 
dem Hochdeutsch; nur Schleswig-Holsteiner Pastoren 
lassen in den von früher her bekannten Officinen 
ihre niederdeutschen Predigten etc. weiter drucken. 
— Die Nachträge, sämmtlich von Hofmeister be¬ 
arbeitet, bringen noch 37, z. Th. höchst seltene, 
bisher ganz unbekannte Druckwerke, von denen hier 
5 Volksbücher aus der Druckerei der „Brüder vom 
gemeinsamen Leben“ zu St. Michaelis zu nennen 
sind, da man bisher nicht ahnte, dass diese sich 
auch mit solcher Literatur befassten. Unter Nr. 217 
finden wir das älteste bisher bekannt gewordene 
niederdeutsche Rostocker Gesangbuch von 1525, 
dessen J. S. in der Vorreden-Unterschrift schon 
1527 irrig in Johannes Speratus statt in Joachim 
Slüter aufgelöst wurde. Wohl das Interessanteste 
von allem sind die bei Ludwig Dietz gedruckten 
20 Wiedertäufer-Sendschreiben von 1539—1545, 
welche unter Nr. 223 genauer besprochen sind. Sie 
werden mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den 
Wiedertäufer-Bischof Obbe (Ubbol Philipps, nach 
dem seine Anhänger Obbiter oder Ubbiter hicssen, 
und der schon länger in Rostock gesucht wurde, 
zurückgeführt Sie sind mit ganz ungemeiner Vor¬ 
sicht verfasst es ist nur eine einzige Rede¬ 
wendung, welche den Täufer, aber mit Sicherheit 
erkennen lässt. Referent hat früher (Rostocker Zeit. 
1885 Nr. 264 und 270) fast genau dieselbe Redens¬ 
art aus der sog. protestantischen Glosse des Dietz- 
schen Reineke Vos # (/u Buch II Kap. VIII, Blatt 
CLVIII Rücks. der Ausgabe von 1549) naebge- 


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1Ö8Ö. Litoraturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


138 


137 


wiesen und die Möglichkeit des Zusammenhanges | 
betont. Ausgesprochen lutherisch ist diese Glosse j 
überhaupt an nicht einer einzigen Stelle; Dr. Alex. 
Bieling hat freilich in seiner tüchtigen Programm- j 
arbeit (Berlin, Andreasgymn. 1884) „die Reineke- J 
Fuchs-Glosse 44 etc. dieselbe Stelle als gegen die 
Wiedertäufer gerichtet angesehen, obwohl sie nur 
im Zusammenhänge mit einer Erklärung gegen die 
aufrührerischen Bauern vorkommt. Wir hebeiY noch 
hervor die Untersuchung über das vielbesprochene 
„Mühlenlied 44 (die ' Darstellung der Transsubstan- 
tiation), dessen ältere Form Hofmeister mit Glück 
herzustellen und dessen Gedanken als vielleicht aus 
einem verlorenen Hymnus des hl. Maximus von 
Mainz herstammend nachzuweisen versucht hat. 2 
Die dem Liede entsprechenden Bildwerke reichen 
von der Ostsee bis zum Vincenzmiinster in Bern in 
der Schweiz und nach Steiermark. Zu den paro- 
direnden Karsthans-Liedein ist jetzt noch Goedekes 
Grundriss 2 II Sr. 220 zu vergleichen. Die so höchst 
seltene und nur bruchstückweise existirende nieder¬ 
deutsche Uebersetzung von Hieronymus Einsers 
Neuem Testamente ist S. 199 ff. erschöpfend be¬ 
sprochen, jetzt hat in dieser Beziehung noch Dr. 
W. Sillem (Monatsschr. f. die evang.-luther. Kirche 
im Hamburger Staat V S. 329 ff.) einen neuen auf 
den Lüneburger Dominikaner Augustin v. Getelen 
hinweisenden Fingerzeig gegeben. Eine Anzahl 
früher Rostock zugesehriebener Drucke werden jetzt 
mit Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit nach Lübeck 
verwiesen, so das als Vorläufer der Reformation 
viel genannte Werk „Von den drei Strängen 44 (de 
triplici funiculo) des Nicolaus Rus, dessen richtigerer 
Name sich als Rutze gefunden hat. Das S. 98 be¬ 
schriebene, bisher älteste niederd. Passional ist im 
Register wohl nur durch Versehen auf „vor 1492“ 
statt „vor 1488 44 gesetzt; zum Reineke Vos von 1549 
vgl. Bibi, der Ges. f. Poram. Gesch. zu Stettin (Balt. 
Stud. XXXV S. 412). Zu Nr. 195 „De wäre hystori 
van vee*r ketters Predykerordens tho Berne ynn 
Swytzeren vorbrant, jm yaer MD unde IX“ ist zu 
bemerken, dass dieselbe in einem Baseler Nachdruck 
des ndd. Passionais steht, der wahrscheinlich der 
von 1511 ist. Eine höchst dankenswert^ e Uebersicht 
über Luxusgesetze, so weit sie Kindtaufen und Hoch¬ 
zeiten betreffen, bedarf insofern der Berichtigung, 
als das „Stader Stadtbuch* 4 , Heft 1, von M. Bahr- 
feldt. nicht vom Referenten, herausgegeben ist. Die 
Register über alle 3 Bände am Schlüsse haben be¬ 
sondere Paginirung und sind völlig ausreichend. 
Ein Wörterverzeichniss fehlt freilich, ist allerdings 
auch bei der fortgeschrittenen Lexikographie un- 
nüthig, doch werden Leser, die des Ndd. nicht 
mächtig sind, es vermissen. Der Herausgeber hat 
entschiedene Anerkennung verdient. 

Rostock, [4. Jan. 1886]. K. E. H. Krause. 


Octavian, zwei mittelenglische Bearbeitungen der ! 
Sage, berausgegeben von Gregor Sarrazin. | 
(Altenglische Bibliothek 3. Bd.) Heilbronn, Gebr. . 
Henninger. 1885. XLV, 191 S. 8. M. 4,50. j 

2 Aach separat uoter dem Titel Die allegorische Dar¬ 
stellung der Transsubstantiation unter dem Bilde der Mühle. ( 
Von Dr. Ad. Hofmeistef etc. Schwerin, Bärensprung. 1885. 

17 S. 8. 1 


Die beiden mittelenglischen Bearbeitungen der 
Octaviansage waren bereits gedruckt; die südeng¬ 
lische Fassung jedoch, die H. Weber 1810 in seinen 
Metrical Romances veröffentlicht hat, ist ausserhalb 
der Bibliotheken nur noch äusserst selten anzutreffen. 
Beide Versionen sind nun von Sarrazin zu bequemer 
Benutzung in einem Bande vereinigt worden, die 
handschriftliche Ueberlieferung. an der sich Hie 
früheren Herausgeber so manche Freiheit erlaubt 
hatten, ist treu wiedergegeben, und neben der Cam¬ 
bridger Hs., nach welcher die nordenglische Be¬ 
arbeitung in der Ausgabe von Halliwell (1844) 
bisher allein bekannt war, hat S. noch die auf der 
Kathedralbibliothek zu Lincoln befindliche Aufzeich¬ 
nung zum Abdruck gebracht. Die Ausgabe S.’s 
zeigt in der äusseren Einrichtung und Anordnung 
des Stoffes im Wesentlichen Uebereinstimmung mit 
dem von Kolbing edirten Amis and Amiloun. Den! 
Texte der südenglischen (S. 1—61) und der nord- 
englischen Version (S. 63 —167), welchem sich die 
Anmerkungen (S. 168—187) und weiterhin zwei 
Namenverzeichnisse (S. 18S— 19t) anschliessen, geht 
auf S. IX bis XLV eine ausführliche Einleitung 
vorauf. 

Interessant und, wenn auch nieht überzeugend, 
so doch immerhin beachtenswerth ist der von dem 
Dichter handelnde Theil der Einleitung. Den bisher 
unbekannten Verfasser der südenglischen Version 
hält S. für identisch - mit dem Dichter von Lybeaus 
Disconus. Es sei kein anderer als Thomas Chestre, 
der Dichter des Launfal, der von Chaucer im Sir 
Thopas carikirte Spieimann und Wappenherold. 
Freilich kann ein grosser Theil von Formen und 
Wendungen, die S. als ein eigenthümliches Merk¬ 
mal dieser drei Dichtungen hinstellt, nicht als etwas 
diesen Gedichten speciell Eigenthümliches zugegeben, 
sondern muss als ein Gemeingut eines grossen 
Tbeiles me. Spielmannsdichtung angesehen werden. 
Die Ungleichheiten im Stil und im Wortschatz, für 
die S. zwar auch eine Erklärung beibringt, können 
ebenso gut zur Beweisführung des Gegentheils heran¬ 
gezogen werden. Auch dem Dichter der nordeng¬ 
lischen Bearbeitung glaubt S. auf der Spur zu sein, 
indem er ihn mit dem Verfasser des Sir Isumbras 
identificirt. 

Die beiden Aufzeichnungen des nordengl. Ge¬ 
dichtes biett n erhebliche Abweichungen nicht bloss 
in einzelnen Wörtern, sondern in ganzen Sätzen 
und Versreihen, so dass das von S. angewandte 
Verfahren, die beiden Hss. einfach neben einander 
abzudrucken, gerechtfertigt erscheint. Dadurch, so¬ 
wie durch den Umstand, dass auch die südengl. Ver¬ 
sion nur in einer Hs. überliefert ist, war die sonst 
bei me. Dichtungen oft recht schwierige Aufgabe, 
aus einer mehr oder minder grossen Anzahl nicht selten 
erheblich divergirender Varianten einen kritischen 
Text herzustellen, dem Hrsg, des Octavian von vorn¬ 
herein erleichtert. ‘Die vielfach inconsequente Ortho¬ 
graphie der Hs. ist beibehalten worden, nur offen¬ 
bare Schreibfehler und sprachwidrige Formen sind 
gebessert und unter dem Text angemerkt. So wurde 
das Verhältniss zwischen d und th, p regulirt. worin 
die Hs. .. eine grosse Verwirrung zeigt* Ob es 
nicht tathsamer gewesen wäre, auch in diesem 
Punkte einfach der handschriftlichen Aufzeichnung 

e 





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140 


1886. Literaturblatt für germanischo uud romanisohe Philologie. Kr. 4. 


zu folgen, wenn in so vielen anderen Fallen die 
Orthographie des Schreibers über die aus den 
Keimen erkennbare ursprüngliche Fassung des Dich¬ 
ters das Feld behauptet hat, muss fraglich erscheinen. 
So ganz klar liegen die Verhältnisse in dieser Be¬ 
ziehung doch nicht; namentlich ist die Berechtigung 
des von S. eingesetzten d für ein me. Denkmal dieser 
Epoche mehr als zweifelhaft. Auf eine eigentüm¬ 
liche Behandlung der t- Laute deuten auch 1252 
sount:pount, 616 Japhet:gep . 1859 übersieht S. 

sevende, das er 615 geändert hat. Zweifelhaft ist 
auch die Berechtigung von dedys (1714, 567, 1929) 
mit der Spirans statt der durch die Hs. gebotenen 
und sonst vielfach begegnenden Media. Als offen¬ 
bare Schreibfehler und sprachwidrige Formen* sind 
Schreibungen wie yboph 409, broifh 410. hejjth 408 
u. s. w. von dem in der Beibehaltung der schrullen¬ 
haften* Orthographie der Hs. sonst so conservativen 
Hrsg, geändert, während doch gerade in der Dar¬ 
stellung des ae. hi die me. Schreiber ziemliche Ver¬ 
legenheit, Unsicherheit und Verschiedenheit zeigen. 
Man denke hier beispielsweise nur an die Schrei¬ 
bungen dh, th, t; Tjtt, Tjth im Havelock und im 

Sir Gowther. Die oft durch einander gehenden w 
und wh bat S. ebenfalls regulirt, dabei aber wat 
689 stehen lassen. Foruty 73 der Hs. ändert S. in 
fourty. Vielleicht verhält sich dieses foruty zu 
forty (85), wenn auch nicht wie poru ; (1751, 1821, 
1950) zu por% (1096. poryh 719), so doch wie toru- 
ment (999) zu torment (1197); möglicher Weise ist 
auch taborus (68, daneben taböurs 1190) hierher zu 
rechnen, falls us hier nicht Endung ist. Das viel¬ 
fach belegte fyle ändert S. in vyle (293) wohl nur 
deshalb, weil ihm Mätzner Wb. II, 118 unbekannt 
geblieben ist. Vielleicht wäre es angebracht ge¬ 
wesen, all die orthographischen Eigenthümliehkeiten 
der Hs., zu denen auch sde (1001, vgl. Varnhagen, 
Anzeiger zur Anglia VII, 86 ff.) zu rechnen ist, 
sowie diejenigen Stellen, an denen offenbar eine 
Verderbniss seitens des Schreibers vorliegt und die 
S. in den meisten Fällen ohne jede Bemerkung lässt, 
geordnet in der Einleitung zusammenzustellen. Be¬ 
sonders merkwürdig ist, dass S. die Querstriche 
durch die Consonantenverbindungen ll, ch, wh, so¬ 
wie die Haken und Schleifen an auslautendem, n 
und d in der südengl. Version unbeachtet gelassen 
hat, während in der nordengl. Fassung die Schleifen 
hinter U und dd durch e aufgelöst sind. — Für 
ystounge u s. w., wie Weber liest, schreibt S. 
ystonnge (1—5). Die Gründe, die ihn zu dieser 
Aenderung veranlassen, scheinen nicht überzeugend. 
In stonnde, stronnde liegt ae. a ( o ) zu Grunde, nicht 
u m , undenkbar wäre es nicht, dass, wenn man mit 
ten Brink (§ 35 (griech.) #, nicht D, wie S. druckt, 
ferner § 48, X) für ae. u vor ng schwebende 
Quantität annimmt, der Schreiber diese Dehnung 
durch ou bezeichnet habe; sicher ist yyunge mehr¬ 
fach belegt. — V. 12 könnte man auch an gronmge 
(== grmninge, von grunnien) für gronne he denken, 
falls in gronne nicht irgend ein Adjectiv versteckt 
ist. — V. 38 liegt durchaus kein Grund vor, dystaufice 
für pys daunce zu vermuthen. Conjecturen sind da 
überflüssig, wo die handschriftliche Ueberlieferung 
guten Sinn gibt, daunce passt hier durchaus und j 
ist in ähnlicher Bedeutung häufig genug (s. Mätzner I 


Wb. I, 589; Morris, Chaucer Prol. (Clarendon P.) 
137/476). — V. 156 möchte S. foul tresoun lesen 
statt full t. Wie die bei Mätzner Wb. II, 222 s. v. 
ful und Chaucer (Aid. Ed.) I, 293 angeführten 
Belege zeigen, wird ftdl nicht selten zur Verstärkung 
des durch ein Substantiv angedeuteten Begriffes ge¬ 
braucht. — V. 537 ist stylte beizubehalten, vgl. 
Znpitza zu Guy 792, und Morris, Specimens I, 
152/439. — V. 1021 ist armes verdächtig; das 
folgende hyt was deutet auf (h)arnes (vgl. 1015). 

Die dem Texte sich anschliessenden Anmer¬ 
kungen. die im Allgemeinen zweckentsprechend sind, 
geben zu einigen Bemerkungen genereller Art An- 
‘ lass. Dürfte es auch — wie bereits Kolbing, Engl. 
Stud. IX, 94 hervorgehoben hat — schwer, wenn 
nicht unmöglich sein, für die an einen Conimentar 
zu machenden Anforderungen allgemein gütige 
Normen autzustellen, so glaube ich doch der Zu¬ 
stimmung aller Fachgenossen sicher zu sein, wenn 
ich behaupte, dass in einer für Studenten und Ge¬ 
lehrte bestimmten Ausgabe eines me. Schriftwerkes 

— denn auf ein anderes Lesepublikum ist doch in 
diesem Falle nicht zu rechnen — Erklärungen von 
Wörtern und Ausdrücken nicht angebracht sind, 
über die ein gewöhnliches ne. Wörterbuch genügen¬ 
den Aufschluss gibt. So ist die Anmerkung 174/968 
'rampant = steigend, springend; heraldischer Aus¬ 
druck* hier ebenso überflüssig als sie es in einer 
Schulausgabe eines ne. Autors sein würde. Ueber- 
flüssig scheint mir auch die Erklärung und An¬ 
führung solcher Ausdrücke und Parallelstellen, die 
bereits bei Stratmann und Mätzner belegt und 
genügend erörtert sind, es sei denn, dass durch 
diese nochmalige Anführung ein besonderer Zweck, 
etw a die Hervorhebung einer in jenen Wörterbüchern 
nicht angemerkten Bedeutung oder Bedeutungs- 
nüance u. dgl. verbunden ist. So findet sich die 
186/1427 citirte Parallelstelle bereits in Mätzners 
Wb. I, 582. (Wäre es nicht auch empfehlens werth er, 
King Horn nach der Ausgabe Wissmanns als mit 
Mätzner nach Lumby zu citirrn?) Ebenso verhält 
es sich mit 186/1465, nur dass bei Mätzner die 
Verszahl 451 richtig, bei S. (151) falsch angegeben 
ist; zu vergleichen wäre gewesen Havelock 89/91. 

— 176/1621 veranlasst S.’s Abtrennung wake~nyd 
die Frage, wie in me. Texten bei der Silbentrennung 
zu verfahren ist. Doch wohl am Besten wie im 
Ne.? d. h. hier: waken-yd . — Im Einzelnen hebe 
ich nur Folgendes hervor: S. 169, V. 119, 129 
(nicht 127 wie bei S.) bylemdn lässt sich doch noch 
belegen, im Lay le Frey ne (Anglia III, 417) V. 105. 

— 172/567 erklärt Mätzner I, 665 die Stelle anders; 
freilich liest er we, das nach S. X nicht in der Hs. 
steht. S.’s Erklärung, der noch us einschiebt, be¬ 
friedigt gar nicht; denn he kann doch unmöglich 
auf manchyld gehen: sie werden, wie auch S. XX 
ganz richtig die Stelle auffasst, von dem Anblick 
der Löwin zu Tode erschreckt, nicht aber von 
dem Kinde fast todt geschlagen. Und dann, wie 
soll drappe für drepe stehen können? — 177/1746 
hätte wohl besser auf chekmate (Mätzner I, 560) 
verwiesen werden können. — 175/1345 vgl. nicht 
coien, sondern coie, wo Mätzner diese ganze Stelle 
citirt (1, 484). Uebrigens scheint mir der deutsche 
Ausdruck nicht recht passend; Pferde „kirrt* man 


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188& Literaturblatt für germanische und romanische Philologie, Ihr. 4. 


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doch nicht! — 173/767. Hier Hegt durchaus nicht 
derselbe Vergleich vor wie Rieh. C. de L. 1923. 
Hier im Octav. ist die Rede von der Freude, die 
Florent empfindet, als er die Erlaubniss erhalten 
hat, den Sperber weiter behalten zu dürfen; im 
Kyng Rieh, dagegen wird der Ungestüm, mit 
dem sieh Richard unter die Feinde wirft, mit dem 
Ungestüm verglichen, den soeben von der Koppel 
losgelassene Windhunde zeigen, wenn sie frei von 
allen Fesseln in gewaltigen Sätzen dahinspringen. 
— 175/1418 fragt man sich, warum diese Anmer¬ 
kung nicht schon zu V. 1348, wo dieselbe Wendung 
vor kommt, gemacht oder warum nicht wenigstens 
darauf verwiesen ist — 178/1787 hätte es sich 
empfohlen ausser der einfachen Uebersetzung auf 
Sow’d. of Bab. 118/1349 zu verweisen oder aber 
eine Parallelstelle beizubringen. — 170/191 4 aflyght 
= afflided\ So steht auch schon im Mätzner, auf 
den liier einfach zu verweisen war. Mätzner meint 
aber nur, dass aflyght der Bedeutung nach gleich 
afflicted sei, der Form nach wäre es gleich afrz. 
aflit. aflyght verhält sich zu aflit, wie ddight zu 
delit. — i 85/1408. S.’s Bemerkung, der Roman von 
der Rose sei ‘ohne Grund* Chaucer abgesprochen 
worden, ist zum mindesten ebenso exorbitant, als 
wenn man behaupten wollte, der Roman von der 
Rose sei ohne Grund für echt erklärt worden. Wann 
ist denn überhaupt der Roman entstanden? — 
175/1425 muss es aredest statt areddest heissen. — 
176/1622 passt der Vergleich (Zupitza zu Guy 10) 
gar nicht; die dort besprochenen Erscheinungen sind 
ganz anderer Art (vgl. Sowd. of Bab. 98/67). 

Druckfehler — besonders in den Zahlen — 
finden sich in der Ausgabe in ziemlicher Anzahl. 
Diese Ungenauigkeiten dürften wohl einer allzu 
grossen Uebereilung bei der Drucklegung zuzu¬ 
schreiben sein; wenigstens erklären sich bei dieser 
Vermuthung Anmerkungen wie 176/1435, wo eine 
Form erklärt wird, die sich im Texte gar nicht 
vorfindet, — oder wie die Anmerkung 176/1607, 
die gar nicht zu diesem Gedichte gehört, sondern 
zu der Hs. C der nordengl. Version, und die ateo 
zehn Seiten weiter am Platze gewesen wäre. Völlig 
räthselhaft ist folgende zu den Worten der Hs.: 
l He askyd when maner jügement That sehe worthy 
were gemachte Bemerkung fc.’s (179/216): \chen 
alter Acc. Sing. Masc. = ae. hwone? 

Berlin, Dec. 1885. Emil Hausknecht. 


Kaufmann, Ph., Die Geschichte des con- 
sonantischen Anslaots im Französischen. 
Lahr 1886. 72 S. 8. (Freiburger Dissertation) 

Es ist schon hie und da bemerkt worden, dass 
die Schablone, nach der gegenwärtig die meisten 
sprachlichen Untersuchungen gerührt, werden, zwar 
praktischen Werth hat, aber recht unwissenschaft¬ 
lich ist; sie zerreisst thatsächlich zusammengehörende 
Dinge zu Gunsten einer ganz äusserlichen Gliede¬ 
rung, sie macht einen Einblick in die innern Gründe 
der Lautveränderungen fast unmöglich. (Dass sie 
vom rein praktischen Standpunkte aus den Vor¬ 
theil der Kürze und Uebersichtlichkeit besitzt, wird 
auch niemand behaupten wollen.) Die vorliegende 


Arbeit reisst sich davon völlig los, sie stellt sich 
auf einen allgemeinen Standpunkt und darf schon 
deshalb einen hervorragenden Platz unter den Publi¬ 
kationen der letzten Jahre beanspruchen. Leider 
erhalten wir „nur etwa den vierten Theil der ganzen 
Arbeit“, wie eine Bemerkung auf dem Umschlag 
berichtet; es ist sehr zu wünschen, dass der Verf. 
recht bald Gelegenheit finde, das Ganze zu ver¬ 
öffentlichen. Die Einleitung setzt auseinander, dass 
bei starkem exspiratorischen Accente der consonan- 
tische Auslaut beibehalten wird, bei schwachem ver¬ 
loren geht, und zwar gilt dies nicht allein vom 
directen Wort- sondern ebenso vom Silbenauslaut. 
Im Französischen, wo der Accent ausserordentlich 
schwach ist, herrscht daher eine bis zum Extrem 
getriebene Tendenz, alle Silben offen zu machen. 
Für die Silbentrennung gilt fürs Franz, wie fürs 
Lat das Gesetz, dass Gruppen, die im Wortanlaut 
nicht stehen, auch im Wortinlaut nicht eine Silbe 
anlauten können, also pa-tretn, par-tem, aptus ; ebenso 
sind die Consonanteu am Silben- und am Wort¬ 
schluss dieselben. — Es wäre hier in einigen Fällen 
nach Zeit und Ort zu scheiden: wenn t.Hs-tis fürs 
Lat. und Franz, richtig ist, so fordert das Ital. da¬ 
gegen tri-stis*, ferner wenn die Accentverschiedenheit 
zwischen erüm-po und Idte-brce recht ansprechend 
aus der verschiedenen Beschaffenheit der vorletzten 
Silbe erklärt wird, weshalb betont man aber doch 
latibree im Vulgärlateinischen? — Sodann wird mit 
Recht dem ältesten Franz, ein stark exspiratorischer 
Accent zugeschrieben, dem die sonderbare Aus¬ 
bildung des Vokalismus zu verdanken ist, dann aber 
tritt, nach des Verf.’s Ansicht seit dem 6. Jh. die 
Beseitigung des consonantischen Silbenauslautes in 
Folge Schwächung des Accentes ein, also eine 
völlige Aenderung im Accente. Es freut mich, dass 
der Verf. zu einem ähnlichen Resultate gekommen 
ist, wie ich selbst Zs. VIII, 240; seiner Zeitbestim¬ 
mung möchte ich freilich nicht ohne weiteres bei¬ 
pflichten, doch gestehe ich, hierin erst relative, nur 
wenige absolute Daten gefunden zu haben. 

Es werden sodann im Allgemeinen die Gesetze * 
für die Consonanten im Wortinnern betrachtet, 
namentlich der Zusammenstoss von mehr als zwei 
Consonanten, hierauf der Auslaut, wo scharf zwischen 
der Stellung in Pausa und im Satzinnern, in letzterm 
Falle vor Cons. oder aber vor Vok. geschieden wird. 
Zutreffend ist namentlich die Beobachtung, dass 
auslautende Consonanten in der Pausa, d. h. also 
fürs Franz, unmittelbar nach dem Accente, fester 
beharren. Wir sehen das auch anderswo, vgl. rät. 
ddt: cdnta; ital. cuor(e): sudra ; rum. sunt(u): vend ; 
frz. rien u. 8. w. Die verschiedenen Formen ein und 
desselben Wortes gleichen sich mannigfaltig aus, es 
entsteht die „falsche Liaison“, bei der ich gerne 
aime-t-ü erwähnt gesehen hätte. Man kann damit 
die „hiatusfüllenden“ Consonanten bei Ableitungen 
wie cafetier oder Fälle wie afr. latimier, nfr. tour- 
nelle (von turris) vergleichen. 

Zum Schluss werden die Quellen besprochen; 
die Reime, die Entlehnungen, namentlich im Eng¬ 
lischen, vor A)lem die Grammatikerangaben, aus 
denen eine Reihe Zeugnisse über die Aussprache 
der auslautenden Consonanten mitgetheilt werden. 

Ich breche hier ab und behalte mir vor, auf 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


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die ganze Arbeit, auf die man nach dieser Einleitung i ühapelain* (I S. 531) Rotrous Beziehungen zu dem 
recht gespannt sein darf, eingehender zurückzu- : glänzendsten Salon jener Tage heYausgefunden und 
kommen. 1 die Verse des Dichters an Julie d’Angennes aus 

Paris, 4. Marz 1886. W. Meyer. den Papieren des Akademikers Conrart mitgetheilt 

(S. 150 ff.). Seine interessanteste Entdeckung jedoch 
~ist die, dass dieQuelle zu R.VTragikomödie„Clöagenor 
Chardon, Heuri, La vie de Rotron mienx et Dorlstie“ ein 1621 erschienener Roman „l»Hl«tolro 
connne. Documenta in^dits sur la soci6t6 polie amourenae de Gleagenor et de Doristäe“ (Paris du 
de son temps et la querelle du Cid. Paris, A. Bray 1621) sei (S. 21 ff. und !M5 ff.t. Der novel- 
Picard. Le Mans, Pellechat. 1884. 268 S. gr. 8. listische oder‘romanhafte Charakter dieses Stückes 

war mir längst aufgefallen. Ich kannte auch aus 
Unter den Werken, die bisher über Rotrou er- dem Katalog der Bibliothek des Herzogs von La 
schienen sind, ist das vorliegende weitaus das ge- Valli&re VI. B. S. 150 den Titel des Romans; da 
diegenste. Es handelt sich darin nicht, w*ie sonst ich ihn aber trotz aller Anstrengungen in keiner 
so häufig, um eine mehr oder minder geistreiche deutschen Bibliothek aufzutreiben vermochte, so war 
Plauderei, sondern der Verfasser, bereits durch ver- es mir nicht möglich, mich über das Verhältnis des- 
scbiedene Arbeiten, unter anderen durch eine über : selben zu R.’s Stück zu vergewissern. Ist mir nun 
Scarrons Roman comique 1 rühmlichst bekannt, hat 1 Ch. damit zuvorgekommen, so bin ich wenigstens 
sich das ernste Ziel gesetzt, das Leben des Mannes, j in der Lage, seine Angaben in einen) Punkte zu 
den neuerdings die Franzosen gerne als „une de j vervollständigen. Er hat nämlich den Verfasser 
nos gloires dramatiques“. bezeichnen, streng wissen- des anonymen Romans nicht auffinden können. Ich 
schaftlichen Forschungen zu unterziehen. Unter- kenne ihn schon lange und zwar aus Sorels Biblioth. 
stützt durch vollkommene Beherrschung des vor- fran^aise 2 II. 6<1. P. 1667 S. 396: Kein Geringerer 
handenen Materials und gründliche Kcnntniss der als der Verfasser der „Histoire comique de Franoion“ 
Geschichte jener Zeit gelang es ihm, manchen und der Biblioth. fr&n 9 &ise ist der Vater des Findel¬ 
dunklen Punkt im Leben Rotrous aufzuhellen, irrige kindes. Wohl möchte er in dem betreffenden Kapitel 
Ansichten zu berichtigen und sogar einige neue die Autorschaft von sich weisen, wie 2 Seiten weiter 
Thatsachen vorzubringen. Chardon hat darauf ver- unten die von „Francion“, allein beide Produkte ge- 
zichtet, eine abgerundete Biographie des Dichters hören ihm; der Historiograph Frankreichs konnte 
zu gehen, was wir nur auf das lebhafteste bedauern sie aus einem sehr triftigen Grunde nicht anerkennen, 
können. Niemand scheint uns zum Biographen R.’s wegen — ihrer Obscehität. 

mehr berufen als er. Nachdem er in seinem Buche Besonderes Lob verdient Ch.’s Verfahren, von 

einige interessante Aufschlüsse über dessen Familie den hochstehenden Gönnern des Dichters kurze 

ertheilt, beleuchtet er, mit dem Druck des ersten Lebensskizzen zu geben und uns dadurch in die 

Dramas — 1631 — anhebend, das Wirken des .Kreise einzuführen, in denen der Dichter sich be- 

Dichters, namentlich sein Verhältniss zu hohen wogte. Eine eingehende Betrachtung erfuhr Ch.’s 
adeligen Gönnern und zu gleichzeitigen Dichtern, Landsmann, M. de Belin, der, seinen gediegenen 
seine Rolle im Streit um Corneille’s Cid u. a. m. Forschungen zufolge, von Scarron im Roman comique 
Wichtiges Material hiezu lieferten ihm die den unter dem Namen Marquis d’Orsde getreu geschil- 
meisten Dramen vorangesetzten Dedicationsschreiben, dert ist. Ich verweise die Corneilleforscher auf die 
die Oeuvres diverses und die Lobesverse (piöces j Kapitel IV und V, die sich mit diesem hochherzigen 
liminaires) Rotrous vor den Dramen anderer Dichter. . „Mecfene dans le Maine“ und mit seiner, Rotrous 
Chardon hat sowohl diese Fundstätten als die ältere und Mairets Rollo im Cidstreite beschäftigen, zu- 
Literatur ziemlich erschöpft und ausserdem mit gleich auch auf den Anhang (S. 229—259), der 
grossem Scharfsinn und seltenem Finderglück aus einige „Documents in^dits sur la quereile* du Cid“ 
ganz vergessenen Schriften oder aus bisher über- bietet. Ich begnüge mich hier, nur eines aus diesem, 
sehenen und missverstandenen Stellen in bekannten wie es scheint noch nicht vollständig erforschten 
Werken neue Thatsachen gewonnen. So z. B. ent- Streit zu berühren. Ch. ist der Ansicht, dass die 
nahm er den seltenen „Oeuvres diverses taut en mit den Initialen D. R. Unterzeichnete Broschüre 
vers qu’en proscs; par Octavie. Paris 1658“ „L’incognu et v6ritable ami de Messieurs de Scuddry 
(Octavie ist nach Ch.’s gründlicher Forschung die et Corneille“, die ihm Nic^ron zuerst zuschrieb, 
Gattin La Calpren&des) eine an die Herausgeberin wirklich von R. sei, obwohl die meisten modernen 
von einem Unbekannten gerichtete Elegie über den Kritiker es für unmöglich halten, dass Com ei 11 es 
Tod Rotrous und wies daraus ein freundschaftliches Freund sie verfasst haben könne. Ich kann hier 
oder gar noch intimeres Verhältniss des Dichters , die sehr gründliche Beweisführung Ch.’s nicht wieder- 
zu dieser „Precieuse“ nach (S. 202 ff.). Man hat [ geben. Doch so bestechlich sie auch ist, bin ich 
sich oft darüber gewundert, dass der Name unseres ! trotzdem nicht überzeugt werden. Ich kann nicht 
Dichters nirgends in Verbindung mit dem Hotel de glauben, dass R., der mit Corneille und Scudery 
Rambouillet genannt wird. In der bekannten Guir- eng befreundet war, schrieb -je ne suis pas seulc- 
lande de Julie glänzt er durch seine Abwesenheit, ment cognu en particulier des dits deux poAfces“ 
Chardon hat nun aus einer ganz verdorbenen Stelle und gleichwohl die Anfangsbuchstaben I). K. (de 
in Tamizey de Larroques Ausgabe der „Lettres de ; Rttrou) setzte. War er der Verfasser und wollte. 

— j 


1 La troupe du Roman Comique devoiläe et les com6- 
dieos de Campagne an 17® si&cle. 


2 I.» d'Mn Kapitel, betitelt: L’ordre et examen des livrea 
attribuez ä l’Autheur de la Bibi, frangaise. 


Digitiz * Dy 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Kr. 4. 


146 


unbekannt bleiben, du musste er andere Initialen 
wählen. Viel wahrscheinlicher hat die Broschüre 
D(u) R(yer) zum Verfasser, von dessen persönlichen 
Beziehungen zu beiden Dichtem — eine piöce limi¬ 
naire abgerechnet - gar nichts bekannt ist. 

Uebersehen hat Ch. eine Aeusserung Tallemant 
des Reaux’ über unseren Dichter (Historiettes B. X 
S. 188 III. 6dit. P. Garnier frferes), die höchst wahr¬ 
scheinlich mit dessen 61£gie k Caliste zusammenhängt. 
Sehr störend sind die verdruckten Daten S. 188. 
Auf S. 140 erscheint immer noch Bermudez als die 
Quelle zu Rotrous Laure persecutie (vgl. Ltbl. 1884 
S. 400) —r Diese Kleinigkeiten beeinträchtigen natür¬ 
lich nicht den Werth des vortrefflichen Buches, das 
ich hiemit den Freunden der französischen Literatur 
aufs wärmste empfohlen haben möchte. 

Nürnberg, Dec. 1885. A. L. Stiefel. 


Altitalienisches Lesebach zusammengestellt von 
Jakob Ulrich. Halle, Niemeyer. 1886. VII 1 , 
160 S. 

Das bescheidene Participium im Titelblatte und 
die Erklärung in der Vorrede, ‘vorliegende Samm¬ 
lung mache keine wissenschaftlichen Ansprüche’ 
fordern die Kritik zu milder Beurtheilung auf. Man 
wird trotzdem zugeben, dass ein für das Universitäts- 
studium bestimmtes Hilfsmittel eine gewisse Summe 
eigener Arbeit von Seite des Herausgebers voraus¬ 
setzt. Ulrich scheint anderer Meinung zu sein. Er 
hat sich darauf beschränkt, in ei*«er Anzahl Büchei 
einzelne Stellen zu bezeichnen und sie einem Ab¬ 
schreiber oder unmittelbar dem Drucker zu über¬ 
antworten. Es treten uns da die verschiedensten 
Arten der Textbehandlung entgegen — von der 
sehr ingeniösen aber vielfach willkürlichen Her¬ 
stellung Galvani's des Dcscort von Rambaut de 
Vaqueiras bis zu Bartoli’s diplomatischem Abdrucke 
eines Stückes aus Ristoro d’Arezzo —j ebenso 
herrscht die grösste Mannigfaltigkeit in Bezug auf 
Interpunktion, auf Gebrauch von diakritischen Zeichen 
u. s. w. Die lyrischen Gedichte erscheinen genau so, 
wie die benutzten Bücher sic bieten, ohne irgend 
einen Versuch, dem Metrum zu Hilfe zu kommen und 
die strophische Anordnung richtig zu stellen 1 . Viel¬ 
leicht sieht der Hrsg, darin einen Vortheil, da auf 
solche Art der Thätigkeit von Lehrern und Lernen¬ 
den ein weites Feld eröffn'* wird; er hätte somit 
die Annehmlichkeit, sich die Arbeit zu ersparen, 
mit dem Nützlichen verbunden. Ebenso soll dem 
Zwecke des Buches, als Grundlage bei Vorlesungen 
zu dienen, entsprechen, dass es weder Commentar 
noch Wörterverzeichniss enthält. Dies ist wieder 
für den Hrsg, sehr bequem; ich glaube aber, dass 
an mehr als einer Stelle jedem von uns, die wir 
heute dociren, irgend eine Erläuterung recht will¬ 
kommen wäre. 

1 Kar 6in Mal geschieht etwas derartiges in den ‘Ver¬ 
besserungen* (anderthalb 8eiten, welche meist nur Druckfehler 
— freilich bei weitem nicht alle — berichtigen), und zwar 
zu Kr. 89; die dritte Strophe wird nach Casini’s Abdruok de* 
Palat. 418 berichtigt. Hätte der Hrsg, den zweiten (im Jahre 
1881 erschienenen) Band von D’Aucona und Comparetti be¬ 
nutzt, so würde er auch den Binnenreim im 7. und 11. Verse 
jeder Strophe erkannt haben. 


t« 


Nach Erwähnung dessen, was man im Buche 
vermisst, sei gefragt, wie der Hrsg, die überaus 
bescheidene, zu gutem Theil mechanische Aufgabe 
erfüllt, die er sich gestellt hat. Wir stossen da 
auf eine eigenthümliche Erscheinung. Die Vorrede 
sagt: ‘Ausser Stande, auf die Handschriften zurück- 
zngehen, habe ich .mich damit begnügen müssen, 
die einzelnen Probeu nach den besten mir damals 
zugänglichen Abdrücken bez. Ausgaben zu geben.. • 
Sehr oft habe ich Stücke gegeben, die in Bartoli’s 
Chrestomathie stehen; drei Stücke habe ich nach 
derselben abgedruckt.’ Sieht man näher zu, so wird 
man bald gewahr, dass die Benutzung Bartoli’s weit 
ausgiebiger ist als die letzten Worte es erwarten 
lassen. Bei Giacomino da Verona wird meine Aus¬ 
gabe citirt; von den 16 Versehen, die da Vorkommen, 
sind 11 auch bei Bt zu treffen; darunter einige 
recht bezeichnend. Wenn von Pietro da Bescap& 
eine Probe gegeben werden soll, so findet der Hrsg., 
w elcher doch Biondelli als seine Quelle angibt, dass 
nur jene 104 Verse der Aufnahme werth sind, die 
Bartoli abdruckte; dabei trifft es sich, dass in den 
sieben Stellen, in welchen der Text Bart’s von dem 
Biond.’s abweicht, unser Lesebuch mit ersterem 
übereinstimmt 2 . Zu Bonvesin’s Gedichten wird 
‘Bekker, Monatsber. u. s. w.* angemerkt; vergleicht 
man nun Job und Cortesie, welche zu den von 
Bt. mitgetheilten gehören, so erkennt man, dass 
Ulrichs Text bis auf einige neu hinzugekonunene 
Versehen mit denselben Fehlern behaftet ist, welche 
bei Bt. unterlaufen sind 3 . In der Devotione de 
zobiadi eancto die nämlichen Versehen (es sind 
deren vierzig) bei Bt. und Ulr.; unter den sieben 
Laudi umbre wählt Ulr. gerade eine von den zwei, 
die Bt. aufnahm, und auch da kommen zwanzig 
identische, grosse oder kleine Abweichungen von 
Monaci’s Texte vor; selbst wenn der Florentinische 
Druck der Crestomazia ein Komma, einen Accent, 
eine Cedille vernachlässigte, findet sich dies mit 
überraschender, geradezu diplomatischer Treue in 
dem Hallenser des Lesebuches wieder. Und rioefc 
wird bei beiden Stücken die Rivista di fil. rom. nach 
.Band und Seite genau citirt Ungefähr dasselbe 
Verhältniss bei der‘Rosa fresca*. Am überzeugendsten 
ist Folgendes. Dass bei den Rime Genovesi das 
Arch. Glott angeführt wird, ist selbstverständlich; 
dass gerade die zwei (unter 188) ausgewählten Stücke 
auch bei Bt. zu lesen sind, kann ein Zufall sein; 
ist es aber ein Zufall, dass von den elf Fehlern bei 
Ulr. sechs schon bei Bt enthalten sind? ist es ein 
Zufall, dass der Vers 86 des zweiten Stückes, welcher 
von Bt übersprungen wurde, auch bei Ulr. fehlt? 
Wenn daher nicht bloss von Mazzeo di Ricco, Rug- 
gieri Pugliese, Pannuccio dal Bagno, Meo Abbraccia- 
vacca, Buonaggiunta Urbiciani, sondern selbst von 


f Die ‘Verbesserungen* geben eine dankenswerthe Col- 
lation des Fragmentes mit der Handschrift; an drei Steilen 
(V. 5. 42. 70) hatte schon Biondelli das Richtige. Man füge 
noch eu V. 10 vedre (statt vectre) hinzu; vgl. Ltbl. 1882, 8p. 276. 

9 Die zwei anderen Gedichte Bonvesin’s müssen wohl 
den Monatsberichten entnommen sein. Leider ist dabei wenig 
gewonnen; denn nicht weniger als 41 Fehler innerhalb 252 
Verse lassen sich da constatiren. Man sehe in dieser Richtung 
auch Kr. 10, wo ausser den fünf berichtigten andere fünf 
Druckfehler Vorkommen; Kr. 30, wo die ersten 28 Verse durch 
acht Druckfehler verunziert sind u. s. w, 

e 



n 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


148 


den produktiven G. Guinicelli und Guittone d’Arezzo 
nur solche Stücke aufgenommen erscheinen, die 
schon bei Bt. Vorkommen, so erstaunt man beim 
ersten Anblicke darüber, dass die neue Anthologie 
so beharrlich auf ihrer Vorgängerin Spuren wandelt 
und so willig sich der Selbständigkeit entschlägt, 
bald aber wird man nach den gemachten Erfahrungen 
misstrauisch und ohne sich der undankbaren Mühe 
weiterer Vergleiche zu unterziehen fragt man sich, 
ob wirklich die citirten Valeriani, D’Ancona, Casini 
eingesehen wurden oder ob nicht auch hier Bartoli 
die Quelle sei 4 . Aber selbst wenn das Verfahren 
des Hrsg. 1 * sich auf die von mir näher untersuchten 
Stücke beschränken sollte, so ist dasselbe als überaus 
befremdlich zu bezeichnen. Aus dem Gesagten er¬ 
gibt sich, dass über den poetischen Theil des Lese¬ 
buches, welcher mit Bt’s Crestomaztä die Anlage 5 
und in beträchtlichem Masse den Inhalt 6 gemein¬ 
schaftlich hat, kaum etwas anderes gesagt werden 
kann, als dass es am besten ungedruckt geblieben 
wäre. 

Ein paar Stichproben der Prosastücke machten 
mir den Eindruck, als ob hier der Abdruck sorg¬ 
fältiger wäre. Ein näheres Eingehen auf Wahl 
und Anordnung des Materials halte ich nach dem 
über den ersten Theil ausgesprochenen Urtheile für 
überflüssig. 

Wien, 17. Dec. 1885. A. Mussafia. 


Sbiera, Codicele Verone^ean cu un vocabo- 
latffü §i stndiü asnpra lnt. Czernowitz, Tipo- 
grafiea archiepiscopalä. 1885. VI, 334 S. Lex.-8. 

Dem Mangel an älteren Denkmälern der rumä¬ 
nischen Sprache, den Diez seiner Zeit beklagte, ist 
im letzten Decenniutn abgeholfen worden. Eine 
kleine aber sehr rührige Gemeinde, kräftig unter¬ 
stützt von der Regierung, hat es sich zur Aufgabe 
gemacht, die Schätze, die theils in Handschriften, 
theils in äusserst seltenen, namentlich in Westeuropa 
kaum erreichbaren Drucken existiren, durch Neu¬ 
herausgabe allgemein zugänglich zu machen, so dass 
es jetzt schon möglich ist, sich ein Bild der rumä¬ 
nischen Sprachgeschichte vom 16.—19. Jh. zu machen. 
Schon ist denn auch ein Kapitel der Lautlehre von 

4 Erst in den ‘Verbesserungen* werden Lagomaggiore’s 
Emendationen mitgetheilt, die, weil alle evident, besser schon 
im Texte hätten Aufnahme finden sollen. Da aber Genauig¬ 
keit eben nicht zu den Tugenden des Hrsg.’s gehört, so sind in 
den wenigen Anmerkungen drei Druckfehler unterlaufen und 
ein halbes Dutzend der Vorschläge Lagomaggiore’s blieben 
unberücksichtigt Dass ein Vers in seinem Abdrucke fehlt, 
hat der Hrsg, auoh bei dieser Gelegenheit nicht bemerkt. 

5 ‘Die Anordnung des Stoffes ist die Barr.’s in der Storia 
della letteratura italiana Bd. II. III.’ Auch hier straft sich 
der Mangel an jeder Selbständigkeit von Öeite des Hrsg.’s. 
Er hat übersehen, dass Barroli in den erwähnten zwei Bänden 
nur die Schriften berücksichtigt, welohe zu seinem ‘Periodo j 
«teile origini* gehören und dass er dementsprechend seine 
Sammlung als Crestom. della poesia ital. del per. 
de Ile orig, bezeichnet; er hat also das Recht, die Lyriker 
der ‘nuova scuola tosoana* auszuschliessen. Wer aber ' 
ein ‘Altital. Leseb. des XIII. Jh.Y zusammenstellt, der darf 
dooh, um von Anderen zu schweigen, Guido Cavalcanti und 
die Vita Nuova nicht ausschHessen. 

6 Wieder ein wenig Statistik: von den ungefähr 5200 ! 

Versen des Lesebuohes sind beinahe 4000 schon in der Cresto- | 
mazia enthalten. 1 


Tiktin meisterhaft behandelt (vgl. Ltbl. Juli 1885), | 
von einem historischen Wörterbuche aus HasHeus 1 
Feder liegt der Anfang vor — Anderes wird bald 
folgen. — Die vorliegende Publikation gehört ent¬ 
schieden zu den wichtigsten. Die Handschrift, 1S71 
in dem Kloster zu Vorone^ in der Bukovina ent¬ 
deckt, gegenwärtig im Besitz der rumänischen Akade¬ 
mie, ist allerdings arg verstümmelt, die ersten 97 
Blätter sowie der Schluss fehlen. Heute enthält 
sie noch die rumänische Uebersetzung der Apostel¬ 
geschichte von Kap. 18 Vers 21 an, den Jacobus-, 
den 1. Petrus- und einige Verse des 2. Petrus- 
briefes. Auf einem leergelassenen Blatte schrieb 
im Jahr 1733 ein Mönch die Bemerkung: tiu’% hunä 
di nbnica — das ist die einzige bestimmte Aiter*- 
angabe, die wir haben. — Der Abdruck gibt ein 
möglichst genaues Bild des Originals: die Zeilen¬ 
abschnitte sind sorgfältig beibehalten; ausserdem ist 
eine Umschreibung in lateinischer Schrift und der 
Text der Uebersetzungen von 1648 und 1688 bei¬ 
gegeben. Daraus, dass die letztere dem Cod. Vor. 
näher steht, als die erstore, lässt sich natürlich in 
Betreff des Alters nichts schliessen. Dem Text 
folgt ein Glossar mit Angabe aller Stellen (selbst 
bei Wörtern wie §i), eine recht schätzcnswerthe Bei¬ 
gabe. Nur gegen einen Artikel hätte ich etwas ein¬ 
zuwenden. Die Hs. trennt die Wörter nicht; der 
Hrsg, thut das in der Umschrift, und zwar, so viel 
ich sehe, überall richtig. Nun gibt er S. 232 den 
Artikel rusulu: ipse. Die gewöhnliehe Form ist 
insulu ; rusulu findet sich ausschliesslich nach der 
Praep. cu, ich zerlege deshalb curusulu in cur usulu 
= cum ipsu mit regelmässiger Verwandlung von 
•»’ in r. Eine andere Erklärung von rusulu wüsste 
ich wenigstens nicht zu geben. Die Etymologie 
finde ich nur ein Mal zugefügt, bei oajdä (i^«V), 
das von ondog o£og hergeleitet wird, aber mit Unrecht. 

— Der dritte Theil verbreitet sich über den Fund¬ 
ort der Handschrift, behandelt die Gründung und 
Geschichte des Klosters Vorone^. Sodann wird die 
Handschrift mit ihren paläographischen Eigentüm¬ 
lichkeiten sehr sorgfältig beschrieben, und in § 21 ff. 
die Frage nach dem Ursprung des cyrillischen 
Alphabets untersucht und in ganz neuer Art be¬ 
antwortet; nach S. wäre die glagolitische Schrift 
ursprünglich diejenige der Slaven, die cyrillische 
diejenige der Rumänen. So verlpckend diese Hypo¬ 
these auf den ersten Blick ist, unbefangener Be¬ 
trachtung gegenüber hält sie kaum Stand. Zunächst 
verwundert es mich, das bahnbrechende Werk von 
Geit’er: Die albanesischen und slavischen Schriften, 
Wien 1883, nicht erwähnt zu sehen; nach den dort 
gegebenen sehr umsichtigen Untersuchungen über 
die Geschichte und das gegenseitige Verhältnis der 
beiden Schriftsysteme scheint mir die Möglichkeit, 
dass die Cyrillica nicht ursprünglich slavisch (genauer 
bulgarisch) sei, eine sehr kleine. Ich will hier nur 
auf ein paar Punkte hinweisen. Unsere Handschrift 
scheidet, wie noch beute der Dialekt der Moldau 
(und eonsequenter als z. B. eine Urkunde aus Jassy 
vom Ende des XVI. Jh.’s Cuvinte I, 31) dz = lat. 
dl und z = tönendem s, wofür das Wal. nur einen 
Laut hat. Die älteren slavischen Denkmäler cyril¬ 
lischer Schrift kennen nur das eine der beiden 
Zeichen als Sebriftzeichen, erst allmälich dringt. 


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1886. Lite rat urblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 4. 


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nach dem Muster der Glagolitica, die von jeher 
auch ein Zeichen für dz besass, die Unterscheidung 
ein und zwar hauptsächlich in Hss., die au9 Mace- 
donien, dem Lande wo Glagol. und Cyrill, sich be¬ 
rühren. stammen. Dieses Zeichen für dz ist aber 
nicht aus dem Glagol. entlehnt, sondern eine Modi- 
fication des oyrill. z. DaVaus folgt: die Sprache, 
für die die Glag. ursprünglich bestimmt war, schied 
dz und z, diejenige der Cyrillica nicht. Das passt 
nun offenbar nicht auf die Moldauer, kaum auf die 
Walachen, sehr gut aber auf manche slavische 
Stämme. Die Ligatur io entspricht in heutiger 
Schrift und Sprache tu, auch etymologisch ist nur 
u berechtigt. § ‘?4. 8 wird vorausgesetzt, dass einst 
io gesprochen wurde, und dafür rum. fiCü = ital. 
figlio, rugätfune = lat. rogationem verglichen. Sehr 
mit Unrecht: dass filtum jemals im Rum. fiio ge¬ 
lautet habe, ist unerweislich und steht mit der That- 
sache, dass vulgl. (= kl. lat. #) = rum. ü, 
folglich vulgl. tonlos (=- kl. lat. tonlos ü) und 
vulgl. tonlos ö (= kl. lat., tonlos #) =• rtiro. u im 
Widerspruch. Viel einfacher gestaltet sich die Sache 
bei Geitiers Erklärung. Die cyrill. Ligatur io ist 
der Glag. entnommen, wo das betreffende Zeichen 
den Lautwerth ju rcpräsentirt. — Schwieriger ist 
es. über die beiden /er-Zeichen ins Klare zu kom¬ 
men. In rumänischen Denkmälern ist bekanntlich das 
den weichen Laut bezeichnende jüngeren Datums, da¬ 
gegen das den harten darstellende von jeher zum 
Ausdruck des ä gebräuchlich. Die Glag. kennt ur¬ 
sprünglich nur ein ger- Zeichen, dasjenige, welches 
das Muster für da9 cyr. weiche abgegeben hat; 
erst die Cyr. schafft das zweite und wird darin 
wieder von der Glag. nachgeahmt. Das würde nun 
offenbar mit S.’s Hypothese sehr gut vereinbar sein, 
wenn nicht die Paläographie uns lehrte, dass das 
cyr. harte jer mit einem in der Bildung der Cyrill, 
sehr beliebten Mittel erst aus dem weichen entstan¬ 
den ist: dieses muss in der Cyr. jedenfalls vor jenem 
existirt. haben. Dass jenes in der ältesten rum. 
Schrift fehlt, hat seine sprachlichen und historischen 
Gründe, worauf ich hier nicht eingehen kann. — 
Die cyr. Ligaturen mit i: ia, ie, t£ u. s. w. sind 
nach dem Muster von io entstanden. Nun vermisst 
man im Rum. das Zeichen für ie, während doch in 
der älteren Periode der Laut existirte. Damit stimmt 
die rum. Cyrill, zur serb., nicht zur bulg., ebenso 
hat sie mit der serb. ein durch Umbildung des 6- 
Zeichens entstandenes Zeichen für g gemein, welches 
die bulg. nicht kennt. Wie erklärt sich das bei S.’s 
Hypothese? Hätten die Rumänen ein eigenes Alpha¬ 
bet geschaffen, so würden sie doch wohl für ie und 
für g Zeichen gefunden haben: statt dessen sehen 
wir, dass sie jenes nicht ausdrücken, dass ßie für 
dieses eine Modification gebrauchen, wie sie sonst 
im rum. nicht bekannt, im ältesten bulg. Cyr. aber 
ganz gewöhnlich ist. — Die Frage nach der Heimat 
des cyr. Alphabets ist noch nicht gelöst, sofern 
nämlich noch nicht feststeht, welchem der slavibchen 
Stämme es ursprünglich angehörte; das Rum. ist 
dabei von etwelcher Wichtigkeit, ausser den schon 
genannten dz und z sind es namentlich die Nasal¬ 
zeichen, die Ausschlag geben; für die rum. Cyr. ist 
aber die weitere Frage, woher die grössere Masse 
der slav. Elemente im Rum. stamme, aufs engste 


damit verbunden Ich hoffe, in anderem Zusammen¬ 
hänge darauf zurückzukommen und bemerke nur 
noch, dass mir die Scheidung zwischen ou als zwei 
Zeichen und der Ligatur ou (jenes = u, dieses = u) 
völlig unbegründet scheint: beide Zeichen sind gleich- 
werthig, dass ersteres fast stets am Anfang, letzteres, 
wie auch in griechischen Handschriften, häufiger 
im Wortinnern und am Wortende~ 9teht, ist paläo- 
graphisch völlig gerechtfertigt. — § 26 ff. gibt eine 
kurze Uebersicht über die grammatischen Eigen- 
thümlichkeiten. Ich hebe einices hervor, zugleich 
ein paar von S. übergangene Punkte nachtragend. 
In der Flexion treffen wir, wie natürlich, noch 
weniger analogische Formen, so lautet der PI. von 
Fern, fast stets (ich habe als Ausnahmen notirt: 
limbile erbiU fierile verigile pietrile lumiriloru\ von 
Ntr. immer auf e aus. Dem Nom. sorä steht der 
Gen. Dat. surori gegenüber, wie übrigens auch 
heute noch zuweilen (vgl. Ispirescu, Legende S. 234: 
din gura suroret)- Bemerkenswerther ist, dass der 
PI. zu tatä : tätätnri lautet, womit tätdnii und ent¬ 
sprechend tnutnäne bei Jarnik Doine S. 349 Note 94, 
zianu und ähnliche im Tarentinisehen, barbane auf 
einer Inschrift aus Tarent C. I. L. IX, 6402 ver¬ 
glichen werden mögen. — Der PI. Fern, von grävis 
lautet noch gräe nicht grele . Manches Eigentüm¬ 
liche bieten die Pronomina, unter anderm einen 
versteckten Nachkommen des lat. quisque : citnrescu 
= citnre (< qui\ + *cescu. — Die vom Perf. aus um¬ 
gebildeten Präs.-Formen curge = currere und in- 
vinge = invincere fehlen noch, letzteres bildet sogar 
ein sw. Perf. invinJcü . Dagegen sind die Part von 
veni und vedeä schon schwach, während in Sieben¬ 
bürgen noch heute vint und vest besteht. Die 1. 2. 
PI. Perf. mit r fehlen ganz \ Auffallend selten 
ist der Gebrauch des Conditionalis; andere Denk¬ 
mäler, wie Coresis Psalter, sind freigebiger damit. 
Für den negirten Imperativ 2. PI. dient der volle 
Inf. mit der Endung der 2. PI.: nu läuddreü, ebenso 
in der Uebersetzung von 1648, kaum mehr in der 
von 1688. — Wenn das reflexive sine (lat. se ) nicht 
nur auf die dritte, sondern auch auf die 1. und 2. 
Person sich bezieht, so erinnert das an rätorom. 
zugleich und an slav. Gebrauch, beide andern Ver¬ 
sionen scheinen das nicht zu kennen. Wie ist der 
Ausdruck: ditntru a sa tnremä oameniloru 107. 11 
zu fassen? Ist sa = ipsa (vgl. su:ipse 49. 6) oder 
= awa? Am meisten gäbe die Wortstellung zu 
Bemerkungen Anlass/, auch die Casusrection i9t 
vielfach abweichend vom heutigen Gebrauch, vor 
Allem fehltnra beim Acc. völlig. — Die zusammen¬ 
gesetzten Wörter des Originals werden fast stets 
— jedenfalls nicht im Geiste der rumänischen 
Sprache — durch Zusammensetzungen wiederge¬ 
geben , sogar intregumindrie grature oaKpQoovvtjg 
QTjparu 80. 12. Der Hrsg, zweifelt, ob das erste 
Wort als Adj. oder Subst. zu fassen sei: ich möchte 
das erstere vorziehen. Manche Ausdrücke, die 
später verloren gehen, sowohl slav. wie lat., finden 
sich hier noch gebraucht, doch kann ich nicht in 


| 1 Ich benutze die Gelegenheit, zu Zs. IX, 225 ein Bei- 

: spiel för äm = amm nachzutragen: färämä, das Miklosioh 
! Laut]. Cons. II, 89 und ich selbst Neutr. 86 mit Unrecht von 
I fragmen getrennt haben. Wie gn im Rum. zu mn wird 
{lemn: lignum ), so gm zu mm, also *frammä, *främmä, *främä. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


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Einzelheiten eintreten; andere erscheinen in älterer 
Form, die ^ans auf die Etymologie weist: so cäte - 
litnre ßgaiiioq, das S. 320 richtig von quantum (eher 
xard) lenem hergeleitet wird, und das ich im heutigen, 
übrigens schon in der Uebersetzung von 1648 
figurirenden catinel wiederfinde 2 . So zeigt uns in - 
cätruo (oder incätr’uo, aber keinenfalls incätru o, 
wie der Hrsg, schreibt) in Verbindung mit iuo = 
ubi, dass aus dem o des heutigen incotro nicht auf 
vulgl. qbi (mit q = tf vor Labialen, wie in *jovenis, 
vgl. auch rum. cot = *cabüum) zu schliess^n ist 
Von lautlichen Eigentümlichkeiten habe ich die 
eine, die Scheidung von dz und z schon erwähnt; 
ist es Zufall, wenn l zwischen u und Con*onant 
( multum , ascuttare, amulgere, dulce u. s. w. s ) stets 
über der Linie geschrieben wird, oder ist, sei es 
für den Uebersetzer, sei es für einen Abschreiber, 
l in diesem Falle stumm? Das bei weitem Wich¬ 
tigste ist nun, dass » zwischen zwei Vokalen stets 
zu einem Laut wird, der bald in, bald r, bald 
inr geschrieben wird, was für Alters- und Hei¬ 
matsbestimmung der Uebersetzung von grösster 
Wichtigkeit ist. Der Hrsg, ermittelt in § 31 ff. 
aus der Beschaffenheit und den Wasserzeichen 
des Papiers, dass wir es mit einem schlesischen 
Fabrikat aus dem zweiten Decennium des 16. Jh.’s 
zu thun haben; nicht ganz seltene Schreibfehler 
(ich möchte auch tresurä 136. 8 in tre- 

misurä verbessern) weisen darauf hin, dass wir 
eine Abschrift vor uns haben; das Original dürfte 
dem Anfang des 13. Jh.’s angehören. Diesen letztem 
Satz halte ich für völlig verfehlt. In dem Rhota- 
ciemu8 kann ich nichts anderes als einen dialektischen 
Zug sehen. Dass zu irgend einer Zeit alle Rumänen 
als V gesprochen haben, dass dann (schon im 
16. Jh.) die meisten wieder zu zurückgekehrt 
seien, ist mir nicht erklärlich. Wenn wir die That- 
sachen: den Wandel von V• in V durch Assimi¬ 
lation: curutia, von *n r in V durch Dissimilation: 
*cärunt = canütus — canutus im Wal., den steten 
Wandel von *w* in V im Istrowal. und sein Vor¬ 
herrschen im Mold., sowie in 2 alten Denkmälern: 
dem Cod. Voron. und dem.Cod. Sturdzanus (publi- 
cirt im 2. Bande von Hasdeus Cuvinte), objectiv 
betrachten, so folgt daraus: zu einer Zeit, die nicht 
mehr zu bestimmen ist, die aber der Abzweigung 
der Istrowalachen vorausliegt, begann an einem ge¬ 
wissen Punkte des rumänischen Sprachgebietes 
(etwa da, wo Rumänen un<I Albanesen sich be¬ 
rührten) der Rhotacismus und dehnte sich allmälich 
aus, ohne jedoch zum Durchschlag zu kommen. 
Nach Loslösung der Istrowalachen erhielten viel¬ 
mehr diejenigen Gegenden, die n bewahrten, das 
Uebergewicht und drängten den Rhotacismus mehr 
und mehr zurück, so dass er heute fast völlig ver¬ 
schwunden ist, sich nur bei den Istriern, die von 
fremdem Einfluss unberührt waren, rein erhielt. So 
bleibt der Cod. Vor. allerdings ein altes Denkmal 
moldauischer Sprache, sofern er offenbar der Periode 


2 Cihao I, 193 verkennt das Verhältnis von incetinel 
za cätinel. 

* Nar ultd = *oblitare mit einem Häkchen Aber dem l . 
Soll damit wie in der ältesten Cyrillioa (Geit)er 8. 98) die 
jotacirte Aussprache des l angedeutet werden? Zwischen lat. 
oblitarc und rum. uüä muss ja ul’tare liegen. 


angehört, wo die walachische Rückwirkung noch 
nicht begonnen hatte, er ist älter oder doch reiner 
als der Cod. Sturdz. Aber zwischen Verfasser und 
letztem Abschreiber 300 Jahre zu setzen, dazu liegt 
kein Grund vor. Es spricht sogar dagegen die 
relative Reinheit der Sprachformen. Ich kann mir 
nicht denken, dass zwischen dem Original und 
unserer Copie viele zeitlich und sprachlich von 
einander entfernte Mittelglieder liegen. Hätte der 
letzte Abschreiber z. B. n gesprochen, weshalb 
schreibt er denn fast stets r, inr, weshalb begegnet 
nie «eine umgekehrte Schreibung (oder soll man 
sträminare ■= *stimularis für eine solche halten)? 
Lässt sich sprachlich die Nothwendigkeit eines so 
hohen Alters des Originals, wie der Hrsg, will, 
nicht erweisen, so hat der weitere Beweis der 
historischen Möglichkeit einer rumänischen Bibel¬ 
übersetzung im 13. Jh. keinen Zweck mehr. Was 
hiefür angeführt wird, ist z. Th. recht gut; allein 
uni zu beweisen, dass gerade unsere Uebersetzung 
die älteste sei, wäre eine sorgfältige Untersuchung 
über das gegenseitige Verhältniss der rum. Bibel¬ 
übersetzungen des 16. Jh.’s zu einander und zu 
den slavischen nöthig: eine Untersuchung, die von 
grösster Wichtigkeit wäre, und zu der. wie ich 
glaube, Sbiera wohl gerüstet ist. Eine ausschlag¬ 
gebende Stelle ist Ep. Jac. III, 6, wo xoo/io^ theils 
als ^Schmuck“, so im Cod. Vor. und in der Ueber¬ 
setzung von 1688, theils als „Welt 44 , so in der¬ 
jenigen von 1648, gefasst wird. 

Wenn ich in zwei wesentlichen Punkten dem 
Hrsg, nicht folgen kann, so spreche ich ihm doch 
gerne nochmals den Dank für die Sorgfalt aus, mit 
der er das werthvolle Denkmal veröffentlicht hat 
Paris, 28. Januar 1886. W. Meyer. 


A'sböth Oszk&r, Szldvs&g a magyar keresz- 
t£ny terminologiäban [Slawisches in der magya¬ 
rischen christlichen Terminologie] in den ..Nyelvtu- 
domänyi Közlemenyek 44 [Sprachwissenschaftlichen 
Mittheilungen] Bd. XVIII, S. 321—427. Buda¬ 
pest, 1884. 8°. 

Volf György, Kiktöl tanült a magyar irni, 
olvasni? (A rügi magyar orthographia kulcsa) 
[Von wem lernten die Magyaren schreiben und 
lesen? (Schlüssel der altmagyarischen Ortho¬ 
graphie)] S. 87. — Bd. XII, Heft 6 der von der 
ung. Ak. d. VV. herausgegebenen „£rtekez£sek 
a nyelv- 6s sz£ptudomänyok kör6bül a [Abhand¬ 
lungen aus dem sprach- und schönwissenschaft¬ 
lichen Kreis]. Budapest, 1885. 8°. 

Asböths Abhandlung dürfte für die Leser des 
Ltbl.’s zunächst insofern Interesse besitzen als die 
Frage entsteht ob die darin besprochenen Ausdrücke 
wirklich alle aus dem Slawischen, nicht einer oder 
der andere aus dem Deutschen oder Romanischen, 
direct entnommen sind. Im Zweifelsfall sprechen 
allerdings die geschichtlichen Umstände für das 
Erstere. 

Szent wird mit Recht auf altsl. svqtü bezogen; 
denn das lat. sanctus oder seine romanischen Fort¬ 
setzer würden im Magy. wohl entweder *szatU (vgl. 
altsl. sanitü, santu) oder *$ent (vgl. friaul. sent, neust. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


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sent, alban. senjt u. V w.) ergeben haben. — In 
angyal (nicht bei Miklosich D. sl. El. im M.) ist 
gy = g allerdings romanische Lauteigenthümlicb- 
keit, findet sich aber zum Theil auch im Slawischen 
wiedergegeben. A'sböth legt auf dies gy kein Ge¬ 
wicht; er meint es könne angyal weder vom deut¬ 
schen engil, noch vom lat. angelus kommen, von 
letzterem nicht weil die lat. Endung nicht abge¬ 
fallen sein würde. Er weist S. 362 Anra. 2 eine 
aus dem alten Adjectiv angyalomi zu entnehmende 
Form angyalom = angelum nach, wie denn dn 
heutige Sprache no<h cirkalom, Egyiptom, paradi - 
csom = circulum, Aegyptum, paradisum, auch mar - 
tiromsdg (alt martirom = martyrum ; vgl. prov. 
martror) besitzt. Dass in diesem, sowie in anderen 
Fällen die neueren Sprachen die Accusativform des 
gelehrten Lateinisch bevorzugten, daraus wird man 
wohl kein Argument zu Gunsten der romanischen 
Accusativtheorie ziehen wollen. Asböth hat aber 
übersehen dass das nächste Vorbild des magy. 
angyal eine romanische endungslose Form (wie 
friaul. agnul) sein konnte. Auch bei kanonok, prSpost 
erörtert er nur die Möglichkeit der Entstehung aus 
ital. canonico, preposto, die er eben wegen des con- 
sonantischen Auslauts der magy. Formen zurück¬ 
weist (S. 375). — Nun gibt es einige Wörter bei 
denen der Gedanke an Entlehnung aus dem Slnw. 
durch ihre Lautgestalt geradezu ausgeschlossen zu 
werden scheint, zunächst diejenigen in welchen 
niagv. x (als S ) einem lat. s gegenübersteht, so 
apostol, kolostor, tnonostor, prSpost, und die gleich 
zu besprechenden püspök und pünkösd . S. 367 
Anm. 1 sagt Asböth selbst dass slaw. s in 105 der 
bei Miklosich angeführten magy. Wörter (als SZ) 
geblieben, nur in vier, noch dazu unsichern, Fällen 
zu * geworden sei. In einigen bei Miklosich nicht 
vorkommenden Wörtern (und zwar in den drei 
zulezt genannten) nimmt auch Asböth den Ueber- 
gang von slaw. s in magy. s an, habe derselbe nun 
im Munde des Volkes oder auf dem Papiere statt- 
gefunden. Letzteres wird S. 375 für pripost, 
apostol, tnonostor auf Grund der mittelalterlichen 
Geltung von ST = st (während S sonst = s) be¬ 
hauptet. Aber wie diese Formen durch Lesen und 
nicht durch Hören von den Magyaren adoptirt 
worden sein sollen, das verstehe ich wahrlich nicht. 
Es kann magy. s nur einem romanischen oder 
deutschem s entsprechen. Zu püspök vgl. alban. 

? 'ükop, p&kqp, italo-alban. pespejc (mit der gleichen 
Tmstellung wie im Magy., die übrigens hier nicht 
befremdlich ist). — Mehr Schwierigkeiten macht 
pünkösd (pünköst ). Das deutsche pßngesten kann 
nicht sein unmittelbarer Vorgänger sein, weil im 
Magy. nicht pf zu p geworden wäre. Asböth nimmt 
daher ein altsl. *pinku$tü (doch wenigstens *pin- 
küstü) vgl. neust, binkuxti ) als Zwischenglied an. 
Wenn aber Asböth meint dass i in dem älteren 
pinkusd sich nur aus der im Ahd. stattgehabten 
Einmischung von fimf erklären lasse ( fimfehusti ). 
so übersieht er dax>ei niederd. pinksten (alts. te pin- 
coston ). woher polab. panckjüst. — Gleicherweise 
irrt Asböth wenn er meint, das m in szombat finde 
sich nur noch im ahd. sambaztag, woher denn altsl. 
sabota. Es liegt überall eine romanische Nebenform 
von sabbato, nämlich sambato (vgl. mundartl.-it. 


embh = ebbene, sowie rendere = reddere) zu Grunde 
(franz. samedi, graubündn. samda, sonda ). wodurch 
auch die Schwierigkeit von slaw. rum. magy. t = 
ahd. z behoben wird. — Das merkwürdigste unter 
den von Asböth erörterten Wörtern ist unzweifel¬ 
haft karäeson „Weihnachten“. Asböth leitet nicht 
nur dies Wort aus dem Slawischen her, wie man 
das immer gethan hat, sondern ist auch geneigt es 
hier für ursprünglich zu halten, während Miklosich, 
ohne es deuten zu können, es als unslawisch auf¬ 
führte. Recht hat Asböth darin dass er meint, die 
etymologische Frag'* müsse erst entschieden werden 
ehe man russ. koroöun „Weihnachten“ mit koroöun 
„Tod“ zusammenstelle, wie es Miklosich thut 1 . So 
viel ich sehe, muss dies Wort ursprünglich rumä¬ 
nisch sein. Die Bezeichnung des Weihnachtsfeier ent¬ 
hält überall von allem Anfang den Namen Christus, 
obwohl er dann wegfallen oder durch ein allge¬ 
meineres Wort ersetzt werden kann (z. B. natalis 
oder fiatalicium für Christi n., Weihnacht für Christ¬ 
nacht). So haben wir engl, christmas, niedcrl. kers - 
feest, nengr. yjtnjTovyswa, alban. krsndet, kexendeX, 
kexneX (Christi natalis). Wenn man die starke Ent¬ 
stellung der alban. Formen betrachtet, so wird man 
es nicht zu bef-emdlich finden, dass ich rum. 
cräciun = Christp jejjunium ansetze. Jejmüum 
findet sich i n kirchlichen Latein neben jejunium 
vigiliae für vigtlia schlechtweg, und hat gerade im 
Rumänischen diese Bedeutung gewahrt: ajun heisst 
einfach „Vorabend“, und so sagt man insbesondere, 
mit einem ganz verdunkelten Pleonasmus, ajunul 
cräciunului „Weihnachtsabend“. Ob nun dieses 
W 7 ort direct aus dem Rumänischen in das Magya¬ 
rische oder durch Vermittelung des Slawischen 
übergegangen ist, das wage ich nicht zu entscheiden: 
das o für u gibt keinen Anhalt; das ny der Neben¬ 
form kardesony findet sich allerdings im klein russ. 
kerecunj, aber auch schon im Etymon jejunium. 
Obwohl in das Magy. ein und das andere rumän. 
Wort eingedrungen ist (z. B. szanicor = säniciörä 
= sanicula), so wüsste ich doch für eine derartige 
Verbreitung eines solchen augenblicklich kein weiteres 
Beispiel als baie für *banie (vulgärl. bania = balnea)* 
„Bad“, „Bergwerk“, welchem wir mit der letztem 
Bedeutung im Magy. als bdnya (Ballagi führt als 
dialektische Bedeutung noch „warmes Bad“ an) und 
im Tschech. als bänc, mit der ersteren im Altsl. 
Serb. Bulg. als banja, im Alban, als barijq wieder 
begegnen. Denn mit Miklosich u. A. hier ein echt¬ 
slawisches Wort zu erblicken ist mir nicht möglich. 

Ein Problem von allgemeinerer Bedeutung wird 
ferner von Asböth im Anhang (S. 412—427) unter 
dem Titel „Der Ursprung der altmagyarischen 
Orthographie“ behandelt Er ist nämlich der An¬ 
sicht dass die Magyaren ihre Art das lateinische 
Alphabet anzuwenden von den Tschechen über¬ 
kommen haben; doch erörtert er nur einen, aller¬ 
dings den wesentlichsten Punkt, nämlich die Dar- 


1 Man hat gemeint, die schon alt russ. Form korocun 
widerstreite meiner Etymologie. Ich erblicke hier Ueber- 
tragung der für echtslawische Wörter geltenden Corrcspon- 
denz: russ. Cons. + Vok. -f r + Yok. = södsl. Coup. f r 
-J- Yok. (z. B. Jcorova = krava) auf ein Fremdwort, wie ja 
z. B. auch die altkeliische Gleichung: ir. c = kymr. p in lat. 
Lehnwörter ihren Reflex geworfen hat. 


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1886. Literatorblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 4. 


Stellung des Lautes I durch S. Der historischen 
Begründung halber verweist er auf die Einleitung 
zu seiner Abhandlung. 

Volf erwiderte zunächst in den Nyelvt. Közl. 
XIX. 58—72 („Die Bezeichnung der einfachen Zisch¬ 
laute in der altmagy. Orthogr.*) auf gewisse gegen 
ihn gerichtete Bemerkungen Asböths und widmet*» 
dann der ganzen Frage die vorbenannte umfang¬ 
reiche Arbeit, in deren erstem Tlieil (S. 1—34) er 
die Hypothese Asböths in einer scharfen und gründ¬ 
lichen Weise widerlegt, in deren zweitem er vor 
Allem eine Erklärung des magy. 8 = s gibt, welcher 
ich im Wesentlichen bei| flichje. Volf geht davon 
aus dass wo die Schreibkunst mit dem lateinischen 
Christenthum aufkam. die lateinische Orthographie 
nothwendiger Weise die Grundlage der nationalen 
gebildet habe. Wenn daher S = 8 sich in der 
alten Schrift der Polen. Tschechen, Kärntner Slo¬ 
wenen und Deutschen finde, so beruhe dies nicht 
auf gegenseitiger Entlehnung, sondern auf gemein¬ 
samem Ursprung. Indessen ist hier vom Deutschen 
wohl abzueehen. wo S = s nur vereinzelt in älterer 
Zeit vorkommt, heutzutage regelmässig vor p und 
t im Anlaut; in letzterem Falle aber handelt es sich 
ja nur um eine gegen die Aussprache zurückge¬ 
bliebene Schreibweise, welche in dem magy. S = « 
dann ihr Analogon haben würde, wenn dies wie 
man einmal angenommen hat, aus s entstanden 
wäre. So ist denn auch der Gedanke welchen 
Volf S. 77 äussert, zurückzuweisen dass nämlich 
die ältere deutsche Aussprache von lat. S impurum 
mit der neapolitanischen in Zusammenhang stehe 
(doch lautet vor t hier S nicht wie «) und dass 
das für die Herkunft des deutschen Lateins von 
Montecassino spieche. Was die Orthographie der 
altslow. Freisinger Denkmäler anlangt, so wird die 
von Braune (B. z. G. d. d. S. u. L. I) angenommene 
Beziehung von S = S auf ein deutsches s (zwischen 
s und ,s) durch die zahlreichen in meiner Schrift 
„Slawo-deutsches und Slawo-italienisches“ gegebe¬ 
nen Nachweise bestätigt; immerhin ist, bei isolirter 
Betrachtung des Falles, die deutsche Lesweise 
lateinischer Texte als Vermittelung denkbar. Volf 
verfolgt an der Hand lateinischer Wörter im Ma¬ 
gyarischen, magyarischer Wörter in alten lateinischen 
Schriften, grammatischer Zeugnisse die Aussprache 
des lat. S als $ bis in die ältesten Zeiten zurück. 
Ursprünglich war 8 = S ganz allgemein, und zwar 
bis ins 17. Jb.; sodann galt 8 für auslautendes S 
und S impurum (-ST-, -SM- ausgenommen); endlich 
nur für letzteres, aber auch diese noch auf manchen 
Gymnasien herrschende Sprechweise (jealu, specu- 
lum, Hutua) kommt mehr und mehr ab. Dieser 
ganze Nachweis ist nur giltig unter der doppelten 
Voraussetzung dass magy. s sich nicht aus $ ent¬ 
wickelt hat und dass das lateinische Schriftenthum 
dem magyarischen unmittelbar vorhergegangen ist; 
diese doppelte Voraussetzung aber, die mir unan¬ 
fechtbar erscheint, dürfte an sich schon genügen 
dahin zu führen wohin Volf uns führen will. Wenn 
die Ursache des deutschen V = /, wie man ver- 
muthet hat, in der irischen Aussprache des lat. V 
zu suchen ist (vgl. ir. ffn =- vinum ), so würde die 
ältere mir noch erinnerliche deutsche Aussprache 
des lat. V an sich genommen nichts beweisen; man 


könnte sich ja bei fado, fotum ebenso gut erst nach 
Vater, von gerichtet haben, wie man in der That 
bei Ipeculum, sture sich nach Spiegel, stehen ge¬ 
richtet hat. 

Es bleibt nun die Hauptfrage zu beantworten: 
woher stammt innerhalb des Lateinischen das s = S? 
oder mit anderen Worten: von wem lernten die 
Magyaren Latein? Darauf antwortet — nach einigen 
Umschweifen — Volf: von Leuten ven«*tisoher 
Zunge, und diese Antwort bestätigt meine Sl.-d. u. 
Sl.-it. S. 52 fragweis geäusserte Vermuthung. Was 
die Verbreitung des s für s anlangt, so würden 
Volfs Angaben von den meinigen nur insofern ab¬ 
weichen. als mir für Fiume ein nicht vom gewöhn¬ 
lichen italienischen unterschiedenes s bezeugt worden 
ist. Die Beziehungen zwischen Italienern und Ma¬ 
gyaren (ihnen hat auch Gubernatis in seinem sonst 
oberflächlichen, ohne Kenntniss des Magyarischen 
geschriebenen Buche über Ungarn einen Abschnitt 
gewidmet) reichen allerdings in die ältesten Zeiten 
hinauf und werden nun auch die Entlehnung von 
Wortformen, w ie apostol und den anderen oben er¬ 
wähnten in denen magy. s = lat. s, erklären. Aus 
dem venetischen Dialekt scheint mir selbst der 
magyarische Name der Stadt Venedig entlehnt zu 
sein: Velence\ vgl. chiogg. Velissiani (Ascoli Arch. 
glott. I, 433). Ja. das Magyarische lässt uns eine 
romanische Form *Veleiizia — *Venenzia voraus¬ 
setzen (so geht auch chiogg. zelucion auf *genunchioni 
zurück). L für n weist hier auch das Neugriechische 
{BeXiot) und das Serbo-kroatische auf 0dletci, aber 
auch Mn-, so dass hier l sich von dem m dissimi- 
lirt haben kann wie in mliti, mlogo — mn-, nach¬ 
dem erst in Bnetci sich b = v an das folgende n 
assimilirt hatte); vgl. serb. velenac, velenca „gewebte 
Decke*. Auf das Venetische führt mit Recht auch 
Volf die erst in unsern Tagen ganz absterbende 
magyarische Aussprache des lat G vor e und i = 
dj ( GY) zurück (daher auch Schreibungen wie 
evungyiliom, spongyia). Dass GY im Magyarischen 
nicht nur vor dunkeln, sondern auch vor hellen 
Vokalen den Laut dj bezeichnet, das ist aus dem 
Bedürfniss dem gleichen Laut immer das gleiche 
Zeichen entsprechen zu lassen hervorgegangen; auch 
die Italiener schrieben früher gern oienerale, evan- 
gielo. Wenn übrigens anderseits oei den alten 
Italienern oft ga, go, gu für gia, gio, giu geschrieben 
wird, so bieten die ältesten magy. Sprachdenkmäler, 
die Leichenrede und das Königsberger Fragment, 
die gleiche Erscheinung. Nicht verständlich ist mir 
übrigens wie man sagen kann: „im venetischen 
Dialekt lautet jedes g vor e, i ausnahmslos wie dj 
oder j, nie wie dz a (S. 80). Auch nicht wie z*i 
Vgl mein Sl.-d. u. Sl.-it S. 54 f. Die magy. Aus¬ 
sprache des lat. C vor e, i = ts und die darauf 
sich gründende magy. Schreibung lässt sich eben¬ 
falls ohne Mühe im Venetischen, oder vielmehr im 
Oberitalienischen überhaupt, so wie es in alter Zeit 
beschaffen war, begründen; daher stammt ja auch 
der deutsche Werth des C vor 4, i. Noch Anderes 
hätte ich gern von Volf besprochen gesehen, so das 
altmagy. CH = ü, welches aus dem Westiomaniech- 
Ladinischen herrührt. Zum Schlüsse möchte ich 
aber die Frage erheben ob überall und speciell 
bei den Magyaren die nationale Orthographie voll- 


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1886. Literaturbiati für germanische und romanische Philologie. Kr. 4. 


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ständig aus den Mitteln des lateinischen Alphabets 
aufgebaut werden konnte. Ich nehme einerseits 
Zeichen oder Zeie.heneomplexe wahr deren neuerer 
Werth mir für die wie immer geartete Aussprache 
des Lateinischen höchst unwahrscheinlich ist, so 
alfmagv. Z = s (denn die Veneter sprachen Z in 
zona, baptizare gewiss nicht — s). Auch CH wurde 
wohl aus romanischer Schrift herübergenommen (da 
H hier wie in LH, NH u. s. w. die Rolle des J 
vertritt). Anderseits haben die neueren Systeme 
Zcichencomplexe welche dem Lateinischen ganz 
fremd sind, wie SZ, CZ u. s. \v. Ich glaube dass 
derartige Untersuchungen nothwendiger Weise über 
den Kreis einer bestimmten neueren Sprache I inaus- 
führen, und dadurch wird der Wunsch nahe gelegt, 
es möchte Jemand die mittelalterliche Geschichte ; 
des lateinischen Alphabetes bei den verschiedenen 
europäischen Nationen im Zusammenhang darstellen. 
Dabei würden sich die schriftliche Scheidung von | 
Laut und Zeichen (wie sie in dieser Reeension ge- ! 
schehen ist) und tabellarische Uebereichten über die 
Schreibungen der Denkmäler empfehlen. 

Graz, Januar 1886. H. Scliuchardt. 

Zeitschriften. 


und Universitäten ?om Ausgang des Mittelalters bis zur 
Gegenwart. — T. Whiting ßanoroft, £. Gosse, From 
Shakespeare to Pope. — ß. L. Bo wen, H. Schmidt, Das 
Pronomen bei Moliöre. 

Melusine III, 3: M. J. Tuohmann, La Fasoination (Forts.). 
— Moeur8 et usages de la Haute-ßretagne. — Le diable 
et la 8orcellerie en Haute-ßretagne. — Devinettes de la 
Mer. — Beotiana (Forts.). — Le Juif en moroeaux. — Le 
Plongeur (Forts.). — La voie laotöe (Forts.). — Les Noyös 
(Forts.). 

Zs. t. deutsches Alterthum XXX, 2: Wolfram, Kreuz- 
predigt und Krenzlied. — N i e d n e r, Sklrnis för. — P n i o - 
wer, Der Abraham der Wiener Genesis. — Zupit za, 
Zur Frage nach der Quelle von_ Gynewulfs Andreas. — 
Ders., Drei alte Exoerpte aus Alfreds ßeda. — ßreul, 
Zu den Cambridger Liedern. — Henrioi, Die IweinhBs. 
III. — D e r 8., Die Nachahmung des Iwein in der Steirisohen 
Reimchronik. — Litzmann, Kronprinz Friederioh nnd 
Gottscheds Ausführliche Redekunst. — Toisoher, Zu der 
Wiener Meerfahrt. — Strobl, Zum Wiener Hundesegen. 

Alemannia XIII, 3: Landenberger, Volkstümliches von 
der schwäbischen Alb. — M. R. Buck, Die Endung - er, 
-ern (- errett) in oberdeutschen Ortsnamen. — P. Geyer, 
Der elsässische Ortsname Gemar. — G. Knod, Wimphe- 
lingiana. — W. Orecelius, Ein Brief von M. Rmgmann 
an Wimpheling. — L. Baumann, Weisthum des Kelnhofes 
ObergaUingen XIII. Jahrhundert. — R. Brandstetter, 
Die Figur der Hochzeit zu Kana in den Luzerner Oster¬ 
spielen. — Th. Süpfle, Schlaftrunk in französ. Quellen 
des XVI. Jh.’s. — K. Doll, Sittenbild aus einem Sohwarz- 
walddorfe. — A. Birlinger, Hebelstudien. — Ders., 


Zs. f. Völkerpsychologie u. Sprachwissenschaft XVI, j 
4: Em. Kovär, Ueber die Bedeutung des possessivischen 
Pronomens für die Ausdrucksweise des substantivischen Attri- | 
butes. 

Zs. f. vergleichende Sprachforschung XXVIII, 3: Rud. 1 
Meringer, Ueber den indogerman. Dual der o-8tämme; j 
Flexion der Zweizahl. — W. Schulze, Das Suffix des 
Nom. PL Masc. u. Fern.; etymologische Miscellen. — F. | 
Holthausen, Etymologien. — Joh. Schmidt, Schleichers j 
Auffassung der Lautgesetze. j 

Revue de lingnistiqne Janvier: Gaidoz et Söbillot, ! 
Bibliographie des traditions et de la littörnture populaire I 
oa orale des Frances d’Outremer (Schluss). — Regnaud, 
les principes de la nouvelle grammaire. — Orain, glos- j 
saire patois. — RaouldelaGrasserie, Etüde de gram- \ 
maire comparöe: De la catögorie du nombre. 

Archiv f. das Studium der neuern Sprachen u. Litera¬ 
turen LXXV, 3: Th. T hie mann, Deutsche Kultur und 
Literatur des 18. Jh.’s im Lichte der zeitgenössischen ital. 
Kritik. II. — H. Isaac, Die Hamlet-Periode in Shake¬ 
speares Leben (8chl.). — E. Eickershoff, Ueber die 
Verdoppelung der Consonanten im Altnormannischen. — 
A. Koch, Thümmelstudie. — Krummacher, Shelleys 
Ode an den Westwind. — Andresen, Deutsche Geschlechts¬ 
namen mit verwachsenen Präpositionen. 

Taalstudie VII, 2: H. F. V. M., L’Etude des Synonymes.— 
L. M. Baale, Remarques pour servir k la traduction de 
qaelques phrases dötachöes. — A. van der Ent, L’Etude 
des mots et de leur 8ignification. — L. M. B., Bulletin 
Bibliographique. N. Beets, Nieuwe Verscheidenheden; 0. 
Neuhaus, Adgars Marien-Legenden; E. Koschwitz, Commen- 
tar zu den ältesten französ. Sprachdenkmälern (Serments 
de Strasbourg, etc.); J. N. Valkhoff, Nouveau Dictionoaire. 
— L. M. B., Questions et Röponses. — C. Hey man, Rey- 
nard the Fox. — C. Stoffel, The Romance of Octavian 
re-edited. — K. t. B., Answers to Correspondents. — P. A. 
8chwippert,De gestoorde bruiloft Anno 1000, Das unter¬ 
brochene Hochzeitsfest. Im Jahre des Heils 1000. — Ders., j 
Einiges über „Ob“. — Ders., Curiosum. — Ders., Kleinere 
Anzeigen. 

Modern Language Notes (Baltimore) I, 2: A. S. Cook, 
Native an Foreign Words in De Quincey. — H. A. Todd, 
Arthur Tilley, The literature of the French Renaissance. — J 
J. M. Hart, F. B. Gummere, A Handbook of Poetics for [ 


Alt8chwäbUche Sprachproben. 

Zs. f. deutsche Philologie XVIII, 3: Georg Ellinger, 
Ein deutsches Puppenspiel: Alceste. — Sylvius v. Monster- 
berg-Münckenau, Der Infinitiv nach wellen und den 
Verba praeterito-praesentia in den Epen Hartmanns von 
Aue (Schluss). — J. Zingerle, Zur Tirolischen Sagen¬ 
kunde. I. — H. Giske, Ueber Körner und verwandte Er¬ 
scheinungen in der mhd. Lyrik (Schluss). — J. Kelle, 
Das Verbum und Nomen in Notkers Aristoteles. — A. 
Strack, Bericht über die Verhandlungen der deutsoh-rom. 
Seotion der XXXVIII. Versammlung deutscher Philologen 
und Schulmänner in Giessen 1885. — Ein Brief Laohmanns. 
— A. Birlinger, Lexikalisches. Erve, erven, unterven 
im Altkölnischen; zur Sprache der Hamburger im vorigen 
Jahrhundert. 

Noord eu Zuid IX, 2: A. v. H., X. V., A., Red., H. v. B., 
L. 8., B., V. en T., J. M. Aoket Jr., Vragen beantwoord. 

J. E. ter Gouw, Let speien. — Bato, Tijdschriften- — 
F. F. C. Fischer Jr., Eene nieuwe paragraaf in de Neder- 
landsche spraakleerP — J. Vereoullie, Absolute Naam- 
vallen. — Saxo, Overzieht van Tijdschriften. — G. Lzg., 
Middelnederlandsch. — J. van Boxmeer, Naar aanleiding 
van „Vragen“. — P. Kat Pz., Kritiek en Antikritiek. — 
Lijst van boeken in November en Deoember in Nederland 
uitgekomen. 

Archiv f. lat Lexikographie u. Grammatik H, 4: F. 
Stolz, per und Anhang. — F. Bücheier, Titus. — Ph. 
Thielmann, Habere mit dem Part Perf. Pass. II. — 

K. Sittl, Zur Beurtheilung des sog. Mittellateins. (Der 
Untergang der lat. Declination.) — Wölfflin, instar, ad 
instar. — G. Goetz, afannae. — E. Hauler, Thesauri 
latini specimen. Partie. VI (abdicabilis bis abdicativus). — 
A. Zingerle, Donicum, donec cum. Episcopium. — F. 
Bücheier, Zur lex metalli Vipascensis. — J. M. Sto¬ 
wass e r, Couiectanea. — F. V o g e 1, inscius = ignotus. — 
K. Sittl, Zum Gastmahl des Trimalchio. Cal and ra. —- 
8eb. Dehner, Saraballum. — E. A. Gutjahr-Probst, 
Coromagister. — L. Havet, prologus. — Wölfflin, 
Varia. — III, 1: W. Hartei, Luoifer von Cagliari 
und sein Latein. — Wölfflin, oapreolus; frz. Cabrio¬ 
let. — P-, Zu den lat. Sprichwörtern und sprichwörtlichen 
Redensarten. — G. Goetz, Zu Placidus p. 49, 10. — 
Wölfflin, Der substantivirte Infinitiv. — E. Hanl er, 


Students of English Verse. — H. C. G. v. Jagemann, f f Thesauri latini specimen VII (abdioare). — K. Hofmann, 
The etymology of inveigle . — Third annual Convention “'“Jj/ "fciiuna. — Besta, bestea, bestolus. — X., intimare. — A. 
the modern language association , V ~/X r . «t a n u e M h<-i}l e r, curvus, uncus u. Composita. — Wölfflin, paci- 
etymology of enden *“*■•»«-^0 1* noche del 29 di Dic.embre | d.gr _ E . F . 0> Addend , lexicis latini». - Dombart, 
schichte des gelehrte ;icatura. — G. Gröber, Vulgärlat. Substrate roman* 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 4. 


160 


Wörter (Forts.). — K. Sittl, cerrum. — F. Bücheier, 
Zu Lucilius und zur altlat. Prosodie. — B. Dombart, 
Storia. Inormis. — Joh. Hausierer, a, ab, abs. — M. 
Petschenig, Transitive Verba als Refieziva bei Corippus. 

Revue des langues r Oman es Oct.—Dec.: C. Chabaneau, 
Le Romanz de St. Fanuel (Schl.). — Ders., Deux lettres 
inödites de Pierre de Chasteuil-Gallaup. — L. Cledat, 
une correction au texte des Serments de Strasbourg. — 
£. Ri gal, Supplement ä la Chrestomathie de Fanden fran- 
yais par L. Gonstans. 

Giornale storico della letteratnra itallana VI, 3 (= 18): 
Al. D’ Ancona, D teatro Mantovano nel sec. XVI (Forts.). 

— Sev. Ferrari, D contrasto della bianca e della bruna. 

— Fr. No vati, Notizie biografiche di rimatori italiani dei 
sec. XIII e XIV. II. Francesco da Barberino. — Rodolfo 
Renier, P. Ercole, Guido Cavalcanti e le sue rime. — 
Or. Bacci, R. Fornaciari, la letteratura italiana nei primi 
quattro secoli. — Bollettino bibliografico. — Bpoglio delle 
publicazioni periodiche. — Comunioazioni ed appunti: A. 
Graf, Per Ja leggenda di Dante. — R. R e n i e r, una 
vecchia memoria sul Blandin de Cornoalba. — Ders.. 
Emendazioni al testo dell 1 Altissimo. — L F r a t i, Giunte 
ai Cantari e Sonetti ricordati nella cronaca di Benedetto 
Dei. — G. S. Scipione, Rettifica. 

Rivista critiea della letteratura italiana III, 2: Casini, 
N. Angeletti, Cronologia delle opere minori di Dante. — 
A. Medin, F. G. De Winckels, Vita di Ugo Foscolo, con 
pret di F. Trevisan. — A. Zenatti, E. Lamma, El dya- 
logo di 3alomon e Marcolpho. — G. Biadego, Bibliotlieca 
scriptorum classicorum graec. et lat. prof. P. Canal, nunc 
extans Crispani. — BibUoteca musicale dei prof. Canal in 
Crespano Veneto. — L. Frati, C. Braggio, Antonio Ivani, 
umanista dei sec. XV. — 8. Morpurgo, A. Tobler, Pro- 
verbia quae dicuntur super natura feminarum. — G. 8 e 11 i, 
F. Della Giovanna, Frammenti di Studi danteschi. — C. 
Lange, una rappresentazione liturgica di Sutri. 

Zs. f. neufianz. Sprache u. Literatur VII, 7: W. Weiss¬ 
gerber, Der Conjunctiv bei den franz. Prosaikern des 
16. Jh.’s, mit Ausschluss des Conjunctivs im adverbial deter- 
minirenden Nebensatze. — Ph. Platt ne r, Nachträge zu 
Sachs 1 Wörterbuch. — B. über, Nachträge zu Zs. VI* 
234—64 und VID 47-55. 


Zs. f. allgem. Geschichte, Kultur-, Literatur- u. Kunst¬ 
geschichte 1886, 2: B. Erdmannsdörffer, Vittorio 
Alfieri. 

Forschungen zur deutschen Geschichte 26, 1: J. Han¬ 
sen, Die Reinoldslage und ihre Beziehung zu Dortmund. 
— G. Waitz, Das Gedicht über die Völker in nordischer 
Fassung. 

Mfittheilungen des Vereins f. Geschichte der Deutschen 
in Böhmen 24, 3: Fr. Hübler, Sagen aus dem südlichen 
Böhmen. 

Korrespondenzblatt des Vereins f. siebenbiirg. Landes¬ 
kunde IX, 2: Gr 008 , Die deutsche Kolonie in Hadad. 

Berichte des freien deutschen Hochstifts H. 2: R. Welt- 
rich, Schiller und Charlotte v. Kalb. — Pall mann, 
Ueber Ereignisse in der Familie Goethe (vgl. Deutsche 
Literaturzeit. Nr. 9). 

Neue Jahrbücher f. Philologie u. Pädagogik Bd. 134: 
C. Schirlitz, August Graf von Platen-Hallermünde. 

Zs. f. die österr. Gymnasien XXVII, 1: F. Prosch, 
Untersuchungen über elegische Dichter des 18. Jh.'s, zu¬ 
gleich als Vorgeschichte von Schillers „8paziergang k . 

Correspondenzblatt f. die Gelehrten- nnd Realschulen 
Würtembergs 32, 11. 12: Kraz, Gebrauch der starken 
u. der schwachen Form des deutschen attributiven* Adjectivs. 

Blätter f. literarische Unterhaltung Nr. 9: Adalb.Schroe - 
ter, Zur mittelalterlichen Spruchpoesie. 

Westermanns Monatshefte März: H. Düntzer, Ueber 
den Werth der Auszüge aus Goethes Tagebuche von Musculus. 

Nord und Süd März: Ad. Lindenborn, Goethe u. Wetzlar. 

Deutsche Revue März: Julia, H. Heine, Erinnerungen. 11. 

Vom Fels zum Meer April: Rob. Keil, Aus Wielands Leben. 

lllustrirte Zeitung Nr. 2226: Rob. Keil, Zwei neue Goethe- 
Bildnisse. 

Nordwest Nr. 7: Aeltere 8prachreinigungs-Versuch» ■ . * 
deutschung. V 

Schwäbische Kronik 7. März: Schubartischc 
Nerrlieh, Ein Brief Albert Knapps an Jean , 

14. Juni 1819. (Im Namen der Burschenschaft.) jjracne 

man 


Beilage znr Allg. Zeitnng 10. Febr.: E. Wernicke, Die 
Vornamen der Bürger und Bauern in Schlesien. — 11. und 
12. März: Rudolf K1 e i n p a u 1, Die Bildersprache des Volkes. 

The Academy 13. Febr.: Kelke, „Epitome of English gram- 
mar“. — Toynbee, The etymology of „Catchpoll*. — 
Bradley, An Oxford „Festschrift“ for the Grimm cente- 
nary. — 20. Febr.: Herford, Scherers History of german 
literature, translated by Mrs. F. Conybeare. — Crane, 
„Liber de abundantia exemplorum“. — 27. Febr.: English 
letters and 1 etter-writers of the eighteenth Century, with 
explanatory notes by Howard Williams I. Swift and Pope. 

— 8weet, language and literature. — Toynbee, Dante 
and the Lancelot romance. — Stevenson, 8igfrid-Ar- 
minius. 

The Athenaeum 13. Febr.: Crane, Italian populär Tales. 

— Sims, Shakspeare documents. — Larsen, A Shak- 
spearian reading. — 20. Febr.: Shakspeare's sonnets, the 
first quarto, 1609, a fac-simile in photolithography by Prae- 
torius, with an introduction by Th. Tyier; The songs, poems 
and sonnets of W. Shakspeare, ed. with a oritical intro¬ 
duction by W. Sharp. 

Ny Svensk tidskrift 1886 H. 2 S. 114—121: H. Schück, 
Den vandrande juden. S. 

Pedagogisk tidskrift 1886 H. 2 8. 55—72: A. Schager- 
81 r ö m, I rättstafningsfrägan. — 8. 72—76: J. A. L y 11 k e n s 
och F. A. Wulff, I rättstavningsfrägan. S. 

Nuova Antologia fase. II: Graf, Petr&rohismo ed Anti- 
petrarchismo nel Cinquecento. 

Rev. pol. et litt. 3: ln der Caus. litt.: Louis Nicolardot, 
La Fontaine et la comödie humaine. (Scheint werthlos.) — 
4: In der Caus. litt.: A. Cop in, Histoire'des com ödiens 
de la troupe de Moliöre; E. de Goncourt, Madame 8aint- 
Huberty d’aprös sa correspondance et ses papiers de famille 
(Schauspielerin und 8ängerin von grossem Rufe im Anfang 
des Jh/s). — 5: E. Legouvö, Mon pöre. (Der Vater des 
jetzigen Akademikers ist der Dichter der Mort d’Abel, Mort 
d'Henri IV u. 8. w. 1764-^-1812.) — F. Brunetiöre, los 
causes du pessimisme. — 6: Jules Lemattre, M. Octave 
Feuillet. (Charakteristik seiner gesammten Leistungen als 
Romandichter bis auf die jüngste, La Morte. — 7: Guillaume 
Depping, L’Academie frangaise, ses anciens Statuts, son 
röglement actuel. — M. Bröal, La question du latin. 
(Ueber die Bestrebung das L. aus den Mittelschulen zu ver¬ 
bannen.) — L. de Ronchaud, Lamartine. (Aus der Vor¬ 
rede, die der Verehrer und Freund des Dichters für eine 
neue Ausgabe von Graziella geschrieben hat) — 8: Ch. 
Bigot, La question du latin. (Ueber das gleichbetitelte 
Buch von Raoul Frary.) — J. Durandeau, ßtude sur le 
scepticisme de Pascal, thöse de M. Ed. Droz. (Letzterer ver¬ 
ficht gegen Cousins Auffassung die Ansicht, dass P.’s 8cept. 
nur ein von seiner Methode geforderter, einleitender ge¬ 
wesen sei.) — 9: E. Lavisse. La question du latin et du 
gree. (Abermals gegen Frary.) — E. de Pressensö, la 
yie de Luther d’aprös M. F. Kuhn (3 vol. Paris 1886). — 
lü: M me M i c h e 1 e t, L’histoire et la göographie, leur asso- 
ciation dans les ceuvres de Michelet (Ankündigung der aus 
M.’s Nachlass erweiterten Neubearbeitung seines Tableau 
de la France, die unter dem Titel Notre France nächstens 
erscheinen wird.) — L6o Quesnel, L’örudition au Chili, 
Andres Bello. (Aus Anlass von Vida de Don Andrös Bello 
por Miguel Luis Amunälegui, Santiago 1884.) Bello geb. 
1780, gest. 1865, Philosoph, Jurist, Grammatiker, hat sich 
um P. Cid Verdienste erworben. — In der Caus. litt.: E. 
L e g o u v 6, 8oixante ans de Souvenirs. Ma jeunesse. 


Neu erschienene Bücher. 

Heinemann, H., 8hylock und Nathan. Vortrag, geh. im 
Verein f. jüd. Geschichte u. Literatur zu Frankfurt a. M. 
am 20. Jan. 1886. Frankfurt a. M., Kauffmann. 14 8.8. M. 0,40. 
Runze, Georg, Die Bedeutung der Sprache für das wissen¬ 
schaftliche Erkennen. Halle, Pfeffer. (Heft 11 der Berltner 
Philosoph. Vorträge.) M. 1,20. 

8 i e v e r s, E., Comparative Philology of the Aryan Languages. 

In Encyclopaedia Britannica XVIII, 781—790. 

W h i t n e y, W. D., Philology (Science of language in General). 
In Encyclopaedia Britannica XVIII, 765—780. 


Ladinischen ÜerrfahÄ?""*-. E i? e biographwch-literarisohe 
. j. TT* , v v 4gen Geburtstages. Leip- 

aber die Frage erheben ob * v 

bei den Magyaren die nationale 


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1886. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Kr. 4. 


Baumgartner, A., Goethe und Schiller. Weimars Glanz¬ 
periode. Freiburg i. B., Herder. VIII, 393 8. 8. M. 5. (Er¬ 
gänzungshefte zu den „Stimmen aus Maria-Laach“ Nr. 33 
und 34.) 

Briefwechsel zwisch<n Jacob und Wilhelm Grimm, Dahl¬ 
mann und Gervinus. Hrsg, von E. Ippel. Bd. 2. Berlin, 
Dümmler. 591 S. 8. M. 10. 

Brandes, Georg, Ludwig Holberg und seine Zeitgenossen. 
Berlin, Oppenheim. 1885. (Vgl. J. Hoffory, Deutsche Rund¬ 
schau, März.) 

Fischer, A., Das hohe Lied des Brun von Schönebeck, nach 
Sprache und Composition untersucht und in Proben mitge- 
theilt. Breslau, Koebner. V, 126 S. 8. (German. Abhandlungen 
hrsg. von Weinhold. VI.) M. 3,60. 

Goethe, Götz von Berlichingen. Texte allemand ... avec 
une introduction et des notes par Ernest Lichtenberger. 
Paris, Hachette. CXXXVU, 352 8. 8. (Vgl. Lit. Cbl. Nr. 9.) 

Hayn, H., Bibliotheca Germanorum gynaecologica et cos- 
xnetica. Leipzig, Unflad. 158 S. gr. 8. M. 6. 

Jahn, U., Volkssagen aus Pommern und Rügen. Stettin, 
Dannenberg. XVII, 541 S. M. 6. 

Körners, T., sieben Burschenlieder aus Freiberg, Leipzig 
und Wien. Zum ersten Mal hrsg. von Fr. Latendorf. Mün¬ 
chen, Heinrichs. M. 0,90. 

Latendorf, Friedrich, Lessings Name und der Öffentliche 
Missbrauch desselben im neuen deutschen Reich. Ein ur¬ 
kundlicher Nachweis in Verbindung mit der Beseitigung 
zahlreicher seit einem Menschenalter wiederkehrender Fehler 
und Irrthümer über Sprüche der Reformationszeit. München, 
Heinrichs. 8. M. 1,60. 

Lessings Emilia Galotti. Mit Erläuterungen hrsg. von H. 
Deiter. Paderborn, Schöningh. 90 S. 8. M. 0,80. 

Lindenschmit, L., Handbuch der deutschen Alterthums¬ 
kunde. 1. Theil. Die Alterthümer der Merovingischen Zeit. 
2. Lief. S. 321—456. Braunschweig, Vieweg & Sohn. gr. 8. 
M. 12. 

Lun de 11, J. A., Om rättstafningsfrägan. Tre förelasningar. 
Stockholm, Norstedt & Söner. II, 126 S. 8. Kr. 1,25. S. 

Lundgren, M., Svensk rättskrifningslära pä, grundvnlen af 
Stockholms läraresällskaps förslag. Stockholm, Norstedt & 
8 öner. 76 S. 8. Kr. 0,80. S. 

Lyttkens, J. A. och F. A. Wulff, Om grunderna för 
ändringar uti svenska spräkets rättskrivning. Lund, C. W. 
K. Gleerup. Kr. 0,25. 8. 

Lyttkens. J. A. och F. A. Wulff, Svenska spräkets Be- 
teckningslära i kortfattad franiställning. I. Regler för ljud- 
beteckningen. Lund, Gleerup. 1885. 23 8. 8. Kr. 0,25. S. 

Nibelungenlied, das. nach der Hohenems-Münchener 
Handschrift (A) in phototypischer Nachbildung nebst Proben 
der Handschriften B und C. Mit einer Einleitung von Lud¬ 
wig Laistner. München, Verlagsanstalt für Kunst u. Wissen¬ 
schaft. 48 S. Einl., 63 S. Text. 4. (Berühmte Handschriften 
des Mittelalters in phototypischer Nachbildung. I.) M. 60. 

Nor een, A., Rättstavningslära, pä uppdrag av Rättstavnings- 
sällskapet ock pä grundval av des.; beslut utarbetad. (Trykt 
som manuscript.) Upsala, Almqvist och Wicksell. 1886. 
16 S. 8. 8. 

Proei88 , Robert, Heinrich Heine. Sein Lebensgang u. seine 
Schriften. Stuttgart, Rieger. M. 4,50. 

Rühle, Fr., Das deutsche Schäferspiel des 18. Jh.’s. Inaugural- 
Dissertation. Halle, Niemeyer. 1885. VI, 44 S. 8. M. 1,20. 

Sarrazin, O., Verdeutschungs-Wörterbuch. Berlin, Ernst & 
Korn. VI, 214 S. M. 4,60. 

Schmeokebier, Oskar, Deutsche Verslehre. Berlin, Weid¬ 
mann. 148 8. 8. M. 3. 

Schweitzer, Ph., Geschichte der skandinavischen Literatur 
von ihren Anfängen bis auf die neueste Zeit. I. Geschichte 
der altskandinavischen Literatur von den ältesten Zeiten 
bis zur Reformation. Leipzig, Friedrich. M. 4. 

Siegel, Heinrich, Deutsche Rechtsgeschichte. Berlin, Vahlen. 

Wattenbach, W., Deutschlands Geschichtsquellen im Mittel- 
alter. Bd. II. 5. Aufl. Berlin, Hertz. M. 9. (Angez. von 
dfy.: Lit. Centralbl. Nr. 11.) 


Jnsserand, J., Le roman anglais, origine et formation des 
grandes öcoles de romanciers du XVIII 0 siöcle. Paris, Le- 
roux. fr. 1,80. 

Lorenzo, M., Shakespeare, Lord Byron y Chateaubriand, 
como modelos de la juventud literaria; discurso por Manuer 
Lorenzo y D’Ayot, pronunciado la noche del 29 di Diciembre 


1885 en el Ateneo de Madrid. Madrid, Imp. de G. Pedrosa. 
1886. En 4, 31 pägs. 4 rs. 


Belli, G. G., I sonetti romaneschi pubblicati dal nipote Gia- 
como a cura di Luigi Morandi. Unica edizione fatta sugli 
autograf]. Volume secondo. Cittä di Castello, S. Lapi. 1886. 
p. 432. 16°. L. 4. Contiene 296 sonetti del 1832, e 98 
del 1833. 

Bl ad 6, J.-F., Contes populaires de la Gascogne. Paris, 
Maisonneuve. 1886. 3 volumes petit in-8 ecu. fr. 22,50. 
(Tomes XIX, XX, XXI de la collection des Littöratures 
populaires de toutes les nations.) 

Bibliographie des Travaux historiques et archöologiques 
publies par les sociötös savantes de la France, dressöe sous 
les auspices du Ministöre de l’instruction publique. 1 Livr. 
Paris 1885. 

Clerici Graziano Pa., Alcune osservazioni sul testo e sulla 
interpretazione della Divina Commedia di Dante Alighieri. 
Parma, tip. Ferrari e Pellegrini. 1886. 8. p. 93. 

Colecciön de Escritores Castellano8 . Tomo XXXVII. 
Historia de la literatura y del arte dramätico en Espana, 
por Adolfo Federico, Conde de Schack, traducido directa- 
mente del aleinän al Castellano, por Eduardo de Mier. Tomo 
I. Madrid, Libr. de Murillo. 1886. En 8, 488 p. 20 y 22. 

— — Tomo XXXVIII. Historia de las ideas esteticas en 
Espana, por el doctor D. Marcelino Menendez y Pelayo. 
Tomo III. (Volumen primero.) Siglo XVIII. Madrid, Libr. 
de M. Murillo. En 8, 418 p. 16 y 18. 

— — Tomo XXXIX. Cancionero de Gömez Manrique. Publf- 
eale con algunas notas D. Antonio Paz y Mölia. Tomo II. 
Madrid, Libr. de Murillo. En 8, 375 p. 16 y 18. 

Consta ns, L., Supplement k la Chrestomathie de l’ancien 
frangais (IX e —XV® siöcles). Paris, Vieweg. 112 8. 8. 

Costa, Em., Una lirica amorosa d’un poeta del sec. XVI 
(Paolo Belmesseri, pontremolese). Parma, Luigi Battei. 158.16°. 

Crescini, Vinc., L’allegoria delP „Ameto 14 del Boccaccio. 
Studio. Padova. 32 8. 8. S.-A. aus dem Vol. II 0 Disp. II* 
degli Atti c Memorie della R. Accademia di scienze lettere 
ed arti di Padova. 

Dante Alighieri, La Vita Nuova, con introduzione, com- 
mento e glossario di Tommaso Casini. Firenze, G. C. San- 
soni. 1885. 16°. p. xxxxj, 231. L. 2,20. (Notizia sulla Vita 
nuova: 1. Cenni sulla storia esterna della V. N. 2. Commen- 
tatori ed interpreti. 3. Tempo in cui fu scritta la V. N. 
4. Composizione del libro; significato del titolo. 5. Le visioni 
ed il numero nove. 6. Rime pertinenti alla V. N. — La 
Vita Nuova: testo commentato. — Note per la critica del 
testo. — Note metrichc. — Glossario.) 

De Sanctis, Francesco, Studio su Giacomo Leopardi — 
Opera postuma, curata dal prof. Raffacle Bonari. In 16. 
Napoli 1885. L. 4,50. 

Difesa, La, del bastionde la gatta: brano tratto dal canto 
IV del poema: „La obsidione di Padova ne la quäle se 
tractano tutte le cose che sonno occorse dal giorno clio 
per al prestantissimo Messere Andrea Gritti proveditore 
generale fu riaquistata: che fu adl 17 luio 1509, per insi- 
nocchö Maximiliano lmperatore da quella si levö. Padova. 
15 S. 8. Per nozze Candeo-Leonarduzzi. Hrsg. D. Barbaran. 

D r o z, ßdouard, ßtude sur le scepticisme de Pascal, considerö 
dans le livre des „pensöes 44 . Paris, Fölix Alcan. Un volume 
in-8. fr. 6. 

E icke r sh off, E., Ueber die Verdoppelung der Consonanten 
im Altnormannischen. Hallenser Dissertation. 34 8. 8. 

Favaro. Ant., Scampoli Galileiani. Padova, tip. G. B. Randi. 
1886. 8. p. 21. [I. Un sonetto inedito di Galileo. II. Di una 
poesia inedita in lingua pavana dedicata a Galileo. III. Della 
corrispondenza del Peiresc. IV. Una lettera inedita di Gali¬ 
leo. V. L’originale della lettera alPAntonini sulla titubazione 
lunare. VI. Marco Velsero accademico della Crusca.] 

Ferrini, Oreste, Saggio su le rime amorose di Torquato 
Tasso. Perugia, presso Vincenzo Santucci edit. 1886.16°. p. 63. 

Follioley, L., Histoire de la litterature frangaise au XVII° 
siöcle. 5° edition. 3 vol. In-12. T. 1, XII, 418 p.; t. 2, 398 p. j 
t. 3, 356 p. Tours, libr. Cattier. Paris, libr. Laroher. 

Frati, L., II sacco di Volterra nel MCDLXX1I: poesie sto- 

V* nLcontemporanee, e commentario inedito di Biagio Lisci 
< ca. ^;ano. Bologna, Romagnoli. XL1V, 160 S. 16. 

! M u. Y* H., et P. Söbillot, Bibliographie des tradition* 

fice ■ Ja litterature populaire des Francs d’outre-mer. Paris, 
* din ^Jneuve. 1886. VII, 94 p. 8. fr. 2,50. 

1 

t 

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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


164 


Gramätica de la lengua castellana por la Real Academia 
Espanola. Nueva ediciön. Madrid, libr. de Hernando 1885. 
£n 4, 418 pägs. 16 y 20. 

Gualandi, Ang., Acoenni alle origini della lingua e della 
poesia italiana, e di alcuni rimatori e prosatori in lingua 
yolgare bolognesi e veneziani dei secoli XIII e XIV, con 

- appendice di documenti e tavola: spigolature dagli Arohivi 
di Stato di Bologna e di Venezia. Bologna, presso il libraio 
Carlo Ramazzotti edit. 1885. 4. p. 51. L. 2. 

Günther, Herrn., Ueber die Ausdrucksweise des altfranz. 

Kunstromans. Hallenser Dissertation. 30 S. 8. 

Hasdeu, B. P., Etymologicum magnura Romaniae. Dic^io- 
narul Limbei istorice si poporane a Romänilor. Fase. II. 
Aoa^ — Aflu. Bucuresci. 8p. 129—448. gr. 8. 

Koch, John, Li rei de Engleterre. Ein anglo-normannischer 
Geschichtsauszug. Zum ersten Male kritisch veröffentlicht. 
Abdruck aus der Festschrift des Dorotheenstadtischen Real¬ 
gymnasiums. Berlin, R. Gärtner. 31 8. 8. 

La sin io, Fausto, Delle voci italiane di origine orientale. 
Firenze, tip. dei succ. Le Monnier. 1886. 8. p. 16. Ripubbli- 
cato a cura di G. Levantini-Pieroni. 

Maschio, Ant, II vero itinerario dantesoo. Venezia, tip. 

Antonelli. 1886. 8. p. 62, con tavola. L. 2. 

Meyer, Paul, Proven$al Language and Literature. In Ency- 
clopaedia Britannica Vol. XIX 8. 867—876. 

Nyrop, Cristoforo, Storia dell’ epopea francese nel medio 
evo. Prima traduzione dalT originale danese, di Egidio 
Gorra, con aggiunte e correzioni fornite dalP autore, con 
note dei traduttore e una copiosa bibliografia. Firenze, tip. 
di G. Carnesecchi e figli. 1886. 8. p. xvij, 495. L. 6. [I. L’epo- 
pea nel suo sviluppo storico: 1. Origine dell’epopea. 2. Fio- 
ritura dell’epopea. 3. Decadenza dell’epopea. — II. Poemi 
eroici: 1. II ciclo nazionalc. 2. II ciclo straniero. 3. L’epo- 
pea fuori della Francia. — III. Osservazioni letterarie e 
iinguistiche: 1. Troveri e giullari. 2. Struttura e sviluppo 
dei poemi epici. 3. Valore dell’epopea. 4. Storia, poesia e 
mito. 5. Osservazioni metriche e Iinguistiche.] 

— —, Adjektivernes Kansbejning i de Romanske Sprog. Med 
en inledning om lydlov og analogi. Kobenhavn, C. A. Reitzel. 
VI, 192 8. 8. 

Odin, Alfred, Phonologie des Patois du Canton Vaud. Leip¬ 
ziger Dissertation. 33 8. 8. [Theil einer grössern Arbeit, die 
bei M. Niemeyer in Halle erscheinen wird.] 

Poeti, 1 quattro, italiani. Firenze, G. C. Sansoni edit. 1886. 
8 °. p. xiiij, 114; x, 90; vij, 351; viij, 139. L. 15. [Inhalt: 
Vita Dantis poetae olarissimi per Leonardum Arretinum. 
La Divina Commedia di Dante Alighieri. — A. Bartoli, 
Francesco Petrarca: Studio critico. Francesco Petrarca. Le 
rime. — Giuseppe Picciola, Discorso sull’ Orlando Furioso. 
Lodovioo Ariosto, L’Orlando furioso. — Guido Mazzoni, 
Osservazioni critiche sulla Gerusalemme liberata. Torquato 
Tasso, La Gerusalemme liberata. | 

Rodriguez Juan, M., Ensayo lingüfstico. Parte preliminar. 

Oviedo, Imp. de Pardo y C.* 1885. En 4, LXIV p. 4 y 5. 
Rohleder, Alb., Zu Zorzi’s Gedichten. Hallenser Dissertat. 
29 8. 8. 

Schmidt, Alwin, Ueber das Alexanderlied des Alberio von 
Besan$on und sein Verhältnis zur antiken Ueberlieferung. 
Bonner Dissertation. 82 8. 

Storm, Joh., Romance Languages. In Encyclopaedia Britan¬ 
nica. XX. [Handelt im wesentlichen über die verschiedenen 
Perioden der Entwicklungsgeschichte des Vulgärlatein.] 
Tasso, T., II Rinaldo e l’Aminta per cura di Guido Mazzoni. 
Firenze 1885. XVI, 361 8. 32°. 

Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

Denifle, Die Universitäten des Mittelalters bis 1400 (v. G. 

Kaufmann: Gott. Gel. Anzeigen 1. Febr.). 

Mannhardt, Mytholog. Forschungen (v. Gruppe: Wochen¬ 
schrift f. klass. Philologie III, 4). 

Meyer, Indogermanische Mythen. I (v. Gloatz: Zs. f. Völker¬ 
psychologie XVI, 4). 

Schwartz, Indogermanischer Volksglaube (v. Gloatz: ebd.). 
Vietor, Elemente der Phonetik (v. Kräuter: Anz. f. d. 
Alterth. XH, 2). 

Wegener, Untersuchungen über die Grundfragen des Sprach- 
lebens (v. Ziemer: Berliner philol. Wochenschrift VI, 6). 


Baumgartner, Goethe (v. Büchner: Bl. f. liter. Unterhalt. 8). 


v. Biedermann, Goetheforschungen (v. Büchner: ebd.). 
Düntzer, Abhandlungen zu Goethes Leben und Werken; — 
Goethes Verehrung der Kaiserin von Oesterreich (v. Koch: 
Blätter für das bair. Gymnasialschulwesen 22, 1). 

Fi8 c h, Generalmajor v. Stille und Friedrich der Grosse contra 
Lessing (v. Litzmann: Anz. f. d. Alterth. XII, 2). 

Hahn, Mhd. Gramm. 4 ed. Pfeiffer (v. Franck: ebd.). 
Herders Werke, hrsg. von Lambel (v. Koch: Zs. f. österr. 
Gyran. 1). 

Kern, Die deutsche Satzlehre (v. Michaelis: Zs. f. Völker¬ 
psychologie XVI, 4). 

Prosch, Die Grammatik als Gegenstand des deutschen 
Unterrichts (v. Burdaoh: Anz. f. d. Alterth. XII 2). 
Rübezahl und die Rübezahlmärchen (v. Laistner: ebd.). 
Seemüller, Sprachvorstellungen; — Zur Methodik des 
deutschen Unterrichts (v. Burdaoh: ebd.). 

8 i e v e r 8, Proben einer metrischen Herstellung der Eddalieder 
(v. Hoffory: Deutsche Literaturzeit. Nr. 9). 

Die Vita. Alexandri magni ed. Landgraf (v. Toischer: 
Anz. f. d. Alterth. XII, 2). 

Voss, Republik und Königthum im alten Germanien (Lit. 
Cbl. IV, 11). _ 


Morgan, Der Shakespeare-Mythus (v. Wüloker: Centralblatt 
6 . März). 


Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

B. Litzmann ist mit einer Biographie Friedrich Lud¬ 
wig Schröders beschäftigt. 

f 1. Januar zu Neapel Vittorio Imbriani; am 27. März 
zu Berlin Julian 8 chmidt. 

Antiquarische Cataloge: H. Weiter, Paris (Rom. 
Germ. etc.). 


Abgeschlossen am 29. März 1886. 


Berichtigung. 

In meiner Reoension über Neuhaus’ Adgar ersuche ich 
folgende zwei Versehen zu berichtigen: Sp. 104 Z. 2 *beiden' 
lies ‘bisher* (ein Druckfehler); 8p. 106 Z. 25—6 'dem Ende 
des XIII. Jh.V, 1. ‘dem Anfänge* (ein störender Lapsus calami 
von mir). Zugleich erwähne ich, dass die Hs. Harl. 4401 
nichts anderes als die Sammlung Gautier’s de Coincy enthält. 
Dass Neuhaus, welcher die Hs. vielfach citirte, dies nicht be¬ 
merkte, ist wieder ein Beweis seiner Unachtsamkeit. Es sind 
daher alle Nachweise, die er dieser Hs. entnimmt und die 
bei ihm stets neben den Citaten aus Poquet’s Ausgabe des 
Gautier figuriren, ohne weiteres zu streichen. Ich erkenne 
indessen willigen, dass wenn ich die Originals and ana- 
logues of some of Chaucer’s Canterbury tales, 
S. 252, bei der Abfassung meiner Recension gegenwärtig ge¬ 
habt hätte, ich schon damals das Versehen Neuhaus’ hätte 
bemerken können. Die Herren P. Meyer und H. Ward hatten 
die Güte mich darauf aufmerksam zu machen. Mussafia. 


Zu Ltbl. VII, 1 Sp. 2a 

Als Anhang zu Meyers Recension des lehrreichen Com- 
mentars Koschwitz’ erlaube ich mir ein paar Stellen des 
Jonas zur Sprache zu bringen. Die wichtigste ist mir 
folgende. Der Inhalt der Homilie ist durch Koschwitz’ 
Deutung durchwegs klar geworden; der Gedankengang 
Ist überall logisch gegliedert. Nur der Schluss von Z. 4 
und der Beginn von Z. 5 passen mir nicht in den Zusammen¬ 
hang. Jonas ist darüber betrübt, da93 Gott die Niniviteo 
schonen will; als Grund dieses unmenschlich scheinenden 
Gefühles wird angegeben, dass der Prophet wusste, die Reue 
oder die Rettung aer Niniviten bedeute den Untergang der 
Juden. Nun sollte nach Koschw. als Uebersetzung und Er¬ 
gänzung des Originals, welches e ne doceiet | p]or salut cum 
il jaciebat de perditione Judeorum lauter, folgen: ‘und er 
belehrte [diese nicht; deshalb trauerte er über] ihre (der 
Niniviten) Rettung, wie er es über den Untergang der Juden 
that*. Was bedeutet dies? warum belehrte denn Jonas die 
Juden nicht? wo liegt die Quelle für diese sonderbare An¬ 
gabe, auf welche das Vorhergegangene uns in keiner Weise 
vorbereitet? Es kann hier nichts anderes vorliegen, als eine 
Wiedergabe der von Böhmer herbeigezogenen Stelle aus 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


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Hieronymus: non .. contristatur, ut quidam putant, quod gen¬ 
tium multitudo salvetur; sed quod pereat Israel. Dies allein 
ist logisch: Jonas war betrübt, weil die Rettung des fremden 
Tollces den Untergang des eigenen bedeutete. Doceiet ist 
daher durchaus unhaltbar; doteit passt nicht gut; doleit bietet 
sich von selbst; es deckt sich mit dem contristari von Hie* 
ronymus; dolere als Intransitiv kommt auch in Z. 20 vor. 
Wie nun der Gedanke zu vervollständigen sei, ist von secun- 
därer Bedeutung. Man kann cum in der Bedeutung ‘wie’ 
aoffassen und deuten: ‘er trauerte nicht [so über] deren 
Bettung wie er es that über den Untergang der Juden’. Dies 
ist indessen wenig befriedigend; denn von einer Trauer des 
heiligen Mannes darüber, dass seine Mitmenschen dem Ver¬ 
derben entrannen, sollte überhaupt keine Rede sein. Oder 
cum bedeutet ‘da’ und der Siun ist: ‘er trauerte nicht [etwa 
über]* deren Rettung, da er dies [doch nur] that (= sondern 
er that dies nur) der Juden halber’. Durch letztere Inter¬ 
pretation, welche mir bei weitem passender scheint, gewinnt 
man näheren Anschluss an Hieronymus und schreibt dem 
Propheten jene mildere Gesinnung zu, deren wir uns von 
ihm füglich zu versehen haben. Man kann immerhin Anderes 
vorschlagen, keineswegs aber wird man, glaube ich, bei Zu¬ 
lassung von doceiet irgend eine Interpretation ausdenken 
können, welche auch nur einigermassen befriedigte. 

Auf die oben angeführte Stelle ne doceiet ... Judeorum 
folgt in der Hs. ne si cum legimus e le euangelio que dominus 
noster flevit etc. Dazu halte man Z. 30: faites vost alsmosnes. 
ne si cum faire debetis e faites vost eleemosynas *. cert co 
sapietis etc. Zu ersterer Stelle bemerkt der Verf.: ‘ ne = 
und rechtfertigt sich durch deo vorausgegangenen Hauptsatz 
mit negativem Sinn*; doch ist die Verwendung von ne hier 
und auch Z. 30, wo es zur Verbindung eines positiven Impe¬ 
rativs mit einem positiven Nebensatze 1 * 3 4 dient, auffällig genug 
und weder von Diez noch von Perle behandelt’. Im Wider¬ 
spruche damit heisst es zu Z. 30: ‘ ne vor si cum ist zu tilgen 
vergessen’. Halten wir uns an letztere Meinung, welche die 
frühere annullirt, so .werden wir auch bezüglich der ersteren 
Stelle bemerken, dass selbst die copulative Conjunctibn 
— und wir Lesen, dass Gott weinte — nicht recht 
passt; wir erwarten einfaches si com legimus ‘wie wir denn 
lesen’. Ich bin daher der Ansicht dafis, wie für Z. 30 Tilgung 
des ne nachträglich gefordert wurde, so auch Z. 5 das ne zu 
streichen sei 5 * . 


1 Es wäre also nur de zu ergänzen. Ich nehme dabei 
an, dass (wie es auch Koschw. mehrmals thut) das Ende der 
Zeile vom Autor nicht beschrieben wurde; wollte man mehr 
ergänzen, so liesse sich leicht ein Füllsel finden; etwa nach 
Hieronymus: ‘wie manche meinen’. 

* Die Worte ne si ... eleem. sind unterstrichen. Koschw. 
meint, dies bezeichne Umstellung und es sei zu lesen: e f. v. 
el. si cum f. deb. 

3 Da, wie oben bemerkt, die Interpretation des Verf.’s 
Uutet: ‘er belehrte [seine Landsleute nicht; deshalb trauerte 
er über] ihre Rettung, wie er es über das Verderben der 
Jaden that und wie wir lesen ... dass...’, so vermag ich den 
negativen Sinn des vorausgegangenen Hauptsatzes ‘deshalb 
trauerte’ nicht zu entdecken. 

4 Es wird also gemeint, ne stehe vor dem zweiten faites ; 
"m geschieht aber mit dem handschriftl. e ? Und wenn 
faites v. el. ne f. v. el. gelesen werden muss, wie kann man 
sagen, dass der (zweite) Imper. mit einem positiven Neben¬ 
sätze verbunden ist? 

5 Dass beide Male das verdächtige ne sich vor si cum 

findet, ist wohl nur Zufall. Merkwürdig ist die Ueberein- 

•timmong auch bezüglich-eines anderen Punktes; beide Male 
steht ne vor einer unterstrichenen Stelle. Könnte man nicht 
auf den Einfall kommen, dass das Unterstreichen ebenso 
wie das D n r ch streichen an zwei anderen Stellen, Tilgung 
bezeichnet? Bezüglich der ersten Stelle könnte man zur 
Stütze dieser Ansicht anführen, dass es nicht sehr wahrschein¬ 
lich ist, der Autor habe beabsichtigt, einen längeren Passus 
•uf kurze Entfernung (Z. 5—6 und Z. 17) wiederholt zum 
Vortrage zu bringen. Bezüglich der zweiten wäre anzunehmen 
(da man die Worte si cum faire debetis nicht gerne vermisst), 
dass der Autor nor die Wiederholung e f. v . el. tilgen wollte, 
sus Versehen aber si c. f. d. mit unterstrich. Die tironische 
Note für ne wäre dann hier nur ein weiteres Zeichen für 
Tilgung; an der ersten 8telle wurde es oberhalb der Zeile 
nachgetragen, an der zweiten (da sich gerade Platz fand) 
innerhalb der Zeile angebracht. 


Zu Z. 30 vermisst man eine Deutung des Wortes sire . 
Da ohnehin am Schlüsse von 29 eine Ergänzung als nöthig 
sich ergibt, so könnte man sie in einer Art vornehmen, dass 
sire darin Platz hat, etwa: [et astrest de Deu, chi est nostre] 
sire t remunerati. 

Liesse sich nicht Z. 8 parfereiet (perf.) lesen ? Bei Gönin 
ist allerdings / deutlich zu sehen; doch ist die Verwechslung 
zwischen f und f sehr leicht, und bezüglich der letzten Buch¬ 
staben ist ohnehin keine Sicherheit vorhanden. Das Verbum 
würde trefflich passen. 

Da ich einmal beim Jonas bin, so reihe ich hier noch 
einige Bemerkungen über das sprachliche Commentar an. 

8. 131. Warum wird duretie (= *duritia) betont ‘mit 
erhaltenem unbetonten *’ und folglich gelehrt? Sollte nicht 
eher dur&ce gemeint sein, mit etymologischer Bezeichnung 
des Lautes /s? 5 

S. 13*2. Ueber verme = vermdn- s. Ascoli im Arch. 
IV, 401. 

Ib. Unter den Fällen von 1 a t e i n. Hiatus-t wird neben aiet, 
oi u. s. w. auch seietst angeführt. Dies ist doch nur richtig, 
wenn mau als Etymon sedeatis annimmt; der Verf. ist wohl 
dieser Meinung nicht, da er 8. 142 die Form aus se-ez mit 
hiatustilgendem i erklärt Der nämliche Widerspruch findet 
sich im Commentar zum hohen Liede. 8. 180 wird in enveiad 
Einschiebung eines hiatustilgenden i erblickt; 8. 183 ist von 
Ausfall intervokalischer Dentalis vor Hiatus-t die Rede. Hier 
ist die Annahme von di voe - , die lediglich auf einem Lapsus 
beruht, noch auffallender als bei seiez. Uebrigens wird auch 
hier hiatustilgendes i ebenso wenig vorliegen, wie in den 
vielen anderen Fällen, io welchen man es annahm; es handelt 
sich um Anbildung an die stammbetonten Formen des Ver¬ 
bums, bei enveier auch an Subst. veie. 

S. 133. ‘Unter Hauptton stehendes freies ö tritt auf als 
0 in Zor’; aber S. 208 (zu Stephanus) wird das Wort der pro- 
klitischen Stellung halber richtig zu den Fällen von vortonigem 
ö gestellt. 

S. 134. Unter die Fälle von vortonischem ö hat sich 
plordt eingeschlichen. 

Ib. Da der Teilt doliants und nicht donl. bietet, so ist 
es einigermassen misslich, das betonte ou in douls auf Rech¬ 
nung von tonlosem q = p = ou zu setzen. Liesse sich nicht 
in dem u der Vorschlag vor l Cons. erblicken wie in iholt = 
iha u lt ? Es bliebe also nur o, entweder von Haus aus dem 
lat. ö entsprechend, oder wenn man für ö streng oe fordert, 
so durch Einfluss des tonlosen o. 

S. 136. Wäre es zu kühn, in seche ein postverbales Ad- 
jectivum (man hat sie früher mit Unrecht als syncopirte Parti- 
cipia Perf. angesehen) von secher zu erblicken? Dann wäre 
seche die richtige Form auch für das Masculinum 7 . 

S. 141. Dass bei der 3. Plur. der sigmatischen Perfecta 
noch immer von Abfall des r ‘oder richtiger Assimilation zu 
ss t dann gesprochen wird, nimmt mich Wunder: beide laut¬ 
liche Vorgänge sind kaum möglich; hier kann nur Analogie 
im Spiele sein. 

8 . 148. ‘Gedecktes / ist... in acheder nachträglich stimm¬ 
haft geworden’. Man wird daran zweifeln, so lange nicht ein 
sicheres Beispiel für lat ein. pt vorliegt, das, intervokalisch 
geblieben *, schliesslich d wird. Anders steht es natürlich 
mit lat. Lab. Voc t\ in capit-ale, - ellum entweder p’t = t 
( chatel) oder pit (durch bid 9 bd\ auch bit, bt, bd oder pid, pd, 
bd) = d (chadeler ). Ebenso bit, b f t f pt, t (coute) und bit, bid, 
b’d, d ( coude ); aus male Habitus nur malade, aber möglich 
malate. Accapitare ist also nicht eine mittelalterliche, aus 
dem Romanischen gebildete, willkürliche Form, sondern das 
Etymon: p’t = tt (it. accattare ), t (frz. acheter ); bid = bd 
(altsp. acabdar ), d (afz. acheder). 

Schliesslich erlaube ich mir meine Ansicht über die viel¬ 
bestrittenen Formen fisient, permessieht auszusprechen. Ich 
halte beide Formen für Perfecta; die Syntax scheint mir auch 
bezüglich fis. entschieden dafür zu sprechen. Das i hat keinen 
Lautwerth; es ist nur Zeichen der stimmhaften Aussprache. 
Dasselbe sollte der Fall sein bei *remas-unt, das remesent 
mit stimmh. 8 ergibt (vgl. remese :brese); man würde daher 


6 Man vergleiche im Ritmo Cassinese tj = ts auch in 
nicht etymologischen Fällen: böltiera ; lies bdlzera statt bölsera, 
sigmatisches Plsqmpf. Indio, von teile. 

7 Ich bin nicht sicher, ob ich dies nicht schon irgendwo 
gelesen habe. 

8 sedme ist selbstverständlich andersgeartet; tm = dm • 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 4. 


168 


bloss -Mi- erwarten; der Autor schrieb die Note für si ohne 
zu bemerken, dass er bereits / geschrieben hatte. 

Wien, 14. März 1886. A. Mussafia. 


Erwiderung. 

Der Herausgeber der „Ausgaben und Abhandlungen aus 
dem Gebiete der romanischen Philologie“ hat Gelegenheit ge¬ 
nommen in einem neueren Hefte dieser Sammlung: „Die Dich¬ 
tungen des Mönchs von Montaudon, neu herausgegeben von 
Otto Klein“, mit einer längeren Anmerkung (p. 100—103) auf 
meine im Ltbl. 1885 Nr. 1 erschienene Recension des Buches 
von Maus: „Peire Cardenals Strophenbau“ und des darin ent¬ 
haltenen „alphabetischen Verzeichnisses sämmtlicher Strophen¬ 
formen der provenzalischen Lyrik“ zu antworten. Da viel¬ 
leicht nicht viele Leser die Geduld haben werden Kritik und 
Antikritik auf ihre Berechtigung hin zu prüfen, muss ich wohl 
selbst die Verteidigung meines Artikels übernehmen. 

Der Hrsg, der A. und A. behauptet, meine Ausstellungen 
wären keineswegs durchweg zutreffend. Ich habe vergeblich 
nach irgend einer Rechtfertigung dieser Behauptung gesucht: 
dass auch Maus die Estribots von Peire Cardeual und Palais 
nicht für strophisch hält, geht aus Anm. 2 auf p. 87 deutlich 
hervor; bezüglich meiner Bemerkung zu Nr. 3 des Verzeich¬ 


nisses habe ich also den Verfasser desselben auf meiner Seite 
gegen seinen V ertbeidiger. — Nr. 184 der Liste betreffend 
spricht Maus p. 70 keineswegs die von mir geäusserte Ansicht 
aus. Er bezeichnet dort die 8 trophe als neunzeilig, während 
sie in der That dreizeilig ist. — Die verschiedene Bezeichnung 
des grammatischen Reimes rüge ich wohl mit Recht; denn, 
wollte M. mit a a' nur andeuten, dass der eine Reim männlich, 
der andere weiblich sei, weshalb wendet er nicht hier wie 
sonst ab' an? Zeigen aa' nicht grammatischen Reim an, so 
ist es unerfindlich, was anders sie anzeigen sollen. — Durch 
die Mittheilung des Descorts von Aymeric de Belhenni bin 
ich nun allerdings ganz „beruhigt“ in der Gewissheit, dass 
auch hier wieder meiner Vermuthung gemäss ein Fehler des 
M.’schen Verzeichnisses vorliegt; denn wie kann man nur «las 
Schema des ersten Absatzes eines Descort als die „Strophen¬ 
form“ des Gedichtes bezeichnen? — Auch das andere vom 
Hrsg, der A. u. A. hier mitgetheilte bisher ungedruckte Ge¬ 
dicht zeigt einen neuen Fehler in der Liste, so dass von den 
4 in jener Recension von mir noch unoontrollirten Gedichten 
sich seitdem 3 als falsch, nur eins als richtig herausgestcllt 
haben. Von 42 Strophenformen bleiben also nunmehr 16 un¬ 
beanstandet, 26 sind mehr oder weniger incorrect. Und so 
hätte denn die Kritik „dankbarer und nachsichtiger“ gegen 
diese Arbeit sein sollen? C. Appel. 


NOTIZ. 

Den germanistischen Theil redigirt Otto Behaghel (Basel, Bahnhofstrasse 83), den romanistischen und englischen Theil Fritz Neumaiil 
fFreiburgi. B., Albertstr. 24). und man bittet die Beiträge (Kecensionen, kurse Notiaen, Personalnachrichtei. etc.) dem entsprechend gefälligst au adressirea. 
Die Kedaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür Sorge tragen zu wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romanistischen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Gebr. Hentuuger in iieilbronn sugeaaudt 
werden. Mur in diesem Falle wird die Redaction stets im ätande sein, über neue Publicationen ein eBesprecbung oder 
kürzere Bemerkung (in der Bibliogr.) an bringen. An Gebr. Henninger sind auch die Anfragen über Honorar und BonderabzUge zu richten. 


Literarische Anzeigen. 



Neuer Verlag "Wt 


von 

Gebr. Hennimrer in Heilbronn. 


Altfranzösische Bibliothek, heraus¬ 
gegeben von Dr. Wendelin Foerster, Professor 
der romanischen Philologie an der Univers. Bonn. 

VII. Band: Das altfranzösische Rolandslied. Text 
von Paris, Cambridge, Lyon, mit d. sog. Lothr. 
Fragm. und R. Heiligbrod?s Concordanztabclle zum 
altfranzösischen Rolandslicd herausg. von IVende/tn 
Foerster. XXH, 377 S. geh. M. 10.— 


Englische Sprach- und Literatur- , 

denkmale des 16., 17. u. 18. Jahrhunderts, hrsg. 

von Karl Vollmöller. 

III. Band: The Life and Death of Doctor Faustus, 
made into a farcc. By Mr. Mountford . With the 
humours of Harlequin and Scaramouche. London, 
1697. Mit Einleitung und Anmerkungen hrsg. von 
Otto Francke. geh. M. 1. 20. 

Früher erschienen: 

I. Band: Gorboduc or Ferrex and Porrex. A trogedy by 

Thomas Norton and Thomas Sackuille. A. D. 1561. Edited 
by Z. Toulmin Smith, geh. M. 2.— 

II. Band: Mario wes Werke, historisch-kritische Ausgabe von 
Hermann Breymann und Albrccht Wagner . I. Tamburlaine 
hrsg. von A. IVagmr . geh. M. 4 . — 


Früher erschienen: 

Das altfranzösische Rolandslied. Text von Chäteauroux 
und Venedig VII, hrsg. von Wendelin Foerster . (Altfranz. 
Bibliothek VI. Bd.) geh. M. IO.— 

La Chanson de Roland. Genauer Abdruck der Venetianer 
Handschrift IV, besorgt von Eugen Kolbing, geh. M. 5.— 
Das altfranzösische Rolandslied. Genauer Abdruck der 
Oxforder Hs. Digby 23, besorgt von Edmund Stengel. Mit 
einem photographischen Facsimile. geh. M. 3.— 

Altfranzösisches Übungsbuch zum 

Gebrauch bei Vorlesungen und Seminarübungen 
hrsg. von W. Foerster und E. Koschwitz. 

Erstes Zusatzheft: Rolandmaterialien, zusammengestellt 
von W. Foerster . 4 0 . V S. 166 Sp. geh. M. 3 .— 

Früher erschien: 

Erster Teil: Die ältesten Sprachdenkmäler. Mit einem 
Facsimile. geh. M. 3.— 


Mythologie der deutschen Helden- 

sage von Wilhelm Müller, o. ö. Professor 
an der Universität Göttingen. gr. 8°. VIII, 
260 S. geh. M. 4. 5 o. 

Früher erschienen: 

Die Niflungasaga und das Nibelungenlied. Ein Beitrag 
zur Geschichte der deutschen Heldensage von A. Rassmann. 
geh. M. 5 .— 

Teil und Gessler in Sage und Geschichte. Nach urkund¬ 
lichen Quellen von E. L. Rochholz. geh. M. IO.— 

QV Hierzu Beilagen von: 

Paul Schettlers Verlag in Kothen, betr. Grammatik und 
Wörterbuch der altprov. Sprache von A. Mahn, Etymol. 
Wörterbuch der engl. Sprache von E. Müller. 

Bernhard Tanchnitz in Leipzig betr. Students’ series for 
school, College and home. 

Weidmännische Buchhandlung in Berlin, Verzeichnis* . 

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H. Weiter in Paris, Catalogue mensuel de livres d’occasion. I 


Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Neumano in Freiburg i. ß. — Druck von G. Otto in Darmstadt. 


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Literaturblatt 

für 

germanische ^ romanische Philologie. 

Herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Nenmann 

o. ö. Professor der germanischen Philologie o. ö. Professor der romanischen Philologie 
an der Universität Basel. an der Universität Freiburg. 

Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 


Erscheint monatlich. 


Preis halbjährlich M. 6. 

VII. Jahrg. 

Nr. 5. Mai. 

1886; 

Stern, Geschichte der neuern Literatur (M u n- 
cker). 

K h u 11, Geschichte der altdeutschen Dichtung 1 
(Reissen berger). 

Disfenbach-Vvülcker, Hoch- und nieder- 
deutsches Wörterbuch (Pietsch). 

Keller, Johann Kaspar Schillers Jagend etc. 
(Wendt). 

Gaedertx, Reuter-Reliquien (B e h a g h e 1). 
York Plays, edited by Lncy Toulmin Smith 

(Proescholdt). 

Lotbeissen, Margarethe von Navarra (J o r e t). 
Johannsen, Der Ausdruck des Concessivver- 
hältnisses im Altfranz. (A. 8c hu Ixe). 
Mangold u. Coste, Lehrbuch der frx. Sprache 
(Kräuter). 

1 Mahn, Grammatik der altprovensalischen Sprache 

1 (8tengel). 

Bencini, 11 vero G. B. Fagiuoli e il Teatro in 
| Toscano a suoi tempi (Stiefel). 

Unterforcher, Romanische Namenreste aus 
dem Pusterthale (Alto n). 

B i e v e r a, Grundxüge der Phonetik 3. Auflage 
(Gärtner). 

Bibliographie. 

Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Lion und Mahrenholtx, Erwiderung und 
Antwort. 


Stern, Adolf, Geschichte der nenern Litera¬ 
tur. 7 Bände. Leipzig, Bibliogr. Institut. 1882—85. 
VIII, 302. 454. 402. 434. 582. 560. 599 S. 8°. 

Ein Werk populärwissenschaftlichen Charakters, 
das sich zunächst an die Menge des allgemein ge¬ 
bildeten Publikums wendet, doch aber auch in mehr 
als Einer Hinsicht würdig ist, dass der literar¬ 
historische Fachmann es kenne und gebrauche. Es 
ist meines Wissens der erste auf ernster und ge¬ 
diegener Forschung beruhende Versuch, die Litera¬ 
turen aller modernen Kulturvölker seit dem Ausgange 
des Mittelalters in zusammenhängender, umfassender 
Darstellung zu behandeln. Nach den geschichtlichen 
Epochen gliedert sich das Werk in zwölf Bücher: 
1 ) die Anfänge der neuern Literatur (Italien und 
England im 14. Jh.), 2) die Literatur des 15. Jh.’s 
(Italien, Frankreich, England und Schottland, Deutsch¬ 
land), 3). die Hochrenaissance (Italien, Frankreich, 
England und Spanien im 16. Jh.), 4) die Refor¬ 
mation (Deutschland, Böhmen und England, eben¬ 
falls während des 16. Jh.’s), 5) die Gegenreformation 
(Italien, Spanien und Portugal, Frankreich, Deutsch¬ 
land, England und Polen während des 16. und 17. 
Jh.’s), 6) der Akademismus (Italien, die Niederlande, 
Deutschland und England im 17. Jh.), 7) der Klassi- 
cismus (die französische Literatur des 17. Jh.’s und 
ihre Einflüsse auf die englische und deutsche Dich¬ 
tung), 8) die Aufklärung (England, Dänemark und 
Frankreich etwa von 1700 bis 1750), 9) die Rück¬ 
kehr zur Natur (Frankreich, Deutschland, Dänemark, 
England, Italien c. 1750—1790), 10) die goldene 
Zeit der neuern Dichtung (Deutschland, Frankreich, 
Italien und England c. 1790—1830), 11) Liberalis¬ 
mus und Demokratismus (Frankreich, Deutschland, 
England, Italien, Spanien, die nordischen und sla- 


vischen Reiche, Ungarn c. 1830—1850), 12) Realis¬ 
mus und Pessimismus (Deutschland, England und 
Nordamerika, Frankreich, Italien und die übrigen 
europäischen Staaten seit 1850). Schon diese äusser- 
liche Aufzählung lässt den reichen Inhalt des Buches 
und die Anordnung desselben nach inneren, Form 
und Tendenz der Poesie bezeichnenden Gesetzen 
erkennen. Wie sich aber in dieser Gruppirung ein 
origineller Grundgedanke des Verfassers kundgibt, 
so lässt sich auch im Einzelnen seiner Darstellung 
individuelle Selbständigkeit überall wahrnehmen. 
Stern hat allerdings die vorhandenen biographischen 
und literarhistorischen Hilfswerke fleissig benutzt 
und sich so bei den untergeordneten Schriftstellern 
früherer Jahrhunderte und besonders fremder Völker, 
deren Sprachen ihm vielleicht gar (wie z. B. die 
slavischen) nicht geläufig sind, das unmittelbare 
Studium der Quellen dann und wann erspart: das 
musste er thun, wenn er die Fülle des Stoffes be¬ 
wältigen wollte; die wichtigeren Autoren, nament¬ 
lich aber die gcsammte Reihe von Dichtern und 
Prosaikern des 19. Jahrhunderts hat er direct aus 
den Originalwerken kennen gelernt. So kommt es, 
dass der sachlichen Unrichtigkeiten in seinem Buche 
verhältnissmässig sehr wenige sind und dass beson¬ 
ders sein Urtheil über die grossen Führer und 
Werke der neuern Literatur durchaus ein eigen¬ 
artiges Gepräge tragt. Sein Buch enthält weder 
bloss geistreiche Betrachtungen über Wesen und 
Entwicklung der Poesie bei verschiednen Völkern 
ohne die nothwendige Grundlage tüchtiger Special¬ 
kenntnisse, noch gibt es uns eine schablonenhafte, 
übersichtlich dichte Zusammenhäufung der letzteren 
ohne eignes Urtheil, sondern vereinigt in schöner 
Weise gründliches historisches Wissen und selbstän¬ 
dige literarische Kritik. Für die Literaturgeschichte 


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Goc Ie 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


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der letzten fünfzig Jabre dürfte es dadurch in manchen 
Fällen geradezu grundlegend sein. Dieselbe ist 
freilich doppelt so breit behandelt als die der 
früheren Perioden und dadurch das Gleichraass der 
Darstellung unschön zerstört; aber gern verzeihen 
wir dies dem Verfasser, der uns nur auf diese 
Weise einen deutlichen und ziemlich vollständigen 
Ueberblick über die verschiedenartigen literarischen 
Bestrebungen unserer Zeit zu geben vermochte. Als 
wahrhafter Geschichtschreiber hat Stern die Litera¬ 
tur nie für sich allein, sondern stets im Zusammen¬ 
hänge mit der ganzen nationalen Kultur aufgefasst; 
sein Werk erweitert sich daher beständig zu einer 
Art von allgemeiner neuerer Kulturgeschichte mit 
besonderer Rücksicht auf die Entwicklung derselben 
nach der literarischen Seite. Die Darstellung, ob¬ 
gleich zufolge ihrem Gehalte keineswegs leicht und 
hie und da sogar auch in der sprachlichen Form 
etwas schwerfällig, fesselt doch immer durch ihre 
Kraft, Klarheit Und vornehme Ruhe. Im Ganzen 
darf das Werk, mag man im Einzelnen auch manches 
tadeln oder anders wünschen, als eine sehr be¬ 
deutende Leistung auf dem Gebiete der vergleichen¬ 
den Literaturgeschichte betrachtet werden. 

München, 29. Nov. 1885. Franz Muncker. 


K h u 11, Ferdinand, Geschichte der altdeutschen 
Dichtung. Graz, Leuschner & Lubensky. 1886. j 
IX, 574 S. 8. M. 6. 

Eine neue deutsche Literaturgeschichte! Man 
wird unwillkürlich fragen: „War das Bedürfnis 
danach vorhanden P“ Und wenn man vielleicht auch 
von vorneberein geneigt wäre, die Frage zu ver¬ 
neinen, so wird einen die nähere Einsicht in dieses 
Buch eines andern belehren. Dasselbe wendet sich } 
an weitere Kreise. Die bisherigen Literaturge- j 
schichten sind nun aber so gehalten, dass ihnen in j 
weiteren Kreisen nicht das genügende Verständniss j 
entgegengebracht wird, oder aber, da sie von Ver- j 
fassern herrühren, die in der altdeutschen Literatur i 
selbst nicht gehörig bewandert sind, oberflächlich 
und unwissenschaftlich. Zwischen beiderlei Dar¬ 
stellungen der Literaturgeschichte ist eine Lücke, 
in die mit Recht Khulls Werk eintritt Es ist 
populär — im guten Sinne populär — und ver¬ 
wertet dabei genau die Ergebnisse der neuesten 
Forschung. 

Im Besonderen tritt Khulls „Geschichte der 
altdeutschen Dichtung“ in nähere Beziehung zu 
Scherers „Geschichte der deutschen Literatur“, da 
Khull bezüglich dieses Buches die Erfahrung ge¬ 
macht hat, dass es ohne die nötigen Vorkenntnisse 
nicht verstanden wird. „Es war daher meine Ab¬ 
sicht“, sagt er in dem Vorwort, „durch Inhalts¬ 
angaben und Uebcrsetzungen, welche mit einem 
fortlaufenden Texte verbunden wurden, jenen, die 
nicht in der Lage sind, die alten Dichtungen selbst 
kennen zu lernen, das Verständniss der Urteile 
Scherers zu erleichtern.. Deshalb bin ich nicht 
nur dort, wo Scherers Name ausdrücklich genannt 
ist, sondern auch an vielen andern Stellen von ihm 
abhängig geblieben.“ Hiemit hat der Verf. selbst 
seinen Standpunkt und die Aufgabe, die er sich 


gesetzt, gekennzeichnet, und danach muss seine 
Leistung beurteilt werden. 

Uebrigens hat Khull auch die Dichtungen selbst 
wieder gelesen, die Einzeluntersuchungen, die darüber 
handeln, herangezogen und ausser Scherers Buch 
auch die andern literarhistorischen Werke von Be¬ 
deutung verglichen. Das beweisen seine Ausfüh¬ 
rungen, in denen er, abgesehen von den Inhalts¬ 
angaben der Gedichte, von Scherer abweichend, 
bald eigene Ansichten entwickelt, bald diesen oder 
jenen andern Gewährsmann citirt oder sprechen lässt. 

Khull teilt seinen Stoff in zwei Haupttbeile: 
1 ) von der Urzeit bis zur Blüthe der Literatur 
unter den Hohenstaufen und 2) die Zeit der Blüthe 
und des Verfalles der altdeutschen Dichtung. Zum 
terminus ad quem hat sich Khull das Jahr 1300 
gesetzt. Wahrscheinlich waren es Gründe ausser¬ 
halb seiner Macht9phäre, die ihn hiezu veranlassten. 
Aber wünschenswerth wäre es immerhin gewesen, 
wenn der Verfasser die Literaturgeschichte bis zur 
Reformation geführt hätte, um so mehr, als er auch 
in dem vorliegenden Buche über das Jahr 1300 
hinauszugehen sich wiederholt veranlasst sah. 

Bezüglich der Gruppirung des Stoffes wird man, 
wie der Verf. das auch voraussieht, mitunter anderer 
Meinung sein, als er. So scheint es nicht ganz am 
Platze, die ältere lehrhafte Poesie, Merigarto und 
Aehnliches, erst im Zusammenhänge mit der jüngern 
Dichtung dieser Gattung am Ende des zweiten 
Haupttheiles zu behandeln. Doch hierüber, wie 
über einige andere Punkte, in denen Ref. mit dem 
Verf. nicht übereinstimmt, soll mit dem letzteren 
nicht gerechtet werden. Es sind ohnedies nur ge¬ 
ringfügige Dinge gegenüber dem, was geleistet 
worden ist. 

Das Buch zeichnet sich durch klare Anlage, 
durch leichte und doch edle Darstellung, treffende 
Charakteristik, übersichtliche Inhaltsangaben und 
geschmackvolle Auswahl der Proben (die der Verf. 
verschiedenen guten Uebersetzungen entnimmt) aus 
und wird so in den Kreisen, für die es bestimmt 
ist, gewiss grossen Nutzen stiften. Wie mich dünkt, 
könnte es auch, namentlich von Lehrern, die sich 
mit altdeutscher Literatur weniger eingehend be¬ 
schäftigt haben, als treffliches Mittel zur Unter¬ 
stützung des deutschen Unterrichtes verwendet 
werden. 

Graz. K. Reissenberger. 


Hoch- und niederdeutsches Wörterbuch der 
mittleren und neueren Zeit. Zur Ergänzung 
der vorhandenen Wörterbücher insbesondere des 
der Brüder Grimm. Von Lorenz Diefenbach 
und Ernst Wülcker. Basel, Benno Schwabe. 
1885. X, 930 Sp. M. 17,40. 

Das vorliegende Wörterbuch begann 1874 im 
Verlage von Winter in Frankfurt a. M. zu erscheinen, 
in diesem Jahre ist, nachdem es in andern Verlag 
übergegangen, die Schlusslieferung ausgegeben wor¬ 
den. Die ersten Lieferungen rührten fast ganz von 
Diefenbach her, die späteren sind ausschliesslich 
Wülckers Arbeit. Der Titel des Buches könnte 
leicht eine falsche Vorstellung von dem erwecken, 


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1886. Literatnrbl&tt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


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was dasselbe bietet, wenn nicht in den weiteren 
Worten ‘Zur Ergänzung’ u. s. w. die Stellung an¬ 
gedeutet wäre, welche dasselbe nach der Absicht 
der Verf. einnehmen soll. Es soll ein Ergänzungs¬ 
wörterbuch sein, d. h. lexikalisches Material ver¬ 
zeichnen, das den vorhandenen Wörterbüchern 
mangelt. Die besondere Rücksicht auf das Grimm¬ 
sche Wörterbuch bedingte, dass diese Ergänzungen 
in den ersten Buchstaben des Alphabets reichlicher 
ausfallen mussten als späterhin; diese Ungleicb- 
mässigkeit in der Anlage des Ganzen lässt sich 
also rechtfertigen. Dagegen kann man aber sehr 
wohl die Frage aufwerfen, ob die ganze Art der 
hier gebotenen Ergänzungen unserer Kenntniss des 
deutschen Wortschatzes eine richtige sei. Ref. kann 
nicht mit dem Bekenntniss zurückhalten, dass ihm 
dies nicht ganz der Fall zu sein scheint, dass man 
diesem Wörterbuche mit einem gewissen Bedauern 
gegenübersteht, weil die mühselige Arbeit des Lexi¬ 
kographen hier zwar nicht entfernt fruchtlos ge¬ 
wesen ist, aber doch lange nicht die Früchte ge¬ 
tragen hat, welche sie hätte tragen können, wenn 
das Werk zu einer mehr planmässigen, zeitlich und 
räumlich enger umgrenzten Ergänzung gestaltet 
worden wäre. Dass dies nicht geschehen, dafür 
kann Wülcker nicht verantwortlich gemacht werden, 
denn er musste, auch nachdem er allein die Heraus¬ 
gabe übernommen, das Werk so fortführen, wie es 
von dem in der Zwischenzeit aus dem Leben ge¬ 
schiedenen Diefenbach begonnen worden war. Jeden¬ 
falls konnte er nur im Einzelnen Besserungen ein¬ 
führen. Dies hat er denn auch gethan, indem er 
namentlich sich in seinen Mittheilungen auf wirk¬ 
lich brauchbares Material beschränkte. Denn Diefen¬ 
bach, so verdienstlich und nützlich seine lexiko- 
grap bis eben Arbeiten auch sein mögen, war doch 
mehr ein Sammler lexikalischen Materials als ein 
Lexikograph. Bei dem Unternehmen dieses Er- 
ganzungswörterbuches kam es ihm wohl vor Allem 
darauf an, das Material, welches sein Glossarium 
lat-germ. mediae et infimae aetatis (1857) und sein 
Novum glossarium lat.-germ. (1867) enthalten, unter 
den deutschen Stichwörtern zu verzeichnen und es 
auf diese Weise leichter benutzbar zu machen. Gegen 
diese Absicht wäre nichts einzuwenden gewesen, 
dann aber hätte sie Diefenbach auch reinlich 
durchführen müssen: er hätte den deutschen Inhalt 
seiner beiden Glossarien vollständig verzeichnen 
und alles lexikalische Material anderen Ursprungs 
ferohalten sollen. Dadurch wäre eine Uebersicht 
geschaffen worden über den deutschen Wortschatz, 
welcher in den Glossarien der späteren Jahrhunderte 
des Mittelalters, namentlich des fünfzehnten nieder¬ 
gelegt. ist, eine Uebersicht, die Diefenbach durch 
Verarbeitung anderer gleichartiger Quellen auch 
noch vollständiger zu gestalten die Möglichkeit ge¬ 
habt hätte. Die Verzeichnung des Inhalts dieser 
Glossarien in einem besonderen Wörterbuche hätte 
ihre innere Berechtigung in der besonderen Be¬ 
schaffenheit desselben gehabt. Denn in den meisten 
der hierher gehörigen Produkte, dem Vocabularius 
optimus, Vocab. ex quo, der Gemma gemmarum 
u. s. w. ist das Deutsche nicht um seiner selbst 
willen da, sondern hat nur den Zweck im Dienste 
des lateinischen Unterrichts das Wortverständniss 


der lat Sprache zu unterstützen. Das ist immer 
noch ganz etwas anderes als etwa die deutsche 
Uebersetzung eines lat. Originals. Denn bei einer 
solchen — von den Interlinearübersetzungen der 
rohesten Art abgesehen — kommt es doch immer 
auf Verständlichmachung von Gedanken, nicht bloss 
einzelner Wörter an, wobei denn der Verf. noth- 
wendig in viel höherem Grade unter dem Einfluss 
des Geistes deutscher Sprache steht als da, wo er 
nur mit einzelnen Worten zu thun hat. Er wird 
in letzterem Falle weit mehr der Gefahr ausgesetzt 
sein, in der Wahl des deutschen Wortes fehlzu¬ 
greifen, wird gelegentlich auch versuchen dem Be¬ 
griffe des lat. Wortes durch ein deutsches Wort 
eigner Mache beizukommen. Und hat sein deutsches 
Sprachgefühl unter dem Einfluss des Lateinischen 
gelitten, ist er vielleicht gar nicht ein Deutscher 
von Geburt, so muss das Ergebniss seiner Thätig- 
keit nothwendig ein recht bedenkliches sein. Solche 
Erwägungen führen folgerichtig zu einigem Miss¬ 
trauen gegen die durchgängige Echtheit dieses 
Glossariendeutsch. Da wir es jedoch für lexi¬ 
kalische Forschungen nicht entbehren wollen noch 
(bes. für Zeiten und Gegenden, in denen andere 
Sprachquellen nur sparsam fliessen) können, so wäre 
die möglichst vollständige Verzeichnung desselben 
in einem besonderen Wörterbuche sehr nützlich 
gewesen. Statt solcher erwünschten Gabe erhalten 
wir von D. ein nicht vollständiges Verzeichniss 
des deutschen Wortvorrathes seiner Glossarien, ver¬ 
quickt mit allerhand sonstigem lexikalischen Material, 
das den verschiedensten Orten (bd., nd., niederl. und 
sogar ags.) und Zeiten (10.—18/19. Jh.) angehört. 
Am ehesten kann man sich wohl noch die Mit¬ 
theilungen aus dem Sprachschätze des Kanzlei¬ 
deutschen gefallen lassen, weil dieses mit dem 
Glossariendeutsch zweifellos manche Berührungs¬ 
punkte hat, namentlich insofern, als es auch vom 
Lateinischen vielfach beeinflusst ist. Es genügt 
wohl hier, darauf hinzuweisen, dass in der ersten 
Zeit der deutschen Urkunden für dieselben natürlich 
die vorher allein gütigen lateinischen Muster mass¬ 
gebend blieben und später der Humanismus den 
Grundsatz aufstellte, dass 'die latiniech rhetorick 
ain zaigerin sin mag alles rechten vnd lobsamen 
gediebts aller sprachen vnd gezüngen* (Niklas v. 
Wyle), ein Grundsatz, den Leute wie Friedrich 
Riederer (Spiegel der waren Rhetoric. Vß M. Tulio 
C. vnd andern getutscht... Freiburg i/Br. 1493 u. ö. 
Vgl. Joh. Müller, Quellenschr. u. Gesch. d. deutsch- 
sprachl. Unterrichts (1882), S. 363) in die That 
umsetzten. Wir werden uns mit den Mittheilungen 
aus Archivalien hier um so eher befreunden können, 
als uns dieselben fast ausschliesslich durch Wülcker 
gemacht werden, der wohl in der Gegenwart der 
beste Kenner des Kanzleideutschen des 14. —16. Jh.’s 
ist. Aber was sollen daneben die vereinzelten 
Brosamen nützen, die aus ganz anderen Kreisen der 
deutschen Sprache uns dargeboten werden? Z. B. 
sind aus der religiösen Literatur des 14/15. Jh.’s 
nur ein paar zufällig in der Frankfurter Stadt¬ 
bibliothek oder im Weimarer Archiv vorhandene 
Hss. (einige Homiliensammlungen, ein Evangeliarium, 
der Wintertheil des Passionais u. e. mehr) benutzt 
worden. Das hätte ebenso gut fehlen können; es 


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1886. Literatarblatt für germanische und fomaniache Philologie. Nr. 5. 


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hat keinen rechten Zweck, ans dieser so ungemein 
reichen religiösen Literatur einige vom Zufall in die 
Hand gegebene Stücke auszunützen und das übrige 
bei Seite zu lassen, um so weniger, als zweifellos 
dieser Zweig der Literatur des 15/16. Jh.’s für die 
Geschichte der hochdeutschen Sprache eine grosse 
Wichtigkeit besitzt, die bisher allerdings kaum ge¬ 
nügend gewürdigt worden ist. Ein Wörterbuch, 
welches den Wortschatz der religiösen Literatur 
des 14.—16. Jh.’s (mit Ausschluss Luthers, der 
jedenfalls eine besondere Behandlung fordert), 
namentlich auch der vielen Verdeutschungen der 
Bibel oder einzelner Theile derselben vor Luther 
(mit Einschluss der deutschen Plenarien) verzeich- 
nete, würde nach der Ueberzeugung des Ref. eine 
sehr verdienstliche Arbeit sein. Sie würde die 
deutsche Lexikographie einen grossen Schritt vor¬ 
wärts bringen, indem sie die Lücke in unserer 
Kenntniss des Wortschatzes des 15. Jh.’s, welche 
trotz Lexer noch immer vorhanden ist, wenigstens 
zu einem grossen Theile, vielleicht zum grössten 
Theile ausfüllen würde, jene Lücke, welche den 
Wortschatz des (um eine Gesammtbezeichnucg zu 
gebrauchen) Mittelhochdeutschen trennt von dem 
Wortschatz der zuerst mit Luther energisch auf 
den Plan tretenden nhd. Schriftsprache. Es wird 
sich überhaupt immer mehr heraussteilen, dass die 
deutsche Lexikographie, wie die jeder Sprache, 
welche eine uns überschaubare viel hundertjährige 
Geschichte hat, ihren höchsten Zielen — zu denen 
neben der Geschichtschreibung der einzelnen Worte 
die mit letzterer in Verbindung stehende Ausbildung 
der geschichtlichen Synonymik gehört — erst wird 
gerecht werden können, wenn wir eine Reihe von 
Wörterbüchern besitzen, welche den Wortschatz 
einerseits einzelner Schriftsteller, die, wie z. B. 
Luther und Goethe, besonders hervorragen, oder 
wie z. B. Fischart ihren eigenen Weg gehen, ander¬ 
seits aber der gesammten Denkmäler möglichst kurzer 
Zeiträume, eines halben, höchstens eines ganzen 
Jahrhunderts oder auch der inhaltlich zusammen 
gehörenden Literaturwerke bestimmte Perioden voll¬ 
ständig verzeichnen. Dass das vorliegende Buch 
keine dieser Forderungen erfüllt, dass es nach keiner 
Richtung hin etwas Abgeschlossenes bietet, das 
drückt eben seinen Werth herab, macht es zu einem 
Werke von nur vorübergehender Bedeutung, welches 
zahlreiche werthvolle einzelne Beiträge zum deutschen 
Wörterbuche enthält, das vorläufig in vielen einzelnen 
Fällen mit Nutzen wird befragt werden können und 
in manchen vielleicht unentbehrlich sein wird, das 
aber überflüssig sein wird, sobald jene höheren 
Anforderungen an die deutsche Lexikographie ihre 
Erfüllung werden gefunden haben. Das Gefühl 
dessen spricht sich auch in Wülckers knappem Nach¬ 
wort aus, das eine sehr resignirte Stimmung athmet 
und nichts von der Freude verräth, die doch sonst 
wohl am Ende einer so vieljährigen Arbeit den 
Verf. erfüllen darf. Und die richtige Würdigung 
des Charakters der vorliegenden Arbeit ist es wohl 
auch gewesen, welche ihn veranlasst hat, sich aller 
Nachträge, zu welchen es ihm an Material gewiss 
nicht gefehlt haben würde, zu enthalten. Es kann 
wohl nichts den Unterschied zwischen den lexiko- 
graphischen Standpunkten Diefenbachs und Wülckers 


in so helles Licht setzen als der Umstand, dass 
Diefenbach zu den Buchstaben a—e nicht weniger 
als 64 Spalten Nachträge gab, Wülcker dagegen 
am Ende des ganzen Werkes nicht eine Zeile. 
Nachträge zu einem Wörterbuche sind eben nur da 
am Platze, wo es sich um die möglichst vollstän¬ 
dige Erschöpfung des Wortschatzes eines bestimmten 
zeitlichen oder räumlichen Ausschnittes der Sprache 
handelt. Zu einem Wörterbuche von der unbe¬ 
stimmten Umgrenzung des vorliegenden könnte ein 
fleissiger Sammler gewiss alljährlich eine stattliche 
Seitenzahl von Nachträgen liefern — die (Kon¬ 
sequenzen, die sich daraus für die Benutzer ergeben 
würden, bedürfen wohl keiner weiteren Ausmalung. 

Auf Einzelheiten will ich nicht eingehen; es 
ist schon von anderer Seite (vgl. Germ. 19, 370 
hervorgehoben worden, dass die streng alpha¬ 
betische Anordnung für' ein Wörterbuch wie das 
vorliegende die allein richtige gewesen wäre, weil 
es hier nur auf schnelles Finden des Gesuchten 
ankommen kann. Es sei also zum Schlüsse nur 
noch bemerkt, dass, wie sich aus Wülckers Nach¬ 
wort ergibt, Köhler und Regel das Wörterbuch 
durch Beiträge unterstützt haben. 

Greifswald, 27. Dec. 1885. P. Pietsch. 


K e 11 e r, E., Johann Kaspar Schillers Jugend 
und militärische Dienstjahre. Programm des 
Gymnasiums in Freiburg i. B. 1885. 4°. 

Eine ebenso gründliche a^s anziehende Abhand¬ 
lung. Der Verf. hat alle Nachrichten, welche von 
Schillers Vater in seinen eignen und seiner Tochter 
Aufzeichnungen enthalten sind, durch gründliche 
historische Studien aufzuhellen gewusst und an ver¬ 
schiedenen Stellen einen inneren Zusammenhang 
zwischen diesen Ereignissen und der Poesie des 
Sohnes wahrscheinlich gemacht. Denn wir wissen, 
dass Vater Schiller gern aus seinen Feldzügen er¬ 
zählte. Auch hat der Dichter die grössten Eigen¬ 
schaften seines Charakters, seine Unternehmungslust, 
den starken Willen, die männliche Ueberzeugungs- 
treue vom Vater ererbt. So mögen denn des 
letzteren Erlebnisse in den Niederlanden und die 
Eindrücke, welche ihm Land und Leute einflössten, 
die innere Wärme erklären helfen, welche wir im 
„Abfall der Niederlande* spüren. — Die Schlacht, 
an der J. K. Schiller theilnahm, war nach unserm 
Aufsatz die von Rocoux. — Mit früheren Kriegs¬ 
erinnerungen der östreichischen Truppen wird in 
ansprechender Weise die Erzählung Schweizers in 
den Räubern von dem Brande der Stadt und dem 
Auffliegen eines Pulverthurms in Verbindung ge¬ 
bracht. In der zweiten Hälfte des Aufsatzes folgen 
auf die Ereignisse des östreichischen Erbfolgekrieges 
die des siebenjährigen Krieges. Mit vollem Recht 
wird hier darauf hingewiesen, in wie hohem Masse 
dieser Kampf vom Volke als ein Glaubenskrieg auf¬ 
gefasst wurde; wie lebhaft die Erbitterung der 
Schwaben gegen ihren Herzog war, der seine 
Truppen nach einem Subsidienvertrag der fran¬ 
zösischen Kriegführurig zur Verfügung stellte und, 
nachdem er die ihm gezahlten Gelder verprasst, 
durch die schmälichste Gewaltsamkeit seiner Werber 


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1886. Literatiirblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 5. 


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das nöthige Menschenmaterial aufbrachte. Auch 
hier springt ein Zusammenhang bekannter Stellen in 
Kabale und Liebe mit den Eindrücken, die Schillers 
Vater im Felde empfangen hatte, sehr deutlich in 
die Augen. Anderseits ist es ein Verdienst des 
Verf.’s, die militärische Ehre der Wiirttembergisehen 
Truppen (z. B. bei Leuthen) vor unbegründeten 
Verdächtigungen gerettet zu haben. Die Darstellung 
geht nur bis zum Jahre 1757, stellt aber für später 
den Schluss in Aussicht Es wird dann ein höchst 
dankenswerther Lebensabriss des älteren Schiller 
gegeben und das in allen seitherigen Biographien 
Gebotene vielfach erweitert und berichtigt sein. 

Karlsruhe. Wendt. 


Gaedertz, Karl Theodor, tfritz Reuter- 
Reliquien. Wismar, Hinstorff. 1885. 258 S. 8. 

Der eifrige Erforscher des niederdeutschen 
Dramas hat nun seine Liebe und Begeisterung auch 
auf Fritz Reuter übertragen und uns mit einem 
Büchlein beschenkt, das des Werthvollen mancherlei 
enthält. In den vier ersten Abschnitten werden 
mitgetheilt die Prozessakten des Studenten Reuter, 
Briefe an Reuter — hier ist vielleicht des Guten 
etwas zu viel gethan —, Briefe von Reuter und 
Ge’egenheitsgedichte Reuters (unter die freilich 
Nr. 3 und 4 nicht gehören). Daraus ergeben sich 
einzelne neue Thatsachen aus dem Leben des 
Dichters: auch hier zeigt sich die Oberflächlichkeit 
des Buches von Glagau. Wichtiger aber ist. was 
sich fiir das Verständniss und die Beurtheilung von 
R.’s Persönlichkeit gewinnen lässt. Bezeichnend 
ist die Art und Weise, wie er es ablehnt, Mit¬ 
arbeiter des Daheim zu werden, oder sich über den 
Vorschlag Speckters ausspricht, diesem 50 Fabeln 
zur Illustration zu schreiben. Gegenüber von Jakob 
Grimm erklärt er, dass er nicht die kühne Meinung 
Anderer hege, dass die plattdeutsche Sprache nach 
so langem Schlafe im Stande sein werde, die hoch¬ 
deutsche einzuholen. An Julian Schmidt schreibt 
er: „Merkwürdig ist mir die enorme Sicherheit, mit 
der Sie bei Ihrem Lobe stets die Stellen getroffen 
haben, die ich mit Vorliebe gearbeitet habe.“ Ein 
Brief von Gisbert von Vincke ist von Einfluss ge¬ 
wesen auf einzelne Umgestaltungen in „de Reis’ 
nah Konstantinopel“. 

In den zwei letzten Abschnitten steht aber das 
Interessanteste des Bnches. Gaedertz berichtet hier 
über das „Manuscript eines Romans“, das sich im 
Nachlasse Reuters befindet und nichts geringeres 
enthält als die hochdeutsche Urgestalt der „Strom- 
tid*. Hier sind schon die Hauptlinien der Handlung 
entworfen und die Hauptpersonen gezeichnet, die 
uns später wieder begegnen; wenngleich der ganze 
Rahmen noch ein weit engerer ist und der Entwurf 
unvollendet geblieben ist, so ist doch die Ver¬ 
gleichung mit der späteren Gestalt vom höchsten 
Interesse. G. hat erst wenige Andeutungen in dieser 
Hinsicht gegeben, besonders um haltlose Behaup¬ 
tungen Glagaus zurückzuweisen; das kleine Bruch¬ 
stück, das aus dem Manuscripte mitgetheilt wird, 
eine Schilderung von Land und Leuten in Mecklen¬ 
burg, gewährt für die Vergleichung wenig Anhalt. 


Wenn es am Schluss heisst: „weiter stand das 
Manuscript zum Abdruck nicht zur Verfügung“, so 
können wir nur den lebhaften Wunsch aussprechen, 
dass diese Sperre möglichst bald aufgehoben werden 
möchte. 

Karlsruhe, 15. April 1«85. O. Bebaghel. 


York Plays: The Plays performed by the Crafts 
or Mysteries of York on the day of Corpus Christi 
in the 14'\ 15 ,b and 16 ,h Centuries. Now first 
printed from the onique Manuscript in the library 
of Lord Ashburn^am. Edited with Introduction 
and Glossary by Lucy Toulmin Smith. 
Oxford, Clarendon Press. 1885. LXXVHI, 557 S. 
gr. 8. Mit 3 Blättern Notenbeilagen. 21 sh. 

Die Vorgeschichte des englischen Dramas hat 
seit langer Zeit keine so werthvolle Bereicherung 
erfahren als durch die von Miss Lucy Toulmin 
Smith herausgegebenen York Plays: denn sowohl 
an Reichhaltigkeit des Stoffes als auch an drama¬ 
tischem Werthe überragen dieselben die bisher be¬ 
kannten Mysteriensammlungen bei weitem. Während 
die Coventry Plays 42, die Towneley 30. und die 
Chester Plays nur 25 Stücke zählen, umfasst die 
York-Sammlung deren 48 und ein Bruchstück. Sind 
nun von diesen 48 Stücken fünf auch nicht neu, 
insofern sie bereits in wenig veränderter Form in 
den Towneley Plays enthalten sind, so liegen uns 
doch in den entsprechenden Stücken der York- 
Sammlung. wie die Herausgeberin wahrscheinlich 
gemacht hat. die Originalien vor. 

Threm Inhalte nach bringen die York Plays die 
ganze Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum 
Tage des jüngsten Gerichts zur Darstellung, sich 
eng anschliessend an die heilige Schrift, die Apo¬ 
kryphen. die Pseudo-Evangelien u. dgl. Die Hand¬ 
schrift, in welcher sie uns überliefert sind, stammt 
nach den Ermittelungen der Herausgeberin etwa 
aus den Jahren 1430—1440, während die Entstehung 
der Mysterien selbst in die Mitte des 14. Jh.’s, um 
die Jahre 1340—1350 fallt. Auf diese Zeit deuten 
nicht nur Sprache und Stil der Stücke, sondern 
auch ihr enger Anschluss an den aus dem Anfänge 
des 14. Jh.’s stammenden Cursor Mundi. Ob in¬ 
dessen, wie die Herausgeberin zu thun geneigt ist, 
die Autorschaft einem einzelnen Manne, etwa einem 
Geistlichen aus York oder dessen Umgebung, zuzu¬ 
schreiben sei, erscheint fraglich. Wenn auch die 
Mehrheit der Stücke 6inem Haupte entsprungen sein 
mag, so dürften doch die York Play9 in ihrer Ge- 
sammtheit mannigfachen Wandlungen und Nach¬ 
besserungen ausgesetzt gewesen sein, um so mehr 
als jedes einzelne Stück der freie Besitz einer be¬ 
sonderen Zunft oder Gilde war. Je nachdem nun 
eine alte Gilde einging, oder eine neue sich aufthat, 
war die Tilgung des einen Stückes oder seine Ueber- 
tragung auf eine andere Gilde, oder aber die 
Schaffung eines neuen Stückes gfeboten; je nach 
der Blüthe oder dem Verfalle der einen oder anderen 
Zunft machten sich Streichungen oder Erweiterungen 
in dem von der betreffenden Zunft aufzuführenden 
Mysterium nothwendig. Stilgleichheit oder Einheit 
in der Behandlung der Stoffe wird sich also auch 


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1886. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 5. 


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schwerlich in der York - Sammlung nachweisen 
lassen. 

Die Sprache der York Plays ist dieselbe wie 
in Richard Rolle of Hampole’s ‘Pricke of Conscience; 
nnr ist sie nicht in ihrer ganzen Reinheit auf uns 
gekommen, sondern ein aus dem mittleren England 
gebürtiger Abschreiber hat sowohl Grammatik wie 
Orthographie vielfach in willkürlicher Weise ge¬ 
ändert In ihrer Einleitung widmet die Heraus¬ 
geberin gerade der Sprache nur einige kurze 
Bemerkungen, die uns zu der Wichtigkeit des 
Gegenstandes nicht im richtigen Verhältnis zu 
stehen scheinen.. Zwar verweist sie auf die be¬ 
treffenden Ausführungen in Richard Morris’ Ausgabe 
des ‘Pricke of Conscience* und in Bramley’s Aus¬ 
gabe der Hampoleschen ‘Psalms of David*, sowie 
auf Dr. Murrays Schrift über den ‘Dialect of the 
Southern Counties of Scotland*; aber wie viele 
deutsche Leser sind wohl in der glücklichen Lage, 
die genannten Werke immer zur Hand zu haben? 
Von unserem Standpunkte aus hätten wir also die 
auf Sprache und Dialekt bezüglichen Auslassungen 
der Herausgeberin etwas ausführlicher gewünscht, 
sind aber weit davon entfernt daraus einen Vor¬ 
wurf gegen die treffliche Miss Toulmin Smith her¬ 
leiten zu wollen, da wir uns wohl bewusst sind, 
dass sie bei ihrer Ausgabe zunächst und zuvörderst 
das englische Publikum und dessen Bedürfnisse im 
Auge hatte und haben musäte. 

Tm Uebrigen ist die Herausgeberin ihrer schwie¬ 
rigen Aufgabe nach jeder Richtung hin in gewohnter 
vorzüglicher Weise gerecht geworden. Wir können 
daher die von der Clarendon Press glänzend und 
solid ausgestatteten York Plays allen Freunden 
des englischen Dramas nicht angelegentlich genug 
empfehlen. Ist der Text auch noch nicht ganz frei 
von allerhand kleinen Schäden und Mängeln — wie 
Professor Zupitza in Nr. 37 der Deutschen Literatur¬ 
zeitung, vom 12. September 1885, nachgewiesen 
hat —, so kann er sich doch demjenigen der übrigen 
Mysteriensammlungen mehr als ebenbürtig an die 
Seite stellen; und die deutsche Kritik hat gewiss 
nicht weniger Grund als die englische, sowohl der 
Herausgeberin selbst als den Delegates der Clarendon 
Press ihre Anerkennung und ihren Dank für die 
schöne Gabe auszusprechen, die sie uns in den York 
Plays dargereicht haben. 

Homburg v. d. H., 10. Oct. 1885. 

Ludwig Proescholdt. 


Lotheissen, Ferdinand, Königin Margarethe 
von Navarra. Ein Kultur- und Literaturbild 
aus der Zeit der französischen Reformation. Berlin, 
Allgemeiner Verein für deutsche Literatur. 1885. 
405 S. 8. 

Nachdem uns Lotheissen von der literarischen 
Thätigkeit Frankreichs im XVII. Jh. ein unver¬ 
gängliches Bild gezeichnet, hat er diese Epoche, in 
der er so lange Jahre verweilt, verlassen, um die¬ 
jenige Periode zu behandeln, welche ihr vorausging 
und sie vorbereitete. Indess keine Geschichte der 
französischen Literatur im XVI. Jh. will er heute 
schreiben, wie vor acht Jahren die unserer Lite¬ 


ratur im XVII., sondern die Biographie der 
Königin Margarethe von Navarra, einer der an¬ 
ziehendsten Figuren aus der ersten Zeit der fran¬ 
zösischen Reformation. L. hat, wie leicht begreif¬ 
lich, die lebhafteste Sympathie für die Schwester 
Franz I. empfunden, und diese Sympathie hat ihm 
Glück gebracht. Es wäre schwer, von der Königin 
von Navarra ein ähnlicheres und gelungeneres Bild 
zu geben. Bekannt mit allen Margaretha betreffenden 
Publikationen, gleich vertraut mit der Literatur- 
wie mit der politischen Geschichte Frankreichs im 
16. Jh., lässt L. seine Heldin vor dem Leser wieder 
aufleben und weiss ihm ein mächtiges Interesse für 
die liebenswürdige und hochherzige Fürstin einzu- 
flössen. An seiner Hand folgt man ihr leicht mitten 
in die Prüfungen und Wechselfälle ihres bewegten 
Lebens, man Wohnt den Verhandlungen bei, mit 
denen sie beauftragt wurde, um die Freilassung ihres 
Bruders herbeizuführen und zu beschleunigen, den 
Intriguen, welche bei der Verheirathung ihrer Tochter 
Johanna spielten; man sieht, welche Anstrengungen 
sie macht, um die Reformation zu begünstigen, 
welch hochherzigen Schutz sie den verfolgten Schrift¬ 
stellern und Protestanten gewährt. 

All das war ja t>hne Zweifel schon gesagt 
worden, aber wenn L. zu dieser interessanten Ge¬ 
schichte keine neuen Dokumente beibringt, so hat 
er wenigstens nichts vergessen, was die Darstellung, 
die er uns gibt, hätte vervollständigen können. Ich 
möchte ihm eher unnöthige Abschweifungen und 
Längen vorwerfen. So z. B. in dem den Frei¬ 
geistern gewidmeten Kapitel; wozu war es noth- 
wendig, da alle Vertreter der religiösen urd philo¬ 
sophischen Opposition jener Zeit nach einander 
durchzumustern, zumal wenn sie, wie z. B. Dolet, 
und Rabelais, nur lose Beziehungen zur Königin 
von Navarra hatten? Auch in den ersten Kapiteln 
verliert man Margaretha zu sehr aus den Augen, 
und man kann sich kaum erklären, warum Verf. nicht 
bei ihrem Tode stehen blieb und für nöthig hielt, 
auf ihre Biographie ein R£sum6 von der ihrer 
Tochter Johanna folgen zu lassen. 

Doch möchte ich diesen Proportionsfehler, als 
welchen ich ihn betrachte, nicht zu sehr hervor¬ 
heben. Ich will lieber ohne jegliche Einschränkung 
den vom Verf. bei der Beurtheilung der literarischen 
Werke der Königin von Navarra bewiesenen Ge¬ 
schmack loben, sowie die Geschicklichkeit, mit 
welcher er die citirten Verse der fürstlichen Dich¬ 
terin übersetzt hat; man erkennt da sein gewohntes 
Talent und seinen gewohnten feinen Geschmack. 
Diese Vorzüge, sowie der einfach-natürliche, an¬ 
genehme Stil sichern L.’s neuem Werke seinen 
Erfolg. Ich will bei keiner Detailkritik verweilen 
und beschränke mich darauf zu bemerken, dass es 
auf dem Mont-Saint-Michel kein Schloss gibt, son¬ 
dern nur eine Abtei; diese wurde während der 
Julirevolution in ein Staatsgefängniss umgewandelt 
Aix, 30. Jan. 1886. Charles Joret. 


Johannsen, Hermann, Der Ausdruck des 
Concessivverhfiltnisses im Altfranzösischen. 
Kiel, Lipsius & Tischer. 1885. 70 S. 8. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 6. 


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Dass der Verf. sich nicht auf die Concessiv- 
sätze beschränkte, sondern allgemein fragte, welches 
die Mittel des Altfrz. zur Darstellung des Concessiv- 
verhältnisses gewesen, verdient Lob, schon als 
Zeichen der richtigen Erkenntniss, dass bei Betrach¬ 
tung der zusammenhängenden Rede Sprechen und 
Vorstellen als zwei gleich wichtige Factoren zu 
berücksichtigen sind und somit bei syntaktischen 
Untersuchungen ein Ausgehen von der inneren Form 
des Denkens gleichberechtigt sei mit dem üblicheren 
Verfahren, welches die äussere Form des Satzes 
und seiner Theile zur Grundlage wählt. Freilich 
wäre dann um so mehr zu wünschen gewesen, dass 
dem Verf. für die Anordnung des Stoffes nicht rein 
äussere Gesichtspunkte gedient hätten; das empfahl 
sich hier am wenigsten, wo Satzgebiete von gram¬ 
matisch ganz verschiedenem Werthe zu behandeln 
waren. Nach der Disposition J.’s werden z. B. 
Fälle wie Aiol 2441 Ne lairoie por home qui soit 
vivans Que n f i voise ... (p. 37) gesondert von den 
p. oO f. unter pour {Ne vous faurai por morir a 
ciltage) und p. 615 f. C ( Nepourquant, nepourtant, 
ne pour ce etc.) betrachteten behandelt, während offen¬ 
bar bei allen drei Arten die nämliche Anschauung 
den Redenden zur Anwendung von por — und das 
ist das Wesentliche — veranlasste. 

Des Verf.’s Auffassung von dem Wesen der 
Erscheinungen wird man nicht immer zu theilen in 
der Lage sein. So ist p. 12 gelegentlich der Stelle 
Jourd. 2213 Qui que sa dämme ne son seignor ocist, 
Touz est forfais ... ungehöriger Weise von Attraction 
des Relativsatzes an den regierenden Satz die Rede. 
Zunächst erläutert das Beispiel gar nicht das, wovon 
J. sprechen will, die Erscheinung nämiicL, dass ein 
einräumender Nebensatz Subject des zugehörigen 
Hauptsatzes sei. Deshalb nicht, weil uns die Wort¬ 
folge lehrt, dass mit touz ein neues Satzgefüge an¬ 
bebt, dem eine Stellung est touz forfais, wie sie, 
hätte J. Recht, zu erwarten wäre, nicht zusagt (vgl. 
Morf, Wortstellung im Rolandsliede p. 236 und 
meine Ausführungen in Herrigs Archiv 71, 195 § 5a 
und ebd. p. 204 § 7). Wir haben zu übersetzen: 
„Wer auch immer seine Herrin tödtet:..er ist 
völlig sündig... a , nicht ^ist völlig s. 0 Ferner aber 
hätten zutreffende Belege, wie der zweite von J. 
gegebene: Qui que ce soit, voir, Va estrangU Th. fr. 
342, 27 nicht als Aufnahmen hingestellt, sondern 
für den Theil der Untersuchung, der von Ein¬ 
räumung des Subjects zu handeln hat, als Ausgangs¬ 
punkt gewählt werden sollen, da sie den Sachverhalt, 
auf den es ankommt, am reinsten aufweisen. — Zu 
Vrai Aniel 51 A cui qu’on le fesist touchier Tous 
maus li faisoit adouchier bemerkt J. p. 12: A cui 
que ist Subject im Dativ zu dem von faire ab- 
häugigen Infinitiv mit dem Sachobject le (!), zu Et 
faites Richart pandre ä cui que vos voles (Ren. d. 
Mont. 268, 26) p. 13: die Attraction an den 
Hauptsatz hat bewirkt, dass für den zu erwartenden, 
von voloir abhängigen Accusativ der Dativ einge¬ 
treten ist (!). 

Was p. 49 f. über die Function von tant in 
„unabhängigen Einräumungssätzen 0 bemerkt wird, 
ist ungenau. Weder dient es Alesch. 5251 Nel 
poroit nus dire tant soit letrez zur Hervorhebung 
eines Adjectivums, noch steht es ebd. 1780 N*i aura 


cd tant ait le euer osi attributiv bei einem Sub¬ 
stantiv. Vielmehr gehört es in beiden Fällen zum 
Verbum als Quantitätsbestimmung: „in so hohem 
Masse sei er ein Gelehrter, habe er das Herz als 
ein kühnes“. — p. 62 wird zu Fällen wie Que Vuns 
ne fauroit Vautre por les menbres trander (Aiol 4633) 
gesagt, man habe als Subj. des Inf. ein unbestimmtes 
„man 0 zu ergänzen oder man könne die Erklärung des 
Verhältnisses umschreiben, wenn man dem aktiven 
Inf. passive Bedeutung beilege. Der Verf. hätte gut 
gethan, weder an Ergänzungen noch an Umschrei¬ 
bungen zu denken, sondern einfach hinzunehmen, was 
ihm die Sprache gab, die vertraute, dass der Hörer 
sich bei den Worten: „um des Abschneidens der 
Gliedmassen willen 0 nach dem Zusammenhänge selbst 
sagen würde, um wessen Gliedmassen es sich handle, 
und dass demgemäss als Trägerin der durch den Inf. 
ausgedrückten Handlung eine mit dem Subject des 
verb. fin. nicht identische Person anzunehmen sei, 
welche — liegt uns nicht ob zu fragen. 

Trotz dieser und mancher ferneren Ausstellungen, 
zu denen die vorliegende Untersuchung Anlass gibt, 
dürfen w ir dem Verf. die Anerkennung, dass er einen 
mit Fleiss und Verständniss gearbeiteten beachtens- 
werthen Beitrag zur Syntax des Französischen 
geliefert habe, nicht versagen, wollen jedoch schliess¬ 
lich auch nicht unterlassen darauf hinzuweisen, 
dass uns nicht Alles, was er vorträgt, sein un¬ 
bestreitbares Eigenthum zu sein scheint. Der 
Abschnitt über Entwicklung des altfranz. que que 
zum nfrz. quoique (p. 20) und besonders der 
über afrz. quels que als Grundlage des nfrz. 
quelque zeigen eine überraschende Aehnlichkeit 
mit den bezüglichen Stellen, an denen Tobler in 
seinen Vorlesungen über historische Syntax des 
Französischen auf jene Erscheinungen zu sprechen 
kommt. Die Uebereinstimmung erstreckt sich zu¬ 
weilen bis auf die Beispiele, was namentlich p. 27 
auffällt, wo von fünf Belegen für eine gar nicht 
selten zu machende Betrachtung zwei (Jourd. 2230. 
Troie 4432) von Tobler citirt worden sind. Hoffen 
wir, dass unser verehrter Lehrer dadurch sich nicht 
abhalten lassen wird, selbst einmal seine Ansicht 
über jene beiden recht interessanten Punkte öffent¬ 
lich auszusprechen, denn als Wiedergabe seiner 
Darstellung möchte ich doch trotz der grossen 
Aehnlichkeit in einzelnen entscheidenden Stellen 
die Johannsensche keinesfalls gelten lassen 1 . 

Berlin, 10. Nov. 1885. Alfred Schulze. 


1 Dass Herr Karl Meyer sich nicht scheut, in seiner Arbeit 
„die provenzalische Gestaltung der mit dem Perfectstamm gebil¬ 
deten Tempora des Lateinischen* (Aasgaben u. Abhandlungen 
aus dem Geb. der roman. Phil. AH) auf 8. 63 eine Inter¬ 
pretation von Boethius 199 (statt li drap que la domna vestit 
ist li drap que la domn’a vestü sa lesen), die Tobler seit 
langen Jahren in seinen Vorlesungen „Erklärung prov. Sprach- 
proben“ vorträgt, aber bisher nicht veröffentlicht hat, nebst 
wörtlich übereinstimmender Begründung derselben abzusohrei- 
ben und als die seine hinsustellen ; zeige bei dieser Gelegen¬ 
heit, wie weit man den Weg des literarischen Anstandes ver¬ 
lassen zu dürfen glaubt. 


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1886. Litoroturblatt für germanische und romanisoho Philologie. Kr. 5. 


184 


Mangold, W., and D. Coste, Lese- and 
Lehrbach der französischen Sprache für die 
untere Stufe höherer Lehranstalten. Berlin, Julius 
Springer. 1886. 218 S. M. 1,40. 

„Nicht wenige der Medizin Studirenden sind 
trotz zehnjähriger Vorbereitung auf gelehrten Schulen 
unfähig, einfache sinnliche Erscheinungen schnell 
und genau aufzufassen, das Beobachtete sprachlich 
richtig wiederzugeben und mit der nöthigen Sicher¬ 
heit und Gewandtheit Urtheile und Schlüsse zu 
bilden. ... Die Gelehrsamkeit bat den Sieg über 
die natürliche Vernunft, über die geistige Frische 
davongetragen. ... Die schwachem Köpfe laufen 
Gefahr eher stumpf und verwirrt zu werden.“ So 
klagt das von wissenschaftlichen Autoritäten ersten 
Ranges abgegebene ärztliche Gutachten über das 
höhere Schulwesen Eisass*Lothringens und findet 
damit einen immer mächtiger anschwellenden Wider¬ 
hall; z. B. auch das sonst so zahme Gutachten der 
preusdischen Medizinaldeputation constatirt „einen 
leider nur zu häufig hervortretenden Mangel an 
Unabhängigkeit im Denken und Urtheilen.* Wem 
es genügt, dass ein Missbrauch seit Jahrzehnten 
herrscht, um denselben als etwas „Altbewährtes“ 
zu bezeichnen, der verwahrt sich mit einem Schwall 
ebenfalls „altbewährter“ Redensarten gegen die 
Zumuthung, die Thatsachen zu nehmen wie sie sind 
und auf Abhilfe bedacht zu sein; so hat noch 
neulich ein Philologe behauptet, die jetzt übliche 
Methode des Sprachunterrichtes, welchem bekannt¬ 
lich auf unsern höhern Schulen der Löwcnantheil 
der Stundenzahl zufällt, sei die denkbar beste und 
könne nicht weiter vervollkommnet werden. Wird 
eine solche Anschauung allgemein getheilt von den 
klassischen Philologen, welche heute das höhere 
Schulwesen fast ebenso ausschliesslich beherrschen 
und leiten wie ehemals die Theologen, so ist die 
beste Aussicht vorhanden, dass der gewaltsam ge¬ 
steigerte Sturm des Unwillens die letzten schwachen 
Ueberreste, welche sich von dem frühem huma¬ 
nistischen Gymnasium in das heutige hinüberge¬ 
rettet, um so bälder spurlos hinwegblase, und zwar, 
wie ich sehr fürchte, nicht zum Heile des Idealis¬ 
mus, dessen ewigjugendliche Grundlage immer 
hellenisches Heldenthum, hellenische Poesie und 
hellenische Kunst bleiben wird. Freilich fehlt es 
nicht an unruhigen Köpfen, welche auf den Umsturz 
alles Bestehenden sinnen; so hat die neusprachliche 
Section der Philologenversammlung zu Dessau 1884 
einstimmig folgende These angenommen und 
damit rücksichtslos den Stab gebrochen über die 
jetzt herrschenden und von den Schulbehörden vor¬ 
geschriebenen oder genehmigten sprachlichen Lehr¬ 
mittel: „Im französischen wie im englischen Anfangs¬ 
unterricht ist der Lesestoff zum Ausgangs- und 
Mittelpunkt zu machen und die Grammatik zunächst 
immer inductiv zu treiben.“ Das heisst also an 
Stelle der todten Wörter sollen lebendige Vorstel¬ 
lungen, an Stelle der leeren abgerissenen Sätze ein 
gehaltvolles Ganzes treten; die Gewohnheit, täglich 
Hunderte von Phrasen in den Mund zu nehmen, 
ohne dass deren Inhalt, so weit von einem solchen 
überhaupt die Rede sein kann, auch nur der ge¬ 
ringsten Beachtung gewürdigt wird, muss in be¬ 


denklicher Weise die Gedankenlosigkeit begünstigen, 
die später in den obern Klassen, beim Abiturienten¬ 
examen, auf der Hochschule, im öffentlichen Leben 
wie in der wissenschaftlichen Literatur oft er¬ 
schreckend hervortritt. 

Jener neuen, im Grunde uralten Richtung soll 
vorliegendes, prächtig ausgestattetes und äusserst 
correct gedrucktes Buch dienen. In Bezug sowohl 
auf Inhalt wie auf Sprache bieten die 84 Seiten 
Lesestoff Treffliches. Gegen die ersten Stücke habe 
ich allerdings Bedenken. Wer an den planlos zu¬ 
sammengestoppelten Vokabeln unserer herkömmlichen 
französischen Elementarbücher keinen Anstoss nahm, 
kann freilich auch gegen die Reihenfolge der hier 
geforderten nichts ein wenden; aber die sprachpbysio- 
logische Methodik verlangt ein Fortschreiten vom 
Leichtern zum Schwerem, also für den ersten An¬ 
fang Beschränkung auf Laute, welche dem Deutschen 
annähernd geläufig sind. 

Hingegen unberechtigt ist der Anstoss welchen 
manche daran nehmen werden, dass gleich die erste 
Seite die Formen vous faltes, tu dors , tu vas u. A. 
bringt. Es gehört zu den „altbewährten 4 * Axiomen, 
dass die Anfänger sich nie mit einer Form be¬ 
gnügen wollen, sondern eine namenlose Sehnsucht 
hätten, auch die übrigen zugehörigen als „Ganzes“ 
vorgeführt zu bekommen. Aber ich habe niemals 
eine Spur einer solchen Sehnsucht bemerkt Sogar 
der Primaner glaubt bei der Homerpräparation ge¬ 
wöhnlich genug gethan zu haben, wenn er die auf- 
stossenden Formen richtig erkannt hat, und kümmert 
sich nicht im geringsten darum, wie die übrigen 
Formen der betreffenden Wörter lauten. Das Kind, 
das main, empereur, vous faites gelernt hat, ist 
damit ganz zufrieden und empfindet nicht das min¬ 
deste Bedürfnis, nun auch von manier, manifore, 
tnanuel, mpirial, impiratrice, empire, faire, font, fai - 
sons, fis, fait u. s. w. zu hören. Man darf nicht bei 
ihm etwas voraussetzen, das erst die Frucht langer 
Gewöhnung sein kann. Ein Ganzes muss ihm ge¬ 
boten werden, das wollen wir ja eben; aber zu 
einem solchen fügen sich ihm die Wörter im Rahmen 
der vorgtetragenen Erzählung zusammen, nicht auf 
Grund einer ihm wildfremden grammatischen Scha¬ 
blone. Genau ebenso wie es sich für die Begriffe 
Mutter, Vater, Buch u. s. w. die Wörter mfore, pire, 
livre einprägt, ohne dabei die Stütze irgend einer 
Regel zu haben, ebenso merkt es sich für die Be¬ 
griffe gestorben, er wird sehn die Ausdrücke mort, 
il verra u. 8. w. Ferner ist das Zurückgehn auf 
eine mehr oder minder willkürlich gewählte Grund¬ 
form nur dann nützlich, wenn dadurch eine Erleich¬ 
terung erzielt wird; bei unregelmässigen Formen 
wirkt es im Gegentbeil störend und verwirrend; 
wird nach Durchnahme der „regelmässigen“ Con- 
jugation mori zugleich mit mourir und verra mit 
voir vorgeführt, so verlockt dies, wie ich beobachtet 
habe, sogar Kinder mit französischer Muttersprache 
zu den beliebten Fehlern mouru, voira, welche voll¬ 
kommen unmöglich sind, so lange man ein „Ganzes“ 
nicht am verkehrten Orte sucht. 

Die Grammatik (88 Seiten) beschränkt sich auf 
das Nöthigste; noch mehr Einfachheit könnte erzielt 
werden, wenn man sich von der willkürlichen Scha¬ 
blone und herkömmlichen Unordnung frei machen 


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1886. Literatarblatt für germanisohe and romanische Philologie« Nr« 5. 


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wollte, welche die Anhänger der berüchtigten 
„Geistesgymnastik“ und „formalen Bildung“ für 
„wissenschaftliche Systematik“ auszugeben belieben. 

Laute und Buchstaben (S. 85 ff.) müssen weit 
schärfer geschieden werden; dies consequent zu 
thun scheint allerdings für die meisten Sprach- 
gelehrten ein Ding der reinen Unmöglichkeit zu 
sein; so enthält z. B. die durch sorgfältige Samm¬ 
lung des Stoffes und gewissenhafte Beobachtung 
des Sprachgebrauches ausgezeichnete Grammatik 
von Plattner in ihren 30 ersten §§ ein wüstes Durch¬ 
einander von Phonetik und Orthographie. Es wird 
nicht besser werden bis der Anfänger nie von a, 
s, f u. s. w. schlechtweg sprechen darf, sondern nur 
entweder von A-Zeichen, S-Zeichen, F-Zeichen u. 8. w. 
oder von a-Laut, /'-Laut, s-Laut, /-Laut u. s. w.; 
d. h. meint man Buchstaben, so nenne man sie bei 
ihrem hergebrachten Namen unter steter Beifügung 
von „Zeichen“; meint man hingegen Laute, so bringe 
man diese Laute für sich allein hervor unter steter 
Beifügung von „Laut“. Dies mag im Anfang recht 
lästig fallen, ist aber unerlässlich, wenn es ein Ende 
nehmen soll mit der heillosen Verwirrung, welche 
jede gründliche Besserung der Volksorthographien 
unmöglich macht. 

Warum nicht die verwickelten Bildungsregeln 
der Verba auf S. 99 lieber im Anschluss an den 
lateinischen Elementarunterricht (nach des hoch¬ 
verdienten Perthes Vorgang) durch die Aufstellung 
von Präsens-, Perfect- und Substantivstamm er¬ 
setzen, von welchen der erstere in einen starken 
und in einen schwachen zerfallt? Es braucht weiter 
nichts als in den herkömmlichen Stammformen z. B. 
VIEN(N)s, VENons, VINs, VENU Stamm und 
Endung scharf auseinander halten zu lassen. Lange 
Reden über die wissenschaftliche Berechtigung und 
die praktische Brauchbarkeit dieses Verfahrens sind 
überflüssig, weil der Schüler dasselbe so wie so 
anwenden muss, und es sich bloss darum handelt 
ihn anzuleiten mit Bewusstsein zu thun, was er 
sonst unsicher und unbewusst thut. Wenn er nach 
dem Muster von donner ein Verb conjugiren soll, 
so muss er e, es, e, uns u. s. w. nicht etwa ne, nes, 
ne, nons u. 8. w. für die Endungen halten, sonst 
bildet er die Formen je crine, tu crines u. s. w. 
statt je crie, tu cries u. s. vv.; wenn er in allier, 
crier nicht ALLI-, CRjfc- deutlich als Stamm empfin¬ 
det, so verirrt er sich zu j’alle, tu alles u. s. vv. 
und trifft gewiss nous alliions, crei nicht richtig. 

Den dritten Theil des Buches bilden deutsch- 
französische Uebungsstücke; ohne solche kann sich 
dio Mehrzahl zur Zeit keinen französischen Unter¬ 
richt denken; man muss froh sein, wenn dieselben 
sich aufs engste an den Lesestoff anschliessen; es 
thut aber äusserste Beschränkung hier Noth. Der 
Schüler soll durch französisch Lesen und franzö¬ 
sische Besprechung und Verarbeitung des Gelesenen 
* möglichst schnell dazu gebracht werden, in der 
fremden Sprache zu denken und dies möglichst viel 
thun; da muss man ihn aufs entschiedenste davon 
abhalten vom Deutschen auszugehn, statt ihn fort 
und fort dazu zu zwingen; die Folge des verkehrten 
Verfahrens ist an Stelle einer sichern Beherrschung 
der Sprache ein gedankenloses, mühsames, mosaik¬ 
artiges Aneinanderreihen von Vokabeln, über das 


man sich mit dem erhebenden Bewusstsein der 
„Geistesgymnastik“ zu trösten pflegt. 

Indem ich hier eine Reine von Einzelheiten 
übergehe, auf welche ich die Verfasser privatim 
aufmerksam gemacht, schliesse ich mit dem Wunsche, 
ihr Buch möge an seinem Theil dazu beitragen, 
dass unsere Gymnasiasten etwas mehr denken und 
etwas mehr französisch lernen. 

Saargemünd. J. F. Kräuter. 


Mahn, A., Grammatik und Wörterbuch der 
altprovenzalischen Sprache. Erste Abthei- 
. lung: Lautlehre und Wortbiegungslehre. Köthen, 
P. Schietter. 1885. VIII, 315 S. 8. M. 6. 

Vor einiger Zeit trat ich von der für die Samm¬ 
lung romanischer Grammatiken übernommenen Be¬ 
arbeitung der provenzalischen Grammatik zurück, 
besonders weil ich bei den mancherlei Verpflich¬ 
tungen, welchen ein Universitätslehrer heute gerecht 
werden muss, der Schwierigkeiten dieser Aufgabe 
in der gewünschten kurzen Frist nicht Herr werden 
zu können glaubte. Diese Schwierigkeiten bestehen 
in den hohen Anforderungen, welche man bei dem 
dermaligen Stand grammatischer Forschung an ein 
derartiges wissenschaftliches Unternehmen zu stellen 
berechtigt ist. Eine lediglich descriptive Grammatik, 
wie fleissig auch immer das Material dazu gesam¬ 
melt, wie sorgfältig es auch immer darin gruppirt 
sein möchte, wird diese Anforderungen nicht zu 
befriedigen vermögen. Was wir ausserdem ver¬ 
langen ist 1) eine sorgfältige kritische Sichtung des 
Sprach materials, welche oft genug zu weit aus¬ 
holenden Voruntersuchungen nöthigen muss, 2) eine 
eindringende genetische Erklärung der Spracher- 
scheinungen, indem der äussere und innere Zusammen¬ 
hang der einzelnen Erscheinung mit den ihr nächst 
verwandten aufgedeckt und damit das Verständniss 
für den gesammten Sprachbau ermöglicht wird. Nur 
theilweise und nach und nach werden diese For¬ 
derungen zu erfüllen sein, aber sie müssen dem 
Verfasser als Ziel vorschweben, dem möglichst nahe 
zu kommen er alle uns zu Gebote stehenden Hilfs¬ 
mittel auszunutzen hat. 

Solcher Hilfsmittel sind für den Bearbeiter einer 
provenzalischen Grammatik viele und grossentheils 
noch gar nicht oder doch nicht hinreichend ver¬ 
wertete vorhanden, auch hat sich die Zahl der 
ihm zu Gute kommenden Vorarbeiten gerade in 
letzter Zeit beträchtlich gemehrt. 

Da nun der Verfasser oben angeführter prov. 
Grammatik seit 40 Jahren auf provenzal. Gebiete 
thätig ist und besonders wegen seiner etymologischen 
Forschungen unter den älteren Romanisten ein ver¬ 
dientes Ansehen geniesst, so liess sich von ihm, 
wenn auch nicht eine abschliessende, so doch 
wenigstens eine das bisher Festgostellte zusammen¬ 
fassende und in mehr als einem Punkte fordernde 
Leistung erwarten. Leider erfüllt die die erste 
Abtheilung bildende Lautlehre und Wortbiegungs¬ 
lehre auch keine noch so mässige Erwartung. Mahns 
Grammatik könnte statt 1885 fast ebenso gut 1855 
erschienen sein. Methodisch zeigt sie 
Büchern, die damals erschienen, keinen 

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14 


gegenüber 

Fortschritt. 



187 


1886. Literatarblatt für germanisohe und romanische Philologie. Kr. 5. 


188 


Die Benutzung der neueren Literatur beschränkt 
sich fast nur auf die eigenen Publikationen des 
Verfassers. Der Donat wird noch nach Guessards, 
der Albigenserkrieg nach Fauriels Ausgabe citirt. 
Nicht einmal die grammatischen Untersuchungen 
P. Meyers und C. Chabaneaus sind verwerthet. 
Wie wenig der Verf. das wichtigste Hilfsmittel für 
Feststellung altprovenzalischer Sprache, den Reim, 
zu beurtheilen vermag, lehrt z. B. S. 9 § 24: „Die 
beiden im Französischen und Italiänischen vorkom¬ 
menden Arten des e, das offene und geschlossene, 
lassen sich im Altprov. nicht nachweisen, da im 
Reim kein Unterschied stattfindet. tt Wie hier, so 
trägt das Buch durchaus veraltete Lehren vor. Auch, 
die controlirbare Materialsammlung ist wenig um¬ 
fangreich und nirgend kritisch gesichtet. Das Buch 
kann danach nur als ein durchaus verfehltes be¬ 
zeichnet werden, höchstens vor der 1880 erschiene¬ 
nen „Grammatica della lingua provenzale“ von 
Demattio darf es den Vorzug beanspruchen. 

Marburg. E. Stengel. 


Bencini, Mariano, II vero Giovan Battista 
Fagiuoli e il Teatro in Toscano a suoi tempi. 

Studio biografico-critico. Fratelli Bocca s. a. XII, 
292 S. 8. 

Von der Mitte des 17. Jahrhunderts an bis zum 
Auftreten Goldonis erlebte das italienische Lustspiel 
eine Zeit traurigen Verfalls. Uebersetzungen spa¬ 
nischer oder französischer Stücke oder werthlose 
Nachahmungen aus beiden Literaturen mussten die 
Lust an theatralischen Vergnügungen befriedigen, 
insoweit dies nicht durch das übermächtige musi¬ 
kalische Drama geschah. Zu den wenigen Dichtern 
jener Tage, welche noch eine Erwähnung verdienen, 
gehört der in dem vorliegenden Werke behandelte 
Florentiner Fagiuoli. Seine in 7 Bänden erschie¬ 
nenen Stücke fanden zu ihrer Zeit grossen Beifall. 
Ueber ihren Werth sind freilich die Ansichten der 
Kritiker sehr verschieden. W T ährend z. B. Napoli- 
Signorelli nur Worte des Lobes dafür findet, ergeht 
sich Baretti, dem sich Klein anzuschliessen scheint,' 
in den stärksten Ausdrücken des Tadels. Bencini 
beweist sowohl durch die Wahl als den Umfang 
seiner Arbeit, in welchem Sinne er den Dichter 
beurthcilt. Er hat sich in seine Werke vertieft, 
ihn mit seinen Zeitgenossen verglichen und gefunden, 
dass er es verdient aus der Vergessenheit gezogen 
zu werden. 

Im ersten Theil seiner Arbeit schildert er uns 
in anziehender Weise das Lehen F.’s, gibt manche 
neue Aufschlüsse und beseitigt viele irrige Ansichten 
über ihn. In einem Anhänge folgen eine Reihe von 
Briefen hervorragender Männer an den Dichter. 

Im zweiten Theile, dem kritischen, charakteri- 
sirt er, ausgehend von dem Zustand des Dramas 
und der Theater Verhältnisse in Toscana um die 
Mitte des 17. Jahrhunderts, das Wirken Fagiuolis 
als Dramatiker, erkennt' in ihm einen Reformator, 
einen Vorläufer Goldonis und bespricht eingehend 
die Sujets, Intriguen, die Form und die Charaktere 
seiner Komödien etc. 

Die Arbeit ist recht lesenewerth. Man wird 


sie nicht ohne vielfache Belehrung und Anregung 
ans der Hand legen. In einem Punkte jedoch hat 
sie mich unbefriedigt gelassen: der Verfasser hat 
es unterlassen, Analysen von den ganz vergessenen 
und selten gewordenen Stücken des Dichters zu 
geben und hat sich begnügt, gelegentliche kurze 
Andeutungen über den Inhalt des einen oder anderen 
Lustspiels zu machen. Hierdurch empfangt der 
Leser kein klares Bild von dem Schaffen des Dich¬ 
ters und kommt nicht in die Lage selbst zu prüfen, 
inwiefern jener Nachahmer oder Neuerer ist Mich 
will es sowohl nach den Proben, die Bencini gibt, 
als nach einzelnen Stücken, die ich selbst gelesen 
habe, bedünken, als ob Fagiuoli einen weitgehenden 
Gebrauch von spanischen und französischen Quellen 
gemacht habe, einen viel grösseren als B. zugesteht, 
so dass die Originalität des Dichters um einige 
Stufen herabzusetzen ist. 

Nürnberg, Dec. 1885. A. L. Stiefel. 


Unterforcher, A., Romanische Namenreste 
ans dem Pnsterthale« Programm des Leit- 
meritzer Gymnasiums vom Jahre 1885. 

Es ist ein schöner Gruss, den Herr Unterforcher 
seinen Landsleuten durch seine Untersuchung über 
„Romanische Namenreste aus dem Pusterthale“ aus 
der Ferne übersendet; der Verfasser der kleinen, 
aber anziehenden Abhandlung hat durch die schwie¬ 
rige Arbeit nicht nur den Dank seiner Landsleute, 
sondern auch insbesondere den der Romanisten ver¬ 
dient. — In einem kurzen „Rückblick in die älteste 
G'eschichte des Thaies“ stellt der Verf. die ver¬ 
schiedenen Ansichten über die Epoche der Römer¬ 
herrschaft, über die Wechselfälle des Pusterthaies 
während der sturmreichen Periode der Völker¬ 
wanderung zusammen und weiss mit Scharfsinn und 
richtigem Takte das Richtige und Wahre von dem 
Falschen oder Zweifelhaften und dem Unechten 
auszuscheiden. In gedrängter, aber recht lehrreich 
gehaltener Kürze bespricht dann der Verf. in all¬ 
gemeiner Weise rätische und keltische, romanische, 
slavische und deutsche Namen, wobei er manche 
lobenswerthe Ansicht über etymologische Ableitung 
aufstellt. Bei der Besprechung der Ableitungs¬ 
suffixe wäre ein Wort über die Bedeutung derselben 
am Platze gewesen; auch die Quantität des be¬ 
tonten Suffixvokals hätte angedeutet werden sollen; 
speciell hätte es Unterforcher auffallen sollen, dass 
Suffix ~üe und -etto in Kobreil ( caprile ), Graweil 
( graveUd), Labaseyl (l’avasella) dasselbe Resultat 
geben, dass coUina ein Gallein, aber eavino ein 
Gofin, cortina ein Gurthine ergibt; warum sind ferner 
Pladeit, Kortleitner, Viüdreit, Massereit, Parleü, 
Margreit, Pitscheleit auf Suffix • etto (auf keinen Fall 
auf - etta ) zurückzuführen, während Kaneider, Maleit, 
Paneid, Tolpeit mit Suffix -eto in Verbindung ge¬ 
bracht werden? Ein Vergleich mit den Lokalnamen 
im Ladinischen hätte den Verfasser, der die Arbeiten 
des Referenten über ladinische Forschungen doch 
fleissig benutzt hat, auf die richtige Fährte bringen 
sollen. In dem Satze unter Suffix - ino: „Häufig 
zeigt sich auch die nasalirte Form igno, igna u , ver¬ 
misst man Genauigkeit des Ausdruckes, denn Gum- 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


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Ung, Gstinig, Pertinger, Staffinger setzen kein -igno, 
sondern ein -fno voraus; bei dem doppelten Resul¬ 
tat« -on und -un des Suffixes - one wäre ein Hinweis 
auf ladinische Analogie wünschenswerth gewesen; 
dass ferner Suffix - ura in unterschiedsloser Weise: 
•urre, -oire, -ayr, -örl, -uar, - ur, -eir ergehen habe, 
glaubt U. hoffentlich wohl selbst nicht. Das Wort 
„ yPundretsch u hat mit Suffix -accio nichts zu thun 
und ist datier auch ?>. 11 unter ä zu streichen, 
ebenso wie „Kompätsch“ . Dem deutschen - atz und 
•atsch liegen aus natürlichen Gründen verschiedene 
Suffixe zu Grunde; das 8 ( z ) in Monsett \Münzd) 
ist keine Erweichung, sondern das Resultat von t 
4 - c. Die Verschmelzung von n Vergein u ans val 
(de) cuna, von „ Frondeigen u aus frana (de) eqa K 
von „(Golldarunse u aus col de runca, von „Gungairl ü 
aus campo (de) gaura, von „ Prettau a aus pra dfaua 
sind sinnreich, aber aus lautlichen Gründen gewagt 
und unwahrscheinlich. „Kowplaner u und „ Schanplon u 
haben nicht dasselbe Etymon des Bestimmungs¬ 
wortes. Der Ladiner kennt kein fusc, wie U. meint, 
wohl aber ein lautlich einzig mögliches fosc mit 
geschlossenem o. Eine Verschmelzung des Artikels 
mit dem Substantiv (p. 111 ist in Labaseyl und 
Labitsch möglich, aber in Laflöck und Levant mor¬ 
phologisch unmöglich; hiemit soll nicht gesagt sein, 
dass sich R. mit den etymologischen Ableitungen 
von Labaseyl und Labitsch aus VabaseUa und Vaviccia 
(= ava + Suffix) einverstanden erklärt. — Be¬ 
züglich des Lautbestandes vermisst man bei den 
kurzen Vokalen die Lautvorgänge in offener Silbe, 
denn die Beispiele, welche gelegentlich der Be¬ 
sprechung der kurzen Vokale angeführt werden, 
passen sämmtlich nur für Vokale in gedeckter 
Positionssilbe; aber auch bei den Positionsvokalen 
wäre eine genaue Unterscheidung zwischen natur¬ 
langen und naturkurzen Vokalen erwünscht gewesen; 
überhaupt bildet gerade die Lautlehre, die für den 
Romanisten am meisten in Betracht kommt, den 
schwächsten Theil der Arbeit; U. hätte daher gut 
gethan, aus den kostbaren Schätzen Ascoli’s mit 
etwas volleren Händen zu schöpfen; auch hat der 
Verfasser gewiss Unrecht gehabt, den Consonantis- 
mus, der doch des Merkwürdigen und Eigenthüm- 
lichen so viel bietet, so zu sagen ganz zu über¬ 
gehen. — Den grössten Theil der Arbeit bildet die 
Aufzählung der Lokalnamen sowie der Versuch, die 
einzelnen Etyma zu ergründen; dass es dem Verf. 
hiebei sehr häufig nicht gelungen sei, die richtige 
und wahrscheinliche Deutung zu geben, darüber 
wird sich niemand wundern, der sich jemals mit 
ähnlichen Arbeiten beschäftigt hat; auch ist es 
nicht des Ref. Absicht, die Vorzüge und Mängel 
hervorzukehren, welche dieser Theil der Abhandlung 
enthält; nur auf einige Einzelheiten und Kleinig¬ 
keiten aufmerksam zu machen sei gestattet Wenn 
hei etymologischer Ableitung die Lautlehre in Be¬ 
tracht kommt (und nach der Ansicht des Ref. steht 
dies ausser Zweifel), so kann lat. novo nicht ein 
Mal ney und das andere Mal not geben, wie nach 
der Deutung des Verf.’s dies bei Blatzeney und 
Buknoi der Fall sein soll; wie ist es ferner möglich, 
dass in VcUmassay, Wolay, Grumau, Gstoü, Labaires, 
Labaseyl, Latschune, Laseide, Pitzdey, Ponai, Possi- 
doier, Rubisoi, Scharidai, Tschumpawitz, Ufinot trotz 


der lautlichen Verschiedenheiten das Wort ava 
(= aqua'), sei es als Grundwort, sei es als selb¬ 
ständiges Wort, zu suchen sei? Es unterliegt keinem 
Zweifel, dass auslautendes -ai, - ay, -ey auf Suffix 
•dum zurückqrehen; ebenso sind - oier, •oi blosse 
Suffixe; in Grumau (wie in Prettau) liegt wahr¬ 
scheinlich das deutsche An(e) zu Grunde; über¬ 
haupt scheint U. dem Worte ava (aua) ein vie 1 zu 
weites Gebiet eingeräumt zu haben; es ist jedenfalls 
auffallend, dass in den ostladinischen ans Puster- 
thal angrenzenden Gebieten sich die Form ava (aua) 
nicht findet, während sie sich iro germanisirten 
Pusterthale erhalten haben sollte; etwas anders ver¬ 
hielte es sich, wenn man in den ampezzanischen 
Lokalnamen: Au, Averau, Chanderau, Nuvolau, Sarau 
das lat. aqua erblicken dürfte, was jedoch aus guten 
Gründen zweifelhaft ist; auch bei KoUreid, Villdreit 
liegt Suffix •Hum zu Grunde, und verbieten laut¬ 
liche Gründe an lat. ruptum zu denken: wie kann 
weiter praepositio supra einmal sura ergeben wie in 
Eglasura, dann: sar wie in Valzar, später wiederum: 
saire wie in Varesaire? Bei Namen auf -u wie 
Fallatschu und ähnlichen ging nicht der Endlaut 
oder besser Endconsonant verloren, sondern es liegt 
Suffix -ütum zu Grunde, wie im lad. Frontä. Bei 
Bretteroies liegt es nahe an lat. arrogium — lad. 
roia, lomb. rogia zu denken; Brugnoller ist das 
lad. brdgn (vgj. Beiträge zur Ethnologie von Ost- 
ladinien); Kematen hängt mit ital. cammino zu¬ 
sammen, wozu Diez I, 104, und schwerlich mit ahd. 
chemindta ; pluralia wie *campes als Basis für Kompes 
und ähnliche anzunehmen, scheint mir etwas gewagt 
zu sein; bezüglich des Wortes Contrin, welches U. 
wohl mit Unrecht und mit Verletzung der Laut¬ 
lehre auf aanda — qandarone zurückführen will, sei 
erwähnt, dass alle Lokalnamen dieser Art im Ladi- 
niöchen das gemeinsam haben, dass hiemit ein steiler, 
von der Ebene abstechender, in der Regel dem 
Sonnenaufgang zugekehrter Ort bezeichnet wird; 
man wird demnach wohl nur an ein contra — *con- 
trinum denken können; der Ausgang -ia von Wal- 
deria dürfte schwerlich auf rio zurtickgehen; es ist 
entweder blosses Suffix wie im fassanischen Penia 
(*pinica). oder es liegt lat. ripa zu Grunde, wie im 
grödn. Sautaria , Sutria : „Valzar * dürfte das ampez. 
Fauzargo (lad. Falzares ) sein und daher auf *fauce - 
aricum zurückgehen; n Furl ü hängt mit lat. furnus 
zusammen, wie das Ladinische beweist; bei n Madaü u 
denke ich an meta — *metale, wovon grödn. medil = 
Alpenhütte; n Prags u heisst lad. Braies, bat daher 
bracas zum Etymon; n Rastatt“ ist das lad. Besldda 
= *rivicellata ; wenn es wahr wäre, dass lat. runca: 
Rantsch, Ranz, Ronz , Rentsche , Rinsen, Rünse , Rungg, 
Razen, Rezen zum Resultat haben kann, so könnte 
der Schluss gezogen werden, dass lat. tf im Hoch¬ 
tone (und warum dann auch nicht jeder andere 
Vokal?) im Pusterthale alle anderen Vokale ent¬ 
wickeln könnte; bezüglich des Wortes „Ratschötz u 
vgl. Beiträge etc. unter Resciesa; n Regutsch a setzt 
ein lat. recutere — recussum — *recussium voraus; in 
n Rutschewad Q sehe ich in -(ew)ad lat. Suffix - atum ; 
wie kommt eg, dass gutturales c ein Mal sch er¬ 
gibt wie in Schangorf, Schanplon, ein anderes Mal 
tsch wie in Tschoner und endlich z wie in Zindrdl, 
Zoller ? Nur andere Etyma können hier massgebend 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


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sein; dieselbe Bemerkung gilt für Suth, Tschurer, 
Tsehntty Zarre, Zettin. — Da die Anordnung der 
Lokalnamen alphabetisch sein soll, so sollten einer¬ 
seits C und ff, anderseits F, V und W nicht unter 
eine Rubrik gebracht werden. — Lad. furcha wird 
nicht wie U. p. 17 meint, furtseha ausgesprochen; 
der Deutsche hat keinen dem lad. ch gleichen Laut, 
daher kann man denselben auch nicht deutsch aus- 
. drücken; p. 19 glossirt der Verf. lat. iugutn im 
Lad. mi tjiuj, p. 24 aber mit giuf; beides ist falsch; 
die richtigen Formen lauten jü in Enneberg, jeuf 
in Groden, joti in Livinallongo, jouf in Fassa, und 
zuo in Ampezzo. — Diese kurzen Bemerkungen, 
die allerdings noch hätten erweitert werden können, 
sollen dem Werke Unterforcher’s einen reellen Werth 
nicht absprechen; die Arbeit gehört zu dem Besten, 
was Programme gewöhnlich zu bringen pflegen; 
Unterforcher hat nicht einfach copirt und collatio- 
nirt, er hat creirt, und dafür sind wir ihm dankbar; 
Unterforcher’s Arbeit gehört zu jenen Abhandlungen, 
welche grossen Fleiss, viele Mühe und bedeutende 
Vorkenntnisse erfordern, aber in der Regel wenig 
Anerkennung finden. 

Wien. Joh. Alton. 


Sievers, Eduard, Grundztige der Phonetik 
zur Einführung in das Studium der Lautlehre 
der indogermanischen Sprachen. Dritte verbesserte 
Auflage. Leipzig. Breitkopf & Härtel. 1885. XVI, 
255 S. 8. (Bibliothek indogerman. Grammatiken 
I. Band.) 

Schon die erste Auflage (Grundzüge der Laut¬ 
physiologie, 1876) hatte sich durch die verständige 
Anordnung, die klare Darstellung und durch die 
zahlreichen und scharfen Beobachtungen einen grossen 
Leserkreis und ein hohes Ansehen erworben. Die 
zweite Auflage (1881) war um viele eigene und 
fremde Beobachtungen bereichert und in manchen 
Stücken verbessert; die gänzlich umgearbeitete 
Lehre von den Vokalen konnte nicht allgemeine 
Billigung finden. Die vorliegende dritte Auflage ist 
wieder um mehr als zwei Bogen angewachsen und 
in allen Theilen auf das sorgfältigste durchgesehen. 
Die Veränderungen und Zusätze betreffen oft nur 
einzelne Wörter oder Ausdrücke (wie „tönend“, 
„tonlos“, wofür nun besser „stimmhaft“, „stimmlos“ 
gesetzt ist); die umfangreichsten sind folgende: 
S. IX—XI eine Beleuchtung der bekannten „Streit¬ 
schrift“ (s. Ltbl. 1884, Sp. 485), 32—36 Unter¬ 
scheidung zwischen Sprachlaut und Sprachelement 
(letzterer, der höhere Begriff, sei mehr theoretisch 
berechtigt, aber praktisch fast entbehrlich), 69—74 
die Sprachlaute nach ihrem akustischen Werthe (viel 
eingehender besprochen als 1881, S. 40 fi), 84—90 
die Anordnung der Vokale nach Eigentonreihen (Ver¬ 
werfung dieses Eintheilungsgrundes), 178—181 Ex¬ 
spirationssilbe, endlich 188—194 ist die Lehre von 
der Silbentrennung umgearbeitet und anders einge¬ 
fügt (1881, S. 172—177). Und was für ein Vokal¬ 
system hat die neue Auflage? höre ich besorgt 
fragen. Leider noch das von Bell ausgekünstelte, 
nur wenigen Eingeweihten verständliche, also weiteren 
Leserkreisen gegenüber unbrauchbare Schachbrett¬ 


system mit seinen 2x3x2x3 Feldern. Bell 
hat mit grosser Genauigkeit, Beharrlichkeit und 
Folgerichtigkeit die Sprachlaute untersucht, geordnet 
und mit ganz neuen Zeichen transcribirt (ähnlich 
wie Brücke, aber noch sinnreicher und viel zier¬ 
licher); und bei den Consonanten ist ihm dies so 
geglückt, dass man alle seine 52 Consonantenzeichen 
viel leichter erlernt als etwa die paar hebräischen 
Consonanten. Bei den Consonanten sind uns nämlich 
physiologische Beschreibungen und physiologische 
Eintheilungsgründe leicht verständlich: wir wissen, 
oder können doch beobachten, wie wir diese Laute 
hervorbringen. Bei den Vokailen aber (für die wir 
hingegen ein verhältnissmässig feines Ohr haben) 
gelingt uns das nicht gut, auch Bell ist es nicht 
gelungen, und sein sauberes, symmetrisches Vokal¬ 
system ist — fast hätte ich gesagt: leider — ein 
Luftschloss. Die in gewissem Sinne „natürlichen“ 
Vokalreihen i e-a, u-o-a u. s. w. werden durch con- 
tinuirliche, gleichzeitige Bewegungen der Zungen- 
theile, der Lippen und des Kiefers durchlaufen; 
und wer diese Naturerscheinung mit naturwissen¬ 
schaftlichem Geiste überschaut, kann nicht einen 
Augenblick an dem „Parallelismus zwischen Klang¬ 
reihen und Artikulationsreihen“ zweifeln (von dem 
sich Sievers „emancipirt“ hat, S. 99). Bell aber 
redet sich ein (und vermag sich gewiss auch dazu 
zu zwingen), dass er beim Durchlaufen einer solchen 
Reihe ruckweise und abwechselnd immer nur eine 
jener Bewegungen vollzieht, bald mit diesem, bald 
mit jenem beweglichen Mundtheile. Das ist eine 
Künstelei J , eine Verzerrung der thatsächlichen Aus¬ 
sprache, eine Selbsttäuschung; die Vokale sind daher 
ziemlich bunt durcheinander geworfen (wenngleich 
die natürlichen Klangreihen im Zickzack durch¬ 
blitzen, furca expulsaeW und das Ganze hat nur 
den Werth eines argumentum ad hominem, dass die 
Eintheilungsgründe bei den Vokalen nicht physio¬ 
logischer Natur sein dürfen (oder mindestens es 
noch nicht sein können), sondern auf der akustischen 
Seite zu suchen sind. Das alte deutsche Vokal - 
dreieck lasst sich jedem gebildeten Menschen 
(auch schriftlich) erklären, es hat Raum für alle 
Vokale des Erdballs, es muss physiologisch wahr 
sein (wenn man auch noch nicht versteht, hier den 
Massstab anzulegen), weil es akustisch wahr 
ist: dies letztere hat — für die vorliegende Auflage 
der Phonetik freilich um einige Wochen zu spät — 
Herr J. Lahr im Laboratorium Sohnckes zu Jena 
durch Versuche und darauf fussende Berechnungen 
gezeigt (s. Wiedemanns Annalen, Januar 1886), in¬ 
dem er mit den Hilfsmitteln, die wir Helmholtz 
verdanken, die Vokaltheorie bewies, die Grassmann 
schon 1854 aufgestellt hatte. Nun wird gerade Bell, 
der scharfe Logiker, sein Vokalsystem selber auf¬ 
geben; und wenn er uns jetzt etwa das Vokaldreieck 
ins Physiologische übersetzt, so wird dies theoretisch 
von Werth sein. 

Einzelnes. S. 23: Süddeutsch b und p liegen 

1 KunRtelei ist auch Trautmanns Harmonie der „Halle“, 
verfehlt seine geometrische Darstellung des Vokalsystems, ja 
seine akustische Erklärung des Vokalklanges (Sprachlaute 85 
unten) enthält einen elementaren Fehler gegen die Akustik; 
und doch ist sein Vokalsystem der Wahrheit näher als das 
Beils, und — was praktisch wichtiger ist — es ist verständlich. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


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einander nicht „vielfach näher®, sondern sie sind 
ausser in der von Winteler vertretenen schweif. 
Mundart, so vieHch weiss, in den meisten Stellungen 
einander gleich (= rom., slaw. p)\ daher sagt z. B. 
Hügel (Wiener Dialekt. S. 12): „p lautet [an der 1 
Wortgrenze] wie 6“, Schöpf (Tir. Idiotikon, S. 24): 1 
J> hat vor Vokalen und r [auch vor 7] anlauter.d j 
die Aussprache p“. (Andere Zeugnisse bringt j 
Kräuter, Lautverschiebung, S. 10.) Mit dem Namen 
„stimmlose Media“ (154, 175, 226) möchte ich ein j 
solches unbehauchtes p nicht belegen, ebenso wenig ' 
mit „stimmhafte Fortis“ (196) das Doppel-6 in | 
v ebbe u . Intensität eignet sich ja auch bei den Vokalen ; 
nur zum alleruntersten Eintheilungsgrunde. — 24: j 
Dass Stimme auf englisch toice heisst, flüstern ■ 
whisper (26% heiseres Flüstern tcheeze (27) u. dgl. 
scheinen mir entbehrliche Notizen. — 41: „Silbisch“, 
„unsilbisch“, „sonantisch“ u. s. w. könnten durch 
„Selbstlauter“ und „Mitlauter“ ersetzt werden; diese 
Ausdrücke sind uns seit unserer Kindheit bekannt 
und sagen viel besser das aus, was der Verf. will 
(s. Kräuter, Lautv., Anhang I). — 95, Fach u 2 (irr- 
tbumlich a 2 ): „Südostd. Vater“ (1881, S. 77 noch, 
nach Storm, „süddeutsch V.“) ist unverständlich; 
erstens weiss man nicht, welcher Theil des „Volkes 
von 10 Millionen“ (Sepp) gemeint ist, zweitens hat 
sich gerade bei diesem Worte (wenigstens in Wien) 
in einer mittleren, sehr weit hinabreichenden Gcsell- 
schaftsscbicbt*» ein* 1 „hochdeutsche“ Aussprache ein¬ 
gefunden: „Muala“, Hess vor wenigen Jahren ein 
Feuilletonschreiber einen armen Wiener Jungen zu 
seiner Mutter sagen, „Muata, da Pepi sogt zu sein 
Vodan Vatta “ (Mutter, der Pepi sagt zu seinem 
Vater V.). Davon abgesehen, lautet das a von 
„Vater“ im österreichischen (bairischen), ja ver- 
niuthlich in jedem Dialekte oder mundartlich ge¬ 
färbten Gebildetendeutsch genau so wie das a in 
„Gnade“, welches Ellis auf ein anderes, mehr als 
einen Rösselsprung entferntes Feld der englischen 
Vokaltafel setzen soll i'S. 98 unten). — 126 ist über¬ 
sehen, dass neugriech. y nicht in allen Stellungen 
gleich ausgesprochen wird. — 143: Süddeutsch ie, I 
uo, üe habe ich weder in der Rede noch in Ge- I 
dichten je zweisilbig gefunden (ausser in dem von I 
Winteler S. 116 besprochenen besonderen Falle). | 
Uebrigens wird (145) „Diphthong“ in einer will- : 
kürlichen, mir nicht ganz verständlichen Beschrän- j 
kung gebraucht — 164: Ital. gl, gn (span. U, il, | 
frz. gn) und die slaw. „weichen“ l, n werden für 
einfache Laute erklärt, 1876 hatte der Verf. diese ' 
slaw. Laute von den romanischen geschieden. Die 
Wahrheit liegt in der Mitte. Das „weiche“ n ist I 
in allen rom. und slaw. Sprachen, die ich gehört j 
habe, gleich, oder doch wesentlich gleich: cs ist 
ungefähr ny, nur wird das n dem sich rasch an¬ 
schliessenden (vorderen) y zu Liebe weiter vorne, 
in der /-Mundstellung hervorgebracht (und der Ver- | 
Schluss etwas anders gelöst). Der Unterschied j 
zwischen diesem n und dem n (wn) in „innig“ ist , 
bei weitem nicht so gross, wie der zwischen dem | 
t vor l oder n (Atlas, Aetna) und dem gewöhn¬ 
lichen t. Das ny wird nie gedehnt, man könnte 
ja auch nur entweder das n oder das y aushalten 
(Brücke). Ebenso steht es um das gl {U, ZA): es j 
ist ein in der /-Mundstellung erzeugtes l + y. Die I 


Magyaren schreiben ganz lautgemäss ny und ly. 
Das poln. I, russ. I + jer hingegen ist ein einfacher 
Laut, der beliebig lang ausgehalten werden kann, 
nämlich ein l in der /-Mundstellung; deshalb trans- 
scribirt man im Russ. (Sievers 1876, 105) pavillon 
(-77- natürlich mit der in Paris nicht mehr üblichen 
Geltung = ital. gl) durch 4 + t-, nicht -7-1 - jer*, 
im Kleinruss., wie ich eben erfahre, bataüle durch 
-7 + jir +ja (Rauferei), nicht 4+ja, im Poln. bataillon 
durch batalion, nicht -7 on. Das y in ny, ly und das 
y in ty (slaw. „weiches“ t) u. s. w. nach Bell Gleit¬ 
laute zu nennen, statt schlicht und einfach y und y 
(allenfalls etwas modificirt). kann zu nichts frommen. 
Bell (nicht erst Sweet, wie man nach Sievers 144 
meinen könnte) nennt auch den unbetonten Theil 
der Diphthonge Gleitlaut. Ich glaube, das ist ein 
multiplicare entia sine necessitate ; denn jeder „Gleit¬ 
laut“ ist, wenn auch noch so kurz, doch nur wieder 
entweder Vokal (Vokalfolge) oder Consonant. — 
175: „Anlautende h pflegen hier [im Deutschen] 
mehr oder weniger von der Indifferenzlage aus arti- 
kulirt zu werden.“ Diese Behauptung ist 1881 noch 
nicht aufgestellt ; ich kann sie nicht bestätigen. — 
195: „Zweigipfelige Silben“ scheinen mir dem S. 179 
gegebenen Begriffe von Silbe (als mit einem ein¬ 
heitlichen Exspirationsstoss hervorgebracht) zu wider¬ 
sprechen. — 202: Die deutsche höhere Verkehrs¬ 
sprache sei so monoton wie die englische? Dann 
muss ich wohl sehr plebejisch reden: ich spreche 
nämlich so wie Helmholtz (Tonempfindungen 3 S. 376; 
vgl. aber Victor. Phonetik 195). — 210: Warum 
Sweets Tonzeichen? Sie sind zwar nicht so un¬ 
geheuerlich wie seine Lautzeichen, aber unpassend, 
weil sie auch der Interpunktion dienen müssen. 
Wäre es überhaupt nicht praktischer, wenn Sievers 
in der vierten Auflage die allbekannten Lautzeichen 
Böhmers anwendete? — 225: Dass die Entwicke¬ 
lung einer Sprache nur von den Angehörigen der 
betreffenden Sprachgenossenschaft ausgehen könne, 
wird man nicht behaupten dürfen, wenn man über¬ 
legt, wie wenig römisches Blut in den meisten 
Romanen und wie wenig deutsches in vielen Deut¬ 
schen fliesst (vgl. Schuchardt, Slawodeutsches S. 5). 
Die Schwierigkeit der Aussprache der Laute spielt 
also allerdings eine Rolle in der Sprachentwickelung, 
zumal da ausser den Fremden auch die Kinder (d. i. 
alle Anderen!) über die Aussprechbarkeit der Laute 
zu Gericht sitzen und von Generation zu Generation 
ihre rhadiophonischen Neuerungen versuchen. Von 
diesem Gesichtspunkte aus begreife ich die Ver¬ 
tretung eines qu durch p im Griech., Rum. u. s. w. 
(226) und das häufige „Vorrücken der Artikulations¬ 
stellen“ (231); denn die Fremden und die Kinder 
fassen die Artikulationen im Allgemeinen um so 
schwerer auf, je weiter hinten im Munde sie zu 
Stande kommen. — 227: „Spontaner“ und „combi- 
natorischer“ Lautwandel scheinen mir nicht ange¬ 
messene Ausdrücke; sie sind nicht contradictorisch, 
„spontan“ widerspricht auch der Ursächlichkeit. 
„Bedingt“ und „unbedingt“ ist ja üblich (Schuchardt 
1870) und verständlich, wenn man nicht (wie das 
allerdings vorkommt) „bedingen“ mit „verursachen“, 
„hervorbringen“ oder „bestimmen“ verwechselt. — 
Die Literaturangabe ist abermals bereichert; auch 
sehr viele schwed. und dän.‘Schriften sind genannt. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. Ö. 


196 


Da di© Kenntnis© dieser Sprachen sehr wenig ver- | 
breitet ist, so sieht das fast wie eine ironische 
Mahnung aus, über so internationale Angelegen¬ 
heiten lieber in einer Weltsprache zu schreiben. 
Dass Sweet im Verlaufe des Buches fast ebenso 
oft genannt ist, wie alle deutschen Philologen, j 
Physiologen und Physiker zusammen genommen. ; 
stellt die Geschichte der Phonetik in ein ganz ; 
falsches Licht. — Ausser dem schon angeführten 
Druckfehler verdient kaum noch ein zweiter ver- I 
zeichnet zu werden: S. 187 in der Mitte lies Win- : 
teler st -ter. 

Weder in der Eintheilung, noch in der Be¬ 
nennung und Bezeichnung der Sprachlaute liegt 
der grösste Gewinn, den’ die Sprachforschung aus 
der phonetischen Literatur zieht, sondern darin, 1 
dass wir allmätich in den Stand gesetzt werden, 1 
uns über die Sprachlaute auf schriftlichem Wege 
vollkommen zu verständigen. Dazu hat Sievers in 
hervorragender Weise beigetragen. 

Czernowitz, Febr. 1886. Th. Gärtner. 


Zeitschriften. 

Archiv f. da» Studium der neuern Sprachen n. Litera¬ 
turen LXXV, 4: Th. T hie mann, Deutsche Kultur und 
Literatur des 18. Jh.’s im Lichte der zeitgenössischen ital. 
Kritik (Schluss). — R. Brandstetter, Die Technik der 
Luzerner Heiligenspiele. — G. Michaelis, Ueber die 
Aussprache der Dentallaute in den alten Sprachen. 
Modern Langnage Notes 3. 4: F. Böcher, Available 
French Texte. — W. H. Carpenter, The Philosopby of 
Dialect. — F. B. Gum me re Pro Domo. — E. 8 . öhel- 
don, Sievers, Grundzüge der Phonetik. — von Jagemann, 

E. Courtonne, Langue internationale n£o-latine. — J. G o e - 
bei, 8tenge1, Private und amtliche Beziehungen der Brüder 
Grimm zu Hessen. — Gerber, Rambeau, Der frz. und 
engl. Unterricht. — A. H. 8 myth, Dali, What we really 
know about Shakespeare. — E. Sievers, The etymology 
of endemts(t). — J. W. Bright, Suum cuique. — C. 
Thomas, The academio 8 tudy of Goethe’s Faust. — J. M. 
Hart, Rhetorio — 8 tyle — Metre. — 8 . Garner, a muoh 
needed reform. — Walter, Butler, The Paradise of Dante. 

— J. W. B right, Harrison-Baskervill, a handy anglo-s. 
Dictionary. — A. Fortier, Cl£dat, grammaire dldmentaire 
de la vieille langue francaise. — White, F. Schmeding, 
Die klass. Bildung der Gegenwart. — Huss, 8 winbume, 
Victor Hugo. 

Beiträge f. Kunde der indogerman. Sprachen X, 3. 4: 
8 . Lefmann, Zur Etymologie von Leo, Löwe. — Eugen 
Wilhelm, Zum Uebergang von der unthematischen in die 
thematisohe Conjugation. — A. Bezzenberger, Die 
Namen Litauer und 8 emgallen in altnordischen Quellen. 
Zs. für ortografle, ortoepie und sprachfysiologie 8 : 

Kewitä, Zur Aussprache des g im Deutschen. 

Archiv f. Literaturgeschichte XIV, 2 : Karl Trautmann, 
Englische Komödianten in Nürnberg bis zum Schlüsse des 
dreissigjähr. Krieges (1593—1648). — Karl Redlich, 
Herder oder Knebel? —- Jakob Keller, Zur Kenntniss 

F. M. Leuchgenrings. — Johann Karl Wezel. — Richard 
Maria Werner, Ein apokryphes Gedioht Goethes. — Caro¬ 
lina Michaölis de Vasconoellos, Uhlands Lied aus 
dem 8 panisehen. — Woldemar Freiherr v. Biedermann, 
Anzeigen aus der Goethe-Literatur. — Gustav Meyer, 
Volkslied von der leichtsinnigen Gattin. — Jakob Keller, 
Der Hannoveraner von Lindau. — H. Düntzer, Marianne 
Jung (spätere von Willemer) vor der französischen Kaiserin 
Josephine in Mainz im November 1806. — Fritz Jonas, 
Parallelstellen zu 8 chillerschen Worten. — Al. Reiffer¬ 
scheid, Ein Brief Friedrich Rückerts an Albert Hoefer. 

— Robert Hein, Zu Archiv IX 8 . 240. Sassa! geschmauset! 

— Karl Geiger, Zu 8 ohubarts Gedicht „Der rechte Glaub“. 

— L. G., Zu den Briefen von Heinrich Voss an Solger. — 
Mich wundert, dass ioh fröhlich bin. 


Archivio per lo Studio delle tradizioni popolari IV, 4: 

G. Finamore, Novelle popolari abruzzesi. Seconda Serie. 

— R. H. Busk, II Re 8onno. Novellina popolare romana. 

— G. P i t r h , Meteorologia popolare siciliana. — Uoa sacra 
rappresentazione in Vorderthiersee nel Tirolo tedesoo. — 
C. 8 alvioni, Centuria dTndovinelli popolari lombardi rao- 
colti nel Canton Tioino. — F. Mango, Canti popolari al- 
banesi. — V. Di Giovanni. II senso del motto „Vippi* 
o „tastau l’acqua di lu Garraffu“. Lettera a G. Pitrö. — 
Antonie Gauthey, Quelques Mots des Chants populaires 
sucdois. — Angela Nardo Ci bei e, Le superstizioni bellu- 
nesi e cadorine: El Massarol, l’Orco, la 8 mara, la Redo- 
desa, le Anguane. — Miseellanea: Lnigi Castellani, La 
canzonetta del peeoraio in Maeerata. — H giuoco Indovi- 
naglie in Visso. — Gridate di Roma. — 8 tregonerie. — 
Leggenda sui Rumelioti. — 8 uperstizioni chinesi. — Usi 
funebri degli Abissini. — Gli antropofagi al Congo. — 
Kivista Bibliografie*: G. Amalfi. Imbriani, La Posileoheata 
di Pompeo Önrnelli. — G. Pitrö, Croce, La leggenda dl 
Niccolö Pesce. — Ders., Machado y Alvarez, Biblioteca 
de las tradiciones populäres espanolas. — Ders., Crane, 
Italian Populär Tales. — Bullettino Bibliografien. Vi si 
parla di recenti pubblicazioni di Ferrari e Straocali, A. 
Gianandrea. Gramitto - Xerri, Guastella, Köhler. Linares, 
Phillips, Säbillot. — Recenti Pubblicazioni. — G. P i t r ö, 
Sommario dei Giornali. — G. P., Notizie varie — Indice 
del volume. — Collaboratori dell’Archivio, 1882—85. 

Mölusine III, 4: Moeurg et usages de la Haute-Bretagne 
(Forts). — L. Decombe. La mort et les revenants en' 
Haute-Bretagne. — E. Rolland, ehansons populaires de 
la Basse-Bretagne. — H. Gaidoz, Devinettes de la Meteo¬ 
rologie. — E. Erna ult. une pr4tendue insoription oontre 
les Loup 8 -Garous. — A. 8 . Gatechot, Croyanoes et 8 uper- 
stitions indiennes. — H. Gaidoz, Melusine en Hongrie. — 
Ders., La theorie Max-Mullerienne en Angleterre. 

Revue des Tiaditions populaires I, 1 . Paris, Maisson- 
neuve. [Ab.-Preis fr. 15.]: Programme et but de la Soci<Hö. 

— Diotons sur le mois de Janvier. — Antoinette Bon. Les 
trois mineurs, Agende d’Auvergne. — Julien Ti er so t. 
1/Alouette et le Moineau, chanson. — Paul Sebillot, 
L’enfance du pöcheur. — Lorimer Fison, Devinettes de 
Fidji. — C. Baissao et Loys Brueyre, Zistoire loulou 
qui te vouie bourie sa femme, conte creole. — Le Calvez, 
Les gäteaux d’etrennes en Basse-Bretagne. — Charles 
G u i 11 o n, Devinettes de la Bresse. — Louis Janvier, 
Berceuse cröole. — H. du Cleuziou, Une insoription 
contre les loups-garous. — Achille Millien, La Veill 6 e 
dans les puits, conte du Nivernais. — NAerologie. — Biblio¬ 
graphie. — PAriodiques et Journaux. — Notes et enquötes. 


Germania^XXXI, 2 : O. Brenner, Italienisoh-deutsohe 
Vocabulare des XV. und XVI. Jh.’s. — H. Lorenz, Das 
Zeugniss für die deutsche Heldensage in den Annalen von 
Quedlinburg. — P. Zimmermann, Die geschichtlichen 
Bestandtheile im Reinfrid von Braunschweig. — F. Jost es, 
Beiträge zur Kenntniss der niederdeutschen Mystik (Schluss). 

— F. Liebrecht, Arsloh. — G. Züloh, Bruchstücke 
einer Hs. des Willehalm. — E. Lohmeyer, Aus der 
fürstlich Starhembergischen 8 chlossbibliothek zu Efferding. 

— Miscellen: Bericht über die Verhandlungen der deutsch¬ 
romanischen 8 ection auf der XXXVIII. Versammlung deut¬ 
scher Philologen und 8 chulmänner zu Giessen, 30. 8 ept bis 
3. Oct. 1885. — K. Bartseh, Zu Tatian. — Hugo Brun¬ 
ner, Ein altgermanischer Hundename. — K. Bartsch, 
Schwankgeschichte. 

Tijdschritt voor nederlandsche taal- en letterknnde 
V, 3. 4: W. L. van Helten, Verscheidenheden: Dagerheit; 
Een zonderling gebruik van met; Die meer, te meer; Gie- 
mant en het Hd. jemand.; Ietoe(waert) en ie, v 6 ör een 
comparatief; Druut; Kniegebede vallen; Fraai; Hu, twi, 
en bedi. — Ders., Bijdragen tot de Dietsohe Grammatica: 
VIII. Nog iets over de absolute naamvallen; IX. Over 
eenige constructies met en, ne, of en en of; X. De bijzin, 
afhangende van een begrip „niet twijfelen“; XI. Over enkele 
eigenaardigheden in het gebruik van nie, noit, nemmer, ne 
of en; XII. 81ordig gebruik der appositie. — Ders., Tekst- 
critiek op Rein. I, den Theoph., enz. — J. H. Galle«, 
Parijsche fragmenten eener Psalm ver taling. — H. E. Molt 
tzer, Uit Mbb. Germ. fol. 751 van de Berlijnsche Boekerij. 

— Ders., Hofwijck: wanneer gedieht? — Ders., Hoon. 

— Ders., I. A. F.’s gedieht op Huygens' „Voordraoht ende 


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1886. Literaturblatt für germanische and romanische Philologie. Nr. 5. 


198 


Cost. Mal.“ Ys. 45 en vlgg. — J. te Winkel, „Vrfdancs 
Bescheidenheit“ in het Dietsch. 

Zs. des allgemeinen deutschen Sprachvereins hrsg. von 

H. Riegel (Verlag des allgemeinen deutschen Sprachvereins) 

I, 1 : H. R i e g e 1, Der allgemeine deutsche Sprachverein. — 
H. Dünger, Welche Fremdwörter sind nicht zu bekämpfen? 
— H. Goverts, Gelehrten-Deutsch. — Persisches zur 
Nachachtung. — Kleine Mittheilungen. — Geschäftlicher 
Theil. 


Zs. f. romanische Philologie IX, 4: Y. Cr es ein i, Ida- 
lagos. — A. Horning, Zur Kunde des Neuwallonischen. 

— Der s., Zur Kunde der romanischen Dialekte der Vogesen 
und Lothringens. — L, Hirsch, Laut- und Formenlehre 
des Dialekts von Siena. — A. Gaspary, Zu dem III. 
Bande der Antiche Rime Yolgari pubblicate per cura di 
A. D’Ancona e D. Comparetti (Bologna 1884). — H. T i k t i n, 
Zur Stellung der tonlosen Pronomina und Verbalformen im 
Rumänischen. - W. M e y e r, Franko-italienische Studien I. 

— Supplementheft VI. (VI. Band 5. Heft.) Bibliographie 
1881. Von Dr. Willy List. 

Romania 55. 56: £. Müntz, La legende de Charlemagne 
dans Part du moyen äge. — Le conte du Mantel, texte 
fran$ais des derniöres annöes du XIII* siöcle, öditö d’aprös 
tous les mss. par F. A. Wulff. — P. Meyer, Notice d’un 
ms. de la bibliothöque Phillipps, contenant une ancienne 
Version frangaise des fahles d’Eude de Clierrington (ou 
Cheriton). — P. Rajna, Contributi alla storia dell’epopea 
e del romanzo medievale. — £. Langlois, un nouveau 
ms. de la chanson d’AnsÖis, fils de Gerbert. — N. Z i n g a - 
relli, La fonte classica di un episodio del Filocolo. — 
Poöme moralisd sur les propriötös des choses, p. p. G. Ray¬ 
naud. — P. Meyer, Notice de quelques mss. de la Col¬ 
lection Libri ä Florence. — L. Ülödat, Le patois de 
Colligny et de 8aint-Amour. — Cloetta, Crenu . — A. 
Thomas, Mölanges ötymologiques. Ainz , puis, anceis , 
anceissor, prov. se. — Ders., Guillanme de Brioude. — 
P. Meyer, L’enfant gätö devenu criminel. — Ad. Mus- 
safia und P. Meyer, 8ulle Yies des anciens pöres. — 
A. Taverney, A. D. Xenopol, une önigme historique. Les 
Roumains au moyen äge. — G. Paris, A. Pakscher, Zur 
Kritik und Geschichte des altfranz. Rolandsliedes. — Ders.. 
Die Lais der Marie de France hrsg. von K. Warnke. — 
E. Muret, A. Feist, Zur Kritik der Bertasage. 

Franco-Gallia 3. 4: C. 8chäfer, Die vermittelnde Methode. 
Thesen zur Reform des neuspraohlichen Unterrichts. — 
Livets Ausgaben von Moliöres Le Tartuffe, L’Avare, Le 
Misanthrope, Les Pröcieuses ridicules, Les Femmes savantes. 

— Mangold und Coste, Lese- und Lehrbuch der franz. 
8 prache. — Spielmannsbuch. Novellen in Versen, übersetzt 
von W. Hertz. 


Magazin f. die Literatur des In- u. Auslandes 8—18: 
Arthur Leist, Woher stammt der Vorwurf zu 8 chillers 
„Gang nach dem Eisenhammer“. — L. Geiger, Renans 
Lobpreisung Victor Hugos. — A. Feigel, Die Moudinhos 
der Portugiesen. — H. Glücksmann, Dantes Hölle in 
ungarischer Uebertragung. 

Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften 
an Göttingen 2 : H. Morf, Drei bergellische Volkslieder. 

Mittheilnngen ans dem germanischen Nationalmnsenm 
I, Bogen 25—27: Theod. L i n d n e r, Die Fragen des Königs 
Ruprecht über die Vemegerichte. 

Korrespondenzblatt der westdeutschen Zeitschrift für 
Geschichte n. Kunst V, 2 : Koehl, Runenspange aus 
der Koblenzer Gegend (mit dem Namen Leub). — Pfarrer 
Alt macht darauf aufmerksam, dass sich Friedr. v. Hausen 
1172 als Zeuge zu Kaiserlautern unter einer Urkunde findet. 

Annalen des Vereins f. Nassaniscbe Alterthumskunde 
n. Geschichtsforschung Bd. XIX: F. Otto, Weisthum 
vom Lindauer Gericht. 1375. 1409. — Sauer, das Weis¬ 
thum des Rheingaues. — Widmann, Der Fuchs predigt 
den Gänsen. — A. v. Cohausen, Der römische GrenzwalL 

Nene Jahrbücher f. Philologie n. Pädagogik Bd. 132, 
H. 12 : J. Rost, Zum 8 chillertext 

Gymnasium IV, 5.6: F. Kern, Ueber Declamationsübungen 
in den Gymnasien. 

Philosophische Studien III, 2 : Wundt, Ueber den Begriff 
des Gesetzes, mit Rücksicht auf die Frage der Ausnahms¬ 
losigkeit der Lautgesetze. 


Deutsche Rundschau H. 7: Wilh. Wundt, Das 8 ittliohe 
in der 8 prache. — Erich Schmidt, Frau Rath Goethe. * 

Die Gegenwart Nr. 14: Th. Zolling, Drei ungedruokte 
Gedichte von Heinrich von Kleist. 

Die Grenzboten Nr. 11: M. Necker, Plattdeutsche Humo¬ 
risten. — Nr. 12 : H. Li er, Ein deutscher Lügenroman u. 
sein Verfasser. — Nr. 13: H. Düntzer, Zum Verständnis» 
und zum 8 chutze des ersten Faustmonologs. — Nr. 14: Max 
Koch, Neue Grimmbriefe. — Nr. 15: Hans Fisoher, 
Eine bildliche Quelle von Goethes Walpurgisnacht. 

Nordische Rundschau IV, 4: Maria, Erinnerungen an 
Oehlenschläger und seinen Kreis. 

Stimmen ans Maria-Laach 30, 3: A. Langhorst, Max 
Müller als Religionsphilosoph. 

Rostocker Zeitung vom 14. Febr. 1886 und frühere Num¬ 
mern : Richard W o 8 s i d 1 o, Volkstümliche« aus Mecklen¬ 
burg (hauptsächlich Beiträge zur Synonymik der volkstüm¬ 
lichen Rede). 

American Journal of Philology VI, 4: Albert 8 . Cook, 
a latin poetioal Idiom in Old English. 

Rev. pol. et litt. 11 : Michel Breal, Comment on apprend 
leif langlies ötrangöres. — Abraham Dreyfus, Le juif au 
theätre (als dramatische Person). — Caus. litt.: Rückbliok 
auf das Leben Alfred Assollants (1827—1886). — 12: Au¬ 
la r d, Legon d’ouverture du oours d’histoire de la rövolution 
fran$aise. (Lesenswerte Uebersicht der bis zur Mitte des 
Jahrhunderts erschienenen Darstellungen der frz. Revolution.) 
— 13: Le Roux, Reprise de Zaire (im Odöon). — In der 
Caus. litt Nekrolog für den als grosser Verleger und unter 
dem Namen Stahl als Schriftsteller bekannten J. Hetzel 
(1814—1886). — 14: Paulhan, Le libre arbitre dans la 
littörature contemporaine. 

Le Musöon V, 1 : Ducarme, Les „Autos“ de Gil Vicente. 

La nonvelle Revue 15. Febr.: d’Oroet, Le Premier Livre 
de Rabelais. 

Revue internationale IX, 4: Calligö, un sonnet ä Leo- 
pardi. 

Nnova Antologia Fase. IV: Graf, Petrarchismo ed anti- 
petrarchismo nel Cinquecento (Schluss). 


Neu erschienene Bücher. 

Dünger, H., De Dictye-Septimio Vergilii imitatore. Progr. 
des Wettiner Gymnasiums zu Dresden. 20 8 . 4. [Durch den 
Nachweis Virgilischen Einflusses auf Dictys-Septimius bringt 
Dünger eine neue feste Stütze für seine Ansicht bei, dass 
D.-S. nicht aus dem Griechischen übersetzt ist, sondern ein 
lateinisches Originalwerk ist.] 

Thomas, A., Etymologisches Wörterbuch geographischer 
Namen. Breslau, Hirt. IV, 192 8 . M. 3. 

Peez, W., Beiträge zur vergleichenden Tropik der Poesie. 
Th. I. Berlin, Calvary. M. 6,80. 

W o 1 d r i c h, J. N., Die ältesten 8 puren der Kultur in Mittel¬ 
europa, mit besonderer Berücksichtigung Oesterreichs. Wien, 
Hölder. 25 S. gr. 8 . M. 0,75. 


Beiträge zur Geschichte der altern deutschen Literatur 
hrsg. von W. Willmanns. Heft 2. Ueber das Annolied. 
Quellen. — Kaiserohronik. Vita Annonis. — De origine 
Francorum. Bonn, Weber. M. 3. 

Dietlein, Rad., Welche Schriftart sollen wir beibehalten, 
die Rundschrift oder die Eckenschrift? Wittenberg, Herrosö. 
30 S. 8 . [Mit guten, wenngleich nicht neuen Gründen tritt 
D. für die Antiqua ein.] 

Fritzsche, E. F., Gebrauch der Negation bei Walther von 
der Vogel weide. Programm der grossen Stadtschule zu 
Wismar. 1885. 15 8 . 4. 

Grabinski, L., Die Sagen, der Aberglaube und abergläu¬ 
bische Sitten in Schlesien. Schweidnitz, Brieger & Gilbers. 
57 8 . 8 . M. 1 . 

Günthert, E. v., Mörike und Notter. Stuttgart, Spemann. 
M. 2 . 

Haggenmacher, 0.* Sebastian Frank, sein Leben und 
seine religiöse Stellung. Zürich, Meyer & Zeller. 40 8 . gr. 8 . 
M. 0,80. 

Haupt, Hermann, Der waldensisohe Ursprung des Codex 
Teplensis und der vorlutherisohen deutschen Bibeldrucke 
gegen die Angriffe von Dr. Franz Jostes vertheidigt Würz¬ 
burg, Stahel. 45 S. 8 . 


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1886. Literaturblntt für germanische and romanische Philologie. Nr. 5. 


• 200 


Henkel, Das Goethesche Gleichnis». Halle, Waisenhaus. 
' 147 8 . kl. 8 . 

Hoffmann, Le Tonnelier de Nuremberg. Meister Martin der 
Küfer und seine Gesellen. Texte allemand publie avec une 
notice et un commentaire par Alfred Bauer. Paris, Hachette. 
IX, 175 8 . 

Langguth, A., Goethes Pädagogik historisch-kritisch dar¬ 
gestellt. Halle, Niemeyer. 

Meyer, R. M., Jonathan Swift und-G. Ch. Lichtenberg. Zwei 
Satiriker des 18. Jh.’s. Berlin, Besser. VIII. 84 8 . 8 . M. 1,60. 
Müller, W., Mythologie der deutschen Heldensage. Heil¬ 
bronn, Henninger. IV, 260 8 . gr. 8 . M. 4,50. 

Münch, W., Der deutsche Unterricht am Realgymnasium, 
seine Eigenart und seine Aufgaben. Betrachtungen u. Vor¬ 
schläge. Programm des Realgymn. zu Barmen. 24 8 . 8 . 
Oesterley,H., Wegweiser durch die Literatur der Urkunden¬ 
sammlungen. 2. (Sohluss-) Theil. Berlin, Reimer. VI, 423 8 . 
8 . M. 9. 

Peter 8 , F., Der Satzbau im Heliand in seiner Bedeutung 
für die Entscheidung der Frage, ob Volksgedicht oder Kunst¬ 
gedicht Schwerin, Stiller. 26 8 . 4. M. 1 . 

Ritter, Mendelssohn und Lessing. 2. Aufl. Berlin, Steihthal. 
M. 2 . 

Rühle, F., Das deutsche 8 chäferspiel des 18. Jahrhunderts. 
Hallenser Dissertation. 1885. 

8 chanzenbach. Otto, Französische Einflüsse bei Schiller. 
Programm des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums für 1884/85. 
52 8 . 8 . 

Schaubühne, dänische, von Hoffory u. Schlenther. 6 . Lief. 
Schräder, Herrn., Der Bilderschmuck der deutschen Sprache. 
Lief. 1 . Berlin, Dolfuss. M. 3. 

Topelius, Z., Schwedisches Märchenbuch. Deutsch von Alma 
von Podewils. Wiesbaden, Bergmann. 1885. M. 2,70. 
Wossidlo, Richard, Volkstümliches aus Mecklenburg. 
H. 1. Beiträge zum Thier- und Pflanzenbuch. Rostock, 
Werther. 32 8 . 8 . 


Fleischhauer, W., Ueber den Gebrauch des Conjunctivs 
in Alfreds ae. Ueborsetzung von Gregors Cura pastoralis. 
Erlangen, Deichert. 95 8 . 8 . M. 1,50. 

Hamann, A., a sketch of the life and works of John Milton. 
Berlin, Gaertner. 35 8 . 4. M. 1 . 

Long, W. H., Dictionary of the Isle of Wight Dialect and 
of Provincialisms used in the Island. With Illustrative Anec- 
dotes and Tales, Songs sung by the Peasantry. London, 
Reeves and Turner. 8 . 

Münster, Karl, Untersuchungen zu Thomas Chestre’s „Laun- 
fal u . Inaugural-Dissertation. Kiel, Lipsius & Tischer. 40 8 . 
gr. 8 . M. 1 , 20 . 

Nader, E., und A. Würzner, Englisches Lesebuch für 
höhere Lehranstalten. Mit literarhistorischen, sachlichen 
und sprachlichen Anmerkungen. Wien, Hölder. VIII, 528 8 . 8 . 

Nuttal Ts Standard Diotionary of the Englisli Language. 
New ed. revised, extended and improved throughout, by 
the Rev. James Wood. London, Warne. 812 8 . 8 . 

Petr äs, Paul, Ueber die me. Fassungen der 8 age von den 
sieben weisen Meistern. I. Theil: Ueberlieferung u. Quelle. 
Grünberg i. 8 chl. 76 8 . 8 . Breslauer Dissertation. 

Schüddekopf, A., Sprache und Dialekt des me. Gedichts 
William of Palerne. Erlangen, Deichert. 111 8 . gr. 8 . M. 2 . 

Sprach- und Litefaturdenkmale, englische, des 16., 
17. u. 18. Jh.’s hrsg. von K. Vollmöller. III. The life and 
death of Doctor Faustus, made into a farce. By Mr. Mount¬ 
ford. With the humours of Harlequin and Scaramouche. 
London 1697. Mit Einleitung und Anmerkungen hrsg. von 
O. Franke. Heilbronn, Henninger. XXXVIII, 34 8 . 8 . M. 1,20. 

The Oldest English Text». (Early English Text Society.) 
Edited, with introductions and a Glossary, by Henry Sweet 
London, Trübner. VH, 668 S. 8 . 20 sh. 

The Psalter or psalms of David and certain canticles, with 
a translation and an exposition in English by Richard Rolle 
of Hampole, by H. R. Bramley. Oxford, Clarendon Press. 
XXIV, 556 8 . 8 . 

Waeohter, Wilhelm, Untersuchungen über die beiden mittel- 
engl. Gedichte Roland and Vernagu und Otuel-Roland and 
Vernagu. Berlin, Bernstein. 42 8 . 8 . Berliner Dissertation. 

Wetzel, E., Die englische Orthographie. Eine kurze Dar¬ 
stellung ihrer Entwickelung seit Erfindung der Buchdrucker- > 
kunst. Berlin, Gaertner. 23 8 . 4. M. 1 . 


Alfieri, A.. L’Ogdoas: episodf di storia genovese nei 
primordt del secolo XV pubblicati dal dott Antonio Cerruti. 
Genova, tip. Sordomuti. 1886. 68 p. 4. Estr. dagli Atti della 
societä ligure di storia patria, Serie II, vol. XVII. 

A ltfranzößisehe Bibliothek, hrsg. von W. Foerster. 
VII. Das altfranzösische Rolandslied. Text von Paris, Cam¬ 
bridge, Lyon, mit dem sog. Lothringer Fragment und R. 
Heiligbrodts Concordanztabelle zum altfrz. Rolandslied, hrsg. 
von W. Foerster. Heilbronn, Henninger. XXII, 377 8 . 8 . M. 10 . 
[Der wiedergefundene Cod. Sav. 55 bietet für Rol. nichts.] 
B a 1 a g u e r, V., Historia de Cataluna. Tomo III. Madrid, 
Libr. de M. Murillo. En 4, 516 p&gs. 40 y 44. Obras, t XL 
Bertini, D. Pietro, La donna nell’Eneide e nella Gerusa- 
lemme liberata. Padova, tip. Gio. Batt Randi. 1886. 19 p. 
8 . Memoria letta alla r. Accademia di scienze, lettere ed 
arti in Padova, nella tornata del giorno 17 gennaio 1886. 
ed inserita nel volume II, disp. I degli Atti e memorie. 
Bibliothek spanischer Schriftsteller, hrsg. von Ad. Kressner. 
Leipzig, Renger. 2 . Bd.: Comedias de Don Pedro Calderon 
de la Barca. Mit Einleitung u. erklärenden Anmerkungen 
hrsg. von Ad. Kressner. 1 . Theil. La vida es sueno. XII, 
104 8 . 8 . M. 1,50. 

Biblioth&que frangaise du moyen äge. Tomes V. VI. 
Alexandre le Grand, par Paul Meyer. Paris, Vieweg. 8 . 
[Inhalt: T. I. 8 . 1 : Alberic de Besangon; 8 . 16: Ms. de 
l’Arsenal (Red. in Zehnsilblern); 8 . 107: Ms. de la Bibi, 
nat. 789; 8 . 177: Thomas de Kent; 8 . 237: Ms. de Venise 
(Red. in Zehnsilblern); 8 . 297: Glossar. — T. II Kap. I. 
Pseudo-Callisthenes. II. Version» latines. 1) Julius Valerius; 

2) L’Epitome de Jul. Valerius; 3) Lettre d’Alexandre ä 
Aristote; 4) Correspondance entre Alexandre et Dindimus; 
5 ) L’Historia de Prodis; 6 ) Poöme abecedaire sur Alexandre. 
— III. LTter ad Paradisum. — IV. Compilations historiques: 

1) La Compilation de Saint-Alban; 2) Compilation du ms. 
Douce. — V. Alberic de Besangon: 1) Observations prölimi- 
naires; 2) Versification; 3) Langue; 4) Sources d’Alberic. — 
VI. La rödaction en vers decaeyHabiques. 1 ) Preliminaires 
bibliographiques; 2) Auteur, style, versification, langue; 

3) Sources. — VII. Le roman en alexandrins. Analyse et 
recherche des sources. — VIII. Le roman en alexandrins. 
Distinction des branches et recherche des auteurs: 1 ) Troi- 
si&me branche; 2) Quatriemc branche; 3) Premiöre branebe; 

4) Deuxiörae branche; 5) La premiöre branche dans le ms. 
fr. 789. — IX. La vengeance de la mort d’Alexandre. Suite» 
diverses: 1 ) La Vengeance Alexandre de Gui de Cambrai; 

2 ) La Vengeance Alexandre de Jean le N4velois; 3) Suites 
diverses. — X. Eustache ou Thomas de Kent, Le Roman 
de toute chevalerie. — XI. Les redactions en prose: 1 ) Tra- 
duction de l’Epitomc et de la lettre k Aristote; 2 ) Traduction 
de l’Historia de proeliis; 3) Histoire d’Alexandre de Wauquelin. 
— XII. La legende d’Alexandre dans les compilations histo¬ 
riques. 1 ) Compilations latines; 2 ) Le Contrefait de Renart; 

3) Histoire ancienne jusqu’ä Cesar; 4) La Bouquechardiöre. 
— XIII. Episodes .enipruntes k la legende d’Alexandre. — 
XIV. Tömoignages divers. Conception variee du caractöre 
d’Alexandre selon les temps. — App. I. Les Supplements k 
Quinte-Curce du ms. 82 de Corpus Christi College Oxford. 
— II. Gog et Magog dans le roman en alexandrins.] 

Braga, Theo philo, .Contos tradicionaes do povo portuguez, 
con un estudo »obre a novellistica geral e notas com par a- 
tivas. I. Contos de fadas, casos e facecias. II. Historias e 
exemplos de thema tradicional e forma litteraria. Porto, 
Magälhäes e Moniz. 2 Bände. LI, 231 u. 243 8 . 18. 

C a n c u n, la, de Saint-Alexis. Photographie der Hildesheimer 
Hs. zu E. Stengels Abdruck im 1 . Heft der von ihm ver¬ 
öffentlichten Ausgaben und Abhandlungen aus dem Gebiete 
der roman. Philologie. Hildesheim, Lax. 12 Tafeln. M. 8 . 
Chabaneau, C., Notes sur quelques manuscrits provengaux 
perdus ou 6 gar£s, suivies de deux lettres inedites de Pierre 
de Chasteuil-Gallaup, publikes et annotäes par Camille 
Chabaneau. In- 8 . 112 p. Paris, lib. Maisonneuve freres et 
Ledere. Extrait de la Revue des langues romanes. 

C h a m p o n, A., Girart de Roussillon, chanson de geste. In- 8 . 
30 p. Amiens, imp. Douillet et C*. Extrait du t. 29 de» 
Memoire» de la Societä des antiquaires de Picardie. 

C 1 o e 11 a, W., Poöme moral. Altfranz. Gedicht aus den ersten 
Jahren des XIII. Jh.’s, nach allen bekannten Handschriften 
zum ersten Male vollständig hrsg. Erlangen, Deichert. X, 
268 8 . gr. 8 . M. 8 . 

| Darmesteter, Arsene, Note sur l’histoire des prdpositions 
I frangaises en, enz, dedans, dans . Parias Cerf. 21 8 . 8 . 


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201 


1880. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


202 


De Tic, C., et J. Vaissette, Histoire generale du Langue¬ 
doc, avec des notes et les piöces juBtificatives. Edition accom- 
pagnöe de dissertations et notes nouvelles, contenant le 
recueil des inscriptions antiques de la province, des planches 
de mödailles, de sceaux, des cartes g 6 ographiques, etc., 
annotöe par M. C. Robert, M. P. Meyer, M. A. de Barthe- 
lemy, M. A. Molinier. M. Germer-Durand, M. Zotenberg. 
Publice par M. Edouard Dulaurier; continuöe jusqu’en 1790 
par M. Ernest Rosebach. T. 10 . 1 vol. ln-4 k 2 ool., VI, 
2499 pages. Toulouse, libr. Privat. 

Devio, L. M., Etymologies latines et frangaises. In- 8 , 10 p. 
Montpellier, imp. Hamelin fröres. 

Foerster, W., und E. Kosohwitz, Altfranzös. Uebungs- ; 
buch zum Gebrauch bei Vorlesungen und Seminarübungen. : 
1 . Zusatzheft: Rolandmaterialien, zusammengestellt von W. I 
Foerster. Heilbronn, Henningen V, 166 8 . 4. M. 3. 

Galanti, Carmine, I destri nel cerchio dell’avarizia sono ; 
veramente i prodighi? (Inferno Dantesco, c. VII): lettera j 
XIX della seconda serie su Dante Alighieri, al chiarissimo 
dantista arcipr. Alessandro Mariotti. Ripatransone, tip. Jaffei 
e Nisi. 1886. 35 p. 8 . 

Gelmetti, Lu., Riforma ortografica con tre nuovi segni 
aifabetici per la buona pronunzia italiana: lavoro grammati- 
cale e filologico. Introduzione. Milano, tip. e lit degli In- 
gejperi 1886. 16°. p. xliiij, 10 , con tavola. 

Greif, Wilh., Die mittelalterlichen Bearbeitungen der Tro¬ 
janersage, ein neuer Beitrag zur Dares- und Dictysfrage. 

I. Benoft de Sainte-More. Marburger Dissertation. 57 S. 8 . 

Grundriss der Romanischen Philologie. Unter Mitwirkung 
von fünfundzwanzig Fachgenossen hrsg. von G. Gröber. 

1 . Lief. 8 tra 8 sburg, K. J. Trübner. 280 8 . gr. 8 . M. 4 . 
[Inhalt: L Propädeutischer Theil: Einleitung in die rom. 
Philologie a) Geschichte der rom. Philologie von G. Grö¬ 
ber; b) Aufgabe und Gliederung der rom. Philologie von 
G. Gröber. — II. Methodischer Theil: Anleitung zur 
philo!. Forschung. A. Die Quellen der rom. Philologie, a) Die 
schriftlichen Quellen von W. Schum (mit 4 Tafeln); b) Die 
mündlichen Quellen von G. G r ö b e r. — B. Die Behandlung 
der Quellen, a) Methodik der sprachwissenschaftlichen For¬ 
schung von G. Gröber; b) Methodik der philologischen 
Forschung von A. Tobler. — Das ganze Werk wird in 6 
vierteljährlichen Lieferungen vollendet sein. Die weiteren 
Lieferungen werden enthalten: III. Darstellung der rom. 
Philologie. A. Roman. Sprachforschung, a) Die Sprachen 
der Eingeborenen: Keltisch von E. Win di sch; Iberisch 
von G. Gerland; Italisch von W. Deecke. — Die Latein. 
8 prache in den roman. Ländern von W. Meyer. — Die 

g ermanischen, arabischen und slav. Elemente in den rom. 

prachen von F. Kluge, Ch. Seybold, M. Gaster. — 
b) Die romanischen Sprachen: Ihre Gliederung und äussere 
Geschichte von G. Gröber; Die ital. Sprache und ihre 
Mundarten von Fr. D’Ovidio; Die rumänische Sprache 
von H. Tiktin; Die rätoromanischen Mundarten von Th. 
Gärtner; Die franz. Sprache und ihre Mundarten von H. 
Suchier; Die proveng. Sprache von H. 8 uchier; Die 
catalan. Sprache von A. Morel-Fatio; Die span. 8praohe 
von G. Bai st; Die portugies. Sprache von J. Cornu; 
Creoligch von H. 8 c li n c h a r d t. — B. Metrik und Stilistik 
der roman. Sprachen, a) Metrik von E. Stengel; b) Stilistik 
von E. 8 tengel. — C. Literaturgeschichte der roman. 
Völker, a) Die latein. Literatur von G. Gröber; b) Die 
proveng. Literatur von K. Bartsch; Die franz. Literatur 
von G. Gröber; Die catalan. Literatur von A. Morel- 
Fatio; Die spanische Literatur von G. B a i s t; Die port. 
Literatur von Th. Braga; Die ital. Literatur von Fr. 
Torraca; Die rumän. Literatur von M. Ga st er; Die 
rätoromanische Literatur von C. Decurtins. — IV. Grenz¬ 
wissenschaften: Geschichte der romanischen Völker von P. 
8 cheffer-Boichorst. — Kulturgeschichte der roman. 
Völker von A. Schultz. — Kunstgeschichte der roman. 
Völker: Musik von G. Jacobsthal. — Bildende Künste 
von H. Janitschek.J 

Hand-List of Petrarch edition in the florentine public 
Libraries. Florenoe, Le Monnier succ. 1886. 12 p. 8 . [I. Col- 
lective writings. II. Latin works (prose). HL Latin works 
(verse). IV. Italian works. V. Ascribed works. VI. Speoial 
Petrarch bibliographies. Bibliografhical notices, n° II. 

Jeu d’amour. Französisches Wahrsagebuch des XV. Jh.’s, 
hrsg. nach einer Hs. der k. russ. offentl. Bibliothek zu 
8 t. Petersburg von Graf A. Bobrinskoj. St Petersburg. 
X, 116 S. 8 und 1 Facs. [Nicht im Buchhandel.] 


L a b o n n e, H., Recueil de mots et expressions qui, employös 
par Rabelais, sont encore en usage dans le Berry. In- 8 . 
19 p. Ch&teauroux, imp. Majestö. Extrait de la Revue du Centre. 

Lenient, C., La 8 atire en France, ou la Littörature mili¬ 
tante au XVI e siöcle. 3 e edition, revue et corrigöe. 2 vol. 
In-18 jösus. T. 1 , XVI, 324 p.; t. 2 , 359 p. Paris, librairie 
Hachette et C e . fr. 7. Bibliothöque variöe. 

L i 1 j e q u i 81 , Gustaf, Infinitiven i det fornspanska Lagspräket. 
Lunder Dissertation. 110 8 . 4. 

Lincke, K., Die Accente im Oxforder und Cambridger 
Psalter sowie in andern altfrz. Hss. Erlangen, Deichert 
42 8 . gr. 8 . M. 0,80. 

Lull, R., Obras, texto original publicado y dedicado 4 S. A. 
R. ö I. Luis Salvador, Archiduque de Austria, por Jerönimo 
Rosellö. Palma de Mallorca. Estas obras se publicarän por 
cuadernos de 48 pÄginas cada uno, al precio de 3 reales; 
se publicarän tres cuadernos mensualmente. 

Luzel, F. M., Le Magicien et son valet (metamorphoses). 
Quimper. 36 S. 8 . (Bret. Erzählung aus den Cötes-du-Nord 
mit Commentar über andere Versionen der Erzählung.) 

Mahn, A., Commentar zum Girartz de Rossilho. 1. Lief. 
Berlin, Dümmler. 32 S. 8 . M. 1 . 

Martinengo Cesaresco, E., Essays in the study of Folk- 
Songs. London, G. Redway, 15 York Street, Covent Garden, 
London W. C. 8 °. 7 s. 6 d. [Inhalt: Introduotion; The In¬ 
spiration of Death in Folk-Poetry; Nature in Folk-Songs; 
Armenien Folk- 8 ongs; Venetian Folk-Songs; Sicilian Folk- 
Songs; Greek 8 ongs of Calabria; Folk- 8 ongs of Provence; 
The White Paternoster; The Diffusion of Ballade; 8 ongs 
for the Rite of May; The Idea of Fate in Southern Tra- 
ditions; Folk-Lullabies; Folk-Dirges.] 

Mazzatinti, Gius., Inventario dei manoscritti italiani delle 
biblioteche di Francia. Vol. I: Manoscritti italiani della 
Biblioteca Nazionale di Parigi. Roma, presso i principali 
librai. 1886. clxxxij, 256 p. 8 . Introduzione: vicende storiche 
dei manoscritti italiani in Francia. Inventario dei mano¬ 
scritti della Biblioteca Nazionale de Parigi. Ministero della 
pubblica istruzione: Indici e cataloghi, n° 5. 

Metastasio, Pietro, Cinque lettere a Manfredo Sassatelli. 
Imola, tip. dTgnazio Galeati e figlio. 1886. 12 p. 8 . Pubbli- 
cate dall’avv. Giovanni 8 abattani nelle nozze di Annette 
Monsignani-SaBsatelli con Eugenio Fagiuoli. 

Müller, C. Th., Zur Geographie der älteren chansons de 
geste. Inaugural-Dissertation. Göttingen, Vandenhoeck & 
Ruprecht. 1885. 36 8 . 8 . M. 1. 

Oeuvre 8 poötiques de Philippe de Remi Sire de Beau- 
manoir publikes par Hermann Suchier t. IL Sooiötö des 
anoiens textes frangais. Exercice 1885. 

Poesie veneziane scelte e illustrate da Raffaello Barbiera, 
con uno Studio sulla poesia vernacola e sul dialetto di 
Venezia. Firenze, G. Barbera. 1886. xlvij, 308 p. 8 . L. 3,50. 
[La poesia vernacola e il dialetto di Venezia. — Scelta di 
poesie di Andrea Calmo, Maffeo Veniöro, Angelo Ingegneri, 
Paolo Briti, Giorgio Baffo, Angelo Maria Labia, Gasparo 
Gozzi, Carlo Goldoni, Carlo Gozzi, Tita Merati, Marc’ Antonio 
Zorzi, Giovanni Pozzobon, Angelo Maria Barbaro, Giangia- 
como Mazzolä, Lodovico Pastö, Francesco Gritti, Antonio 
Lamberti, Pietro Buratti, Iacopo Vincenzo Foscarini, Giam- 
battista Bada, Camillo Nalin, Alvise Cicogna, Pietro Bussolin, 
Pietro Pagello, Francesco Dail’Ongaro, Erminia Fuä Fusi- 
nato, Arrigo Boito.J 

Ponpo, P. Poesies diverses tiröes de la Muse chrestienne de 
Pierre Poupo. Publikes avec une notice et des notes par 
Ernest Roy. In-16, XXVI, 201 p. Paris, Lib. des biblio¬ 
philes. fr. 10 . 

Procop, Wilh., Syntaktische Studien zu Robert Garnier. 
Erlanger Dissertation. V, 150 S. 8 . 

Reyer, Alex., Auslaute der ital., span., französ., engl, und 
deutshen Sprache und die Anlaute im Italienishen und 
Deutshen. Wien, A. Hölder. 112 S. 8 . M. 3. 

Roland. La chanson de, Tradnction nouvelle en vers. Par 
A. Jubert. Paris, Libr. des Bibliophiles. 18°. fr. 3,50. 

Ronsard, P. de, Poösies choisies. Publiees avec notes et 
index concernant la langue et la versification de Ronsard, 
par L. Becq de Fouquieres. In-18 j£sus, XXXVI, 396 p. 
Paris, lib. Cnarpentier et C*. fr. 3,50. 

Sammlung spanischer Neudrucke des 15. und 16. Jh.’s. 
Hrsg, von Carl von Reinhardstöttner. 1. Bändchen. Der 
spanische Amphitrion des Fernan Perez de Oliva. Wort¬ 
getreuer Textabdruck mit den Varianten der Ausgabe von 
1586. München, Zipper er. 75 S. 8 . M. 1 , 20 . 

15 


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203 


1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 5. 


204 


Saggio di canti popolari della campagna romana. Soriano 
nel Cimino, tip. Capaccini. 1886. 5 p. 4°. Pubblicato da 
Filippo e Telesfora Casciani e da Giuseppe Giannotti per le 
nozze di Annetta Angelini Rosa con Rinaldo Rinaldi-Tonelli. 

8 c e r b o, Fr., 8ul dialetto calabro: Studio. Firenze, Loescher 
e 8eeber edit 1886. X, 159 p. 8. L. 4. [Parte I: 1. Indole 
del dialetto calabro, influssi stranieri nel medesimo (influsso 
greco; affinitä collo spagnuolo; affinitä galliche; elernento 
arabo; elernento tedesco; di alcune differenze del calabro 
dal siciliano). 2. Fonologia. Osservazioni generali sulle leggi 
dei suoni. 3. Note morfologiche. 4. Appunti sintattici. — 
Parte II: Dizionario.] 

Schuchardt, Hugo, Romanisches und Keltisches. Berlin, 
R. Oppenheim. 8. [Inhalt: Vorwort. 1. Pompe! und seine 
Wandinschriften. 2. Virgil im Mittelalter. 3. Boccaccio. 4. Die 
Gesohiohte von den 3 Ringen. 5. Ariost. 6. Camoens. 7. Cal* 
derons Jubelfeier. 8. Goethe und Calderon. 9. G. G. Belli 
und die römische Öatire. 10. Eine portugies. Dorfgeschichte. 
11 . Lorenzo 8tecchetti. 12. Reim und Rhythmus im Deutschen 
und Romanischen. 13. Liebesmetaphern. 14. Das Französische 
im neuen Deutschen Reiche. 15. Eine Diezstiftung. 16. Fran¬ 
zösisch und Englisch. 17. Keltische Briefe. Anmerkungen.] 

Souquet, P., Les Ecrivains pödagogues du XVI* siöcle. Ex- 
trait des ceuvres d’Erasme, Sadolet, Rabelais, Luther, Vivös, 
Ramus, Montaigne, Charron. 2* ödition. In-12. 199 p. Paris, 
Delagrave. Bibliothöque pödagogique publice sous la direction 
de M. H. Cocheris. 

Super8tizioni,usie proverbi monferrini raccolti edillustrati 
da Giuseppe Ferraro. Palermo, Luigi Pedone Lauriel. 1886. 
103 p. 16. L. 3. Curiositä popolari tradizionali pubblieate 
per cura di Giuseppe Pitrö, vol. III. 

8 winburne, A. C., A Study of Victor Hugo. London, Chatto 
and Window. 198 8. 8. 

Trebe, J. H. BL, Les trouvöres et leurs exhortations aux 
croisades. Leipzig, Hinrichs. 23 8. 4. M. 1. 

Z a n a z z o, Giggi, Pro verbi romaneschi raccolti. Roma, Agenzia 
giornalistioa libraria ditta Perino. 1886. 202 p. 16. L. 1,50. 


8 attler, Ernst, y Gomerya, <L i. Grammatik des Kymraeg 
oder der kelto-wälischen 8pracbe. Zürich, Alb. Müller. XVI, 
418 8. 8. M. 10. 


Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

Mannhardt, Mythologische Forschungen (v. Cr.: Lit. Cbl. 
Nr. 13). 

Schwartz, Indogerm. Volksglaube (v. Cr.: ebd.). 
YsengrimuB hrsg. von Voigt (v. Peiper: Gött. gel. Anz. 7). 


Bö ekel, Deutsche Volkslieder aus Oberhessen (v. G. B.: 
Lit. Cbl. Nr. 15). 

Droste-Hülshoff, Werke, von Kreiten (v. Frey: Deutsche 
Literaturzeitung Nr. 15). 

Düntzer, Abhandlungen zu Goethes Leben und Werken 
(v. Albert: Allg. österr. Literaturzeit. II, l. 2). 
Rübezahlliteratur (v. Veckenstedt: Oesterr. Litzeit. 15). 
8 ohlenther, Frau Gottsched und die bürgerliche Komödie 
(v. C[reizenach]: Lit Cbl. Nr. 13). 


Sweet, Elementarbuch des gesprochenen Englisch (v. E. 
Hausknecht: Deutsche Literaturzeit. 13). 


Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

In Vorbereitung ist: Grundriss der german. Philologie. 
Unter Mitwirkung von K. v. Amira, W. Arndt O. Behaghel, 
A. Brandl, H. Janitschek, H. Jellinghaus, K. Th. v. lnaraa- 
Sternegg, Kr. Kälund, F. Kluge, R. Kögel, R. v. Liliencron, 
A. Lundeil, E. Mogk, A. Noreen, J. Schipper, H. Schück, A. 
Schultz, Th. Siebs, E. 8ievers, H. Sweet, B. Symons, F. Vogt, 
Ph. Wegener, J. te Winkel hrsg. von Hermann Paul (Strass¬ 
burg, Trübner). 

Bei Max Niemeyer in Halle wird demnächst erscheinen: 
Kvaeßa-Brot Braga ens gamla ßoddasonar. Bruchstücke von 
Bragi’s des Alten Gedichten. Hrsg, von H. Gering. — 
Quellenschriften zur neuern deutschen Literatur. Hrsg, von 
Al. Bieling. (1. Gottscheds Reineke Fuchs. Abdruck der hd. 
Prosaübersetzung v. J. 1752. 2. Lebensbeschreibung des Herrn 


Gözens von Berlichingen. Nürnberg 1731. 3. Histoire du Cid. 
Abdruck aus der Bibliothöque universelle des Romans 1783.4.) 

— E. Sievers, Tübinger Bruchstücke der älteren Frostu- 
thingsläg. — Altnordische Texte, hrsg. von E. Mogk (1. Gunn- 
laugssaga Ormstungu). — Der Weinschweloh. Ein altd. Gedicht 
aus der 2. Hälfte des 13. Jh.*s. Mit Uebers. von K. Lueae. 

— R. Weissenfeis, Der dactyl. Rhythmus bei den Minne¬ 
sängern. — Paul, Principien der Sprachgeschichte. II. Aufl. 
1 . Hälfte. — Braune, Althochdeutsche Grammatik. — 
Dekker, the Shoemakers Holiday, a comedy. Revised and 
edited with introductions and notes by Warncke and Proe- 
soholdt. — H. Schilling, König Aelfreds ags. Bearbeitung 
der Weltgeschichte des Orosius. 

Im Verlage von A. Hettler in Berlin wird Prof. Dr. Max 
Koch (Marburg) eine „Zeitschrift für vergleichende Literatur¬ 
geschichte“ herausgeben. 

Vom 1.—3. October soll zu Hannover ein Neuphilo¬ 
logentag stattfinden. Zweck der Zusammenkunft 1. Be- 
rathung über einen wenn auch nur losen Verband aller Lehrer 
der neueren Sprachen in Deutschland, 2. Besprechung wissen- 
* schaftlioher und besonders methodischer und pädagogischer 
Fragen aus dem Gebiete der neueren Sprachen. Nähere Aus¬ 
kunft ertheilt Oberlehrer A. Ey, Hannover, Körnerstr. 26. 

Der bisherige Privatdocent der germ. Philologie an der 
Universität Leipzig, Dr. Karl v. Bah der, wurde zum ao. Pro¬ 
fessor ernannt. 

f zu 8orau Felix Franke, bekannt durch seine treffliche 
8 chrift über „Praktische Spraoherlernung“ etc. 

Antiquarische Cataloge: Ackermann, München 
(Franz., Prov.); ßrockhausen <k ßräuer, Wien (Sprach¬ 
wissenschaft); Gilhofer A Rauschburg, Wien (Linguistik): 
HarraBSowitz, Leipzig (Deutsohe u. ausl. Lit.); Kirchhoff 
& Wigand, Leipzig (Or. u. neuere Linguistik); Otto, Erfurt 
(Sprachw., neuere Sprachen); Zahn & Jaensch, Dresden 
(Deutsche Spr. u. Lit.). 


Abgeschlossen am 29. April 1886. 


Erwiderung. 

Der Charakter der im Ltbl. 1886 Nr. 2 von R. Mahren- 
holtz in Halle an meiner Ausgabe der Femmes Savantes 
geübten Kritik macht eine Erwiderung meinerseits zu einer 
unabweisbaren Nothwendigkeit. 

M. schreibt, eine völlige Um- und Neubearbeitung des 
Stückes (soll heissen „der Einleitung und der erklärenden 
i Anmerkungen* 4 ) wäre ebenso dringend gewesen, wie bei Launs 
Ausgaben. Ich stimme damit überein. Dann fährt er fort: 
„Aber Lion hat eine solche für durchaus überflüssig gehalten, 
denn ... eine reine Schulausgabe sei für das bisherige Absatz¬ 
gebiet der ‘F. 8.* das einzig Richtige.“ Man lese die be¬ 
treffende Stelle in der Zs. f. nfr. Spr. u. Lit. VI, 2 8. 302 
nach, um zu sehen, was M. daraus gemacht hat. Gerade weil 
| eine reine Schulausgabe entstehen sollte, war die Um- und 
I Neubearbeitung nothwendig, ebenso nothwendig als wenn es 
! auf eine wissenschaftliche oder wie es dort heisst „gelehrte 44 
1 Ausgabe abgesehen war. Dass die Umarbeitung vollzogen 
, ist, wird jedem durch eine Vergleichung der ersten und zweiten 
Ausgabe sofort ersichtlich werden; wo ich glaubte, das, was 
wirklich zum Verständnis des Stückes nothwendig und dem 
Schüler förderlich ist, beigebracht zu haben, wie namentlich 
in der Einleitung, habe ich natürlich keine Veränderung vor- 
! genommen; wennschon auch diese durch die Kürzung ein 
anderes Aussehen hat. Dass ich bei Aenderungen und Zu- 
| sätzen Fritsches* Ausgabe benutzte, ist von mir in dem, was 
M. meine „Confessions“ nennt, des weiteren erklärt und dank- 
■ bar anerkannt. „Eine Eselsbrücke für Lehrer wie für 
Schüler soll also nach L.’s eigenem Urtheile diese 2. Auf¬ 
lage sein.“ Eine eigcnthümliche Folgerung, die sich nach 
! meinen Ansichten von dem, was der Schule dienlich ist, schon 
i dadurch verbietet, dass die Ausgabe als Schulausgabe be¬ 
zeichnet wird. Wegen dieses ihres Charakters wurde, wie 
a. a. O. auch auseinandergesetzt ist, alles beseitigt, was 
irgendwie der Ausgabe das Wesen einer Eselsbrücke, dessen, 
was man gewöhnlich darunter versteht, geben konnte. Eine 
Schulausgabe, für die Scfiule bestimmt und nach streng päda¬ 
gogischen Grundsätzen gearbeitet, wird aber für kein Stück 
Moliöres mehr verlangt, als für das der F. S., das als Sohul- 
lectüre z. B. von dem Referenten der Hannoverschen Directoren- 
versammlung und manchen anderen Pädagogen an erster 


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205 


1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


206 


Stelle empfohlen wird. So hat z. B. K. Kaiser eben dies Stück | 
in sein „Französisches Lesebuch“ aufgenommen. Danach möge | 
M. erkennen, dass im Qegentheil vielleicht er der Einzige ist, | 
der glaubt: „eine ungeeignetere Lectüre möchte sich auch , 
für Prima oder Oberseounda nicht leicht finden lassen.“ Bei¬ 
läufig denkt keiner bei diesem Stücke daran, es in Obersecunda I 
lesen zu lassen. „Die Methode des Commentars ist nach wie 
vor eine ganz unwissenschaftliche.“ Die wissenschaftliche 
Methode des Commentars bestimmte sich wiederum duroh den | 
Schulzweck der Ausgabe. Es ist zunächst eine Entstellung i 
des wirklichen Sachverhalts, wenn M. es ableugnet, dass ich j 
die Sprache Moli&res nicht aus dem Sprachgebrauch damaliger | 
Zeit erklärt hätte. Wie oft ist nicht grade darauf hinge¬ 
wiesen? Der Zweck der Ausgabe aber verlangte gebieterisch, § 
dass die 8prache Moli&res mit der heutigen Sprache in Parallele ; 
gestellt, nicht aber, wie M. sich ausdrückt, mit dem Mass- I 
stabe des heutigen Französisoh gemessen wurde; den daraus ! 
sich ergebenden Standpunkt, von dem aus die Sprache eines ! 
Mol., Montesquieu u. a. bemäkelt wird, habe ich von jeher I 
verurtheilt. M. meint schliesslich: als Ausgabe für Schüler i 
enthalte das Werkchen zu viel. Der Nachweis dafür ist nicht I 
geliefert, ich kann eben nur so viel versichern, dass ich jede 
der Anmerkungen auf das genaueste und sorgfältigste mit j 
Rücksicht darauf geprüft habe, ob sie für den Schüler 
nothwendig oder doch aus dem einen oder anderen Grunde, | 
um irgend welche Anregung zu geben, wünsohenswerth war; , 
ich handelte denn auf Grund der in der Klasse bei der Lectüre j 
des Stückes gemachten Erfahrungen. Für den Lehrer und 
Studirenden sind dann die weiteren literarischen Hinweise, 
die nur wenig Platz einnehmen, bestimmt, damit diese an 


dären Hand untersuchen können, ob die in den Anmerkungen 
gegebenen Resultate stichhaltig sind. 

Marburg a. d. Lahn. C. Th. Lion. 

Entgegnung. 

1 . Auch jetzt muss ioh leugnen, dass Herr Prof. L. 
wirklich einq Neubear bei tun g der früheren Ausgabe vor¬ 
genommen hat, denn die Verkürzung der Einleitung und des 
Commentares, sowie die gelegentlichen, aus bequemen Hilfs¬ 
mitteln zusammengetragenen Zusätze begründen den Anspruch 
einer zeitgemässen Umarbeitung noch nicht. 

2 . Unter der Forderung, den Sprachgebrauch Moli&res 
aus dem der Zeit zu erklären, verstand ich natürlich nicht 
bloss die Entlehnung einzelner Parallelstellen aus modernen 
Lexlcis oder Grammatiken, sondern das Studium der Quellen 
selbst, wie es z. B. Knörioh nicht gescheut hat. 

3 . Sämmtliche Stellen der „Confessions“ sind von mir, 
so weit irgend möglich, wörtlich angeführt worden, auch die 
von L. angezogenen. Der Vorwurf der Entstellung trifft 
nicht mich. 

4. Aus der Bemerkung über den Referenten der Han¬ 
noverschen Directorenconferenz und über Director Kaiser folgt 
doch nimmermehr, dass die „F. 8.“ wirklich für Prima (bezw. 
Obersecunda der lateinlosen und im Französischen weiter 
vorgerückten) Realschulen geeignet sei. Auch habe ioh sie 
in Programmen niemals als Schulleotüre angezeigt gefunden. 

5 . Viele Erklärungen L.’s findet der Schüler in seinem 
Lexikon und seiner Grammatik, sie waren also im Commentar 
überflüssig. 

Halle. R. Mahrenholtz. 


NOTIZ. 

Den germanistischen Theil redigirt Otto Behaghel (Basel, Bahnhofstrasse 83), den romanistischen nnd englischen Theil Fritz Neumanz 
(Fmbnrgi. B , Albertetr. 24). und man bittet die Beiträge (Beceneionen, kurze Notisen, Personalnachriehteu etc.) dem entsprechend gefälligst au adressiren. 
Die Redaction richtet an die Herren Verleger wie Verfasser die Bitte, dafür Sorge tragen zn wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romanistisehen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Oebr. Heoninger in Heilbronn zugesandt 
werden. Nur in dieeeroFalle wird die Redaction Biets im Stande sein, über neue Publicationen eineBeaprischung oder 
kürzere Bemerkung (In der Bibliogr.) su bringen. An Gebr. Henninger sind auch die Anfragen über Honorar und Bonderabzüge zu richten. 


Literarische Anzeigen. 



Neuer Verlag 

von 


Gebr. Henninger in Heilbronn. 


Altfranzösische Bibliothek, heraus¬ 
gegeben von Dr. Wendelin Foerster, Professor | 
der romanischen Philologie an der Univers. Bonn. 

VII. Band: Das altfranzösische Rolandslied. Text 
von Paris, Cambridge, Lyon, mit d. sog. Lothr. 
Fragm. und R. Heiligbrodfs Concordanztabelle zum 
altfranzösischen Rolandslied herausg. von Wendtim 
Foerster . XXÜ, 377 S. geh. M. 10 .— ! 

Früher erschienen: * 

Das altfranzösische Rolandslied. Text von Chateauroux 
und Venedig VII, hrsg. von Wendelin Foerster . (Altfranz. 
Bibliothek VI. Bd.) geh. M. 10.— 

La Chanson de Roland. Genauer Abdruck der Venetianer 
Handschrift IV, besorgt von Eugen Kolbing . geh. M. 5.— 
Das altfranzösische Rolandslied. Genauer Abdruck der 
Oxforder Hs. Digby 23, besorgt von Edmttnd Stengel Mit 
einem photographischen Facsimile. geh. M. 3.— 

Altfranzösisches Übungsbuch zum 

Gebrauch bei Vorlesungen und Seminarübungen 
hrsg. von W. Foerster und E. Koschwitz. i 

Erstes Zusatzheft: RolandmateriaHen, zusammengestellt 
von W. Foerster . 4 0 . V S. 166 Sp. geh. M. 3. — 


Früher erschien: 

Erster Teil: Die ältesten Sprachdenkmäler. Mit einem 
Facsimile. geh. M. 3.— 

Englische Sprach- und Literatur- 

denkmale des 16., 17. u. 18. Jahrhunderts, hrsg. 

von Karl Vollmöller. 

III. Band: The Life and Death of Doctor Faustus, 
made into a farce. By Mr. Mountford . With the- 
humours of „Harlequin and Scaramouche. London, 
1697. Mit Einleitung und Anmerkungen hrsg. von 
Otto Francke . geh. M. 1. 20. 

Früher erschienen: 

I. Band: Gorboduc or Ferrex and Porrex. A tragedy by 
Thomas Norton and Thomas SacSville. A. D. 1561. Edited 
by L. Toulsnm Smith, geh. M. 2.— 

II. Band: Marlowes Werke, historisch-kritische Ausgabe von 
//ermann Breymann und Albrecht Wagner. 1 . Tamburlaine 
hrsg. von A. Wagner, geh. M. 4 -— 

Mythologie der deutschen Helden¬ 
sage von Wilhelm Müller, o. ö. Professor 
an der Universität Göttingen. gr. 8 °. VIII, 
260 S. geh. M. 4 . 5o. 

Früher erschienen: 

Die Niflungasaga und das Nibelungenlied. Ein Beitrag 
zur Geschichte der deutschen Heldensage von A. Rastmann. 
geh. M. 5.— 

Teil und Gessler in Sage und Geschichte. Nach urkund¬ 
lichen Quellen von £. Z. Rochholt . geh. M. io.— 


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207 


1886. Literatarblatt für germanische und romanisuhe Philologie. Nr. 6. 


208 


Einladung zum Abonnement. 


Englische Studien. Organ für englische Philo* 
logie unter Mitberücksichtigung des englischen 
Unterrichtes auf höheren Schülern Heraus¬ 
gegeben von Dr. Eugen Kölbing, a. o. Professor 
der englischen Philologie an der Universität Breslau. 

Abonnementspreis pro Band von oa. 90 Bogen M. 15. — 

Einzelne Hefte werden zu erhöhtem Preise abgegeben. 

Vom IX. Band ist das 1. und 2. Heft erschienen, die Aus¬ 
gabe des 3. Heftes nahe bevorstehend. 

Inhalt des 3. (Schluss-) Heftes: Anmerkungen zu Macau- 
lay’s history VII. Von R. Thum. — Kleine Publikationen 
aus der Auchinleok-Hs. VIII. Die Feinde des Menschen. Von 
E. Kdlbing. — Litteratur. — Miscellen: Zu Amis and Ami- 
loun. Von E. Kdlbing. — Der Kanon für die englische 
Leotfire auf den Realgymnasien (bezw. Gymnasien) im An¬ 
schluss an die Verhandlungen der dritten Directoren-Ver¬ 
sammlung in der Provinz Hannover 1882. Von C. Th. Lion. 

— Zu Engl. Studien IX, 3. Von A. Rambeau. — Zu Engl. 
Studien IX, 2 p. 343. Von C. Stoffel. — Zu Bendans Aus¬ 
gabe von Soott's Tales of a Grandfather und die Accentuirung 
engl. Schriftsteller für die Leotüre von Anfängern. Von O. 
W erner. — Zu Engl. Studien IX, p. 38. Von J. M. Hart. 

— Ludwig Lemcke. Von W. M a n g o 1 d. — Englische Etymo¬ 
logien 8. Von F. Kluge. — Zu Engl. Studien IX, p. 161 ff. 
Von W. W. 8keat und W. Fick. 

SV* Soweit die zum Theil stark verminderten Vorräthe 
es noch gestatten , ist die Verlagsbuchhandlung erbötig , neu 
eintretenden Abonnenten bei Entnahme der ganzen Reihe oder 
der ersten sechs Bände Vorzugspreise einzuräumen . Nähere 
Angaben hierüber sind durch jede Buchhandlung zu erhalten; 
einzelne Bände oder mehrere aus der Reihe ausgewählte Bände 
ohne Ausnahme nur zum Abonnementspreis . 


FrftllZÖSlSCh6 Studien» Herausgegeben von G. 
Körting und E. Ko schwitz. 

Abonnementspreis pro Band von ca. 30 Bogen M. 15. — 
Einzelne Hefte werden zu erhöhtem Preise abgegeben. 

Erschienen: 

V. Band 1. Heft: Zur Syntax Robert Garniers. Von 
A. Haase. Einzelpreis M. 3.40. 

Unter der Presse, Ausgabe unmittelbar bevorstehend: 

2. Heft: Beiträge zur Geschichte der französischen 

Sprache in England. I. Zur Lautlehre der französ. 
Lehnwörter im Mittelenglischen. Von Dr. D. Behrens. 
Einzelpreis M. 7.60. 

Unter der Presse ferner: 

3. Heft: Die nordwestlichen Dialekte der langne d’oil 

(Bretagne, Anjou, Maine, Touraine). Von Ewald 
Gör lieh. 

Heilbronn, Mitte Mai 1886. 

$emtt«ger. 


Neuer Verlag von Breitkopf & Härtel in Leipzig. 


Griechische Grammatik 

von Gustav Meyer. 

— Zweite Auflage. — (La MW) 

A. u. d. T.: Bibliothek indogerm. Grammatiken Bd. III. 
gr. 8°. XXXVIII, Ö52 8. Mark 11.—. Geb. Mark 12.50. 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Englische Philologie. 

Anleitung zum wissenschaftlichen Studium der 
englischen Sprache. 

Von 

Johan Storni, 

ord Professor der romanischen und englischen Pbilologi« 
an der Universität Christiania. 

Vom Verfasser für das deutsche Publikum bearbeitet 

I. 

Die lebende Sprache. 

XVI, 468 8. geh. M. 9.— , geb. in Halbfrs. M. 10.50. 


Englische Lautlehre 

für 

Studierende und Lehrer. 

Von 

August Western, 

Lehrer an der höheren Schule au Fredriksstad. 

—= Vom Verfasser selbst besorgte deutsche Ausgabe. 2— 

VIII, 98 8. gr. 8°. Geh. M. 2 - 


Kurze Darstellung 

der 


englischen 


Aussprache ( 


Schulen und znm Selbstunterricht. 


Von 

August Western. 

40 S. 8«. Geh. M. —.SO. 


Im Verlage von Wilhelm Friedrich in Leipzig er¬ 
schien soeben: 

Die Pflanzen im alten Aegypten. 

Ihre Heimat, Geschichte, Kultur 
und ihre mannigfache Verwendung im socialen Leben, 
in Kultur, Sitten, Gebräuchen, Medizin und Kunst 
von 

Frans Wnenig. 

Mit zahlreichen Original-Abbildungen. 

■ Preis br. M. 12.—. 

Dieses ohne Zweifel epochemachende Werk eines früheren 
Sohülers des Prof. Georg Ebers, der sich mit einem 8ohlage 
einen Ehrenplatz in der zeitgenössischen Aegyptologie erobern 
wird, verdient sohon insofern die höohste Besoldung, als es 
tatsächlich die erste umfassende Arbeit in der in- und aus¬ 
ländischen Litteratur anf diesem bisher vollständig unbebauten 
interessanten Gebiete der Natur- und Kunsthistorie ist Das 
Werk wird das Interesse der Aegyptologen und Botaniker, 
Lehrer der Naturwissenschaften, Archäologen, Kunsthistoriker, 
Mediciner, Künstler u. s. w. im höchsten Masse erwecken. 
Autoritäten ersten Ranges, welche das Werk in Aushängebogen 
lasen, haben sein Erscheinen bereits enthusiastisch begrüsst. 

Vorräthig in jeder grösseren Buchhandlung. 



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209 


1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6 


210 


Verlag von GEBR. HENNINGEB in Heilbronn. 

Elemente der Phonetik und Orthoepie 

des Deutschen, Englischen und Französischen 

mit Rücksioht auf 

die Bedürfnisse der Lehrpraxis 

von 

Wilhelm Vietor. 

VHI, 271 8. geh. M. 4.80. 

German Pronunciation. Practice and theory. The 
best German - German Sounds, and how they are 
represented in spelling. — The letters of the alphabet, 
and their phonetic values. *- German accent. — Specimens. 
By Wilhelm Vietor, Ph. D., M. A. (Marb.), Professor 
of English Philology, Marburg Uniyersity eto. 8®. V, 
123 8. geh. M. 1.50, geb. in Ganzleinenband M. 2.— 


Diß Aussprache der in dem „Wörterverzeichnis für dio 
deutsche Rechtschreibung zum Gebrauch in den preuss. 
Schulen“ enthaltenen Wörter. Mit einer Einleitung: 
Phonetisches. Orthoepisches. Von Wilhelm Vietor. 
8®. IV, 64 S. geh. M. 1.— 

Christoph Friedrich Hellwag. Dissertatio de for- 

matione loquelae (1781). Neudruck besorgt von Willi. 
Vietor. (Phonetische Bibliothek.) 8®. IV, 60 S 

geh. M. 1.20 


Unter der Presse: 

Der Sprachunterricht muss umkehren! Ein 

Beitrag znr Ueber bür dungsfrage von Qnoosque Tandem. 
(Wilhelm Vietor.) Zweite nm ein Vorwort vermehrte 
Auflage. 


Verlag von Eugen Franck's Buchhandlung 
(Georg Maske) in Oppeln. 

Nachstehende Werke meines Verlages offerire ich bis 
auf Widerruf zu nachstehenden herabgesetzten Preisen (in 
remittirten Exemplaren). - — 

Frank, Jos. Satyre Mönippöe. Krit. rev. Text m. Einleitg. 
u. Anm. (Statt 10 M) QM 

Haaac, Dr. A., Bemerk, üb. d. Syntax Pascal’s. 

(Statt 3 M) 2 M 

-Syntakt. Untersuchungen zu Villhardouin u. Joinville. 

(8tatt 3,50) 2 M 

Hnmbert, Moliöre in Deutschland. (8tatt 6,50) 4 M 

Hündgen, Das altprovenzalische Boethiuslied mit Uebers., 
Glossar u. erklär. Anmerkgn. (Statt 6 M) 4 M 

Lindner, Grundriss der Laut- u. Flexions-Analyse. 

(Statt 2,80) 2 M 

Mahrenholtz, Dr. R. Voltaire-Studien. (8tatt 6 M) 4M. 

-Voltaire im Urtheile der Zeitgenossen. 

(Statt 3 M) 2 M 

Mangold, W. Moliöre’s Tartuffe. Gesohiohte u. Kritik. 

(Statt 5,60) 3 M 

Weidner, G. Der altfranz. Prosaroman von Joseph von Ari- 
mathia mit e. Einleitg. (Statt 5 M) 3 M 

Jede gute Buchhandlung ist in der Lage zu 
diesen Preisen zu liefern. 


Verlag von GEBR. HENNIflGER in Heilbronn. 


Unter der Presse: 

Phrases de tous les jours par Felix Franke. 

geh. M. —.80. 

Ergänzungsheft zu „Phrases de tous les 

jours“ von Felix Franke. (Uebersetzung, Anmer- 
kimgen und Besohreibung der französ. Laute.) 

geh. M. -.80 

Le franQai8 parl6. Morceaux choisis k Pusage des 
ötrangers avec 1a prononciation figuree par Pani Passy» 
professeur de langues vivantes k l’öoole normale des 
instituteurs de la f-'eine et au Collöge Sövignö k Paris, 
President de PAssooiation phonötique. geh. ca. M. <&.— 


Früher erschienen: 

Die praktische Spracherlemung auf Grund 
der Psychologie und der Physiologie der 
Sprache dargestellt von Felix Franke, geh. M. —.60 

Zur Förderung des französischen Unterrichts 
insbesondere auf Realgymnasien. Von Dr. 
Wilh. Mönch. geh. M. 2.- 

Gedanken und Bemerkungen aber das Studium 

der neueren Sprachen auf den deutschen Hochschulen 
von Dr. Gustav Körting. geh. M. 1.40 


Literarische Anstalt, Rotten & Loening 

in Frankfurt a. M._ _ 


Neu erschienen und durch alle Buchhandlungen zu be¬ 
ziehen : 


Beaumarchais. 

Eine Biographie 

von Anton Bettelheim. 

42 Bogen gross Octav in elegantester Ausstattung. 

Mit dem Bildniss Beaumarchais* in Heliogravüre. 

Preis M. 10.— Gebunden M. 11.— 

Beaumarchais, als 8ohöpfer Figaro*s, des Barbiers von 
Sevilla, und als Rächer seiner Schwester Marie an Clavigo, 
wurde schon za seinen Lebzeiten von Goethe und Mozart in 
Deutschland zu hohen Ehren gebracht. Aber nicht bloss dem 
Bühnenhelden hat Goethe dauernden Antheil bezeugt; in 
„Diohtung und Wahrheit“ sowie in den „Gesprächen mit 
Eckermann“ rühmt er diesen „aventurier fran$ais“ wiederholt 
als alten Liebling. 

Zum ersten Male in Deutschland erscheint hier eine um¬ 
fassende, bi 8 in die kleinsten Details ansgearbeitete Lebens- 
gesohichte dieses genialen Abenteurers. Mit bienenhaftem 
Fleisse hat Dr. Anton Bettelheim sein Material gesammelt, 
aus bisher unbenutzten Quellen gesohöpft, zahlreiche unge¬ 
druckte Papiere Beaumarchais* aus den verschiedensten in- 
und ausländischen Arohiven sich dienstbar gemacht und auf 
diese Weise ein Werk geschaffen, das, im höchsten Grade 
fesselnd, sich wie ein grosser Roman Best. Es ist ein inte¬ 
ressantes und piquantes Buch. 


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1880. Literaturblaft fOr germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


212 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn, 


Sammlung altenglischer Legenden, grössten- 

tbeila zum ersten Male herausgegeben von C. Horstmann, 
gr. 8. ni, 228 8. geh. M. 7. 20 

Altenglische Legenden. Neue Folge. Mit Einleitung 
und Anmerkungen herausgegeben von C. Horstmann. 
gr. 8. CXL, 536 8. geh. M. 21. - 

Barbours, des schottischen Nationaldichters 
Legendensammlung nebst dm Fragmenten seines 
Trojanerkriege« zum ersten Mal kritisch herausgegeben 
von C. Horstmann. Erster Band. gr. 8. XI, 247 8. 
geh. M. 8. Zweiter Band. IV, 308 S. M. 9. 60 

9V Im April-Heft von „The Scottish Reriew u ist diese 
Ausgabe von Barbours Legenden in einem ausführlichen Artikel 
durch Afr. Metcalfe höchst anerkennend besprochen! 

S. Editha sive chronicon Vilodunense im 

Wiltshire Dialeot aus Ms. Cotton Fanstina B III heraus¬ 
gegeben von C. Horstmann. gr. 8. VIU, 116 8. 

geh. M. 4. — 

Elis Saga ok Kosamundu. Mit Einleitung, deut- 

seher Uebersetzung und Anmerkungen. Zum ersten Mal 
herausgegeben von Engen Kölbing. gr. 8. XLT, 217 8. 

geh. M. 8. 50 

Die nordische und die englische Version der 

Tristan-Sage. Herausgegeben von Engen Kölbing. 

9 

I.Theil: Tristrams Saga ok Isondar. Mit einer literar¬ 
historischen Einleitung, deutscher Uebersetzung und 
Anmerkungen, gr. 8. CXLVIII, 224 8. 

geh. M. 12. - 

II. Theil: Sir Tristrem . Mit Einleitung, Anmerkungen 
und Glossar. Nebst einer Beilage: Deutsche Ueber- 
, Setzung des englischen Textes. XCIII, 292 8. 

Geh. M. 12. - 

Einleitung in das Studium des Angelsäch¬ 
sischen. Grammatik, Text, Uebersetzung, Anmerkungen, 
Glossar von Karl Körner. 

I. Theil: Angelsächsische Formenlehre . VIII, 67 8. 

geh. M. 2. — 

II. Theil: Angelsächsische Texte, Mit Uebersetzung, 
Anmerkungen und Glossar. XII, 404 8. 

geh. M. 9. - 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Alt-Ilion im Dumbrekthal. Ein Versuoh die Lage 
des homerischen Troia nach den Angaben des Plinius 
und Demetrius von Skepsis zu bestimmen von E. Bren¬ 
tano. Mit einer Karte der troischen Ebene. 

geh. M. 4. 20 

Zur Lösung der troianischen Frage. Nebst 

einem Nachtrag: Einige Bemerkungen über Schliemann’s 
Uios. Von E Brentano. Mit einer Karte der troischen 
Ebene und zwei Plänen. geh. M. 3. 50 

Troia und Neu-Ilion. Von E. Brentano. 

geh. M. 2. - 

Ueber den etruskischen Tauschhandel nach 

dem Norden von Hermann Gentbe. Neue er- 
weiterte Bearbeitung. Mit einer archäologischen Fund¬ 
karte. geh. M. 6. — 

Geographi l&tini minores. Coiiegit, recensuit, pro- 
legomenis iustruxit Alexander Riese, geh. M. 5. 60 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Die 

Aussprache des Latein 

nach 

physiologisch - historischen Grundsätzen 

von 

Emil Seelmann. 

gr. 8°. XV, 398 8. geh. M. 8. - 

Raetoromanische Grammatik 

vOn 

Th. Gärtner. 

(Sammlung romanischer Grammatiken.) 
gr. 8». XLVIII, 208 8. geh. M. 5 —, gob. in Halbfrz. M. 6 50. 

Die Gredner Mundart. 

Von 

Dr. Th. Gärtner. 

Mit Unterstützung der k. Akademie der Wissenschaften 
in Wien. 

gr. 4°. X, 168 8. (In Commission.) geh. M. 11.— 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Rheinische Wanderlieder und andere Dichtungen von Her¬ 
mann Grieben, Dritte, vermehrte Auflage der Gesammelten 
Gedichte. Mit dem Bildniss des Dichters, geh. M. 3. — 

eleg. geh. M. 4. — 

Alinania. Yliönoy- Versus cantabiles et meraoriales. Drei¬ 
sprachiges Studenten-Liederbuch. Auswahl der beliebtesten 
Studenten- und Volkslieder für Commers und ^Hospiz, Turn¬ 
platz und Wanderfahrt, Kränzchen und einsame Recreation. 
Von Franz Weinkauff, Erstes Heft geh. M. 1. — Zweites 
Heft M. 1.80. Zusammengebunden in eleg. Leinwandb&nd 
mit rothfem Schnitt M. 3. 50 

Carmina Clericoram. Studentenlieder des Mittelalters. Edidit 
Domus quaodam vetus. 8upplement zu jedem Commersbuoh. 
Fünfte Auflage. Eleg. geh. M. 1. — 

Jus Potandi oder deutsches Zechrecht. Commersbuch des 
Mittelalters. Nach dem Original von 1616 mit Einleitung 
neu herausg. von Dr. Max Oberbreyer. Vierte Auflage. 

Eleg. geh. M. 1. — 

Von dem schweren Missbrauch des Weins. Nach dem 
Original des Justus Moyss von Assmannshausen vom Jahre 
1580 mit Einleitung neu hrsg. von Dr. Max Oberbreyer . 

Eleg. geh. M. 1. — 

FlOia. Cortum versicale de flohis. Autore Griffholdo Knick- 
knackio ex FloilandiA. Ein makkaronisches Gedicht vom 
Jahre 1593. Nach den ältesten Ausgaben revidirt, mit einer 
neuen Uebersetzung, einer literarhistorischen Einleitung 
nebst Bibliographie, sprachlichen Anmerkungen und Varian¬ 
ten, sowie einem makkaronischen Anhang versehen und 
neu hrsg. von Dr. Sabellicus, Eleg. geh. M. 1. — 

Dissertatio juridica de eo, quod justum est circa Spiritus 
familiäres feminarum hoc est Pulices. Auctore Ottone 
Philippo Zaunftohliffer, Prof. ord. utr. jur. Marburgensi 
(O Pi Zio Jocoserio). Nach den ältesten und vollständigsten 
Ausgaben revidirt, mit einer literarhistorischen Einleitung, 
bibliographischen Notizen, sowie erläuternden Anmerkungen 
versehen u. neu hrsg. von Dr. Sabellicus, Eleg. geh. M. 1. — 


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213 


1886. Lituraturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. S. 


214 


Igferfafl von (^eßr. Jtenninaer in ^etCBronn. 


Faust. Ein Fragment. 

Von 

Goethe. 

Herausgegeben von B. Seuffert. 
(Deutsche Litteraturdenkmale des 18. u. 19. Jahrh. Bd. 5.) 
Geh. 80 Pf. Geb. in Leinwandband' M. 1,30. 


lauf! 

9»R 

(ßoftljf. 

Hit «Sinlrituug un 6 fovtlauftn&tr Ärfilärung 

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€rstrr f heil. Haritr Jiflonr. I änrittr C(iril. 

Ü. 3.76. <f<f. <£*(*»»•». «tft. WL. 6.26. $* tCcg. <£rU»»»». 

36. 6.— I 36. «.60. 

#ottfets tofftöftlitfen? Üiimn 

mit (tn Sus]ügiu aus 6 tm Butfj» 6 rs ftaSus 

im 

^arl Äimrotfi. 

#r|. |R. . $* efcf. ^(«»mMiO p. 3.20. 


Ephemerides und Volkslieder 

von 

Goethe. 

Herausgegeben von 
Ernst Martin. 

(Deutsche Litteraturdenkmale Bd. 14.) 
Geh. 60 Pf. Geb. in Leinwandband M. 1.10. 


Die guten Frauen 

von 

Goethe. 

Mit Nachbildungen der Originalkupfer. 
Herausgegeben von 
B. Seuffert. 

(Deutsche Litteraturdenkmale Bd 21.) 
Geh. 70 Pf. Geb. in Leinwandband M. 1.20. 


Frankfurter gelehrte Anzeigen 

vom Jahre 1772. 

Uerau8gegebea von B. Seuffert, mit einer Ein 
leitung von Wilhelm Seherer. 

(Deutsche Litteraturdenkm. Bd. 7. 8.) 

Erste Hälfte geh. M. 2.80. Zweite Hälfte geh. M. 3.80. 
Geb. in einen Leinwandband M. 7.50. 


Bit Kupferung htz gan}*n Ifauft 

auf htm Witner $of6urgt(jiatir. 

Bad* htm rrfltn (Sinhrutfi Bifprodjen uon 

Ü. 3. jSdjrötr. 

««s. ja. «.*«. 


0oftfer un5 öi t Wietit. 

3tuti Dorträgi uon 

H. 3 . jStQrötr. 

♦«». m. I.». 


#oftfet^ ^pfeigtnif. 

Jljr Drrfjältnift jur griidjifdjen tftagöhtt unh jura 
(Efjrifttutfiura. 

Dr. fr ILmtlw. 

#e|. 36. l.to. 


3u 

feun&frtörrifeigffcm #fßurtötag. 

l)r. (Shuarh Bafiell. 

36 . 2 . 40 . 


Soeben erschien: 

Sir Gowther. 

Eine englische Romanze aus dem XV. Jahrhundert 
kritisch herausgegeben 
nebst 

einer literarischen Untersuchung über ihre quelle 
sowie den gesamten ihr verwandten sagen- 
und legendenkreis 
mit Zugrundelegung der 

Sage von Robert dem Teufel 

von 

Karl Krenl. 

8°. XVI, 241 S. Preis 8 M. 

Oppeln. Eugen Franck’s Buchhandlung 

(Georg Maske). 


I In Commision wurde uns fibergeben: 

^ Die lateinischen Vorlagen zu den altfran¬ 
zösischen Adgar’schen Marien-Legenden. 

Zum erstenmale gesammelt und herausgegeben von Dr. 
Carl Neuhaus. 1. Heft M. —.80 

Weitere zwei Hefte sollen demnächst folgen. 

Von demselben Heraasgeber erschien in der Altfranzfis. 
| Bibliothek als IX. Band: 

' Adgars Marien-Legenden. Nach der Londoner He. 
Egerton 612 zum erstenmal vollständig heraasgegeben 
von Carl Neuhaus. geh. M. 8.— 

Heilbronn, Mai 1886. 


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215 


1886. Literaturblstt für germanische und romanischb Philologie. Nr. 5. 


216 


Verlag von Gebrv Henninger in Heilbronn. 


Mitte Mai 1886 . 


Durch schwere Erkrankung des Herrn Verfassers längere Zeit verzögert, soll nun bis Ende dieses 
Monats im Druck vollendet werden: 

Encyklopädie und Methodologie 

der 

romanischen Philologie 

mit besonderer Berücksichtigung des Französischen und Italienischen 


Grustav Körting. 

III. (Schluss*) Theil. 


Inhalt: 


Die Encyklopädie und Methodologie 

der romanischen Einzelphilologien. 


(Das Französische. 
Das Portugiesische. 


Das Provenzalische. — Das Catalanische. — Das Spanische. — 
* Das Italienische. — Das Rumänische. — Das Rätoromanische.) 

ca. 55 Bogen. Preis ca. M. 10.— 


Früher erschienen: 

Erster Theil: Zweiter Theil: 

I. Erörterung der Vorbegriffe. II. Einleitung in das Die Encyklopädie der romanischen Gesammt- 
Studium der romanischen Philologie. | Philologie. 

gr. 8®. XVI, 244 S. geh. M. 4.— I gr. 8®. XVIII, 505 8, geh. M. 7.— 



^ Hierzu eine Beilage von Karl J. Trflbner in Strassburg hetr. Gröber, Grundriss der 
romanischen Philologie etc. 


Verantwortlicher Redacteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Freiburg i. B. — Drnck von G. Otto in Darmstadt. 


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Literaturblatt 

für 


germanische romanische Philologie. 

Herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Nenmann 

o. 5. Professor der gern^DiBehen Philologie o. ö' Professor der romanischen Philologie 
an der Universität Basel. an der Universität Freibarg. 

Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 5. 

VII. Jahrg. Kr. 6. Jnni. 1886. 


Lar sso a. Isländska Handskriften No. 645 4 i 
den arnamagnwanska Sämlingen (Brenner). 

Fisch. Generalmajor ▼. Stille and Friedrich der 
Grosse eontr» Lessing (Muncker). 

Rübezahl, seine Begründung in der deutschen 
Mythe etc. (M o g k). 

Müiler, Siebenbürgische Sagen (Reissen- 
b e r g e r). 

Kern, Lehrstoff für den deutschen Unterricht in 


Prima (Behaghel). 

M a r 1 o w e s Tamburlaine hrsg. von Wagner I 
(KochX 

Mahrenholtz, Voltaires Leben und Werke II , 
(v. 8 a 11 w ü r k). 

Perey et Maugras, La vie intime de Voltaire 
aux D^lices et A Ferney (Morf)- i 

D’ Ancona, VarietA storiche e letterarie II f 
(0 a s p a r y). 


Hüllen, Vokalismns des Alt- und Nen-8icilia- 
nischen (Mussafia). 

81 e u b, Zur Namens- und Landeskunde der 
Deutschen Alpen (Unterforcher u. Alto n). 
Bibliographie. 

Literarische Mittheilungen, Personäl- 
nachrichten etc. 


j Aufruf den Hannoverschen Neuphilologentag betr. 


Isländska Handskriften N° 645 4° i den arna- 
magnseanska samlingen pä universitetsbiblioteket 
i Kobenhavn i diplomatariskt aftryck utgifven af 
LudvigLarssonfil. lic. I. Handskriftens äldre 
Del. Lund, Gleerup. 1885. LXXXV1II, 132 S. 8. 

Die von L. hier gebotenen Stücke, inhaltlich 
von geringer Bedeutung, mit Ausnahme etwa der 
l>orläksfeaga, sind theils von Unger, theils von Vig- 
füsson schon veröffentlicht; allerdings nicht ganz 
genügend und nicht im Zusammenhang. Die Ent¬ 
stehung des Cod. 645 setzt L. zwischen 1225 und 
1250 (Vigfüsson um 1200), eine verhältnissig alte 
Zeit, so dass ein genauer Abdruck für grammatische 
Untersuchungen recht erwünscht erscheint. Der 
Begriff „genauer Abdruck“ ist aber ein sehr schwan¬ 
kender und die neuesten Herausgeber nordischer 
Texte fassen ihre Aufgabe in so eigenthümlicher 
Weise auf, dass es geboten scheint, die vorliegende 
Ausgabe als Vertreterin einer ganzen Ausgabenklasse 
ins Auge zu fassen. In der ausführlichen Einleitung 
behandelt L. zunächst das Aeussere des Cod. 645, 
den Inhalt (Apostel- und Heiligenleben) und deren 
Originale; von S. 14 an Schriftzüge und Ortho¬ 
graphie der Hs. Schon die paläograpbischen An¬ 
gaben zeigen die mechanische Arbeitsart. Eine 
Seite Facsimile hätte mehr genützt als alle die 
Zahlen, die dem Paläographen zu wenig, anderen 
Leuten zu viel bieten. Was hat die Wissenschaft 
davon, zu wissen, dass fir immer, und zwar 172 Mal 
mit fra desgleichen 134 Mal mit f geschrieben 
ist? Dass a/ 163 Mal mit Ligatur geschrieben, 
welches die n Örter, in denen a p vorkommt und ver¬ 
bunden ist etc., wird wenige Sterbliche interessiren. 
Neben und zwischen derlei Mittheilungen entgehen 


I wirklich wichtige gar zu leicht dem Leser; so, dass 
, S = s und = ss. S. XXII ff. ist über die Ab- 
| kürzungen des Cod. Rechenschaft gegeben. Auch 
i hier wird Unglaubliches geleistet. Wir hören z. B. 

I dass " 2437 Mal m auödrücke, dass 7 2446 Mal er 
i bedeute, ’ 232 Mal an ersetze! Hätte L. uns lieber 
| gesagt warum 7 = er 1 nicht = ir, warum f — 
i fir nicht = firi (wo doch $ = voro, m = manna, 

! d® = dege, k° = kono). Also wo man zweifeln 
i könnte, fehlt Aufklärung, in an sich klaren, dabei 
j unwesentlichen Dingen wird man mit Genauigkeit 
| müde gehetzt. — Die Angaben über die Accente 
! des Cod. sind dankenswerth. Wir hören, dass 2774 
I Accente als wirkliche Längezeichen, 317 anders 
aufzufassen sind. Dabei scheint sich zu ergeben 
] (S. XXXV f.), dass her (hier) und pu mit kurzem 
Vokal mindestens gesprochen werden konnten. 
Neuisl. hkr (hjer ) wäre dann nach dem von mir 
(Handb. § 28. 5 ) beigebrachten Gesetz zu erklären. 
— S. XXXVI folgen umfangreiche Zusammen¬ 
stellungen über die Orthographie des Cod., da¬ 
zwischen sind Angaben über Wort- und Flexions- 
formen eingestreut. Die Schreibung der Hs. ist 
eine möglichst schwankende, unsichere, in phone¬ 
tischen Fragen darf sie daher nur mit allergrösster 
Vorsicht beigezogen werden. Beachtenswerth ist 
etwa, dass für sich auch schon d (Verhältnis 8:1) 
findet; dass die Silbe feu, wenn geschlossen, e besser 
wahrt, als wenn sie offen ist (sollte der Nebenton 
hier von Bedeutung sein und also besser die Fälle 
unterschieden werden, wo leg in ultima und wo es 
in paenultima steht?), dass gop und güp in der Be- 


1 Wegen des Alters des Cod. wahrscheinlich; wegen r ?c 
= terc u. ä. sicher. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


• 220 


deutung sich trennen. Dass aber der w-Umlaut von 
a um 1240 schon = neuisl. ö gewesen sei 2 , weil 0 
in 645 dafür gebraucht wird, sucht L. vergeblich 
darzuthun. Ich habe schon in meinem Handbuch 
darauf hingewiesen, dass in der Wiedergabe der 
o-Laute in unserer Hs. die grösste Unklarheit herrscht, 
und glaube auch jetzt noch, dass aus ihrer Bezeich¬ 
nung auf nichts geschlossen werden darf als auf 
die Unbeholfenheit des Schreibers (der vielleicht 
nach einem Dictate schrieb?). Uebrigens hätte L. 
bei seiner Betrachtung und Zählung die beiden 0 
trennen sollen. — Folgerungen aus der Hs. und 
anderwärts gewonnene Anschauungen sind nicht 
immer auseinander gehalten; daher z. B. der Wider¬ 
spruch auf S. LXIV und LXX, wo einerseits an¬ 
gegeben wird, in hallz (< halds ) sei d > t geworden, 
anderseits behauptet wird, bei der Schreibung haldz 
sei z — s. Dass kp überhaupt nach langer Silbe 
eher zu kt wird als nach kurzer, scheint L. erst 
dunkel zu ahnen trotz meines Handbuchs (oder da 
dies gemeiniglich ignorirt zu werden pflegt, trotz 
Bugges Angaben: N. Fornkvsedi S. XIV). — Was 
L. S. LXXXIII über die verschiedenen Bestand- 
theile der Stockh. Homilb. beibringt verdient alle 
Beachtung. 

Nun zur Ausgabe selbst. Sie ist etwas ange¬ 
nehmer zu lesen als L.’s Cod. reg. 1812 ä (s. Ltbl. 
1884 Sp. 380). Sie ist diplomatarisch im schlimmsten 
Sinne des Wortes. L. hat sich vollkommen der 
neuen Mode unterworfen, ja sie noch raffinirter 
ausgebildet als seine Vorgänger. „Nirnium non 
nocet“ ist hier doppelt falsch. Einmal wird durch 
das nimium der Eindruck ein falscher, und dann 
wird der Schein erweckt, als ob das blosse satis* 
den wissenschaftlichen Anforderungen nicht genügte. 
Ich stelle an eine gute Ausgabe eines Textes die 
Anforderungen: dass sie 1) alle Wörter in der 
Gestalt biete, wie sie der Schreiber nach aller¬ 
grösster Wahrscheinlichkeit ausgeschrieben haben 
würde 3 ; 2 ) alles Unsichere als solches zu bezeich¬ 
nen; 3) all das an die Hand zu geben, was der 
philologischen Textkritik förderlich sein könnte. 
Nr. 3 fallt bei unserem Texte weg, da die Kritik 
sich schwerlich mit ihm zu befassen haben wird. 
Um zu zeigen wie L. seine Aufgabe aufgefasst hat, 
möge ein drastisches Beispiel folgen. Was würde 
L. wohl dazu sagen, wenn ein Setzer so gewissen¬ 
haft wäre, die Zeichen &, fl., ^ omes Manu- 
scriptes als et, libra, florenus, denarius mit Typen 
wiederzugeben? Und doch setzt unser Hrsg, mitten 
in seinen nordischen Text non, vel, sed, post, nisi 
wo die Hs. die lateinischen Abbreviaturen hat; 
warum nicht auch et für 7 ? Dabei genirt es ihn 
nicht, dass post bei ihm auch den Dativ regiert 
(postnautom 18 7 , »osf rape 19 n ), dass einmal (S. 109 18 , 
nicht 119 wie S. XXIX citirt wird) nisi für nema = 
sumere, nehmen steht. Doch diese unwissenschaft¬ 
liche Peinlichkeit ist noch nicht das Schlimmste. 

2 [So freilich auch Schagerström, Arkiv 3, 143. Noreen, 
Ai. Gr. § 81.] 

8 Die Grammatik darf versuchen den gesprochenen Laut 
genauer wiederzugeben oder die historische Entwicklung in 
der Schreibung anzudeuten. Letzteres und nichts Anderes 
wollte ich in meiner Grammatik mit der von Mogk gänz¬ 
lich missverstandenen Trennung von e und i in den Endungen. 
Die Aussprache beider war doch wohl identisch. 


Durch die gleichmässige Anwendung des Cursiv- 
druckes für jeden nicht ausdrücklich auf der Zeile 
im Cod. stehenden Buchstaben werden die that- 
sächlichen Verhältnisse verdunkelt, durch ihre Nicht¬ 
berücksichtigung die statistischen Zahlen falsch. Ist 
z. B. die Endung 7 — er, so wächst die Zahl der 
S. XLI als 46 angegebenen er auf mehr als 1000 ; 
wäre sie = ir so stünden umgekehrt den 46 er 
statt 3 ir mehr als 1000 ir gegenüber. Da L. seinen 
Text so gründlich durchgearbeitet hat 4 , wäre es 
ein Leichtes gewesen, dem Leser auch im Abdruck 
des Cod. die Resultate dieser Mühe zu Gute kommen 
zu lassen. So aber gibt der buntscheckige Druck 
kein getreues Bild der Hs., denn was in dieser 
unwesentlich, «einfach und klar ist, wird hier zu 
stark und als unsicher hervorgehoben und doch 
nicht alles so wiedergegeben, dass man die hand¬ 
schriftliche Schreibung davon abnehmen kann. Be¬ 
trachten wir eine, die erste Textseite. Hier finden 
wir auf 23 Zeilen 111 Buchstaben und Silben in 
Cursivdruck, die in der Hs. nicht ausgeschrieben 
sind, dazu eine Reihe s in Cursive, die im Cod. 
über der Zeile stehen (ohne Abkürzung zu sein), 
eine Anzahl nicht umschriebener M, T, R, N, i ohne 
Punkte, ri = ng, zweierlei s (zweierlei r auf den 
folgenden Seiten; warum nicht auch f, ags. tc, 
doppelte l u. a.?). Von den 111 Abkürzungen sind 
die allermeisten so sicher, als ob sie ausgeschrieben 
wären (ein Theil nicht einmal eigentlich Abkürzungen 
zu nennen, wo statt Buchstabenzeichen Silbenzeichen 
stehen), so allan, sem, como, brotenn, frtße, ßorro, 
saa, ßeitn u. s. w.; bei anderen gibt der Schreib¬ 
gebrauch im Codex und die Grammatik (wonach 
ja auch L. die Cursivbuchstaben wählen musste) 
sicheren Aufschluss; so bei ßonn, da< 7 , bann, oc % 
d ege, manwa, vaere, bi/cope, madv , ja auch bei 
vatne/>, me/>, oXmqtcom^ tele-, so bleiben nur die von 
L. nicht veränderten T, S, M als einigermassen 
zweifelhaft. Alle ungewöhnlichen Abbreviaturen, 
alle Auslassungen, Abkürzungen die das Ausgelassene 
selbst nicht bezeichnen, sondern nur eine Auslassung 
andeuten, könnten ja immerhin cursiv ergänzt werden. 
Wollte man aber ein vollkommenes Bild der Hs. 
geben (und wer bedarf eines solchen?), dann hätte 
man gründlicher verfahren müssen selbst als Larsson. 
Dann durfte man nicht die völlig fehlenden Buch¬ 
staben gerade so ergänzen wie die wirklich, aber 
über der Zeile geschriebenen, wie L., der g als 
ggpingar, k or als kowor, k’or aber als konor wieder¬ 
gibt 5 . Man durfte ferner nicht z. B. * und ~ ganz 
gleich als ar (oder ra) drucken. Kurz den An¬ 
forderungen, wie sie moderne Liebhaberei an die 
Textausgaben stellt, entspricht nur ein Facsimile- 
druck ohne alle Auflösungen, wozu gute Augen, viel 
Geduld und viel Geld, aber nicht viel geistige Arbeit 
gehört — Geniessbarer wäre L.’s Ausgabe immer¬ 
hin durch übersichtlichere, tabellarische Zusammen¬ 
stellungen geworden. Es fragt sich nur zum 
Schlüsse, ob der Codex überhaupt so viele Arbeit 


4 Dies hätte freilich nicht erst nach dem Drucke ge¬ 
schehen müssen. 

8 In jüngeren Hss. hat man freilich versteinerte Abbre¬ 
viaturen, deren Bestandtheile nicht mehr mit der gleichzeitigen 
Orthographie und Ausspraohe stimmen: 5 ra = og mig u.s. w. 
Für 645 kommen solche Analogien aber nicht in Betracht. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 6. 


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— von Seite des Hrsg.’s und Setzers, wie von Seite 
der Leser — verdient. Für die Lautlehre ist gar 
wenig Sicheres und noch weniger Neues daraus zu 
holen, für die Flexions- und Bedeutungslehre aber 
genügten, glaube ich, die bisherigen Ausgaben. Ein 
gutes Bild der schlimmen Orthographie, der zahl¬ 
reichen Abkürzungen geben die Proben, die Gislason 
in seinen Frumpartar gedruckt bat. 

Dass L. den Druck sehr sorgfältig überwachte, 
glaube ich bestimmt annehmen zu dürfen, unter den 
controllirten Zahlencitaten habe ich nur das oben 
corrigirte zu beanstanden gehabt, im Text habe ich 
nichts bemerkt, was an genauer Correctur zweifeln 
liesse. Die Ausstattung des Buches ist gut. 

München, 13. Jan. 1886. O. Brenner. 


Fisch, Richard, Generalmajor y. Stille und 
Friedrich der Grosse contra Lessing. Berlin, 
Weidmann. 1885. IV, 96 S. 8. 

Eine neue Untersuchung des Verhältnisses, in 
welchem Friedrich der Grosse zu unserer Literatur 
stand, war nur dann berechtigt und sogar erwünscht, 
wenn, wie Fisch gethan hat, die eignen Werke des 
Königs sorgfältiger als bisher zu diesem Zwecke 
durchforscht wurden.' Dabei konnte, ja musste sich 
im Einzelnen manches schätzenswerthe Resultat er¬ 
geben; dass das Urtheil der modernen Literatur¬ 
geschichte über Friedrich II. im Allgemeinen da¬ 
durch verändert werde, war nicht zu erwarten. 
Denn die alten Vorwürfe, Friedrich habe für unsere 
Literatur kein Herz gehabt, sind ja längst widerlegt; 
längst hat man sich beschränkt zu sagen, er habe 
nur keinen Sinn, kein Verständniss für sie gehabt 
und es habe ihm an der Kenntniss der besten Werke, 
die sie zu seiner Zeit hervorbrachte, gefehlt. Und 
dass man mit diesem Vorwurf den Manen des Philo¬ 
sophen von Sanssouci „doch ganz bedeutend Unrecht“ 
zufüge, davon überzeugen mich auch die beiden 
Kapitel nicht, die Fisch vorläufig aus seinem gross 
angelegten Werke veröffentlicht. 

Es ist eine tüchtige, fleissige Arbeit, durch 
Sachkenntniss und Sorgfalt ausgezeichnet, bisweilen 
nur etwas zu breit gerathen. Dem, der sich bereits 
selbständig mit der Specialgeschichte jener Jahre 
beschäftigt hat, bringt sie zwar kaum viel Neues; 
aber auch er wird dem Verfasser für die über¬ 
sichtliche, geordnete Zusammenstellung des Stoffes 
aus den verschiedenen Quellen, besonders aus z. Th. 
entlegenen Briefwechseln, dankbar sein. Dazu zieht 
Fisch aus den einzelnen Aeusserungen manche 
Schlüsse, die man mit Unrecht bisher zu ziehen 
versäumte. Aber dabei verleitet ihn sein Scharf¬ 
sinn, auch mancherlei aus den Worten herauszulesen, 
oder zwischen den Zeilen zu suchen, was wohl nie 
daselbst stand. Er berichtigt im Einzelnen oft das 
landläufige Urtheil; aber er schiesst auch hie und 
da über das Ziel hinaus. So sind z. B. Langes 
Verdienste gerecht gewürdigt, sine ira et Studio; 
aber anderseits sollte auch nachdrücklicher betont, 
nicht bloss kurz angedeutet sein, welch wichtigen 
Dienst Lessing durch seine Polemik gegen den zu 
seiner Zeit unzweifelhaft überschätzten Pastor zu 
Laublingen der selbständigen Fortentwicklung unserer 


Literatur leistete. Langes Horazübersetzung war 
viel besser als die früheren Versuche ähnlicher Art; 
Lessing bewies, dass sie gleichwohl noch recht 
schlecht war. Von seinen Zeitgenossen hatte dies 
keiner gesehen oder wenigstens keiner den Muth 
gehabt es auszusprechen. Die Autorität Langes 
blendete den jungen Kritiker nicht, in die üblichen 
Lobeserhebungen stimmte er nicht ein: seine Heftig¬ 
keit war freilich an sich gewiss unnöthig; allein 
trug sie nicht wesentlich dazu bei, dass ein freierer, 
kräftigerer Geist in unserer Literatur zu wehen 
begann? Dass aber gar das „Vademecum“ die un¬ 
mittelbare Ursache gewesen sein soll, weshalb 
Friedrich seine Gunst der deutschen Literatur ent¬ 
zog und gegen Lessing persönlich für immer ein¬ 
genommen war, ist nichts als eine kühne Vermuthung 
des Verfassers, deren Beweis er schuldig bleibt. 
Friedrichs Abneigung gegen Lessing wird viel ein¬ 
facher — wie das auch bisher immer geschehen 
ist — aus dem unliebsamen Handel erklärt, in den 
<^er junge Magister mit Voltaire gerieth. 

Ebenso wenig beweisen die von Fisch ange¬ 
führten mündlichen oder brieflichen Aeusserungen, 
dass Friedrich II. alle die Werke der deutschen 
Dichtung, die er einmal nannte oder selbst oberfläch¬ 
lich besprach, gelesen habe. Das Urtheil des Königs 
bezog sich vielmehr oft nur auf den Gegenstand eines 
Werkes, so z. B. bei Klopstocks Messiade, von der 
er keine Zeile gelesen zu haben brauchte und doch 
ihren allgemeinen Inhalt kennen kolmte. Wenn er 
gleichwohl 1780 über die deutsche Literatur schrieb, 
so war das allerdings, um Fischs eigne Worte zu 
brauchen, eine naive Dreistigkeit und ist im Grunde 
schon von den gleichzeitigen Lesern als solche auf¬ 
gefasst worden. 

Im Besonderen ist zu S. 96 zu bemerken, dass, 
wie längst nachgewiesen, das bekannte absprechende 
Urtheil Friedrichs nicht auf das Nibelungenlied, 
sondern auf Wolframs „Parzival“ ging. Ferner: 
darf man wirklich von „Unkenntniss der lateinischen 
Sprache“ bei Friedrich II. reden? (S. 77). 

Die Charakteristik Stilles und der Rolle, die 
er als Freund des grossen Königs sowie als Förderer 
unserer Literatur und ihrer Pfleger gespielt hat, ist 
ein erwünschter Beitrag zur Geschichte des deutschen 
Geisteswesens im vorigen Jahrhundert. Vielleicht 
würde hier die Durchforschung handschriftlicher 
Quellen (etwa im Gleimschen Familienarchiv u. s. w.) 
noch einzelne hübsche Ergebnisse geliefert haben; 
das gedruckte Material hat Fisch gewissenhaft aus¬ 
genutzt. 

Bayreuth, 26. Sept. 1885. Franz Muncker. 


Rübezahl , seine Begründung in der deutschen 
Mythe, seine Idee und die ursprünglichen Rübe¬ 
zahlmärchen. Hohenelbe 1884. Im Selbstverläge 
des „Österreichischen Riesengebirgs - Vereins“. 
170 S. gr. 8. 


Die Preisarbeiten des österreichischen Riesen- 
gebirgsvereins zeigen uns so recht, wie unsere 
Mythologie und Märchenforschung noch im Argen 
liegt, und wie man in weiteren Kreisen nicht viel 
über Grimm und Simrock hinauszukommen vermag 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


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Gerade an diesem Stoffe batte ein mit den neueren 
mythologischen Forschungen Vertrauter zeigen 
können, wie mythologische Stoffe zu behandeln 
sind. Ist je eine Sage in ihrem bekannten Umfange 
lokalisirt, so ist es die ßübezahlsage, und deshalb 
können wir von ihr lernen, wie die Gegend den 
Mythos wachsen und gedeihen lässt, wie sie die 
Mutter der Sage, die Amme des Märchens wird. 
Wie bei allen Mythen der Poesie darf auch die 
Rübezahlsage nicht vom Orte, wo man sie findet, 
getrennt werden, und ist aus der Natur desselben 
und dem Charakter seiner Umwohner zu erklären 
zu suchen. — Man muss das redliche Streben der 
Certanten anerkennen, und die Mythologen werden 
auch dem Riesengebirgsverein für die Stellung 
der Preisaufgabe und Veröffentlichung der vier 
besten Bearbeitungen Dank schulden, denn dadurch 
ist endlich Flu^s in einen Märchenstoff gekommen, 
der wohl mit am tiefsten im germanischen Volke 
wurzelt, nachdem er in allerlei Gestalten die Heimat 
verlassen und sich in die Herzen des deutsche^ 
Volkes, namentlich der Kinder Bahn gebrochen hat. 
Diese Beliebtheit hat aber der Stoff hauptsächlich 
dadurch erreicht, dass er in seinem innersten Gehalt 
eng mit dem Charakter unseres Volkes zusammen¬ 
hängt, und hierin liegt eine Bürgschaft für den 
deutschen Ursprung unseres Märchens. 

Bevor ich die vorliegenden Arbeiten kurz be¬ 
spreche, möchte ich das Resultat zusammenfassen, 
zu dem mich eigne Studien über Rübezahl geführt 
haben. — Aus den Nachträgen in Grimms Mytho¬ 
logie (III S. 139) lernen wir, dass der Rubezagel 
bereits im 13. Jh. als Eigenname vorkommt, dass 
demnach die Bekanntschaft mit dem Geiste in eine 
Zeit reicht, die weit Vor der schriftlichen Fixirung 
der Rübezahlmärchen liegt. Das Auftreten in ver¬ 
schiedenen Gegenden Deutschlands beweist die Ver¬ 
breitung des mythischen Hintergrundes. Jene von 
Grimm angeführte Stelle belehrt uns aber auch über 
die ursprüngliche Gestalt des Namens, von der 
auszugehen ist; Akrosticha bei Praetorius auf ‘Ruben- 
zahgel’, das Sprichwort: ‘das ist auch des Ruebzogls 
einer seiner Arbeiter gewesen u. ähnl. schirmen 
diese ursprüngliche Gestalt Von dieser muss auch 
die Deutung des Namens ausgehen. ‘Zagel’ heisst 
Schwanz, dann das Ende, das Letzte eines Dinges 
(vgl. mhd. Wb. s. v.). ‘Rübe* ist unser Rübe, hat 
aber in der älteren Sprache eine umfassendere Be¬ 
deutung als heute (= Wurzel) gehabt. Nun zeigen 
unsere Schnittergebräuche, dass im Volke der‘Zagel’, 
der ‘Schwanz* des Getreides bis heute eine Rolle 
spielt. Der Schnitter der letzten Halme hat das 
‘Haferschwänzle* oder den ‘Weizenschwanz’, auch 
den Zagel, den ‘Zäl’ schlechthin (vgl. Mannhardt, 
Mytholog. Forschungen S. 185). Dieses Bündel der 
letzten Halme wird dem Getreidedämon geweiht, cs 
ist ihm heilig und wird vom Herrn oft selbst ge : 
schnitten und als schützender Talisman in der 
Scheune aufbewahrt. Man verehrte somit unter 
dem Talisman den Dämon des Getreides selbst, der 
ja oft thierähnlich mit langem Schwänze gedacht 
wurde; auf diesen ging dann aber auch der Name 
dieser letzten Halme über, wie ja anderseits auch 
der Schnitter derselben ihn erhielt. Dieser Parallelis- | 
mus der Namen führt zur Deutung. Wie dem 


Getreide und anderen Erzeugnissen des Boden9 
nach Anschauung unserer Vorfahren ein dämonisches 
Wesen innewohnte, dem man göttliche Verehrung 
zollte, so zweifelsohne auch den heilkräftigen Wur¬ 
zeln und Kräutern, die ja im Alterthume eine grosse 
Rolle spielen. Diese Wurzeln sind unter dem ‘Rübe* 
des ersten Theiles unseres Namens zu verstehen. 
Da ferner die Gegend des Riesengebirges ganz be¬ 
sonders reich an solchen war, so dass nachweisbar 
noch im 14. Jh. fremde Kaufleüte hierher kamen, 
um diese zu sammeln und auszubeuten (vgl. Schranka 
S. 155), so erklärt es sich, dass gerade in dieser 
Gegend die Sage sich lokalisirt hat. ‘Rübezahl* ist 
demnach ursprünglich der Theil der Wurzeln, den 
man dem Dämon, welcher den heilsamen Kräutern 
innewohnt, darbrachte und dann wie beim Getreide 
der Dämon selbst. Unter diesem Namen trat er 
besonders im Riesengebirge auf, weil hier durch 
die Erzeugnisse des Bodens der Dämon mehr als 
anderswo Verehrung fand. Und da man von ihm 
so mancherlei Gutes erhielt, was Wunders, wenn 
man später, als die ursprüngliche Vorstellung er¬ 
blasste, auch andere Naturkräfte, anderen Besitz 
und vor Allem den Metallreichthum des Gebirges 
auf ihn übertrug. Die Volksphantasie steht eben 
nie stille; sie ist ein nie versiegender Bronnen und 
schafft immer Neues. Als Dämon der heilwirkenden 
Kräuter und Wurzeln ist also Rübezahl ein gemein¬ 
germanisches göttliches Wesen; der Rübezahl unserer 
Märchen dagegen ist ein Kind des Riesengebirges, 
seiner Natur und seiner Bewohner, das mit der 
Zeit gewachsen und zu einem wahren Schutzgeiste 
der Umwohner seiner Heimat geworden ist, der 
dem Unglücklichen beisteht, den Bösen straft, dem 
die Thiere des Gebirges heilig sind und der selbst 
als Dämon allerlei Gestalten annimmt Das Verächt¬ 
liche, das in ihm liegt, ist hauptsächlich dem Ein¬ 
flüsse der Geistlichkeit zuzuschreiben, wie diese ja 
mit Allem gethan, was unseren Vorfahren heilig und 
verehrungswerth war, wenn auch eingeräumt werden 
muss, dass die Schattenseiten der Natur des Riesen¬ 
gebirges, vor Allem die rauhen Winde, sicher schon 
früher manchen Schelmenstreich des Berggeistes 
erdichten .Hessen. Eine bestimmte Gottheit wie 
Wodan oder Donar im Rübezahl zu suchen, ist 
also durchaus unangebracht, zumal da man von 
vollständig falscher Auffassung dieser Gottheiten 
ausgeht und in sie gemeingermanischen Mythos 
hineinlegt, während sich doch fast Alles, was wir 
über unsere Hauptgottheiten besitzen, lokal gebildet 
hat: der nordische Thor ist ebenso wenig wie der 
fränkische Wodan in diesem Umfange eine gemein¬ 
germanische Gottheit gewesen. 

Ludw. Friedr. Richter in München, dem die 
Preisrichter den ersten Preis zuertheilt haben, macht 
den Anlauf, die vergleichende Mythologie in seiner 
Arbeit heranzuziehen, vermag aber dieselbe nicht 
weiter zu verwerthen, als dass er ihre Elemente 
im Stadium der ersten Entwicklung kurz charakteri- 
sirt. Neuere Arbeiten, namentlich Mannhardts und 
Schwartz 1 , scheinen ihm unbekannt zu sein, und 
von der sogenannten niederen Mythologie des ge¬ 
meinen Volkes, die doch bei aller Mythenforschung 
den Stamm bildet, an dem sich die Mythen der 
Poesie gleichsam anranken, findet 9ich in der Arbeit 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


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keine Spur. Abgesehen von mehreren antiquirten 
and falschen Ansichten (man vgl. S. 8 die Bemer¬ 
kung über die Edden, S. 35 die über die nord. 
Götterdämmerung und die Äsen, S. 12 die Aus¬ 
beutung der Legende von Rübezahl und Emma zur 
zeitlichen Fixirung unserer Sage u. ähnl.), wider¬ 
spricht es vor Allem dem heutigen Standpunkte 
wissenschaftlich mythologischer Forschung, wenn 
S. 37 behauptet' und im folgenden durchgeführt 
wird, dass in Rübezahl drei Göttergestalten zu einer 
einheitlichen verschmolzen seien. Eben die Methode, 
ans der scheinbaren Uebereinstimmung einiger Mär¬ 
chen- und Sagenzüge mit eddischen Mythen, die nur 
zu oft ganz klar in der gleichen Natur oder dem 
gleichen Charakter der Menschen ihre Wurzeln hat, 
die Identität deutscher »Märchen und nordischer 
Mythen zu schliessen, ist es gewesen, die unsere 
Mythologie so sehr in Misscredit gebracht hat, und 
Haupts derber Ausspruch, man sei in unserer Mytho¬ 
logie so weit gekommen, dass man in jedem stinken¬ 
den Bocke einen altgermanischen Gott finden wolle, 
ist leider oft nur allzuwahr. Man kann solchen Vor¬ 
wurf auch vorliegender Arbeit nicht ersparen. Und 
wenn nun nach all diesen Vergleichen S. 60 ff. 
Rübezahl als grosser Genius des Riesengebirges 
im Allgemeinen richtig aufgefasst wird, so ver¬ 
stehe ich nicht, wozu es all der vorhergehenden 
Erörterungen bedurfte. Wäre der Verf. hiervon 
ausgegangen und hätte die viele, oft ganz unange¬ 
brachte Gelehrsamkeit aus Grimms Mythologie (und 
hiervon besass er nicht einmal die neuste Auflage) 
und anderen Werken bei Seite gelassen, wäre da¬ 
gegen tiefer in das Wesen der Volksphantasie und 
ihrer Wurzeln eingedrungen, so hätte er sicher 
einen Antheii an der Aufklärung der Rübezahlsage. 
Besonders hervorheben möchte ich noch die inte¬ 
ressanten Mittheilungen aus den Koppenbüchern. 

Klar in der Deutung des Namens und in der 
Begründung der Rübezahlsage als deutscher Stoff 
ist die zweite Arbeit, die von Johann Böhm (S. 73— 
106). wenn sie auch nichts wesentlich Neues bringt 
und mythologische Berichte öfters verkehrt auffasst. 
Von den dämonischen Wesen in der deutschen 
Mythologie weiss auch Böhm nichts und in Rübe¬ 
zahl Wodan wiederzuerkennen ist schon deshalb 
falsch, weil der Verf. von diesem eine irrige Vor¬ 
stellung hat und ihn noch ganz nach Grimm als 
den höchsten Gott aller germanischen Stämme auf¬ 
fasst. Auch der Freiherr von Schulenburg (S. 107— 
130) findet in Rübezahl Odin, wie aus dem IV. 
Kapitel hervorgeht, doch scheint derselbe weder über 
diesen noch über andere germanische Gottheiten 
eine Vorstellung gehabt zu haben. Dabei verwerthet 
der Verf. die Quellen, namentlich den Prätorius, so 
unkritisch, dass wir nur in der Aufzählung dieser, 
wodurch die anderen Aufzählungen vervollständigt 
werden, einigen wissenschaftlichen Werth erkennen 
können. — Schon durch seine Deutung des Rübe¬ 
zahl als Bergsage und durch die Behauptung, Prä¬ 
tonus habe den Namen „wie ein elastisches Gummi¬ 
band“ behandelt (S- 150) dokumentirt sich Schranka, 
dessen Arbeit wir S. 131 —170 finden, als Dilettant 
•uf dem Gebiete der Sprach- und Sagenforschung. 
Er sucht überhaupt nirgends tiefer in das Wesen 
unserer Sage einzudringen, wenn er auch mit seinem 


negativen Tasten der wahren Deutung Rübezahls 
„als des mächtigen Berggeistes des Riesengebirges“ 
mit Richter am nächsten kommt. 

Leipzig. E. Mogk. 


Müller, Friedrich, Siebenbürgische Sagen. 

Zweite veränderte Auflage. Wien, Gracser. 1885. 
404 S. 8. 


Die vorliegende Sagensammlung, von dem auf dem 
Gebiete der siebenbürgischen Geschichtsforschung 
rühmlich bekannten Hermannstädter ev. Stadtpfarrer 
Friedrich Müller herausgegeben, ist der erste Band 
der „Siebenbürgisch-deutschen Volksbücher“, als 
deren zweiter Haltrichs „Deutsche Volksmärchen 
aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen“ (4. Auflage) 
und als deren dritter Theil „Fronius, Bilder aus 
dem sächsischen Bauernleben in Siebenbürgen“ (3. 
Aufl.) erschienen ist. Ueber die beiden letzteren 
Bücher 1 ist in den letzten Jahren wiederholt ge¬ 
handelt worden, so dass die blosse Erwähnung der¬ 
selben hier genügt. 

Müllers Buch ist im Jahre 1857 zum ersten 
Male erschienen. In der neuen Auflage ist es im 
Ganzen und Grossen dasselbe geblieben wie früher. 
Doch weist die Vergleichung der beiden Auflagen 
auch einige Unterschiede auf. 

Vor Allem hat die Zahl der Sagen um ein be¬ 
deutendes zugenommen. Früher bot.der Hrsg, bloss 
444 Nummern, heute sind deren 620, wovon übrigens, 
wie natürlich, die deutschen Sagen die weitaus 
grösste, die magyarischen und rumänischen eine 
nur kleine Zahl ausmachen. 

Die erste Auflage versuchte aber auch den 
Sagenstoff mythisch zu deuten. Da jedoch Müllen- 
hoff sofort nach dem Erscheinen des Buches dem 
Hrsg, seine Bedenken gegen ein solches Beginnen 
kund gab und seither nicht bloss Müllenhoff, sondern 
auch Mannhardt, Scherer und Andere der üblichen 
mythischen Ausbeutung der Märchen und Sagen 
entgentraten, so sah sich Müller veranlasst, in der 
neuen Auflage der „Siebenbürgischen Sagen“ seine 
Anmerkungen mit den mythischen Deutungen fallen 
zu lassen. Im übrigen verzichtet er jedoch nicht 
auf seinen frühem Standpunkt, da er in der Vorrede 
zur zweiten Auflage erklärt, dasö in Haltrichs Mär¬ 
chen und den vorliegenden deutschen Sagen „Ueber- 
lieferungen einer seit siebenhundert Jahren vom 
nationalen Volkskörper getrennten Kolonistengruppe 
aufbewahrt sind von solcher Uebereinstimmung mit 
den Märchen und Sagen des Mutterlandes, dass sie 
als ein aus diesem im wesentlichen schon bei der 
Einwanderung mitgebrachter Schatz angesehen wer¬ 
den müssen. Und doch werden zwei Jahrhunderte 
(vom zehnten bis zwölften), nimmt man Rücksicht 
auf die Verkehrsbedingungen jener Zeit, nicht leicht 
von jemandem als ausreichend angesehen werden, 
um auf irgend einem der oben (von. Scherer, Jacob 
Grimm S. 111) bezeichneten Wege alle diese Ueber- 
lieferungen nicht nur an den Niederrhein und von 
dort über Schlesien und Nordungarn an die Bistritz 

1 Die verdienstvollen Verfasser sind seit dem letzten 
Erscheinen ihrer Bücher aus dem Leben geschieden, Fr. Fr. 
Fronius am 14. Februar und Josef Halbrich am 17. Mai 1886. 


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1886. Literaturblatt für germanische nnd romanische Philologie. Nr. 6. 


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und den Alt zu bringen, sondern das fremde Gut 
auch so durch und durch in deutsches umzuformen*. 
So Müller. 

Ueber die siebenbürgisch-deutscben Märchen 
und Sagen werden jedenfalls noch eingehende For¬ 
schungen angestellt werden müssen, bevor eia ab¬ 
schliessendes Urtheil über deren Herkunft abgegeben 
werden kann. Doch meine ich, dass diese volks¬ 
tümlichen Ueberlieferungen eben bei der von Müller 
hervorgehobenen Uebereinstimmung mit denen des 
deutschen Mutterlandes nicht anders beurteilt werden 
können, wie die letzteren. Ueber die Vergangenheit 
der deutschen Märchen aber orientirt Benfeys 
Pantschantantra, wo wiederholt auch Haltrichs 
Märchen herangezogen sind, genügend. Und sollte 
bei dem innigen Verkehre, der stets zwischen dem 
deutschen Mutterlande und der siebenbürgischen 
Kolonie bestand, nicht auch an eine später als bei 
der Einwanderung der Siebenbürger Sachsen erfolgte 
Uebertragung der Märchen und Sagen in das ferne 
Karpathenland zu denken sein? Daneben würde 
auch die jüngst bei der Besprechung der vorliegen¬ 
den Sagensammlung im „Siebenbürgisch-deutschen 
Tageblatte“ (Nr. 3658) ausgesprochene Auffassung 
noch Geltung haben können, wonach ein Theil der 
Sagen in Siebenbürgen selbst entstanden wäre. 

Was die mythologischen Erörterungen anlangt, 
so hat Müller jedenfalls gut gethan, dieselben dies¬ 
mal nicht aufzunehmen. Es wird überhaupt die 
Untersuchung über die siebenbürgischen Sagen zu¬ 
nächst darin ihre Aufgabe sehen müssen, die ver¬ 
wandten Volksüberlieferungen zu den siebenbürgischen 
heranzuziehen, das Gemeinsame festzustellen, das 
Besondere herauszuheben und möglichst klar zu 
machen, um so jener umfassenden Erforschung 
deutscher Sagen vorzuarbeiten, die doch noch ein¬ 
mal unternommen werden muss. 

Gerne würden wir die vorerwähnte Aufgabe 
der siebenbürgischen Forschung von dem Heraus¬ 
geber dieser Sammlung gelöst sehen, da die Umsicht 
und der Scharfsinn, die alle Arbeiten desselben aus¬ 
zeichnen, nur Treffliches erwarten lassen. Doch 
bereits in der Vorrede zu dieser Auflage seiner 
Sagen weist Müller leider auf die Geschäfte seines 
Berufes hin, die ihm die Müsse für tiefere und um¬ 
fassendere Studien nicht gewähren. 

Vorläufig aber wollen wir uns der vorliegenden 
Sammlung freuen. Sie ist ebensowohl durch die 
Zahl und Mannigfaltigkeit der Sagen, wie durch 
deren verständnisvolle Auswahl und volkstümliche 
Darstellung ausgezeichnet. Auch die Ausstattung 
des Buches ist aller Ehren werth. 

Graz. K. Reissenberger. 


Kern, Franz, Lehrstoff für den deutschen 
Unterricht in Prima, Berlin, Nicolai. 1886. 
197 S. 8. 

Das Buch bietet eine Poetik, mit einer Ein¬ 
leitung über das Kunstwerk im Allgemeinen und 
über die Eintheilung wie das gegenseitige Verhält¬ 
nis der Künste. An die ästhetischen Darlegungen 
schlissen sich da und dort Erörterungen an, die 
dem Gebiete der Ethik, Psychologie, Rhetorik an¬ 


gehören. Wir zweifeln nicht daran, dass die Schrift 
Kerns dem Lehrer des Deutschen mannigfache An- 
regung bieten wird. Der Verfasser ist ein Feind 
der Phrase und der Verschwommenheit; er sucht 
überall wirklich Greifbares, unmittelbar Klares zu 
geben. Einen besonderen Reiz erhält seine Dar¬ 
stellung dadurch, dass er überall bestrebt ist, die 
Anschauungen der Dichter selbst über ihre Kunst 
uns vorzuführen. Im Abschnitt über das Drama 
hat Frey tags „Technik des Dramas* Einfluss geübt, 
was sehr zu billigen ist. 

Da das Buch eine zweite Auflage erleben dürfte, 
seien einige Bemerkungen über Einzelheiten gestattet. 
Bei der Frage nach dem Wesen des Schönen Hessen 
sich Schillers Ausführungen im Briefwechsel mit 
Körner sehr gut verwerthen. Sonderbar ist die 
Anordnung S. 47: a. Assonanz, b. Allitteration, 
c. Reim; übrigens ist es nicht richtig, dass die 
Assonanz lediglich „der Gleichklang betonter Vokale* 
sei. Nicht sehr befriedigend ist die Charakteristik 
der poetischen Rede. Es hätte doch auch etwas 
vom Verhältniss des poetischen Wortschatzes zu 
dem der Prosa gesagt werden sollen. Inwiefern 
die Litotes der Rede Anschaulichkeit gibt, bleibt 
unklar; die Definition der Metonymie ist nicht ge¬ 
nügend. Hier würde die Benutzung von Gerbers 
„die Sprache als Kunst* förderlich gewesen sein. 
Ebenso würde das über das Wortspiel, Oxymoron 
u. dgl. Gesagte gewonnen haben, wenn Fischers 
schöne Abhandlung über die Entwicklungsformen 
des Witzes wäre zu Rathe gezogen worden. Im 
Kapitel über das Drama vermisse ich — mit Rück¬ 
sicht auf einige Abschnitte der Hamburgischen 
Dramaturgie — einen Hinweis auf das Verhältniss 
des Dichters zur Geschichte; könnte nicht auch 
Schillers Vorrede zur Braut von Messina verwerthet 
werden? Was S. 147 gegen den deus ex machina 
geltend gemacht wird, ist doch nicht der eigentliche 
Grund! Ebenso werden Wenige damit einverstanden 
sein, dass „das Drama im Allgemeinen deshalb er¬ 
greifender ist als die Lyrik, weil die Handlung 
zeigt, ob das Gefühl wahr und echt ist* 4 (S. 152). 
Ein Drama ohne alle und jede Exposition (S. 157) 
kann ich mir nicht recht vorstellen. 

Der Stil des Verfassers ist an einzelnen Stellen 
auffallend nachlässig; vgl. S. 48 oben, S. 146 Schluss 
des ersten Absatzes, S. 148 unten. 

S. 146 Z. 12 von oben lies „psychische* statt 
„physische*; S. 151 letzte Zeile des Textes soll es 
wohl „Feinheit“ statt „Freiheit* heissen. 

Basel, 29. Jan. 1886. Otto Behaghel. 


Marlowes Tambnrlaine hrsg. von Al brecht 
Wagner. Heilbrunn, Gebr. Henningen 1885. 
XL, 211 S. 8. M. 4. (Englische Sprach- und 
Literaturdenkmale des 16., 17. und 18. Jh.’s hrsg. 
von Karl Vollmöller. Heft 2.) 


Nach englischem Vorbilde eröffnete Wilhelm 
Braune 1876 die Reihe der in Deutschland erschei¬ 
nenden Neudrucke. Seinen Neudrucken aus dem 
16. und 17. Jh. liess Bernhard Seuffert seit 1881 
die „deutschen Literaturdenkmale des 18. Jahrhun¬ 
derts*, die bald auch auf das 19. Jh. ausgedehnt 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


230 


wurden, folgen. Im gleichen Jahre und gleichen 
Verlage (Henninger) eröffnete Vollmöller die „Samm¬ 
lung französischer Neudrucke“ und 1883 trat auch 
das erste Heft der „englischen Sprach- und Literatur¬ 
denkmale“ ans Licht. In der Zwischenzeit begann 
A. Sauer die Sammlung der „Wiener Neudrucke“, 
und im Mohrschen Verlage kamen Neudrucke aus 
dem Kreise der deutschen Romantiker heraus. Von 
den Neudrucken deutscher Literaturdenkmale unter¬ 
scheiden sich die englischen und französischen durch 
Mittheilung eines vollständigen kritischen Apparates. 
Nachdem das erste Heft, von Miss L. Toulmin Smith 
bearbeitet, eine treffliche Ausgabe der ersten regel¬ 
mässigen englischen Tragödie, des Gorboduc ge¬ 
bracht, eröffnet das vorliegende zweite eine „histo¬ 
risch-kritische Ausgabe“ von Marlowes Werken. 
Die Nothwendigkeit einer solchen Arbeit ist durch 
J. Schippers Dissertation „de versu Marlovii“ (Bonn 
1867) längst erwiesen. Neuerdings hat A. Schröer 
(1881 im 4. Bande der Anglia) in seiner Unter¬ 
suchung „über die Anfänge des Blankverses in 
England“ die Bedeutung des Tamburlaine für die 
Entwickelungsgeschichte des fünffüssigen Jambus 
hervorgehoben. Wir besitzen von der Tragödie 
Tamburlaine drei alte Einzeldrucke von 1590, 1592 
und 1605. Eine von Langbaine für 1593 erwähnte 
Octavausgabe hat nach Wagners Annahme niemals 
existirt, ebenso wenig eine Quartausgabe von 1590. 
Die Octavausgabe von 1592 (B) ist nur ein Abdruck 
der Octavausgabe von 1590 (A), und auch die Quart¬ 
ausgabe von 1605 (C) ist in der Hauptsache aus 
A abzuleiten. Wagner hat seiner Ausgabe A zu 
Grunde gelegt, die Varianten von B und C buch¬ 
stabengetreu in absoluter Vollständigkeit mitgetheilt. 
Des weiteren sind die fünf Drucke des Tamburlaine, 
welche zwischen 1826 und 1885 in den Gesammt- 
ausgaben der Marloweschen Werke erschienen, be¬ 
rücksichtigt worden, so dass Wagners. Neudruck das 
gesammte vorhandene kritische Material darbietet. 
Zur Erklärung einzelner Ausdrücke sind in den 
„Anmerkungen“, die ich freilich lieber als Fussnoten 
unter dem Texte gesehen hätte, neben Shakespeare 
auch andere Elisabethanische Dichter herangezogen 
worden. — Von besonderem Interesse ist Wagners 
Nachweis über die von Marlowe benutzten Quellen: 
das Buch des Spaniers Mexia „Silva de varia lecion* 
Sevilla 1543, von dem 1571 und 1576 englische 
Uebersetzungen erschienen, und die Vita magni 
Tamerlanis des Italieners Petrus Perondinus Florenz 
1553. Wie dies Delius in seiner Shakespeareausgabe 
gethan, theilt auch Wagner grössere Abschnitte aus 
diesen beiden Quellenwerken Marlowes mit, um so 
das Verhalten des Dramatikers seinem Rohstoffe 
gegenüber anschaulich zu machen. Wagners Aus¬ 
gabe ist so nach jeder Richtung hin eine vorzügliche 
zu nennen und erregt den Wunsch, dass die folgenden 
Hefte, welche uns Marlowes übrige Werke bringen 
sollen, in kürzeren Zwischenräumen, als bis jetzt 
zwischen der Publikation der einzelnen Hefte der 
englischen Literaturdenkmale verflossen, erscheinen 
mögen. 

Marburg i. H., 28. Nov. 1885. Max Koch. 


Mahren hol tz, R., Voltaire 1 » Leben und 
Werke. 2 . Theil: Voltaire im Auslande (1750— 
1778). Oppeln, Maske. 1885. 208 S. M. 5. 

Auf verhältnissmässig beschränktem Raume hat 
Mahrenholtz seine Voltairebiographie zu Ende ge¬ 
bracht, ohne irgend Wesentliches zu übergehen; 
vielleicht hätte nur das Stillleben in Ferney noch 
eingehender geschildert werden sollen (vgl. Ristel- 
huber, Un touriste allemand k Ferney en 1775. 
Paris, 1878). Ueber die letzten Tage des Dichters 
hat M. schon im ersten Theile berichtet; dieser 
zweite schliesst mit einer kurzen Charakteristik des 
Menschen, Dichters und Philosophen, die trotz des 
warmen Tons, in weichem sie geschrieben ist, der 
historischen Wahrheit nichts vergibt. Dadurch, 
dass M. Voltaires Leistungen auf jedem einzelnen 
Gebiete seiner vielseitigen Wirksamkeit ohne Rück¬ 
sicht auf den chronologischen Gang der Lebens- 
’geschichte für sich behandelt, ist bei vertieftcrer Be¬ 
handlung eine wünschenswerthe Zusammendrängung 
des biographischen Stoffes ermöglicht worden. Eine 
Vergleichung der damaligen Zustände und Ansichten 
mit denen der Gegenwart hat sich dem Verf. mehr¬ 
fach nahe gelegt, ganz besonders da, wo er über 
Voltaires praktische Toleranzbestrebungen zu be¬ 
richten hatte. Wir hätten gewünscht, dass er sich 
hier mehr Zurückhaltung auferlegt hätte, einmal weil 
erst die zwischen der Gegenwart und der Zeit 
Voltaires in der Mitte liegende Entwickelung, welche 
doch ausserhalb des Rahmens des Buches fällt, die 
Berechtigung oder Zweckmässigkeit einer solchen 
Vergleichung erweisen müsste, noch mehr aber des¬ 
halb, weil der Biograph des Patriarchen von Ferney 
jeden Schein der Tendenz auch in unseren Tagen 
noch meiden muss. — Wir gestatten uns fürs 
Einzelne noch etliche Bemerkungen. 

S. 6. Die Fälschung auf der Diamantentaxation 
des Juden Hirschei kann nicht als erwiesen ange¬ 
sehen werden. — S. 26. La Beaumelles Ausgabe der 
Briefe der Frau von- Maintenon ist eine absichtliche 
Fälschung. Der Mann verdient die schonende Be¬ 
handlung nicht, die M. ihm angedeihen lässt. — Der 
Abschnitt über Rousseau (S. 92 ff.) bedarf einiger 
Berichtigungen. Rousseau schildert sich nirgends 
„selbst als einen grillenhaften Weiberfeind, der in 
unnatürlichen Ausschweifungen seine starke Gesund¬ 
heit zerrüttete“; er hatte dazu auch keine Veran¬ 
lassung. Auch hat das Erscheinen des Emil ihn 
nicht zur „Flucht aus Genf“ gezwungen (S. 98). 
Leider muss man auch gestehen, dass die Charak¬ 
teristik Rousseaus in Voltaires Guerre civile de 
Genfeve die Hauptzüge richtig trifft; Rousseaus Ver¬ 
halten gegen Voltaire lässt sich in keiner Weise 
entschuldigen. — S. 117 sollte es Z. 20 heissen 
Wasp und Früon . Druckfehler sind nicht selten. — 
Der Abschnitt über die philosophischen Schriften 
Voltaires ist recht gut, wenn man im Einzelnen 
auch wohl anderer Ansicht sein kann. Das Gedicht 
Jean qui pleure et qui rit (M. schreibt J. qui pleure 
et Jean qui r.) schildert nicht „mit leichtverhülltem 
Spott die Frivolität des gegenwärtigen Geschlechts“ 
(S. 144), sondern ist das unumwundenste Selbst¬ 
bekenntnis des Dichters in der anmuthigsten Form. 
Dass es ihm überhaupt auch in der Philosophie 


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1886. Lifceraturblatt für germanische und romanisohe Philologie. Nr. 6. 


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weniger auf logisch sichere Beweise ankam, als auf 
eine bequem abgerundete, für das tägliche Leben 
leidlich befriedigende Gesammtanschauung der Dinge, 
hätte vielleicht entschiedener betont werden müssen. ! 
Auch seine Toleranzbestrebungen haben z. Th. diesen, 
wenn man so 6agen will, pathologischen Grund; 
theologische Streitigkeiten hatten für V. nie so viel 
Werth, dass er durch sie den Frieden und Genuss j 
seines ohne gesellschaftliche Duldung unerfüllbaren 
Lebensideals sich hätte verkümmern lassen mögen. — 
Aus diesem Grunde können w’ir auch V.’s Schriften 
über Rechtspflege u. ä. nicht so viel Werth bei¬ 
legen wie der Verf. (S. 172). Wer so oft aus- j 
spricht qu’xl est des dttits qu’il faut toujours tächer 
d’ignorer, mag ein recht liebenswürdiger Mensch I 
sein, ein unerschütterlicher Apostel der Gerechtig- j 
keit wird er nie werden. — Die Bedeutung des 
Testaments des Pfarrers Meslier (S. 191) wird erst 
richtig gewürdigt, wenn man es mit dem „Glaubens¬ 
bekenntnis des savoyischen Landpfarrers 44 vergleicht,* 
das eben zu jener Zeit so tiefen Eindruck machte, 
dass Voltaire etwas Aebnliches auch glaubte ans 
Licht geben zu müssen. 

Der Reichthum an Namen und Sachen, welche 
das Mahrenholtzsche Buch enthält, veranlasst uns | 
zu dem dringlichen Wunsche, der Verf. möge einer 
zweiten Auflage ein ausführliches alphabetisches 
Register beigeben. 

Karlsruhe, 16. Mai 1886. E. v. Sallwürk. 


La Vie intime de Voltaire aux Dälices et k 
Ferney 1754—17.78, d’apr&s des lettres et des 
documents in^dits par LucienPerey et Gas ton I 
Maugras. 2* me üdition. Paris, Calmann Levy. ' 
1885. III, 546 p. 8. fr. 7,50. J 

Etwa fünfzig bis jetzt unbekannt gebliebene ! 
Briefe Voltaires selbst neben einer grossen Zahl j 
von Briefen, Billets, Aufzeichnungen über ihn, her- , 
vorgegangen aus seiner nächsten Umgebung, sowie 
zeitgenössische Mittheilungen über Menschen, die zu 
seinem Verkehr in Lausanne und Genf gehörten, 
bilden die partie in^dite dieses Bandes, die somit 
umfangreich genug ist, um Aufmerksamkeit zu er¬ 
regen. 'Die Herausgeber haben diese Inedita dem 
grossen Publikum vorführen wollen, das mit Vol¬ 
taires Lebensgeschichte nur oberflächlich bekannt 
ist und haben sich deshalb nicht damit begnügt, 
ihre Dokumente, etwa mit jeweiliger Verwaisung 
auf Desnoiresterres’ Sammelwerk, abzudrucken, son¬ 
dern rekapituliren die Voltairebiographie seit 1749 
mit specieller Berücksichtigung derjenigen Theile, , 
für welche sie neues Material beizubringen in der 
Lage sind. Sie wollen populär darstellen, etwas 
Ganzes, Selbständiges geben, nicht bloss eine Er¬ 
gänzung. Und hierin sind sie meines Erachtens zu 
weit gegangen, denn sie verweilen bei vielen Vor- ! 
kommnissen aus Voltaires Leben, zu deren Beleuch¬ 
tung sie keine Inedita bringen, offenbar einfach, um 
ihrer Darstellung etwas mehr agrements zu geben, 
pour £gayer la matiöre, so z. B. bei der Erwähnung 
des Kirchenbaues zu Ferney (295 ff.), der Kom¬ 
munion von Ostern 1768 (422 ff), der Entlassung I 
Collini’s (188 ff), des Streites mit dem Präsidenten 


de Brosses (301 ff.), des Besuches der du Boccage 
(p. 200, cf. Grimm, Corr. litt. 1. November 1764), 
der Aufnahme der kleinen Corneille in Ferney 
(p. 308 ff.) etc. Hier wird derjenige, der Voltaire 
schon etwas kennt, der das Buch um der Inedita 
willen liest, ungeduldig längst Bekanntes zu über¬ 
schlagen veranlasst sein. So ist auch die ganze 
einleitende Erzählung des Berliner Aufenthalts und 
des Frankfurter Arrests eine durchaus nutzlose 
Digression, die um so eher hätte unterbleiben können, 
als sie durch Erwähnung der„Monsir a und r poeshie u 
des Residenten Freytag und ähnlicher Fabeln be¬ 
weist, dass es ihr nicht um wirkliche Rekapitulation 
der bisherigen Forschungen zu thun ist, sondern 
um die Ergötzung des Lesers. — Die beiden Edi¬ 
toren, die es bei der Herausgabe der Briefe Galianis 
(2 voll.) und der Mämoiren der Frau von Epinay 
(2 voll.) so zu sagen mit einer terra incognita zu 
thun hatten, wo fast jede ihrer Mittheilungen auch 
dem Fachmanne Belehrung brachte, scheinen sich 
nicht Rechenschaft davon abgelegt zu haben, dass 
sie jetzt als Voltairebiographen ein vollständig anderes 
Land betraten, ein Land, das schon seit einem 
Jahrhundert kreuz und quer durchforscht ist. Hier 
war eine skrupulöse Berücksichtigung dessen, was 
die Vorgänger geleistet hatten um so weniger zu 
unterlassen, als sie an der Hand der Pariser Biblio¬ 
theken leichter vorzunehmen war als irgend anders¬ 
wo. Und daran fehlt es. Diese Forschungen, die 
j ich vermisse, hätten im Buche selbst deswegen nicht 
in aufdringlicher Weise sich zu präsentiren brauchen; 
sie hätten die nur für den kundigen Leser erkenn¬ 
bare Basis der Darstellung abgeben müssen. Sic 
wären äusserlich vielleicht durch nicht viel mehr als 
durch eine durchgehende genaue Datirung 
aller Angaben und durch etw’as reichlichere 
Anmerkungen zum Ausdruck gekommen, statt 
deren dann andere ohne Schaden hätten unterdrückt 
werden können. 

Man sehe z. B. Kap. IV das Jahr 1756 (Auf¬ 
enthalt in Lausanne) betreffend (p. 118—137). Es 
enthält zwei Inedita: einen interessanten, aber un- 
datirten Auszug aus dem Tagebuch einer jungen 
Lausannerin, theils Neues (z. B. über Zulime, die 
nach dem Misserfolg von 1740 in Paris 1761 eine 
Reprise erlebte), theils bereits Bekanntes (cf. Des¬ 
noiresterres V, 208) bringend, und einen Brief der 
Denis, dessen Provenienz wie leider so oft nicht 
angegeben wird und der ungenügend datirt ist. 
Alles Uebrige ist bekannt, zum grössten Theil in 
Desnoiresterres, der Rest in Voltaires Briefen zu 
finden. Wer dort nachscblägt sieht aber, dass es 
sich nicht bloss um Briefe von 1756, sondern auch 
um spätere bandelt. So ist auch das Haus in 
Lausanne selbst (p. 137) erst im Frühjahr 1757 
gekauft worden, und der dort angezogene Brief an 
Thieriot datirt vom 2. Juni 1757. Was also in 
Kap. IV angeblich über 1756 berichtet wird, gehört 
z. Th. erst ins folgende Jahr. Um für ihr Kap. IV 
mit seinen zwei Inedita eine hübsche, angenehm 
lesbare Darstellung zu finden, vernachlässigen sie 
die genaue Datirung der neuen wie der alten Doku* 
mente und lassen den Leser für 1756 glauben, wn 
doch schon frühere sorgfältigere Darsteller, wie Des* 
noiresterres, auf 1756 und 1757/58 vertheilt hatten« 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


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Das ist dis Signatur des ganzen Buches: Es 
bringt Neues, aber dieses Neue ist auf eine Weise 
mit dem Alten verquickt, die einen Rückschritt be¬ 
deutet und demjenigen, der Voltaire studiren will, 
unnöthige Schwierigkeiten bereitet. 

Auch genaue Citirung vermisse ich oft, nament¬ 
lich für Stellen aus Grimms lit. Corresp. Hier sei 
denn auch bemerkt, dass die Stelle, die p. 200 ohne 
nähere Angabe als von Frau von Epinay herrührend 
citirt wird, wörtlich in der Corresp. litt. 1. Nov. 
1764 sich findet; eine zweite ähnliche ib. 1. Mai 
1768. Einiges der angeblichen Inedita ist auch 
schon ganz oder theilweise bekannt gewesen, so 
Dr. Tronchin’s Brief über Voltaire’s muthmassliches 
Ende (p. 483; bei Gaberel, Voltaire und les Genevois 
p. 145), desselben bekannter Brief über Voltaire’s 
stürmisches Sterben (p. 529; ib. p. 146); Voltaire’s 
Brief an Haller vom 13. Febr, 1759 (p. 227), ist 
sogar schon bei Lebzeiten der beiden Correspon¬ 
denten mehrfach gedruckt worden, schliesslich von 
Haller selbst in seinem „Briefwechsel mit dem Herrn 
von Voltaire“ (Kleinere Schriften, Bern 1772, III, 
357 f. cf. Desnoiresterres V, 315 f.). 

Wenn auch Andere, die mehr Hilfsmittel zur Ver¬ 
fügung haben, vielleicht noch dies oder jenes als bereits 
gedruckt nachweisen können, so bleibt doch noch 
so viel des Ungedruckten, dass sich eine Lectüre 
des angenehm geschriebenen Buches lohnt. Dieses 
Neue ist freilich durchweg nur eine Bestätigung 
des schon bekannten Alten. Das Bild des Mannes 
und seiner Umgebung wird in nichts modificirt, 
sondern nur an einer Reihe von Stellen detaillirt 
Vorzüglich trifft diese Detailschilderung einzelne 
Mitglieder der Genfer und Lausanner Gesellschaft 
und die Madame Denis, deren Liebebedürfniss durch 
einen neuen Brief von 1757 (sie ist 1710 geboren) 
illustrirt wird und deren Bemühungen um die Er¬ 
laubnis zur Rückkehr aus dem Pariser Exil nach 
Ferney (1768/69) durch eine Correspondenz mit 
dem Residenten Hennin trefflich ins Licht gesetzt 
werden. — Voltaire selbst zeigt in den Inedita kaum 
eine neue Seite: er läugnet die Autorschaft des 
Candide (p. 242), begeht andere literarische Unauf¬ 
richtigkeiten (p. 251), schimpft auf Rousseau 
(p. 293 etc ), zeigt noch in den letzten (fünf) Briefen 
die er Mitte Mai 1778 von Paris an seinen nach 
Ferney verreisten Sekretär Wagni^re schreibt, die 
unverwüstliche Vitalität und fieberhafte Thätigkeit, 
die wir an ihm kennen etc. — Hennins Briefe aus 
Genf an seinen Schwager in Paris (1766—1778) 
lehren manches aus dem Leben von Ferney, erklären 
z. B. Voltaires Krankheit von 1773 (p. 481) gegen¬ 
über den Verläumdungen der Madame Denis (Grimm, 
Corresp. in6dite, Paris 1829 p. 348). Wir erfahren 
allerlei willkommene Details aus der äussern Ge¬ 
schichte der Pucelle, des Candide, der Guerre de 
Gen&ve, der Encyclopädie (Artikel: Genive), ver¬ 
schiedener Dramen, des Corneillecommentars, des 
Pascalcommentars etc.; Beiträge zur Calas- und 
Sirven-Correspondenz. Am werthvollsten erscheinen 
mir die Mittheilungen «ur Geschichte der Bühne in 
Dälices, Lausanne, Carouge Chätelaine, Tourney, 
Ferney und Genf. — p. 85 n. und 149 n. sind zwei 
Verbesserungen zu den bisherigen Drucken der 
Voltaireschen Correspondenz gegeben. — Der Name 


des p. 136, 226 etc. genannten Lausanner Geistlichen 
lautet bei Haller immer Le reche und nicht Ler- 
v fe c h e (cf. L. Hirzel, Hallers Gedichte CCCXCV n.). 
Bern, 17. Dec. 1885. Morf. 


1 )’Ancona, Alessandro, Varietä Storiche e 
Letterarie, Serie II. Milano, Treves. 1885 . 
393 S. 8. 


Der beim Erscheinen von D’Anconas Studj 
di Critica e Storia Letteraria hier von mir 
ausgesprochene Wunsch, dass der ausgezeichnete 
Literarhistoriker fortfahren möchte, seine in Zeit¬ 
schriften zerstreuten Arbeiten zu sammeln, ist in 
erfreulicher Weise in Erfüllung gegangen. Auf die 
Studj folgte ein erster Band von Varietä Sto¬ 
riche e Letterarie (1883), dann die Studj 
sulla Letteratura Italiana de 9 primi se- 
coli (Ancona 1884), und nun ein zweiter Band der 
Varietä. In diesen Varietä ist eine grössere 
Anzahl von weniger umfangreichen Artikeln ver¬ 
einigt, welche sich in leichter und anziehender Dar¬ 
stellung über ein weites Gebiet von Gegenständen 
erstrecken, reich an mannigfaltiger Belehrung und 
feinen Beobachtungen und namentlich von einer 
warmen Liebe zur Kunst und lebendiger patriotischer 
Empfindung beseelt sind. Zum grossen Theile sind 
es Schriften, die bei Gelegenheit von neuen Publi¬ 
kationen entstanden, kritische Essais von jener Art, 
für welche die Franzosen das glänzende Beispiel 
gegeben haben; von einer Würdigung und Charak¬ 
teristik des gerade vorliegenden Buches erheben sie 
sich zu einem selbständigen Studium des Gegen¬ 
standes und geben diesem seine wahre Beleuchtung 
durch die Verknüpfung mit den allgemeinen Gesichts¬ 
punkten der politischen und literarischen Geschichte. 
In der Literatur das Echo der Geschichte, das 
Spiegelbild der Sitten zu suchen, das ist die Auf¬ 
gabe, welche den Verfasser am meisten anzieht. — 
Für wünschenswerth hätte ich gehalten, dass bei 
den einzelnen Arbeiten Ort und Zeit ihrer ersten 
Publikation angegeben worden wäre. 

Der erste Artikel: II Romanzo della Rosa 
in Italia beschäftigt sich mit dem von Castets 
1881 unter dem Titel II Fiore publicirten Gedicht, 
welches in 232 Sonetten eine verkürzende Bearbei¬ 
tung des altfrz. Rosenromans gibt. Nach einigen 
interessanten Bemerkungen über die Entwickelung 
der allegorisch didaktischen Poesie in Frankreich 
und Italien charakterisirt D’Ancona den französischen 
Roman und die Abweichungen des italienischen 
Gedichtes vermittelst einer kurzen Analyse des 
letzteren. Er nennt den Roman de la Rose treffend 
eine „Epopöe der gegen die Vernunft siegreichen 
Sinnlichkeit“. Die italienische Bearbeitung scheint 
ihm von einem Florentiner verfasst zu sein, und er 
bringt sie in Verbindung mit dem schon von Castets 
in diesem Sinne angeführten Sonett: Messer Brur 
netto, questa pulzeüetta, welches sich unter den 
apokryphen Liedern Dantes gedruckt findet. Ja, 
D’Ancona hält das Sonett geradezu für die Wid¬ 
mung des Fiore an Brunetto Latini. Die dort ge¬ 
nannten Frati Alberti spielten auf den im Fiore 
vorkommenden Frate Alberto d’Agimoro an, und 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


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mit dem Giano sei Jean de Mcung gemeint, wie 
das Castets vermuthet hatte. Daher wird geschlossen, 
dass die Composition des Fiore zwischen 1284 (die 
Zeit der Vollendung des Roman de la Rose ) und 
1294 (das Todesjahr Brunettos) falle, und dass 
Dante Alighieri nicht Verfasser des Sonettes, ge¬ 
schweige denn des Fiore sein könne. Freilich, wenn 
das Sonett sich an Brunetto Latini richtet, so scheint 
der scherzende Ton desselben für Dantes pietätvolles 
Verhältniss zu ihm schlecht zu passen. Aber gab 
es denn in jener Zeit nur einen Brunetto? Der 
Cod. Vatic.-3214 gibt das Sonett (Nr. 145) als von 
Dante Alighieri an Betto (Contraktion von Brunetto) 
Brunelleschi gerichtet, und wir haben nicht den 
geringsten Grund, an der Richtigkeit dieser Angabe 
zu zweifeln. Ein anderes Sonett, welches ganz 
ebenso ein zur Lektüre an einen Freund gesendetes 
Gedicht begleitete, das an Lippo Pasci de’ Bardi: 
Se, Lippo amico, se’ tu che mi leggi, ist durch zwei 
Hss. als Dantes Eigenthum beglaubigt (s. über alles 
das Zs. f. rom. Phil. VII, 174 f.). Natürlich kann 
das an Betto Brunelleschi geschickte Gedicht der 
Fiore nicht sein; schon der Ausdruck pulzeUetta 
scheint mir nur auf ein kürzeres Lied gehen zu 
können, wie die pulzella nuda im Sonett von Lippo. 
Wer die Frati Alberti sind, bleibe dahingestellt; der 
niesser Giano aber ist nach meiner Ansicht eher 
noch jener Dichter, von welchem zwei Sonette im 
Cod. Vat. 3793 (Nr. 601 f.) stehen. Damit hört 
auch die Nothwendigkeit auf, den Fiore vor 1294 
zu setzen; nach der Gewandtheit seiner Form zu 
urtheilen, scheint er jünger. 

Der zweite Artikel: II Veltro di Dante gibt 
eine kurze und klare Üebersicht der verschiedenen 
Erklärungsweisen, welche für Dantes allegorischen 
Windhund versucht worden sind, entscheidet sich 
mit Recht für die Auffassung desselben als allge¬ 
meiner Prophezeiung eines künftigen Retters der 
lasterhaften Welt, und, weniger überzeugend, speciell 
für die Deutung Del Lungos, welcher hier die Ver¬ 
kündigung eines grossen, tugendhaften Papstes finden 
wollte. Die Argumentation Del Lungos fällt zu¬ 
sammen, wenn man nicht an die herkömmliche 
politische Bedeutung der drei allegorischen Thiere 
glaubt, und über diese sind ja die Erklärer durch¬ 
aus nicht so einmüthig, wie Del Lungo behauptete; 
W'itte und Wegele haben vortreffliche Gründe gegen 
sie geltend gemacht. Ist die Wölfin einfach die 
Habsucht, die cupidigia, so ist ihr passender Gegner 
ein Kaiser, natürlich ein solcher idealer Herrscher, 
wie ihn Dante in der Monarchia sich vorstellt. Ohne 
den politischen Erlöser ist ihm eine Rettung der 
Welt überhaupt undenkbar, und Moral und Politik 
für ihn unzertrennlich; unter dem gerechten Regi- 
mente des Monarchen allein wird die cupidigia von 
der Erde in die Hölle zurückfliehen. Dieses hat 
gegen Del Lungo schon Fornaciari eingewendet, in 
seinen Studi su Dante, p. 26 ff. (p. 42 ist ein Com- 
mentar von 1343 genannt, wohl durch ein Versehen, 
da diese Jahreszahl bekanntlich falsch ist). 

Di alcuni pretesi versi Danteschi, han¬ 
delt von den 18 Versen, welche Palmieri in 2 Hss. 
in den 33. Gesang der Hölle eingeschoben fand, und 
welche selbstverständlich nicht von Dante selbst her¬ 
rühren können. D’Ancona zeigt, dass sie zu jenen, 


durch andere Beispiele bekannten Interpolationen 
gehören, durch welche Spätere Dantes Strafgericht 
auf andere Personen auszudehnen suchten, und dass 
sie wahrscheinlich einem pisanischen Copisten von 
seinem Hasse gegen Lucca eingegeben wurden. 

La Poesia Politica Italiana ai tempi 
diLodovico ilBavaro, illustrirt die Geschichte 
von Ludwigs des Baiern Römerzug und seinem 
! Kampf gegen Papst Johann XXII. durch eine Anzahl 
damals entstandener italienischer Poesien, eine Can- 
zone, die bald Piero, bald Jacopo di Dante zuge¬ 
schrieben wird, eine solche in Form der Vision von 
einem Jacopo Carradori aus Imola, eine von Fazio 
degli Uberti, ferner durch Verse Puccis und Frate 
Stoppas. Diese an sich wenig bedeutenden Gedichte 
sind hier sehr geschickt dazu verwendet, uns als 
Stimmen der Zeitgenossen die verschiedenen Momente 
jenes Kampfes lebendig zu machen, das erste 
Stadium, wo man noch Versöhnung der Gewalten 
für möglich hielt, das zweite, wo Ludwig siegreich 
die Erwartung einer gewaltigen Umwälzung und 
Erneuerung erregte, und das dritte, wo seine Unter- 
1 nehmung ein klägliches Ende nahm, ohne dass doch 
die Hoffnungen der Ghibellinen ganz erstarben. Am 
Ende publicirt D’Ancona aus einer Pariser Hs. ein 
Gedicht gegen Ludwig d. B. in barbarischem Latein, 
von einem normannischen Scholaren, der damit Papst 
Johann anbettelt, (p. 112, letzte Str. 1. Quo viam 
st. Quoniam.) 

II Regno d’Adria,, erzählt, auf Grund einer 
in der Revue des Questions Historiques erschienenen 
Arbeit Durrieus, die Geschichte des merkwürdigen 
Planes, den zur Zeit des Schisma der französische 
Gegenpapst Clemens VII. fasste, um sich in Italien 
die wirksame Unterstützung des Herzogs Ludwdg 
von Anjou zu sichern. Er wollte ihm den grösseren 
Theil des weltlichen Besitzes der Kirche, nämlich 
die Romagna mit Bologna, die Marca und Umbrien 
gegen einen Tribut als ein Königreich der Adria 
zu Lehen geben. Dann suchte Gian Galeazzo Vis¬ 
conti die schnell aufgegebene Idee zu seinem Vor¬ 
theil zu erneuern, und das Königreich nun seinem 
i Schwiegersohn, dem Herzoge von Orleans zu ver¬ 
schaffen, fand aber taube Ohren beim Papste, der, 

| als man Ernst machen wollte, sich zurückzog. Für 
j Gian Galeazzo selbst sollte, wie D’Ancona bemerkt, 
dieser Plan gewiss nur die Vorstufe zu weiter 
reichenden Absichten sein, zur völligen Säculari- 
sation des Kirchenstaates und Gründung eines König- 
| reiches Italien mit dem Sitze in Rom, und er citirt 
Verse der damaligen Dichter, welche uns diese Be¬ 
strebungen und Hoffnungen verrathen. „Die Publi¬ 
kation Durrieus“, schliesst er, „lehrt uns also, dass 
gewisse Wünsche und gewisse Grundgedanken der 
italienischen Politik schon viele Jahrhunderte hinter 
sich haben, und dass das, was manche, besonders 
Ausländer, für eine Neuheit unserer Zeit halten, in 
Italien ein altes und traditionelles Gefühl ist“. Frei¬ 
lich aber, in jener Zeit war es das Gefühl einzelner 
] Individuen, der Plan ehrgeiziger Dynasten, oft die 
Aeusserung eines rhetorischen Patriotismus bei Hof- 
! dichtem; erst mit den Jahrhunderten ward es das 
drängende Verlangen aller Besten der Nation und 
trat in die Realität. 

L’Antico Studio Fiorentino, gibt, nach 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Kr. 6. 


238 


den von der Deputaziune di Storia Patria 1881 ver¬ 
öffentlichten Dokumenten, eine Geschichte der kurz¬ 
lebigen florentinischen Universität und Darstellung 
ihrer Einrichtungen. — L’Antico Linguaggio 
Politico ed Amministrativo d’Italia, zeigt 
an zahlreichen Beispielen aus Rezascos Dizionorio 
del linguaggio ital. storico ed amministrativo, wie 
unter den verschiedensten Namen in den italienischen 
Communen analoge Einrichtungen erscheinen, und 
unter anderer, oft besserer, einheimischer Bezeich¬ 
nung viele heutige Institutionen und Gebräuche des 
öffentlichen Lebens vorhanden waren. D’Ancona 
meint nicht, dass man etwa wahllos die alten Be¬ 
nennungen wieder herstellen solle; doch könne das 
hie und da geschehen, wo die modernen gar zu 
hässlich und barbarisch seien. 

Due Antic hi Fiorentini, zeichnet in den 
Porträts zweier ehrsamer Florentiner aus dem bürger¬ 
lichen Stande vortrefflich den Wechsel der Zeiten 
vom 14. zum 15. Jahrhundert. Ser Lapo Mazzei 
der Notar ist eine einfache, feste Natur, ein Mann 
aus einem Stücke, von unerschütterlicher Rechtlich¬ 
keit und starker, vverktliätiger Religiosität, bei ge¬ 
sundem Verstände, jener Richtung angehörig, au9 
der die heil. Caterina, Giovanni dalle Celle und so 
viele andere hervorgingen. Und er besitzt die 
Sprache des trecento in ihrer natürlichen Schönheit 
und Wirksamkeit. Giovanni Ruccellai (im Titel 
steht durch Versehen Bemardo ) ist der reiche Kauf¬ 
herr des 15. Jahrhunderts, der klug dem Zwange 
der Verhältnisse zu opfern versteht, aus einem 
Gegner der Medici Cosimos Freund wird, sich mit 
ihm verschwägert, dadurch an Reichthum und An¬ 
sehen steigt, aber das Gewonnene gut verwendet, 
vor allem ein wackerer Bürger bleibt, mit grosser 
Liebe an seiner Stadt hängend, mit treuem Sinne 
thätig für das Wohl der Familie, in welcher, mit 
dem Schwinden des öffentlichen Lebens, der Geist 
des Florentiners damals seine Zuflucht suchte. — 
In dieses Leben des Hauses, der Familie im 15. Jh. 
eröffnet uns einen Blick der Artikel: Una Gentil- 
donna Fiorentina del secolo XV, gegründet 
auf den von C. Guasti publicirten anspruchslosen 
Briefwechsel einer liebevollen Mutter und Hausfrau, 
der Alessandra Strozzi, mit ihren durch die poli¬ 
tischen Verhältnisse au9 Florenz vertriebenen Söhnen. 

Alessandro VI e il Valentino in No¬ 
vell a, weist nach, dass eine Novelle Giraldi Cin- 
tios, Ecat . IX, 10, nichts anderes ist als die Geschichte 
von Papst Alexanders und Cesare Borgias Ende, 
und erklärt die Gründe, welche den Verfasser ver- 
anlassten, die Personen unter fremder Verkleidung 
einzuführen. Nebenher wird bemerkt, dass Ecat. 
IX, 2 unter anderen Namen den Tod Conradins 
erzählt. 

Giangiorgio Trissino, ist eine kurze Bio¬ 
graphie, geschöpft aus dem vortrefflichen Werke 
von Morsolin, und eine treffende Charakteristik des 
gelehrten vicentinischen Dichters, dem, bei grossen 
und ernsten Absichten, die Hauptsachen, Phantasie, 
Geschmack und Talent, fehlten. Eingehender be¬ 
trachtet D’Ancona die Italia Liberata und unter¬ 
sucht die Ursachen ihres Misslingens. — p. 262 ist 
Mairets Sophonisbe erwähnt mit dem von den Par- 
faict aufgebrachten falschen Datum 1629 statt 1634. 


Ferner kann man von der Grammatichetta nicht wohl 
sagen, dass Trissino mit ihr Bembo und Fortunio 
voraufging (p. 265); sie ward 1524 vollendet, 1529 
gedruckt, während Bembos Prose, um 1515 im 
Ganzen fertig, 1525 erschienen, Fortunios Reqole 
1516. 

I Comici Italiani in Francia, gibt, besonders 
mit Benutzung des Buches von Baschet, eine leben¬ 
dige Skizze von den Erfolgen der Commedia delVarte 
in Frankreich, namentlich in einem ihrer berühm¬ 
testen Darsteller, dem Arlecchino Tristano Martinelli 
i aus Mantua, der am Hofe der Maria von Medici 
| spielte. D’Ancona weiss für diese alte improvisirte 
, Komödie, die originellste Schöpfung der italienischen 
| Bühne, eine warme Sympathie in dem Leser zu 
; erwecken, und er hofft, dass sie nicht für immer 
todt sei und vielleicht mit ihrer ungesuchten Heiter¬ 
keit auch das heutige Publikum wieder fesseln könne. 

Unitä e Federazione. Die Gedanken des 
Einheitsstaates und des Staatenbundes sind alt in 
Italien, und bald der eine, bald der andere tritt in 
seiner politischen Geschichte seit Kaiser Friedrich II. 
immer wieder hervor, vergeblich nach seiner Ver¬ 
wirklichung ringend. Eine Geschichte Italiens unter 
diesen Gesichtspunkten wäre, wie D’Ancona be¬ 
merkt, höchst interessant und lehrreich. Einstweilen 
gibt er selbst die Geschichte dieser beiden poli¬ 
tischen Ideen in der Zeit nach der französischen 
Revolution, 1792—1814, und entwickelt die Pläne 
für einen italienischen Bundesstaat, welche in drei 
jetzt fast unbekannten, 1814 erschienenen Schriften 
enthalten sind. 

Poesia e Musica Popolare Italiana nel 
secolo nostro, frischt eine Anzahl von Liedern, 
welche der Verfasser selbst noch vom Volke singen 
hörte, in der Erinnerung auf. Es sind, wie meistens 
die neueste sogenannte Volksdichtung, im allgemeinen 
dürftige Poesien; aber sie zündeten in dem Momente, 
der sie entstehen liess, und tönen un9 heute dessen 
Stimmung wieder. Auch gewinnen sie noch. an 
Interesse durch die Verbindung mit ihrer Musik, 
die D’Ancona in sehr dankenswerther Weise für 
viele mittheilt. 

Den Schluss des Bandes bildet ein Artikel über 
Carlo Tenca, warme und schöne Worte zum 
Gedächtniss an den 1883 gestorbenen mailändischen 
Politiker und Kritiker, dessen in der Rivista Euro - 
pea und dem Crepuscolo während der vierziger und 
fünfziger Jahre erschienene Schriften D’Ancona 
gesammelt zu sehen wünscht und dessen literarisches 
Verdienst er kurz charakterisirt. 
i Breslau. A. Gaspary. 


Hüllen, Matthias, Vokalismus des Alt- und 
Neu-Sicilianischen. Bonn, Georgi. 1884. 60 S. 
(Bonner Dissertation.) 

In seinen Beiträgen zur Kenntniss des sicilia- 
nischen Dialektes (Halle 1880) hat Wentrup eine 
Darstellung der Laut- und Formenlehre der sicilia- 
nischen Mundarten versucht. Er hat dabei eine 
frühere Arbeit (1859, in Herrigs Archiv XXV) 
erweitert, aber nicht sonderlich vertieft; er nimmt 
vielmehr darin einen veralteten Standpunkt ein. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie, Nr. 6. 


240 


. Den Fortschritten auf dem Gebiete der Lautlehre 
trägt Rechnung E. Pariselle in seiner Abhandlung 
über die Sprachformen der ältesten sicilianischen 
• Chroniken (Halle 1883; vgl. Ltbl. 1884 S. 194), 
welche jedoch lediglich zwei Denkmäler berücksich¬ 
tigt Eine kurze Darstellung der sicilianischen Laut¬ 
verhältnisse gab Ascoli in einer Anmerkung zu 
S. 145—151 des zweiten Bandes des Arch. glottol.; 
besonders die Vokale sind, dem Zwecke Ascolis 
entsprechend, in wenig Zeilen behandelt. Der Ver¬ 
fasser der hier zur Anzeige gelangenden Abhand¬ 
lung beschäftigt sich nun wieder mit dem Vokalis- 
raus des Alt- und Neu-Sicilianischen; er bezieht 
sich dabei wiederholt auf seine — so viel ich weiss, 
noch nicht erschienene — Untersuchung des Con- 
sonantismus. Dass selbst nach den erwähnten Vor¬ 
arbeiten ein derartiges Unternehmen nicht über¬ 
flüssig ist, erhellt aus deren Beschaffenheit. Es 
fragt sich nur, ob der Verf. dazu genügend aus¬ 
gerüstet war. Eine genaue Darlegung dessen, was 
uns in schriftlichen Denkmälern überliefert wurde, 
ist Jedem möglich, welcher die betreffende Literatur 
beherrscht; anders steht es mit den lebenden 
Mundarten. Dass deren Untersuchung auch auf 
Grund geschriebener Quellen möglich ist, wird 
niemand läugnen; man vergesse nicht, dass die 
grossartigsten und ergebnissreichsten Leistungen 
auf diesem Gebiete, die Saggi ladini und Miklosichs 
rumunische Beiträge, fast ausschliesslich auf solche 
Quellen sich gründen. Man wird dennoch zugeben, 
dass nunmehr die Darstellung einer jetzigen Mund¬ 
art oder Mundartengruppe nur dann auf den Werth 
einer abschliessenden Arbeit Anspruch machen kann, 
wenn sie auf richtig gehörtem und in genauer 
Graphie fixirtem Material beruht. Die Beschaffung 
eines solchen ist die erste Bedingung; vermag der 
Sammler zu gleicher Zeit die festgestellten That- 
sachen wissenschaftlich zu deuten, um so besser; 
• unterlässt er dies oder vergreift er sich bei einem 

solchen Versuche, so ist der Schaden leicht gut zu 
machen. Es darf daher der Wunsch ausgesprochen 
werden, dass fortan Beschreibungen lebender Mund¬ 
arten nur nach dem Muster der trefflichen, leider 
noch spärlich erschienenen Arbeiten (Namen anzu¬ 
führen ist überflüssig) eingerichtet werden, welche 
die erwähnten Bedingungen erfüllen. Mit dieser 
Bemerkung, welche mehr allgemeiner Natur ist, 
soll indessen die Berechtigung vorliegender Arbeit 
und mancher ähnlichen (es sind deren in letzterer 
Zeit mehrere erschienen) keineswegs in Abrede ge¬ 
stellt werden; man kann einem Ideale nachstreben 
und dennoch eine kleinere Gabe wenigstens vor der 
Hand dankbar annehmen. 

Die Quellen, aus denen der Verf. seine Belege 
für die lebenden Sprachvarietäten schöpfte, sind 
nicht sehr zahlreich; ausser Avolios Canti di 
Noto 1 benutzte er nur die grosse Sammlung Pitrfes 
und zwar — da die Sprichwörter wegen des Fehlens 
von topographischen Angaben geringe Ausbeute 
boten — zunächst die Canti und die Fiabe. Dass 
Volkslieder aber das mundartliche Gepräge nicht 
immer rein erhalten, ist längst erkannt worden; eher 

1 Warum wurde Papantis Bueb nicht benutzt? Warum 
nicht Quasteilas Publikationen in der Mundart Modioas? 


I wäre dies von den Märchen zu erhoffen; indessen 
! auch hier darf man nicht ausser Acht lassen, dass 
i die Aufzeichner in der Regel weit mehr auf treue 
Wiedergabe des Inhaltes als auf scrupulös genaue 
, Fixirung der Laute bedacht sind. Man kann wohl 
vermuthen, dass der Mann oder das Weib aus dem 
Volke, welche z. B. in Modica Märchen erzählten, 
nicht ein Mal tu sienti, das andere tu senti werden 
, gesagt haben; wohl aber lässt es sich leicht be¬ 
greifen, dass der Aufzeichner bald so bald so nieder- 
| geschrieben hat. 

j Zur näheren Betrachtung vorliegender Arbeit 
! nun übergehend, möchte ich einige wichtige Punkte 
zur Sprache bringen. 

Das Schicksal der betonten vulgärlat. Vokale 
stellt sich im Sicilian. in folgender Weise dar: a 
und lange Vokale bleiben unversehrt; p = i- q = «; 

q = e, o 2 . Dies der allgemeine Typus; nur in 
einzelnen Mundarten erscheinen p, q in offener und 
geschlossener Silbe als ie, uo und zwar entweder 
nur wenn -i (aus ursprünglichem oder analogischem 
T, Hiatus-i) sicil. -w folgt 3 oder unbedingt. Also 
' A (gemeinsic.): senti ( sentis ) senti (*$entet), bonu 
bona, B (z. B. Noto): sienti senti, buonu bona, C 
| (z. B. Capece) sienti sienti, buonu buona 4 . Der Verf. 

| meint dagegen (S. 10), die Diphthongirung von p 5 
1 finde ‘ohne jegliches Gesetz’ statt, und zwar deshalb, 
weil ‘unzählige Male in einem und demselben Texte, 
oft bei einem und demselben Worte* einfacher Vokal 
und Diphthong neben einander Vorkommen. Es 
liegt auf der Hand, dass wenn in den Gebieten B 
und C eine solche Concurrenz stattfindet, wir uns 
dadurch nicht beirren zu lassen brauchen; der 
Diphthong ist gesetzlich; der einfache Vokal ist auf 
nachlässige Fixirung, vielleichtauch auf Neigung zur 
Monophthongisierung (vgl. tose, novo statt früherem 
nuovo) und auf Einfluss des Gemeinsicil. zurückzu¬ 
führen. Nur häufiges Vorkommen des Diphthonges 
im Gebiete A, oder vor -o , -$ aus früherem -e im 
Gebiete B 6 , würde im Stande sein, dos Gesetz um- 
zustossen. Wenn der Verf. die Belege für Diph¬ 
thong, zunächst jene der Märchen als der zuver¬ 
lässigeren Texte, nach Gegenden gruppirt hätte, so 
wäre es ihm wahrscheinlich gelungen, die geo¬ 
graphischen Grenzen der Gebiete B, C wenigstens 
annäherungsweise zu bestimmen. Aus dem Gesagten 
ergibt sich, dass der Verf. im Unrecht ist, wenn er 
gegen Wentrup polemisirt, welcher auf den Wechsel 
des Vokals in Sing, vientu Plur. venia, piettu petta, 
Suff. - ieddu Fern, -edda, 2. sienti 3. senti, 2. vieni 3. veni 
aufmerksam machte. Wentrup mag in den topo¬ 
graphischen Angaben geirrt haben; auch erkannte 

s Ueber die Klangfarbe des e, o finde ich nirgends eine 
Angabe. 

s Etwa noch in Proparoxytonen, wenn zwar der letzte 
Yokal a oder « aas e ist, die vorletzte Silbe aber t enthält: 
elemuösini, Mudrica. 

4 Es lässt sich noch dazu bemerken, dass — wohl durch 
Analogie and daher durch spätere Entwicklung — auch e, o 
aus lat. p die Diphthongirung kennen. 

5 Ueber die von p spricht er sich nicht aus. 

6 Zu diesem gehört, wie oben erwähnt, Noto; rieni 
(Fiabe I, 299) aus Noto ist nicht, wie der Verf. sagt, 3. Präs. 
Ind. (= *venet) t sondern 2. Imperativ. — Zu den Fällen von 
p zu ie rechnet der Verf. auch fiera (ib. II, 122); hier aber 
entspricht das Wort dem lat. firia und war daher anderswo 
anzufahren. 


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1886. Literatnrblati für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


242 


er nicht das Richtige, wenn er von einem Wechsel 
des Vokals in der Flexion behufs Unterscheidung 
zwischen Sing, und Plur., Masc. und Fern., 2. und 
3. Person spricht, wenn er also einen morphologischen 
Vorgang dort erblickt, wo nur ein lautlicher vor- 
liegt 1 * * * * * 7 ; die von ihm angeführten Thatsachen sind 
jedoch für das Gebiet B vollkommen richtig. 

Wenn bezüglich der bisher besprochenen Er¬ 
scheinung der Verf. es aufgegeben hat, nach den 
sie bedingenden Momenten zu forschen, so bestrebt 
er sich sonst überall, auf die Gründe der Lautvor¬ 
gänge zu kommen. Nor will es mir scheinen, als 
ob er da etwas einseitig verführe. Wenn in einer 
Anzahl von Wörtern lat. d als i, 6 erscheinen, 
so ist er der Meinung, die umgebenden Consonanten 

— folgendes, manchmal auch vorangehendes tn, n, 
r,l — hätten dies meist bewirkt 8 . Schon W. Meyer 
hat (ZRP. IX, 228) bemerkt, dass speru anders zu 
deuten ist; jornu kann (wie schon irgendwo ver- 
muthet wurde) durch notti veranlasst sein; man 
kann ferner auf Einfluss der Schriftsprache hin- 
weisen, und mehr als eines defr angeführten Wörter 
ist als von Haus aus gelehrt zu bezeichnen. Wenn 
also der Verf. bei seinen Deutungen Ausdrücke wie 
‘zweifelsohne*, offenbar’ u. s. w. gerne an wendet, so 
darf man sagen, dass gerade bei einer so zweifel¬ 
haften Theorie wie die der‘Senkung* betonter Vokale 
durch Einfluss der umgebenden Consonanten etwas 
weniger Zuversicht am Platze gewesen wäre. 

Noch ein Beispiel aus den tonlosen Vokalen. 
Wenn in einigen Mundarten posttonisches o und i 
(dieses primär oder secundär 9 ) als u erscheinen, so 
erblickt der Verf. darin Einfluss von folgendem n 
(cdnt-unu ; cant-dvunu, viv-6unu, irunu), m ( am-dvumu, 
erumu'j am-ässumu, füssumu ), v ( mann-astuvu, av- 
istuvu ; am-dssuvu, sap-lssuvu ), r (mlsuru, vinnuru, 
vitturu-i av-issuru, füssuru) oder von vorangehendem 

— vorhandenem oder abgefallenem — v ( am-ävutu 
o. -autu, curr-ivutu o. -6utu), von vorangehendem r 
( erutu ; förrutu ). Was m, v betrifft, so Hesse sich 


1 Vergleiche neben vientu venta , wo Sing, ie, Plur. e 

ufwebt, peri (ptäe) pieri (*pedi), wo das umgekehrte Ver- 

haltntss vorliegt, und alle Nomina mit Sing, -u, Plur. -t, 

welche wieder für beide Numeri diphthongische Formen 

bieten. 

8 Zwei Fälle sind da möglich: e, q sind von vorneherein 
durch den Consonanten geschützt, oder sie sind zuerst regel¬ 
recht zu i, u und dann wieder zu e, o geworden; in letzterem 

Falle hätte sich der Finfluss des Consonanten in historischer 
Zeit geltend gemacht. Gerade dieser Vorgang wird vom 

Verf. oft angenommen: altsic. mino neusio. tnenu ; ( die Vokal¬ 
senkung ist durch Einfluss von n eingetreten’. Die 1. PI. 
Präs. Ind. der IL Conjug., lat. gmus, ist altsic. -t'mu, neusic. 
-emu; ‘m hat die 8enkung hervorgerufen’. In lena f xirenu t 
tinenu ‘hat n den Ablaut bewirkt’. In cercu, fermu ‘hat r 
den Umlaut (warum drei Termini zur Bezeichnung desselben 
Vorganges?) hervorgerufen’. Der erste Vorgang wird, und 
zwar zweifelnd, nur für die 3. PI. Pfc. der nicht zur A-Conj 
gehörigen Verba angenommen; man würde da (wegen 1. -irt, 
3. -ui) iru erwarten; aber schon die ältesten Texte haben 
-eru; V bewirkte Ablaut von i zu e oder verhinderte die 
Erhöhung von g zu i\ Dass indessen hier nicht g sondern £ 
rorlag, hat W. Meyer (an der oben angeführten Stelle) ge¬ 
zeigt. Bei anderen Wörtern endlich drückt sich der Verf. 
nicht bestimmt aus: ‘durch Einfluss von r erklären sich veru, 
sinceru, speru* ; ‘nach vorausgehendem l findet sich e in ba¬ 
test ra’. — Als‘Ausnahmen’ betrachtet der Verf. nornu, firoci; 
von seinem Standpunkte aus hätte er auf tn, r hinweisen 
können. 

9 Wahrscheinlich ist auch *a- durch ± i- gegangen. 


dies annehmen; aber darf man n, r einen solchen 
Einfluss zuschreiben ? Auch von l des Pronomens 
lu wird behauptet, es habe gleiche Kraft gehabt: 
tenulu, giuricdtulu, mlstdu. Wenn aber -w- nur vor 
-lu erscheint (kein -ula\ so wird man wohl überall 
-u als das bestimmende Moment ansehen. Dadurch 
finden ihre Erledigung die Fälle, bezüglich welcher 
der Verf. sich begnügt zu sagen, sie seien zu merken: 
-dssutu, - issutu, füssutu. 

Von Bemerkungen über einzelne Stellen sehe 
ich um so mehr ab, als es hier nicht gilt, über eine 
Erstlingsarbeit, welche von Fleiss und guter Anlage 
zu sprachlichen Untersuchungen zeugt, streng zu 
urtheilen, sondern dem strebsamen Verf. zu rathen, 
bei der Fortsetzung seiner Arbeit sich einen mög¬ 
lichst freien Blick zu bewahren. 

Wien, Nov. 1885. A. Mussafia. 


Steub, Ludwig, Zur Namens- und Landes¬ 
kunde der deutschen Alpen. Nördlingen, Beck. 
1885. 

Unter den Männern, welche im Dunkel der 
T.irolisehen Ortsnamen Licht zu verbreiten bestrebt 
waren, muss in erster Reihe Dr. Ludwig Steub ge¬ 
nannt werden, der seit mehr als 40 Jahren als erster 
unter den Ersten unermüdlich thätig ist, der rich¬ 
tigen Erkenntnis« Bahn zu brechen. Steuben ver¬ 
danken wir die Entdeckung, dass in Tirol und der 
Ostschweiz zur Zeit der römischen Eroberung rätische 
Stämme sesshaft waren, welche von den Römern 
während ihres fast fünfhundertjährigen Besitzes bis 
in die innersten Thäler in Romanen verwandelt 
wurden. Er lieferte aus den Ueberresten der ältesten 
Namen Rätiens und den sprachlichen Resten der 
alten Etrusker den noch nicht widerlegten Nach¬ 
weis, dass beide Völker die gleiche oder eine ver¬ 
wandte Sprache gesprochen. Aber die romanisirten 
Rätier bekehrten sich im nördlichen Theile von Tirol 
unter der Einwirkung der Bajuvaren und Schwaben 
in Deutsche, hier früher dort später. Die letzten 
Romanen im heutigen Deutschtirol (dehn die Ladiner 
sind noch heute, was wir schon seit Jahrhunderten 
nicht mehr sind) finden wir in der Umgebung von 
Meran und in Vorarlberg, welche im 16. und 17. 
Jahrhundert erst ihre „grob rätische Sprache“ gegen 
die deutsche vertauschten. 

Im vorliegenden Büchlein hat der gelehrte Ver¬ 
fasser mehrere recht werthvolle Aufsätze vereint, 
von denen der erste die Ansiedelung der Bajuvaren 
in Tirol (im berechtigten Gegensätze zu den Aus¬ 
führungen des Dr. Inama v. Sternegg), zwei andere 
die Deutung Tirolischer Orts- und Familiennamen ent¬ 
halten. Ein vierter, „zu den oberdeutschen Familien¬ 
namen* betitelt, ist ein sehr wertbvoller Nach¬ 
trag zu seiner Schrift „die oberdeutschen Familien¬ 
namen“. „Die romanischen Ortsnamen im, Herzog¬ 
thum Salzburg und seiner Umgebung“ sind der erste 
Versuch, die sprachlichen Reste der Romanen in 
diesem Kronlande zu sammeln 1 . Wenn sie auch 
nicht vollständig sind (einen Beitrag wird der Be¬ 
richterstatter bei anderer Gelegenheit veröffentlichen), 
so ersieht man doch daraus, dass weder im Süden 
noch im Westen eine grössere Lücke den Zusammen- 

1 [S. Grienberger, rom. Ortsnamen in Salzburg. Salzb. 1886.] 


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243 1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


hang mit den Tirolischen unterbricht. Noch einige 
kleinere Artikel sind aufgenommen, die nicht bloss 
in Tirol, sondern auch anderwärts verdientes Interesse 
finden werden. Steubs Forschungen, insbesondere 
die der letzten 20 Jahre, zeichnen sich durch grosse 
Wahrscheinlichkeit, in vielen Fällen durch voll¬ 
ständige Gewissheit aus. Dies erreicht er einer¬ 
seits durch seine grossen SprachkenntnUse und den 
feinen Sinn für die mundartlichen Verschiedenheiten 
der Sprachen* anderseits durch seine Gewissenhaftig¬ 
keit bei der Benutzung des gebotenen Materials. 
Er ist ein leuchtendes Vorbild seiner Nachfolger. 
Wenn der Referent in zwei Fällen der Steubschen 
Erklärung eine andere gegenüber stellt, so geschieht 
es nicht in der Annahme, (Isss jene falsch sei, son¬ 
dern in der Ueberzeugung, dass manche Namen 
zwei oder mehrere Deutungen gestatten, was übrigens 
Steub schon vor 30 Jahren gesagt. Es betrifft das 
die Namen Engadein bei Berchtesgaden und Ange - 
dair im obern Innthale. Während Steub beide von 
runcare (runcatina und runcatura mit Abfall des r) 
ableitet, sehe ich in denselben eine Zusammensetzung 
mit der Präp. in; in catino im Kessel, in captura 
im Einfange. Beide Namen finden sich im Puster- 
thale ohne Präp. Gadeinwiesen, Gedeindl (mit deut¬ 
scher Verkl.), sogar als Hingedein {in catino) mit 
derselben Präp.; den andern sehen wir als Gedörl 
bei Kosten im Pusterthal, als Gedeier bei Deutsch- 
Matrei. Das p von captura hat sich dem t ange¬ 
glichen und zu d erweicht. 

Leitmeritz. Aug. Unterforcher. 

Wer den Titel liest, meint wohl, dass der 
durch seine Abhandlungen „Zur rhätischen Ethno¬ 
logie“ (1854), „Herbsttage in Tirol“ (1869), „Klei¬ 
nere Schriften“ (1874) rühmlichst bekannte Verfasser 
wieder mit einem neuen geistigen Produkte den 
Kreis seiner Leser überrascht habe; da jedoch dies 
nicht der Fall ist und wir es vielmehr mit einem 
Wiederabdruck von in verschiedenen Zeitschriften 
erschienenen Abhandlungen zu thun haben, so wäre, 
um einem diesbezüglichen Irrthume vorzubeugen, 
ein anderer Titel angezeigt gewesen. Der erste 
Aufsatz „Die Entwicklung der deutschen Alpen¬ 
dörfer“ erschien in der A. Allg. Zeit., Beilage vom 
15.—17. Sept. 1875. Der Verf. behandelt in diesem 
Theile seiner gesammelten Schriften den Theil von 
Tirol, welchen er das alte räto romanisch-deutsche 
nennt, schliesst demnach von seiner Besprechung 
die Landschaften diesseits des Zillerbaches aus; des 
Verf.’s Ansichten über die Rätier, Römer und Ger¬ 
manen, welche nacheinander vom Lande Tirol Besitz 
nahmen, sind im Allgemeinen richtig und jetzt so 
ziemlich von den unpartheiischen Gelehrten ange¬ 
nommen; worüber die Forscher aber noch nicht 
einig sind, das sind die Lokalnamen, die oft den 
Gegenstand eingehender Diskussionen gebildet haben; 
die diesbezügliche Ansicht des Verf.’s geht dahin, 
dass die Ortsnamen, welche von Romanen und 
Deutschen stammen, uns klar und deutlich sind, 
die aber, welche etymologisch nicht erklärt werden 
können, müssen der uns unbekannten rätischen 
Sprache zugewiesen werden; so angenehm und 
bequem auch ein solches Princip für den Dilettan¬ 
tismus sein mag, wissenschaftlich ist dasselbe nicht; 


es unterliegt keinem Zweifel, dass viele als rätisch 
ausgegebene Bezeichnungen zuletzt doch auf römische 
oder germanische Etyma zurückgehen, nur haben 
derartige Namen lokaler Art durch die Länge der 
Zeit, durch die verschiedenen Phasen und Evolutionen, 
die die röm. Sprache durchgemacht hat, durch die 
Berührung fremder Elemente und die dadurch produ- 
cirten lautlichen Modificationen ihr ursprüngliches 
Gepräge bis zur Unkenntlichkeit abgestreift und 
erscheinen in ihrem neuen Gewände auch oft für 
den besten Etymologen als wahre Räthsel; daher 
ist bei solchen Studien die grösste Vorsicht noth- 
wendig, wenn dieselben auf wissensc haftlichen Werth 
Anspruch machen sollen. Unstreitig richtig ist des 
Verf.’s Ansicht, das9, je tiefer man in die Schluchten 
Tirols eindringt, die rätischen Spuren desto seltener 
werden, d. h. die Rätier haben sich als die ursprüng¬ 
lichen Bewohner Tirols fast ausschliesslich in den 
niedrigen Thälern der Etsch, Eisack und Rienz 
aufgehalten; ob daher die Thäler von Enneberg, 
Livinallongo, Gröden, Fassa und Ampezzo jemals 
von Rätiern bewohnt gewesen seien, dürfte sehr 
zweifelhaft sein; drangen die Rätier aber in diese 
abgelegenen Dolomitgegenden nicht ein, so ist auch 
klar, dass für dieselben eine Bezeichnung räto¬ 
romanisch nicht am Platze ist; in diesen Thälern 
kann nur die Rede von Ladinern sein; es hat jedoch 
der Verf. Unrecht, wenn er ohne weiteres Römer, 
Romanen und Ladiner identificirt; das sind drei 
zeitlich und extensiv genau auseinander zu haltende 
Begriffe; überhaupt vermissen wir an so manchen 
Stellen dieser Sammelschriften jene genaue, gewissen¬ 
hafte historische Tiefe, welche die moderne Wissen¬ 
schaft mit Recht von Abhandlungen dieser Art, wie 
es des Hrsg.’s Studien sind, verlangt ; der Verf. ist 
auf diesem Gebiete allerdings nur, wie er selbst 
gesteht, Dilettant, allein anderseits glaubt er „be¬ 
sonnen und vorsichtig“ zu sein und hält daher seine 
„Aufstellungen im Durchschnitt für stichhaltig und 
verlässig“; cs zeigt aber doch keinen besonderen 
Grad von Besonnenheit, wenn unter anderem der 
Satz aufgestellt wird: „Diese Bündener Dialekte 
sind um kein Haar älter oder geheimnissvoller als 
die Mundarten, die in der Picardie oder in Estre¬ 
madura gesprochen werden“; der Verf. würde der 
Wissenschaft einen wesentlichen Dienst erweisen, 
wenn er die Entstehungszeit der einzelnen roma¬ 
nischen Idiome genau präcisiren und begründen 
könnte; die Ansicht des Verf.’s ist vielleicht richtig, 
aber mit ebenso viel Recht kann man behaupten, 
dass die ladinischen Dialekte um Jahrhunderte älter 
als die picardiscben sind und umgekehrt; merkwürdig 
ist es, dass der Verf. selbst, wahrscheinlich ohne 
es zu merken, indirect für das höhere Alter der 
lad. Idiome in Graubünden, Gröden und Enneberg 
(warum nicht auch Ampezzo, Livinallongo und Fassa ?) 
eintritt (vgl. p. 6); der Verf. scheint überhaupt kein 
deutliches Bild von der Entstehungszeit der ostlad. 
Dialekte zu besitzen, denn erstens wird (p. 5) be¬ 
hauptet, dass in den Seitenthälern Tirols sich die 
rätischen Namen viel seltener finden als in den dem 
Anbau günstigen Thalgeländen (diese Behauptung 
wird unterstützt durch des Ref. „Beiträge zur Ethno¬ 
logie von Ostladinien“, Innsbruck 1880, worin sich 
nur wenige Etyma rätischen Ursprungs zeigen); die 


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1886. Liter&turblatt für germanische and romanisohe Philologie. Nr. 6. 


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lad. Idiome in Graubiinden, Groden und Enneberg ! 
lässt zweitens der Verf. im Zeiträume vom Jahre 
15 v. Chr. bis 476 n. Chr. entstehen; drittens hatte i 
der Einfall der Barbaren zur Folge, dass die Pro¬ 
vinzialen aus den Donauländern oder aus dem Nori- , 
cum und aus dem Paduslande flohen, so dass nun . 
auch die entlegeneren Thäler, welche bisher von 
den Rätiern verschont geblieben waren, in Anspruch 
genommen wurden. Nun müssen aber Graubünden 
und das gegenwärtige Ostladinien doch jedenfalls 
zu den entlegeneren und hochgelegenen Thälern ge¬ 
zählt werden, und doch waren diese* Thäler nach 
der zweiten Behauptung des Verf.’s bei der Ein¬ 
wanderung der Germanen nicht nur schon bewohnt, 
sondern sogar schon romanisirt; dieser Widerspruch, 
der wohl nur ein lapsus calami sein dürfte, ist durch 
Annahme folgender Phasen zu beseitigen: Anfangs 
sind die Rätier in den tieferen, dem Anbau günstigen 
Hauptthälern. während die höheren gebirgigen 
Gegenden noch unbewohnt sind; es kommen die 
Römer und romanisiren, ohne dass durch sie ein 
tieferes Eindringen in die Seitenthäler herbeigeführt 
wird; erst bei der Ankunft der Germanen ziehen 
sich die jetzt nicht mehr rätisch, sondern lateinisch 
sprechenden Kolonien in die entlegenen Thäler, 
Urwälder und auf die Höhen zurück; daraus folgt 
aber, dass die ladinischen Dialekte in Graubünden 
und Ostladinien nicht schon in den Jahren 15 v. Chr. 
bis 476 n. Chr. in den heutigen ladinischen Gegenden 
gesprochen wurden, denn diese Gegenden waren in 
jener Epoche noch nicht bewohnt, sondern die ladi- | 
nischen Dialekte wurden in jenem Zeiträume nur in i 
den milderen Thalgeländen gesprochen, von wo sie j 
daun seit 476 n. Chr. mit den flüchtigen Bewohnern j 
sich nach Ostladinien und Graubünden retteten und ; 
sich dort bis auf den heutigen Tag ungeachtet aller ; 
Vernichtungsversuche erhalten haben; nur in diesem 
Sinne ist die Behauptung des Verf.’s, dass es Ladiner i 
waren, welche Rätien bis in die innersten Winkel, j 
in die ödesten Schluchten durchdrangen, ausrodeten ; 
und urbar machten, eine haltbare; dass bei dieser ! 
Gelegenheit auch das Verbum runcare zu Ehren ' 
gekommen sei, kann man mit dem Verf. wohl zu¬ 
geben, dass man aber davon eine suffixlose Ableitung 
runca gebildet habe, dagegen sprechen die lad. Lokal¬ 
namen Botte, Bottco, Bongot, Boncolins, Buncace, ; 
Boncat, Buncata , die sämmtlich auf das Etymon 
runcus zurückweisen; demnach wird man sich auch 
gegen die etymologischen Erklärungsversuche des t 
Verf.’s von Bentsch, Bengler, Bagaz, Bazetz etwas $ 
skeptisch verhalten dürfen; Bazuns und Bäzüns 
haben jedenfalls mit *runca nichts zu thun, beide 
sind identisch mit lad. Bazuns, von mlat. runcinus 
(mit Suffix), und bedeuten „Rossweide“; auch gegen 
die übrigen etymologischen Versuche auf p. 8 könnte j 
man manche Bedenken erheben. An gutem Willen 
aber hat es dem Verf. nicht gefehlt; so ist nament¬ 
lich die Geschichte der Germanen, insbesondere die | 
der Bajuvaren, ihr Einfluss auf die lad. Bevölkerung i 
instructiv, klar, naturgemäss und objectiv; es steht | 
aber sehr zu befürchten, dass manchen Herren des I 
Verf.’s Ansicht, nach der in manchen Thälern des 
heutigen Deutsch-Tirol die romanische Mundart noch | 
im 16. Jh. vorherrschend war, als frevelhaft er¬ 
scheinen wird, möge dieselbe noch so sehr historisch 


begründet sein. Die Philippica aber, mit welcher 
der Verf. am Schlüsse seines Aufsatzes von den 
Tirolern einstweilen Abschied nimmt, sollten sich 
die Aelpler etwas zu Herzen nehmen! 

Der zweite Aufsatz „Onomatische Belustigungen 
aus Tirol“ erschien zuerst im „Tiroler Boten“ und. 
1879 als Separatabdruck in Innsbruck; an den voran¬ 
gehenden Aufsatz knüpft dieser insofern eng an, 
als er mit einer Philippica beginnt, die gegen die 
Gleichgiltigkeit und den Indifferentismus der Tiroler 
für wissenschaftliche ethnologische Forschungen ge¬ 
richtet ist. Hierauf sucht der Verf. die Frage, bis 
zu welchen Grenzen und in welcher Dichtigkeit das 
Land Tirol einst romanisirt war, wie und in welchen 
Etappen es zum heutigen Deutschtirol geworden 
ist, vorzüglich durch die Erklärung der Ortsnamen 
zu beantworten; es kann hier nicht des Refi Absicht 
sein, auf eine genaue Prüfung der Deutung solcher 
lokaler Reste einzugehen; im Allgemeinen mag nur 
bemerkt werden, dass manchen lat. Etyma unzweifel¬ 
haft eine viel zu weite produktive Kraft eingeräurat 
wird, so dem lat. aqua, mit dem sich dann der 
Artikel verschmolzen haben soll; es muss doch auf¬ 
fallend sein, dass sich im Ladinischen, dem conser- 
vativsten Elemente der röm. Vulgärsprache, fast gar 
keine Spuren solcher Verschmelzungen erhalten 
haben; oder sollten sich dergleichen Verquickungen 
dadurch erklären, dass seit der Einwanderung der 
Barbaren und namentlich in späterer Zeit, als das 
germanische Sprachelement immer weiter um sich 
griff, die besondere Bedeutung des Artikels nicht 
mehr deutlich gefühlt wurde? Oder ist nicht wahr¬ 
scheinlicher in allen dergleichen Wörtern ein anderes 
Etymon zu Grunde zu legen? Ist es z. B. nicht, 
viel natürlicher Lavatsch auf lat lappa — *lapacium 
(Klettenfeld) zurückzuführen, als in dem Worte ein 
aqua — ava — Vava — dum zu suchen? Ebenso 
wenig haben wir gewiss in Largoz oder Largaz 
(p. 49) ein lat. arca — Varcatium oder Varcazza, 
sondern lat. laricem mit Suffix liegt zu Grunde, es 
ist ganz das lad. Largeace, nur die Suffixe sind 
verschieden; Vinöz hat mit vignazza nichts zu thun, 
es ist identisch mit VUnös, welches lad. Fotibs heisst, 
das lautlich nicht auf vignazza zurückgehen kann; 
Englasein wird schwerlich angoluccino sein, da sich 
dieses Etymon auf lad. Gebiete nicht erhalten hat; 
ich ziehe aus diesem Grunde auch die gegebene 
Ableitung von Sussonder in meinen Beiträgen zurück 
und führe das Wort auf susum-antrum zurück; wenn 
Povers überhaupt auf ein Pov - zurückgeht, wie der 
Verf. meint, so ist das richtige Etymon lat. pÖpülus, 
wie wir es in dem östlich von Trient gelegenen 
Povo deutlich genug ausgeprägt haben, aber weder 
Bova = Balve noch pauperes haben mit dem Worte 
etwas gemein; von den p. 49—54 gegebenen Deu¬ 
tungen haben nur die über Salvaun, Spindd, Vil - 
frade, Ladins ein Anrecht auf Anerkennung, alle 
übrigen sind wohl nur „Onomatologische Be¬ 
lustigungen“, worüber aber niemand dem Verf. 
einen Vorwurf machen wird. Nicht ganz richtig 
ist, wenn p. 56 bemerkt wird, dass die Grödner 
zwei Familiennamen, und zw T ar einen deutschen für 
ihre deutschen Landsleute und einen grödnerischen 
unter sich führen; der deutsche wurde und wird 
noch, wo es anders möglich ist, den Grödnern (wie 


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1886. Literaturbl&tt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


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auch den Ennebergern) von der deutschen politischen 
Behörde, welche den lad. Namen nicht aussprechen 
kann oder will, ohne weiteres aufoctroirt — Lat. 
post ist nicht, wie der Verf. p. 57 behauptete ver¬ 
loren gegangen; es existirt noch im lad. despö ( de - 
ex-post ); Pescul und Pecol haben nicht den gleichen 
Bestandtheil im Anlaute, denn Pes - ist lat. post, Pe - 
aber lat. pidem ; vgl. über erhaltenes lat. post in 
Lokalnamen im Lad. des Ref. Beiträge p. 58; p. 58 
heisst es, dass die Grödner im 15. Jh. wahrschein¬ 
lich noch maggidr, maggiür sprachen, wogegen sie 
jetzt mäjer sprechen; die Form mdjer ist noch ein 
altes ehrwürdiges Ueberbleibsel einer Nominativ¬ 
bildung im Gegensätze zur Accusativbildung, be¬ 
weist daher die ehemalige Existenz des Casus rectus 
und des casus obliqu. auch im lad. Idiome, wie wir 
dieselbe in den altfr. und prov. Denkmälern finden; 
mdjer hat also mit einer Germanisirung nichts zu 
thun, und es wäre nur zu wünschen, dass die Ladiner 
mehrere solcher kostbarer Ueberreste hätten. Be¬ 
züglich der etymologischen Deutungen von p. 63 
an sei nur bemerkt, dass Scaleres und Scalders das¬ 
selbe Etymon haben, nur mit dem Unterschiede, 
dass die zweite Form zwischen l —r ein euphonisches 
d eingeschoben hat; afers hängt zusammen mit lat. 
albur-num und entspricht lad. alfer, Pappel; Peciöra 
schliesst die Etyma pescara, boscarius und pascua - 
rius aus und geht auf picea {arbor) — piceöla zurück, 
bat daher dassselbe Etymon wie Pecei, Pecenin etc.; 
Tschuguaal, Tschugguel dürften identisch sein mit 
lad. ciuc, Klotz, wenn nicht caecus = lad. cic vor¬ 
zuziehen ist, worauf gröd. Cecüel hinzudeuten scheint. 
Bezüglich der übrigen etymologischen Deutungen 
wird man an deren Richtigkeit namentlich mit Rück¬ 
sicht auf die Lautgesetze in vielen Fällen zweifeln 
können, allein der Verf. glaubt wohl selbst nicht 
„lauter Treffer“ gemacht zu haben, und man wird 
ihm dankbar sein müssen, dass er den Muth gehabt 
hat, sich mit dem schwierigen Stoffe zu beschäftigen. 

Der dritte Aufsatz „Zu den oberdeutschen 
Familiennamen“ erschien zuerst am 18. April 1880 
in der A. Allgem. Zeitung und hat in seinem vor¬ 
liegenden Wiederabdrucke wesentliche Ergänzungen 
erfahren; der kurze Abschnitt ist recht ansprechend, 
meistens überzeugend und verräth bessere Vertraut¬ 
heit des Verf.’s mit der Deutung deutscher Namen 
als romanischer. 

Der vierte Aufsatz „Ueber die Rechtschreibung 
der Ortsnamen“, zuerst erschienen in der A. Allg. 
Zeitung, Beilage vom 7. Mai 1880, betont mit Recht 
den Mangel einer orthographischen Commission, 
w T elche die Schreibung der Namen in den Ortsver¬ 
zeichnissen und Landeskarten richtigstellen und 
überwachen sollte; es ist geradezu entsetzlich, mit 
welcher Verstandeslosigkeit z. B. ladinische Namen 
auch auf den besten Karten sich gedruckt finden; 
es ist dann kein Wunder, dass die Einheimischen 
dem wissenskundigen Touristen auf seine Frage 
über diesen tder jenen Ort (natürlich spricht der 
Tourist den Namen so aus, wie dieser auf der Karte 
verzeichnet ist) kopfschüttelnd erwidern, dass sie 
einen Ort dieses Namens nicht kennen, was dann 
verschiedene Unannehmlichkeiten zur Folge hat; 
dass gerade im vielsprachigen Oesterreich, wo die 
geringste Willkür in der Schreibung die Unerkenn¬ 


barkeit zur Folge haben muss, mit aller Strenge 
auf richtige Schreibung von Wörtern lokaler Be¬ 
deutung gesehen werden sollte, liegt auf der Hand; 
das beste Princip aber in dieser Hinsicht wird darin 
bestehen, dass man die Namen so schreibt, wie sie 
von den Einheimischen ausgesprochen werden. Die 
Richtigkeit der Bemerkung eines österreichischen 
Offiziers vom Generalstabe, welche der Verf. p. 91 
Anm. anführt, kann der Ref. in allen Einzelheiten 
bestätigen, der Gelegenheit hatte bei Truppen¬ 
manövern in seiner Heimat die durch willkürliche 
Schreibung der lad. Ortsnamen bei den fremd¬ 
sprachigen Unteroffizieren hervorgebrachte Ver¬ 
wirrung w’ahrzunehmen. 

Der fünfte Aufsatz „Dietirolischen Weisthüoier“, 
erschienen zuerst am 15. Sept 1880 in den Göt¬ 
tingischen gelehrten Anzeigen, enthält Bemerkungen 
zu den im Aufträge der kais. Akademie der Wissen¬ 
schaften von Ignaz V. Zingerle und K. Theodor v. 
Inama-Sternegg herausgegebenen Weisthümern; wich¬ 
tig ist der Satz, dass im zwölften Jh. noch im Unter- 
innthale bei Hall romanische Landleute sassen und 
dass damals und bis ins sechzehnte, wie das ganze 
Oberinnthal, so auch das Vinstgau noch romanisch 
gesprochen haben müsse. 

Der sechste Aufsatz „Zum oberdeutschen Flur¬ 
namenbuch des Herrn Dr. M. R. Buck“, erschienen 
in der literarischen Beilage der Karlsruher Zeitung 
vom 24. April 1881, ist eine Widerlegung der von 
Dr. Buck aufgestellten Theorien eines Urromanismus 
und eines jüngeren Romanismus, sowie ein Ver¬ 
zeichniss von Verstössen und Irrthümern, von welchen 
Bucks Werk wimmeln soll; der Artikel ist lehrreich 
und interessant. 

Der siebente Aufsatz betitelt sich: „Die roma¬ 
nischen Ortsnamen im Herzogthum Salzburg und 
seiner Nachbarschaft“; der Verf. lässt in demselben 
wieder seine „etymologischen Künste spielen“ ; der 
Name Anif, urkundlich Aneva, soll auf lad. aneva = 
Bergkiefer zurückgehen; der Ref., selbst Ladiner, 
kennt kein lad. aneva-, Engadein hat wohl in-catino 
zum Etymon und nicht runchettina; jinagium kann 
kein Finahl zum Resultate geben, höchstens ein 
finaculum ; Gamei dürfte auf comeus (Cornelkirsch- 
holz) — *cometum zurückgeben; vgl. lad. garnilles ; 
iugum heisst ital. nicht giovo, sondern giogo\ Korteis 
setzt ein corteyise voraus; Larös ist eine Verschmel¬ 
zung des Artikels Fern, mit dem Plur. von *rövina, 
wie lad. röa, PI. rös\ Plain ist lat. planum ; Rauris 
ist das prov. raus = Rohr, fr. roseau, lad. Raus ; 
vom goth. raus, mit erweitertem Stamme; richtig 
gedeutet dürften sein: Doss, Fager, Goüing, Gols, 
Götschen, Montigl, Pigneid, Pinell, Planitsch, Salett . 

„Das Deutschthum in Welschland“, M. Allg. 
Zeit, vom 15. März 1885, erblickt in den deutschen 
Kolonien in den dreizehn Gemeinden bei Verona 
einen Rest der Longobarden im Gegensätze zu F. 
und C. Cipolla, die in denselben nur die Nachfolger 
von einigen deutschen Sippschaften bayerischer Ab¬ 
stammung sehen wollen; der Aufsatz athmet nicht 
jene Objectivität, die man sonst am Verf. lobend 
hervorheben muss, wenn auch im Allgemeinen die 
Richtigkeit der vorgebrachten Darstellung nicht be¬ 
stritten werden darf. , 

Von den folgenden kurzen Aufsätzen „Der 


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1886. Litoraturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


Name von Sterzing“, „Vulpmes oder Fulpmes?“, 
8 Ueber die Ortsnamen in Oberbayern“, „Tirolische 
Familiennamen“ gibt nur letzterer zu einer Bemer¬ 
kung Veranlassung; nach der Darstellung des Verf.’s 
wäre lat. Suffix -fttum (rom. - etto ) vertreten durch 
-ed(er) (Lageder ), -eid(er) (Lugscheider), -itt(er) 
[Pfunglitter) \ lat. -etum durch -et(er) ( Filizeter ). 
-eid(er) i Gatieider ). -et [Gfrei ); lat. -ösum durch 
•aus(en) (Kobemausen p. 126), durch -eis(er) \Gfe%ser ), 
durch -oss(er) ( Gfossen ); lat. -fnum durch -in(er) 
(Goldiner}, durch -ein(er) (Pa ziem er ); lat pratum 
gibt in Zusammensetzungen die Formen per (Per- 
tannes\ prat (PratesX pro ( Prosliner ), pur ( Purk- 
faler)-, allerdings ist in Pertannes, Prosliner, Purk - 
faler der Ton auf der vorletzten Silbe; Suffix -ellum 
wird vertreten einmal durch -QÜl(er) ( Marraüler ), 
durch -ell(er) (. Mazneller ), anderseits aber kann 
auch lat -allum zu germ. - dl - werden, denn „Tscha- 
veiler = (val de) cavaUo oder cavella, Dim. von 
cava“; anlaut ca- gibt einmal ga- ( Gafriller ), dann 
g- ( Gfrei). endlich T ( Tsch ?) ( Tschan ); da aber 
anderseits Tschan, Tschoner nach der Deutung des 
Verf.’s auf casone oder Giani, Gioni (Johann) zurück¬ 
gehen können, folgt dass lat (resp. rom.) ca-, gia-, 
gio- für das Deutsche dasselbe Resultat geben; da 
ferner Pertannes aus pra d\ignes, Purtscher aus 
(val de) porces abzuleiten sei, so könnte man daraus 
schliessen, dass der Romane den Uebergang von 
der 2. lat. Deel, zur 3., und statt der durch Suffix 
erweiterten Stämme die einfachen bevorzugt habe. 
Dieselben Bemerkungen, nur noch in einem viel 
ausgedehnteren Massstabe, könnte man auch bezüg¬ 
lich des Aufsatzes II und VII machen. Die kurze 
Zusammenstellung hat sich der Ref. aber deshalb 
erlaubt, damit es jedem klar werde, dass nach der 
Darstellung des Verf.’s die Germanisirung der roma¬ 
nischen Lokalnamen ohne jede Berücksichtigung von 
lautlichen Gesetzen vor sieh ging; es wäre also für 
den germanisirenden Theil ganz gleichgiltig, ob der 
lat (resp. rom.) Vokal betont oder unbetont, kurz 
oder lang, naturlang oder positionelang wäre; ein 
Vokal, der z. B. aus der lat. Entwicklung im Rom. 
nur geschlossenes i gegeben hätte, könnte im Germ, 
gleichgiltig zu e, i, o, u, a werden; war diese Licenz 
tbatsächlich vorhanden? Wenn ja, so verdient der 
Scharfsinn des Verf.’s alles Lob; wenn nicht, dann 
haben wir wirklich „Onomatologische Belustigungen“ 
vor uns und darf von einer „philologischen Akribie“ 
keine Rede sein. In jedem Falle aber verdient die 
unermüdliche Ausdauer, Geduld und Thätigkeit des 
Verf.’s, sowie der unübertreffliche, erheiternde und 
humoristische Stil, in dem er einen an und für sich 
trockenen Stoff seinen Lesern bietet die grösste 
Anerkennung und aus vollem Herzen rufen wir ihm 
ein „Nunquam retrorsum!“ zu. 

Wien. Joh. Alton. 


Zeitschriften. 

Modern Language Notes I, 5: H. R. Lang, Coutributions 
to Spanish Grammar. I. Pronouns. — A. E. Egge, Notes on 
8pecimen8 of Early English“. — Wm. H. Carpenter, 
Witb Notes. — A. 8. Cook, The Anglicization of Macao- 
lay’s Vocabulary. — J. 8türzinger, The Oaths of Sfras- 
i bürg. — J. G o e b e 1, Conybeare, Müller, A History of 
^ German Literatnre by W. 8cberer. — 8. Gar ner, J. Siede, 


8ynt. Eigentümlichkeiten der Umgangssprache weniger ge¬ 
bildeter Pariser. — 8. Primer, H. Tätlichet on the For¬ 
mation of the Plural in 8 in English. — G. Hempl, Tan 
der Smi88en, Kinder- u. Hausmärchen der Gebrüder Grimm. 

— C. Zdanowicz, Joh. Vising, sur la versification anglo- 
normande. 

Taalstudie VII, 3: P., Un poöte ennemi des vers. — A. van 
der Ent, L’Etude des mots et de leur Signification. — 
L. M. 6 ., Bulletin bibliographique. — C. Grondhoud, 
Doublets of Komance Origin. — C. 8., To the Editor of 
Taalstudie. — K. t. B., Answers to Correspondents. — Ed., 
New Books. — P. A. 8chwippert, Einiges über den 
Gebrauch des Artikels im Deutschen nebst daran geknüpften 
sprachvergleichenden Bemerkungen. — Ders., Praktische 
Uebungen für Studirende. — Berichtigungen und Ergän¬ 
zungen. — J. Oosting, „Runse“. — G. A. 0. van Goor, 
Paul Schlenther, Frau Gottsched u. die bürgerliche Komödie. 
Ein Kulturbild aus der Zopfzeit. — E. A. H. Seipgens, 
Erklärung eines mittelhochdeutschen Gedichtes. (Hartmanns 
Armer Heinrich.) — P. A. Schwippert, Mittheilungen, 
Sprachliche Plaudereien über eingegangene Fragen, beson¬ 
ders über: Buitenkansje, Meövaller, Teleurstelling, u. 8. w. 

— Ders., Kleinere Anzeigen: J. Leopold Hz., KurzgefasBtes 
Lehrbuch der deutschen Bpr. 3. Aufl.; Aufg. u. Uebers. 2. 
Aufl.; Praktische Oefeningen; Inleiding tot het Lehrb. 4. Afl.; 
Nederl.-Hoogd. Klank- en Zinverw. woorden. — P. A. 8., 
Briefkasten. 

Melusine UI, 5: H. Gaidoz, Deux livres röcents de M. W. 
Schwartz. — Ders., Les Contes populaires de la Gascogne 
de M. Blad4. — J. Tuchmann. La fascination. — L. F. 
Sauvö, Oraisons, conjurations et Gardes des Paysans. — 
E. Rolland, Les Gestes. — Ders., Les ohicarots. — La 
Courte-Paille, chanson populaire (Forts.). 

Zs. für ortografle, ortoepie und spr&chfysiologie 9. 10: 
K e w i t ä, Zur Aussprache des g im Deutschen (Schluss). — 
W. Bleich, q-, nicht: qu, kv oder kur. — E. Lohmeyer, 
Zur Aussprache des Altgriechisohen. 


Noord en Zuid IX, 3: JanteWinkel, Beniden, Gerinnen, 
Tiegen. — Arthur Cornette, Rinnen, Gerinnen, Rennen. 
— H. E. Moltzer, Maerlant. — H. J. Eymael, Verklaring 
van uitdrukkingen uit Huygens. — J. E. ter Gouw, Iets 
op zijn duimpje weten. — Ders., Yergelijkend exaraen te 
Den Bommel, eiland Overflakkee* — Red., Weten. — P. 
Poot, De bepaling der voornaamwoorden. — J. E. ter 
Gouw, Mogtende. — Pax, Verrassen, brieschen, hijschen, 
loochenen. — Jan Maas, Nog lang na zonsondergang 
schitteren de toppen der hooge bergen. — G. Hooge- 
wecht, Een paar fouten. — H. 8. Brouns. DeR., J. E. 
ter Gouw, Red., X. Y., Theod. Stille, Vragen beant- 
woord. — L. 8., Iets over lodder en lodderlijk. — F. A. 
Stoet, Saermeer. — G. A. V. v. O., Kokinje. — 8., Na- 
lezing op Middelnederlandsch. — Red., Middelnederlandsch. 
~R. Hartman,Moltzer’sBrochures. — Boekaankondiging: 
J. Vercoullie, Joh. Franck, Mittelniederländische Gram¬ 
matik. Lijst van boeken in Januari en Februari in Neder- 
land uitgekomen. — Inhoud van De Bibliotheek: N. N., 
Invloed der Engelsche taal- en letterkunde op de Neder- 
landsche. 


Englische Studien IX, 3: R. Thum, Anmerkungen zu 
Macaulay's history VII. — E. Kölbing, Kleine Publi¬ 
kationen aus der Auchinleck-Hs. VIII. Die Feinde des 
Menschen. — F. Liebrecht, The English and 8cottish 
Populär Ballads. Ed. by Fr. J. Child. — J. Hall, York 
Plays, the Plays performed by the Crafts or Mysteries of 
York on the day of Corpus Christi in the 14 lh , 15* and 
16 th centuries ed. by L. T. Smith. — E. Kölbing, a Com- 
mon-place Book of the fifteenth Century, containing a Reli- 
gious Play and Poetry, Legal Forms, and Local accounts. 
Ed. by L. T. Smith. — K. Breul, Amis and Amiloun hrsg. 
von E. Kölbing. — Ders., Octavian hrsg. von G. Sarrazin. 
— W. Sattler, A new English Dictionary on historical 
principles; by J. A. H. Murray. — M. Koch, Huth’s Inter¬ 
nationale Bibliothek. W. 8hakespeare’s Works. — H. Kling- 
har dt, Hellwag, Dissertatio de formatione loquelae. Neu¬ 
druck bes. von W. Vietor. — F. Kluge, Merbaoh, Das 
Meer in der Dichtung der Angelsachsen. — A. Schultz, 
Lehmann, Brünne u. Helm im ags. Beowulfliede. — K r u m - 
macher, Bierbaum, Die Rerorm des fremdsprachlichen 
Unterrichts. — F. Körnig, A. Rambeau, Der franz. und 

18 


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251 


1886. Literaturb]att för germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


252 


engl. Unterricht in der deutschen Schule. — R. Thum, | 
Sohmeding, Die klass. Bildung in der Gegenwart. — E. 
Kölbing, Amis and Amiloun und Guy of Warwick. — | 
C. Th. Lion, Der Kanon für die engl. Lektüre auf den 
Realgymnasien (bezw. Gymnasien) im Anschluss an die Ver- ; 
Handlungen der 3. Directoren-Versammlung in der Provinz 
Hannover 1882. — A. Rambeau, Zu: Engl. Studien IX, , 
365. — C. Stoffel, Zu: Engl. Studien IX, 343. — 0. 
Werner, Bendan’s Ausgabe von Scott’s Tales of a Grnnd- 
father und die Accentuirung engl. Schriftsteller für die Lektüre | 
von Anfängern. — J. M. Hart, Zu: Engl. Studien IX, 38. 

— W. Mangold, Ludwig Lemcke. — F. Kluge/EngL i 

Etymologien. 3. Ags. grep . — W. W. S k e a t u. W. Fick, ! 
Zu: Engl. Studien IX, 161. [In der Redaotion der Engl. ' 
Studien ist insofern eine Aenderung eingetreten, als von 1 
jetzt ab‘ Realgymnasial-Oberlehrer Dr. Klinghardt in ' 
Reichenbach i. Schl, die Redaction des pädagogischen , 
Theils übernimmt.] j 

Anglia VIII, 4: D. As her, F. A. Leo, Shakespeare-Notes. 

— G. Lüdtke, E. Hausknecht, Floris and Blancheflur.— I 
J. Koch, Cbauoer Society. Essays on Chaucer, his Words j 
and Works. Part. V. — E. Einenkel, R. Wülker, Grund¬ 
riss zur Geschichte der ags. Literatur. — L. Proescholdt, 
L. Toulmin Smith, York Plays. — R. Wülker, H. L. D. 
Ward, Catalogue of Romances. — Ders., H. Lehmann, 
Brünne und Helm im Beowulfliede. — W. Bernhardt, 
H. R. Bramley, The Psalter by Richard Rolle. — E. Förster, 
E. Elinenkel, Life of Saint Katherine. — H. E f f e r, E. Regel, 
Thackeray’s Lectures. Bd. I u. Bd. VI. — Verschiedenes: 

P. Bransoheid, Quellen des Morte Arthure. — L. Proe¬ 
scholdt, Ueber die neusprachl. Lehrbücher. — J. Koch, 
Der Valentinstag. — M. Trautmann, Metrische Ant- 
glossen. — Berichtigung. — Recensionsexemplare. — IX, 1: 
P. Sauerstein, Lydgate’s Aesopübersetzung. (Leipziger 
Dissertation.) — B. Assmann, Abt Aelfric’s ags. Be¬ 
arbeitung des Buches Esther. (Leipziger Dissertation.) — 
Ders., Abt Aelfrio’s ags. Bearbeitung des Buches Hiob, 
Druck mit der Hs. verglichen. — A. Zetsohe, Chronik 
des Robert von Brunne (von Anfang bis zu Christi Geburt). 

— G. Sarrazin, Die Beowulfsage in Dänemark. — Ders., 
Beowa und Bödvar. — O. Re iss er t, Bemerkungen• über 
Spenser’s Shepheards Calendar und die frühere Bukolik. — 
W. Sattler, Beiträge zur Präpositionslehre im Neuengl. 
XX. at — in. — F. L i e b e r m a n n, Gerefa, hrsg. mit Ein¬ 
leitung. — Ten Brink, Zu Cymbeline. 


Revue des langues romanes Jan.: Castets, Recherches 
sur les chansons de geste (Forts.). — C. Chabaneau, 
Documenta historiques bas-latins, provengaux et frangais. 

II Propugnatore XIX, 1. 2: Luigi Rocca, Dei coramenti 
alla Divina Commedia nel secolo XIV. — Cost. Arlfa, 
una lettera e una canzone di Luigi Puloi. — Salv. di 
Pietro, Deila prima e principale allegoria del poema di 
Dante. — Giov. Pi ne 11 i, II mattino del Parini, oommento. 

— Vinc. Di Giovanni, Le osservazioni sopra la grafia, 
le voci e maniere del Liber Jani e del Ribellamentu di 
Sichilia, fatte nella nuova edizione della Guerra del Vespro 
siciliano di M. Amari. — Fr. M*. Mirabella, Sul verso 
che precede la prima strofa del Contrasto di Cielo d’Alcamo 
ne’ notamenti di A. Colocci. — Ern. Lamma, Studi sul 
Canzoniere di Dante. (Cont. e fine.) — Vinc. Pagano di 
Diamante, Pietro delle Vigne in relazione col suo secolo. 

— Luigi Albertazzi, Ancora del B. Giovanni Colombini. 

— Er. Pöroopo, Le laudi di fra Jacopone da Todi nei 
mss. della Biblioteca Nazionale di Napoli. — L. Gaiter, 
Se la Bibbia Volgare possa dirsi Libro di pagine morte. 

Franco-Gallia III, 5: Uber, Ergänzungen zu dem französ. 
Wörterbuch von Sachs. — Mahn, Grammatik und Wörter^ 
buch der altprovenzal. Sprache. — Die Dichtungen des 
Mönchs von Montaudon, neu hrsg. von O. Klein. — Zeller, 
Die täglichen Lebensgewohnheiten im altfrz. Karlsepos. — 
Koch, Leben u. Werke der Christine de Pizan. — Bettel¬ 
heim, Beaumarchais. 

Neue Jahrbücher f. Philologie H. 12: Völcker, Fran¬ 
zösischer Elementarunterricht nach Perthes. 

Vierteljahrsschrift f. Kultur n. Literatur der Renais¬ 
sance I, 4: C. Meyer, Geistliches Schauspiel und kirch¬ 
liche Kunst. — E. Abel, Isota Nogarola. — K. Hart- j 
felder, Analekten zur Geschichte des Humanismus in I 
Südwestdeutschland. — R. Sabbaddini, Briefe des Guarino I 


von Verona. — C. Krause, Zur Erklärung einiger Stellen 
der Mutianischen Briefe. 

Magazin f. die Literatur des in- u. Auslandes 19—21: 
M. Brasch, L. Börne. — Fr. Fr. Leitsohuh, Die Quelle 
zu Schillers „Gang nach dem Eisenhammer**. — J. Fasten¬ 
rath, Heine in Spanien. 

Geschichtsblätter f. Stadt u. Land Magdeburg XXI, 1: 
Hülsse, Meistersänger in der 8tadt Magdeburg. 

Studien u. Mittheilungen aus dem Benedictinerorden 
VII, 1: Grashof, Das Benedictinerinnenstift Gandersheim 
und Hrotsuitha. 

Protestantische Kirchenzeitung 15: Thoma, Dante und 
Johannes. 

Deutsche Rundschau Mai: Julian Schmidt. — Otto Brahm, 
Ludwig Börne. 

Nordische Rundschau IV, 5: Böhli ng. Sprachliches Leben. 

Nord und Süd Mai: Franz Violet, Die Sage vom ewigen 
Juden. 

Unsere Zeit H. 4: Bormann, Neueres über Heinr. v. Kleist 

Die Gegenwart 15: Karpeles, Julian Schmidt — 17: 
v. Thal er, Lotheissens „Margarethe von Navarra“, [s. Ltbl. 
Sp. 179.] 

Frankfurter Zeitung Nr. 125 Beil.: Börnes Testament — 
Nr. 126 Morgenblatt: J. Proelss, Ludwig Börne. — 
Abendblatt: Börnereliquien. 

The Academy 6. März: Morshead, Faust, part II, trans- 
lated by Sir Th. Martin. (Gut.) — Bradley, Three books 
on folklore: Gould, Mythical monsters; Harley, Moon lore; 
Bassett, Legends and superstitions of the sea and of sailors. 

— Moore, Dante and Oxford. — K. Blind, Arminius 
and the Huns. — Bradley, „Flashy“; „Quech“. — 13. 
März: Letters of G. Sand, translated. — Murray, The 
new English dictionary. — Toynbee, Dante and Paris. — 
8. L. L e e, The study of English literature. — Wharton, 
the combination of n bl u in latin. — 20. März: Nutt, Ma- 
lory’s history of King Arthur and the quest of the Holy 
Grail, from the „ Morte d’Arthur“, ed. with an introd. by 
E. Rhys. — Wright, „Jubile“ or „Jubilee“. — 27. März: 
Morshead, Swinburne, a study of V. Hugo. — Bradley, 
Barnes, a glossary to the Dorset dialect, with a grammar 
of its word shapening and wording. — Strachey, Cax- 
ton’s „Morte d’Arthur“. — Dawson, „Jubile“ and „Jubilee“. 

— Round, „Alderwoman“. — 3. April: Ramsay, „crew“. 

— L. Toulmin Smith, „Alderwoman“. — Krebs, Russian 
loan-words in german. — 10. April: L e w i n, Life of Henry 
Wordsworth Longfellow, with extracts from his journals 
and correspondence, edited by Samuel Longfellow. — Wedg¬ 
wood, „Lipzet“ and „Lindworm“. — Hessels, Mr. Henry 
Sweet’s oldest English texte. — 17. April: Toynbee, The 
„Ventisettana“ Decameron. — W. Skeat, „crew“. — 
Kerslake, „Lipzet“. — Krebs, Russian loan-words in 
German. — 24. April: Sarg ent, The Works of AL Pope, 
with introduction and notes by. Rev. Whitwell Elwin and 
W. J. Courthope vols. IX. X: Correspondence and prose works. 

The Athenaeum 6. März: Ben Jonson convicted of felony L 

— 13. März: Swinburne, A Study of Victor Hugo. — 
20. März: Sims, Shakspeare documents. 

The Nineteenth Century April: Blackie, The Second 
Part of „Faust“. 

Proceedings and Transactions of the Royal Society 
of Canada Vol. II S. 15 ff.: Napoleon Legendre, La 
province de Quebec et la langue frangaise. 

Nordisk Tidskrift för vetenskap, konst och industii 
H. 3 8. 196—214: G. Cederschiöld, Huru den gamla 
isländska literaturen kommit tili oss. S. 

Verdandi H. 2: Theodor Hagberg, En blick pä de främ- 
mande lefvande Sprakens öden i värt fädernesland. S. 49—68. 

Rev. pol. et litt. 15: Henry Becque, Moliöre et „l’Eoole 
des femmes“, Conference. — Caus. litt.: Victor Hugo, 
ThöÄtre en liberte. — 16: JulesLemattre, M. Emile Zola, 
„L’GEuvre“. — F. Picavet, Victor Cousin et la philosophie 
frangaise au XIX e siöcle. (Aus Anlass von Victor Cousin et 
son ceuvre par M. Paul Janet, Paris 1885.) — C. Coignet, 
Frangois I er d’aprös Paulin Paris. — Hugues le Roux, 
Chamillac de M. O. Feuillet. — V te de Caix de Saint - 
Aymour, Atlas colonial par Henri Mager, avec notices 
historiques et göographiques, 1885. — 17: Hugues Le 
Roux, Le Songe d’une nuit d’ötö k l’Oddon. — 19: Georges 
de Nouvion, Le Congrös des Sooiötös savantes k la Sor¬ 
bonne. — L. Q., Un cours de littörature portugaise. (Th. 
Braga, Curso de historia da literatura portugueza, Lisboa 


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253 


1886.. Literaturblatt für germanisohe und romanische Philologie. Nr. 8. 


254 


1886, 1 toI.) — 20: E. de Pressensä, Le due Victor de 
Broglie d’aprös ses Souvenirs. (Souvenirs du feu duc de 
Broglie (1785—1876). I* r vol. — Arvöde Bar ine, Critique 
contemporaine. M. Emile Montägut. — Fr. Paulhan, 
Littörature et Science, k propos d’un roman de Q. Eliot. — 
Hugues Le Roux, Reprise du Misanthrope k la Comedie 
franqaise. La Coupe enohantöe par Champmesle et Lafontaine. 

Bnlletin archdologique et lristorique de la Socidtö 
archdologiqne de Tarn-et-Garonne T. XII S. 81: E. 
Soleville, Chants populaires du bas Quercy. — 117: Ch. 
Dumas de Rauly, Fragments de vies de saints en langue 
romane du XIV* siöcle. 

Revue celtique VII, 1: Abercromby, Two Irish 15 th Cen¬ 
tury Versions of 8ir John Mandeville’s Travels. 

Revue internationale X, 1: De Ginoux, Sainte Catherine 
de Sienne. 

Revue chrätienne 4: Roller, La Renaissanoe en Italie et 
en France k l’äpoque de Charles VIII. 

Revue de l’instruction publique en Belgique XXIX, 2: 
Delbceuf, A propos du passe däfini. 

Annalea de l'Acaaämie d’archeologie XL, 2. 3: Ber- 
naerts, Stüdes ötymologiques et lingnistiques sur les 
noms de lieux romans et bas-allemands de la Belgique. 

Nnova Antologia Anno XXI. 3. ser. Vol. 3. Faso. 8. 9: 
G. Mazzoni, Carlo Agostino Sainte-Beuve (1804—1830). 

Archivio storico italiano XVII, 3: A. R., G. B. Rousseau 
e il Marchese di Priö. 


Neu erschienene Bücher. 

Kay ser, J., Beiträge zur Geschichte und Erklärung der 
alten Kirchenhymnen. Bd. 2. Paderborn, Schöningh. XIII, 
329 S. gr. 8. M. 4. 


Behaghel, Otto, Die deutsche Sprache. Leipzig und Prag, 
Frey tag und Tempsky. 231 S. 8. M. 1. (Wissen der Gegen¬ 
wart Bd. 54.) 

Diederichs, A., Unsere Selbst- und Schmelzlaute (auch die 
Englischen) in neuem Lichte. Oder Dehnung und Brechung 
als solche und letztere als Verrätherin alltäglicher, vor¬ 
zeitlicher und vorgeschichtlicher Wortwandlungen. Strass¬ 
burg, Trübner. XVI, 315 S. 8. M. 5. 

Freytag, L., Die älteren Theile des Kudrunliedes. Berlin, 
Gaertner. 23 6. 4. M. 1. 

Gering, H., Brago Ens Gamla boddasonar. Bruchstücke von 
Brages des Alten Gedichten. Halle, Niemeyer. 31 S. 4. M. 1,60. 

Goethe-Jahrbuch, Bd. VII. 420 S. 8. M. 12. Nebst Jahres¬ 
bericht der Goethe-Gesellschaft. 56 S. [Inhalt des Jahrb.: 
Mittheilungen aus dem Goethe-Archiv. Veröffentlicht von 
L. Geiger: 15 Briefe G.V an seine 8chwester Cornelia; 
21 Briefe G.’s an Behrisch. — 12 Briefe Goethes an F. 8. 
Voigt in Jena, mitgeth. von E. Stengel. — 32 Briefe 
G.’s, nebst zwei Briefen an G., mitgeth. von Cohn u. a. — 
Mittheilungen von Zeitgenossen über Goethe. — G. Stickel, 
Meine Berührungen mit Goethe. — H. Brunnhofer, Gior- 
dano Brunos Eiimuss auf Goetbe. — G. Dehio, Alt-italien. 
Gemälde als Quelle zum Faust. — Miscellen, Chronik und 
Bibliographie.] 

Gunnlaugssaga Ormstungu. Mit Einleitung u. Glossar 
hrsg. von E. Mogk. Halle, Niemeyer. 57 8. 8. M. 1,60. 
(Altnord. Textbibliothek 1.) 

Innungsordnungen, Leipziger, aus demXV. Jahrhundert, 
hrsg. von G. Berfit. Programm des Nicolaigymnasiums in 
Leipzig. 40 8. 4. 

Jahresbericht über die Erscheinungen aus dem Gebiete 
der germanischen Philologie, siebenter Jahrgang, erste Ab¬ 
theilung. Leipzig, Reissner. 128 8. 8. 

K r u e g e r, P., Lenaus „Albigenser“ und die Quellenschriften. 
Berlin, Gaertner. 28 8. 4. M. 1. 

Laurin, ein tirolisches Heldenmärchen aus dem Anfänge 
des XIII. Jh.’s. Hrsg, von K. Müllenhoff. 2. Auf). Berlin, 
Weidmann. 76 8. M. 1. 

Lyttkens, J. A., och F. A. Wulff, Om teekensystem och 
ljudenlighet. Lund, Gleerup. 32 8. 8. Kr. 0,50. 8. 

M a m p e 11, F. J., Die Heidenmauer auf dem Odilienberg im 
Eisass. Ein Beitrag zur Veranschaulichung altgerman. und 
gallischer 8itten und Verhältnisse am Oberrhein. Strass¬ 
burg, Heitz. 109 8. 8. M. 2. 

Mankel, W., Laut- und Flexionslehre der Mundart des 
Münsterthalcs im Eisass. 8trassburg, Trübner. 54 8. 8. M. 1,80. 


Mieck, Ueber niederrheinische Familiennamen. Programm 
des städt. Realgymnasiums zu Düsseldorf. 8 8. 4. 

N ä g r a anmärkningar i Rättstafningsfragan af L. Fr. Leffler, 
J. A. Lundeil, Eug. 8chwartz jemte ett utlätende frän rätt- 
stafningssällskapets 8tookholmskrets. Stockholm, Norstedt 
40 8. 8. 60 öre. 

Quellenschriften zur neuern deutschen Literatur, hrsg. 
von A. Bieling. Nr. 1. Gottscheds Reineke Fuohs. Abdruck 
der hochdeutschen Prosa-Uebersetzung vom Jahre 1752. 
Halle, Niemeyer. VIII, 144 8. 8. 

Schiller, Ueber naive und sentimentalische Dichtung. Mit 
Einleitung .... Anmerkungen von K. Tumlirz. Wien, Hölder. 
X, 100 8. gr. 8. M. 0,64. 

Schmidt, J., Geschichte der deutschen Literatur von Leib¬ 
nitz‘bis auf unsere Zeit. Bd. II. 1763—1781. Berlin, Hertz. 
M. 7. 

Schück, Henrik, Svensk Literaturhistoria. H. 3. Stockholm, 
Seeligmann & Ci. 8. 129 — 192. 8. Kr. 0,90. 8. 

8 i e v e r 8, E., Tübinger Bruchstücke des älteren Frostuthings- 
lög. Halle, Niemeyer. 52 8. 4. M. 3. 

Steffenhagen, E., Die Entwickelung der Landrechtsglosse 
des Sachsenspiegels. II. Die Fuldaer Glossenhandschrift. 
Wien, Gerolds Sohn i. Comm. 

Sweet, Henry, An Icelandio Primer, with Grammar, Notes, 
and Glossary. London, Frowde.,110 8. 12. 3/6 
Tegnör, Esaias, Natur och onatur i fr&ga om svensk rätt- 
stavning. Upsala, Almqvist & Wiksell. 144 8. 8. Kr. 1,50. 
(Ny Svensk Tidskrift 1886. Extra häfte.) 8. 

Tod, Bernh., Berthold von Regensburg. Programm des Gym¬ 
nasiums zu Wetzlar. 25 8. 4. 

Trinius, Wilh., Erinnerungen an Fritz Reuter. 2. Auflage. 
Wismar, Hinstorff. M. 1. 

Walthers von der Vogelweide, Gedichte, Übersetzt 
und erläutert von B. Obermann. Stuttgart, Bpemann. M. 1. 
(Collection Spemann Bd. 100.) 

Weinsohwelch, der. Ein altdeutsches Gedioht aus der 2. 
Hälfte des 13. Jh.’s. Mit einer Uebersetzung von K. Luoae. 
Halle, Niemeyer. 59 S. 8. M. 1,60. 

Weissenfels, Richard, Der daktylische Rhythmus bei den 
Minnesängern. Halle, Niemeyer. 272 8. 8. 

Wörterbuch, deutsches. Gemüth — genug. 


Backhaus, J. C. N., Vorschule der Englischen Sprache. 
Unter besonderer Berücksichtigung der Aussprache und der 
Umgangssprache. Hannover, C. Meyer. 218 8. 8. M. 2. 

Cosijn, P. J., Altwestsäohsische Grammatik. 2. Hälfte. Die 
Flexion. Haag, M. Nijhoff. VII, 200 8. 8. 

De Foe, D., A Journal of the Plague Year 1665. With 
Introduction by Rev. H. R. Haweis. London, Routledge. 
160 8. 16. 

D e k k e r, Th., The shoemaker’s holyday. A oomedy. Revised 
and edited by K. Warnke and L. Proescholdt Halle, Nie¬ 
meyer. XIV, 89 8. gr. 8. M. 2,60. 

Diebler, A. R., Henrisone’s Fabeldiohtungen. Leipziger 
Dissertation. 8. 

F a h 1 b e c k, P., Beovulfsquädet sasom källa för nordisk forn- 
historia. Land, Möller. 

Gl öde, O.» Cynewulfs Elene und ihre Quelle. Rostocker 
Dissertation. 

Schilling, H., König Aelfreds ags. Bearbeitung der Welt¬ 
geschichte des Orosius. Halle, Niemeyer. 61 8. 8. M. 1,60. 

Shakespeare’s tragedy of Hamlet, Prinoe of Denmark. 
Ed., with notes, by Homer Sprague, A. M., Ph. D. With 
critical comments, suggestions and Plans for study, speoimens 
of examination Papers, and topics for essays. Chicago, 8. R. 
Winchell & Co. 230 8. 8. 


Antona-Traversi, de 1 natali, de’ parenti, della famiglia 
di Ugo Foscolo. Leipzig, Brookhaus. L. 6. 

A verna, Giov., Sulla conferenza „Alessandro Manzoni“ del 
prof. Filippo Ferri Mancini: lettera al cav. Giovanni Man- 
cini Ferri. Girgenti, tip. provinciale commerciale di 3alva- 
tore Mentes, 1885. xxiiij p. 16. 

B e h r e n 8, Dietrich, Beiträge zur Geschichte der französischen 
Sprache in England. I. Zur Lautlehre der französ. Lehn¬ 
wörter im Mittelenglischen. Heilbronn, Henninger. Französ. 
Studien V, 2. M. 7,60. [Das 3. unter der Presse befindliche 
Heft enthält: Görlich, Die nordwestlichen Dialekte der 
langue d’oB (Bretagne, Anjou, Maine, Touraine). Hieran 
werden sich anschliessen: Der Bestiaire divin des Guillaume 
Clerc de Normandie und seine Stellung in der Physiologus 


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1886. Literaturblatt för germanische und romanische Philologie. Nr. 8. 


256 


literatur. Nebst dem Bestiarius Reg. 2 C. XII des British 
Museum nach der Hs. zum ersten Male veröffentlicht von 
M. F. Mann; Die germ. Elemente in der afr. und prov. 
ßprache, von Dr. E. Mackel.] 

Berio, Giac., Commento pedagogico-morale dell’ode di Giu- 

. seppe Parini: L’Educazione e dissertazione: La civiltä nel 
mondo antico. Novara, tip. lit. fratelli Miglio, 1886. 134 p. 
16. L. 1,50. 

Brunetiöre, F., Nouvelles ötudes oritiques sur l’histoire de 
la litterature frangaise. (Les Pröcieuses; Bossuet et Föneion: 
Maasilion; Marivauz, etc.) 2 * Edition. In-16, 351 p. Paris, 
lib. Hachette et C e . fr. 3,50. 

Cassarä, Salvatore, La politica di Giacomo Leopardi nei 
Paralipomeni: esposizione e-note. Palermo, Giannone e La¬ 
mantin. 673 p. 16. L. 6,50. [ 1 . Proemio e protagonista. 
2. Tassoni e Leopardi, ovvero del ridicolo. 3. Accenni storioi 
ed altri personaggi dei Paralipomeni. 4. II congresso di 
Vienna ed i Paralipomeni. 5. L’Italia del Leopardi. 6 . Del 
tede 8 cume in Italia. — Saggio di apprezzamenti intorno al 
libro la Politica di Giacomo Leopardi. Preambolo ai Paralipo¬ 
meni. — Testo e note critiche diohiarative dei Paralipomeni.] 

Cre^u, Gr., Codioele Vorone^ean cu un Vocabularlü §i studlu 
asupra lul de J. al lul G. Sbiera. Critica. Bucure^tl, tip. 
Aoademiel rom&ne. 17 8 . 8 . (z. Tb. 8 .-A. aus Revista pentru 
Istorie, Aroheologie $i Filologie, Vol. VI. Anul III.) 

Deschanel, Emile, Le thöätre de Voltaire. Le romantisme 
des classiques. Cinquiöme sörie. Paris, Calmann Levy. Un 
beau volume grand in-18. fr. 3,50. 

Finamore, Gen., Tradizioni popolari abruzzesi. Vol. II: 
canti. Lanciano, tip. di R. Carabba. zij, 158 p. 16. L. 3,50. 

Gallert, Fr., Ueber den Gebrauch des Infinitivs bei Moliöre. 
Hallenser Dissertation. 36 8 . 

Gon^alves Vianna, A. R., e G. de Vasooncellos 
Abreu, Bases da Ortografia Portuguesa. Lisboa, impr. 
Nacional. 4 4 - 14 8 . 8 . 

Gothein, E., Die Kulturentwicklung Süd-Italiens in Einzel¬ 
darstellungen. Breslau, Koebner. VI, 600 8 . gr. 8 . M. 12 . 

Henry, Victor, Contribution k l’ötude des origines du döca- 
syllabe roman. Paris, Maisonneuve. 47 8 . gr. 8 . fr. 2,50. 

Jnarr&es Bombasan, D., Dona Lucia. Novcla historica 
6 historia novelesca. Madrid, Imprenta de la Viuda 6 Hija 
de Fuentenebro. En 8 . XXII, 248 p&gs. 10 y 12 . Es una 
critica del Diccionario de la lengua de la Academia espanola. 
El verdadero nombre del autor es D. J. M. Sbarbi. 

Kosohwitz, Ed., Les plus anciens monuments de la langue 
frangaise publies pour les cours universitaires. 4® edition 
enrichie et augmentöe. Aveo un fao-similö. Heilbronn, Hen- 
ninger. VIII, 50 8 . 8 . M. 1 . 

L, les trois, du Dante. Nouvel essai d’un commentaire sur 
le chant I de la Divine Comödie. 3. öd., augmentee. Klausen¬ 
burg, Demjön. 16 8 . 8 . M. 1 . 

L e n a n d e r, J. H. R., L’emploi des temps et des modes dans 
les phrases hypothötiques commencöes par 8t en ancien 
frangais. Lund. IV, 150 8 . 8 . (Dissertation.) Kr. 1,75. 8 . 

Misoellanea di filologia e linguistica, dedicata alla memoria 
di Napoleone Caix e Ugo A. Canello. Un vol. di pRg. XL, 
476. Firenze, Successori Le Monnier. L. 20. [Inhalt: Pre- 
fazione. — P. Villari, Napoleone Caix. — P. Rajna, 
Gli soritti del Caix. — V. Crescini, Ugo Angelo Canello. 

— F. Miklosich, Ueber die Nationalität der Bulgaren. — 
E. 8 tengel, Ueber den lat. Ursprung der roman. Fünf- 
zehnsilbner und damit verwandter weiterer Versarten. — 
P. Merlo, Problemi fonologici sulParticolazione e sul- 
P accento. I. Tentativo di classificare in un sistema unico 
di articolazioni le vocali e le consonanti. II. Diverse gra- 
dazioni delle vocali toniche, e perdita o naturale rotazione 
delle atone. — G. Gröber, Etymologien. — G. B. Gan¬ 
din o, Osservazioni sopra un verso del poema provenzale 
su Boezio. — A. Gaspary, Moliöre’s Don Juan. — A. 
Tobler, Etymologisches. — G. Paris, Les Serments de 
Strasbourg (introduotion 4 un Commentaire grammatical). 

— C. Paoli, Notizia di un codicetto fiorentino di Ricordi 
scritto in volgare nel sec. XIII. — F. G. Fumi, Postille 
romanze. I. An romanzo per 0 atono latino. II. Greggio, 
Grezzo . — G. Meyer, Der Einfluss des Lateinischen auf 
die albanesische Formenlehre. — C. Michaelis de Vas- 
concellos, Studien zur hispanischen Wortdeutung. — F. 
Neu mann, Die Entwickelung von Consonant + w im 
Französischen. — A. M i o 1 a, Un testo drammatico spagnuolo 
del XV secolo. — B. Wiese, Einige Dichtungen Lionardo 
Giustiniani’s. — G. Flechia, Etimologie 8 arde. — M. 


Obödönare, Une forme de Particle roumain qui se met 
devant les substantifs et les adjectifs (Dialecte du Danube). 

— J. Cornu, Recherche's sur la conjugaison espagnole au 
XIII* et XIV* siöcle. — P. Meyer, Complainte provenzale 
et Complainte latine sur la mort du patriarche d’Aquilöe 
Grögoire de Montelongo. — C. A vol io, La questione delle 
rime nei poeti Siciliani del sec. XIII. — N. Zingarelli, 
Un serventese di Ugo di Sain Circ. — A. Mussafia, Una 
particolaritä sintattica della lingua italiana dei primi secoli. 

— J. Leite de Vasconcellos, Etymologias populäres 
portuguesas. — R. Renier, Un mazzetto di poesie musi- 
cali francesi. — H. Suchier, Ueber die Tenzone Dante’s 
mit Forese Donati. — A. D’Ancona, L’arte del dire in 
rima: Sonetti di Antonio Pucci. — 8. Pieri, II verbo are- 
tino e lucchese. — G. Morosi, L’odierno dialetto cata- 
lano di Alghero in 8ardegna. — M. Gaster, Die rumän. 
Miracles de Nötre Dame. — C. Salvioni, Antichi testi 
dialettali chieresi. — L. Biadone, La forma metrica del 
‘Commiato 1 nella Canzone italiana dei sec. XIII e XIV. — 
M. Mildv Fontanals, Un* alba catalana. — F. N o v a t i. 
II Ritmo Cassinese e le sue interpretazioni. — F. D’Ovi¬ 
di o, Della quantitd per natura delle vocali in posizione. — 
E. M o n a c i, II trattato di poetica Portoghese esistente nel 
Canzoniere Colocci-Brancuti. — G. L Ascoli, Due lettere 
glottologiche: I. Di un filone italico, diverso dal romano, 
che si avverte nel campo neolatino. Lettera a Napoleone 
Caix. II. Dei Neogrammatici. Lettera al prof. Pietro Merlo. 

— Aggiunte e Correzioni.] 

Ohl er t, A., Die fremdsprachl. Reformbewegung mit beson¬ 
derer Berücksichtigung des Französischen. Königsberg, 
Gräfe & Unzer. 69 8. gr. 8. M. 1,20. 

P e 11 i c o, Silvio, Rappresentazioni drammatiche inedite: Santa 
Giulia; Santa Filomena; La schiava degli Iberi; Santa For¬ 
tunata: La buona mamma; 8. Sebastiano; Sant’ Agnese; 
Santa Bonosa; II paggio di Santa Elisabetta. Torino, collegio 
degli Artigianelli flibr. 8. Giuseppe). 8. n. vij, 33, 66, 71, 
68, 35, 28, 40, 47, 40. L. 3. Biblioteca di racconti e novclle. 

Pünjer, J., Lehr- und Lernbuch der franz. Sprache. Han¬ 
nover, C. Meyer. 311 8. 8. M. 2,40. 

R o n z i, Ang., Comparazione psicologica della canzone cat- 
tolira alla Vergine di Francesco Petrarca col canto Alla 
sua donna di Giacomo Leopardi. Bologna, Nicola Z&nichellL 
48 p. 16. 

Sacco, D, di Volterra nel MCDLXXII: poesie störichc con- 
temporanee e commentario inedito di Biagio Lisci volterrano 
tratto dal cod. vaticano-urbinate 1202 a ciira di Lodovico 
Frati. Bologna presso la ditta Gaetano Romagnoli edit. 
xliiij, 160 p. 16. L. 6,50. [I. La guerra de Volterra: poe- 
metto in ottava rima. II e III. Due lamenti di Volterra. 
IV. Lamento di Volterra di Antonio Ivani. V. Due sonetti 
di Giovanni Zacchi volterrano. VI. Elegia latina di Gio. 
Battista Cantalicio a Lorenzo dei Medici. VII. Lettera e 
oapitolo in terza rima di Giovanni Bartolomeo Ciaj a Fede- 
rico II conte d’Urbino. VIII. Capitolo in terza rima di 
Benedetto Dei. IX. Ad Fridericum oomitera montis Feretri 
inclitum belli ducem Blasii Liscii volterrani libellus de di- 
reptione suae patriae. — Scelta di curiositä letterarie in¬ 
edite o rare dal sec. XIII al XVII, fondata e diretta da 
Francesco Zambrini, disp. CCXIV.] 

Schoepke, Paul, Ph. Nericault Destouches et son thöätre. 
39 8. Progr. der städt. Realschule zu Leipzig. 

Schumacher, Ernst, Zur Syntax Rustebuefs. Inaugur&l- 
Dissertation. Kiel, Lipsius & Tischer. 63 8. 8. M. 1,60. 

Schwan, Die Geschichte des mehrstimmigen Gesangs und 
seiner Formen in der französ. Poesie des 12. und 13. Jh.’s. 
8.-A. aus den Verhandlungen der 38. Philologenversamml. 
8. 121—128. 

Trattato dello Spirito Santo di fra Domenico Cavalca, con 
altre pie letture. Testi di lingua del Secolo XIV. Imola, 
Galeati. 180 8. 

Vannucchi, Olivo, Nuovo commento ai pasBi piü oscuri 
della Divina Commedia di Dante Alighieri. Lucca, tip. eredi 
Grassi. 80 p. 8. 

V a s s a 11 o Paleologo Fr., La concordanza dantesca: opera 
necessaria a ritrovare qualsiasi concetto della Divina Com¬ 
media. Fase. I. Girgenti, tip. di Luigi Carini. 8°. p. 1—40. 
Cent. 75 la dispensa. 

Vooabolario degli Accademici della Crusca. Quinta im- 
pressione. V. Band. III. Abtheilung. 8. 481—832 (Figliare — 
Feudo). Florenz, Le Monnier’s Nachfolger. M. 10,80. 


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257 


1886.. Literaturblatt für uermnniscbe und romanische Philologie. Nr. 6. 


258 


Aiithors, english. 8. 11—17. Lief. 12« Bielefeld, Velhagen 
ft Klasing. [Inhalt: 8. The tragedy of King Richard IT. Bv 
William ShAkspere. Mit Anm. zum 8chulgebr. hrsg. v. Ed. 
Paetsch. Ausg. A. Mit Anm. unter dem Text. 173 8. M. 0.80: 
Aus?. B. Mit Anm. in einem Anhang. 123 u. 48 8. M. 0.80. 

— 11. Quentin Durward. By Sir Walter Scott. Tm Auszug 
mit Anm. zum Sohulgebr. hrsg. von C. Thiem. 1. Th. Ausg. 
A. 255 S. M. 1,20. — 12. Julius Caesar. By William Shnk- 
spere. Hrsg, von Alfr. van der Velde. Ausg. A. 155 S. 
M. 0,80; Ausg. B. 119 u. 39 8. M. 0.80. — 13. Childe Harold’* 
pilgrimage. By Lord Byron. Im Auszuge hrsg. von Mart. 
Krummaoher. Ausg. A. 168 8. M. 0 80. — 14. The three 
Cutters. Bv'Captain Marryat Hrsg, von E. Paetsch. Ausg. 
4. 123 8. M. 0,60; Ausg. B. 94 u. 31 8. M. 0.60. — 15. Ab- 
botsford. Bv Washington Irving. Hrsg, von O. Hallbauer. 
Ausg. A. 112 8. M. 0.60; Ausg. B. 86 u. 29 8. M. 0.60. — 
16. Scott’s history of Scotland, containing: The reigns of 
James IV, James V and Mary Stuart. Hrsg, von F. Fried¬ 
rich. Mit einer Uebersichtsksrte. Ausg. A. 217 8. M. 1,20. 

— 17. The Bettlers in Canad». By Captain Marryat. Hrsg, 
von ,Alb. Benecke. Ausg. A. 284 8. M. 1.20.1 

-- dasselbe, for the use of schools. Nr. 8 — 11. Berlin, 

Friedberg ft Mode. gr. 16. Unhalt: 8. Enoch Arden bv Alfr. 
Tennyson. Mit Anm. u. Wörterb. hrsg. von Ernst Regel. 
41 8. M. 0,60. — 9. A selection frora the sketohbook of 
Washington Trving. Mit Anm. u. einem Wörterverzeichn. hrsg. 
von Hugo Wernekke. 116 S. M. 1. — 10. The life and 
voyages of Christopher Columbus. Bv Washington Irving. 
Ausgew. u. mit Anm. sowie theilweiser Accentuirung hrsg. 
von D. Bendan. 310 8. M. 1,20. — 11. The cricket on the 
hearth. By Charles Dickens. Mit Anm. hrsg. von Karl 
Meurer. VI, 148 8.] 

Bihliotheque fran^aise k l’usage des 6coles. Nr. 12—16. 
Berlin, Friedberg ft Mode. gr. 16. [Inhalt: 12. Histoire de 
Sindbad le marin par A. Galland. Schulausg. mit Anm.. 
Wörterb ti. Präparationen von Heinr. Löwe. 79 S. M. 0.60. 

— 13. Histoire de Napoleon de 1769 & 1814 par Alex. Du¬ 
mas. Mit Anm. u. Wörterb. hrsg. v. Fr. Augustiny. 139 S, 
M. 1. — 14. Histoire d’un conscrit de 1813 par Erckmann- 
Chatrian. Hrsg. u. erläutert v. Alfr. v. d. Velde. 218 S. 
M. 1. — 15. Contes du lundi par Alph. Daudet. Hrsg. u. 
mit Anm. versehen von Ad. Lundehn. 109 8. M. 1. — 16. 
Campagne dTtalie en 1800 par Thiers. Mit Anm. u. 1 Karte 
hrsg. von M. Schaunsland. 125 8.] 

Prosateurs frangais ä l’usage des Cooles. 60—63. Lief. 12°. 
Bielefeld, Velhagen ft Klasing. [Inhalt: 60. Voyage en 
Orient. Par A. de Lamartine. Im Auszuge mit Anm. zum 
Schulgebrauch hrsg. von H. Lambeck. 1. Th. Ausg. A. Mit 
Anm. unter dem Text. 206 8. M. 1; Ausg. B. Mit Anm. in 
einem Anhang. 160 u. 48 8. M. 1. — 61. Napoleon ä Sainte 
H^l&ne. Par Thiers. Auszug aus Histoire du Consulat et de 
PEmpire. Hrsg, von G. 8tern. Ausg. A. 172 8. M. 0,90: 
Ausg. B. 131 u. 46 8. M. 0,90. — 62. Biographies d’hommes 
cel&bres de Pantiquit4. Par Charles Rollin. Hrsg. v. Gerh. 
Franz. 1. Th. Ausg. A. 141 8. M. 0,80. — 63. Expedition 
d’Egypte et Campagne de 8yrie. Par P. Lanfrey. Auszug 
aus Histoire de Napoleon I. Hrsg. v. E. Paetsoh. Mit einer 
Uebersichtskarte. Ausg. A. 95 8. M. 0,75.] 
Schulbibliothek, französische u. englische. Hrsg. v. Otto 
E. A. Dickmann. 23—27. Bd. Leipzig, Renger. 8. [Inhalt: 
23. AusgewähUe Reden engl. Staatsmänner. Für den Schul¬ 
gebrauch erkl. v. J. C. A. Winckelmann. 2. Heft. Edm. 
Burke, Rede über die ostind. Bill des Charles J. Fox. XV, 
93 8. mit 1 Karte. M. 0,90. — 24. The Duke of Monmouth 
(aus: History of England) by Thomas Babington Macaulay. 
Mit 1 Karte. Erkl. v. Otto Werner. VIII, 103 S. M. 1,05. — 
25. Gulliver’s travels into several remote nations of the 
world. Part. I: A voyage of Lilliput. Von Jonathan 8wift. 
Erkl. v. F. Hummel. VIII, 55 8. M. 0,60. — 26. Confessions 
d’un ouvrier v. Emile Souvestre. Erkl. v. Otto Josupeit. 
VIII, 107 8. M. 1,05. — 27. Ausgewählte Erzählungen von 
Alphonse Daudet. Erkl. v. Ernst Gropp. XV, 91 S. M. 0,90. j 
Th£ätre frangais. 8. Folge. 2. Lief. u. 19. Folge. 2. Lief. 
Bielefeld, Velhagen ft Klasing. 12. [Inhalt: VIII, 2. L’öoole 
des femmes. Comedie en cinq actes par Moli&re. Mit Anm. 
hrsg. von Wilh. Scheffler. Ausg. A. Mit Anm. unter dem 
Text. 153 8. M. 0,60; Ausg. B. Mit Anm. in einem Anhang. 
124 u. 34 S. M. 0,60. — XIX, 2. Le Cong6. Petit-drame en 
nn acte par Arnaud Berquin. Mit Anm. zum Schulgebraucb 
hrsg. von Th. Weischer. 40 8. M. 0,50.] 


Wershoven, F. J., Französisches Lesebuch für höhere 
Lehranstalten. Mit erkl. Anmerkungen, Präparation und 
Wörterbuch. 3. Aufl. Cöthen, Schulze. VIII, 333 8. 8. M. 2,25. 


Ausführlichere Recensionen erschienen 
über: 

Mover, Anfang u. Ursprung der lat. u. griech. rythmischen 
Dichtung (v. Dreves: Gött. gel. Anz. Nr. 7). 

8chwartz, Indogerman. Volksglaube (v. Roediger: Litera¬ 
turzeitung Nr. 19). 

Briefe von Goethes Mutter an die Herzogin Anna Amalia 
(v. Werner: D. Literaturzeit. Nr. 17). 

Burg. Die älteren nordischen Runeninschriften (v. Brate: 

Beiträge zur Kunde der indogerm. Sprachen XL 1 u. 2). 
Exodus, hrsg. von Kossmann (v. vrogt-1: Lit. Cbl. 18). 
Firlifimini. hrsg. von Geiger (v. Werner: Zs. f. österr. 
Gymnasien H. 3). 

Goethe-Jahr buch 1886 (Cbl. Nr. 19). * 

Idioticon. schweizerisches (v. K r ögel]: Lit. Cbl. Nr. 18). 
Scherer, Geschichte der deutschen Literatur (v. Hewett: 
the Nation 22. April). 

Schöll, Gesammelte Aufsätze zur klass. Literatur alter u. 

neuerer Zeit (v. Minor: Gött. gel. Anz. Nr. 6). 
Wörterbuch, deutsches (Chi. Nr. 19). 


Godefroy. Dict. de Pnncienne langue *fran$. I. J. Jv. A. 
Jacques: Rev. crit. 14). 


Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Der Vorstand des „Niederdeutschen Sprachvereins“ hielt 
am Gründonnerstag eine Sitzung in Lübeck. In Angriff ge¬ 
nommen wird eine neue Serie „Forschungen“, welche mit 
Holthausens „Soester Grammatik“ demnächst eröffnet 
werden soll. Für die „Neudrucke“ ist die Ausgabe des 
„Slömer“ von Boltc angenommen; für die „Niederdeutschen 
Denkmäler“ wird noch immer auf Dr. K. Nergers vollstän¬ 
dige Ausgabe des Nicolaus Rütze gewartet. Das Bauersohe 
Waldeckcr Wörterbuch, bearbeitet von Dr. Collitz, gebt 
dem Drucke entgegen. Der Besuch der 8tockholmer Biblio¬ 
theken, um nach niederdeutschen Handschriften und Incunabeln 
zu forschen, ist aufgegeben, da sichere Nachrichten die Frucht¬ 
losigkeit erwiesen haben. Dagegen sollen die Kopenhagener 
Bibliotheken Rpäter bereist werden, sobald über die Bestände 
ein besserer Ueborblick erzielt worden; eine geeignete Kraft 
hat sich dazu erboten und ist in Aussicht genommen. 

Bei der Bewerbung um den BauerBchen Preis für eine 
Darstellung der deutschen Dialekte ist Herrn Oberlehrer Dr. 
Bruno Haushälter in Rudolstadt die Hälfte der Preissumme 
zuerkannt worden. 

Die englisohe Goethe-Gesellschaft wird herausgeben: 
jährlich einen Band ihrer Verhandlungen, eine allgemeine 
Einführung in Goethes Werke, besondere Einleitungen zu den 
weniger bekannten Werken, Uebersetzungen von bis jetzt 
noch nicht ins Englische übertragenen Werken. 

Herrn Dr. Pak sc her (Rom) ist es gelungen, das Auto¬ 
graph Petrarcas, nach welchem iro Jahre 1501 die Aldinische 
Ausgabe des Canzoniere, aber mit willkürlichen Aenderungen, 
erfolgt ist, in der Vaticana wieder aufzufinden, in der es 
bisher vergeblich gesucht worden ist. Es enthält sämmtliehe 
Sonette und Canzonen. z. Th. von des Dichters Hand, zum 
andern unter seiner Aufsicht geschrieben. P. hat bereits der 
Accademia de’ Lincei in Rom von seinem Funde Mittheilung 
gemacht und wird binnen Kurzem nach der Handsohrift, deren 
Authenticität er als unzweifelhaft nachweisen kann, eine nun¬ 
mehr definitive Ausgabe der Gedichte Petrarcas erscheinen 
lassen. 

Der Privatdocent Dr. J. Franck in Bonn ist zum ao. 
Professor für niederdeutsche und niederländische Sprache und 
Literatur ernannt worden. — Der bisherige ao. Professor der 
englischen Philologie an der Universität Breslau, Dr. E. Köl- 
bing, wurde zum ord. Professor befördert. 

Antiquarische Cataloge: Ackermann, Münohen 
(Span. u. Portug.); Cohn, Berlin (Deutsche u. ausl. Lit.); 
Merkel, Erlangen (Rom. Spr. u. Lit.); Steinkopf, Stutt¬ 
gart (Literatur, Deutsch). 


Abgeschlossen am 26. Mai 1886. 


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260 



1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


Neuphilologentag in Hannover 

am 4., 5. und 6. October 1886. 

Naohdem der vom „Verein für neuere Sprachen zu Han¬ 
nover“ .im März d. J. erlassene Aufruf zu einer Versammlung 
aller deutschen Neuphilologen bei den Professoren wie Lehrern 
des Englisohen und Französischen lebhaften Anklang gefunden 
hat und den bisher eingelaufenen Meldungen zufolge das 
Zustandekommen des Tages als gesichert erscheint, fordert 
der Hannoversche Verein, der auch das Deutsche mit in den 
Bereich seiner Verhandlungen zieht, nochmals die Herren 
Germanisten und alle bisher noch nicht beigetretenen Herren 
Professoren und Lehrer des Französischen und Englischen 
auf, bis znm f. Juli <1. J. ihre Adresse, etwaige Vortrags¬ 
themata und Wünsche in Bezug auf die Verhandlungen, sowie 
den Beitrag von 1 Mark an den „Oberlehrer Ad. Ey, Han¬ 
nover, Körnerstrasse 26 u , einzusenden und damit ihre Theil- 
nahme an der jetzt endgiltig auf den 4., 5. und 6. October 
d. J. festgesetzten Versammlung zu erklären. Alle auf die¬ 
selbe bezügliche Schriftstücke, auch der Verhandlungsbericht 
werden den Theilnehmern seinerzeit zugestellt werden. 

Für den „Allgemeinen Verband der deutschen neuphilo- 
logischen Lehrerschaft“ beabsichtigt der Hannoversche Verein 
folgende Punkte vorzuschlagen: 

1) Der Zweck des Verbandes ist: die Pflege der neueren 
Sprachen, insbesondere will er eine stete Wechselwirkung 
zwischen Universität und 8chule, zwischen Wissenschaft 
und Praxis fordern. 

2) Diese Aufgabe erstrebt er: 

a. durch alljährlich wiederkehrende Versammlungen, auf 
denen wissenschaftliche und pädagogische Fragen aus 


dem Gebiete des Deutschen, Englischen und Fran¬ 
zösischen erörtert werden; 

b. duroh Gründung von Vereinen, welche wieder unter 
einander durch Austausch ihrer Jahresberichte etc. in 
Verbindung treten und welche die vereinzelt wohnenden 
Vertreter und Freunde der neueren Sprachen durch 
wissenschaftliche Lesezirkel an sich anscbliessen, und 
zuletzt 

c. durch gemeinsame Unterstützung aller auf die Hebung 
des neusprachlichen Unterrichts gerichteten Bestrebungen 
im In- und Auslande. 

3) Mitglied wird jeder Lehrer und Professor der neueren 
Sprachen, sowie auch die einem neusprachlichen Vereine 
angehörenden Nichtfachmänner gegen Entrichtung eines 
jährlichen Beitrages von 1 Mark. 

4) Den Verband vertritt ein Vorstand von drei Personen, 
die zugleich am Verbandstage Vorsitzende sind, und zwar 
soll derselbe bestehen aus einem Universitätslehrer, einem 
Schulmann und dem Vorsitzenden desjenigen Vereins für 
neuere Sprachen, an dessen Wohnort die nächste all¬ 
gemeine Versammlung stattfindet. Der Ausschuss dieses 
Vereins steht dem Vorstande des Verbandes in der Ge¬ 
schäftsführung zur Seite. 

Hoffentlich zeigt ein zahlreicher Besuch der Versamm¬ 
lung zu Hannover am 4., 5. und 6. October d. J., dass die 
Berufung derselben für die junge mächtig aufblühende Wissen¬ 
schaft eine durchaus zeitgemässe war. Der „Verein für neuere 
Sprachen zu Hannover“, allein von dem Wunsche beseelt, das 
8tudium der neueren Sprachen zu fördern, erwartet, dass die 
Versammlung eine Vereinigung aller Vertreter der neueren 
Sprachen zu gemeinsamer Thätigkeit anbahnen wird. 


NOTIZ. 

D«n germanistischen Theil redigirt Otto Behaghel (Basel, Bahnhofstrasse 83), den romanistischeo und englischen Theil Fritz Nenmana 
(Freiburg i. B., Albertstr. 24), und man bittet die Beiträge (Recensionen, kurse Notuen, Peraonalnachrichten etc.) dem entsprechend gefälligst su adreasiren. 
Die Redaction richtet an die Herren Verleger -wie Verfasser die Bitte, dafür Sorge tragen xu wollen, dass alle neuen Werke germanistischen und 
romanistischen Inhalts ihr gleich nach Erscheinen entweder direct oder durch Vermittelung von Gebr. Hcnringer in Ueilbronn sugesandt 
werden. Nur in diesemFalle wird die Redaction stets im Stande sein, Ober neue Publicationen eineBeaprechung oder 
kürsere Bemerkung (In der Bibliogr.) su bringen. An Gebr. Henninger sind auch die Anfragen über Honorar und 8onderabzüge au richten. 


Literarische Anzeigen. 

Verlag von GEBR. HENNINGER in Heilbronn. 


Altenglische Bibliothek 

herausgegeben 

von 

Eugen Kölbing. 


Erschienen: 

I. Band: Osbern Rokenam’s Legenden, herausgegeben 

von C. Horstraann. geh. M. 5.60 

II. Band: Amis and Amilonn, zugleich mit der altfranzös. 

Quelle herausgegeben von Eugen Kölbing. Nebst 
einer Beilage: Amicus ok Amilfus Hfmur. 

geh. M. 7.- 

III. Band: Octavian. Zwei mittelenglische Bearbei¬ 
tungen der Sage, herausgegeben von G. Sarrazin. 

geh. M. 4.50 


Unter der Presse: 

Arthonr and Merlin herausgegeben von Eugen Köl¬ 
bing. 


Englische 

Sprach- und Literaturdenkinale 

des 16., 17. und 18. Jahrhunderts 
herausgegeben 
von 

Karl Vollmöller. 

Erschienen: 

I. Band. Gorbodnc or Ferrex and Porrex. A Tragedy 

by Thomas Norton and Thomas Sackville. A. D. 1561. 
Edited by L. Toulmin Smith. geh. M. 2.— 

II. Band: Marl owe* s Werke, historisch-kritische Ausgabe 

von Hermann Brey mann u. AlbrechtWagner. 
I. Tamburlai ne hrsg. von Albrecht Wagner. 

geh. M. 4.— 

III. Band: Mountford, The Life and Death of Doctor 
Fanstns, made into a farce. London, 1697, heraus* 
gegeben von Otto Franoke. geh. M. 1.20 

Unter der Presse: 

Enpbnes. The anatomy of Wit by John Lyly, M. A. edited 
with the First Chapter of 8ir Philip Sidney’s Aroadia, 
Introduction and Notes by Dr. Friedrioh Land¬ 
mann. 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 6. 


262 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn, 

FRANCISC1 ALBERTINI 

opvscvlvm 

DE 

MIRABILIBVS 

NOVAE VRBIS 

ROMAE. 

HERAVSGEGEBEN 

VON 

AVGVST SCHMARSOW. 

8». XXUI, 77 S. 

Ausgabe auf Büttenpapier mit Pergamentumschlag in zwei¬ 
farbigem Druck M 4 .— 

Auf Druckpapier mit zweifarbigem Umschlag & 2 .— 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Dante-Forschungen. 

Altes und Neues 

toh 

Karl Witte. 

i. 

Mit Dante*« Bildnis« nach Giotto, nach dem 1840 wieder entdeckten Fresco- 
bilde im Palazzo del Bargello (Pretorio), bevor dasselbe 1841 übermalt 
ward, in Kupfer gestochen von J □ 1. Thaeter. geh. M. 12.— 

XI. BAND. 

Mit Dante*« Bildnis« nach einer alten Handzeichnung und dem Plan von 
Florenz zu Ende de« XIII. Jahrhundert«, geb. M. 15.— 

Abdrücke der beiden Dante-Bildnisse auf chinesischem 
Papier mit breitem Rande ä M. 2.40. 


Moliere’s 

Leben und Werke 

vom 

Standpunkt der heutigen Forschung 

von 

R. Mahrenholtz. 

(Französische Studien II. Band.) 
geh. M. 12.— 

Kleinere Ausgabe geb. M. 4.—, geb. in Lwdbd. M. 5 .—. 

Shakspere. 

Sein Entwicklungsgang in seinen Werken. 

Mit Bewilligung des Verfassers 

übersetzt von 

Wilhelm Wagner. 

geh. M. 7.50. 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Neu erschienen: 

Les plus anciens monuments de la langue 

frangaisp publica pour les cours universitaires par 
Eduard Koschwitz. Quatri&me Edition enrichie et 
augment£e. Avec un fac-similö. Geh. M. 1 .— 

Beiträge zur Geschichte der französischen 
Sprache in England. Von Dietrich Behrens, 
Privatdocent der romanischen Philologie an der Univer¬ 
sität zu Greifswald. I. Zur Lautlehre der französischen 
Lehnwörter im Mittelenglischen. (Franz. Studien V. Bd. 
2 . Heft. Einzelpreis M. 7.60 


fmäSSa^ Soeben erscheint: filKM 

iü i§ 

I Revolution ( 

1 der | 

| Litteratur | 

S von j{ 

ff Karl Bleibtreu. 

igl Zweite stark vermehrte Auflage. 

| - Eleg. brohc . Freie 1,50 Mark . - 

5 Längst hat sich Einsichtigen die Veber - 
| Ze ugung aufgedrängt, dass wir an einem neuen 
l H Wendepunkt der Litteraturentwukelung ange- 
jg langt sind, dass eine neue Sturm - und Drang - 
jj periode sich allgewaltig erhebt, aus welcher das 
jj Bleibende und Wahre nach unklarer Gährung 
§J sich gestalten wird. So hat denn einer der 
1 Hauptvertreter der neuen Litteraturrichtung den 
jj Versuch gewagt, schneidigen, präcisen Ausdruck 
jj für die Ziele und bisherigen Erfolge derselben 
jj zu bieten. Man kennt Bleibtreu’$ unerschrockene 
§j Kampflust und wird daher nicht staunetx, mit 
gj wie genialer Sicherheit hier alle Talmi-Grössen 
■ S der Reklame zerschmettert und so manche ver - 
jj kannten Verdienste zu Ehren gebracht werden. 

H Die Broschüre, welche das grösste Aufsehen er - 
regt, ist berufen wie ein reinigendes Gewitter 
Jj am litterarischen Himmel zu wirken. 

| Verlag von Wilhelm Friedrich in Leipzig . 
i §§ In allen Buchhandlungen zu haben . 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologi' Nr. 6. 

Yerlag von Friedrich Vieweg & Sohn in Braunschweig. 

(Zu beziehen durch jede Buchhendlung.) 

Soeben erschien: 

Handbuch 

der 

deutschen Alterthumskunde. 

Uebersich t 

der Denkmale und Gräberfunde 

frühgeschichtlicher und vorgeschichtlicher Zeit. 

Yon L. Lindenschmit. 

In drei Theilen. Koyal-Octav. geh. 

Erster Theil. Die Alterthfimer der merovingischen Zelt. 

Mit Hoisstichen. 2. Lieferung. Preis 12 Hark. 


Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Mitte Juni zur Ausgabe bereit: 

Encyklopädie und Methodologie 

der 

romanischen Philologie 

mit besonderer Berücksichtigung des Französischen und Italienischen 

von 

Gfustav Körting. 

III. (Schluss«) Theil. 


Verlag von J. A. Barth in Leipzig. 

Fr. Diez. Leben und Werke der Trou¬ 
badours. 2. Auflage herausgegeben von 
K. Bartsch. 1882. . M. 10.— 

Fr. Diez. Die Poesie der Trouba* 

dours. 2. Auflage herausgegeben von 
K. Bartsch. 1883. M. 6.40 

Unveränderter Text mit zahlreichen im Druck 
kenntlichen Zusätzen des Herausgebers. 

In Halbfranzband M. 1.25 hoher. 


Inhalt: 


Die Encyklopädie und Methodologie 

der romanischen Einzelphilologien. 

(Das Französische. — Das Provenzalische. — Das Catalanische. — Das Spanische. — 

Das Portugiesische. — Das Italienische. — Das Rumänische. — Das Rätoromanische.) 

Preis geheftet M. 10.— 

Diejenigen Besitzer der früher erschienenen zwei Theile des Werkes, welche auch den dritten anzuschaflfen 
wünschen, werden gebeten, sich wegen Vorlage an eine Sortimentshandlung zu. wenden, da die Fortsetzung nur auf Verlangen 
geliefert wird. 


Verantwortlicher Bedaoteur Prof. Dr. Fritz Neumann in Freiburg i. B. — Druck von G. Otto in Darmstadt. 


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Literaturblatt 

für 

germanische und romanische Philologie. 

Herausgegeben von 

Dr. Otto Behaghel und Dr. Fritz Nenmann 

o. ö. Professor der germanischen Philologie o. ö. Professor der romanischen Philologie 
an der Universität Basel. an der Universität Freibnrg. 

Verlag von Gebr. Henninger in Heilbronn. 

Erscheint monatlich. Preis halbjährlich M. 6. 

yn. Jahrg. Nr. 7. Juli. 1886. 


Wegener, Untersuchungen. Uber die Grundfragen 
des Sprachlebens (M i s t e 1 i). 

Lasins, Das friesische Bauernhaus (II u n z i ke r). 
Henning, Die deutschen Uaustypen. Nachträgl. 

Bemerkungen (H u n z i k e r). 
Hartmann-Abele, Volkslieder, in Bayern, 
Tirol und Salzburg gesammelt (M i 1 c h s a c k). 
Litzmann, Briefe von Anna Maria v. Hagedorn 
an ihren Sohn Christian Ludwig (Muocker). 
Deutsche Litersturdenkmale des 18. u. 

19. Jh.’s 22. u. 24. Heft (Koch). 

Jahrbuch der deutschen Shakespearegesellschaft 
XX (Proescholdt). 


Wershoven, Englisches Lehrbuch auf phonet. 
Grundlage (VVol p e rt). 

Nyrop, Adjektivernes konsbojning i de romanske 
Sprog (Meyer). 

Cnstian v. Troyes sämmtliche Werke hrsg. 
von W. Foerster. 1. Cliges (Bai st). 

E n g w e r , Anwendung der Tempora perfectae statt 
der Tempora imperf. actionis ira Afrz. (Schulze). 

Biadego, Da libri e manoscritti apigolature 
(W iese). 

Crane, Italian Populär Tales (Lie brecht). 

Fesenmair, Spanische Bibliothek mit deutschen 
Anmerkungen 1. 2 (K r e s s n e r). 


Aquenza, Sammlung span. Lust- und Schau¬ 
spiele 1—3 (K r e s s n e r). 

Diercks, El Cuento del Cautivo. Epieode aus 
dem Don Quijote (Kresiner). 

Sauer-Röhnch, Diälogos Castellanos (Kress* 
ner). 

Vogel, Enseilanza Practica para aprender pronta 
y fäcilmente la lengua alemana (Kressner). 

Bibliographie. 

Literarische Mittheilungen, Personal¬ 
nachrichten etc. 

Meyer und Schulze, Erwiderung und Ant¬ 
wort. 


Wegener, Ph., Untersuchungen über die 
Grundfragen des Sprachlebens. Halle, Max 
Niemeyer. 1885. VIII, 208 S. 

Alle Sprachelemente sind ursprünglich Wort¬ 
sätze, die das Neue, Interessante d. h. psychologische 
Prädicate enthielten, wodurch der Wille einer frem¬ 
den Person so bestimmt werden sollte, wie es dem 
Sprechenden werthvoll erschien: im Imperativ, in 
Frage, im Hinweis auf einen Gegenstand der An¬ 
schauung, in der Aufforderung, sich Gedächtniss- 
bilder zu vergegenwärtigen; der Egoismus war’s, 
der zu diesen Sätzen veranlasste. Umgekehrt war 
für das Verständniss dieser Wortsätze die Sympathie 
des Hörers die conditio sine qua non, ohne welche 
er nicht einmal zum An- oder Zuhören gekommen 
wäre, und positiv unterstützte ihn die Anschauung 
der ganzen Situation, Ton und Geberde des Sprechen¬ 
den, die Erinnerung an frühere Vorfälle, die eigne 
Beschäftigung und der dadurch gegebene Ideen- 
und Interessenkreis. Das gilt nicht bloss für den 
Wortsatz, den übrigens auch die heutige Sprache 
kennt (auf der Stelle! den Kerl! u. s. w.), sondern 
für den ausgebildeten Satz, für die Periode, für jedes 
geschlossene sprachliche Kunstwerk, weil sie alle 
etwas Werth volles und Interessantes, psychologische 
Prädicate, vermitteln wollen. Complicirtere Ver¬ 
hältnisse erforderten die Beigabe von Expositions¬ 
mitteln oder psychologischen Subjecten, wozu das 
Material diejenigen Elemente lieferten, w T elche als 
Prädicate des Wortsatzes durch häufige Wieder¬ 
holung verblasst und ihrer Anschauungs- oder Vor¬ 
stellungsgruppe congruent geworden waren. Es gibt 
also zwei Klassen von Sprachelementen: solche der 


Exposition, welche auf das durch Anschauung oder 
Erinnerung Bekannte hinweisen, und solche des 
Prädicates, welche etwas Neues, Interessantes hinzu¬ 
bringen, und zwei Arten der Anordnung: 1) zuerst 
Prädicat, dann Exposition, oder die naive Form 
der nachträglichen Correctur; sie verräth grössere 
Begier und Lebhaftigkeit; 2) zuerst Exposition, dann 
Prädicat, die ruhigere und verstandesmässigere Aus¬ 
drucksweise. Beide Anordnungen gelten ebenso wohl 
für ganze sprachliche Werke — denn nach der 
ersten stürzt man den Leser in medias res, die 
zweite herrscht in Chroniken, Biographien, Märchen 
vor — als auch für Sätze und Wortformen. Die 
Wortformen der ältesten indogermanischen Zeit 
folgen der ersten Weise, weil sie die formalen 
Theile, die Personal- und Casusendungen, hinten 
enthalten: venit er kommt, avßQwnog der Mensch. 
Ein Verbum war indessen für den directen un¬ 
mittelbaren Gefühls- und Willensausdruck, und 
daraus bestand Rede zuerst ausschliesslich, ganz 
entbehrlich. Erst als der Redende sich mit dritten 
Personen zu identificiren und doch wieder von 
ihnen zu unterscheiden begann, so dass er von 
dritten aussagte, was er hätte thun und erfahren 
können, erst da kam das Verb auf; die Formen der 
Aussage müssen einfach als Referat, als indirecte 
Rede verstanden werden: venit steht nach S. 205 
mit eum venire auf einer Stufe; denn t = eum sei 
ursprünglich Accusativ und abhängig von der Geste 
des Subjectes, gewissermassen ein „sieh ihn — 
kommen“, und erst nachträglich durch Mechanisiren 
jener Geste als Subject der Verbalwurzel gefühlt 
worden; so verschiebt sich ja auch „ich sehe das: 
er kommt“ zu „ich sehe, dass er kommt“. Aber 


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1886. Literaturblatt für germanische und romanische Philologie. Nr. 7. 


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auch dann, wenn Aussage und damit Erzählung J 
stattfindet und die Rede theoretisches Wesen an¬ 
nimmt, bildet die Erwartung und die Zweck- • 
Vorstellung wichtige Factoren für das Verständ¬ 
nis; die Erwartung, etwas Interessantes und 
Werthvolles zu vernehmen, und wäre es auch nur 
die Verlobung am Ende des Romans, bestimmt den j 
Hörer, das Ganze und seine Abschnitte, die darauf 
vorbereiten, auf- und zusammenzufassen, während 
die Zweckvorstellung bei seinen eignen und Andrer 
Handlungen ihm Anhaltspunkte zur Beurtheilung 
und Deutung des Erzählten an die Hand gibt. In 
Kapitel D stellt der Verf. ausführlich dar, wie auch 
kein Verb eine Handlung genau bezeichne, sondern 
zur Begrenzung des unbestimmten Verbalinhaltes 
nothwendig Subject, Object und adverbiale Be¬ 
stimmungen hinzukommen müssen. Derselbe Prozess, 
der in venit das t der Exposition mechanisirt und 
mit dem prädicativen Stamme zu einem Ganzen 
condensirt, kann weiter greifen und ursprüngliche 
Sätze zu blossen Wörtern degradiren, wie es bei 
lat. quam vis, griech. öfjXöv on, franz. peut Ure u. s. w. 
geschah. Gleichzeitig erzeugt aber immer wieder 
der Dichter, der Redner, der lebhafte Sprecher über¬ 
haupt neben den mechanisirten oder formal-abstract 
gewordenen Worten und Wendungen frische, der 
Situation und dem Augenblick angepasste und be- 
thätigt damit die ursprüngliche Sprachkraft. Man 
darf daher auch die Grammatik nicht von der Poetik, 
Rhetorik und Stilistik losreissen, weil ihre zerlegende 
individualisirende Darstellung diejenigen Sprach- 
weisen, natürlich nur mit anderem Materiale, zurück¬ 
führt, von denen auch die Grammatik ausgegangen ist. 

Das die Hauptgedanken der inhaltreichen Schrift, 
deren Verdienst darin besteht, die Sprache nicht bloss 
als Product des passiven unselbständigen Gedächt¬ 
nisses und der vieldeutigen Ideen-Association gefasst, 
sondern als Ausfluss der ganzen Psyche betrachtet 
zu haben. Sie leidet vielleicht nur daran, zu aus¬ 
schliesslich vom Indogermanischen auszugehen und 
doch für alle Sprachen gütige Sätze aufstellen zu 
wollen; für diese Beschränkung dürften indessen 
die meisten Leser dem Verf. eher Dank wissen. 
Jedenfalls bestimmt die Art und das Mass dessen, 
was der Verf. M echanisirung nennt, und dessen, 
was man mit dem Namen der Analogiewirkung 
begreift, am meisten den Kulturwerth der einzelnen 
Sprachen. Hat man der letzteren so grosse Auf¬ 
merksamkeit gewidmet* so machte Wegener den 
glücklichen Versuch, auch der andern zu ihrem 
Rechte zu verhelfen, die mehr die Bedeutungslehre 
und das Gebiet der Syntax, als die Laut- oder 
Formenlehre betrifft. Von den Betrachtungen des 
Verf.’s aus fallt auf viele Erscheinungen des Latei¬ 
nischen, Griechischen und Deutschen, wie dessen 
Schrift * erweist, ein erwünschtes oder mindestens 
neues Licht. 

Basel. Franz Misteli. 


Quellen und Forschungen zur Sprach- und 
Kulturgeschichte der germanischen Völker. 

55. Heft. 1. Theil: Das friesische Bauernhaus in 
seiner Entwicklung während der letzten vier 
Jahrhunderte vorzugsweise in der Küstengegend 


zwischen der Weser und dem Dollart. Von 0. 
L a s i u s. VI, 84 S. 8. — 2. Theil: Die deutschen 
Haustypen. Nachträgliche Bemerkungen von R. 
Henning. 34 S. 8. Strassburg, Trübner. 1886. 


Meitzen und Henning haben das unbestrittene 
Verdienst, die Untersuchungen über das deutsche 
Haus in Fluss gebracht, ihnen Ziel und Weg ge¬ 
wiesen zu haben. Den gegenwärtigen Stand der 
Forschung bezeichnet letzterer richtig, wenn er sagt: 
„Vor der Hand gehört eine Reihe mehr mono¬ 
graphischer Mittheilungen zu den dringenden Be¬ 
dürfnissen.“ 

Einen Beitrag dieser Art bringt das Schriftchen 
von Lasius. Die beigegebenen Zeichnungen, die 
technisch genauen Baubeschreibungen verrathen den 
kundigen Architekten, und dass ein vielbeschäftigter 
Oberbaudirector im Alter von 88 Jahren zu solcher 
Bearbeitung des volkstümlichen Hausb